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Ein klares Jein zum Internet-Sex

bild.de weiss doch immer wieder von den grausamen Auswüchsen der modernen Medien zu berichten. Das Internet ist natürlich besonders schlimm. Nun gibt es einmal mehr einen Artikel über Prostitution im Netz, und dieses Mal trifft es… studiVZ!
bild.de berichtet, dass offenbar einige Frauen versuchen, sich dort mit Sex ihr Studium zu finanzieren:

Huch! Prostitution! Quelle: bild.de

Wie man sieht, hat bild.de diese skandalöse Entwicklung auch nur bedingt selbst recherchiert, berufen sie sich doch auf das Magazin Focus. Der Trend, aus Wochenmagazinen die Tagesnachrichten zu generieren, hält also offenbar an. Die Gefahren werden auch brav erwähnt, so „warnt der Sexualtherapeut Reinhold Munding“ wie folgt (und wie auch oben schon zu lesen ist): „Es gibt von Jahr zu Jahr mehr Sexualstraftäter, und die wissen genau, wie sie im Internet das Vertrauen der Mädchen erwecken.“
Bereits dieser Punkt bringt mich eigentlich dazu, aufzuspringen, um wenigstens anzukreiden, dass dieses „jedes Jahr Mehr“ in den vergangenen 10 Jahren etwa auf jeden Fall falsch ist – zumindest vermitteln einem das die Polizeistatistiken.
Aber um die nicht unsinnige Warnung nicht zu sehr in Misskredit zu bringen: Meinetwegen!
Nun, das alles wäre also noch ein halbwegs informativer Happen täglichen Voyeurismus, wenn die Linie von bild.de nicht so unglaubwürdig wäre. Vor ein paar Tagen habe ich nämlich etwas gefunden, das so doof ist, dass ich es eigentlich gar nicht breittreten wollte. bild.de hat eine Klickstrecke zu einem Artikel gestreckt, deren Inhalt und Titel war: „100 Sex-Dinge, die sie mal gemacht haben sollten„. In diesem hochwertigen, professionell aufbereiteten Medienangebot wird einfach mal munter empfohlen, was man so alles mit seinen Geschlechtsorganen und denen des Partners anstellen kann. Von kuriosen Behauptungen wie „Jeder Mann sollte einmal Sex mit drei Frauen gehabt haben“ (genauso wie der noch viel absurdere Umkehrschluss „Jede Frau sollte einmal Sex mit zwei Frauen und einem Mann gehabt haben“) über grundsolide Forderungen wie „[sie sollten] multiple Orgasmen haben – denn es gibt sie wirklich“ gelangt man auch zu folgendem Kleinod:

Rrrr! Ficken! Quelle: bild.de

Rrrr! Ficken! Quelle: bild.de

Ja, was bleibt dazu noch zu sagen? Internet-Sex-Bekanntschaften: Gefährlich oder heiss? Ja oder nein. bild.de bleibt bei einem klaren Jein!

PS: Damit jetzt nicht alle die bild.de-Klickstrecke überstrapazieren, habe ich hier die absoluten Highlights der Sex-Empfehlungen zusammengefasst. Langweiliges wie Prostituierte, Gleichgeschlechtliche, Tiefgaragen oder Sexshops habe ich weggelassen:

01. Sex mit drei Frauen (Mindestens, oder?)
02. Sex im Flugzeug (für die ganz Eiligen)
03. Sex auf dem Schreibtisch des Chefs (Na klar!)
04. Sex im Waschsalon (Also eigentlich überall, oder?)
05. Sex beim Konzert neben der Bühne (Ja…)
07. Sex im Paternoster (Für ganz schnelle)
21. Sex mit Liebe (Wie… ungewöhnlich!)
26. Machen sie das Bobbele (Gemeint ist hier die Besenkammer-Sache)
39. Sex im Hörsaal der Uni (Für Gelangweilte offenbar)
45. Handjob bei ihrem Lieblingsitaliener (Der findet das sicher ok)
49. Sex auf dem Oktoberfest (Viel Spaß mit der Security…)
52. Beim Sex Haushaltsgummihandschuhe tragen (WTF?)
55. Bewerbungs-Sex (Mein absoluter Favorit!)
59. Sex im Badezimmer ihres besten Freundes (Warum auch immer)
61. Sex-Spiele (Zitat: „Pimpern sie mit Klöterkram.“ Äh… ok!?)
62. Sex auf einem Tretboot (Wie kommen die auf Tretboote?)
64. Sex im Riesenrad eines Vergnügungsparks (Nötig! Unbedingt!)
72. Sex mit guten Freunden (Guten Freunden gibt man doch ein Küsschen)
73. Gemütlicher Kuschel-Sex auf Omas Hollywoodschaukel (Hallo Oma, ich wollte mal…)
76. Sex in der Geisterbahn (Wer mag die Atmosphäre nicht?)
77. Sex zur Brunftzeit im Wildpark (Die haben Drogen genommen. Sicher!)
79. Sex in der öffentlichen Bücherei (Vielleicht auf dem Rückweg vom Park)
82. Sex auf einem Ruderboot (Vielseitig sind sie schon, nicht wahr?)
83. Mit dem Nachbarn um die Wette stöhnen (Sonst noch was?)
96. In der Bettenabteilung ihres Lieblingsmöbelhauses (Sorry, ich vergaß!)
97. Sex auf dem Bahnhof (Ganz hinten auf dem Bahnsteig, nee is klar!)

Bevor jemand in trostloser Verzweiflung versinkt: Ich wette, dass keiner dieser Punkte von einem der Schreiber selbst schon umgesetzt wurde. Obwohl ich jetzt natürlich nicht so genau weiss, wie es sich mit Kai Diekmanns Schreibtisch verhält…

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Gott sei Dank!

Nein, leider war der Ausruf nur ironisch gemeint. Nicht nur, dass ich mich seit mehreren Jahren erfolgreich durchs Leben schlage, ohne ernstlich einem Gott dafür dankbar zu sein, nein auch der Grund ist ein eher mieser.

„Gott sei Dank, es gibt sie noch!“

sollte der Ausspruch in aller Länge lauten, und es geht einmal mehr ums Arbeiten. Die HartzIV-Abzocker hat bild.de nun hinter sich gelassen und konzentriert sich nun auf Menschen, „die sich lieber abrackern, als HartzIV zu kassieren“.

Nun, ich möchte meine Meinung zum Thema mal kurz zusammenfassen:

  1. Die meisten HartzIV-Empfänger haben nicht die Wahl, ob sie  arbeiten wollen oder nicht.
  2. Sich in einem selbst gewählten Beruf zu verwirklichen, ist mitunter eine schöne Sache. Von Agenturen mehr oder minder aufgezwungene Jobs können so etwas eher selten leisten.
  3. Wie bitte, soll jemand „den Wert der Arbeit“ kennen lernen, wenn er sich für 7 Euro brutto pro Stunde den Tag ruiniert?

Hier verfährt bild.de wieder nach dem selben Motto wie in der Vorgänger-Serie (auf die auch ausgiebig verlinkt wird): Es wird suggeriert, jeder Arbeitslose könne was finden, wenn er nur will. Hier sogar noch schlimmer: Er findet sogar was tolles: Eine Arbeit, die ihn fordert, Spaß macht und bei der am Ende Geld übrig bleibt.

Es mag die allgemeine Sozialromantik beflügeln, wenn muskelgestählte Endvierziger für 1500 Euro brutto klempnern und stolz darauf sind. Dass  aber auch dies nur ein kleiner Ausschnitt aus einem mehr als vielschichtigen Bild ist, wird natürlich nur beiläufig erwähnt. Wenn überhaupt.

Die vorgestellten Arbeitnehmer finden ihr totales Glück in ihrer Familie, haben vielleicht ein Haus gebaut, das sie begeistert abzahlen, und das… ja, das war es dann.

Ich gönne diesen Menschen ihr Glück und ich will es nicht in Frage stellen.

