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Verkehrschaos und Nazis…

Ach, wie könnte ich mich aufregen über das Verkehrschaos am Frankfurter Tor heute! Man kommt nicht durch, es kostet Zeit und alles ist bäh!

Alles? Nein, nichts!!!

Das Verkehrschaos wurde offensichtlich begünstigt durch den Protest gegen den neuen Laden „Tromsø!“ in der Petersburger Straße. Dieser Laden vertreibt Klamotten, aber eben nicht nur irgendwelche. Der Laden verkauft Kleidung der Marke „Thor Steinar“, die nicht nur in rechtsradikalen Kreisen beliebt ist, sondern auch von dementsprechend dubiosen Machern hergestellt wird.

Ich möchte hiermit klarstellen, dass ich jedwede Aktion gutheiße, die  dafür sorgt, dass der Vertrieb dieser indirekten Propaganda und der dieser vermeintlich sinnstiftenden Lebenswelt rechtsgerichteter Irrlichter unterbunden wird!Wirklich jede!

PS: Ich gebe zu, dass ich heute dennoch nett war zu Fahrgästen, die in alldem nur „Hausbesetzer“ sahen, die „mal wieder Aufmerksamkeit“ brauchen. Sorry dafür! Aber zur Versöhnung: Wer sich bei einem Flippers-Konzert glücklich fühlt, der kann Kritik wahrscheinlich so oder so nicht vertragen!

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Zwanziger gegen Zwanziger

Ich habe bisher eigentlich nichts geschrieben über den seit geraumer Zeit schwelenden Rechtsstreit zwischen dem Journalisten Jens Weinreich und dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger. Das ist Faulheit gewesen und Unwissenheit. Es ging immer fleißig hin und her, und wenn ich ehrlich sein soll: Besser als Weinreich selbst oder gar Stefan Niggemeier hätte ich den Sachverhalt kaum wiedergeben können.

Kurz und unvollständig:

Es geht im Prinzip um eine Kleinigkeit: Jens Weinreich hat sich erdreistet, Theo Zwanziger als „unglaublichen Demagogen“ zu bezeichnen. Dafür gab es diesen und jenen Grund, das ist alles im Verlauf der inzwischen drei Verfahren zur Sprache gekommen. Zwanziger sieht sich dadurch in seiner Ehre verletzt, angeblich weil er sich damit als Nazi bezeichnet fühlt. So war vor Gericht auch Thema, ob das Wort eine zwingende Verknüpfung mit dem Nationalsozialismus hat, oder ob es auch dessen ungeachtet verwendet werden kann, um das Wirken eines Menschen zu beschreiben. Bisher hat Weinreich von allen Gerichten Recht bekommen, sein Ausspruch sei von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Richtig rabiat kam es aber erst dann: Der DFB veröffentlichte eine sachlich inkorrekte Pressemitteilung, in der – um es vereinfacht darzustellen – Zwanzigers Position die einzige war. Es wurden Lügen über Weinreich und den Prozess an hochrangige Leute herausgegeben, um Stimmung gegen den Sportjournalisten zu machen.

Jedes eindeutige Urteil, sowie teilweise Details werden nun von Zwanziger erneut angefochten und die Verfahren damit verschleppt. Im Gegensatz zu Weinreich kann sich Zwanziger das leisten, da er die Gerichtskosten nicht selbst tragen muss als DFB-Präsident, und zudem wahrscheinlich ein bisschen besser ausgestattet ist in Finanzdingen.

Nun hat Weinreich sich – entgegen seiner ursprünglichen Planung -entschieden, doch um Spenden zu bitten, weil ihm die Kosten über beide Ohren wachsen. Ich selbst bin gerade leider sehr klamm (heute kam Post von der Polizei…), und möchte hiermit einen Hundeblick zu meinen Lesern werfen, und damit darum bitten, sich wenigstens den Spendenaufruf von Weinreich durchzulesen, und ggf. eben einen Zwanziger gegen Zwanziger springen zu lassen.

