Monthly Archives: August 2013

Update

Nun ja, den einen oder die andere dürfte es interessieren, wie es mir gerade geht. Immerhin waren die Genesungswünsche in den Kommentaren unter meinem letzten Eintrag – ebenso wie die in den sozialen Netzwerken – zahlreich. Dafür erst einmal ein dickes Danke! Ich fang hier nicht mit Emo-Gesülze an, aber Mitleid kann in manchen Situationen auch helfen, ganz ehrlich.

Nun, ein paar Tage sind ins Land gezogen, und vor allem das wichtigste hat sich geändert: Ich darf sitzen! Es ist nicht das Optimum, das sagt mir mein neuer Arzt auch – aber es ist eben auch kein No-Go mehr. Im Grunde sollte ich vor allem halt nicht zu viel Druck auf die nach wie vor offene Wunde ausüben. Dem kann ich mit Kissen entgegenwirken, insofern ist alles soweit ok. Ich bin überwiegend schmerzfrei.

Nicht sagen kann ich das allerdings über die letzten beiden Arztbesuche. Beim ersten Mal wurde nochmal nachgeschnitten und auch beim zweiten Mal wurde immerhin noch einmal eine Drainage in die Wunde gestopft. Das ist vielleicht sinnvoll, aber es macht keinen Spaß, das kann ich Euch sagen! Ich bin nicht der härteste Typ auf der Welt, manchmal sicher auch ein wenig wehleidig. Aber der Quatsch tut eben richtig weh. Das ist so der Punkt, wo man nicht mehr „aua“ sagen kann, weil man die Zähne zusammenbeißen muss und den ganzen Körper anspannt.

Mit etwas Glück habe ich das jedoch hinter mir. Heute kann ich die letzte Drainage rausnehmen, danach muss ich nur noch ein wenig spülen jeden Tag und natürlich Antibiotika futtern. Letztere sind im Übrigen auch sehr interessant, da wesentliche Bestandteile vom Körper nicht verarbeitet werden und es deswegen jedes Mal beim Pinkeln riecht, als würde ich in einer Pharmafabrik arbeiten. Aber gut, drauf geschissen!

(Was man machen kann, da der Geruch ohne Witz übertönt wird.)

Wenn alles gut geht, heilt das alles jetzt bis Anfang nächster Woche ab, bis dahin werde ich halt noch ein wenig Kompressen, Pflaster und ähnliches verschleißen. Nichts, was meinen Alltag besonders dramatisch einschränkt. Wie ich also versprochen hatte: Alles soweit ok! 🙂

Und auf der anderen Seite habe ich eine neue Ecke meines Stadtteils kennengelernt, einen neuen Arzt, lustiges im Wartezimmer erlebt, jetzt eine Woche frei … es ist ja nicht alles schlecht.

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„Aber wie?“

Aber wie? Diese Frage stellte sich heute morgen ein Arzt. Das mit dem Wie hat sich bald geklärt, das dazugehörige Wann war quasi sofort. Seitdem ist heute der beschissenste Tag dieses Jahres. Mindestens.

Um vorweg mal alle Panik zu beseitigen: Ich bin zwar zwei Wochen krankgeschrieben, ansonsten geht es mir gesundheitlich blendend. Im Grunde hat mir der Doc nur einen zwei Zentimeter langen Schnitt zugefügt und das ist vorerst alles, was bleibt. Ansonsten alles supi. Alles? Leider nein, denn die weitergehende Behandlung verlangt von mir, dass ich so wenig wie möglich sitze, was mir Haupt- und Nebenjob gleichermaßen unmöglich macht. Und den ganzen Tag nur im Bett rumsiffen und sich kaum bewegen können/dürfen ist einfach nur eine beschissene Aussicht, wenn es einem eigentlich gut geht.

Das war der Part für alle die, die wissen wollen, wie es mir geht. Zartbesaitete Seelen hören jetzt auf zu lesen und lassen vielleicht ein paar Wünsche zur schnellen Genesung da. Für den Rest kommt jetzt die etwas fiesere Variante, in der auch Körperteile und Details vorkommen.

Ich meine das ernst.

Weiterscrollen mit Essen im Mund verboten!

Es ist echt, wie oben beschrieben: Ich wurde angeritzt und bin zwei Wochen krankgeschrieben. Keine Lebensgefahr!

Niemand will wissen, was da unten noch steht!

