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Würden wir nur alle HatzIV kriegen!

Wie alle Jahre wieder scheint sich die Bild erneut auf „HartzIV-Betrüger“, „Abzocker“ und „Schmarotzer“ einzuschießen. „Der große HartzIV-Report“ bei bild.de zeigt heute unter der fetten Headline „So einfach ist es, den Staat zu bescheißen“, wie Markus M. mit Schwarzarbeit seinen Reichtum als Arbeitsloser vervielfacht – oder so. Immerhin bekommt der gute Mann 610,44 €. Über die Richtigkeit der Angaben will ich besser gar nicht nachdenken, es würde mich nicht verwundern, wenn bildblog bald einen Artikel dazu veröffentlicht…
Etwas erstaunt hinterlassen mich solche Artikel bei bild.de immer, weil sie – ob jetzt aus ihrer Statisten-Datenbank oder doch wirklich von der Straße – immer wieder die schlimmsten Vollhonks der Republik finden. Markus M. streckt die Zunge raus, posiert mit 4 Handys oder chillt gemütlich vor zwei Flachbildschirmen, wobei man natürlich erfährt, dass er noch einen hat.
„Auch sonst ist er bestens ausgerüstet:“, liest man da: „Waschmaschine, Spülmaschine, DVD-Player, Satellitenempfänger, zwei Rechner, drei Bildschirme, Scanner, Drucker.“
„Das ist ja ungeheuerlich!“, mag sich der ein oder andere Bild-Leser denken, schließlich haben HartzIV-Empfänger doch gefälligst von Wasser und Brot zu leben, und wenn sie schon einen PC haben müssen, dann doch bitte einen alten – sie wissen schon – nix mit DVD und so!
1000 Euro, so verrät uns Markus M., verdient er angeblich schwarz dazu. Zugegeben, von 1600 € netto könnte ich auch ganz gut leben. Aber wie macht er das denn jetzt. „So einfach ist es, den Staat zu bescheißen“ hieß es doch in der Überschrift. Ach ja: Markus M. versucht „Sozialdetektiven“ zu entkommen, indem er mit der U-Bahn erstmal in die falsche Richtung fährt und immer „in letzter Sekunde“ aus dem Wagen springt. So einfach ist es also! Wenn man einmal mehr (wir gehen ja davon aus, wir sind so dämlich!) bild.de glauben, dann liegt die – geschätzte – Missbrauchsquote bei 15 Prozent der Fälle. Das wären – bleiben wir bei den bild.de-Infos – 15% von 6,1 Mio. Menschen.
915000 HartzIV-Betrüger bevölkern also unser Land. Rund jeder neunzigste Bundesbürger also springt – und wer hat das noch nicht beobachtet – immer ganz schnell aus der Straßenbahn. Natürlich erst, nachdem er sinnlos kreuz und quer durch die Stadt gefahren ist.
Nein, natürlich schreibt bild.de nicht, dass das so ist. Aber sie schreiben auch nicht das Gegenteil. Hier werden wieder einmal besonders extreme Idioten vorgestellt und mit einem Verweis auf die Zahlen suggeriert, dass alle so skrupellos, schlimm oder sonstwas sind. Dass „ungerechtfertigter“ Bezug von Sozialleistungen aber auch sehr niederschwellig sein kann (z.B. mal 50 € zu wenig Nebenverdienst angegeben, um nicht in Zukunft alle Bezüge zu verlieren und alles neu zu beantragen) oder gar aufgrund der nicht immer einfachen Gesetzeslage versehentlich vorkommt – das wird natürlich unter den Tisch fallen gelassen.
So prollig und arschlochmäßig Markus M. auch sein mag (wenn es ihn denn so gibt): Ob er von den 610 € vielleicht wirklich nicht leben kann, das wird nicht thematisiert. Meiner Meinung nach gehört das aber mindestens dreimal so oft in einen „großen HartzIV-Report“ wie die Hackfresse irgendeines geltungssüchtigen Idioten, der alleine sicher nicht das Sozialgefüge zum Einsturz bringt.
Aber darüber kann man sich natürlich nicht so schön echauffieren, wenn man es gerne einfach hat.