Für alle Interessierten kann ich noch die Beiträge von Niggemeier zum Thema empfehlen.

Nachtrag: Hier noch das Logo, das Jan der „Kampagne“ gespendet hat:

Zwanziger gegen Zwanziger!

Zwanziger gegen Zwanziger!

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Hallo Staat?

Also irgendwie ist diese Welt komisch. Ich hatte vor Ewigkeiten ja bereits geschrieben, dass mein Arbeitgeber Fördergelder für meine Stelle bekommt – weil er mich aus dem Millionenheer an HartzIV-lern rekrutiert hat. Genau genommen habe ich mich nur ins Millionenheer an HartzIV-lern eingereiht, damit mein Chef Fördergelder bekommt, aber das ist nebensächlich.
So sieht es jedenfalls aus. Nun, der Antrag ist offenbar durch, ich habe einen Durchschlag zum Bescheid gekriegt. Dort ist selbstverständlich auch die Summe genannt, die mein Arbeitgeber nun erhält. Wenngleich mir die mögliche Höhe der Zuschüsse bekannt war, so hat mich die Höhe dann dennoch ein wenig erstaunt hinterlassen:

780 € / Monat

Das heisst: In trauter Zweisamkeit zahlen der deutsche Staat und die EU gerade monatlich 780 € dafür, damit ich keine 533 € ALG2 kriegen muss…
Geht’s noch? Ich wollte mich schon lange mal aus der Sicht eines Nutzniesers über bekloppte Gesetze beschweren, dann das nimmt dann auch den letzten Zweifel von einem, man beschwere sich ja nur, weil es einem nicht passt. Ich meine: Bei meinem Arbeitgeber ist die Kohle gut aufgehoben – mir ist es nur recht, dass das Geld da hingeht. Und an der Stelle meiner Chefs würde ich das auch ausnutzen. Keine Frage. Wenn das Geld in der öffentlichen Hand bleibt, stecken die es doch überwiegend in sinnfreie Projekte. Ich halte zumindest so einiges für sinnfreier als das Unternehmen meines Chefs.
Natürlich ist die Schaffung eines neuen Arbeitsplatzes mit einem gewissen Geldaufwand verbunden. Das stelle ich nicht in Frage. Es sind Einarbeitungen nötig, die Produktivität neuer Mitarbeiter ist meist nicht so hoch wie die der erfahrenen Leute… da kommt natürlich eines zum anderen.
Nun bin ich aber der Meinung, dass das zwar alles schön und gut ist, es aber völlig der derzeitigen Logik widerspricht, das zu subventionieren. Immer wieder wird einem dieses kapitalistische System verkauft als fairer Markt, der sich mehr oder minder von selbst reguliert. Ich finde, Einzelheiten wie diese Fördergelder strafen diesen Glauben Lügen. Wenn das System so funktionieren sollte, dann braucht es derartiges nicht. Genausowenig wie Subventionen für Milchbauern, Atomkraftwerke oder Steinkohleabbau.
Bereiche, in die der Staat massiv eingreifen muss, weil sie ohne seine Hilfe nicht existieren können, haben eigentlich – nicht nach meiner Überzeugung, sondern nach der unserer Gesellschaft – keine Daseinsberechtigung. Nach meiner Ansicht ist das Augenwischerei.
Verdammt, natürlich lohnt es sich nicht, in Deutschland Steinkohle abzubauen. Aber anstatt den verbleibenden paar tausend Kumpel eine fürstliche Rente für ihren früheren Beitrag zur Wirtschaft zu zahlen, und die Abbaugebiete vom Wechselgeld in Naturschutzparks umzubauen, beschließt man lieber, gegen jegliche Vernunft, Millionen an Subventionen zu bezahlen, um sagen zu können: „Wir produzieren ja auch selber!“
Aber da sind wir wieder beim leidigen Thema, ob jemand – auch wenn er nicht arbeitet – ein Auskommen verdient hat.
So engagiert sich der Staat also einmal mehr für mich in finanzieller Hinsicht, ohne dass ich das nachvollziehen kann. Aber bitte! Was liegt näher? Ist doch allemal besser, als den ganzen faulen Arbeitslosen auch nur einen Cent zuviel zu bezahlen.

