Category Archives: Politik

Sleeping Blog

Ja, man könnte tatsächlich der Meinung sein, der Blog sei gerade dabei, einzuschlafen. Das ist nicht korrekt, aber die letzten Tage bin ich einfach nicht zum Schreiben gekommen, bzw. hatte keinen Nerv mehr, wenn ich es dann konnte.
Das hier wird jetzt ein bisschen ein gemischter Beitrag. Ich weiss, das macht es vor allem schwer zu kommentieren, aber das werden wir dann sehen.

Zunächst zum Blog selber:
Ich bin jetzt eine Woche quasi nicht zum schreiben gekommen, habe nur spärlich auf Kommentare geantwortet und den Eindruck erweckt, ich stelle mich tot: Ergebnis: Wiederaufnahme in die Top 10, Verdopplung der Besucherzahlen und mehr Kommentare als zuvor? Mögt ihr meinen Blog lieber, wenn ich nichts schreibe? 😉

Zu unserer WG:
Die Woche war alles in allem ziemlich hart. Durch Nicos Einzug ging uns das Wohnzimmer vorübergehend verloren, das Lager musste ausgeräumt, tapeziert und gestrichen werden – und zu guter Letzt musste Nicos Zeug dann dort auch noch hinein. Aber natürlich war die Zeit am härtesten für den Durchling selbst, der nun – wie er vorher erkannte – drei Zimmer in zwei Wochen bewohnte. Naja, und die Bedingung zum Einzug war eben das Helfen beim Renovieren des Zimmers. Was das Zimmer angeht, können wir uns eigentlich selber loben. Ich würde zwar behaupten, dass man um das Fenster vielleicht noch ein drittes Mal hätte streichen können, aber besser als die alte Tapete ist das dort auf jeden Fall.
Für die, die es nicht glauben wollen, gibt es hier die alte Tapete (im Originalzustand – inkl. Abriss):

Quelle: Vormieter

Quelle: Vormieter

…und inzwischen ist sie einfach nur durchgehend weiß. Ich hab dann aber heute gleich noch ein wenig mein Zimmer aufgeräumt – und fertig ist der ganze Rummel, der einen mit allem anderen Gedöns vom Lernen abhalten kann. Naja, und die Würmer eben 😉 Ich hab echt schon eine Weile nicht mehr so lange ein Spiel gezockt wie die letzten Tage Worms. Unglaublich. Schön, dass derartige Unterhaltung heutzutage mit 7 € recht erschwinglich ist.

Zur Welt da draussen:
Inzwischen weiss ich echt nicht mehr, was ich noch alles kommentieren soll, denn dazu ist die Zeit meines Nicht-Kommentierens etwas lang geworden. Ein paar Themen möchte ich dennoch anschneiden, aber nur um kurz meine Meinung wiederzugeben:

1. Der geköpfte Hitler
Es ist doch faszinierend, dass insbesondere die Bild zunächst einen öffentlichen Aufschrei gegen das Ausstellen Hitlers als Wachsfigur heraufbeschwört und man sich dann wundert, wenn jemand das ernst nimmt. Wobei die Reaktionen ja für einen derartigen „Angriff“ erstaunlich verständnisvoll ausfielen. Ich persönlich hab jetzt gar nicht mal was gegen derartige Aktionen, aber warum bei einer dämlichen Wachsfigur?
Ich bin nach wie vor kein Freund der Political Correctness, und ich finde es als ausgemachter Gegner rechten Gesocks kein Problem, Adolf Hitler in einem Wachsfigurenkabinett auszustellen. Ist das Glorifizierung? Ernsthaft? Wenn Hitler keine „interessante“ zeitgeschichtliche Person war, wieso dann der Aufschrei? Heilig wird Hitler doch insbesondere durch all die Tabus, die ihn auf ein Podest stellen. Skandalös soll es ja sein, dass die Hitler-Figur nur ein paar Hundert Meter vom Holocaust-Mahmal entfernt steht. Skandalös finde ich, dass sich zwischen diesen beiden Punkten sicher hundert in Hinterhöfe und Treppengeländer geritzte Hakenkreuze befinden, deren Ersteller sicher wesentlich eher Hitler glorifizieren, als es die recht unspektakulär gehaltene Puppe im Sitzen je tun wird. Heuchelei meiner Meinung nach!

