Ich habe trotz meiner eigenen, recht radikalen, Meinung zum Thema „Bild“ immer ein bisschen ein geheucheltes Verständnis gegenüber den Lesern dieses verabscheuungswürdigen Mediums gehabt. Ich habe mir das ein oder andere Mal selbst vorgelogen, dass ja sowieso niemand den Quatsch glaubt, ihn ernst nimmt, was auch immer.
Aber jetzt ist es damit wahrscheinlich ein für allemal vorbei. Dank hierfür geht natürlich einmal mehr an die Seite bild.de selber, deren Macher es (vor einiger Zeit schon) endgültig geschafft haben, zu beweisen, dass ein ganzes Bataillon Vollhonks zur aktiven Stammleserschaft gehört.
Zum neuen Akte-X-Kinofilm veranstaltete Bild eine Art Lookalike-Contest, sie suchten also Doppelgänger. Doppelgänger für die beiden Akte-X-Stars David Duchovny und Gillian Anderson. Nun kann man natürlich froh sein, wenn man einem der beiden ähnelt, dem allgemeinen Geschmack nach handelt es sich ja nun nicht gerade um die unattraktivsten Vertreter unserer Spezies. Folglich ist es auch nicht weiter verwerflich, zu so einem Wettbewerb mal ein Bild einzuschicken. Ich würde es nicht machen, schon gar nicht bei bild.de, aber das ist etwas anderes.
Meine spontane Einschätzung war allerdings, dass Menschen so einen Quatsch lassen, wenn sie den entsprechenden Personen kein bisschen ähnlich sehen. Dirk Bach würde wahrscheinlich auch nicht freiwillig zu einem ernst gemeinten Lookalike-Contest gehen, bei dem er seine Ähnlichkeit mit Angelina Jolie überstrapazieren muss. Nicht so aber die tapferen Bild-Leser!
Der Dirk-Bach-Vergleich war vielleicht hart, aber die Auswahl an Vollspaten unter dem hier verlinkten Ergebnis ist auch unglaublich!
Bemerkenswert finde ich übrigens die Anzahl der Leserstimmen, also die prozentuale Zustimmung bei den Kandidaten 3 und 5.
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Wer Dummes liest…
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Das Boss-Monster
Es wird ganz eindeutig Zeit, mal wieder eine Kolumne von Wagner zu kommentieren. Heute richtet er sich an den russischen Präsidenten (oder auch Russen-Präsident, wie ihn bild.de gerne nennt), und was da wieder schiefgelaufen ist, will man vielleicht gar nicht wissen:
„Lieber Präsident Medwedew,“
Bei dieser Einleitung besteht ja nach wie vor eine 50:50-Chance, ob als nächstes „Ich liebe sie“ oder „ich finde sie zum Kotzen“ kommt. Mit der Zeit finde ich das sogar putzig.
„wer wie ein Hugo-Boss-Model aussieht und sich so kleidet,“
Sich wie kleidet? Wie ein Boss-Model? Harr – da bellt ja der Neid im Unterton mit!
„hat mehr übrig für Krawatten als für Panzer.“
Wieder was gelernt.
„Dachte ich.“
Das wäre ja nicht das erste schiefgegangene Experiment in diese Richtung…
„So kann man sich täuschen.“
Wenn man die Menschen nach den Kleidern beurteilt? Ja.
„Sie sind die angezogene Angst.“
Da hat einer aber tief in die Sprichwort-Kiste gegriffen. Aber wenn die nackte Angst wirklich die pure, die schlimme Angst ist, dann ist die angezogene Angst doch gar nicht so schlimm, oder?
„Mein Tennislehrer hat vor ihnen Angst,“
Kann mir einer verraten, wie der Kerl auf seinen Tennislehrer kommt?
„meine Putzfrau.“
Entweder es handelt sich hier um zwei nach seltsamen Kriterien ausgesuchte ängstliche Individuen oder um ein einziges mit einer erstaunlichen Berufswahl. Ich will es aber gar nicht näher wissen.
„Man mag schon gar nicht mehr die Nachrichten im TV einschalten.“
Das ist aber feige. Die Nachrichten sind nur ein Medium, das berichtet, was in der Welt passiert. Wenn man Angst vor der Wahrheit hat – moment, da fällt mir ein Kracher ein: Dann sind sie ja in ihrem Job bestens aufgehoben.
Aber wie dem auch sei: Manches Mal muss man sich den Grausamkeiten stellen. Glauben sie, es macht mir etwa Spaß, jeden Tag bildblog zu lesen. Was meinen sie, was es da an Grausamkeiten zu lesen gibt?
