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Die Jugend von heu …

…ach was: DIE KINDER!

Musste gerade sehr schmunzeln über einen Eintrag des taz-Tickers zu Walpurgisnacht und erstem Mai:

19.05 Uhr: „Gegen Nazis mache ich mit“

Hamburg, Bahnhof Altona. Am Bahnhof in Altona haben sich rund 100 Demonstranten zur antikapitalistischen Vorabenddemo versammelt. Erwartet werden mehr als Tausend. Die Polizei hält sich noch im Hintergrund, hat aber viele Kräfte in den Seitenstraßen postiert, Wasserwerfer inklusive. Ein etwa zehnjähriger Junge fragt, ob für oder gegen Nazis demonstriert wird. „Gegen Nazis mache ich mit. Zündet ihr auch Sachen an?“ Zusammen mit einem Freund will er jetzt Benzin holen. Sonst machen die Anwesenden einen friedlichen Eindruck.

0.o

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Spät und damit nie

Manchmal denke ich lange darüber nach, ob ich zu einem Thema etwas schreiben soll. Und nicht selten passiert es, dass der zu schreibende Text dann nie erscheint, weil gefühlt schon jeder etwas zum Thema geschrieben hat und ich sehe, dass dem nichts mehr hinzuzufügen ist. Das ist eigentlich auch hier der Fall, aber hier habe ich wenigstens schöne Texte zu verlinken.

Es geht um die wohl bald sprichwörtlich miese Rede der Autorin Sibylle Lewitscharoff, in der sie die Welt wissen ließ, dass sie sich vor Kindern ekelt, wenn diese nicht auf die von ihr präferierte Art (ja, der von ihr und allen Christen so geliebte Geschlechtsverkehr) gezeugt wurden.
Und nebenbei geht es natürlich auch um einen Herr Mattussek, der ganz dolle stolz ist, dass er noch so aufrecht homophob ist in dieser schlechten Welt.

Dazu jedenfalls von meiner Seite aus drei Lesetipps (in denen ihr dann auch interessante weiterführende Links, u.a. zu den originalen Artikeln, findet.

1. Anatol Stefanowitsch – Unbehagen und Menschenfeindlichkeit

Stefanowitsch identifiziert nicht nur ein Roll-Back des deutschen Feuilletons, sondern diagnostiziert diesem auch eine Gefährlichkeit, weil durch die Konzentration auf die Gefühle der Autoren eine argumentative Lücke geschaffen wird, die Gegenargumente ins Leere laufen lässt. Quasi: Ich weiß ja, dass ich falsch liege, aber an meinem Ekel ändert das halt nix und das muss ich sagen dürfen.

2. Harald Stücker – Echte Menschen?

Stücker greift Lewitscharoffs Unterscheidung in echte und nicht so wirklich echte Menschen auf und fragt, ob eine derartige Entscheidung überhaupt sinnvoll ist oder in Zukunft noch sein sollte.

3. Cornelius Courts – Natürlich böse

Courts schreibt wie immer den Artikel zur Rolle der Religion in den Weltbildern der o.g. Leute, den ich gerne geschrieben hätte und bringt – ebenso wie Stücker teilweise – deutlich zur Sprache, dass sich Religion und Menschenrechte allenfalls zufällig überschneiden und bleibt bei seiner Feststellung, tatsächlich wohne der Religion eher eine „Kraft zum Bösen“ inne.

Ich habe mich über alle drei Artikel sehr gefreut, sie enthalten wie eingangs erwähnt einige erhellende Links und werfen hier und da noch ein anderes Licht auf dieses oder jenes, auch wenn man die vielen „Großen“ dazu schon gelesen hat.

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Stell Dir vor, es ist Krieg

… und keiner überträgt in ihm Fernsehen.

Es ist schon eine sonderbare Welt, in der wir leben. Viele werden es vielleicht (wie ich auch) ein bisschen verdrängt haben, aber in der Ukraine tobt ein ernstzunehmender Aufstand, seit gestern ist die Lage dort eskaliert. Die Innenstadt von Kiew ist in Flammenrot getaucht, die Kämpfe zwischen Polizei und Demonstranten kosteten mittlerweile mehrere Leben. Dass uns das nur leidlich interessiert, ist irgendwie ja nachvollziehbar. Schließlich haben wir eigene Probleme und weltweit gibt es so viel Krieg und Ärger, da ist das nur eine Meldung von vielen.