2. Atomkraft
Kernenergie ist der neue Ökostrom, das ist doch so, oder? Das hab ich zumindest geglaubt zu vernehmen, als ich in den letzten Tagen die Medien durchforstet habe. Nehmen wir doch mal wieder unseren alten Helden Wagner:

Screenshot: bild.de

Screenshot: bild.de

Was lernen wir daraus? Wagner war vom Herzen her Atomkraftgegner, nicht aus Vernunftgründen. Das glaube ich ihm, denn vernünftig gesehen hat sich bei der Lage um die strahlende Materie nichts getan. Hey, ich bestreite gar nicht, dass es schwer bis unmöglich ist, aus der Kernkraft auszusteigen und gleichzeitig CO2 einzusparen – vor allem in der Menge, in der es Merkel beinahe fast schon sicher vorzuhaben glaubt.

Aber wie kann man behaupten, das sei der bessere Weg. Hunderttausende Tonnen radioaktiver Abfall für den nach wie vor kein einziges Endlager weltweit existiert sind also eine ernstliche Alternative. Und dann auch noch mit der Begründung, Windräder versperren den Blick aufs Meer?

(Einschub: Mir ist bewusst, dass die Windenergie Kernenergie gerade nicht ersetzen könnte, aber die Gewichtung der Nachteile ist einfach eine perverse Verdrehung der Tatsachen, denn Wagner erwähnt kein Gegenargument zur Atomkraft ausser der Tatsache, dass er selber mal dagegen war)

Ist der Kampf gegen globale Erwärmung wichtiger als Sicherheit vor radioaktiver Verstrahlung? So muss die Frage dazu doch lauten? Und wenn wir bei Horrorszenarien sind, dann möchte ich die Frage nachreichen, wie schlimm im Vergleich zur Überhitzung des Planeten und der Verstrahlung desselben ein Brachliegen der Wirtschaft wäre. Denn das wäre so ziemlich alles, was wir in Kauf nehmen müssten, wenn wir beides umgehen wollten. Alles nicht schön, aber mindestens eines davon wird irgendwann – uns oder unsere Kindeskinder – ereilen.

Aber mir ist schon klar: Wenn der Onkel Sarkozy Kraftwerke bauen darf, dann wollen wir das auch, schließlich sind wir mindestens genauso gut darin hier in Deutschland. Nehmt es mir nicht allzu übel, aber das ist für mich mindestens ein so guter Grund zu Kotzen wie Adolf Wachskopf für Franz Josef Wagner.

3. Die U-Bahn-Schläger
Nun sind die beiden Idioten, die einen Rentner fast totgeschlagen haben also endlich im Knast. Das reicht der Bild und einigen Politikern nicht, jetzt wird spekuliert / gefordert / beschlossen, dass sie nach Verbüßen der Haftstrafe abgeschoben werden.

Also ich bin der Meinung, dass das unsinnig ist. Ich kann Abschiebungen echt nicht nachvollziehen. Da leben wir in einer „so schönen“, fast völlig globalisierten Welt, aber sobald einer böse wird, da drücken wir ihn wieder unseren total lieben Nachbarn auf und sagen: „Da, den wollen wir nicht! Ihr könntet uns aber im Ausgleich gerne ein paar liebe gut ausgebildete Ingenieure schicken, die für 6 € pro Stunde bei uns tolle Flugzeuge bauen.“

Hat eigentlich irgendeiner der Verantwortlichen mal darüber nachgedacht, was passiert, wenn das alle anderen auch machen: Richtig, es ändert sich gar nix! Toll! Wirklich!

Aber gut, das war es jetzt erstmal aus meinem evolutionsskeptischen Lager hier in Berlin-Marzahn. Ich wünsche euch allen noch eine gute Nacht und versuche zu versprechen, dass ich bald wieder etwas mehr schreibe.

