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Verbuddeln, verbuddeln!

Nun ist es also so weit: Der Hauptbahnhof meiner alten Heimatstadt wird in diesen Augenblicken… ja, was wird er? Zurückgebaut? Wie nennt man einen Teilabriss, wenn das Gebäude denkmalgeschützt ist?

Ist ja auch egal.

Die Bauarbeiten an Stuttgart 21 haben damit wohl begonnen. Die taz berichtet, dass es derzeit wohl schon Gegendemos gibt und heute Abend eine Großdemo – mal wieder eine – geplant ist. Schade, dass ich in Berlin bin, ehrlich!

Stuttgart 21 ist mit Sicherheit ein zweischneidiges Schwert. Dass Stuttgart es nötig hätte, verkehrstechnisch optimiert zu werden, wird kein Stuttgarter bestreiten. Inwiefern das Verbuddeln des Bahnhofs diesen Zweck erfüllt, ist indes fraglich. Klar, es geht nicht um das Vergraben von Bahnhof und Geld allein. 60 Kilometer Gleise sollen neu verlegt werden, 3 neue Bahnhöfe, von S-Bahn-Station bis Fernbahnhof, gebaut werden, und so weit ich mich erinnere (kann es aber gerade nicht fnden) kamen auch noch ein zwei neue Brücken dazu.

Und eben das Tieferlegen des Hauptbahnhofs, damit dieser nun Durchgangs-, statt Kopfbahnhof wird, mit Reduzierung der Gleise von 17 auf 8, was wiederum zur Folge hat, dass mit nicht weniger als 18 neuen Tunneln die komplette Stadt unterquert werden muss.

Ich bin kein Verkehrsexperte, und ich bin kein Konservativer. Änderungen sind ja nicht schlecht, und die Überlegung, den Flughafen Stuttgart mal vernünftig an den Fernverkehr anzuschließen, ist ja so dämlich nicht.

Aber ein bisschen aus dem Ruder gelaufen ist das Projekt meines Erachtens nach schon. Schon das Finanzierungskonzept passt wahrscheinlich hinten und vorne nicht. Ich weiss noch, dass es anfangs um die Kleinigkeit von 5 Milliarden DM ging. Heute geht man von 4 Milliarden € aus, Gutachten von Kritikern vermuten bis zu 8,7 Milliarden €. Das wiederum kann man gar nicht so sicher sagen, da ein Teil der Kosten durch den Verkauf von Grundstücken gedeckt werden soll – die aber natürlich erst frei sind, wenn der Spaß fertig ist.
Und wie bei jedem Projekt dieser Größe ist im Vorfeld eine Menge gemauschelt worden. Irgendwo hab ich neulich gelesen, dass die Stadt schon im Vorfeld Geld an die Bahn zahlt, damit sich der Aufwand lohnt oder so… alles ein wenig undurchsichtig.

Im Übrigen hat der Berliner Hauptbahnhof etwa 500 Millionen € gekostet. Ich würde mich einfach sehr wundern, wenn ausgerechnet Stuttgart es schaffen sollte, mit „nur“ dem achtfachen dieses Budgets de facto 4 Bahnhöfe, 57 km Schienen, 18 Tunnels etc. zu bauen. Das glaub ich einfach nicht.

Kritiker bemängeln indes nicht nur die Geldverschwendung. Auch wenn sicher seit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs im letzten Jahr viel Paranoia auf dem Gebiet herrscht, scheint es doch fragwürdig zu sein, ob der Stuttgarter Untergrund – oder vielleicht auch nur die bedeutenden Mineralquellen – die umfangreiche Untertunnelung einfach so wegstecken können.

Außerdem wird allein für die Abraumentsorgung eine Schneise durch den zentralen Park in Stuttgart, den Schloßgarten bzw. Rosensteinpark geschlagen werden. Neben den üblichen bedrohten Käfern, Vögeln und Fledermäusen ist auch noch fraglich, wie sich die diffizile Klimasituation im Stuttgarter Talkessel entwickeln wird, wenn die rund 100 Hektar Gleisanlagen erstmal in ein Neubauviertel umgewandelt sind.