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Kommentar zum Kommentar

Dass ich Oliver Santen, seines Zeichens Bild-Kommentator, nicht mag, habe ich aus anderem Grund  schon einmal geschrieben. Sein aktueller Kommentar ist dieses Mal verdächtig kurz. Vielleicht trainiert er ja, um in ein paar Jahren dann „Post von Santen“ zu schreiben. Naja, so kurz er ist, so inhaltsleer ist der Kommentar, und er nervt mich nicht nur in Punkto Meinung – da liegt Santen ja eh meilenweit entfernt von mir.

„Leistung nicht noch mehr bestrafen!“
prangt in großen Lettern über den gefühlten 150 Worten, und natürlich geht es um die erschreckende Zahl: 80%!
„Ein Viertel der Deutschen zahlt fast 80% der gesamten Lohn- und Einkommensteuer.“
Diese Zahl scheint bei Herr Santen dazu zu führen, dass er Minderheiten bedroht sieht und sich gegen diese Entwicklung stemmen will, ja: muss.
„Diese Zahlen belegen Schwarz auf Weiß: Wer in Deutschland gut verdient, der zahlt auch kräftig Steuern.“
Irgendwie kann ich ihm da nicht widersprechen. Irgendwo hat er ja recht, aber was soll das? Ist das neu? Ist das ein Problem? Mal abgesehen davon, dass er das mit seinen Zahlen nicht beweisen kann, denn was 2008 passiert, lässt sich sicher herausfinden, aber nicht mit Zahlen von 2004 😉 Aber weiter im Text:
„Dabei handelt es sich keineswegs nur um Einkommens-Millionäre.“
Das wäre auch eine wirklich utopische Grenze für den Spitzensteuersatz…
„Ganz im Gegenteil:“
Ach wie? Auch die ganz Armen? HartzIV und so?
„auch Facharbeiter“
Naja, „Gegenteil“ ist ein bisschen hart ausgedrückt, oder?
„werden vom Finanzamt ordentlich abkassiert. Der Spitzensteuersatz wird ab einem Jahreseinkommen von 52 000 Euro fällig.“
Äh, Herr Santen? Das ist seit 2007 schon nicht mehr so. Seit da gilt ein neuer „Spitzensteuersatz“ ab 250 000 Euro (bei Ledigen).
Im folgenden wird der Herr Santen über eine Steueränderung meckern, die es bereits gibt. Richtig ist, dass ab 52 152 Euro der (ehemalige Spitzen-)Steuersatz von 42% greift. Da das vielleicht für Laien schon schlimm genug klingt, muss ich hier noch einmal erwähnen, dass dieser Steuersatz NICHT auf das gesamte Einkommen erhoben wird, sondern nur auf den Teil, der über diesem Einkommen liegt.
„Die Forderung von Politikern, dass breite Schultern noch mehr tragen müssen als andere, ist schlicht populistisch.“
Und warum? Hey, realistisch betrachtet bin ich ein sozialer Mensch. Mal abgesehen von dem unnötigen Scheiß, den die Regierung damit zu finanzieren gedenkt, bin ich zum Beispiel gerne bereit Geld in Form von Steuern an die Gemeinschaft zu zahlen. Herr Santen sollte mir beizeiten aber mal erklären, wie ich das 2004 bei einem Brutto-Einkommen von 1050 € (in guten Monaten) hätte tun sollen. Es mag abstrakt für wohlhonorierte Bild-Schreiber sein, aber: Arme Menschen haben weniger Geld! Das macht es etwas schwierig für sie, einen Großteil der Steuern zu zahlen…
„Eine neue „Reichensteuer““
…die es schon gibt…
„würde alle Leistungsträger weiter schröpfen – auch viele fleißige Beschäftigte, die täglich ranklotzen.“
Er hat ja recht: Abgesehen von den faulen Leistungsträgern würden auch die fleißigen Beschäftigten geschröpft. Also zumindest die fleißigen Beschäftigten, die über 250 000 Euro im Jahr verdienen.
„Wollen wir Leistung tatsächlich mit immer höheren Steuern bestrafen?“
Herr Santen will das offenbar nicht. Verdient der eigentlich über 250 000 Euro im Jahr? Kann mir das mal jemand verraten?
„Nein!“
Äh, das ist nicht meine Meinung!
„Wir sollten dafür sorgen, dass die Starken hierbleiben und dafür sorgen, dass den Schwächeren weiter geholfen werden kann.“
Wie wollen sie denn den Schwächeren mit Hilfe der Starken helfen, Herr Santen? Doch nicht etwa durch ihr Geld, oder? Denn das dürfen wir ja ihrer Meinung nach nicht nehmen. Entweder sie haben noch irgendwo eine eierlegende Wollmilchsau im Ärmel versteckt, oder sie haben einfach keine Ahnung, was für einen Müll sie hier mal wieder verbreitet haben.