Also gut, wer es nicht anders will:

Es gibt nur wenige Gegenden an seinem Körper, an denen man sich weniger gerne was einfängt als am Vergnügungszentrum. Schon alleine wegen des ganzen Gelächters, wenn man drüber schreibt. Dieses Kunststück hab ich jedoch geschafft. Vor zwei Tagen hab ich einen Abszess festgestellt. Arschlochmäßigerweise ganz hinten am – Ihr wolltet es wissen! – Hodensack. Na klar! Wo auch sonst?

Mein Arbeitsfreitag war dann nicht so dolle, da mir das Aufstehen und Hinsetzen höllisch weh getan hat. Als ich dann aber nach dem Heimgehen festgestellt hab, dass ich – in der schlimmsten aller denkbaren Varianten – „dicke Eier“ hatte, war mir meine Intimsphäre egal genug, um ins Krankenhaus zu fahren. War natürlich supertoll, so völlig übermüdet und breitbeinig da reinzuwatscheln …

Die Wartezeit war vor allem der Langeweile wegen schlimm, und weil mir wegen einer Blutabnahme essen, rauchen und trinken verboten war. Gnaaa! Außerdem hatte ich Angst, denn ich wusste ja, was kommen würde. Der augenscheinlich kompetente und zudem nette Urologe stand dann auch mit fast schon anerkennender Miene vor mir und verkündete oben genanntes:

„Das wir da reinstechen müssen ist klar. Aber wie?“

Um ehrlich zu sein: Niemand will sowas jemals über seinen Genitalbereich hören. NIEMAND!

Machen wir’s kurz: Er hat es getan. Er hat sich für den ambulanten Weg entschieden, was mir recht war. Ihr seid herzlich in euer Kopfkino eingeladen, wenn ich die Worte „Betäubungsspritze“, „Skalpell“ und „ausdrücken“ in den Raum werfe. Nur eines davon hat weniger wehgetan als es sich anhört …

Aber um ehrlich zu sein: Ja, höllische Schmerzen hin oder her – das ist jetzt wohl vorbei. Hoffentlich zumindest. Schlimm ist, dass der Scheiß selber heilen muss, und zwar von innen heraus. Das heißt, ich darf nix machen (Ich schrieb diesen Eintrag in zwei 20-Minuten-PC-Pausen vom Liegen heute) und darf mir jetzt mehrmals täglich eine frische Wunde an ungünstigster Stelle auswaschen, und über dieses Gefühl schweigen wir bitte auch pietätvoll.

Ich hab keine Ahnung, wie ich die nächsten Tage hinkriegen soll. Ich soll alle Anstrengungen und möglichst jedes Sitzen vermeiden. Das mit der Anstrengung ist ok. Wenn’s nur darum ginge, könnte ich sogar Taxi fahren. Aber mir de facto (Ich kann an Handy und Netbook im Liegen nichts längeres schreiben) auch noch meine liebsten Hobbies zu nehmen und mich mit den verstörenden Gedanken, ein offenes Loch im Sack zu haben, zurückzulassen – Das ist mir gerade alles ein bisschen zu viel und lässt mir den Himmel auf den Kopf fallen. 🙁

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Autor, richtiger

Vielleicht bleibt mir nicht mehr viel Zeit, um einen Text „nur“ als Blogger zu schreiben. Ich mag dieses nicht ohne Grund in Anführungszeichen gesetzte „nur“ nicht, aber die gesellschaftliche Wahrnehmung ist halt eine andere als meine eigene. Und „richtiger“ Autor (das sind dieselben Anführungszeichen wie beim „nur“) ist man nach allgemeingültiger Definition irgendwie erst, wenn man für einen Verlag schreibt und tatsächlich Bücher aus Papier veröffentlicht.

Machen wir uns nichts vor: Natürlich wirken sich diese gesellschaftlichen Konventionen auf die Eigenwahrnehmung aus. Selbst ich, nicht wenig stolz auf meine Online-Texte, freue mich darauf, irgendwann mal ein Buch von mir in der Hand zu halten.

Und ja, es geht immer mehr in die Richtung.