5 Comments

Filed under Bilder, Haushalt, Medien, Politik, Vermischtes

Nazis (1)

Es ist ja seit einiger Zeit so, dass sich Nazis der Symbole der linken Szene bemächtigen. Sie verändern sie in ihrem Sinne, und alles was dabei herauskommt, ist in der Regel billiger Abklatsch. Inzwischen gibt es „Autonome Nationalisten“, die sich in ebenso schickes Schwarz hüllen wie der berüchtigte schwarze Block. Es gibt Nazis, die sich eine Ideologie zurechtgezimmert haben, die es ihnen erlaubt, Ché-Guevara-T-Shirts (natürlich T-Hemden, sorry!) zu tragen, und auch sonst findet sich einiges skuriles.
Das alles ist wirklich kein Grund zu lachen, aber an gewissen Punkten kommt man nicht umhin. Ich bin vorher in einem Blog gelandet, den ich hier bewusst weder verlinken, noch sonstwie bewerben will, und dessen Stiftführer hat sich entschieden, dem Grundgedanken nachzuhängen, dass verschiedene Völker ja schon irgendwie ok sind, wenn sie nur bleiben, wo sie waren. Das ist ein alter Gedanke der so genannten „Neuen Rechten“, damit also noch nicht erwähnenswert. Idiotisch wird diese Ansicht aber insbesondere bei Gehirnakrobaten wie dem von mir gefundenen Töffel, der die Völker da haben will, wo sie schon immer (?) waren, aber den israelischen Staat (seit wann besteht dieser Staat nochmal?) bedingungslos anerkennen. Das mag widersprüchlich sein, aber man muss es ja nicht so genau nehmen. Dabei kann man sich mal eben rasch vom Vorwurf des Antisemitismus befreien, moderner wirken, und… ein neues Logo basteln:

Demnächst: Nazis gegen Hitler!

Demnächst: Nazis gegen Hitler! Quelle: Nazi-Seite

Ich muss gestehen, dass mich das irgendwie an die „Nazis gegen Rechts“-Postkarte erinnert, die bei uns im Flur hängt. Ganz ganz ehrlich: Welch geistig unterpriviligierter Vollpfosten muss man sein, um mit etwas derartigem hausieren zu gehen?

Leave a Comment

Filed under Bilder, Medien, Politik

Navy CIS und co.

Ich sehe in letzter Zeit gerne Navy CIS. Das – so muss ich es wohl schreiben – gebe ich zu. Ich mag die Charaktere, es macht Spaß, die mehr oder minder spannenden Geschichten zu verfolgen.Vom neutralen Standpunkt aus muss ich hier aber mal eines anmerken: Eigentlich sind Serien wie die diese ziemlich… beschissen!
Und nein, ich rede hier nicht von den manchmal billigen Special Effects, auch nicht von oft gut überbietbaren Schauspielern, sondern vom Inhalt. Ich habe nichts gegen spannende Krimis, und trotz anderer Erfahrungen kann ich sogar damit leben, dass die Cops immer die Guten sind. Das ist ok.
Es ist allerdings erschreckend zu beobachten, wie in fast jeder derartigen Sendung die Gewalt seitens der Polizei oder vergleichbarer Behörden propagiert, meistens geradezu glorifiziert wird. Denn jedes Mal, wenn dort Gewalt angewendet wird gegen noch nicht überführte Täter, dann stellt sich im Nachhinein heraus, dass es „richtig“ war, weil sich so etwas beweisen lies. Nicht dargestellt wird natürlich, dass sich selbst die größten Helden irgendwann einmal irren würden, und in so einem Fall der Zweck nie die Mittel heiligen würde. Natürlich geht es nie um sadistische Gewalt, sondern immer nur um zweckdienliche. Aber genau mit solchen (wenn auch fiktiven) Schilderungen kommt es dazu, dass viele Menschen sich solidarisieren mit Ermittlern, die Gewalt androhen (was de facto psychische Gewaltanwendung ist) oder gar anwenden.
Die Tatsache, dass Geständnisse unter Gewaltandrohung oder -anwendung oft nicht der Wahrheit entsprechen, wird natürlich unter den Tisch fallen gelassen.
Ich plädiere mit Sicherheit nicht dafür, dass nun alle Serien den höchsten Standards der Menschlichkeit entsprechen, denn das wäre in gewisser Weise auch wieder eine Art der Zensur. Aber ein bisschen differenzierter könnten manche Plots doch sicher dargestellt werden.
Das traurige Fazit kenne ich aber auch schon: Die Menschen sehen nun einmal lieber nette und manchmal mit gutem Grund ausrastende Cops. Schade, wirklich!