Ich tippe auf letzteres!

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Bsirske beim Auf-die-Schnauze-Fliegen

Ist es nicht irgendwie erstaunlich? Bei der Lufthansa wird / wurde gestreikt, und prompt kamen alle angerannt und riefen wild in die Runde, weswegen das alles schlimm ist. Allen voran natürlich die Bild. Da würden arme deutsche Urlauber um ihre verdienten Ferien gebracht, die Wirtschaft leidet, eigentlich ist es halt so rundum fies. Als bestes Beispiel sei hier eine Kolumne von Oliver Santen genannt, die ich schon angesprochen habe.
Nun passiert etwas furchtbares. Etwas unglaubliches. Etwas so schreckliches, wie es eigentlich seit mindestens dem zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat: Der verantwortliche ver.di-Chef und Lufthansa-Aufsichtsrat Bsirske fliegt in den Urlaub!!!
Gratis!
Mit der Lufthansa!
Das Geschrei ist groß, und was ist angeblich das Schlimme daran: Dass er die treuen Gewerkschaftsleute damit prellen würde. Wie niedlich…
Also diese unersättlich gierigen, miesen und selbstverliebten Gewerkschafter, die das deutsche Volk ja offenbar erklärtermaßen zugrunde richten wollen. Die macht er angeblich unglücklich, und das ist gemein…
Der Volkspfarrer von Bild, Peter Hahne schreibt also gleich mal was über die abgehobene Elite des Landes, dass seine Oma noch treu nach dem Motto „Das macht man einfach nicht!“ gehandelt hat, und dass alles scheiße ist. Jaja, ich sag’s ja immer, aber auf mich hört ja niemand.
Mal im Ernst:
Dass ich den Streik in Ordnung finde, habe ich gesagt. Witzigerweise finde ich auch an Bsirskes Flug nichts. Meinetwegen bekommt der Kerl zuviel Geld für zuwenig Leistung, aber ich will, dass mir jetzt mal jemand erklärt, wie er seinen Anhängern mit einem Gratis-Flug schadet! Hätte er den Quatsch bezahlt, dann fände ich das auch absurd, aber was soll das Geschrei jetzt schon wieder?
Es ist schon peinlich genug, dass die Bild gleichermaßen gegen Gewerkschaften wettert und auf der anderen Seite sinkende Einkommen beklagt. Sich dann aber über den Gewekschaftschef zu beschweren, das er die streikenden Piloten im Stich lässt, das hat etwas besonders perfides. Manch anderer Publikation würde ich hier vielleicht Meinungsvielfalt unterstellen. Bei Bild nenne ich es lieber Populismus und Opportunismus!Links zu diesem Artikel:Kolumne von Peter Hahne
BILD-Bericht zum Thema
Bericht vom Tagesspiegel

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Schreibt uns nicht kaputt!