Bin ich der einzige, der das für asozial hält?

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Neujahrsansprache

Sehr geehrte Mitbürger und Mitbürgerinnen,

im Namen meiner selbst darf ich verkünden: „Herzlich willkommen am Arsch!“

Wir sind endlich angekommen im „Krisenjahr 2009“, ausnahmsweise haben sich mal alle vor Silvester gefürchtet und viele haben insgeheim gehofft, dass die Kinder dieses Jahr tatsächlich Weihnachtsbaum und Wohnung abfackeln, damit auch ja nichts mehr zu verlieren ist, wenn das böse 2009 erst einmal da ist. Die Welt steckt in der Wirtschaftskrise, in der schwersten Rezession aller Zeiten, und auch sonst sind die Zeiten natürlich hart. Sollte die vom Spiegel erwähnte Summe von 23 Billionen verheizten Euro weltweit stimmen, dann hat jeder Mensch auf der Welt statistisch gesehen ein paar tausend Euro Miese gemacht in den letzten Monaten. Da mein Dispo schon am Anschlag ist, wurde mir glücklicherweise nichts abgebucht – ich nutze diese Ansprache also auch, um dem Aktienhändler zu danken, der vorsorglich meinen Teil mitbezahlt hat.

Wobei?

Ist nicht dieser ganze Pessimismus fehl am Platze? Ist da nicht letztlich Geld vernichtet worden, über das wir uns zuvor niemals freuen konnten, weil wir ja gar nichts davon hatten?

Eigentlich könnten die meisten von uns froh sein, weil wir nie da mit drin gesteckt haben. Aber wie erwähnte Volker Pispers einst: „Wenn du denkst: Blöder geht’s nicht mehr, kommt von irgendwo ein Merkel her!“ Die selben Menschen, die vor einem Jahr einen staatlichen Eingriff in die Wirtschaft noch als Kommunismus gegeißelt hätten, zaubern nun Abermilliarden aus dem großen schwarzen Hut. Die erste Hoffnung, dass es sich dabei um die schwarzen Kassen der Regierungsparteien handelt, war aber schnell zerstoben, und so wird es wohl doch die zähe Masse unserer Steuergelder sein, mit deren Hilfe die zerbrochenen Ming-Vasen der deutschen Wirtschaft gekittet werden. 2009 werden deutsche Vorzeigeunternehmen staatliche Hilfe bekommen. Unternehmen, deren internationale Aufstellung als krisensicher gefeiert wurde. Unternehmen, die beständig Leute entlassen haben, um in Krisenzeiten zu überleben.

Und nun?

Ganz offensichtlich funktionieren selbst einige Vorzeige-Konzepte nicht. Große Unternehmen wie Opel sind nicht in der Lage, mit ihrem eigenen Wirtschaftskonzept zu überleben. Um ein Minimum an Sozialverträglichkeit solcher Konzerne zu garantieren, hat der Kapitalismus eigentlich eine schöne Dynamik in solchen Momenten entwickelt: Diese Konzerne sind mit gutem Recht pleite gegangen und von der Bildfläche verschwunden.

Aber jetzt haben wir das Jahr 2009!

Im Krisenjahr 2009 darf ein Konzern nicht untergehen. Zumindest nicht, wenn sein Ruf völlig ramponiert und die Wirtschaftsdaten ansprechend desaströs ausfallen. Deswegen ja Krisenjahr! Für den Rest der Bevölkerung! Ein paar Milliarden Euro werden im Laufe dieses Jahres wahrscheinlich in die halblebigen Hüllen jener „Vorreiter“ und „Genies“ gepumpt, die es ermöglicht haben, über Jahrzehnte die Illusion aufrecht zu erhalten, das Ganze funktioniere wenigstens, wenn man sich anstrengt.