Vor mir liegt eine Vereinbarung mit einer Literaturagentur, einer großen. Die ist erstmal nur ausgedruckt, aber ein von der Agentur unterschriebenes Exemplar befindet sich bereits auf dem Weg. Eine Agentur, die derletzt mehrere Projekte bis in die Spiegel-Bestseller-Liste hat bringen können, umwirbt mich seit Wochen, doch mit ihnen zusammen mal ein paar Taxigeschichten als Buch an Verlage zu bringen. Das ist natürlich noch kein Buchvertrag, aber das bedeutet, dass Leute mit Ahnung von der Branche eine Chance für das Buch sehen und bereit sind, da Arbeit rein zu investieren, obwohl sie nur im Erfolgsfall dafür Geld bekommen …

Das ist durchaus was komplett neues für mich. Auch wenn es nach dem ganzen Medieninteresse in den letzten Jahren durchaus absehbar war.

Gerade aufgrund dieses großen Medieninteresses kann man sich natürlich fragen, wozu ich denn auch noch eine Literaturagentur brauchen könnte. Die Frage hab ich mir schon mehrmals selbst gestellt und auch schon die ein oder andere Anfrage abgelehnt. Man gibt damit die Rechte „aus der Hand“ (schwieriges Thema) und einen nicht gerade kleinen Teil seiner Einnahmen. Das kann man schon für bekloppt halten, wo ich doch eh schon das Interesse von Verlagen auf mich ziehe, ich also auch ohne Agentur mein Buch loswerden könnte.

Aber mal im Ernst: Ich bin kein Profi in der Branche, kein Jurist – und vor allem ein beschissener Verkäufer.

Ich schreibe! Das wohl ganz gut, aber was ist denn ein Erstlingswerk eines mittelprächtig bekannten Bloggers wert? Was kann ich denn von einem Verlag als Vorschuss verlangen, welche Klauseln im Vertrag gilt es zu beachten? Es ist eine ziemlich gute Sache, da Experten mit ihm Boot zu haben, deren Erfolg von meinem abhängt. Die werden mir schon deswegen keinen schlechten Buchvertrag unterjubeln, weil sich deren Bezahlung an meinen Einnahmen bemisst. Das ist ein geiles System – vor allem für mich, der ich gerne einfach schreiben würde.

Und ich bin selbst Dienstleister. Dienstleistungen kosten. Amazon kriegt z.B. von dem Geld, das ich bei meinen eBook-Verkäufen verdiene, auch einen Teil ab. Weil sie die „Logistik“ und die Zahlungsabwicklung für mich übernehmen, was mir Zeit und Nerven spart. Im Taxi werde ich auch bezahlt, obwohl ja jeder selbst laufen könnte.

Das ist ein großer Schritt und ich tue mich nicht leicht damit. Die Vereinbarung mit der Agentur ist kurz, verständlich und offensichtlich für die Umstände vorbildlich und absolut fern von jeder fiesen Abzocke oder Gaunerei. Trotzdem liegt das ausgedruckte Werk hier vollgekritzelt mit Fragezeichen und Textmarker-Unterstreichungen vor mir, weil ich bei sowas skeptisch bin. Aber ja, ich werde den Deal wohl eingehen und in Kürze ein „richtiger“ Autor sein.
Eventuell werde ich die nächsten Wochen bereits eine aussagekräftige Textprobe zusammenklöppeln, damit das erst noch auszuarbeitende Buch bereits auf der Frankfurter Buchmesse verschiedenen Verlagen angeboten werden kann. Das könnte also ein Tempo entwickeln, das für meine gechillten Bloggerverhältnisse atemberaubend ist.

Und das fühlt sich gut an. Ehrlich.

Falls wer meine vollständige Abwanderung ins Totholzgewerbe befürchtet: Seid beruhigt! Ich werde weiter bloggen und gedruckte Bücher brauche ich vor allem für die Wikipedia-Relevanzkriterien*. Hat ja jeder seine eigenen Ziele, nicht wahr? 😉

*Zugegeben: Spiegel-Bestsellerliste hat schon auch was …

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Comfortably numb

Die Meinungen gehen ja immer stark auseinander bei Musik. Dass oben genannter Titel eines der besseren Werke von Pink Floyd war, wird selbst von den generellen Kritikern des ‚The Wall‘-Albums selten angezweifelt. Aus Gründen. Wer will, kann sich hier auf Youtube ja noch einmal für sechseinhalb Minuten angenehm betäuben lassen …

Ich werde hier sicher keine Werksschau angehen und lasse die Einbettung des Liedes in den Gesamtkontext des Albums mal ganz außen vor. Abgesehen von den natürlich fast schon Geschichte gewordenen Gitarrensoli hat mich immer ein Textausschnitt besonders in seinen Bann gezogen:

When I was a child
I had a fever
My hand just felt like
Two balloons
Now I’ve got that feeling once again
I can’t explain
You would not understand
This is not how I am

Denn an das Gefühl, als Kind mit Fieber im Bett gelegen zu haben, erinnere ich mich sehr wohl. Und irgendwie auch sehr gerne. Ich meine, machen wir uns nichts vor: Krank sein ist scheiße! Aber dieses fiebrige Wegträumen mit der veränderten Körperwahrnehmung hat zweifellos etwas rauschhaftes. Ich kenne einige Leute, die das gar nicht mögen. Ich hab das immer geliebt. Und ich vermute, ich kann froh sein, dass mich meine Fahrerjobs und mein personelles Umfeld immer von harten Drogen ferngehalten haben.
Für die o.g. Betäubung, die der Protagonist Pink in ‚The Wall‘ sucht, habe ich nicht viel übrig. Dieses Verlangen kenne ich von meiner Mutter, die der Betäubung durch Alkohol ihr Leben opferte und deswegen Ende 2009 verstorben ist.

Aber Rauschzustände an sich … ich bin kein Kontrollfreak. Ich finde es faszinierend, was unsere Psyche uns glauben machen kann und ich bin nicht grundlos belesen in Feldern wie Psychologie u.ä. Es bleibt trotzdem dabei: Außer auch hier und da mal ein Glas zuviel zu heben muss ich schon Fieber haben, um diese Grenzerfahrungen zu machen.

So gesehen waren die letzten zwei Tage fast schon schön. Ich lag krank zu Hause, und am ersten Tag bin ich tatsächlich das ein oder andere mal weggedämmert, mit der Hand über mir völlig unbekannte fremdartige Oberflächen fahrend, wilde Muster vor meinen Augen sehend … und dennoch wissend, dass ich gerade meine Bettwäsche begrabble, in der ich jeden Tag schlafe.

Ich hoffe, dass ich heute Abend wieder fit genug zum Arbeiten bin. Ich hoffe auch, dass ich in nächster Zeit nicht wieder krank werde. Aber wenn schon, dann versuche ich es auch zu genießen – ein Tipp, der übrigens in allen Lebenslagen ziemlich sinnvoll ist. 🙂

Und wenn ihr das nicht versteht, helfen wieder o.g. Zeilen:

I can’t explain
You would not understand
This is not how I am

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Missionare

Missionare. Ih, bäh!

Wir Menschen leben unser Leben so gut es uns eben möglich ist. Dabei machen wir Erfahrungen jeglicher Art. Wenn wir clever sind und/oder Glück haben, dann sind viele dieser Erfahrungen positiv. Und wenn wir positive Erfahrungen haben und wissen – oder zu wissen glauben – was uns das beschert hat, dann sind wir oft sozial und teilen diese Informationen. Und das ist an und für sich toll. Denn es ist eine Win-win-Situation: Der Informierende muss bloß ein paar Worte verlieren und bekommt im Gegenzug soziales Ansehen und der Beratene erweitert seine Kenntnisse quasi zum Nulltarif und muss allenfalls danke sagen.

Dieses Modell ist aber nur der Idealfall. In der Realität kommt es sowohl dazu, dass den Leuten aus teils niedrigsten Motiven ziemlich blöde Ratschläge gegeben werden, auf der anderen Seite glänzen die, die gute Ideen bekommen, oft auch nicht mit den besten Manieren und geben im schlimmsten Fall statt Anerkennung Verachtung zurück.

Mich beschäftigt der erste Fall seit geraumer Zeit – und ich hoffe, damit keinen der zweiten Art zu schaffen.

Als halbwegs umtriebiger Blogger habe ich eine etwas exponierte Stellung in meinem sozialen Umfeld inne, wenn ich meine Netzbekanntschaften zu selbigem zähle. Was ich tue. Auf der einen Seite erreichen meine Vorschläge eine teilweise obszön hohe Zahl an Lesern, zum anderen aber bekomme ich auf viele Fragen wesentlich mehr Feedback als Otto Normalinterakteur in der Kneipe seiner Wahl. Was zu seltsamen Wahrnehmungen führt:

Wann immer ich eine Frage stelle, kann ich darauf wetten, Antworten zu bekommen, die nichts mit der Frage zu tun haben, sondern einzig den missionarischen Eifer meines Gegenüber befriedigen. Ich habe dabei wirklich keine konkreten Beispiele im Sinn, aber wenn ich beispielsweise frage, ob jemand zufällig eine Software kennt, die x, y und z kann, bekomme ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mindestens eine etwa so klingende Antwort:

„Ich nutze die und die Software und bin sehr zufrieden. x, y und z kann sie nicht, aber dafür a und b und das ist sowieso besser.“

Das ist in mindestens 90% der Fälle absolut lieb gemeint und vielleicht wären die Tipps auch prinzipiell brauchbar. Was leider nicht klar ist, ist die bereits zu Beginn bestehende ungleiche Verteilung von Informationen. Ich als Blogger z.B. weiß, dass ich eine komplizierte Diskussion über eine bestimmte Software nicht mit zig Lesern führen kann. Wenn ich frage: „Was ist die beste Bildbearbeitung?“, dann wird das bei 35 Kommentatoren ungefähr 40 verschiedene Antworten zu Tage fördern. Deswegen grenze ich – zum Teil natürlich auch intransparent, weil zu aufwändig zum Beschreiben – die Thematik ein. Ich hab vorher vielleicht eine Diskussion mit Ozie oder ein zwei Vertrauten, an deren Ende klar ist, dass ich z.B. eine Bildbearbeitung unter 50 € suche, die unter Ubuntu läuft, mit der man Objekte freistellen kann und die eine Ebenenverwaltung hat. Das schreibe ich dann. Leider bringt das nur teilweise was.

Ja, die Vorschläge werden detaillierter und es ist damit zu rechnen, dass mir irgendwer tatsächlich etwas passendes empfiehlt. Was ich mich frage, ist:

Was bewegt Menschen dazu, auf diese Frage hin zu sagen:

„Ey, ich kenn nur die Software ‚Ficknbilder‘ für Mac. Ich weiß nicht, was Du mit freistellen meinst, aber die hat freie Farbwahl und alles und kostet auch nur 100 €, passt also sicher.“?

Ey, wir können offen über alles reden. Und unsere Meinungen zu verschiedenen Dingen sind unterschiedlich. Es gibt genügend Punkte, an denen man über Sachen diskutieren kann. Aber o.g. Kommentare sind, so leid mir das tut, Spam. Missionarischer Spam. Irrationaler Blödsinn im Bezug auf die von mir genannte Ausgangslage. Wenn ich zum Mercedes-Händler gehe, will ich keine Fiat-Werbung. Umgekehrt ebensowenig. Und ein Fahrrad ist nicht „fast eine Limousine“, sondern gar kein Auto. Können wir nicht damit aufhören, uns gegenseitig die Zeit zu stehlen, sondern stattdessen zuhören? Und wenn man keine Ahnung hat, Dieter Nuhrs bekannteste Aussage beherzigen? Dann klappt das mit dem fairen Deal „Informationsaustausch“ auch viel besser.

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Trinkgelder und Jobs

Nein, das ist kein versehentlich hier veröffentlichter Text, der eigentlich bei GNIT gepostet werden sollte. Ozie und ich haben – ein seltenes Laster – mal wieder faulheitsbedingt den Pizza-Service kommen lassen. Trinkgeld ist ja so eine Sache, wenn man in einem Trinkgeld-Job arbeitet. Man gibt eigentlich nie wenig, dadurch dass man aber überall was liegen lässt, haut man auch nicht immer zu sehr auf den Putz. Jedenfalls waren wir am Überlegen, was wir geben. Daraus entstand der nachfolgende beinahe filmreife Dialog.

Sash: „21,40 €. Ich hab mal’n Zwanni und’n Fünfer rausgelegt.“

Ozie: „Und wenn’s wirklich ein Arschloch ist, nehm‘ ich statt des Fünfers zwei Euro aus dem Kleingeldglas.“

Sash: „OK, hab gleich zwei Euro dazu gelegt. Kannst Dich entscheiden.“

Ozie: „Also 22, wenn er ein Arsch ist, 25 wenn alles in Ordnung ist …“

Sash: „Du könntest auch …“

Ozie: „Ich könnte auch die ganzen 27 € nehmen, wenn er die Pizza oben ohne liefert und für mich tanzt …“

Sash: „Ich hab eigentlich gerade gedacht: Kannst ihm ja 2 € extra anbieten, wenn er das Altpapier runterbringt.“

Ozie: „Schon interessant, dass wir beide bei besonders hohem Trinkgeld daran denken, dass er Jobs übernimmt, die eigentlich Deine Aufgabe wären …“

Und weil irgendwer sowieso fragen wird: Es ist am Ende bei 25 € geblieben, ich gehe einfach davon aus, er wollte das Altpapier nicht mitnehmen. 😉

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Überwachung blabla …

Ja, scheiße: fang‘ ich schon wieder damit an! Ich, der unbequeme Irre mit seiner eigenartigen Lebenseinstellung.