Ich gebe es zu: Oliver Santen nervt mich ein wenig mehr als die meisten anderen Bild-Schreiberlinge. Ich mag in den Augen vieler vielleicht ein hoffnungsloser Idiot sein, weil ich links bin, aber ich verstehe einfach die Gewichtung mancher Urteile von Menschen nicht. Ich bewerte es eben einfach anders.
In seiner neusten Kolumne schreibt Santen: „Streikt uns nicht kaputt!“ und es geht um von ver.di angekündigte Streiks bei den Piloten. Es ist meines Erachtens nach ok, wenn man sich als Urlauber ärgert, dass der Flug ausfällt. Es ist legitim, sich zu beschweren, wenn man geschäftliche Termine deswegen nicht wahrnehmen kann – keine Frage. Aber was soll es bitte heissen, wenn Santen schreibt: „Der Streik gegen Urlauber hat Methode.“?
Hier liegt meines Erachtens nach wieder ein künstlich geschaffener Kausalzusammenhang vor: Beim Streik sind unter anderem auch Urlauber geschädigt, deswegen richtet sich der Streik also gegen die Urlauber. Das ist – und das behaupte ich eiskalt ohne von ver.di Bonbons zu kriegen – einfach Quatsch! Indirekt mag sich ein Streik gegen Urlauber richten, aber nicht gegen die Urlauber als Personen, sondern als Einnahmequelle des bestreikten Unternehmens. „Zugegeben, das Streikrecht ist eine legitime Waffe im Kampf zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern“, schreibt Santen weiter. Das dachte ich auch. „Aber dürfen wir im Zeitalter der Mobilität zulassen, dass die Hauptschlagader unseres Lebens mal eben gekappt wird?“, so die – nicht sonderlich unparteiische – Frage Santens. Ich verstehe seinen Standpunkt zwar, ich kann ihm sogar eine gewisse Sinnigkeit nicht absprechen, aber wenn ein Streik an sich legitim ist, das aber bei Piloten nicht ok ist… was ist dann das legitime Mittel bei Piloten?
Und wenn wir gerade überlegen, wer alles nicht streiken darf, wie geht es weiter? Die bei den Energieunternehmen bediensteten Leute dürfen sicher auch nicht streiken, wir haben ja auch irgendwie das Energiezeitalter – und zudem das Automobilzeitalter, das Computerzeitalter, das Globalisierungszeitalter, das Dienstleistungszeitalter, das Handelszeitalter, das Internetzeitalter, das… schafft den Arbeitskampf doch ganz ab!
Ich meine, Sreik ist nicht irgendein Druckmittel, es ist die letzte Waffe der Arbeitnehmer, die noch gesetzlich ist. Danach haben die Arbeitgeber noch die Ausschließung, und dann ist Ende, dann wird alles weitere unter Terrorismus subsummiert.
Wie sollen sich also Piloten beispielsweise sonst wehren, wenn sie sich unter Wert verkauft fühlen? Santen fordert, dass der Verkehr als Motor der Gesellschaft vom Arbeitskampf grundsätzlich ausgenommen werden sollte. Nette Idee, was verspricht sich unser Held denn davon?
Ich gebe mal eine Prognose ab, wo sein Szenario aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann hinführt: Die Jobs werden immer beschissener bezahlt, bald will sie keiner machen, und wenn dann ganz ohne Streiks die viel geliebte Mobilität ins Wanken gerät, holt man sich billige Piloten aus Übersee und meckert, dass die Ausländer uns die Arbeitsplätze wegnehmen und gar nicht so gut geschult sind wie die Deutschen.
Soll man sich vor einer derartigen Weitsicht verbeugen? Sie bejubeln?
Wer jetzt aber denkt, Santen hätte damit sein Pulver verschossen, der bekommt zum Abschluss noch einen Nachschlag: „Es darf nicht länger sein, dass Urlauber, Geschäftsreisende und Pendler zu Geiseln von Lokführern oder Piloten werden.“
Mit Verlaub, Geiseln befinden sich in der Gewalt der jeweiligen Gruppen. Ihr Leben ist abhängig von ihnen. Mit anderen Worten: Tagtäglich sind die armen Urlauber, Pendler und Geschäftsreisenden „Geiseln“ der Fahrer und Piloten, der Führer und Transporteure. Daran denkt niemand. Wenn die Leute doch so wichtig sind – als Motor der Gesellschaft – warum haben sie es dann nötig, für mehr Lohn zu streiken? Warum zahlt niemand diesen wichtigen Leuten mehr Geld? Ich finde diese Frage viel wichtiger als die Frage, wer wann unter welchem Streik leidet – selbst wenn es für den Einzelnen manchmal Einschnitte bedeutet.
So lange der Arbeitsplatz die einzige Möglichkeit ist, ein Leben zu finanzieren, so lange wird man sich um gerechte Bezahlung streiten müssen. Ein Streik ist nicht nur im abstrakten Sinne legitim, sondern er zeigt den betroffenen Unternehmen auch ganz klar auf, wie wichtig die Mitarbeiter sind. Angebot und Nachfrage, Marktwirtschaft und Kapitalismus, Themen, die Santen sicher feuchte Träume bescheren, funktionieren nunmal so.
Ich will nicht ernstlich polemisch werden zum Schluss, aber wer fliegen will, muss auch die Löhne der Piloten akzeptieren. Und meiner Meinung nach haben Unternehmen, deren Erfolg nur darauf beruht, dass sie den Angestellten zu wenig Geld zahlen, keinerlei Existenzberechtigung. Und diesen Satz schreibe ich – wenn man mal darüber nachdenkt – sogar im Sinne aller Kapitalisten da draussen. Denn: Wer soll denn all die Waren und Dienstleistungen kaufen, wenn nicht die Massen der Arbeiter und Angestellten? Und wenn die kein Geld haben…

Aber gut, genug für jetzt!