Was daraus resultieren wird, ist noch nicht absehbar. Ob die Rente deswegen 2 Jahre früher abgeschafft wird, oder man sich überlegt, ob es wirklich noch staatlich geförderte Schulen braucht, all das, was die eigentliche Krise erst zu einem persönlich nach Hause trägt, werden wir wahrscheinlich nicht in diesem tollen Krisenjahr erleben. Wahrscheinlich erleben wir die Rettung „wichtiger Traditionsunternehmen“ und eine Menge Jubel im Wahlkampf, weil unser fantastisches Land die Wende in der schwersten nur denkbaren Zeit geschafft hat. Die aufgeschobenen Probleme, die Tatsache, dass das gesamte Hintergrundsystem nur noch künstlich beatmet wird und der Strom für die Maschine langsam ausgeht – davon werden wir wahrscheinlich nur wenig hören.

Oder um es vorweg zu nehmen: Es ist doch alles gut, die Wirtschaft wächst wieder!

Die tiefsten Kessel mit Giftjauche werden weiter im Hintergrund umgerührt werden, und vielleicht geht es ja noch ein paar Jahre gut. Bitte wenigstens bis zur nächsten Legislaturperiode. Schuld sind am Ende sowieso nur die, die nicht mehr da sind. Und dann wird es heißen: „Herzlich willkommen am Arsch!“

In diesem Sinne: Happy New Year, dear World!

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Fertich! Hochhosen!*

Kann man jetzt schon schreiben, dass 2008 vorbei ist? So ziemlich, oder? Die ganzen spektakulären Jahresrückblicke sind eh vor gefühlten 3 Monaten schon im Fernsehen gelaufen. Was mich im Übrigen ein bisschen ärgert. Ohne das damals toll gefunden zu haben, aber bezüglich der Jahresrückblicke fand ich den Tsunami am 26.12.2004 einen recht guten Beweis dafür, dass es irgendwie Blödsinn ist, Anfang Dezember zu verkünden, dass das Jahr gut war. Ich meine, ich habe ja nichts gegen alternative Kalenderführung, aber wenn man schon einen bestimmten benutzt, dann doch bitte auch richtig! Wenn ich zusätzlich zu meiner übrigen Mathe-Unfähigkeit auch noch alle Ergebnisse um ein Zwölftel gerundet hätte, wäre mein Lehrer wahrscheinlich mindestens einmal im Jahr mehr meinetwegen explodiert. Aber gut, will ich meckern? Eigentlich nicht. Das Jahr 2008 war bisher eigentlich nicht das schlechteste für mich. Wenn auch ein kurioses, da ich nun schon seit Ewigkeiten nicht mehr so wenige Termine hatte. Es muss vor meiner Kindergartenzeit gewesen sein, dass ich das letzte Mal binnen eines Jahres so oft ausgeschlafen habe 🙂
In meinem Jahr 2008 ist nicht besonders viel passiert, das muss man schon mal erwähnen. Immerhin hat dieser Blog als bisher kontinuierlichster Versuch das Licht der Welt in diesem Jahr erblickt – die alten Einträge stammen ja noch aus alten Vorgängern.
In Politik und Wirtschaft hat sich einiges getan 2008, einiges habe ich ja auch hier geschrieben. Das muss ich dieses Jahr nicht zwingend noch einmal tun. Jedes Jahr nehme ich mir vor, für meinen derzeit aktuellen Blog möglichst früh mit einem Rückblick zu beginnen, um ihn dann am Ende nur mit den letzten Tagen zu vollenden und dann das Meisterwerk zu posten. Vielleicht klappt es ja 2009 – DAS ist doch mal ein Vorsatz!
So, nun habe ich noch zweieinhalb Tage Arbeit vor mir, dann ist Silvester und damit offensichtlich mal wieder Party angesagt. Wie das dann laufen wird: Man wird sehen! So gerne ich grundsätzlich zurücksehe, so gerne schaue ich dieses Jahr mal nach vorne. 2009 wird – wenn man den Medien glauben darf – ein hartes Jahr. Die Wirtschaft wird den Bach runtergehen, die Arbeitslosigkeit wird einmal mehr verstärkt um sich greifen, alle werden jammern und bestimmt wird auch das Wetter total doof!
Das juckt mich aber kein bisschen! Ich beschwere mich immer wieder gerne darüber, was in der Welt so passiert, aber ins allgemeine Wehklagen will ich mich nicht unbedingt einmischen. Zum einen glaube ich tatsächlich, dass ich nicht so stark betroffen sein werde. Zum anderen liegt mir Jammern auf hohem Niveau nur bedingt. Ich weiss, dass es mir gut geht! Meine Prognose für 2009: Ich werde öfter Taxi fahren als der Chef der deutschen Bank! Und das will doch schon mal was heissen 🙂

