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Im Internet geboren

Also ich weiss nicht, wie es euch Lesern geht. Ich bin nicht im Internet geboren. Genausowenig wie der Terroranschlag in Oslo, über den sich Hans-Peter Uhl jetzt mittels derartig undifferenziertem Quatsch und in Tateinheit mit Gedankenverkorksung und doppelblöder Blindheit ein Urteil erlaubt hat.

Aber ja: Mit der Zeit habe ich gelernt, mit dem Netz umzugehen. Wie üblich ein wenig unkonventionell und behelfsmäßig, aber ich hab es zum Hardcore-User gebracht, ohne in der Steinzeit meiner Computer-Kenntnisse auf Dialer hereingefallen zu sein. Ein einzelner Virencrash eines PC’s geht auf mein Konto, aber ich hab auch noch nie versehentlich eine Pornoseite geöffnet, wie das allenthalben passieren soll, sondern wenn dann absichtlich. Ich nutze das Internet mittlerweile zur Kommunikation in jeglicher Hinsicht, kaufe dort auch ein und suche nach Unterhaltung.

Dafür braucht es gewisser Grundkenntnisse, die ich inzwischen – wie beim Autofahren – kaum noch von natürlichen Reflexen unterscheiden kann. Was ist das Internet? Wie bediene ich einen Browser und was sind Webseiten und was kann man auf ihnen alles anstellen? Ganz ehrlich: Das sind keine Fragen, die irgendjemanden heutzutage noch beschäftigen sollten. Vielleicht muss man nun wirklich nicht wissen, was gerade der superaktuelle Trick ist, um sich gegen die neueste Spionagesoftware des US-Militärs zu wehren, ohne gleichzeitig das Filesharing unterbrechen zu müssen – aber als ganz wichtige Grundlage sollte man vielleicht wissen, wie man danach (oder ggf. eben auch nach Unterhaltung, Pornos oder Nachrichten) sucht.

Ich bin auch hier allenfalls Amateur. Ich muss jeden Befehl für Google, der über die Anführungszeichen hinausgeht, nachschlagen. Aber wenn es nötig ist, tue ich es. Und ich weiss, wie. Ich bin wirklich kein arroganter Nerd, der meint, die restliche Welt müsse dieselben Interessen haben und ich halte nach wie vor Deutsch für eine schönere Sprache als html. Aber überlegt mal bitte selbst, wann ihr das letzte Mal derart unbeholfen etwas in eine Suchmaschine eingegeben habt:

www.betriebsanleitung datenfunk in kölner taxen de.

Das ist kein Witz. Das ist eine reale Suchanfrage bei Google gewesen, mit der man dann auch noch auf GNIT landen kann. Im Ernst: Das ist abgesehen von der erschreckend korrekten Rechtschreibung nur noch durch Drogen oder eine langjährige CDU-Mitgliedschaft zu erklären. Man sollte meinetwegen allen Menschen einen Grundkurs in Internetnutzung geben. Aber in dem Stadium dürfen die da noch nicht alleine rein, ehrlich. Das ist viel zu gefährlich, sonst labern die am Ende alle so einen Schrott wie der Uhl.

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Oslo

Dass die Terroranschläge von Oslo nicht an mir vorübergegangen sind, ist klar. Das Thema ist allerdings ganz ehrlich gesagt eine Spur zu vielseitig und groß, als dass ich mir hier wie etliche Journalisten die Blöße geben möchte, mein gefährliches Halbwissen mit der Welt zu teilen.

Mir ist einiges sauer aufgestossen in den letzten Tagen, von dem Anschlag selbst bis hin zur Berichterstattung auf allen Kanälen. Ich hab es bisher vermeiden können, wie üblich mit Zynismus auf eine verwirrte Öffentlichkeit einzuprügeln. Wäre vielleicht nicht angemessen gewesen. Aber ich hab den Umgang verschiedenster Medien damit gesehen und festgestellt, dass es auch die professionellen Schreiber oftmals nicht wirklich hinbekommen.

