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Nochmal zum HartzIV-Gemecker…

Ich habe in den letzten Tagen ja schon einmal zum gerade verbreiteten Thema „HartzIV-Abzocke“ geschrieben, leider ist seitdem nichts besser, vieles aber schlimmer geworden. Die Bild führt munter ihre Serie mit vermeintlichen „Schmarotzern“ fort, bei der eigentlich jedem klar sein muss, dass keinesfalls alle ALGII-Empfänger sich so verhalten wie die dargestellten Extremfälle. Darauf aber mal konkret hinzuweisen, fällt zumindest der Bild schwer. Die Serie löste tatsächlich die von Bild schon fast versprochene Empörung aus – glücklicherweise vielerorten eher gegen die verleumderische Berichterstattung als gegen die vermeintlichen Betrüger .
Der Grund für die ganze Presserandale ist eigentlich mehr als offensichtlich. Einige Vertreter von Gewerkschaften und den Grünen schlagen eine Erhöhung des Regelsatzes vor. Dieser liegt – sollte ja inzwischen bekannt sein – bei 351 € im Monat. Das ist das Geld, das einem HartzIV-Empfänger zur Verfügung steht zum Leben. Miete und Heizung muss er davon nicht bezahlen, alles weitere im Prinzip schon.
Nun kamen zwei Wirtschaftswissenschaftler aus Chemnitz auf die Idee, man könne mal nachforschen, wie viel Geld man denn als Arbeitsloser wirklich braucht. Nun sollte es einem eigentlich schon zu denken geben, dass sich ausgerechnet Wirtschaftswissenschaftler mit so einem Thema beschäftigen, aber sie pauschal als unsozial abzuwatschen, liegt mir natürlich auch fern.
Ein Ergebnis der Studie hallt wahrscheinlich noch jedem im Ohr: 132 €!
132 € Regelsatz sollen angeblich reichen, um „die Ziele der Sozialhilfe“ zu erfüllen. Dazu gehören die physische Grundsicherung, sowie die Möglichkeit, „am kulturellen Leben“ teilzuhaben. Selbst bild.de meint, darüber müsse man diskutieren, und weist unter dem Artikel den Weg ins Forum. Dass man aber ohne Vorurteile zur Diskussion gelangt, scheint bild.de mit den Links neben dem Artikel und der Überschrift fast schon systematisch verhindern zu wollen:

Objektive Berichterstattung, Quelle: bild.de

Ein etwas abenteuerlicher Satz in diesem kurzen Artikel ist zudem „Das absolute und zumutbare Maximum für den Staat und die Steuerzahler liegt laut Studie bei 278 Euro für den Lebensunterhalt ohne Miete und Energiekosten.“
Noch fälscher interpretieren kann man eigentlich nicht, denn:
Die erwähnten 278 € tauchen tatsächlich als „Maximum“ in der Studie auf – allerdings völlig ohne irgendeinen Bezug zu Staat und Steuerzahler. Von den Machern der Studie wird dieser Betrag quasi als Maximalbetrag für die minimalen Bedürfnisse der ALGII-Empfänger angegeben. Es handelt sich um den Betrag, der laut Studie sicherstellt, dass alle Anforderungen, die an Sozialhilfe gestellt werden, erfüllt werden. Und, ach ja, da war ja noch was: Die Energiekosten…
Das ist so eine Sache, denn hier offenbart sich erstmals die Tücke der Studie. Die Stromkosten sind gemeinhin aus dem Regelsatz zu zahlen, sind aber weder in den 132, noch in den 278 € enthalten.
Damit wären wir also bei der Studie selbst (PDF zum Download hier).
Falls es jemanden interessiert: Man sollte Wirtschaftswissenschaftler tatsächlich nicht über soziale Probleme Studien erstellen lassen. Wenn man die Studie ein wenig überfliegt, dann klingt das ja noch alles ganz logisch.
Problematisch wird das ganze nur, wenn man die Studienergebnisse in so etwas unnützes wie die Realität einbinden möchte.
Zunächst: Was in der Studie überhaupt nicht berücksichtigt wird, sind unnütze Dinge wie Strom (dafür werden im aktuellen Regelsatz schon runde 20 € eingeplant), Versicherungen, jegliche Krankheitskosten (z.B. Praxisgebühr) oder gar ein Euro monatlich zum Ansparen, um sich in 25 Jahren den kaputten Herd ersetzen zu lassen.
Neben alptraumhaften Formulierungen wie „Ebenfalls könnten weniger rational handelnde Wirtschaftssubjekte die systematische Suche nach dem günstigsten Preis unterlassen.“ herrschen dann bei der Erklärung der Preise für ihr Modell vor allem die Worte „vielleicht“ und „wahrscheinlich“ vor. Es wird munter drauf losgeraten, ob im Westen nicht viele Produkte noch günstiger zu haben seien, weil der Konkurrenzkampf dort härter ist, bzw. dass die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Städten wahrscheinlich marginal seien. Sehr nett fand ich, dass die Problematik „Übergrößen“ angesprochen wurde – eine Lösung dafür, dass es bei Ramschhändlern keine Schuhe über Größe 46 gibt, haben sie aber nicht.
Denn der Mann, der in ihrer Studie sein Leben gesichert haben will, misst 1,70 Meter, wiegt 70 Kilo und ist rundum gesund und Deutscher mit „deutschen Verbrauchsgewohnheiten“.
Wenngleich zu Beginn der Studie in der „Präambel“ (wie nobel das gleich klingt, nicht?) der Presserummel gerügt wird und erklärt wird, in der Studie werden „keine Konsequenzen abgeleitet“, so finden sich dennoch trotz aller Unsicherheiten und Fehler Sätze wie
„Wenn der Regelsatz, wie derzeit der Fall, bei Lebensmitteln das Existenzminimum um 100% übersteigt, wird deutlich, dass die Methode der pauschalen Anhebung der Zahlungen zur Lösung der genannten Probleme hier offenbar die vernünftige Grenze überschritten hat.“ (S.17).

Hier eine Auflistung der bemerkenswertesten Berechnungsgrundlagen der Studie – für den viel beachteten Minimalfall von 132 € und die schöne Chemnitzer Umgebung.

Vorneweg: Vergleichspreise aus meiner Umgebung habe ich deswegen weggelassen, weil auch das natürlich statistisch völlig unbrauchbar wäre. Ich denke aber, die Zahlen sprechen für sich.

  • Für die Mobilität stehen im Monat 23 € zur Verfügung.
  • 9 kg Brot stehen einem zu – für 4,50 €.
  • Für Kommunikation gibt es eine Pauschale für Briefe: Monatlich 2,38 €. Die komplette restliche Kommunikation erledigt sich mit einer Mitgliedschaft in der Chemnitzer Stadtbibliothek, wo man unbegrenzt Zugang zu Internet, Büchern und Zeitschriften hat.
  • Kulturangebote gibt es im Minimalfall nicht, dafür kann man sich von den 278 € tolle Dinge leisten wie Kino (1,50 €), Museum (1,80 €), Schwimmbad (1,00 €).
  • Ein Spannbettlaken steht einem immerhin zu. Das kostet „neu“ 1,99 €, hält dafür aber auch 33 Monate – ergo: 0,06 € pro Monat.
  • Beim Rasierschaum dagegen wird nicht gespart. Für die Rasuren stehen einem immerhin 4 Einwegrasierer zur Verfügung (einmal die Woche rasieren passt schon, Personalchefs sehen sowas locker!), und mit diesen (hoffentlich richtig gerechnet) 4 Rasuren kann ich 225 ml Rasierschaum verschleudern. Mannoman. Aber beides zusammen kostet auch nur 1,24 €, da geht das schon…
  • Turnschuhe für 15 Euro halten – wer weiss es nicht – zwei Jahre (mindestens, oder?).
  • Ach ja, und sowas teures wie Mineralwasser für 15 Cent pro Liter – das geht nun echt gar nicht bei diesem Luxusleben, sorry!