„Ein Gefühl der Bedrohung herrscht“
Zugegeben, die politische Lage ist heikel.
“ – nicht, dass russische Panzer durch das Brandenburger Tor rollen.“
Na, immerhin etwas!
„Es ist die Angst, die man hat, wenn man Coca-Cola mit Eiswürfeln in Afrika trinkt.“
Bitte waaas? Ich gebe zu, ich habe keinerlei Vorstellung, was Herr Wagner meint. Eine ernst gemeinte Bitte an meine Leser: Was ist das für eine Angst, die man hat, wenn man Coca-Cola mit Eiswürfeln in Afrika trinkt? Ich stelle mir das sehr angenehm vor.
„Es ist die Angst, die Wohnung zu verlassen, ohne zu wissen, ob man das Bügeleisen ausgeschaltet hat.“
Bitte alle noch einmal daran denken: Es geht hier um den russischen Präsidenten, dem Wagner diese Zeilen schreibt!
„So eine Angst herrscht in Deutschland.“
…oder zumindest bei Wagners Tennisfrau und Putzlehrer.
„Wir wissen nicht, ob uns dieser schöne Medwedew das Gas und das Öl abschaltet.“
„Abdrehen“ würde schöner klingen, aber ansonsten kann man den Satz ja mehr oder minder so stehen lassen. Viele haben offenbar tatsächlich Angst davor.
„Wir haben Angst vor Ihnen, schöner Krawatten-Mann, Hugo-Boss-Monster.“
Mal eine Frage an Wagner persönlich: Haben sie schon einmal ein Kichern in der Leitung wahrgenommen, als sie ihre Kolumne telefonisch durchgegeben haben? Haben sie eine Ahnung, woran das liegen könnte?
„Herzlichst, ihr F. J. Wagner“
Und einmal mehr wünsche ich mir, dass der Adressat den Brief besser nie lesen wird…
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Heute nicht so viel…
Irgendwie hält sich meine Laune, heute zu bloggen in Grenzen. Aber einen Eintrag täglich bin ich meinen Lesern ja dann doch schuldig – vor allem, wo ihr gestern so zahlreich wart.
Ich habe mich gestern mit Ozie unterhalten, und dabei kam das Gespräch – wie das in gebildeten Haushalten wohl der Fall sein muss 😉 – auch mal wieder auf die Bild. Ozie hat mich ermutigt, einen Satz zu notieren, ja zu bloggen, den ich gestern während des Gesprächs habe fallen lassen:
„Wenn bei der Bild Dinge wie der „Flaggenskandal“ bei der ARD ähnlich streng gehandhabt werden würden – inklusive der personellen Konsequenzen – dann würde bei der Bild heute kein Mitarbeiter mehr arbeiten, der vor Weihnachten eingestellt wurde.“
Das ist hart ausgedrückt, aber wenn man sich den bildblog regelmäßig zu Gemüte führt, und dann noch seine eigenen Gehirnwindungen bemüht und erkennt, dass auch die Herren Niggemeier und co. niemals alle Fehler thematisieren können, sondern einiges spurlos unterm Teppich landet, dann kann das deprimieren und zu einem gewissen Teil sogar extrem aggressiv machen.
Das war jetzt ein sehr sehr subjektiver Beitrag ohne inhaltliche Tiefe. Ich hoffe, ihr könnt mir das verzeihen…
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Kommentar zum Kommentar
Dass ich Oliver Santen, seines Zeichens Bild-Kommentator, nicht mag, habe ich aus anderem Grund schon einmal geschrieben. Sein aktueller Kommentar ist dieses Mal verdächtig kurz. Vielleicht trainiert er ja, um in ein paar Jahren dann „Post von Santen“ zu schreiben. Naja, so kurz er ist, so inhaltsleer ist der Kommentar, und er nervt mich nicht nur in Punkto Meinung – da liegt Santen ja eh meilenweit entfernt von mir.
„Leistung nicht noch mehr bestrafen!“
prangt in großen Lettern über den gefühlten 150 Worten, und natürlich geht es um die erschreckende Zahl: 80%!
„Ein Viertel der Deutschen zahlt fast 80% der gesamten Lohn- und Einkommensteuer.“
Diese Zahl scheint bei Herr Santen dazu zu führen, dass er Minderheiten bedroht sieht und sich gegen diese Entwicklung stemmen will, ja: muss.