Ich möchte an dieser Stelle einen Text zum Nachdenken verlinken, ein Text über Terroranschläge und Doppelstandards, geschrieben von Ali Arbia in seinem sehr empfehlenswerten Blog zoon politikon:

Terroranschläge und Doppelstandards (in alle Richtungen)

Es lohnt sich.

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Gefahr, Gefahr!

Ich weiss, dass in „meiner“ Straßenbahn – der M6 – vor einiger Zeit ein Übergriff stattgefunden hat. Wie sollte es mir auch entgehen, wo ich zwar die Boulevardblätter meide, aber die Polizeipressemeldungen abonniert habe?

Dass die BVG Sicherheitspersonal einsetzt, ist mir also ebenso wenig unbekannt wie auch die Tatsache, dass man selbiges so gut wie nie antrifft. Ich kenne die Fürs und die Widers bei all der Debatte um die Sicherheit in diesem Land und ich bin immer noch dagegen.
Ich weiss: Es passiert eine Menge Scheisse in diesem Land, eine Menge Scheisse in Berlin, und wenn in unserem Haus Windeln aus dem Fenster geschmissen werden, dann darf man davon ausgehen, dass auch in Marzahn eine Menge Scheisse passiert.

Aber Sicherheit schränkt ein.

Gewiss: Es ist eine Gratwanderung, und die Menschen bewerten es unterschiedlich. Aber ebenso wie der ein oder andere unter uns „unbegründet“ Angst hat, fühlen sich andere „unbegründet“ eingeengt.

Mir ist das heute einmal mehr bewusst geworden. Ich hab meine Schicht beendet und mir zur Feier des Wochenendes einmal mehr ein Feierabendbier an der Tanke geholt. Ich trinke gerne ein Bier in der Bahn auf dem Heimweg, und bei der geschätzten Zuschauerzahl von etwa 4 Leuten sollte ich damit auch nicht unangemessene Werbung für den Alkoholkonsum machen. Aber das ist natürlich kein Grund, die Hunde zurückzupfeifen:

Zwei Stationen nach mir stiegen 2 Sicherheitsleute „im Auftrag der BVG“ ein. Ich muss ihnen das eigentlich Selbstverständliche zu gute halten: Sie haben nichts gemacht.
ABER: Sie haben die Situation in der Bahn kurz überschaut und dabei festgestellt, dass da ein 2-Meter-Brecher mit Bierflasche sitzt und sich zielstrebig sowohl neben, als auch hinter mich gesetzt. Da mich die Evolution noch nicht mit Augen im Hinterkopf ausgestattet hat, kann ich es nur vermuten, aber ich meine: Ja, sie haben geschaut, was ich mit meinem Smartphone so alles anstelle.

Und das ist zum Kotzen!

Keine Frage: In einer brenzligen Situation bin ich froh im den ein oder anderen „professionellen“ Helfer. Aber es kann nicht sein, dass zahllose Menschen tagein tagaus mehr oder weniger bespitzelt werden, nur weil sie vielleicht gerade nicht ins Klischee der braven Überwacher passen! Zumal diese Profis den Anschein erweckt haben, sie seien auch eher notleidende Hartz4-ler als ausgebildetes Personal. Ob sie also in einer Gefahrensituation hilfreich gewesen wären, wer weiss?