Es geht also nicht um eine kleine Baustelle und die Frage, ob jetzt der alte Bahnhof schön ist oder nicht. Je nach Umfrage sind zwischen einem und zwei Drittel der Stuttgarter Bevölkerung gegen das Projekt, das im Übrigen so einfach zu realisieren scheint, dass es nicht einmal eine ernsthafte Überprüfung von Alternativen gab. Und alleine die Tatsache, dass sich in der sonst so überschaubaren Schwabenmetropole bis zu 20.000 Leuten aufraffen, um gegen die Geschichte zu demonstrieren, und nicht nur die üblichen 2.000 Spaßbremsen, von denen wie ich sowieso einige abgewandert sind, das ist schon beachtlich.

Randaliert ein bisschen für mich mit heute Abend!

Nachtrag 26.8.2010, 5:00:

goldie giftig ist gerade am Spamschutz gescheitert und hat mich gebeten, folgendes noch reinzuhauen:

http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=6763378/1dxqms6/

unser bfe ist auf kuschelkurs (bis auf wenige ausnahmen, zumindest für ihre verhältnisse)

http://www.parkschuetzer.de/
http://www.bei-abriss-aufstand.de/
http://www.spiegel.de/thema/stuttgart_21/

Falls jemand sich näher informieren will…

Nachtrag 26.8.2010, 6:45:
Inzwischen auch schön im Vordergrund zu sehen, wie die Polizei einmal mehr das erst neulich als verfassungsrechtlich unerlaubt eingestufte „präventive Filmen“ bei Demonstrationen einfach weiter betreibt…

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Falls Verpixler hier wohnen…

Die Panik um Street View geht mir gewaltig auf den Keks gerade! Ein Haufen unfähiger verblödeter Arschkrampen streitet sich um ein Thema, von dem keiner der Beteiligten auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben scheint.

So wird folgender Quatsch tatsächlich verbreitet:

„Ich werde mein Haus schwärzen lassen. Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen von Street View glücklich wären, dass man ihnen beim Nacktbaden im Garten zuschaut.“

(Jeanette Biedermann)

„Wir wollen unser Haus auf jeden Fall schwärzen lassen. Street View fördert Kriminalität. Und wir möchten nicht, dass jemand unsere Kinder beim Spielen im Garten sieht.“

(Sky Dumont und Miriam)

„Tolle Sache! Wenn ich unterwegs bin, kann ich mich überzeugen, ob meine Häuser in New York, Stockholm und L.A. noch stehen. Eins muss tabu sein – In die Fenster reinzufilmen!“

(Marcus Schenkenberg, Model)

„Ich habe mir bewusst ein Haus gesucht, das nicht von allen Seiten einsehbar ist. Das soll jetzt nicht durch Google auf den Kopf gestellt werden.“

(Martin Wichmann, Bild-Redakteur)

Es gibt auch hyperbekloppte Polizisten, die gleich an ganz andere Dinge denken:

„Es ist rechtlich unklar, ob eine virtuelle Streifenfahrt möglich ist.“

(Rainer Wendt, Deutsche Polizeigewerkschaft)

(Aus der Bild, via bildblog, bzw. FAZ via Lawblog)

Ich meine: Ja, man kann bei Google Street View Häuser sehen. Boah, Bombe! Voll krass!

OK, damit wir uns richtig verstehen: Privatsphäre ist ein schützenswertes Gut, dieser Meinung bin ich immer gewesen. Ganz gleich, ob ich selbst davon viel Gebrauch mache oder nicht. Der Witz an der Geschichte ist: Menschen haben ein Recht auf Privatsphäre, aber doch nicht Häuser! Ob Street View jetzt so ein tolles Projekt ist, oder verschwendetes Geld, das sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass diese blöden Bilder von öffentlich zugänglichen Straßen aus überhaupt nichts aussagen.

Beispiel:

Marzahner Promenade 24 bis 29, Quelle: Sash

Marzahner Promenade 24 bis 29, Quelle: Sash

So, das ist eine Aufnahme von der Straße aus. Gehen wir mal davon aus, ich als Bewahrer meiner Privatsphäre hätte kein Impressum, in dem meine Postadresse steht, was würde uns dieses Foto sagen: Es sagt uns, dass vor einem Wohnblock in der Marzahner Promenade gelbe Mülltonnen vor dem Haus stehen und dass das untere Stockwerk hässlich orange bemalt ist. Aber selbst das trügt, denn das Foto ist von 2008, genau wie die Google-Bilder bei Street View. Keiner, der hier nie war, weiss, ob diese blöden Tonnen da immer noch stehen! Aus diesem Foto kann man nicht erkennen, dass ich hier wohne, oder was sonst so aktuell passiert. Man weiss nicht, ob hier Kinder auf der Wiese spielen oder ob dieses Haus tatsächlich noch existiert. Und die andere Seite des Hauses, eine Fußgängerzone, wird auch nicht von Google auf den Kopf gestellt, bloß weil ein Bild-Redakteur an digitalen Voodoo glaubt.

