Montag früh

Hätte ich nicht die denkbar beklopptesten Arbeitszeiten und zudem mehr Freizeit als einem gut tut, hätte ich das nicht gemacht: Handwerker auf Montag, 7 Uhr morgens, bestellt. Aber ja: Es war eine sinnvolle Wahl. Während ich Montags um 7 Uhr wenigstens wach bin, trifft das auf viele andere Zeiten von normalen Handwerkern nicht zu. Zudem wurde mir versichert:

„Es ist der erste Termin des Tages, da sind die auch pünktlich!“

Sollte man bei Handwerkern ja nicht unterschätzen. 😉

Und nun: Wie immer hat alles mustergültig geklappt. Ziel der ganzen Aktion war, nach Monaten der Prokrastination mal wieder Licht in mein Zimmer zu bringen. Also nicht irgendwelches, sondern richtiges. Ich habe bei uns in der Wohnung ja das einzige Zimmer, in dem zwei Lampen Malerfassungen an der Decke hängen. Und eine davon tat nicht. Und das war einem defekten Relais geschuldet, etwas das wir schon mal im Flur hatten. Kein großes Ding, aber eben nix, was ich mit meinem bescheidenen Halbwissen mir jemals zu reparieren zugetraut hätte.

Der Handwerker selbst war jenseits seiner Arbeit jedoch ein Original sondersgleichen. Als er mit vernehmbarem „Uff!“ die Wohnung betrat und unsere lustigen Warnhinweise neben der Tür argwöhnisch beäugte, dachte ich schon, mir ein Arschloch oberster Güte ins Haus gelassen zu haben. Aber, ganz ehrlich: Dem war nicht so. Die knappe halbe Stunde, die er brauchte, um das Problem mit aller Vor- und Nacharbeit zu beheben, haben wir uns meist unterhalten.  Angefangen mit der für Arbeiten nicht gerade praktisch angelegten Luke für den Sicherungskasten waren wir bald bei den Arbeitsbedingungen. Wie eigentlich erwartet sind die nicht das Gelbe vom Ei. Die Aufträge werden immer langweiliger, es wird im Gegenzug immer mehr Eile gefordert, alles nicht so dolle.
Und so hat mich gefreut, von ihm zu hören, dass er sich andersweitig umsieht.

Ich weiß, es ist komisch, sich über einen meckernden Elektriker zu freuen. Aber er hat nicht über mich gemeckert oder darüber, dass er jetzt bei mir irgendeinen Scheiß zu erledigen hat, sondern darüber, wie die Bedingungen für ihn sind. Und er sucht nach anderen Jobs, die ihm mehr Spaß machen – obwohl er näher an der Rente ist als ich an meinem Eintritt ins Berufsleben.

Ich mag das, weil ich finde, dass sich viel zu viele Menschen unterkriegen lassen und eine Arbeit machen, die sie nicht wollen, die sie nicht fordert, interessiert oder befriedigt. Es ist in meinen Augen einfach schön, wenn selbst bodenständige Leute wie Elektriker, die überwiegend für eine große Wohnungsbaugenossenschaft arbeiten, versuchen auszubrechen. Was würde ich mir wünschen, mehr Menschen würden das tun oder hätten zumindest die Chance dazu.

Blumentopf rappten dereinst sehr passend in ihrem wunderbaren Song „Neben dem Ton“:

„Zu viele lachen mich an, aber sie weinen im Stillen,
weil sie nur für ’ne Arbeit leben, mit der sie sich eigentlich killen.“

So gesehen hat mich der morgendliche Besuch dann doch irgendwie gefreut. Und um die Lyrik über vergeigte Wochenanfänge nicht ganz aussterben zu lassen, sei hier auch noch unser letzter Wortwechsel wiedergegeben:

„Na dann trotz allem noch einen schönen Arbeitstag!“
„Ach, Montach is‘ immer scheiße, die restlichen Tage jeh’n.“

Na dann.