Ich möchte an dieser Stelle mal anmerken, dass ich auch schon als „Sicherheitspersonal“ für Banken Überweisungsanlagen transportiert habe, zwar schick mit Hemd und quasi Uniform, dafür aber null ausgebildet oder auch nur irgendwie anders ausgestattet als der Rest der Menschheit – und nein, ein Führungszeugnis braucht man auch nicht bei jeder dieser Tätigkeiten…

Ich akzeptiere, dass es eine gewisse Infrastrukur für Sicherheit geben sollte. Aber muss ich als normaler Mensch deswegen auf eine ungestörte Bahnfahrt verzichten? Sicher, man kann diese Frage mit ja beantworten – man sollte sich aber klarmachen, dass Menschen wie ich erst deswegen zu einem Sicherheitsrisiko werden könnten…

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Identitätskrise

Kaum ist Google+ in nennenswertem Umfang auf dem Weltmarkt für Eitelkeiten, im Bereich der sozialen Netzwerke, halbwegs angekommen, schon steht die erste Krise ins Haus. Eine Art Identitätskrise. Zum einen fragen sich natürlich die Nutzer, was aus Google+ wird, andererseits gibt sich Google selbst schon alle Mühe, dem Ganzen eine gewisse Richtung zu geben.

Scheinbar löscht Google einzelne Nutzerprofile, wenn diese den Eindruck erwecken, sie würden keinen Klarnamen enthalten. Und so super-social, wie das alles nunmal ist, schwappt eine mehr oder minder große Welle durch die digitale Bude. Alte binäre Haudegen fühlen sich an eine Zeit erinnert, als das selbe Thema offenbar im Usenet durchgenudelt wurde, ein Großteil der Leute schaut indes fasziniert zu, weil sich bisher scheinbar niemand Gedanken darüber gemacht hat.

So schrieb plomlompom sich in Rage über diese Ungerechtigkeit und forderte die User auf, Pseudonyme zu nutzen, woraufhin sich etliche Gegner aufschwangen und klarstellten, dass es sich hierbei überhaupt um gar kein Problem handeln würde. Mehrfach wurde auf Googles Hausrecht verwiesen und darauf, dass man ja woanders spielen gehen könne, wenn man keinen Bock hat, sich mit Klarnamen zu melden.

Das wiederrum rief Sascha Lobo auf den Plan, der eine Lobesrede auf die freie Namenswahl in der digitalen Öffentlichkeit hielt und die Meinung vertrat, dass das mit dem Hausrecht albern sei, weil Google schließlich als eines der großen sozialen Netzwerke durchaus so etwas wie „die Öffentlichkeit“ sei.

Verschiedenste Kommentatoren versammelten sich auf verschiedensten Posts und proleteten munter ihre Fürs und Widers heraus. Die Debatte ging vom Hausrecht zum Telemediengesetz, vom Stalker bis zum unterdrückten Diktaturbekämpfer und natürlich auch jeweils wieder zurück.

Ich wollte mal meine Meinung dazu kundtun:

Ich kenne ja als Blogger die Vor- und Nachteile pseudonymen Daseins. Ich selbst blogge zwar seit geraumer Zeit mehr oder minder unter Klarnamen, weil mir die Anonymität zu anstrengend war, aber ich habe natürlich viel mit Pseudonymen um mich herum zu tun.

Als Negativbeispiel fällt mir da beispielsweise ein altkluger Vollspaten ein, der mit seinem psychotisch anmutenden Geschreibsel seit einem Jahr meint, er müsse Unwahrheiten über mich in seinem bedeutungslosen Kleinstblog von sich geben, während er sich fälschlicherweise für clever genug hält, seine Identität zu verschleiern.

Auf der anderen Seite stehen die vielen hundert Leute, die in meinen beiden Blogs kommentieren und dies in großer Zahl völlig ohne Klarnamen unter frei gewählten Pseudonymen tun und dabei im Grunde nie ernsthaft den Eindruck erwecken, als würde ihnen eine Verletzung der Netiquette in den Sinn kommen.

Bei allem Ärgernis, das minderbemittelte Trolle im Netz auslösen können: Überwiegend scheint die Sache mit den Pseudonymen gut zu funktionieren. Hier greift auch eines der Argumente vieler Verteidiger der Pseudonym-Idee: Viele Menschen haben sich eine Identität im Internet (oder auch im Reallife-Freundeskreis) zugelegt, die nichts mit dem offiziellen Namen zu tun hat. Und warum sollte man ihnen das verbieten? In sozialen Netzwerken geht es um zwischenmenschliche Kommunikation ohne vertraglichen Charakter. Eine Identifizierbarkeit muss ja nicht zwingend gegeben sein.