Ich habe dieses Foto völlig legal geschossen und völlig legal hier hochgeladen. Sollte jetzt jemand aus meinem Haus (sind um die 15 Parteien pro Hauseingang) die Verpixelung bei Street View beantragen, hab ich dann noch ein Recht dazu? Wollen wir wirklich auch noch das Fotografieren auf der Straße verbieten? Und wer soll das Recht bekommen: Hauseigentümer, Mieter, Obdachlose auf der Durchreise, jeder?

Und die bekloppte Panik wegen der 2,90 m Höhe, aus der die Fotos gemacht werden: Jeder LKW-Fahrer und Reisebus-Fahrgast sitzt über dieser Höhe. Wenn ich mich strecke, kann ich auch googlegleiche Fotos machen. Sind wir ehrlich: Es ist eine löbliche Eigenart von Frau Biedermann, nackt im Garten zu baden, aber Google ist dabei sicher weniger aufdringlich als die meisten Paparazzi. Die retuschieren nämlich nicht das Gesicht weg.

Kritik an Google ist ok, und Vorsicht ist beim Datenschutz durchaus geboten. Aber wenn sich jetzt auch noch Politiker einmischen, denen wir Videoüberwachung in der Fußgängerzone, den großen Lauschangriff und Debatten über Bundestrojaner zu verdanken haben, dann ist das wie das große Jahrestreffen der Vereinigung „Gewaltverbrecher gegen Ohrfeigen“ im Kindergarten an der Ecke: Lächerlich!

PS: Klaus hat sogar eine Geschäftsidee dazu entwickelt, sehr schön.

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Da kri’sch Krise!

Udo Vetter zitiert im lawblog einen Arbeitsvertrag. 40 Wochenstunden für 400 € monatliches Gehalt. Knapp 2,40 € Stundenlohn… also wenn jemand vom Arbeitsamt da hingeschickt wird, dann hat er in meinen Augen alle Berechtigung, den Laden durch die eigens eingeschmissenen Fenster wieder zu verlassen.

Das ist ja nicht mal als Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Arbeit diskutabel.

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Innere Parteitage

Na das passt ja wie die Faust aufs Auge: Kaum zieht mal wieder eine Auswahl deutscher Männer testosteronstrotzend im Kampf gegen andere Nationen durch fremde Kontinente, wird das an der Heimatfront gleich mit den Nazis verglichen.

Seien wir für einen Moment ehrlich: Natürlich KANN man den obigen Satz so stehen und wirken lassen. Ob man das jedoch faire Berichterstattung über die Fußball-WM nennen kann, darf bezweifelt werden.

Was ist passiert?

Katrin Müller-Hohenstein hat während der Halbzeit-Berichtserstattung des ersten WM-Spiels mit deutscher Beteiligung über das zweite Tor gesagt:

„Und für Misoslav Klose ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz im Ernst. Das er heute hier trifft!“

Und nun ist er da, der Nazi-Skandal. Super.

Ganz im Ernst: Ich finde es bekloppt!

Die meisten dürften inzwischen wissen, dass ich bei rechter Präsenz gerne eine linksradikale Spaßbremse bin. Ich attestiere mir gerne die völlige Befreiung von Nationalstolz, ein wachsames Gehör bei rechten Tendenzen und Lust auf Diskussionen darüber. Und noch viel schlimmer: Ich hoffe meist, dass eine andere Mannschaft als die Deutsche gewinnt, weil es oftmals wesentlich sympathischere oder engagiertere gegnerische Mannschaften gibt, denen ich einen Sieg gönne. Von der gelegentlichen Befriedigung, noch nicht völlig Mainstream zu sein, mal ganz abgesehen.

Aber aufzuspringen wegen dieser Bezeichnung? Würde mir nicht einfallen.