*Hochhosen ist ein innerfamiliär genutztes Wort, das von Kindern benutzt wird, die zwar schon alleine aufs Klo können, aber das mit dem Anziehen noch nicht so recht beherrschen…

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Na denn: Meine Meinung zu Klar

Insbesondere mein alter Freund Daniel hat angefragt, ob ich nicht mal wieder was zu aktuellen Vorkommnissen, z.B. der Freilassung von Christian Klar, schreiben könnte. Heute kann ich mal, denn ich habe anderthalb Tage frei 🙂
Den meisten Lesern wird bekannt sein, dass ich mich selbst als radikalen Linken betrachte, und insofern wird meine Meinung dazu nicht überraschend ausfallen. Irgendwie sehe ich da aber keinen Zusammenhang. Ja, wenn ich in den 70er Jahren gelebt hätte, dann wäre wohl auch ich einer derjenigen gewesen, der der RAF heimlich Sympathie entgegengebracht hätte. Habe ich aber nicht.
Die aktuelle Debatte, die einmal mehr vom von mir ausgiebig gehassten Springer-Blatt Bild ständig neu entfacht wird, hat auch eigentlich nichts damit zu tun. Scheiß auf die RAF, auf alle Erklärungen, politischen Instrumentalisierungen oder dergleichen! Selbst wenn ich behaupte: Klar ist ein Mörder, dessen Motive mal völlig egal sind, dann kann ich die Freilassung nicht verurteilen! Ich kann es einfach nicht. Ich weiss über Klar nicht viel, aber ich kann verraten, dass er mir so aus der Ferne nicht unbedingt sonderlich sympathisch ist. Dabei sollten in meinem Fall all die negativ ausgelegten Dinge, wie z.B. dass er seine kapitalismuskritische Meinung nicht abgelegt hat, eher das Gegenteil bewirken. Aber wie eingangs erwähnt: Es spielt zur aktuellen Thematik keine Rolle!
Christian Klar hat mehr Zeit hinter Gittern verbracht, als ich mir vorstellen kann. Meine bisherige Zeit auf diesem Planeten deckt sich etwa mit der Haftzeit Klars. Bei allem Verständnis für die Gefühle der Opfer kann ich mir kaum ein Verbrechen vorstellen, das eine derartige Bestrafung als zu gering erscheinen lässt. Die Frage nach der verbleibenden Gefährlichkeit Klars wurde offenbar mehrfach „eindeutig“ beantwortet, immerhin muss selbst Bild schreiben, dass die Gutachter davon ausgehen, dass er keine „Senioren-RAF“ gründen wird. Mal ganz davon abgesehen, dass die RAF bei der heutigen Technik des – Achtung: Böses Wort! – Überwachungsstaates keine Chance mehr hätte – und sich Klars Wissen diesbezüglich dank seiner Haft als rudimentär, oder zumindest defizitär erweisen dürfte, solle er eine derartige Aktion tatsächlich in Betracht ziehen.
All die tapferen Bild-Leser, die ausgerechnet mit der Freilassung Klars „das Ende des Rechtsstaats“ herbeischwadronieren, oder auch nur „Zweifel“ an ihm aussprechen, würde ich gerne einmal nach 26 Jahren Haft zum selben Thema befragen.