Dass das aber nicht zwingend der Lebensentwurf aller Menschen ist, sollte klar sein.

Aber eigentlich waren wir bei HartzIV.

Bild und ihr Online-Ableger versuchen stets kampagnenartig die Solidarität zwischen den Menschen zu zerschlagen, wenn es um gesellschaftliche Unterschiede geht. Wenn man Bild liest – und das tue ich online nun schon mit einer gewissen Regelmäßigkeit, dann erfährt man – mitunter durch die Blume – dass Deutschland aus vier Gruppen besteht:

  1. HartzIV-Empfänger, die dem Rest der Gesellschaft auf der Tasche liegen und dabei meistens noch kriminell oder wenigstens unsympathisch sind. Ach ja: Außerdem fast alles Ausländer!!!
  2. Eine hart arbeitende, fast grundweg ehrliche Normalbevölkerung mit Durchschnittsverdienst, bei denen es nur gelegentlich und eigentlich völlig gerechtfertigt zu kriminellen Handlungen kommt, weil sie unfair behandelt werden.
  3. Firmenbosse mit Einkommen weit jenseits der Millionengrenze, die je nach politischer Einstellung ihr Geld mal hochverdient bekommen und mal alles nur ergaunert haben.
  4. Politiker, die all das kein bisschen interessiert, die die Normalbevölkerung schröpfen, den HartzIVlern Geld in den Arsch schieben und ausgerechnet die bösen Firmenbosse hofieren.

Nebenbei gibt es natürlich noch die aktuellen oder ehemaligen Stars, die entweder neu verliebt oder krebskrank und pleite sind. Eine Randgruppe.

Die meisten Bild-Serien (will heissen: Kampagnen) versuchen eigentlich immer, dieses Weltbild irgendwie zu festigen und zu untermauern.

Es ist in meinen Augen erbärmlich, immer nur danach zu schielen, wer wen jetzt irgendwie Geld kostet, wer Geber oder Nehmer ist. Eine heterogene Gesellschaft wird nie einen absoluten Gleichstand monetärer Art zwischen den einzelnen Menschen erreichen. Ich bin zwar nicht der Meinung, dass das kapitalistische Grundgesetz „Es braucht einen Anreiz, mehr zu erreichen“ bedingungslos stimmt, aber es wird immer Menschen geben, die sich auch mit wenig zufrieden geben (Ich bin selbst einer davon, ich weiss, wovon ich rede!) und andere, die gerne mehr als der Durchschnitt hätten. Mit etwas Glück pendelt sich das ein.

Oben erwähnte Publikationen sorgen nun aber dafür, dass der ohnehin besser stehende Teil der Meinung ist, er leide wahnsinnig, weil andere weniger für ihn tun. Das finde ich persönlich absurd, denn wieso sollte jemand, der selbst nicht mal eine Fiat besitzt, jemand anders seinen dritten Ferrari ermöglichen, indem er Verzicht übt.

Wenn wir diese Neid-Diskussion à la „Aber ich arbeite viel härter als der da!“ mal beiseite lassen, dann muss man doch feststellen, dass jeder auf seine Art von der Gemeinschaft profitiert. Während Hugo Habnichtviel sich seine Miete vom Staat zahlen lässt, freut sich Bernhard Bremsnichtgern darüber, dass die Autobahnen stetig erneuert werden, und ihm somit ein Ausfahren seines Sportwagens erlauben. Oma Liebegras ergötzt sich am neuen Stadtpark, der nun endlich aus Steuergeldern finanziert wurde und auch Mama Mittelverdiener kann dank Kindergeld mehr neue Klamotten für den Sohn kaufen. Und alle beteiligen sich nach ihren Möglichkeiten daran, dass dem jeweils anderen das ermöglicht wird.

Witzigerweise wäre das – und das sage ich irritiert sogar aus meiner Sicht als Linker – tatsächlich schon mit dem Recht von heute möglich. Stattdessen aber wird von – meiner Meinung nach – gesellschaftsfeindlichen Blättern wie der Bild der Hass zwischen den Gruppen geschürt.