Denn es ist – so unbekannt sie einem im Einzelnen sein mag – eine Redensart. Klar, die geschichtlichen Hintergründe waren unschön, und wenn es hier tatsächlich um Nazi-Propaganda gehen würde, wäre meine Meinung eine andere. Aber Redensarten haben ihren Ursprung oftmals in den dunklen Zeiten der Geschichte. Und in Anbetracht der Tatsache, dass das „Dritte Reich“ von einigen Leuten da draussen noch live erlebt wurde, also noch nicht ewig her ist, ist es wenig verwunderlich, dass sich sprachliche Artefakte noch weit verbreitet wiederfinden.

Mir persönlich würde es zwar nie in den Sinn kommen, diese Redewendung zu benutzen, aber unbekannt war sie mir deswegen nicht. Ich selbst hab sie soweit ich weiss, hauptsächlich von meiner Mutter gekannt, aber alleine die Tatsache, dass sie innerhalb der Familie bereit war, die Arbeit ihrer Kinder in der Antifa mit den Worten „Ist doch gut, dass mal jemand was macht gegen Nazis“ zu verteidigen, sollte Beweis genug sein, dass nicht nur harte Rechtsaußen-Schaumschläger sich dieser Wortwahl bedienen.

Ganz ehrlich: Vielleicht wäre es angenehmer, wenn man Alternativausdrücke verwenden würde. Aber Sprache funktioniert nicht mit Verboten.  Ebensowenig wie politische Überzeugung.
Ich bin auch nicht immun gegen „political correctness“, aber ich finde insbesondere im sprachlichen Bereich sollte man sich nicht irgendwelchen Tabus unterordnen. Ich denke, es schadet der Sprache und ihrer so verdammt spannenden Fortentwicklung. Es ist doch traurig, nun zu sehen, dass hunderte Blogger in teilweise wahrscheinlich absurder Wortklauberei nach der bösen Intention der Frau Müller-Hohenstein suchen, und dabei völlig vergessen, dass es nicht um Politik ging und auch nicht um einen Vergleich mit Politik.

Ich kenne ja auch die Gegenargumente. Natürlich kann Sprache herabwürdigen, beleidigen und verletzen. Aber gerade im Wissen, dass ein Totschweigen der deutschen Geschichte fatale Folgen haben könnte, sollte man sich nicht aufregen, wenn das ein oder andere Bonmot auch fern der eigentlichen Bedeutung als geschichtlich interessantes und überprüfbares Mahnmal in die aktuelle und vielleicht zukünftige Sprache Einzug hält.
Natürlich ist es schade, dass damit das ein oder andere Mal das Wort „Reichsparteitag“ in positiven Zusammenhängen verwendet wird. Aber je weiter sich hier das Subjekt des Anstosses von der Intention des Benutzers entfernt, desto spannender werden die Aha-Erlebnisse derer sein, die der Verbindung auf den Grund zu gehen gedenken. Die, die z.B. diese Redewendung mit heimlicher Genugtuung verwenden, mal was Böses gesagt zu haben, das nicht unter einen Paragrafen gegen Volksverhetzung fällt, werden sich ohnehin Ersatzbefriedigungen suchen, bis man ihnen das Reden komplett verbietet.

Obwohl – oder gerade weil? – ich einfach nur locker aus dem Handgelenk schreibe, tut es mir weh, gelebte Sprache denen zu überlassen, die sie dann wirklich missbrauchen für ihre Instrumentalisierungen. Natürlich wurden Worte oft geschaffen, um Grenzen zu ziehen und Menschen auszuschließen. Aber wie schön ist es im Gegenzug zu sehen, dass die Sprache alleine auch wieder den Weg zurückfindet. Ist es nicht ein Erfolg der Aussöhnung, dass das böse Wort „Nigger“ in Amerika zunächst auch von den Schwarzen untereinander verwendet wurde, und sich inzwischen auch weiße Mittelstandkiddies mit HipHop-Ambitionen gegenseitig mit „Hey Nigger“ begrüßen?

Die Reflexe sitzen bei uns Linken tief. Verständlich, wollen wir doch eigentlich alles Übel im Ansatz bekämpfen. Wie oft hab ich hier im Blog schon ein „Gott sei Dank“ in „Glücklicherweise“ umgeschrieben, weil ich als überzeugter Atheist nicht mit Fanatikern um Worte streiten wollte. Aber es ist doch albern! Worte sind nur schlecht, weil sie in der Vergangenheit eine bestimmte Bedeutung haben. Was also nützt es, an dieser festzuhalten, und den Worten die Chance zu nehmen, auch positives zu vermitteln? Wie schön wäre es, eine unendliche Sprachfülle für positive Erlebnisse zu besitzen und eine vergleichsweise eingeschränkte für Negatives – anstatt umgekehrt?