Meinen absoluten Lieblingssatz aus der Studie möchte ich aber auch niemandem vorenthalten, der sich das Geschwurbel nicht selbst reinziehen will:
„Es hindert nicht an üblichen Alltagsvollzügen, in gebrauchten Möbeln zu wohnen.“

Damit wäre dann alles klar, oder?
Bleibt zu erwähnen, dass die vorgeschlagene Erhöhung des Regelsatzes auf 420 € geschätzte 10 Milliarden Euro kosten wird. Das ist in etwa so viel wie die Pleite einer übermütigen IKB den Steuerzahler gekostet hat. Es ist sogar weniger als das, was der deutschen Wirtschaft seit der letzten Reform an Steuern erspart bleibt.
Das sollte man sich bei dieser bösen großen Zahl mal vorstellen.

Ich möchte es nochmal ganz klipp und klar für alle sagen, die diesen Artikel nur erheiternd fanden: Es ist geradezu widerlich, wie hier versucht wird, ausgerechnet den am schlechtesten gestellten Menschen in die Schuhe zu schieben, dass es der Gesellschaft schlecht geht.
Die Studie mag sich hier zwar hinter dem Schild der Neutralität verstecken, aber dies ist in Anbetracht folgender Schlußfolgerung schwer zu halten:

„Wie aber anhand der Kategorie Lebensmittel gezeigt wurde, liegt der Regelsatz hier bereits um 100% über dem Existenzminimum und etwa auf der Höhe der Ausgaben, welche das untere Fünftel der Gesellschaft tätigt. Das bedeutet, dass die Gesellschaft den Sozialhilfeempfängern in Bezug auf Lebensmittel nicht das Existenzminimum finanziert, sondern einen bestimmten Lebensstandard, der dem Durchschnitt des unteren Fünftels der Gesellschaft entspricht. Das ist weit mehr als mit den formulierten Zielen der sozialen Mindestsicherung vereinbar.“

Und meiner Meinung nach sind Forderungen danach, Arbeitslose als Menschen zweiter Klasse zu behandeln, eine der größten asozialen Abartigkeiten, und eigentlich selbst für waschechte Nazis schon zu mies. Kotz!

Nachtrag:
Auf den „NachDenkSeiten“ gibt es hier und hier noch mehr Gedanken und Infos zum Thema

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Links hält jung!

So muss es sein, denn wieso sollte sich bild.de sonst über ein Plakat aufregen, das anscheinend schon fünf Jahre alt ist? Na gut, das Plakat macht sich über tote Bundeswehrsoldaten lustig, lässt sich über drei, vier Ecken mit der bösen Linkspartei in Verbindung bringen und außerdem ist ja gerade ein Bundeswehrsoldat gestorben:

Links zwo drei vier... Quelle: bild.de

Links zwo drei vier… Quelle: bild.de

Wenn bild.de der Meinung ist, die Ehre eines deutschen Soldaten zu retten, indem sie der Welt ein mit viel Hang zu Zynismus gestaltetes Plakat zeigt, dann sollte man sich darüber Gedanken machen. Ob das Plakat geschmacklos ist, oder nur eine äußerst gelungene Satire (die darf bekanntlich alles!), das bleibt dem Leser / Betrachter überlassen. Fakt ist aber: Als dieses Plakat erstellt wurde, gab es „die Linke“ noch gar nicht und der Tod dieses Soldaten lag in weiter Ferne. Hier werden einmal mehr Kausalzusammenhänge suggeriert. Doch leider macht sich Onkel Lafontaine nicht darüber lustig, dass gerade ein Soldat gestorben ist. Bild hat nur irgendwelche linken (iiihhh!) Archive bemüht, um irgendwas möglichst hartes zu finden. Das sollte man nicht vergessen.

Anmerkung 1: Ja, ich halte auch nichts von der Bundeswehr und Militäreinsätzen im Allgemeinen, und mein erster Gedanke bei dem Plakat war: Mensch, das kennste doch aus deiner alten Wohnung…

Anmerkung 2: Das provoziert unter Umständen miese Diskussionen, also wenn ihr nicht halbwegs nett bleibt, dann muss ich die Kommentarfunktion moderieren, und diese Zensorfunktion will ich eigentlich nicht ausüben, also vertragt euch!