Aber so weit weg ist das nicht. Nicht geografisch, nicht politisch. Kiew liegt näher an Berlin als Rom, nur Polen trennt Deutschland von der ehemaligen Sowjetrepublik. Und nicht nur, dass die Ukraine ein Beitrittskandidat für die EU ist – ausgerechnet daran entzündeten sich im November jene Proteste, die nun wohl einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Und auch wenn es oberflächlich eindeutig darum geht, einen ungeliebten Präsidenten loszuwerden, ist die politische Lage dort alles andere als überschaubar. Dass an den Protesten neben liberalen Bewegungen auch ultrarechte Nationalisten teilnehmen, ist wohl ein Zeichen dafür, dass das alles nicht mal so eben in einem dreiminütigen Nachrichteneinspieler erklärt werden kann. Und so bleibt vorerst ein etwas verstörender Eindruck von einer Straßenschlacht, bei der Sondereinsatzkommandos mit scharfen Waffen auf die eigene Bevölkerung zielen, Panzer, Barrikaden, und ja: eine Hauptstadt brennen und neben irgendwelchen Nazis ein u.a. in Deutschland zu Ehren gekommener Profi-Boxer zum Widerstand aufruft. Und das alles 1200 km Luftlinie von hier entfernt.

Und im deutschen Fernsehen läuft eine Karnevalssendung.

Ich verstehe, dass eine Prioritätensetzung auch im Journalismus schwierig ist. Aber während gelegentlich Brennpunkte zum Wintereinbruch (Schnee, schon im Dezember!) gesendet werden, ist das gestern ausgeblieben. Um 17 Uhr MEZ wurde die gewaltsame Räumung des  Majdan Nesaleschnosti zu 18 Uhr angekündigt, sollten die zigtausend Demonstranten nicht ihre Zelte abreißen und heimgehen. Eine angekündigte Eskalation. Bei Twitter war das nach Minuten Thema, eine Liveberichts-Timeline war schnell zusammengeklickt. Nicht mal an Bildmaterial fehlte es, mehrere Livestreams laufen teils bis jetzt (Ich hab meist den hier laufen, dazu muss man allerdings Youtube ein wenig austricksen).
Als die Räumung etwa 5 Minuten im Gange war, schaltete ich zufällig beim ZDF vorbei, wo das Thema immerhin kurz angerissen wurde. Während auf meinem Computermonitor zu sehen war, wie Barrikaden angezündet wurden, um Räumpanzer zu behindern, schaltete man auf dem Fernseher zu einer Korrespondentin in Moskau (WTF?), die sich in Allgemeinplätzen erging, wie beispielsweise, dass das Ankündigen der Räumung ja durchaus auch eine leere Drohung gewesen sein könnte und man ja nicht wissen könnte, ob da jetzt wirklich was passiert.

Das ist alles noch neu, ich weiß. Ich erinnere mich an eine Situation in der Grundschule – also irgendwann so um 1988 herum – als meine Klassenlehrerin sichtlich beeindruckt berichtete, wie ein Nachrichtensprecher irgendwelche Neuigkeiten vom anderen Ende der Welt berichtet hätte, die gerade mal ein paar Minuten alt sind. Damals ist man mit uns noch ins Kommunikationsmuseum gegangen und hat Rohrpostsysteme und Bildtelefone als Technik der Zukunft gezeigt.

Und nun saß ich gestern da und konnte nicht fassen, dass ich die Nachrichtensprecher anbrüllen wollte, dass sie doch längst räumen.

„Seht Ihr das denn nicht!? Wo seid Ihr, um vielleicht wenigstens die Kampfrede von Klitschko zu übersetzen?“

Ich weiß, es ist eine schwere Zeit für Journalisten. Alles ist hektischer und zudem verlieren sie oft genug sogar die jahrzehnte-, ja jahrhundertelang gewohnte Deutungshoheit über Ereignisse. Ich zolle wirklich jedem Respekt, der sich an dieser schweren Aufgabe versucht und ich verzeihe Fehler dabei großzügig, wenn erkennbar ist, dass sie den Umständen geschuldet sind. Aber dass ich Gebühren zahle, damit über einen eventuell ausbrechenden Bürgerkrieg zur aktuellen Stunde unweit von hier eine einsame Tickermeldung unter einer Tiersendung über Flusspferde eingeblendet wird, während ich im Netz von Freiwilligen unendlich mehr Informationen bekomme, lässt mich an meinem Verstand zweifeln.