Und bevor wir hier völlig vergessen, worum es ging: Es war wirklich ein grandioser Auftritt der deutschen Elf! Es hat Spaß gemacht, zuzusehen, und auch wenn mein Weltmeister-Favorit Uruguay bliebt, wünsche ich den Deutschen dennoch viel Erfolg, wenn sie so weiterspielen!

via Stefan Niggemeier

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Todesstreifen?

Die Polizei Berlin hat heute faszinierendes zu berichten:

„Straße mit Farbe beschmiert“

Was schon in der Überschrift wie pure Science Fiction klingt, wird im Detail noch unheimlicher:

„Unbekannte beschmierten in der vergangenen Nacht die Fahrbahn der Liebigstraße in Friedrichshain. Die Besatzung eines Funkstreifenwagens entdeckte gegen 0 Uhr 30 die weißen Streifen, die über die gesamte Fahrbahnbreite aufgetragen waren.“

Weiße Streifen über die gesamte Fahrbahn? Hey, ich höre euch lachen! Das ist todernst hier. Die Beamten aber verkannten den Ernst der Lage nicht:

„Da eine politische Motivation bei der Tatbegehung nicht ausgeschlossen werden kann, hat der Polizeiliche Staatschutz des Landeskriminalamtes die weiteren Ermittlungen übernommen.“

Und in der Tat tauchen weiße Streifen auf Straßen immer häufiger auf. Als Unbedarfter könnte man dahinter natürlich belanglose Malereien vermuten, aber die Wahrheit ist viel gefährlicher. Es waren natürlich politische Taten! Linksextremisten! Völlig logisch.

Ich selbst habe leider keine Insider-Infos. Es ist davon auszugehen, dass es sich um gemeine Kommando-Unternehmen handelt. Fakt ist jedoch, dass diese weißen Streifen überraschenderweise oftmals im Zusammenhang mit linken Demonstrationen auftauchen. Zum Beweis ein Bild aus Stuttgart im Jahre 2007, aufgenommen anlässlich einer sogenannten „1.-Mai-Demonstration“:

Im Vordergrund erkennt man gut weiße Streifen über die Fahrbahn, Quelle: Sash

Lange Zeit arbeitete man sich wahrscheinlich an Theorien ab, ob die Markierungen zur Spurfindung bei Demonstranten dienen, spezielle Anschlagsorte markieren oder einfach Graffiti mit einem verschlüsselten Inhalt darstellen.

Jedenfalls ist die einzige Möglichkeit natürlich, beim Auftauchen solcher Signale mit dem Schlimmsten zu rechnen. Ebenfalls schon 2007 wurden erstmals die Möglichkeiten genutzt: Nach dem Auftauchen einer merkwürdigen Straßenbemalung wurde im Juni in Rostock einer der größten Polizeieinsätze Deutschlands ausgelöst:

Polizisten umzingeln das fragliche Objekt (rechts im Bild), Quelle: Sash
Polizisten umzingeln das fragliche Objekt (rechts im Bild), Quelle: Sash

Und wie allgemein bekannt sein sollte, entwickelte sich danach trotz des Aufstellen eines blauen Warnschildes völlig überraschend ein enormer linker Aufruhr rund um die Hansestadt. Man darf gespannt sein auf die nächsten Tage in Berlin…

😀

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Und weg isser…

Wow! Ich bin ernstlich überrascht worden gerade vom Rücktritt des Bundespräsidenten. Ich habe die ganze Chose mit seinen Äußerungen bezüglich deutschen Wirtschaftsinteressen und Krieg auch nur gehört, als es schon ans Dementieren ging. Ich hab den O-Ton im rbb-Inforadio nachts um was weiss ich wieviel Uhr an der Kreuzung Schönhauser/Danziger gehört (Ich schreibe das nur, damit ich es weiss falls es mich selbst irgendwann mal interessieren sollte, wo ich zu diesem Zeitpunkt war) und hab es eigentlich nur halblebig wahrgenommen.