Und der Mensch mit seinem ihm innewohnenden peinlichen Egoismus nimmt das natürlich gierig auf. Vielleicht versteht der ein oder andere langsam, was mich an Blättern wie der Bild wirklich stört.

Anmerkung: Ich bekomme gerade ALG I, liege also auch dem Staat und allen arbeitenden Lesern auf der Tasche. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich versuche, das nicht in die Bewertung einfließen zu lassen. Davor habe ich für 7,20 € brutto die Stunde gearbeitet, und habe immer gesagt, dass ich meinen Steueranteil gerne für all die Arbeitslosen zahle. Und wenn ich (hoffentlich) Ende des Jahres wieder arbeite, dann werde ich von dieser Meinung nicht einen Milimeter Abstand nehmen.

Wenn ich mit allen anderen Steuerzahlern monatlich je 100 € dafür zahle, dass auch ein paar Leute ohne Arbeit leben können – dann ist es mir das nicht nur wert, sondern dann begrüße ich das. Denn: Besser, als Menschen das Leben lebenswert zu gestalten, kann man Geld nun wirklich nicht einsetzen! Und dabei interessiert es mich sowas von gar nicht, ob die Leute arbeiten wollen oder nicht. So lange ich mit meiner Arbeit zufrieden bin, sollen andere es (meinetwegen auch mit meinem Geld) auch sein.

Danke fürs Lesen, ich konnte diese Gedanken einfach nicht bei mir behalten…

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Lügen mit Capsaicin

Ich bin immer wieder erfreut, wenn in den Medien mal etwas über meine allerliebste – weil harmloseste – Droge kommt: Capsaicin: Der Stoff aus dem die brennenden Mundhöhlen sind. Das Video ist etwas älter, aber ich habe es jetzt erst bei youtube entdeckt. Elton vs. Simon – die Show: Eher flache Unterhaltung, aber wenn ich ehrlich sein soll, dann muss ich sagen, dass ich sie mag. Ich finde die beiden Jungs sehr sympathisch. Die Wettbewerbe gehen zwar oft an die Geschmacksgrenze, aber in irgendeiner Art und Weise mag ich das trotzdem. Vielleicht ist es Schadenfreude, kann schon sein.
Wie dem auch sei: Am 15.7. gab es in der Show einen Wettbewerb namens „Feuerzauber Hamburg“.

Diesen kann man sich hier reinziehen: Feuerzauber

Da verspeisen Elton und Simon eine Currywurst nach der anderen, und jede ist schärfer als die vorherige. Wie das alles genau vonstatten ging, kann ich natürlich nicht sagen. Verdammt scharf mag es gewesen sein, und wahrscheinlich hätte ich früher aufgegeben.
Dennoch: Die Aussagen beim letzten Gang waren schlicht und ergreifend gelogen. „16 Millionen Scoville“, „reines Capsaicin“ soll das gewesen sein…
Nun, der Fachidiot mag begeistert sein, aber 16 Millionen Scoville-Einheiten hatte das Essen natürlich NICHT! Dazu hätten sie nämlich tatsächlich reines Capsaicin zur Verfügung stellen müssen, und dieses ist bedauerlicherweise nur in kristalliner Form, nicht in Currywurst-Form, erhältlich. Verdünnt war es also auf jeden Fall.
Aber ich wage sogar zu bezweifeln, dass die verköstigten Würste in reines Capsaicin getaucht waren, denn das hätte definitiv – und ich meine DEFINITIV – andere Spuren hinterlassen als ein paar Schweißausbrüche.
Wie gesagt: Die Currywurst mag rattig gewürzt gewesen sein, und meinetwegen auch x-mal schärfer als Tabasco. Reines Capsaicin würden aber auch Elton und Simon nicht so überstehen.
Eine unbedeutende Lüge vielleicht, aber ein Zeichen dafür, wie gerne mit Fachausdrücken wie Capsaicin und Scoville verfahren wird, da kaum jemand sie kennt. Schade, denn es ist ein – im wahrsten Sinne des Wortes – reizvolles Thema.