Leave a Comment

Filed under Medien, Politik

Armer Wagner

Franz Josef Wagner schreibt in seiner heutigen Kolumne an die armen Deutschen. An sich völlig korrekt bemerkt Wagner das Wunder, dass die armen Deutschen global gesehen gar nicht arm sind. Ein Fazit will ihm dabei nicht über die Lippen kommen. Wie auch? Auch Arbeitslose sind nunmal ein Klientel der Bild, und es dürfte die meisten Bild-Leser eher peripher tangieren, wie viel ein Lehrer in Bahngladesh umgerechnet verdient. Zumal ich mich immer noch frage: Wen, außer Touristen, interessiert diese Umrechnung eigentlich?
Was sagt es aus, dass ein Lehrer in Bangladesh umgerechnet 15 Euro monatlich verdient? Genau eines: Dass er es sich nie leisten können wird, in Europa Urlaub zu machen. Damit ist die Auskunft aber bereits ziemlich erschöpft. Denn natürlich kann sich der werte Herr Lehrer in seiner Heimat davon mehr als wie hier einen Kasten Bier von 15 Euro leisten.
Mir ist schon klar, was das bedeutet: Wenn die Gehälter sich global angleichen sollten, dann stehen „die Deutschen“ auf der „Verliererseite“ – das will Wagner doch eigentlich sagen. Er will sagen, dass wir doch froh sein sollen über Hartz IV und dergleichen. Derartige Kritik ist nicht grundsätzlich untragbar, peinlich finde ich jedoch dieses ständige Argumentieren mit Blumen und kleinen niedlichen Tierchen.
Diese vergleichende Logik ist eine der schlimmsten Angewohnheiten derer, die manchen die Luft zum Atmen am liebsten noch verkaufen würden.
Etwas schlimmeres findet man immer! Damit Fehler zu rechtfertigen, ist unbedacht und hält keiner ernsten Diskussion stand. Deswegen beendet Wagner seinen Text (indem er die deutschen Armen reich redet) mit dem Vermerk, dass viele Hauptschüler ohne Schulabschluss in die Welt gehen und die Armen von Morgen sind.
Wie üblich sollte man nicht einmal versuchen, da einen Zusammenhang herzustellen, aber logisch wäre nur eines: Wagner geht davon aus, dass es den Armen auch in Deutschland bald schlechter geht. Da könnte ich mich ausnahmsweise sogar drauf einlassen.
Ansonsten… Was war das denn eben?

Leave a Comment

Filed under Medien, Politik

Das größte Opfer des Irak-Krieges

Ich weiss, ich sollte nicht so viele Sachen aus dem Netz klauen, sonst sieht das noch aus, als ob ich mir aus ungelenk zusammengesuchten Seiten wie german-bash.org, bild.de und klopfers-web.de versuche, einen eigenen Blog zu basteln. Das soll es natürlich nicht sein, aber bei diesem Blogeintrag von Stefan Niggemeier kann ich mich nicht zurückhalten. Nein, das Problem ist nicht Herr Niggemeier, keineswegs. Die Quelle, oder besser das, was die Quelle wiedergibt, ist so fantastisch wie verstörend zugleich:
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat aus Solidarität und Mitgefühl zu den Soldaten, die im Irak-Krieg sterben, aufgehört mit… GOLFEN!
Also bei allem Verständnis für seltsame Lebensformen, die sich selbst um alles in der Welt aus dem Genpool entfernen wollen, aaaaber: Wie kann irgendjemand wieder gutmachen, was dieser Idiot angerichtet hat?
Was hat Volker Pispers anno dazumal gesagt über Vorwürfe, man solle nicht in einen oberflächlichen Anti-Amerikanismus abgleiten? „Aber meiner ist gar nicht oberflächlich!“ Dieser Mann an der Spitze des wohl mächtigsten Staate(nverbunde)s der Welt macht es einem nicht sonderlich leicht.
Zugegeben, ich kann Bushs Politik so ziemlich von hinten bis vorne nicht leiden. Und wie auch ein ganzer Haufen Idioten auf diesem Planeten, denen es mindestens so schwer fällt wie Bush, die Frage nach ihren Lieblingsbüchern zu beantworten, halte ich ihn für extrem einfach strukturiert. Aber das beweist er irgendwie auch immer wieder. Ich würde mich ja freuen, hier entgegen dem zum Mainstream, ja bisweilen sogar Nazi-Rechtfertigung gewordenen Anti-Amerikanismus eine frohe Botschaft zu verkünden. Aber das geht nicht. Welche nicht einzellige Lebensform ist in der Lage, den wiederzuwählen?