Im Falle Klar wird hier oftmals ein primitives, zumindest bei uns längst überwundenes Prinzip der Justitz ausgegraben, das der „spiegelnden Strafe“. Während dahergeredet wird, dass Klar noch viel zu gut wegkommt bei der Geschichte, weil seine Opfer immerhin tot sind, so wird doch gegeißelt, wenn in einigen arabischen Ländern Dieben die Hand abgehackt wird. Aber in Wahrheit ist es genau das, was viele der oft lautstarken Fraktion doch gerne fordern würden: „Todesstrafe für Kinderschänder!“, „Mindestens lebenslang (und zwar wörtlich) für Klar“ und zumindest „Arsch versohlen“ hat so mancher „Krawallo“ auch verdient.
Wie so oft in der radikalen Linken, spaltet hier die Gewaltfrage die gesamte Gesellschaft, und ich bin schockiert darüber, wie manch Muttchen, das noch einen Krieg zu erleiden hatte, bereits wieder für die Gewalt plädiert. Vielleicht ist Christian Klar ein Irrläufer. Vielleicht hat er eine bekloppte politische Meinung. Das kann alles sein. Aber wenn man schon der Meinung ist, man solle seine Morde nicht mit Politik rechtfertigen, dann sollte man auch akzeptieren, dass er immer noch eine subversive Meinung hat, und dennoch mit weit über 20 Jahren Knast für seine Verbrechen ausreichend bestraft worden ist.
Die Justiz in Deutschland hat nicht das Ziel zu bestrafen – das sollten sich einige Leute mal vor Augen halten – sondern die Straftäter in die Gesellschaft wieder einzugliedern. Und ich hoffe, ich bin nicht der einzige, der sich fragt, wie das mit mehreren Jahrzehnten Freiheitsentzug funktionieren soll. Was soll das Geunke darüber, dass Klar einen Praktikumsplatz im Berliner Ensemble angeboten bekommen hat – noch dazu mit der Berufung auf irgendein ominöses Recht, dass offenbar Menschen, die eine falsche Entscheidung getroffen haben, zu verbannen hat?
Es ist in meinen Augen extrem asozial, einem wie Klar jetzt auch noch die zweite Chance vermauern zu wollen. Ich möchte ihn nicht bedingungslos als Opfer darstellen, aber wenn ich lese, wie viele Jahre er im Knast saß, dann schiele ich nicht nur auf eine ominöse Zahl. Dann denke ich auch darüber nach, was das bedeutet. 26 Jahre kein Abend mit Kumpels in der Kneipe, keine vernünftige Beziehung, keine Chance sich auszusuchen, wo man neue Freunde kennenlernt. 26 Jahre lang Überwachung bei jedem Schritt, Einschränkungen des Briefgeheimnisses, Ausschluss von allem kulturellen Leben. 26 Jahre lang kein Essen nach eigenem Wunsch, keine Chance sich selbst in irgendeiner Form selbst zu verwirklichen. Ohne selbst einschlägige Erfahrungen gemacht zu haben, ist mir bewusst, dass Gefängnis nicht nur bedeutet, mal auswärts schlafen zu können. Wieviel Hass – und ich erinner daran, dass man genau das Christian Klar vorwirft – muss man besitzen, um zu behaupten, dass so eine Strafe noch zu gut ist?