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Es musste ja kommen…

Na, kann man die HartzIV-Hetzereien von bild.de der letzten Tage noch toppen? Nein? Ach kommt. Was ist damit:

Dschihad für 600 €, Quelle: bild.de

Man glaubt es wirklich kaum: Die meistgelesene deutsche Zeitung beginnt einen Artikel über die Menschen, die vorhatten, hunderte oder tausende Menschen für ihre Religion sterben zu lassen mit den Worten „Perfider HartzIV-Missbrauch! Die „Saar-Terroristen“ sollen die Vorbereitungen für die geplanten Bombenanschläge mit „Stütze“ finanziert haben!“

Quelle ist ein Bericht im Focus, laut dem das BKA schätze, es waren 650 € ALGII im Spiel. Schön, dass sowas geschätzt wird. Ich dachte immer, das BKA sitzt da mehr oder minder an der Quelle.

Naja, nun kommt also auf der Bild-Liste, was HartzIV-Empfänger alles sein könnten, neben Betrügern, Schwarzarbeitern, Prostituierten und Polen auch noch der Eintrag „Terroristen“ hinzu.

Haben wir es nicht alle gewusst?

Also so langsam wird das Thema schon fast wieder absurd komisch.

PS: Ach ja, der Bericht stammt wahrscheinlich eher von Focus online, das Datum dort ist mit 6.9.08 (also heute) angegeben. Aber da ich Focus nicht lese, kann ich das nicht sicher sagen.

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Nochmal zum HartzIV-Gemecker…

Ich habe in den letzten Tagen ja schon einmal zum gerade verbreiteten Thema „HartzIV-Abzocke“ geschrieben, leider ist seitdem nichts besser, vieles aber schlimmer geworden. Die Bild führt munter ihre Serie mit vermeintlichen „Schmarotzern“ fort, bei der eigentlich jedem klar sein muss, dass keinesfalls alle ALGII-Empfänger sich so verhalten wie die dargestellten Extremfälle. Darauf aber mal konkret hinzuweisen, fällt zumindest der Bild schwer. Die Serie löste tatsächlich die von Bild schon fast versprochene Empörung aus – glücklicherweise vielerorten eher gegen die verleumderische Berichterstattung als gegen die vermeintlichen Betrüger .
Der Grund für die ganze Presserandale ist eigentlich mehr als offensichtlich. Einige Vertreter von Gewerkschaften und den Grünen schlagen eine Erhöhung des Regelsatzes vor. Dieser liegt – sollte ja inzwischen bekannt sein – bei 351 € im Monat. Das ist das Geld, das einem HartzIV-Empfänger zur Verfügung steht zum Leben. Miete und Heizung muss er davon nicht bezahlen, alles weitere im Prinzip schon.
Nun kamen zwei Wirtschaftswissenschaftler aus Chemnitz auf die Idee, man könne mal nachforschen, wie viel Geld man denn als Arbeitsloser wirklich braucht. Nun sollte es einem eigentlich schon zu denken geben, dass sich ausgerechnet Wirtschaftswissenschaftler mit so einem Thema beschäftigen, aber sie pauschal als unsozial abzuwatschen, liegt mir natürlich auch fern.
Ein Ergebnis der Studie hallt wahrscheinlich noch jedem im Ohr: 132 €!
132 € Regelsatz sollen angeblich reichen, um „die Ziele der Sozialhilfe“ zu erfüllen. Dazu gehören die physische Grundsicherung, sowie die Möglichkeit, „am kulturellen Leben“ teilzuhaben. Selbst bild.de meint, darüber müsse man diskutieren, und weist unter dem Artikel den Weg ins Forum. Dass man aber ohne Vorurteile zur Diskussion gelangt, scheint bild.de mit den Links neben dem Artikel und der Überschrift fast schon systematisch verhindern zu wollen:

Objektive Berichterstattung, Quelle: bild.de

Ein etwas abenteuerlicher Satz in diesem kurzen Artikel ist zudem „Das absolute und zumutbare Maximum für den Staat und die Steuerzahler liegt laut Studie bei 278 Euro für den Lebensunterhalt ohne Miete und Energiekosten.“
Noch fälscher interpretieren kann man eigentlich nicht, denn:
Die erwähnten 278 € tauchen tatsächlich als „Maximum“ in der Studie auf – allerdings völlig ohne irgendeinen Bezug zu Staat und Steuerzahler. Von den Machern der Studie wird dieser Betrag quasi als Maximalbetrag für die minimalen Bedürfnisse der ALGII-Empfänger angegeben. Es handelt sich um den Betrag, der laut Studie sicherstellt, dass alle Anforderungen, die an Sozialhilfe gestellt werden, erfüllt werden. Und, ach ja, da war ja noch was: Die Energiekosten…
Das ist so eine Sache, denn hier offenbart sich erstmals die Tücke der Studie. Die Stromkosten sind gemeinhin aus dem Regelsatz zu zahlen, sind aber weder in den 132, noch in den 278 € enthalten.
Damit wären wir also bei der Studie selbst (PDF zum Download hier).
Falls es jemanden interessiert: Man sollte Wirtschaftswissenschaftler tatsächlich nicht über soziale Probleme Studien erstellen lassen. Wenn man die Studie ein wenig überfliegt, dann klingt das ja noch alles ganz logisch.
Problematisch wird das ganze nur, wenn man die Studienergebnisse in so etwas unnützes wie die Realität einbinden möchte.
Zunächst: Was in der Studie überhaupt nicht berücksichtigt wird, sind unnütze Dinge wie Strom (dafür werden im aktuellen Regelsatz schon runde 20 € eingeplant), Versicherungen, jegliche Krankheitskosten (z.B. Praxisgebühr) oder gar ein Euro monatlich zum Ansparen, um sich in 25 Jahren den kaputten Herd ersetzen zu lassen.
Neben alptraumhaften Formulierungen wie „Ebenfalls könnten weniger rational handelnde Wirtschaftssubjekte die systematische Suche nach dem günstigsten Preis unterlassen.“ herrschen dann bei der Erklärung der Preise für ihr Modell vor allem die Worte „vielleicht“ und „wahrscheinlich“ vor. Es wird munter drauf losgeraten, ob im Westen nicht viele Produkte noch günstiger zu haben seien, weil der Konkurrenzkampf dort härter ist, bzw. dass die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Städten wahrscheinlich marginal seien. Sehr nett fand ich, dass die Problematik „Übergrößen“ angesprochen wurde – eine Lösung dafür, dass es bei Ramschhändlern keine Schuhe über Größe 46 gibt, haben sie aber nicht.
Denn der Mann, der in ihrer Studie sein Leben gesichert haben will, misst 1,70 Meter, wiegt 70 Kilo und ist rundum gesund und Deutscher mit „deutschen Verbrauchsgewohnheiten“.
Wenngleich zu Beginn der Studie in der „Präambel“ (wie nobel das gleich klingt, nicht?) der Presserummel gerügt wird und erklärt wird, in der Studie werden „keine Konsequenzen abgeleitet“, so finden sich dennoch trotz aller Unsicherheiten und Fehler Sätze wie
„Wenn der Regelsatz, wie derzeit der Fall, bei Lebensmitteln das Existenzminimum um 100% übersteigt, wird deutlich, dass die Methode der pauschalen Anhebung der Zahlungen zur Lösung der genannten Probleme hier offenbar die vernünftige Grenze überschritten hat.“ (S.17).

Hier eine Auflistung der bemerkenswertesten Berechnungsgrundlagen der Studie – für den viel beachteten Minimalfall von 132 € und die schöne Chemnitzer Umgebung.

Vorneweg: Vergleichspreise aus meiner Umgebung habe ich deswegen weggelassen, weil auch das natürlich statistisch völlig unbrauchbar wäre. Ich denke aber, die Zahlen sprechen für sich.