Leute, die Monate ziehen ins Land, seit Edward Snowden angefangen hat, das Ausmaß der Überwachung durch amerikanische Geheimdienste offenzulegen – und nix passiert. Naja, nix …
Sicher, hier und da werden böse Texte geschrieben, meist allerdings unter dem Radar der „Öffentlichkeit“. Natürlich ist das hier prinzipiell so öffentlich wie ein Artikel im Spiegel, alleine: Die Mehrheit hierzulande blickt das nicht.

All der Aufschrei bezüglich Prism, Tempora und co. verpufft.

Und das ist noch nicht einmal verwunderlich. Wir haben hier in Deutschland inzwischen etliche Jahrzehnte Frieden hinter uns. Das ist natürlich gut und ich hoffe, dass es auch dabei bleibt. Wenn wir aber vor diesen Frieden gucken, finden wir immerhin den wohl schlimmsten Abschnitt menschlicher Geschichte überhaupt. Keine Frage, dass niemand dahin zurück will.

Das Problem ist: Die Zeitzeugen des dritten Reiches sterben langsam aus und ich habe das Gefühl, dass ein Großteil meiner Generation es sich sehr bequem gemacht hat im Umfeld des ewigen Friedens. Für den Großteil unserer Bevölkerung (die im Westen Deutschlands) hat sich selbst das globale Bedrohungsszenario „Kalter Krieg“ quasi von alleine erledigt. Die Älteren unter uns haben irgendwann zwischen Adenauer und Kohl ständigen Aufschwung erlebt, der Rest – und da zähle ich mich auch dazu – hat sich ins gemachte Nest gesetzt und lebt glücklich und zufrieden bis heute.

Was würde ich darum geben, das einfach ewig fortführen zu können!

Ja, ich nerve manchmal mit politischen Meinungen, aber das tue ich nicht für mich. Ja, es ist einfach scheiße, wie Minderheiten hier behandelt werden, und selbst im „perfekten“ Deutschland der letzten Jahrzehnte ist meines Erachtens nach viel falsch gelaufen. Ich selbst war dabei immer aus der Schussbahn. Mir – wie den meisten von Euch auch – ging es nie schlecht. Man hat mal ein bisschen zu wenig Kohle, ok. Aber was will man uns schon? Wir sind jung, dynamisch und erfolglos, dafür aber gesegnet mit allem materiellen Wohlstand im Rücken, den wir (oder mehr noch unsere Eltern) mit der Zeit angesammelt haben. Krieg gibt’s nur im Fernsehen und wenn uns mal das schlechte Gewissen drückt, spenden wir halt was.

Was wir darüber hinaus meist völlig vergessen haben: Auch unser persönlicher Frieden steht auf wackeligen Beinen. Uns ging und geht es so gut, dass es uns im Prinzip scheißegal sein kann, wen wir bei der nächsten Bundestagswahl wählen. Klar, sicher, ob sie nun Kohl, Schröder oder Merkel hießen: Irgendwas gutes oder irgendwas schlechtes war immer. Aber uns geht es ja nach wie vor weitgehend gut.

Jetzt haben wir plötzlich (also „plötzlich“ im Sinne der Regierungs- und Oppositionsparteien) diese Sache mit dem Internet. Gut, das kam für alle ein wenig überraschend, die an Glückskekssprüche glauben – und wer tut das nicht? – aber nun ist es da. Und sieh an: Das Dingens ist so toll, dass es nicht nur für Terroristen ein nettes Werkzeug ist (wie damals Faxgeräte für Banker), sondern die Mehrheit anspricht. Die Nutzer von iPads sind zwischen 7 und 80 Jahren alt, man schickt sich Mails, telefoniert via VoIP, ist bei Facebook, Twitter oder überwacht sich wie ich Idiot auch noch freiwillig lückenlos bei der Arbeit mit GPS.