Folglich vertrete auch ich die Ansicht, dass Google gut daran täte, Pseudonyme zu erlauben, auch wenn sie so dämlich klingen, dass man um den Verstand des Benutzers fürchtet.

Die Menschen, die sich (und was ist in sozialen Netzwerken anderes zu erwarten?) eine Identität zulegen, die ihnen am Herzen liegt, werden sich kaum in Wildwest-Manier durchs Netz schlagen. Schließlich sind auch Pseudonyme für die Personen dahinter und die Personen gegenüber wichtige Teile der Kommunikation – ebenso wie der eigene Name.

Ja, Ausnahmen bestätigen die Regel. Die LoVeRbOy_SEXY_38(cm;)) dieser Welt werden damit vielleicht Teil des Internets (oder hier: Teil des Netzwerkes) bleiben und in ihrer Anonymität hier und da rumtrollen. Ich wage aber zu bezweifeln, dass sie jemand ernst nehmen muss. Zumal das Aussieben bei Google+ (wie auch bei Facebook übrigens) nach offenbar nicht allzu cleveren Parametern vorgenommen wird, die es immer erlauben werden, sich als Hans Wurst anzumelden, auch wenn man Kunigunde Veilchen heißt.

Google selbst sollte es egal sein, unter welchem Namen sich die Nutzer durchs Netz bewegen. Für den Konzern sind alleine die Verknüpfungen und Vorlieben interessant, um sie für die Werbung zu verwenden. Dabei spielt der Name so oder so keine Rolle, wenn Google nicht morgen plant, auf Postwurfsendungen umzusatteln. Erzwingen kann man das nicht, man kann es nur versuchen. Aber der Versuch ist vielleicht so dumm nicht.

Man muss sicher keine Stalkingopfer oder unterdrückte Minderheiten in anderen Ländern bemühen, um pro Namensfreiheit zu argumentieren, aber wenn man sie dann letztlich auch noch auf der richtigen Seite verbucht, dann sollte klar sein, dass Google+ gut daran tun würde – und im Übrigen auch wesentlich mehr Benutzer finden und binden wird,- wenn jeder seinen Namen selbst wählen kann.

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Heraus!

„Heraus zum ersten Mai!“

Was nervt mich diese Parole. Ich finde es immer schade, wenn aus Traditionsgründen sinnvolle Ansichten in gestrige Worte verpackt werden. Heraus. Heraus? Kein Mensch außerhalb von Hannover oder einschlägigen K-Gruppen wird doch das Wort noch ernsthaft so verwenden…

Ich bleibe einen Lösungsvorschlag zur Umschreibung schuldig, aber wie jedes Jahr starte ich ein wenig zwiespältig in den ersten Mai. Natürlich werde ich heute Abend auf der Demo in Kreuzberg sein, und da ich sogar öffentlich dazu stehe, kann ich ja auch zugeben, dass ich gerne dazu auffordere, es mir gleich zu tun.
Sicher kann man auch auf eine der zahlreichen anderen Demos hier oder anderswo gehen, an der mangelnden Auswahl soll es ja nicht liegen an diesem Tag.

Es ist ein wenig traurig, dass der erste Mai so sehr zu einem Folklore-Tag verkommen ist. Da möchte ich auch gerne die DGB-Demos in einen Topf mit der bösen revolutionären 18-Uhr-Demo am Kotti werfen. Ob man jetzt zum ersten Mai geht, weil man mit ein paar Freunden Würstchen essen will oder weil man sich mit den Bullen zu kloppen gedenkt: Im Grunde ist beides gleichermaßen bescheuert!

Dennoch finde ich es ärmer, nicht hinzugehen.