Sorry für so viel Populismus zu später Stunde, ich nehme gerne Vorschläge an, wie man das Thema sachlich ansprechen könnte…

Leave a Comment

Filed under Politik

Killerspiele die tausendste…

Bild schreibt schon wieder Blödsinn über Computerspiele, und ich möchte an dieser Stelle gerne nur den Artikel bei bildblog.de als  Quelle verlinken. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie die Bild (und auch andere Medien) mit dem Thema umgehen. Denn ginge es wirklich um Aufklärung und Wissensvermittlung, dann dürften Artikel ja eben nicht so aussehen.
Ich denke, es ist nicht unsinnig, sich Gedanken zu machen über die sozialen Auswirkungen von Software-Konsum und auch der in Spielen vorkommenden Gewalt. Natürlich ist es ebenso sinnlos, als friedlicher leidenschaftlicher Zocker immer nur durch alle Foren der Welt zu brüllen, dass man damit ja nur Aggressionen abbaut. Damit bedient man mitunter auch nur das Klischee, dass man von sich unzulässigerweise auf andere schließt und als Betroffener nicht über den Tellerrand hinaussehen kann, schon alleine weil man Angst vor den Konsequenzen hat.
Aber das ist auch nicht nötig. Für sich selbst sollten schon viele in der Lage sein, ihr eigenes Spielverhalten zu reflektieren, und für die anderen Fälle hat der Mensch im Laufe der Evolution die höhere Kommunikation entwickelt: Man kann miteinander reden.
Was mich an eigentlich allen bisher öffentlich wahrnehmbaren Debatten zum Thema gestört hat, waren ihre Einseitigkeiten und die Beschränkung auf Spiele als Problem.
Mit Einseitigkeit meine ich, dass ich noch nirgends an prominenter Stelle gelesen habe, dass manch böses „Killerspiel“ eine taktische Ausrichtung oder zumindest Ansätze hat. Wenn darüber zu lesen war, dann doch eher mit dem Kommentar „Taktik steht zwar auf der Verpackung, aber drinnen ist nur Gemetzel!“. Wieso schreiben Leute wertend über Dinge, von denen sie nicht den Hauch einer Ahnung haben? Wie zum Beispiel die Irren, die in Counterstrike ominöse Kinderwagen entdeckt hatten, die es zu vernichten galt.
Selbst bei reinen Shootern lässt sich doch immer noch behaupten, dass es sich um fantastische Geschicklichkeitsspiele handelt. Für die langjährigen Profispieler ist ein Headshot doch bestimmt kein „geiler Kill“ mehr, sondern gute Handarbeit. Darüber liest man nichts. Spiele wie Tetris werden von den gleichen Leuten als geistige und reaktionsmäßige Herausforderung gelobt, die nicht anerkennen wollen, dass eine Menge Geschicklichkeit vonnöten ist, fünf Mitspieler schneller zu treffen als diese einen selbst.
Mit der Beschränkung meine ich, dass selbst im viel zitierten Fall von Robert Steinhäuser immer wieder erwähnt wird, dass er Counterstrike oder ähnliches gespielt hat. Keiner schreibt heute mehr in Verbindung mit Bildungspolitik, welch irrationale Leere es in dieser Gesellschaft in Randexistenzen auslösen kann, wenn man keinen Schulabschluss kriegt, obwohl man bis zur dreizehnten Klasse durchgehalten hat. Plötzlich spielen Familiengeschichten keine Rolle mehr, Probleme von Außenseitern, Leistungsdruck, Einsamkeit, Depressionen. Das sind alles Elemente fast jeden Amoklaufs, aber keines dieser Probleme lässt sich so einfach angehen wie Computerspiele. Die kann man verbieten. Dann atmen alle auf – egal ob dieses Verbot was bewirkt oder nicht – denn die Politik hat etwas getan, und die Presse schreibt nichts Schlimmes. Das ist enorm verlogen in meinen Augen!
Klar, ich bin auch vorbelastet. Ich habe in meiner Vergangenheit einige Stunden mit „Unreal Tournament“ und „Tactical Ops“ (immer als Terrorist) zugebracht, lustige Stunden in denen ich versucht habe, meinen Bruder und gute Freunde zu töten. Ich habe „Need for Speed“ gezockt, und damit einen ersten Eindruck von der Fahrphysik von Autos bekommen – und ich will Taxifahrer werden!
Aber in all der Zeit habe ich eben auch eines gelernt: Ein Spiel ist ein Spiel, ein Wettkampf, eine Herausforderung. Und es ist schade, diese oftmals sehr sportlich faire Auseinandersetzung mit meinen Mitmenschen denunziert zu sehen von Leuten, die keine Ahnung haben, über was sie schreiben.