Über die Intentionen des Herrn Köhler bei seiner Antwort im Interview mit dem Deutschlandradio kann ich zwar nichts sagen, aber es ist Tatsache, dass er ziemlichen Bockmist von sich gegeben hat. Ob er – wie später ein Sprecher dementierte – den Afghanistan-Einsatz gemeint hat oder einen fiktiven Krieg der Sterne, spielt dabei keine Rolle, würde ich sagen. Denn man kann unser Grundgesetz ebenso drehen und wenden wie hoffentlich die eigenen moralischen Überzeugungen auch, selbst „im Notfall“ wird dabei keine Möglichkeit herauspurzeln, die einen Krieg seitens Deutschland wegen freien Handelswegen zulassen.

Mag sein, dass hier in eine nebensächliche zerstreute Äußerung zu viel hineininterpretiert wurde, aber den Umgang Köhlers damit, und jetzt der Rücktritt mit der Begründung, er vermisse den Respekt für das Amt… da hat er sich aber ordentlich disqualifiziert.

Und ich möchte mal anmerken, dass Köhler von allen Konservativen da draussen noch einer derjenigen war, die ich in gewisser Weise noch halbwegs ok fand. Der Rücktritt vom Koch beispielsweise war mir echt die fünf Minuten für einen Hinweis nicht wert.

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Nachtsparen

Es kriselt weiter fleissig da draussen im Lande, auf dem Kontinent und sogar weltweit. Auch die Regierung hierzulande sucht gerade krampfhaft nach Möglichkeiten, in Zukunft sparen zu können. In meinen Augen bedenklich oft wird dieser Tage auch darüber nachgedacht, bei Nacht- und Feiertagsarbeit künftig die Steuerfreiheit der entsprechenden Zuschläge zu streichen.

Das ist nun ein Thema, das erste schätze ich, das mich politisch auch meiner eigenen Situation wegen interessiert. Ich bin bisher soweit ich mich erinnern kann, kein einziges Mal auf die Straße oder ins Wahllokal gegangen, um mir selbst das Leben leichter zu machen. Ich persönlich lebe ja in einem erstaunlich konfliktfreien Vakuum innerhalb fast aller politischen Entscheidungen. Ich verdiene zwar wenig Geld, bin aber zufrieden damit. Ich hab passable Arbeitszeiten mit Luft nach oben und unten und entscheide das ohnehin selbst. Ich bevorzuge ein schon ziemlich spießiges Leben ohne teure Hobbies. Ich kann mir vorstellen, weniger zu heizen, langsamer zu fahren und ungesünder zu essen. Ich passe dank meiner Herkunft nicht ins Beuteschema meiner politischen Gegner, habe Spaß an meiner Lohnarbeit und als abschreckend großer weißer Mann muss ich mir fast überall auf dem Planeten keine Sorgen um Ausgrenzung, Rassismus oder Überfälle machen. Von Sexismus würde ich auch noch profitieren. Im Zweifelsfall bin ich mit einem ausreichenden sozialen Netzwerk ausgestattet, dass es mir erlauben würde, eine gewisse Zeit ohne Geld zu überleben, und moralische Skrupel, im Ernstfall kriminell zu werden, traue ich mir zu abzulegen. Ja selbst im Falle einer Hungersnot habe ich mehr Fettreserven als 90% der Menschheit und kann daher mit Fug und Recht behaupten, dass ich einfach keinen Grund habe, mich zu beschweren.

Im Grunde auch nicht über eine Streichung einiger Steuervergünstigungen.

Das heisst aber nicht, dass ich dafür wäre! Aber, und das ist komischerweise wirklich meine ehrliche Meinung, geht es mir auch hier eigentlich nicht um meine paar Euro. Klar, mir würde am Monatsende was im Geldbeutel fehlen. Wenn es ganz dumm läuft, dann bedeutet das, dass ich einen Tag mehr arbeiten muss, oder – um es ein wenig deutlicher zu machen – eine Viertelstunde mehr pro Tag. Das ist nicht wirklich ein Grund zum Jubeln, aber in meinen Augen ein vertretbarer Aufwand. Insbesondere, wenn wir mal so dümmlich und blauäugig wie all die CDU- und FDP-Wähler sind, die glauben, dass die Regierung weiss was sie tut und dieses finanzielle Mehraufkommen in irgendeiner Form tatsächlich sinnvoll verwendet.