„Diese Zahlen belegen Schwarz auf Weiß: Wer in Deutschland gut verdient, der zahlt auch kräftig Steuern.“
Irgendwie kann ich ihm da nicht widersprechen. Irgendwo hat er ja recht, aber was soll das? Ist das neu? Ist das ein Problem? Mal abgesehen davon, dass er das mit seinen Zahlen nicht beweisen kann, denn was 2008 passiert, lässt sich sicher herausfinden, aber nicht mit Zahlen von 2004 😉 Aber weiter im Text:
„Dabei handelt es sich keineswegs nur um Einkommens-Millionäre.“
Das wäre auch eine wirklich utopische Grenze für den Spitzensteuersatz…
„Ganz im Gegenteil:“
Ach wie? Auch die ganz Armen? HartzIV und so?
„auch Facharbeiter“
Naja, „Gegenteil“ ist ein bisschen hart ausgedrückt, oder?
„werden vom Finanzamt ordentlich abkassiert. Der Spitzensteuersatz wird ab einem Jahreseinkommen von 52 000 Euro fällig.“
Äh, Herr Santen? Das ist seit 2007 schon nicht mehr so. Seit da gilt ein neuer „Spitzensteuersatz“ ab 250 000 Euro (bei Ledigen).
Im folgenden wird der Herr Santen über eine Steueränderung meckern, die es bereits gibt. Richtig ist, dass ab 52 152 Euro der (ehemalige Spitzen-)Steuersatz von 42% greift. Da das vielleicht für Laien schon schlimm genug klingt, muss ich hier noch einmal erwähnen, dass dieser Steuersatz NICHT auf das gesamte Einkommen erhoben wird, sondern nur auf den Teil, der über diesem Einkommen liegt.
„Die Forderung von Politikern, dass breite Schultern noch mehr tragen müssen als andere, ist schlicht populistisch.“
Und warum? Hey, realistisch betrachtet bin ich ein sozialer Mensch. Mal abgesehen von dem unnötigen Scheiß, den die Regierung damit zu finanzieren gedenkt, bin ich zum Beispiel gerne bereit Geld in Form von Steuern an die Gemeinschaft zu zahlen. Herr Santen sollte mir beizeiten aber mal erklären, wie ich das 2004 bei einem Brutto-Einkommen von 1050 € (in guten Monaten) hätte tun sollen. Es mag abstrakt für wohlhonorierte Bild-Schreiber sein, aber: Arme Menschen haben weniger Geld! Das macht es etwas schwierig für sie, einen Großteil der Steuern zu zahlen…
„Eine neue „Reichensteuer““
…die es schon gibt…
„würde alle Leistungsträger weiter schröpfen – auch viele fleißige Beschäftigte, die täglich ranklotzen.“
Er hat ja recht: Abgesehen von den faulen Leistungsträgern würden auch die fleißigen Beschäftigten geschröpft. Also zumindest die fleißigen Beschäftigten, die über 250 000 Euro im Jahr verdienen.
„Wollen wir Leistung tatsächlich mit immer höheren Steuern bestrafen?“
Herr Santen will das offenbar nicht. Verdient der eigentlich über 250 000 Euro im Jahr? Kann mir das mal jemand verraten?
„Nein!“
Äh, das ist nicht meine Meinung!
„Wir sollten dafür sorgen, dass die Starken hierbleiben und dafür sorgen, dass den Schwächeren weiter geholfen werden kann.“
Wie wollen sie denn den Schwächeren mit Hilfe der Starken helfen, Herr Santen? Doch nicht etwa durch ihr Geld, oder? Denn das dürfen wir ja ihrer Meinung nach nicht nehmen. Entweder sie haben noch irgendwo eine eierlegende Wollmilchsau im Ärmel versteckt, oder sie haben einfach keine Ahnung, was für einen Müll sie hier mal wieder verbreitet haben.
Ich tippe auf letzteres!
Absturz ins Sommerloch
Das legendäre Sommerloch hat uns eingeholt, und vor allem bild.de weiss ja ganz gut damit umzugehen. Im Notfall werden eben Geburtstage von irgendwelchen Promis wichtig, Nacktaufnahmen oder ähnliches. Wenn alles gut läuft, dann passiert eben doch noch was tolles – zum Beispiel ein Flugzeugabsturz.
Am 20. August ist der Spanair-Flug 5022 beim Start in Madrid abgestürzt. Dabei wurden 154 Menschen getötet. Bei bild.de ist diese Tragödie inzwischen zu mindestens 9 Artikeln verarbeitet worden, dazu kommt noch das Geschwurbel von Wagner am Freitag, der das „tote Flugzeug“ (anstelle der Passagiere…) verantwortlich macht.