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Zeitverschiebung bei bild.de

Chuck Norris, so sagt man, weine nicht. Dies sei insbesondere schade, weil seine Tränen Krebs heilen könnten. Wahlweise auch Aids oder eine aktuelle Modekrankheit. Chuck-Norris-Sprüche, im Englischen sogar „Facts“ genannt, sind seit gefühlten 4 Jahren ein Trend, der auf Unterhaltungsseiten nicht abreisst. Es gibt schon Bücher mit gesammelten Sprüchen, auf Shirts und anderen Kleidungsstücken werden die Sprüche auch seit Jahr und Tag gedruckt, sogar Chuck Norris himself hat schon seine Favoriten gewählt und öffentlich verkündet. Aber heute könnte er weinen.
Denn heute – wann auch sonst? – veröffentlicht bild.de den ersten Teil ihrer Serie über die Norris-Facts.  „Keiner ist so hart! Chuck Norris – wirklich alle Sprüche“ lautet die Überschrift, und als Kenner der Materie kann ich nur sagen, dass die erste Auswahl eher mau ist.
Das ist aber noch nicht alles. So sind die gewählten Sprüche zum Teil grammatikalische Luftgurken, die unbeschadet jede Form des Gegenlesens überstanden haben. Beispiel gefällig?

„Chuck Norris kann einen Stuhl mit einem einzigen Arm hochheben – auf dem er selbst sitzt!“

Mein Favorit ist aber eigentlich der hier:

„Wenn beim Knobeln spielt: Papier schlägt Stein, Stein schlägt Schere, Schere schlägt Papier. Was schlägt alles auf einmal? Richtige Antwort: Chuck Norris.“

Dass bei diesen – eventuell kurz selbst erfundenen? – Sprüchen auch irgendwie die Witzigkeit zum Erliegen kommt, ist da nur noch eine unbedeutende Randnotiz wert.

Die Krönung des Ganzen ist aber der Schluss:

 

Einer geht noch... Quelle: bild.de

Einer geht noch… Quelle: bild.de

Also, bild.de sucht den „alle plus einten (?)“ Chuck-Norris-Spruch.
Ich hab ihn nicht, denn Chuck Norris ist der einzige Mensch, der schon bis unendlich gezählt hat. Aber dafür zweimal.

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Brennende Kinder…

Kann mir bitte mal jemand bestätigen, dass Franz Josef Wagner auch in seiner heutigen Kolumne (Liebes Grundgesetz) den Boden entwas unter den Füßen verliert, wenn er schreibt:

„[…] Ich liebe unser Grundgesetz. Es ist entstanden aus Bomben, brennenden Kindern und unfassbaren Verbrechen. Ich liebe Utopia. […]“?

Entweder ich bin heute wirklich extrem unkreativ, oder es hat mir die Sprache verschlagen. Mir fällt nichts, aber auch gar nichts dazu ein. Sorry!

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Kreativ sind sie ja schon…

bild.de überrascht heute auf der Hauptseite mit folgender Headline:

Voll der Russe! Quelle: bild.de

Voll der Russe! Quelle: bild.de

Abgesehen davon, dass es auch wieder eine völlig übergeigte Überschrift ist (im Artikel steht wirklich ausschliesslich, dass Schröder dem Westen einige Vorwürfe macht und vorschlägt, über Medwedjews Angebote nachzudenken), finde ich es erstaunlich, dass bild.de

  • eine Fotomontage als solche kennzeichnet und
  • „Russe“ in Anführungszeichen setzt.

Was zweiteres eigentlich soll, werde ich wahrscheinlich in diesem Leben nicht mehr erfahren. Naja.

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Des Wagners Kahn

Es wird mal wieder Zeit für eine Runde kommentierten Wagner. Es geht um diese Kolumne.

Lieber Oliver Kahn,
Ach ja, den gibt es ja auch noch…

heute Abend im ZDF ihr Abschiedsspiel
Ich sagte ja: Noch!

– dann werden sie gehen wie Boris Becker, Michael Schumacher.
Und?

Sie werden Vergangenheit sein, Nostalgie.
Ich sehe da eine neue Kampagne der Regierung entstehen: Du… bist Nostalgie! Da könnte man dann prima – ach, bleiben wir bei Wagner!

Nach einem Abschiedsspiel sagt niemand „Auf Wiedersehen“.
Wetten, dass es diese Menschen doch gibt?