PS: Online gab es natürlich irgendwann auch Live-Ticker. Aber dass die Tagesschau, als mutmaßlich führendes Nachrichtenmedium, selbst online nur einen unkommentierten Stream von Reuters einzubinden wusste, hat nun auch nicht viel verbessert.

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Ist doch nicht so wild …

RIESEN-SKANDAL!

Das Handy von Angela Merkel wurde eventuell von der NSA oder irgendeinem befreundeten Überwachungsverein abgehört!

Na sowas aber auch. Ich für meinen Teil muss jetzt allerdings sagen: Pech gehabt. Wer sich soweit rauswagt und seine politischen Standpunkte so öffentlichkeitswirksam vertritt wie Frau Merkel, der muss nunmal darauf gefasst sein, dass zur Sicherheit aller ein bisschen überwacht wird. Wenn sie nix zu verbergen hat, dann tut das ja auch nicht weh, das haben ihre Parteifreunde ja auch in den letzten Jahren mehrfach klargestellt.

Überhaupt: Es ist ein Handy! Na aber hallo! Wer so neuartige Technologie verwendet, der muss ja wohl davon ausgehen, dass damit irgendwas nicht ganz koscher ist. Und wegen so einer Randgruppe wie Frau Merkel können wir doch nicht jetzt plötzlich unseren Schutz gegen den Terrorismus vernachlässigen! Wo kämen wir hin!? Das tun unsere amerikanischen Freunde doch alleine unseretwegen! Das muss Frau Merkel nur endlich mal begreifen! Da kann man doch keine Rücksicht nehmen auf die Belange von irgendwelchen Einzelpersonen!

Aber um mal ernst zu bleiben: Is‘ schon blöd, wenn es einem mal selbst an die Wäsche geht, nicht wahr Angie?

 

 

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„Ein bisschen unfair …“

sei mein gestriger Eintrag gewesen, mein kleiner Rant zum 11. September. Das war eine von mehreren nicht offen über die Kommentare kommunizierte Reaktion. Nicht zu Unrecht, das muss ich ja zugeben.

Aber ich glaube, die meisten der Leute, die unbedingt auch hier noch den letzten Senf, den ich von mir zu geben gedenke, lesen wollen, wissen mich ganz gut einzuschätzen. Eine Polemik wie den Text gestern schreibe ich vor allem dann, wenn mir einfach mal wieder zum Kotzen zumute ist. Ich bin so oft und so gerne auf der Suche nach Konsens und Kompromiss im Netz unterwegs, dass schon der ein oder andere Pazifist zum Kotzen den Raum verlassen hat. Aber ja, wenn man tagein, tagaus ständig von Scheiße erdrückt wird, braucht man auch mal ein Ventil.

Im Normalfall tendiere ich dazu, meine politischen Kenntnisse als zu niedrig einzustufen. Da taucht ein Thema auf und ich lese. Diese Meinung, jene Meinung. Dazu Faktenchecks, Metaanalysen, manchmal aber eben auch nur zwei Artikel, die mir gerade in den Feed geflogen sind. Auf der Basis fühle ich mich nicht unbedingt informiert genug, bei irgendwas mitreden zu können.

Und während ich darüber nachdenke, ob ich 200 halbwegs freundlich gesinnten Hardcore-Fans eine unausgegorene Meinung zumuten kann, kommen massenmedial verbreitet eine Horde Flachpfeifen angetanzt, deren Erkenntnisstand scheinbar nicht übers letzte Fix-und-Foxi-Heft raus ist, in dem zufällig auch mal ein ähnliches Wort aufgetaucht ist wie das, über das gerade geredet wird.Das kann einen echt fertig machen.

