12. Juli 2011 · 04:19
Gestern bin ich nach dem Einkaufen in der Fußgängerzone mal wieder von einem grüngewandeten Weltenretter angesprochen worden:
„Na, sind sie auch ein Tierfreund?“
An dieser Stelle wollte ich eigentlich schon antworten, dass ich jegliches Getier hasse, abgesehen von den wohlschmeckenden Arten. Hab ich natürlich nicht gemacht.
Ich hab weder was gegen Tiere, noch gegen Tierschutz-Organisationen. Im Grunde kann mich jeder anquatschen und fragen, ob ich einen Euro für ihre Arbeit übrig habe. Und je nach persönlicher Situation oder dem Anliegen gebe ich dann viel, ein Bisschen was oder gar nix.
Was mich nervt, ist das Emotionalisieren!
Die Leute wollen Geld oder eine Unterschrift. Bitte, kann man drüber reden. Aber diese billigen Versuche, Menschen mit Fragen wie der obigen unter Druck zu setzen, kann ich nicht leiden! Und nichts anderes ist es, wenn man genötigt wird, eine völlig selbstverständliche Frage in Hinblick auf den zu erwartenden Gesprächsverlauf unangemessen zu beantworten.
Denn weswegen soll man sich wie ein Arschloch fühlen, nur weil man dem sechsten Verein in diesem Monat nix geben will oder kann?
Es ist eine traurige Sache, dass Menschen oder gemeinnützige Vereine überhaupt aufs Betteln angewiesen sind. In irgendeiner Form hilft man ja eigentlich jedes Mal, wenn man einer Anfrage positiv entspricht. Und natürlich ist diese Form der Beeinflussung erfolgreich. Bei mir aber nicht!
Wenn jemand Geld von mir haben will, dann soll er mich fragen, ob er Geld haben kann. Der Profi gestern ist nach der Tierfreund-Frage fortgefahren, indem er sagte, er möchte mich nicht zulabern…
Dann tu es nicht!
Unterschreiben sie eine Petition gegen Tierquälerei? Das ist eine Frage! Dann ich ja ggf. nachfragen, wenn mich interessiert, wie der Verein heisst und was sie sonst so machen. Oder mir Bilder von gequälten Tieren ansehen. Und wenn ich mit Nein antworte, bleibt mehr Zeit für den Nächsten…
Das soll echt nicht so rüberkommen, als ob ich was gegen Bettelei habe. Angenehm ist es fraglos weder für die Bettler wie auch die Geldgeber, aber eine Frage nach einem Euro oder einer Zigarette ist nun wirklich kein Problem. Der Platz für die ganze Lebensgeschichte oder die Vereinstradition ist hingegen bei einem tiefergehenden Folgegespräch besser untergebracht. Und wer das ganze systematisch betreibt, verdient so oder so ein wenig Skepsis. Deswegen gebe ich der ruhigen Obdachlosen-Zeitungs-Verkäuferin vor dem Kaiser’s hier gelegentlich etwas Geld ohne das Blatt zu kaufen, lass aber so manchen Tierschützer stehen und reagiere abweisend auf Frauen, die mir am Ku’damm ihre Kinder vor die Nase setzen, um zu beweisen, wie arm sie sind.
Ich hab ein soziales Gewissen und ich weiss, dass ich als arbeitender Mensch mit einem gewissen Wohlstand priviligiert bin. Aber ich werde jetzt sicher kein schlechtes Gewissen haben, weil ich den Typen (vom übrigens per se eher zwielichtigen Verein aktion tier) abgewimmelt hab. Und ich glaub nicht, dass das in deren Interesse liegt…