Aber ich finde es unfair vielen Menschen gegenüber. Denn auch wenn ich selbst mit meiner Situation grinsend zufrieden bin, ist nicht abzustreiten, dass Nacht- und Feiertagsarbeit eine Mehrbelastung darstellen. Ob die gesundheitlichen Studien haltbar sind, weiss ich nicht. Aber alleine der soziale Faktor. Wie kann ich im selben Land Ladenöffnungszeiten einschränken, um die armen Beschäftigten vor Ausbeutung zu schützen, und andererseits die Arbeit derer, die dennoch Nachts arbeiten müssen, als gleichwertig abstempeln.

Ich hab vor einiger Zeit schon einmal geschrieben, dass es nunmal eine Menge Leute gibt, die Nachts arbeiten müssen. Die Ärzte und die Feuerwehr führe ich gerne an erster Stelle, aber selbst die von mir vielgescholtenen Polizisten widmen sich ja bisweilen Nachts sinnvollen Tätigkeiten, die keiner missen möchte. Was es für unser modernes Leben bedeuten würde, wenn auch Mitarbeiter von E-Werken, Kneipiers, U-Bahn- und Taxifahrer nachts einfach alle frei hätten, das kann man mal versuchen, sich auszumalen. Wir leben zwar inzwischen in einer Welt, in der ich beim Versandhandel nachts um ein Uhr ein Kissen mit Katzenmotiven kaufen kann, aber dennoch sind viele Dinge dieser Welt auf das Leben tagsüber zugeschnitten.

Denn meine Nachbarn bohren ihre Dübellöcher zu meiner Schlafenszeit. Wenn ich am Montag um 3 Uhr von der Arbeit komme, hat kein Laden mehr offen, in dem ich mir schnell was zu essen kaufen kann. Mein Arzt öffnet zu einer Tageszeit, die bei normalen Menschen etwa 1 Uhr Nachts bedeutet und wenn ich wegen irgendwas zu einem Amt muss, dann kann es schon mal sein, dass ich meinen Tagesrhytmus völlig umschmeissen muss. Dazu kommen Vertreter, Werbeanrufe und Nachfragen von Unternehmen, mit denen ich eine Geschäftsbeziehung unterhalte, die sich allesamt melden, wenn ich gerade meine zweite oder dritte Tiefschlafphase habe. Sicher ist auch mein Stromverbrauch höher, da ich zu freien Zeiten nachts das Licht anhaben muss.
Andere haben es noch schlimmer erwischt: Sie haben eine Frau, die einen Job macht, den sie nur tagsüber machen kann/darf oder gar so kleine wuselige Viecher, die tagsüber in die Schule müssen und den Rest der hellen Tageszeit kreischend in der Wohnung verbringen.

Von der seelischen Belastung, die einen befällt, wenn man am Wochenende abends nicht mit den Freunden einen trinken gehen kann, mal ganz abgesehen: Es sind nach wie vor eine Menge Nachteile, die einem die Nachtschicht verleiden können. Ganz im Ernst: Ich schäme mich nicht, dafür irgendwas zwischen 5 und 50 € monatlich an Steuergeschenken zu bekommen. Ich halte das schon in meinem Fall für eine gerechtfertigte Gegenleistung für den Gefallen, den ich betrunkenen Spätheimkehrern damit mache, morgens um 4 Uhr im Auto auf sie zu warten. Und die Bezuschussung für den Arzt, der mich dann um 5 Uhr aufnimmt, wenn der Betrunkene mir ins Lenkrad gefasst und damit einen Unfall provoziert hat, die kann in meinen Augen gar nicht hoch genug sein.

Ich bin grundsätzlich ein Vetreter libertärer Ansätze, und würde mir in erster Linie natürlich eine Angleichung des Nacht- an das Tagleben wünschen. Aber im Wissen darum, dass eine gewisse Ruhe dem Menschen definitiv gut tut (ist ja z.B. schön zu wissen, dass die Anrufe nachts um 4 Uhr wirklich dringend sind) und andererseits auch Party und Bohren in den eigenen vier Wänden wenigstens tagsüber ok sein müssen, bin ich eben dafür, wenigstens einen kleinen finanziellen Ausgleich für uns Nacht- und Feiertagsarbeiter zu erhalten.

Davon, dass die Nacht die schönere Tageszeit ist, können wir leider auch nicht alleine leben 😉

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