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Völlig unnötiger Artikel

Wenn wir über Bild und bild.de eines wissen, dann dass sie… lügen? Naja, das auch, aber mir ging es eigentlich darum, dass sie eine recht klare politische Linie haben. Da mag noch so oft „überparteilich“ unter dem Titel stehen, oder in „leicht einseitigen Artikeln“ von einer Zeitung fabuliert werden, die „rein sachlich“ berichtet, es ist und bleibt so.

Um das ein x-tes Mal zu verdeutlichen, sei hier einmal gezeigt, weswegen Heiner Geißler der Verlierer des Tages ist:

Screenshot: bild.de

Screenshot: bild.de

OK, über Weltanschauungen darf, ja sollte man vielleicht sogar streiten. Was aber soll „wunderlich“ daran sein, wenn Geißler seine Meinung ändert? Eine Torheit, so das Fazit, ist es wohl, sich mit Linken zu solidarisieren (ich glaube kaum, dass die Bild-Macher die Materie so differneziert betrachten, dass sie wissen, dass inzwischen selbst überzeugte Neonazis sich gegen die Globalisierung stellen). Ich möchte anmerken, dass es hier nicht um die RAF geht. Am besten allerdings ist der Satz „Jetzt macht er auch noch den Kapitalismus schlecht…“

Böser Geißler! Pfui!

Der arme kleine Kapitalismus ist beleidigt und möchte von Mama Bild im Kinderparadies abgeholt werden!

Ich weiss, das ist alles nichts neues, aber ich musste einfach einmal mehr erwähnen, bis in welche Tiefen der Zeitung und des Online-Auftritts die Meinungsmache reicht.

Ach ja, der Gewinner des Tages ist Thomas Godoj, der „Superstar“, der verkündet, dass er trotz vermutlich siebenstelliger Gewinne an seinem Kurzauftritt im Rampenlicht der Geschichte nicht vorhat, abzuheben und sich höchstens eine kleine Wohnung kaufen will. Verweigert sich also auch dem Konsum, dieser, ach… Terrorist!

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Sleeping Blog

Ja, man könnte tatsächlich der Meinung sein, der Blog sei gerade dabei, einzuschlafen. Das ist nicht korrekt, aber die letzten Tage bin ich einfach nicht zum Schreiben gekommen, bzw. hatte keinen Nerv mehr, wenn ich es dann konnte.
Das hier wird jetzt ein bisschen ein gemischter Beitrag. Ich weiss, das macht es vor allem schwer zu kommentieren, aber das werden wir dann sehen.

Zunächst zum Blog selber:
Ich bin jetzt eine Woche quasi nicht zum schreiben gekommen, habe nur spärlich auf Kommentare geantwortet und den Eindruck erweckt, ich stelle mich tot: Ergebnis: Wiederaufnahme in die Top 10, Verdopplung der Besucherzahlen und mehr Kommentare als zuvor? Mögt ihr meinen Blog lieber, wenn ich nichts schreibe? 😉

Zu unserer WG:
Die Woche war alles in allem ziemlich hart. Durch Nicos Einzug ging uns das Wohnzimmer vorübergehend verloren, das Lager musste ausgeräumt, tapeziert und gestrichen werden – und zu guter Letzt musste Nicos Zeug dann dort auch noch hinein. Aber natürlich war die Zeit am härtesten für den Durchling selbst, der nun – wie er vorher erkannte – drei Zimmer in zwei Wochen bewohnte. Naja, und die Bedingung zum Einzug war eben das Helfen beim Renovieren des Zimmers. Was das Zimmer angeht, können wir uns eigentlich selber loben. Ich würde zwar behaupten, dass man um das Fenster vielleicht noch ein drittes Mal hätte streichen können, aber besser als die alte Tapete ist das dort auf jeden Fall.
Für die, die es nicht glauben wollen, gibt es hier die alte Tapete (im Originalzustand – inkl. Abriss):