  • Für die Mobilität stehen im Monat 23 € zur Verfügung.
  • 9 kg Brot stehen einem zu – für 4,50 €.
  • Für Kommunikation gibt es eine Pauschale für Briefe: Monatlich 2,38 €. Die komplette restliche Kommunikation erledigt sich mit einer Mitgliedschaft in der Chemnitzer Stadtbibliothek, wo man unbegrenzt Zugang zu Internet, Büchern und Zeitschriften hat.
  • Kulturangebote gibt es im Minimalfall nicht, dafür kann man sich von den 278 € tolle Dinge leisten wie Kino (1,50 €), Museum (1,80 €), Schwimmbad (1,00 €).
  • Ein Spannbettlaken steht einem immerhin zu. Das kostet „neu“ 1,99 €, hält dafür aber auch 33 Monate – ergo: 0,06 € pro Monat.
  • Beim Rasierschaum dagegen wird nicht gespart. Für die Rasuren stehen einem immerhin 4 Einwegrasierer zur Verfügung (einmal die Woche rasieren passt schon, Personalchefs sehen sowas locker!), und mit diesen (hoffentlich richtig gerechnet) 4 Rasuren kann ich 225 ml Rasierschaum verschleudern. Mannoman. Aber beides zusammen kostet auch nur 1,24 €, da geht das schon…
  • Turnschuhe für 15 Euro halten – wer weiss es nicht – zwei Jahre (mindestens, oder?).
  • Ach ja, und sowas teures wie Mineralwasser für 15 Cent pro Liter – das geht nun echt gar nicht bei diesem Luxusleben, sorry!

Meinen absoluten Lieblingssatz aus der Studie möchte ich aber auch niemandem vorenthalten, der sich das Geschwurbel nicht selbst reinziehen will:
„Es hindert nicht an üblichen Alltagsvollzügen, in gebrauchten Möbeln zu wohnen.“

Damit wäre dann alles klar, oder?
Bleibt zu erwähnen, dass die vorgeschlagene Erhöhung des Regelsatzes auf 420 € geschätzte 10 Milliarden Euro kosten wird. Das ist in etwa so viel wie die Pleite einer übermütigen IKB den Steuerzahler gekostet hat. Es ist sogar weniger als das, was der deutschen Wirtschaft seit der letzten Reform an Steuern erspart bleibt.
Das sollte man sich bei dieser bösen großen Zahl mal vorstellen.

Ich möchte es nochmal ganz klipp und klar für alle sagen, die diesen Artikel nur erheiternd fanden: Es ist geradezu widerlich, wie hier versucht wird, ausgerechnet den am schlechtesten gestellten Menschen in die Schuhe zu schieben, dass es der Gesellschaft schlecht geht.
Die Studie mag sich hier zwar hinter dem Schild der Neutralität verstecken, aber dies ist in Anbetracht folgender Schlußfolgerung schwer zu halten:

„Wie aber anhand der Kategorie Lebensmittel gezeigt wurde, liegt der Regelsatz hier bereits um 100% über dem Existenzminimum und etwa auf der Höhe der Ausgaben, welche das untere Fünftel der Gesellschaft tätigt. Das bedeutet, dass die Gesellschaft den Sozialhilfeempfängern in Bezug auf Lebensmittel nicht das Existenzminimum finanziert, sondern einen bestimmten Lebensstandard, der dem Durchschnitt des unteren Fünftels der Gesellschaft entspricht. Das ist weit mehr als mit den formulierten Zielen der sozialen Mindestsicherung vereinbar.“

Und meiner Meinung nach sind Forderungen danach, Arbeitslose als Menschen zweiter Klasse zu behandeln, eine der größten asozialen Abartigkeiten, und eigentlich selbst für waschechte Nazis schon zu mies. Kotz!

Nachtrag:
Auf den „NachDenkSeiten“ gibt es hier und hier noch mehr Gedanken und Infos zum Thema

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Links hält jung!