4 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes

4 Responses to Montag früh

  1. Carom

    Eigentlich nur zum letzten Absatz (und aber irgendwie auch zum Tenor des Postings) ein anderer Spruch:
    „Die ersten fünf Tage nach dem Wochenende sind immer scheiße, aber dann wird’s besser.“

  2. Jens

    Hallo Kollege,
    zu dem Thema, das machen was einem Spaß macht, kann ich einiges beisteuern.
    Ich habe ursprünglich in Rostock Schiffsschaltanlagenbau gelernt, diesen Job auch gern ausgeübt, die letzen Jahre an Bord. Dann kam die Wende…Job weg, ich sofort die Klamotten gepackt und ab nach Bremen, neuer Job..Hauselektrik, wie dein Handwerker schon bemerkt hat nicht so prickelnd. Schlecht bezahlt und zumeist dreckig.
    Kurzzeitig habe ich in der Leuchtwerbung gearbeitet und in ganz Deutschland Leuchtwerbung installiert und repariert.
    Dann kam ich im zarten Alter von 29 auf die Idee mit noch zwei Kollegen einen Gasthof im Bremer Umland zu übernehmen und gleichzeitig auch noch eine Kneipe in Bremen, wenn schon denn schon.
    Ist allerdings keine so gute Idee als Branchenfremder so etwas zu tun und auch noch Konzessionsträger beider Objekte zu sein…
    Die ganze Angelegenheit ging nicht wirklich lange gut, und war sehr teuer. Egal, um wieder auf die Füße zu kommen, habe ich kurzfristig Zeitschriften Abos am Telefon vertickert, 1996 ging das noch.
    Dann bin ich durch einen glücklichen Zufall zu Daimler in Bremen gekommen. Die haben überdurchschnittlich bezahlt, und ich konnte mich zügig sanieren. Um wieder etwas interessantes zu machen (Automobil-Produktion ist furchtbar öde) habe ich nebenbei ein Fernstudium im Bereich Netzwerkmanagement gemacht, mit dem Ziel in den Angestellten Bereich bei Daimler zu rutschen.
    Es kam eine Autokrise und ich wurde vor die Wahl gestellt entweder nach Rastatt zu wechseln oder eventuell den Job zu verlieren, naja, also auf nach Baden-Württemberg. Dort hatte ich einen relativ ruhigen Posten, wenn man das bei Akkordarbeit so sagen kann.
    Auch dort hat es mit dem Angestelltendasein nicht geklappt, an den Bändern bei Daimler arbeiten so viele studierte Leute allein des Geldes wegen,…ohne Beziehungen wird`s nix.
    Die Nächste Autokrise kam, und ich war zum Glück über 40. Ab diesem Alter lohnen sich Abfindungen.
    Meine Frau wollte immer nach Berlin, ich war wie immer für alles offen……
    Also Abfindung genommen (zahlen werden nicht genannt) und in Berlin einen Laden aufgemacht, klare Deadline, entweder geht oder geht nicht,….ging nicht 🙂
    Also wieder Job, was machen….erst mal IT Support bei Samsung, danach wegen Projektwechsel bei Sony.
    Wenn es einen undankbareren Job geben sollte als das, ich möchte ihn nicht kennen lernen.
    Also nach einem Ausweg gesucht, einen Job den ich möglichst bis zur Rente machen kann…..jaaaa Taxi
    Ich also den P-Schein gemacht und nun bin ich dein Kollege.

    Zusammenfassung:
    Arbeiten musst du überall, auch beim Taxifahren, dann verdienst du auch Geld.
    Ich kann mich nicht beklagen, habe jetzt fast das doppelte wie beim IT Support.
    ….
    wenn man nichts zu versorgen hat, kann man dem Spaß in den Vordergrund schieben, danach nicht mehr.

    Jens

  3. @Jens:
    Wow, das ist in der Tat eine beachtliche Auswahl an verschiedenen Jobs. Respekt!
    Vor allem, wenn ich bedenke, wie viele Einblicke man bei neuen Jobs bekommt – was da an Wissen mit einhergeht, ich find’s echt beeindruckend.
    Und natürlich muss man überall arbeiten, geschenkt kriegt man selten was. Erschreckend find ich’s halt, wenn Arbeit wirklich nur noch zum Absitzen der Zeit wird. Dass nicht jeder in seiner Traumbranche landet, ist kein Drama – aber 8 Stunden Zeitverschwendung pro Tag und dann auch noch schlechte Laune mit nach Hause bringen … das sollte eigentlich nicht sein, ist aber weit verbreitet.

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