OK, klar: Wenn man zufrieden ist mit der Welt, wie sie ist, dann kann man das machen. Für diese Einstellung indes fehlen mir die Worte…

Ganz ehrlich: Ja, ich bin froh, in Deutschland zu leben! Je mehr man Deutschland mit dem Rest der Welt vergleicht, desto besser gefällt es einem hier. Die Politik hier ist in so vielen Punkten am fortschrittlichsten oder zumindest nahe an der Spitzengruppe. Das weiss ich zu schätzen, aber ich gehöre zu den Menschen, die sich für Kakao entscheiden, wenn sie die Wahl zwischen 3 Arten Durchfall als Morgendrink bekommen.
Es ist auch nicht so, dass ich undankbar bin für alles, was ich habe – aber selbst in unserem reichen, satten Sozialstaat ist noch einiges im Argen.

Hey, hier und heute – in Deutschland 2011, werden immer noch Frauen schlechter bezahlt als Männer. Es gibt einen Haufen Menschen, die trotz Vollzeit-Arbeit in Armut leben und Menschen, die wegen ihrer Herkunft diskriminiert werden. Es gibt Menschen, die sich beschimpfen lassen müssen, weil sie keine Arbeit finden oder weil sie homosexuell sind. Immer noch werden in der Politik ernsthaft Arbeitsplätze in der Automobilindustrie munter gegen Umweltzerstörungen hochgerechnet und mit ein paar fragwürdigen Ergebnissen wird eine Abschaffung der Privatsphäre schöngeredet. Hier und heute noch brechen ausgerechnet Polizisten vielerorts massiv und organisiert das Grundgesetz und gleichzeitig versteht ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung nicht, was das bedeutet, weil das zu viel Textverständnis erfordern würde.

So vorbildhaft dieses Land im ein oder anderen Bereich sein mag: Es gibt genügend Gründe, gelegentlich den Arsch hochzukriegen und wenigstens mal seine Meinung zu sagen!

Ich finde es ein wenig schade, dass die meisten Leute erst dann demonstrieren, wenn es ihnen selbst an den Kragen geht. Man findet in der Geschichte eine Menge Hinweise, dass das zu spät sein könnte. Nach wie vor kann ich nur sagen, dass ich mit meinem eigenen Leben zufrieden bin, und mir eigentlich angenehmeres vorstellen könnte, als mit  10.000 verschwitzten Menschen ein paar Straßen langzutrotten und von sensationsgeilen „Journalisten“ fotografiert zu werden.
Ich komme mit meinem Leben schon klar – so wie es jetzt ist, und wahrscheinlich auch so, wie es in 10 Jahren, ungeachtet der Wahlausgänge sein wird. Aber verdammt: Ich bin doch nicht der Maßstab der Dinge. Es geht so vielen Leuten ernsthaft dreckig hier!

Außerdem wäre es doch schön, wenn nicht jede Kritik untergehen würde, nur weil sich die paar Hansel auf einer Demo unter Würstchenesser und Steinewerfer subsummieren lassen!

Deswegen werde ich heute Abend einmal mehr in Kreuzberg sein, und bei der Demo mitlaufen. Es ist mir doch scheißegal, ob 500 Leute das als Aktionsplattform sehen, um ein bisschen Katz-und-Maus mit den Cops zu spielen. Ich werde da sein, damit sich vielleicht mal jemand fragt, warum da noch 10.000 andere Leute mitlaufen!

Und abgesehen davon: Es ist nach wie vor ein Gerücht, dass die Verantwortlichkeit bei den Krawallen so einseitig ist…

Insofern:  Heraus zum ersten Mai – egal wie scheiße das klingt!

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Blabla – ein Kommentar

So, die Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg (und Rheinland-Pfalz, aber ich kann ja nicht über alles schreiben) ist nun also Geschichte. Und auch das Ergebnis ist gewissermaßen Geschichte. 58 Jahre CDU-Regierung sind damit aller Wahrscheinlichkeit nach vorbei. Es ist kaum davon auszugehen, dass die SPD plötzlich auf die Idee kommen wird, sich doch als Juniorpartner einer großen Koalition zur Verfügung zu stellen.