Und die letzten Wochen und Monate waren da echt kein leichtes Pflaster. Dass ich gestern die CDU-Wählerschaft mit Al-Qaida in einen Topf geworfen hab, ist dreist gewesen. Im Gegensatz zu den meisten CDU-Wählern weiß ich aber eben, dass unsere Regierung derzeit zumindest für uns hier in Deutschland eine weit größere Gefahr darstellt als die paar Bombenbastler mit ihren Wahnideen. Ja, natürlich: Bomben töten Menschen und geben außerdem verdammt gute Bilder ab, die „Gefahr, Gefahr!“ schreien. Da haben sie natürlich einen Vorsprung vor den gefalteten Händen unserer Kanzlerin.
Aber worüber wollen wir reden? Über die Geheimdienste, die längst abgespeichert haben, welche politische Meinung wir haben und welche Pornos wir gerne sehen? Über die Menschen, die vor Europas Grenzen verrecken, weil wir uns für was besseres halten und denen das nicht auch noch gönnen wollen? Wollen wir darüber reden, dass engagierte Dienstleister wie ich einen Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde noch für ein Geschenk halten würden?  Wollen wir mal klären, weswegen ausgerechnet ein ganz bestimmter imaginärer Freund namens Gott uns besser macht als die Freunde des gleichfalls absurd-dämlichen Kumpels Allah? Wollen wir uns auf eine Diskussion einlassen darüber, dass unsere Kanzlerin die Worte „ich tue mich persönlich schwer damit“ für ein Argument hält, gleichgeschlechtlichen Partnern die Adoption eines Kindes zu verweigern?
Vielleicht reden wir aber auch lieber über das Leistungsschutzrecht, das Euch zu Kriminellen macht, wenn Ihr diesen Text weiterverbreitet (das ist seit kurzem ganz von meiner Laune abhängig …).

So leid es mir für die bekloppten Krieger im Namen Allahs tut: All das hat mehr Einfluss auf das Leben hier als deren Bomben. Selbst, wenn sie irgendwann einmal hier explodieren sollten.

Ich weiß, dass unsere Gesellschaft Fortschritte macht. Und ich akzeptiere auch, dass das in einer Demokratie bisweilen langsamer vonstatten geht, als ich mir das wünschen würde. Aber ja: Ebenso wie die ewiggestrigen Taliban kotzen mich die Leute an, die Misstände nicht nur ignorireren, sondern auch legitimieren, indem sie – einfach weil es sich gut anfühlt – wählen, was sie (oder ihre Eltern) schon immer gewählt haben.

PS: Ich habe immer noch nicht einmal daran gedacht, eine Partei zu wählen, nur weil ich mir einen persönlichen Vorteil davon verspreche. Sicher, im ein oder anderen Fall mag das ein Nebeneffekt gewesen sein – aber wenn es nach mir geht, bin ich eigentlich so zufrieden, dass es Euch wehtun müsste. Nur kann ich im Gegensatz zu den Leuten, die Angela Merkel toll finden, immer noch über meinen eigenen Tellerrand hinaussehen.

Aber damit bin ich wohl in der Minderheit.

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Terrorists win!

Morgen ist dann der 11. September. 12 Jahre ist es nun her, dass die Twin-Towers des World-Trade-Centers eingestürzt sind. Seit diesem Datum haben vermeintlich freiheitliche Staaten Unmengen an Gesetzen geplant und erlassen, die ich selbst in meiner realitätsfernsten Zeit als dumme Verschwörungstheorien abgetan habe oder hätte.
Von all dem, was gesetzeswidrig unter der Oberfläche seitens der Geheimdienste passiert, will ich noch nicht einmal anfangen.

Geschichte hört nicht auf, sie bleibt nicht stehen. Auch wenn uns das in diesen fetten Jahren oft so vorkommen mag – so ist es nicht. Und mir gefällt in keinster Weise, was ich vermute, was in 100 Jahren in den Geschichtsbüchern über diese unsere Zeit stehen wird.

Vielleicht muss man den Idioten von Al-Qaida tatsächlich eine groteske Art von Respekt zollen:

Ihr habt es geschafft, unsere Welt noch mehr in Richtung Diktatur und Überwachungsstaat zu rücken; die Art von System, die Ihr selbst als dumme Idioten bevorzugt. So gesehen wart ihr mittelfristig betrachtet tatsächlich erfolgreich.
Und dafür hasse ich Euch ebenso wie die ganze strunzdumme Herde an CDU-Wählern hierzulande. Glückwunsch!

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TV-Duell

Merkel und Steinbrück haben sich gestern Abend ein bisschen öffentlichkeitswirksam gegenseitig angezickt. Im Großen und Ganzen gibt es zwar kaum was ermüdenderes als zwei Berufspolitikern anderthalb Stunden beim Reden zuzuhören, ganz ergebnislos war es aber nicht. Gut, wenn es um Inhalte geht, möchte ich mit diesem Satz nicht zitiert werden – die Sendung hat allerdings auf andere Weise ein faszinierendes bis erschreckendes Licht auf die Politik in diesem Land geworfen.