Ein Abschiedsspiel belebt nicht,
Wenn es das tun würde, dann bräuchten wir kein sackteures Duschgel kaufen.

reanimiert nicht.
Dafür sind ja auch eher die Jungs mit dem lustigen roten Kreuz da. Wenn sie genau hinsehen, dann fallen sie ihnen vielleicht irgendwo am Spielfeldrand auf. Und es würden noch viel mehr sein, wenn der Herr Kahn noch ein paar Jahrzehnte spielen würde…

Es ist eine Totenmesse.
Sie gönnen den Leuten heute Abend keinen Spaß beim Fussball, stimmts?

Titan Kahn wird beerdigt.
Das hoffe ich. Denn „Titan Kahn“ ist eine der bescheurtsten Wortschöpfungen ihrer Heimatzeitung.

Mit Trauer werde ich dabei sein, wenn der Gott der Reflexe seine letzten Blumen kriegt.
Also ganz so tot ist er ja dann auch nicht…

Der Tote
Übertreiben sie mal bitte nicht so!

war ein Opfermensch,
Oliver Kahn? Opfermensch? Ich bin sicher, er ist heilfroh, dass sie diesen Aspekt seines Lebens beleuchten…

er hat sich Schüssen entgegengeworfen
Der Mann war, pardon: IST, Torwart. Ein guter dazu! Der muss sich Schüssen entgegenwerfen!

– er hat das Überleben des Fußballs gerettet.
Mindestens.

Wie wird seine Auferstehung sein,
Ist er jetzt der Messias?

„das Leben des Titanen in Rente“?
Also das Zweitleben des toten Titanen-Messias in Rente? Sie verwirren mich!

Boris Becker ist Stammgast bei „Bunte“, „Gala“, RTL.
…sowie wahrscheinlich bei Boss, Gucci und Prada. Seine Vorliebe für Besenkammern haben sie auch noch vergessen!

Michael Schumacher sagt kein Wort.
Nur der Bild gegenüber nicht? Nur ihnen nicht? Wie kommen sie denn darauf?

Seltsam ist nur, dass er mit mörderischen Motorrädern sein Leben aufs Spiel setzt.
Ja, wirklich seltsam. Wissen wir doch alle, dass der werte Michael seine Bekanntheit auch durch gefahrlose Disziplinen wie Sesselfurzen, Langatmen und Bild Kolumnen schreiben erlangt und gefestigt hat.

Lieber Oliver Kahn,
Laaaangweilig!

ihre Zukunft kann ich nicht voraussehen.
Herr Kahn ist sicher froh drum, denn sie würden ihm sicher jeden Morgen schreiben, was er Abends zu essen bekommt – und das wäre eine unerträgliche Langeweile! Außerdem: Können sie das bei jemand anders?

Aber ich hoffe nicht, dass sie in den Klatschspalten enden.
Womöglich auch noch bei der Bild. Igitt.

Ich will nicht lesen, dass sie sich verheiratet haben,
Dann lesen sie keine Klatschblätter!

geschieden haben,
Lesen sie keine Klatschblätter!

sich getrennt haben von x, y, z.
Also erstens: Im Ernst, lesen sie keine Klatschblätter – denn die schreiben sowas ganz sicher. Fragen sie mal bei der Redaktion der Bild nach, die schreiben sowas sogar, wenn es nicht stimmt.
Zweitens: Diese Buchstaben kommen in „Oliver Kahn“ nicht vor… (Sorry, mir war gerade nach Flachheit!)

Wie schön wäre es, wenn sie ein normaler Mensch werden
Ist es nicht eigentlich fies, jemandem zu unterstellen, er müsse dies erst noch werden?

– wie du und ich.
Diese Redewendung, die wie eine grammatikalische Gurke beim Aus-dem-Glas-Linsen wirkt, schießt dann echt den Vogel ab. Wie du und ich? Wie Wagner?

Herzlichst,Franz Josef Wagner
Hui. für den Titanen fällt sogar das „ihr“ weg!

Also ich weiß nicht so recht, ob ich Oliver Kahn irgendwas wünschen soll, denn ich finde ihn so auf Distanz recht unsympathisch. Aber man muss jemanden nicht mögen, um ihm zu wünschen, dass Wagner nicht ständig Kolumnen an einen schreibt – und das tue ich hiermit!