Die Wahl wurde wie so viele als „Schicksalswahl“ betitelt, und spätestens das ist der Punkt, an dem ich dazwischenrufen möchte: Halt!

Wie ich schon im vorherigen Beitrag klargestellt habe: Ich begrüße es. Ich finde es gut, dass die CDU (die ja immer noch stärkste Partei ist!) einen vor den Latz geknallt bekommen hat, und ich saß gestern Abend tatsächlich ähnlich ungeduldig vor dem PC wie bei der Bundestagswahl 1998 vor dem Fernseher, um mir die neuesten Hochrechnungen und Auszählungen reinzuziehen. Fast ein bisschen viel Interesse an einer Landtagswahl für Revoluzzer wie mich, was?

Nun ja, man fühlt sich der Heimat dann doch ein wenig verbunden, und nach ewigem Wahlkampf und einigen Aufregern beschleicht ja auch mich manchmal doch der Funken einer Hoffnung, dass sich etwas ändern wird. Natürlich ist das nur von kurzer Dauer, aber das kann ich ja jetzt auch mal als Trost an die Anhänger der CDU weitergeben: Keine Panik, die Welt geht wegen dieser Wahl nicht unter! Aber es wird trotzdem viel passieren!

Vielleicht klappt das mit S21 jetzt nicht so richtig (wobei ich nicht weiss, ob das wirklich noch reversibel ist) und vielleicht bekommt Stuttgart dank der Grünen noch mehr Radwege und 30er-Zonen. Das Ende der Wirtschaftswunderzeit läutet diese Wahl sicher nicht ein, denn diese Zeit ist nunmal ohnehin längst vorbei.
Es mag vielen plötzlich in der Opposition gelandeten Mitschwaben unbehaglich vorkommen, aber die Welt ist nicht anders, weil jetzt in BaWü die Grünen plötzlich eine Volkspartei sind, sondern dieses Wahlergebnis spiegelt neben den Aufhängern der näheren Vergangenheit (S21, Fukushima, Brüderle – um nur 3 Katastrophen zu nennen) einfach einen Wandel wieder, der längst im Gange ist.

Und der ist beileibe nicht wirklich schön.

Baden-Württemberg ist wie Bayern bisher in der Situation gewesen, dass das landeseigene Leben stets Referenzmodell war. Das bleibt es in Deutschland vorerst auch, egal wer regiert. Die Wirtschaft ist im Süden Deutschlands seit Jahren deutlich besser aufgestellt als im Rest, der Wohlstand ist vergleichsweise hoch. Natürlich kann es sein, dass sich das ändern wird. Für so mutig halte ich die Grünen indes dann auch nicht. Die Änderungen, die dazu notwendig sind, sind zu tief, um sie mal eben in einer Legislaturperiode umsetzen zu können. Wichtiger ist aber eigentlich: Es wird BaWü diesbezüglich nicht anders gehen als den anderen Bundesländern, ja als anderen Staaten sogar.

Dass eine einzige – noch dazu konservative – Partei die Regierungsgeschäfte seit über einem halben Jahrhundert ohne Unterbrechung mitgestaltet, ist zunächst einmal mathematisch sehr unwahrscheinlich, lässt beim genaueren Hinsehen allerdings allenfalls eine gewisse Selbstzufriedenheit der Bevölkerung erkennen, weniger das Potenzial der Partei selbst.