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Die GEZ mal wieder…

Das Problem mit der GEZ kennen wohl die meisten. Entweder man hat „Rundfunkgeräte“, zahlt und findet die Gebühren zu hoch, man hat keine und fühlt sich unnötig belästigt, oder man hat welche und sieht aus Protest schwarz. Es hat eine Weile gedauert, anno 2004 oder 2005 die GEZ loszuwerden, als mein Fernseher den Besitzer wechselte. Seit da wird natürlich immer mal wieder ein WG-Mitbewohner angeschrieben, weil ein Umzug stattgefunden hat, und die ja gute Connections haben. Hier hat es also rund ein Jahr gedauert. Derletzt kam der erste Brief – den ich ignoriert habe, weil ich weiss, was drin steht. Heute kam der zweite an – und den werde ich ebenso ignorieren. Ich weiss schliesslich auch hier, was drinsteht. Aber ich möchte diesen Brief hier einmal detailliert auseinandernehmen, weil er wirklich eine unglaubliche Frechheit darstellt. Als derselbe Schrieb vor 2 Jahren wegen Ozie in Stuttgart ankam, haben wir einen Brief zurückgeschickt, der erfolgreich war – wahrscheinlich, weil wir das Niveau des Adressaten verwendet haben…
Aber gehen wir diesen Brief doch mal Zeile für Zeile durch und ich kommentiere das ein wenig. Zur Erinnerung: Sie haben bis dato einen einzigen Brief geschickt, der leider – Post geht verloren, man hat wichtigeres zu tun, Oma ist tot und jemand hat das Auto verkratzt – unbeantwortet blieb. Dann kommt das:

Sehr geehrter [Sash],

Vielen Dank für die Höflichkeitsform dieses unterschriftenfreien Schriebes!

mit unserem Schreiben vom 29.10.2008

das in meinem Mülleimer trotz hässlicher Farbe recht kleidsam wirkt…

baten wir Sie zu prüfen, ob Sie alle Rundfunkgeräte angemeldet haben, die angemeldet werden müssen (Informationen siehe Rückseite).

Und wenn ich das habe, kann ich mich zurücklehnen und muss einen Scheiss tun!

Bislang liegt uns von Ihnen noch keine Antwort vor.

Informationen siehe Rückseite oben.

Wir bitten Sie erneut, uns den Antwortbogen ausgefüllt zurückzusenden. Alles andere kostet nur zusätzlich Zeit, Geld und Mühe.

Es ist nett, dass sie diesen Satz fett drucken. Es geht mir dennoch am Arsch vorbei, da es weder mein Geld, noch meine Zeit, noch meine Mühe ist. Im Gegenteil: Schicke ich ihnen den Bogen zu, dann berappe ich 55 ct für etwas, das ich mit gutem Gewissen nach aktueller Rechtslage bleiben lassen kann.

Teilen Sie uns bitte mit, unter welcher Rundfunkteilnehmernummer Sie Ihr Radio und/oder Fernsehgerät oder neuartiges Rundfunkgerät angemeldet haben.

Ach nee, jetzt soll ich also auch noch bei eurer Bürokratie helfen? Is klar, ich hab ja sonst nichts zu tun! Wenn ihr mir eine Nummer zuteilt, dann speichert die doch selber ab!

Diese neunstellige Nummer finden Sie auf dem Kontoauszug oder auf unserer Rechnung. Als Rundfunkteilnehmer sind Sie zu dieser Auskunft gesetzlich verpflichtet.

Tja, und da ich kein Rundfunkteilnehmer bin, habe ich weder Rechnung, noch Kontoauszug, noch eine gesetzliche Verpflichtung. Irre, nicht?

Für Anmeldungen, Änderungen und Ergänzungen verwenden sie bitte den Antwortbogen.

Eine Option „für Abmeldungen“ sollte es auch noch geben, ihr halbseidenen Bauernfänger!

Sollten Sie jedoch weder Radios, Fernsehgeräte, noch neuartige Rundfunkgeräte bereithalten bzw. nutzen, bitten wir Sie, uns auch dies mitzuteilen, damit wir von weiteren Maßnahmen absehen können.