Nun hat die Öffentlichkeit natürlich ein Interesse daran, zu erfahren, was passiert ist, was die Ursache war für dieses Unglück. Es ist auch ok, über Ungereimtheiten zu beríchten, wenngleich ich bei bild.de immer die Vermutung habe, es handelt sich dabei um wilde Gerüchte aus der letzten Redaktionssitzung.
Was aber definitiv zum Kotzen ist, ist unter fast jeden Artikel eine tolle – der Seite Werbeeinnahmen durch Klicks bringende – Bildergalerie einzublenden, auf der die Opfer des Absturzes gezeigt werden. Deswegen habe ich bis auf Wagner (bei dessen Kolumne sie sich diese Frechheit erspart haben) keinen Artikel verlinkt und ich kann nur hoffen, dass niemand diese Geschmacklosigkeit unterstützt.
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Sex und Blut am Himmel!
Man könnte das eine reisserische Überschrift nennen. Denn eigentlich geht es in keinster Weise um Sex. Selbst um Blut geht es nur in übertragenem Sinne.
Ehrlich gesagt geht es nur um die Mondfinsternis am heutigen Abend. Im Allgemeinen haben Mondfinsternisse zurecht den Ruf, relativ unspektakuläre Himmelsereignisse zu sein. Der Mond wird dunkler, verfärbt sich rötlich, und all das passiert auch noch weit häufiger als Sonnenfinsternisse zum Beispiel.
Aber bild.de kann das natürlich nicht davon abhalten, einen Quatsch sondersgleichen zu verbreiten:

Screenshot: bild.de
Vielleicht ist es ja meine Skepsis gegenüber Astrologen und mein Interesse für Astronomie, die mich daran zweifeln lassen, was „Star-Astrologe Michael Allgeier“ erzählt: „Bei einer Finsternis dominieren triebbetonte Seelenkräfte. Menschen lassen sich gehen.“ Da stimmt es mich auch nicht um, dass Allgeier „Partnerschafts- und Karmaastrolgie“ als Spezialgebiet hat.
Wer am heutigen Abend also verstärkt das Bedürfnis zum Kopulieren hat, der kann gerne versuchen, mich davon zu überzeugen, dass der Mond hier die Hormone besiegt hat, aber ansonsten rate ich allen einfach dazu, gelegentlich am Abend mal nach dem Mond zu schauen, um dieses Ereignis nicht zu verpassen.
Daten zur Mondfinsternis:
(MESZ=Mitteleuropäische Sommerzeit, alle Zeiten nach 0:00 Uhr = 17.8.2008)
Beginn der Finsternis: 20:23 Uhr MESZ
Eintritt in den Kernschatten: 21:35 Uhr MESZ
Maximum der Finsternis: 23:10 Uhr MESZ
Austritt aus dem Kernschatten: 0:44 Uhr MESZ
Ende der Finsternis: 01:57 Uhr MESZ
Zur Warnung für alle, die jetzt etwas voll tolles erwarten: Die Finsternis ist nicht einmal total, sondern partiell (81,2%).
Aber wen interessiert das? Die bild.de-Leser sicher nicht…
Schreckfrei wohnen
Wie einige Leser des Blogs sicher wissen werden, hausen ich und meine WG in einem Plattenbau in Marzahn, und Vermieter ist eine Wohnungsbaugesellschaft. Diese nennt sich degewo, und falls es jemanden interessiert: Ich bin bisher eigentlich sehr zufrieden mit denen.
Nun flatterte uns derletzt etwas ins Haus, das sich „stadtleben“ nennt und „das neue Magazin für alle Mieter der degewo“ sein soll, wenngleich dieses „neue“ Magazin bereits in der dritten Ausgabe vorliegt und nur vier mal jährlich erscheint. Insgesamt geht alles rund ums Thema Miete, der Inhalt schwankt zwischen richtiger Werbung und als redaktioneller Inhalt verklärte Werbung – was mich bei einem firmeneigenen Magazin mal nicht stören will.
Auf Seite 20/21 gibt es einen Artikel über kleine Wohnungen an der Alboinstraße in Tempelhof. Diese werden gerade von der degewo saniert, und für potenzielle Mieter der offenbar häufigen Zweizimmerwohnungen wird gezeigt, wie man diese kleinen Räumlichkeiten schön und sinnig einrichtet. Dabei bin ich auf folgendes – nicht unsinniges, aber lustiges – Kleinod gestoßen:

Quelle: stadtleben, Ausgabe 3 / 2008, S. 20 (eigener Scan)

@phil: Danke Dir! :)