In den letzten 58 Jahren ist nicht nur Europa als supranationale Größe auf die Bühne der Weltpolitik getreten, nein ebenso hat sich der kalte Krieg verflüchtigt und es hat sich nicht nur gezeigt, dass anderswo auf diesem Planeten plötzlich Konkurrenz für die deutsche Wirtschaft erwächst – es setzte sich auch zunehmend die Erkenntnis durch, dass mancher Fortschritt auf Kosten der Umwelt teuer erkauft wurde. Natürlich ist diese Entwicklung trotz CDU nicht am Ländle vorbeigegangen, aber man könnte es als Zeichen werten, dass erst ein GAU in einem japanischen Atomkraftwerk die Wahlergebnisse beeinflusst, wenngleich es 25 Jahre zuvor einen Super-GAU gab, der sogar die Region selbst betroffen hat.

Bei allen politischen Signalen, die die Wahl jetzt angeblich aussenden soll – und wenn meinetwegen Merkel und Westerwelle letztlich darüber stolpern – die Welt ändert sich nicht, weil die Grünen in BaWü 24 Prozent kriegen. Ungeachtet der Katastrophe in Fukushima wird z.B. die Umwelt ein größeres Thema werden müssen. Wenn uns der Planet unter dem Arsch wegschmilzt, gibt es – so bedauerlich es für Weissach und Sindelfingen sein mag – langfristig keine Schutzzonen für schwäbische PS-Schmieden.
Darüber hinaus zwingt die Globalisierung innerhalb unseres geliebten Kapitalismus uns die Frage auf, wie wir auf dem gesamten Kontinent eine Versorgung unserer Arbeitnehmer garantieren sollen, wenn fernöstliche Staaten dieselbe Produktivität durch Sklavenhaltung wesentlich billiger erreichen.

Mittelfristig wird auch das Schwabenland als Insel der Seeligen und als Arbeitsplatzmekka der Ingenieure aufwachen müssen und sich dieser Welt stellen, die sich in den letzten 58 Jahren nunmal rapide gewandelt hat, und deren Probleme nicht auf Dauer mit der Hofierung von DAX-Unternehmen zu lösen sind.

Meine Befürchtung ist ja, dass das tatsächlich just jetzt passiert, und letztlich ausgerechnet die „linke“ Regierung dann dafür verantwortlich gemacht wird.

Abgesänge auf die schwäbische Wirtschaft im Falle eines rot-grünen Wahlsieges fanden sich selbst außerhalb der CDU-Seite schon vor der Verkündigung des amtlichen Endergebnisses zuhauf im Internet, und wahrscheinlich werden sie mittelfristig Recht behalten. Auch wenn das meiner Meinung nach den Kern der Tatsachen verfehlt, so lange eine harmlose Partei wie die Grünen dafür verantwortlich gemacht wird.

Ihr merkt schon: Eigentlich sehe ich dieses Wahlergebnis nicht als wichtig an.
Das stimmt aber auch nur bedingt. Ich sehe es als Zeichen, dass sich vielleicht (vielleicht ist das auch nur purer Aktionismus) inzwischen auch in den Köpfen der Menschen langsam was verändert.

Wir freuen uns alle über den Status Quo, den wir in Deutschland haben: Ein halbwegs funktionierendes Sozialsystem, und wenn man dessen Nutzer mal aussen vor lässt, dann kann sich auch unser Gesundheitssystem und z.B. unsere Bildung durchaus zumindest in ihren Grundzügen sehen lassen. Dazu haben wir einen abartigen Wohlstand erreicht, der es selbst mir als Niedriglöhner ermöglicht, den Lebensstandard meiner Eltern im selben Alter trotz ihrer damals „guten“ Arbeit locker zu überbieten. Das schätze ich durchaus, aber ich bin Realist genug, um zu vermuten, dass sich dieser Standard nicht aufrecht erhalten lassen wird. Nicht unter den aktuellen Bedingungen, egal ob ich von der CDU oder den Grünen regiert werde.