Das Format des Ganzen ist schon einmal die eine Sache. Der Wert eines solchen Schlagabtausches ist umstritten, dennoch gilt es inzwischen als das Großereignis. Dieses Jahr mehr denn je, denn ansonsten ist ja nicht viel mit Wahlkampf (was ich im Übrigen nicht negativ finde). Im Grunde saßen da gestern zwei hochdekorierte Schauspieler, die ein bisschen mit ihren politischen Ansichten, mehr aber noch mit der Art wie sie wirken, Wähler gewinnen sollten. Dass dieses Duell etwa so viel mit Realpolitik gemein hat wie ein Wahlplakat, sollte einem eigentlich bewusst sein.

Darüber hinaus ist die Überdramatisierung mit all den begleitenden Sonder- und Extrasendungen auf mehreren TV-Kanälen und die Überfrachtung des Ganzen mit 4 Moderatoren quasi der Inbegriff von Event-Politik. Moderatoren im Übrigen, die ein Bild abgegeben haben, das ich schneller wieder vergessen will wie die auf „Sie kennen mich“ eingedampfte Botschaft von Angela Merkel im Schlussappell: Ein Zombie-Kloeppel in der linken Ecke, der die erste Stunde im Wachkoma verbracht hat, eine Maybritt Illner, deren ca. 7 einzige Sätze klangen, als hätte sie einen über den Durst getrunken und die allenfalls als unauffällig zu bezeichnende Anne Will. Raab hat als einziger die Erwartungen übererfüllt – was aber vor allem daran lag, dass er ja im Vorfeld schon als Sittenverfall in Person galt. Einen „King of Kotelett“ hätte es vielleicht nicht gebraucht, aber ansonsten hätten 4 Raabs der Sendung eher genutzt als geschadet.

Die Themenauswahl kann man vertretbar finden, die Antworten der Kandidaten waren es natürlich nur sehr eingeschränkt. Dass haufenweise Wahlkampfversprechen gemacht wurden, sei es drum. Dass aber locker 50% der Zeit für blödeste Floskeln und dreifache Wiederholungen draufgegangen sind, ist echt bitter. Insbesondere – und da hat meine Verstörung gestern eindeutig ihren Höhepunkt erreicht – weil im Nachhinein auf allen Kanälen gerügt wurde, wie kompliziert sich Merkel und Steinbrück ausgedrückt hätten.

Sind wir echt schon so weit?

Ich will nicht behaupten, dass ich z.B. bezüglich Eurokrise und Pflegereformen so gut informiert bin, dass ich sofort alle gemachten Aussagen hätte verifizieren können. Aber mal im Ernst: Das war doch nicht unverständlich! Dass Frau Merkel ungerne Fragen beantwortet – das ist unverständlich. Das Herr Steinbrück überhaupt Kandidat ist – das ist unverständlich. Aber das Gelaber, das die beiden da zur Prime-Time im Fernsehen abgesondert haben, das ist Sendung-mit-der-Maus-Niveau gewesen. Wenn die Vorwürfe ernst gemeint waren, dass das für die Mehrheit der deutschen Bevölkerung zu kompliziert war, dann will ich nur hoffen, dass die meisten Wähler am 22.9. ihre Spickzettel mit zur Wahlkabine nehmen, damit sie nicht SPD und NPD verwechseln, weil die Buchstaben so ähnlich sind. Was existieren denn hierzulande bitte für Vorstellungen, wie Politik funktioniert? Da wundert es ja keinen, wenn ein Rudel Vollpfosten die AfD wählt, weil deren Wahlprogramm so schön kurz ist.

Was bleibt?

Angela Merkel glaubt der NSA, dass sie uns nicht überwacht, Peer Steinbrück glaubt, dass er Deutschland umsonst und ohne Mühe sozial gerecht kriegt. Raab will deswegen eine große Koalition, die restlichen Moderatoren wollen Feierabend. Nach der Wahl werden wir von entweder der einen oder der anderen Gurke regiert und der Hälfte der Zuschauer glaubt, das wäre schon die Werbepause.

Na dann ist ja alles gut!

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