Leave a Comment

Filed under Medien, Politik

Mein halber erster Mai…

Na super!
Jetzt hab ich hier im Blog großspurig angekündigt, über den ersten Mai in Berlin zu schreiben, und dann kann ich es eigentlich nicht. Das ist irgendwie schade. Ich wollte da niemanden verprellen, aber ich hab es mir auch nicht ganz ausgesucht.
Ich bin mit Ozie pünktlich um kurz nach 16 Uhr aus dem Haus gegangen, um auch ja nicht den – sicher pünktlichen (*g*) – Abmarsch der revolutionären Demo zu verpassen. Wir sind dann doch von der Warschauer Straße aus zum Kottbusser Tor gelaufen, da die U-Bahn etwas maximalfrequentiert war. Das gemütliche Schlendern durch Kreuzberg war aber eigentlich ok, zwischendurch habe ich fast schon angenommen, die Demo startet wo anders, weil am Görlitzer Bahnhof oder in der Oranienstraße (teils wegen des Myfests) tausende von Menschen auf der Straße waren. Am Kottbusser Tor angekommen, machte sich fast ein wenig Langeweile breit, weil auf der Versammlungsfläche dank Konzis so viel los war, dass wir – eigentlich nur auf die Demo wartend – nicht groß Lust verspürten, uns so mitten unters Volk zu mischen. Wir haben auf der Insel im Kreisverkehr unter der U-Bahn gewartet und die ersten zaghaften Versuchungen der Polizei, den Kreisel zu sperren, begutachtet. Dabei gab es hier und da einiges zu lachen, weil das Absperren mit einer Koordination einherging, die auch halbierte Grottenolme unter Narkose ähnlich zustandegebracht hätten.
Ich hab innerlich einen Gutteil der Zeit mit Feiern verbracht, weil es einfach zu schön ist, zu beobachten, was passiert, wenn sich irritierte Autofahrer von hinten einer Absperrung nähern, wie manche dabei gegen die Fahrtrichtung fahren und versuchen, unauffällig zu sein, und natürlich, wie Busfahrer bei der dritten Anfahrt aufs Kottbusser Tor eine Pause von einer halben Stunde einlegen müssen.
Weitere Vermutungen: Ich sehe immer noch aus wie ein Zivicop, orangene Roller sind extrem kontrollgefährdet, das Filmen von Passanten ist inzwischen legal und Polizisten können nur begrenzte Gebiete logisch erfassen.
Ozie ging es leider nicht so gut, ihr Magen hat sie nicht in Ruhe gelassen, was natürlich unsere Stimmung ein wenig getrübt hat. Mit lediglich einer Stunde Verspätung setzte sich die Demo in Bewegung, und das war dann der Zeitpunkt, an dem meine Kamera einmal mehr den Geist aufgegeben hat. Super Timing!
Die Demo war angemessen groß (keine Ahnung wie viele, aber es war beizeiten eng auf der Straße), aber leider auch nicht besonders lautstark. Lediglich der Lauti selbst hat mit guter Musik für ein wenig Stimmung – aber weniger kämpferische – gesorgt. Was ich ein wenig abartig fand, das war nach etwa 100 Metern Wegstrecke das, was ich irgendwie nur „Pressetermin“ nennen kann. Die Demo stand 10 Minuten mehr oder minder und hat sich von allen Seiten ablichten lassen. Öffentlichkeitsarbeit schön und gut, aber irgendwie wollte ja eigentlich eh niemand auf die Fotos, und es sollte allen klar gewesen sein, dass – wenn auch nur ein Kind einen Kieselstein wirft – niemand mehr Interesse an diesen Bildern haben wird, weil es dann „bessere“ gibt. Also wozu Fotoshootings?