Unsere Justiz kommt da erst langsam mit. Das ist schade, aber vielleicht noch notwendiges Übel einer sich immer weiter entwickelnden Gesellschaft. Wesentlich schneller als die Justiz sind natürlich die Geheimdienste. Die loten die Grenzen des Machbaren schon von Berufs wegen aus, die warten nicht auf die Gesetzgeber. Das an und für sich ist auch nix neues. Neu ist vor allem, wie viel diese Dienste in ihre Finger bekommen. Vielleicht (ich hege da meine Zweifel, aber) vielleicht ist es hilfreich, dass Geheimdienste Überwachungen durchführen. Das jedoch anhalts- und verdachtlos zu machen, ist es nicht.

Es geht bei dieser Geschichte nicht um die Befindlichkeiten von Einsiedlern oder etwa die immer wieder vorgekramte Kinderpornografie. Es geht um unser aller Privatleben. Nun ging eine Meldung (nicht die beste Quelle, nur die erste) durchs Netz, dass eine Familie Besuch von der Polizei bekam, weil die Mutter nach Dampfkochtöpfen und der Sohn nach Infos zum Terroranschlag von Boston gesucht hat. Immerhin waren dort Schnellkochtöpfe als Waffe verwendet worden.
Bei einer umfassenden Überwachung ist eben nix mit „Wer nix zu verbergen hat …“.
In irgendein Raster kann jede Google-Suchanfrage fallen, schließlich teilt die NSA aus gutem Grund nicht mit, was sie filtern …

Ich mache mir keine Sorgen. Nicht nur, dass ich inzwischen weiß, was eine Hausdurchsuchung zu bedeuten hat (maximal 10 Jahre einen psychischen Knacks), sondern auch, weil ich mich für recht unverdächtig halte und meiner Aggression heute überwiegend in Worten Ausdruck verleihe.

Aber wer bin ich? Also außer dem verhätschelten weißen männlichen Deutschen, der eigentlich ja nix zu befürchten hat?

Denkt mal an Journalisten, die ihren Quellen Schutz gewähren müssen (Snowden ist ja kein Einzelfall). Denkt an Leute, die sich online in Foren beraten lassen. Zu Krankheiten vielleicht. Oder meinetwegen zu rechtlichen Themen. Denkt nicht nur an Leute, die Nacktbilder online stellen! Denkt an eure besten Freunde und euch, nachdem ihr private Nachrichten ausgetauscht habt. („Der hat nix mehr zu verlieren, der könnte ins Raster passen!“)

Das Ausmaß dieser Überwachung ist beispiellos. So beispiellos, dass selbst Hitler-Vergleiche ins Leere laufen würden, weil Hitler dieses Maß an Kontrolle nie erreichen konnte (man beachte den versteckten Hitler-Vergleich!). Auch die Stasi stinkt ab gegen das, was wir – bisher nur bruchstückhaft – erfahren.

Das Schlimme daran ist: Die Menschen nehmen es nicht ernst! In der Lebenswelt meiner Generation gab es weder Hitler noch Stasi (bin Jahrgang ’81, also zu jung, um damals verstanden zu haben). Aber die Daten sind da. Sie werden zumindest teilweise gespeichert. Und wer weiß, wer 2033 regiert …

Von der Internetüberwachung merken wir nichts. Leider. Würde jeder Brief geöffnet bei uns ankommen, würde sich vielleicht sogar Frau Merkel dafür interessieren. Aber weil es „nur“ um eMails geht, „nur“ darum, dass ihr gerade einen regierungskritischen Blogeintrag lest (macht euch keine Hoffnungen, das wird gespeichert!), wird das toleriert oder zumindest als minderschwer eingeordnet. Wahrscheinlich glauben die von der CDU sogar im Ernst, dass Gott das schon richten wird …

Um zum Anfang zurückzukehren: Wir (also meine Generation) haben leider nie gelernt, was es heißt, unsere Rechte verteidigen zu müssen. Wir stehen da, nehmen das zur Kenntnis und ärgern uns vielleicht. Ja, manche werden eventuell sogar eine andere Partei wählen bei der nächsten Wahl. Immerhin.

Wahrscheinlich aber werden wir abstinken gegen die Mehrheit an alten Leuten, die das Internet immer noch für was komisches halten und am Ende wird Angela Merkel wie immer lächeln. Während das Fundament unseres Rechtsstaates erstmals auch für uns priviligierte Bürger untergeht.

Und da wundern wir uns, dass es Terroristen gibt?

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