Quelle: Vormieter

Quelle: Vormieter

…und inzwischen ist sie einfach nur durchgehend weiß. Ich hab dann aber heute gleich noch ein wenig mein Zimmer aufgeräumt – und fertig ist der ganze Rummel, der einen mit allem anderen Gedöns vom Lernen abhalten kann. Naja, und die Würmer eben 😉 Ich hab echt schon eine Weile nicht mehr so lange ein Spiel gezockt wie die letzten Tage Worms. Unglaublich. Schön, dass derartige Unterhaltung heutzutage mit 7 € recht erschwinglich ist.

Zur Welt da draussen:
Inzwischen weiss ich echt nicht mehr, was ich noch alles kommentieren soll, denn dazu ist die Zeit meines Nicht-Kommentierens etwas lang geworden. Ein paar Themen möchte ich dennoch anschneiden, aber nur um kurz meine Meinung wiederzugeben:

1. Der geköpfte Hitler
Es ist doch faszinierend, dass insbesondere die Bild zunächst einen öffentlichen Aufschrei gegen das Ausstellen Hitlers als Wachsfigur heraufbeschwört und man sich dann wundert, wenn jemand das ernst nimmt. Wobei die Reaktionen ja für einen derartigen „Angriff“ erstaunlich verständnisvoll ausfielen. Ich persönlich hab jetzt gar nicht mal was gegen derartige Aktionen, aber warum bei einer dämlichen Wachsfigur?
Ich bin nach wie vor kein Freund der Political Correctness, und ich finde es als ausgemachter Gegner rechten Gesocks kein Problem, Adolf Hitler in einem Wachsfigurenkabinett auszustellen. Ist das Glorifizierung? Ernsthaft? Wenn Hitler keine „interessante“ zeitgeschichtliche Person war, wieso dann der Aufschrei? Heilig wird Hitler doch insbesondere durch all die Tabus, die ihn auf ein Podest stellen. Skandalös soll es ja sein, dass die Hitler-Figur nur ein paar Hundert Meter vom Holocaust-Mahmal entfernt steht. Skandalös finde ich, dass sich zwischen diesen beiden Punkten sicher hundert in Hinterhöfe und Treppengeländer geritzte Hakenkreuze befinden, deren Ersteller sicher wesentlich eher Hitler glorifizieren, als es die recht unspektakulär gehaltene Puppe im Sitzen je tun wird. Heuchelei meiner Meinung nach!

2. Atomkraft
Kernenergie ist der neue Ökostrom, das ist doch so, oder? Das hab ich zumindest geglaubt zu vernehmen, als ich in den letzten Tagen die Medien durchforstet habe. Nehmen wir doch mal wieder unseren alten Helden Wagner:

Screenshot: bild.de

Screenshot: bild.de

Was lernen wir daraus? Wagner war vom Herzen her Atomkraftgegner, nicht aus Vernunftgründen. Das glaube ich ihm, denn vernünftig gesehen hat sich bei der Lage um die strahlende Materie nichts getan. Hey, ich bestreite gar nicht, dass es schwer bis unmöglich ist, aus der Kernkraft auszusteigen und gleichzeitig CO2 einzusparen – vor allem in der Menge, in der es Merkel beinahe fast schon sicher vorzuhaben glaubt.

Aber wie kann man behaupten, das sei der bessere Weg. Hunderttausende Tonnen radioaktiver Abfall für den nach wie vor kein einziges Endlager weltweit existiert sind also eine ernstliche Alternative. Und dann auch noch mit der Begründung, Windräder versperren den Blick aufs Meer?

(Einschub: Mir ist bewusst, dass die Windenergie Kernenergie gerade nicht ersetzen könnte, aber die Gewichtung der Nachteile ist einfach eine perverse Verdrehung der Tatsachen, denn Wagner erwähnt kein Gegenargument zur Atomkraft ausser der Tatsache, dass er selber mal dagegen war)

Ist der Kampf gegen globale Erwärmung wichtiger als Sicherheit vor radioaktiver Verstrahlung? So muss die Frage dazu doch lauten? Und wenn wir bei Horrorszenarien sind, dann möchte ich die Frage nachreichen, wie schlimm im Vergleich zur Überhitzung des Planeten und der Verstrahlung desselben ein Brachliegen der Wirtschaft wäre. Denn das wäre so ziemlich alles, was wir in Kauf nehmen müssten, wenn wir beides umgehen wollten. Alles nicht schön, aber mindestens eines davon wird irgendwann – uns oder unsere Kindeskinder – ereilen.