Das Problem ist, dass die meisten Menschen da draussen genau das glauben – zum Beispiel, weil ihnen das 58 Jahre lang von der CDU erzählt worden ist. Und selbst wenn wir in 50 Jahren noch immer Atomstrom zu 20ct/kWh beziehen, dann werden wir andersweitig mehr Steuern zahlen, um die Entsorgungskosten zu finanzieren.
Wir – und dieses wir beinhaltet mich und wahrscheinlich alle meine Leser! – leben insgesamt immer noch weit über unsere Verhältnisse, wenn wir davon ausgehen, dass uns eigentlich global daran gelegen ist, eine gewisse Gleichheit  unter den Menschen zu etablieren. Derzeit können wir unseren „Luxus“ auch nur damit finanzieren, dass anderswo billige Arbeit geleistet wird, bzw. die Natur zerstört wird, und uns somit in Zukunft nicht als „Kapital“ zur Verfügung steht. Und das kann nicht ewig gehen, dauerhaft unbegrenztes Wachstum ist bei einer Endlichkeit des Systems (Erde) nicht möglich!

Der Gedanke schockiert viele Menschen, die jetzt ein halbes Jahrhundert ewiges Wachstum kennen, die es eingeimpft bekommen haben. Das reicht nicht nur so weit, dass wir bekloppte Glühbirnen verbieten (!) mussten, sondern darüber hinaus bis zum irrationalen Verhalten, aufgrund dieses Verbotes die blöden Teile auch noch zu hamstern.

Vielleicht ist diese Wahl ein Zeichen dafür, dass langsam ein Umdenken einsetzt. Vielleicht ist es auch nur ein Zeichen dafür, dass noch beklopptere Leute noch beklopptere Vorstellungen haben, und beispielsweise den Wert ihres Grundstückes steigen sehen, wenn das AKW in der Nachbarschaft nicht mehr in Betrieb ist. Ich weiss es nicht. Unser aller Schicksal (auch nur das aller Schwaben) ändert die gestrige Wahl in BaWü sicher nicht. Wahrscheinlich ändert sie wie auch mein Freudentag 1998 gar nichts, bzw. manches zum Schlechteren. Ungeachtet dessen ist es an der Zeit, den Tellerrand auch im bergigen Süden des Landes mal zu überblicken und sich Gedanken darüber zu machen, ob es wirklich noch zeitgemäß ist, die Grünen als realitätsfremde Ökospinner und die SPD als Wirtschaftsfeinde wegen der Gewerkschaftsnähe zu brandmarken. Und wenigstens dazu könnte das Wahlergebnis ja beitragen…

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Wer die Wahl hat…

Ich könnte hier jetzt zigtausend Worte linker Propaganda loswerden. Es ist Landtagswahl in Baden-Württemberg, meiner alten Heimat. Natürlich hoffe ich auf eine Mappus-Schlappe und auf eine Veränderung in vielen Dingen. Tatsache ist aber auch, dass just eine meiner größten Freuden, die Abwahl von Helmut Kohl als Bundeskanzler am 27.9.1998 (ja, das hab ich auswendig hingeschrieben!), mich letztlich auch maßlos enttäuscht und in meiner zynischen linken Weltsicht bestärkt hat.

Aber ich habe den Wahl-o-Mat für die Landtagswahl natürlich auch mal angeschmissen, und das Ergebnis für meine höchsteigene Person möchte ich niemandem vorenthalten. Die Liste entspricht im Übrigen nicht wirklich dem, was ich wählen würde – dazu bin ich z.B. zu wenig Kommunist, auch wenn ich mit denen viele Einstellungen zu Sachfragen teile.

Von 84 möglichen Punkten bekamen bei mir:

71 – DKP
70 – RSB
68 – Die Violetten
67 – Die Piraten
65 – Die Linke
61 – Die Grünen
57 – ödp
55 – Die PARTEI
52 – SPD
52 – BüSo
51 – Volksabstimmung
49 – BIG
47 – AUF
44 – PBC
41 – NPD
41 – FDP
36 – CDU
35 – REP

Wer will, kann ja gerne ermitteln, wo ich was angekreuzt habe 🙂

Liebe Schwaben, liebe Badenser!
Bitte bereitet dem Dauerspuk ein Ende! Kickt Mappus!

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