So muss es sein, denn wieso sollte sich bild.de sonst über ein Plakat aufregen, das anscheinend schon fünf Jahre alt ist? Na gut, das Plakat macht sich über tote Bundeswehrsoldaten lustig, lässt sich über drei, vier Ecken mit der bösen Linkspartei in Verbindung bringen und außerdem ist ja gerade ein Bundeswehrsoldat gestorben:

Links zwo drei vier... Quelle: bild.de

Links zwo drei vier… Quelle: bild.de

Wenn bild.de der Meinung ist, die Ehre eines deutschen Soldaten zu retten, indem sie der Welt ein mit viel Hang zu Zynismus gestaltetes Plakat zeigt, dann sollte man sich darüber Gedanken machen. Ob das Plakat geschmacklos ist, oder nur eine äußerst gelungene Satire (die darf bekanntlich alles!), das bleibt dem Leser / Betrachter überlassen. Fakt ist aber: Als dieses Plakat erstellt wurde, gab es „die Linke“ noch gar nicht und der Tod dieses Soldaten lag in weiter Ferne. Hier werden einmal mehr Kausalzusammenhänge suggeriert. Doch leider macht sich Onkel Lafontaine nicht darüber lustig, dass gerade ein Soldat gestorben ist. Bild hat nur irgendwelche linken (iiihhh!) Archive bemüht, um irgendwas möglichst hartes zu finden. Das sollte man nicht vergessen.

Anmerkung 1: Ja, ich halte auch nichts von der Bundeswehr und Militäreinsätzen im Allgemeinen, und mein erster Gedanke bei dem Plakat war: Mensch, das kennste doch aus deiner alten Wohnung…

Anmerkung 2: Das provoziert unter Umständen miese Diskussionen, also wenn ihr nicht halbwegs nett bleibt, dann muss ich die Kommentarfunktion moderieren, und diese Zensorfunktion will ich eigentlich nicht ausüben, also vertragt euch!

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Zeitverschiebung bei bild.de

Chuck Norris, so sagt man, weine nicht. Dies sei insbesondere schade, weil seine Tränen Krebs heilen könnten. Wahlweise auch Aids oder eine aktuelle Modekrankheit. Chuck-Norris-Sprüche, im Englischen sogar „Facts“ genannt, sind seit gefühlten 4 Jahren ein Trend, der auf Unterhaltungsseiten nicht abreisst. Es gibt schon Bücher mit gesammelten Sprüchen, auf Shirts und anderen Kleidungsstücken werden die Sprüche auch seit Jahr und Tag gedruckt, sogar Chuck Norris himself hat schon seine Favoriten gewählt und öffentlich verkündet. Aber heute könnte er weinen.
Denn heute – wann auch sonst? – veröffentlicht bild.de den ersten Teil ihrer Serie über die Norris-Facts.  „Keiner ist so hart! Chuck Norris – wirklich alle Sprüche“ lautet die Überschrift, und als Kenner der Materie kann ich nur sagen, dass die erste Auswahl eher mau ist.
Das ist aber noch nicht alles. So sind die gewählten Sprüche zum Teil grammatikalische Luftgurken, die unbeschadet jede Form des Gegenlesens überstanden haben. Beispiel gefällig?

„Chuck Norris kann einen Stuhl mit einem einzigen Arm hochheben – auf dem er selbst sitzt!“

Mein Favorit ist aber eigentlich der hier:

„Wenn beim Knobeln spielt: Papier schlägt Stein, Stein schlägt Schere, Schere schlägt Papier. Was schlägt alles auf einmal? Richtige Antwort: Chuck Norris.“

Dass bei diesen – eventuell kurz selbst erfundenen? – Sprüchen auch irgendwie die Witzigkeit zum Erliegen kommt, ist da nur noch eine unbedeutende Randnotiz wert.

Die Krönung des Ganzen ist aber der Schluss:

 

Einer geht noch... Quelle: bild.de

Einer geht noch… Quelle: bild.de

Also, bild.de sucht den „alle plus einten (?)“ Chuck-Norris-Spruch.
Ich hab ihn nicht, denn Chuck Norris ist der einzige Mensch, der schon bis unendlich gezählt hat. Aber dafür zweimal.

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