Aber mir ist schon klar: Wenn der Onkel Sarkozy Kraftwerke bauen darf, dann wollen wir das auch, schließlich sind wir mindestens genauso gut darin hier in Deutschland. Nehmt es mir nicht allzu übel, aber das ist für mich mindestens ein so guter Grund zu Kotzen wie Adolf Wachskopf für Franz Josef Wagner.

3. Die U-Bahn-Schläger
Nun sind die beiden Idioten, die einen Rentner fast totgeschlagen haben also endlich im Knast. Das reicht der Bild und einigen Politikern nicht, jetzt wird spekuliert / gefordert / beschlossen, dass sie nach Verbüßen der Haftstrafe abgeschoben werden.

Also ich bin der Meinung, dass das unsinnig ist. Ich kann Abschiebungen echt nicht nachvollziehen. Da leben wir in einer „so schönen“, fast völlig globalisierten Welt, aber sobald einer böse wird, da drücken wir ihn wieder unseren total lieben Nachbarn auf und sagen: „Da, den wollen wir nicht! Ihr könntet uns aber im Ausgleich gerne ein paar liebe gut ausgebildete Ingenieure schicken, die für 6 € pro Stunde bei uns tolle Flugzeuge bauen.“

Hat eigentlich irgendeiner der Verantwortlichen mal darüber nachgedacht, was passiert, wenn das alle anderen auch machen: Richtig, es ändert sich gar nix! Toll! Wirklich!

Aber gut, das war es jetzt erstmal aus meinem evolutionsskeptischen Lager hier in Berlin-Marzahn. Ich wünsche euch allen noch eine gute Nacht und versuche zu versprechen, dass ich bald wieder etwas mehr schreibe.

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Nazis (1)

Es ist ja seit einiger Zeit so, dass sich Nazis der Symbole der linken Szene bemächtigen. Sie verändern sie in ihrem Sinne, und alles was dabei herauskommt, ist in der Regel billiger Abklatsch. Inzwischen gibt es „Autonome Nationalisten“, die sich in ebenso schickes Schwarz hüllen wie der berüchtigte schwarze Block. Es gibt Nazis, die sich eine Ideologie zurechtgezimmert haben, die es ihnen erlaubt, Ché-Guevara-T-Shirts (natürlich T-Hemden, sorry!) zu tragen, und auch sonst findet sich einiges skuriles.
Das alles ist wirklich kein Grund zu lachen, aber an gewissen Punkten kommt man nicht umhin. Ich bin vorher in einem Blog gelandet, den ich hier bewusst weder verlinken, noch sonstwie bewerben will, und dessen Stiftführer hat sich entschieden, dem Grundgedanken nachzuhängen, dass verschiedene Völker ja schon irgendwie ok sind, wenn sie nur bleiben, wo sie waren. Das ist ein alter Gedanke der so genannten „Neuen Rechten“, damit also noch nicht erwähnenswert. Idiotisch wird diese Ansicht aber insbesondere bei Gehirnakrobaten wie dem von mir gefundenen Töffel, der die Völker da haben will, wo sie schon immer (?) waren, aber den israelischen Staat (seit wann besteht dieser Staat nochmal?) bedingungslos anerkennen. Das mag widersprüchlich sein, aber man muss es ja nicht so genau nehmen. Dabei kann man sich mal eben rasch vom Vorwurf des Antisemitismus befreien, moderner wirken, und… ein neues Logo basteln:

Demnächst: Nazis gegen Hitler!

Demnächst: Nazis gegen Hitler! Quelle: Nazi-Seite

Ich muss gestehen, dass mich das irgendwie an die „Nazis gegen Rechts“-Postkarte erinnert, die bei uns im Flur hängt. Ganz ganz ehrlich: Welch geistig unterpriviligierter Vollpfosten muss man sein, um mit etwas derartigem hausieren zu gehen?

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