Die Demo selbst war von der Route her meines Erachtens (hab ja keine Vergleichsmöglichkeiten) ok, die Stimmung aber irgendwie etwas verhalten. Theoretisch müssten wir noch in der Demo, bzw. in der Nähe gewesen sein, als der Polizeipräsident seine „Gucken wir mal nach den Jungs“-Nummer abbrechen musste, weil die Jungs nun nach ihm geguckt haben. Allerdings ging es Ozie mitlerweile so schlecht, dass wir beschlossen haben, zum Klinikum am Urban zu latschen, dass recht unweit des Kotti liegt.
Um den Weg auch sicher zu finden, haben wir eine Krankenwagenbesatzung nach dem Weg gefragt, die uns astrein in die Richtige Richtung gelotst haben. Sie fanden es vermutlich ein wenig seltsam, dass jemand nach der Klinik fragt, und dann selber läuft. Aber die werden noch ihre Einsätze gehabt haben, da bin ich mir sicher.
In der Klinik ging es nach der Anmeldung in den Wartebereich, und dort haben wir dann eine Stunde verbracht. Es war also etwa 23 Uhr, als Ozie dann in den sicheren Bereich durfte. Von nun an warteten wir getrennt und ich hatte so Gelegenheit, einige interessante Bilder aus dem Krankenhaus mitzunehmen. Nach einiger Zeit kamen nämlich einige Leute an, und da war alles dabei, was man so erwarten kann: Verletzte Linke von der Randale, verletzte Männer von ihren Sauftouren, verletzte Polizisten nach der Randale, Angehörige, die sich das Feiern auch in der Rettungsstelle nicht verbieten lassen, und zwischendurch der ein oder andere Mensch, der das Glück hatte, just an dem Tag krank zu werden, als Herrentag und erster Mai zusammenfielen und das Pech, dass niemand ihn in ein Krankenhaus außerhalb Kreuzbergs bringen konnte.
So wie Ozie.
Aber die Auswahl an Leuten war beeindruckend. Das Krankenhauspersonal war zwar am Rödeln, aber natürlich völlig überfordert. Es war fast halb zwei, als ich nach einer verschenkten (Schmerz-)Tablette, endlos viel Blut, Zusammenbrüchen und gewagten Sozialexperimenten in Form gemeinsamer Gespräche zu Ozie konnte, wo es dann – genau anders herum – etwas zu ruhig zuging.
Was ich alles an Kopfverletzungen gesehen habe an dem Abend reicht mir für einen Eindruck vom Ärger in der Stadt. Zu denken gegeben hat mir (als zugegeben etwas skeptischer Linker), dass nur ein einziger Polizist in dieses (immerhin nächste) Klinikum gebracht worden schien, dass er nicht warten musste, dass die Kollegen sofort zu ihm durften, dass sie das Ganze nach eigenen Aussagen „etwas beschleunigen“ wollen…
Ich denke, wir müssen hier schon von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft reden.
Aber wie dem auch sei: Ozie ging es bald etwas besser, was sicher auch an der üppigen Dosierung von Schmerzmitteln lag. Eine Gastritis also, warum nicht? Wahrscheinlich besser als Platzwunden.
Zur Heimfahrt haben wir uns dann ein Taxi genommen. War irgendwie komisch für mich. War das erste und wahrscheinlich einzige Mal, dass ich während der Ausbildung selber Gast in einem Taxi war. Der Fahrer war nett, hab mich mit ihm über die Prüfung unterhalten und was die Rechnung anging, war er vorblidlich, wie man es nur sein kann.
Gegenüber hab ich mich noch mit Döner und Zubehör (Lahmacun) ausgestattet, und so war das Essen immerhin ein würdiger Abschluss.

Leave a Comment

Filed under Politik, Vermischtes