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Würden wir nur alle HatzIV kriegen!

Wie alle Jahre wieder scheint sich die Bild erneut auf „HartzIV-Betrüger“, „Abzocker“ und „Schmarotzer“ einzuschießen. „Der große HartzIV-Report“ bei bild.de zeigt heute unter der fetten Headline „So einfach ist es, den Staat zu bescheißen“, wie Markus M. mit Schwarzarbeit seinen Reichtum als Arbeitsloser vervielfacht – oder so. Immerhin bekommt der gute Mann 610,44 €. Über die Richtigkeit der Angaben will ich besser gar nicht nachdenken, es würde mich nicht verwundern, wenn bildblog bald einen Artikel dazu veröffentlicht…
Etwas erstaunt hinterlassen mich solche Artikel bei bild.de immer, weil sie – ob jetzt aus ihrer Statisten-Datenbank oder doch wirklich von der Straße – immer wieder die schlimmsten Vollhonks der Republik finden. Markus M. streckt die Zunge raus, posiert mit 4 Handys oder chillt gemütlich vor zwei Flachbildschirmen, wobei man natürlich erfährt, dass er noch einen hat.
„Auch sonst ist er bestens ausgerüstet:“, liest man da: „Waschmaschine, Spülmaschine, DVD-Player, Satellitenempfänger, zwei Rechner, drei Bildschirme, Scanner, Drucker.“
„Das ist ja ungeheuerlich!“, mag sich der ein oder andere Bild-Leser denken, schließlich haben HartzIV-Empfänger doch gefälligst von Wasser und Brot zu leben, und wenn sie schon einen PC haben müssen, dann doch bitte einen alten – sie wissen schon – nix mit DVD und so!
1000 Euro, so verrät uns Markus M., verdient er angeblich schwarz dazu. Zugegeben, von 1600 € netto könnte ich auch ganz gut leben. Aber wie macht er das denn jetzt. „So einfach ist es, den Staat zu bescheißen“ hieß es doch in der Überschrift. Ach ja: Markus M. versucht „Sozialdetektiven“ zu entkommen, indem er mit der U-Bahn erstmal in die falsche Richtung fährt und immer „in letzter Sekunde“ aus dem Wagen springt. So einfach ist es also! Wenn man einmal mehr (wir gehen ja davon aus, wir sind so dämlich!) bild.de glauben, dann liegt die – geschätzte – Missbrauchsquote bei 15 Prozent der Fälle. Das wären – bleiben wir bei den bild.de-Infos – 15% von 6,1 Mio. Menschen.
915000 HartzIV-Betrüger bevölkern also unser Land. Rund jeder neunzigste Bundesbürger also springt – und wer hat das noch nicht beobachtet – immer ganz schnell aus der Straßenbahn. Natürlich erst, nachdem er sinnlos kreuz und quer durch die Stadt gefahren ist.
Nein, natürlich schreibt bild.de nicht, dass das so ist. Aber sie schreiben auch nicht das Gegenteil. Hier werden wieder einmal besonders extreme Idioten vorgestellt und mit einem Verweis auf die Zahlen suggeriert, dass alle so skrupellos, schlimm oder sonstwas sind. Dass „ungerechtfertigter“ Bezug von Sozialleistungen aber auch sehr niederschwellig sein kann (z.B. mal 50 € zu wenig Nebenverdienst angegeben, um nicht in Zukunft alle Bezüge zu verlieren und alles neu zu beantragen) oder gar aufgrund der nicht immer einfachen Gesetzeslage versehentlich vorkommt – das wird natürlich unter den Tisch fallen gelassen.
So prollig und arschlochmäßig Markus M. auch sein mag (wenn es ihn denn so gibt): Ob er von den 610 € vielleicht wirklich nicht leben kann, das wird nicht thematisiert. Meiner Meinung nach gehört das aber mindestens dreimal so oft in einen „großen HartzIV-Report“ wie die Hackfresse irgendeines geltungssüchtigen Idioten, der alleine sicher nicht das Sozialgefüge zum Einsturz bringt.
Aber darüber kann man sich natürlich nicht so schön echauffieren, wenn man es gerne einfach hat.

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