Ich erteile ihnen hiermit die Erlaubnis, von Maßnahmen abzusehen. Ganz im Ernst, das erinnert mich ein bisschen an den Virus, der damals mein System gesmasht hat: Der hat auch verlangt, dass man sich seine Vollversion kauft, um ihn loszuwerden.

Antworten Sie uns bitte in jedem Falle bis zum 19.12.2008, auch wenn Sie meinen, nicht dazu verpflichtet zu sein.

Ich WEISS, dass ich zu nichts verpflichtet bin. Damit hat sich das für mich. Ende.

Mit freundlichen Grüßen
Gebühreneinzugszentrale

Wollen sie nicht gleich das „herzlichst“ von Franz Josef Wagner übernehmen?

So viel zum Hauptteil. Warum so hart? Weil ich keinen Bock habe, Gebühren zu zahlen? Jein. Die Idee mit der Gebührenfinanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender ist ja kein grundsätzlich blödes Konzept. Aber unabhängig wären die Sender nur dann, wenn sie sich vollständig ohne Werbung finanzieren würden. Tun sie aber nicht. Das ist der erste Grund, die Gebühr anzuzweifeln. Sollen sie doch den Rest auch mit Werbung finanzieren – unfreier als jetzt wären sie wahrscheinlich nicht.
Dann wissen wir alle, dass der „Bildungsauftrag“ der öffentlich-rechtlichen Sender definitiv nur ein Teil des eigenen Programms erreicht hat. Sollte eine Verweigerung, Gebühren zu zahlen, die einzige Möglichkeit sein, widerliche Sendungen wie Musikantenstadl oder Brisant abzusägen, dann ist das wohl nötig. Gegen eine Spende für die Tagesschau hätte ich ja gar nichts, wenn ich sie sehen würde – aber zweckgebunden sollten die Mittel in dem Fall sein. Wohin das sonst führt, kann man sich ja eindrucksvoll bei Marienhof und co. ansehen.
Nun wäre da aber auch die GEZ selber. Die Briefe sind schlicht und ergreifend eine Frechheit, die lediglich der Einschüchterung dienen. Schlicht und ergreifend unterstellen sie einem spätestens mit dem oben zitierten Brief, dass man schon irgendwas zu verbergen hat, und sie dem Ganzen schon noch auf die Schliche kommen würden. Gerade wenn man keine Geräte unterhält, sollte man das kritisieren.
A prospos: Die Regelung mit den Geräten ist ebenso pervers wie dumm: Wer ein „Empfangsgerät“ bereithält, muss Gebühren zahlen – nicht etwa, wer das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender nutzt. Es ist also de facto nicht möglich, sich z.B. einen Kabelanschluss zuzulegen, um gelegentlich TV total zu sehen, ohne dafür die Gebühr für die ÖR-Sender zu zahlen. Es sei denn, man „sieht schwarz“, und begeht damit eine Ordnungswidrigkeit. In meinen Augen nicht tragbar!
Ja, die GEZ mahnt gerne ab, wenn sie sich in falsches Licht gerückt sieht, deswegen stehen hier auch keine Berichte über „GEZ-Fahnder“, weil es solche natürlich nicht gibt. Diese Leute sind lediglich freie Mitarbeiter der Landesrundfunkanstalten, die (zumindest zum Teil) auf Provisionsbasis arbeiten, und so ein reges Interesse daran zeigen, einem nachzuweisen, dass man irgendwas besitzt, was einen technisch befähigt, Karl Moik zu empfangen – ganz gleich, ob man auch die psychischen Fähigkeiten dazu mitbringt. Diese Leute dürfen grundsätzlich gar nix – schon gar nicht in eine Wohnung rein. Deswegen geben sie sich oft als Beamte aus und drohen Strafen an – im Gegensatz zum Schwarzsehen eine Straftat – aber damit hat die liebe gute GEZ mit dem verteidigenswerten Image natürlich nix am Hut.
So, genug gekotzt!

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