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Die Antwort steht in den Sternen…

Warum schreibe ich eigentlich gerade so wenig?

Ich bin ja eigentlich ein zu regelmäßiger Blogger, um ernsthaft auf die Idee zu kommen, ich schreibe mal zu wenig. Meist poste ich meine Entschuldigungen auch noch, bevor irgendwer es auch nur in Betracht ziehen würde, dass ich gerade so eine Art Pause mache. In den vergangenen Tagen lag meine sichtbare Aktivität im Internet allerdings irgendwo herum, wo sie nicht so einfach aufgefunden werden konnte. Dabei war ich im Netz. Stundenlang. Jeden einzelnen Tag!

Wer selbst schreibt, wird irgendwann gemerkt haben, was das große und wahrscheinlich einzige Geheimnis hinter einem brauchbaren Schreibstil ist: Lesen. Man kann die verrücktesten Dinge erleben, man kann einen schon übernatürlich ausgeprägten Drang zur Selbstdarstellung haben und alle Zeit der Welt. Man wird wahrscheinlich nie wirklich gut im Schreiben sein, wenn man nicht seinerseits viel liest, und damit – mitunter völlig unbewusst – seinen sprachlichen Horizont erweitert.

Und als rundum schreibbegeisterter Mensch lese ich auch wahnsinnig viel. Leider zu wenige Bücher, keine einzige Tageszeitung, aber dafür im Netz umso mehr. An einem normalen Tag lese ich inzwischen sicher mindestens 300 Texte, von einer Polizeipressemeldung bis hin zu mehrseitigen wissenschaftlichen Erklärungen und politischen Hintergrundberichten. Ein Genie bin ich deswegen noch lange nicht, mein Kurzzeitgedächtnis funktioniert ähnlich gut wie Suppe essen mit Stäbchen.

Aber ich kann nicht nicht lesen. Es geht nicht. Seit ich mein Smartphone hab, nutze ich sogar die Zigarettenpause vor dem Taxi zum Lesen im Internet. Es gibt Tage, da überlege ich mir, ob ich an der Ampel nicht kurz an einem Artikel weiterlesen kann. Ist wahrscheinlich eine komplexe Zwangsstörung 🙂

Naja, und wenn ich dann mal wirklich an was dran bin…

Ich muss jetzt vielleicht ein bisschen weiter ausholen – zurück in die Kindheit. Ich war immer schon ein astronomiebegeisterter Mensch. Also zumindest seit ich 9 oder 10 Jahre alt bin. Und mit astronomiebegeistert meine ich nicht, dass ich gerne mal den Mond angesehen habe, sondern dass ich die Namen der Krater dort kannte und seit meinem zwölften Lebensjahr auswendig weiss, dass die Lichtgeschwindigkeit nicht 300.000 km/s beträgt, sondern 299.792,458. Übrigens ein Wissen, mit dem ich manche Lehrer ganz schön genervt habe 😉
Das bis heute schönste Weihnachtsgeschenk, das ich je bekommen habe, war ein astronomisches Lexikon, und das Verschwinden desselben rangiert unter den schlimmsten Verlusten meines Lebens ziemlich direkt hinter verstorbenen Familienmitgliedern und hat mit der Zeit meinen Teddy verdrängt, den ich mit 7 Jahren im Eutiner Staatsforst zugunsten eines Stocks habe liegen lassen.

Ich hab Artikel über Quasare gelesen, bevor ich jemals auch nur eine Stunde Physik in der Schule hatte und besaß ein reges Interesse an Kernfusion, bevor mir mein Chemielehrer gezeigt hat, dass Heliumatome auch verdammt langweilig sein können.

Mein geringes Verständnis auf der Berechnungsebene hat mich eigentlich nie daran gehindert, zu lesen, was es zu lesen gab. Und seit ich Internet habe, bin ich zu einem der Menschen geworden, der von der Wikipedia behauptet, alle interessanten Artikel sowieso schon gelesen zu haben. Bevor jemand fragt: Ja, ich lese die Wikipedia als Unterhaltungslektüre.

Naja, und dann das:

Vor etwas über einer Woche hab ich mir mal endlich ein paar alte Beiträge in Florian Freistetters Blog „Astrodicticum Simplex“ angesehen. Ich bin hier und da immer mal wieder durch Links auf diesen Astronomie-Blog gestoßen, hab ihn aber stets wieder vergessen. Nun hab ich den „Fehler“ gemacht, das Tab geöffnet zu lassen…

Das heisst, um es auszusprechen: Ich lese seit einer Woche jede freie Minute bei Astrodicticum Simplex. Jedes Mal, wenn ich was anderes machen will, lande ich dann doch nach kurzer Zeit wieder „versehentlich“ dort und lese. Und lese. Und lese.

Ja, und somit steht die Antwort, warum ich so wenig schreibe, gewissermaßen in den Sternen.

Ich weiss, die meisten meiner Leser sind davon sicher nicht so übermäßig begeistert, aber ich möchte den Blog einfach gerne weiterempfehlen. Man erfährt dort viel Grundlagenwissen, aber auch viele detailliertere Antworten auf aktuelle Fragen. Freistetter schreibt gegen Pseudowissenschaften an und hat zum Beispiel beim Erklären, warum 2012 die Welt nicht untergehen wird, eine geradezu liebenswerte Geduld. Dazu kommen sehr kuriose, aber interessante Links, atemberaubende Fotos und allerlei aktuelle Forschungsergebnisse – und alles so simpel wie möglich erklärt, ohne dabei allerdings kindisch oder dümmlich zu sein.

Also falls ihr meiner Schreibfaulheit wegen nicht wisst, was ihr lesen sollt…

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JA!

Der ein oder andere Internetnutzer wird das kennen: Kaum treibt man sich auf mehr oder minder kuriosen Seiten rum, wird einem von allerlei Seiten Werbung entgegengeschleudert. Auf der einen Seite sind es unseriöse Angebote für billige Kredite, auf der anderen Seite schreiben einem offensichtlich schwer beeindruckte und sicher sehr seriöse Damen:

„Der Glied meines Boyfriends wachste um 30 Centimeter!!!“

Bisweilen erscheinen auch kleine Chat-Fensterchen mit Aufnahmen sicher zufällig nackter Mitmenschen, die einen – sicher auf der Suche nach halbwegs erträglicher Abendbeschäftigung – sehnsüchtig fragen:

„Willst du ficken?“

An all das gewöhnt man sich. Man ist im Internet, und damit automatisch begehrt, solange die Kreditkarte mindestens 30 cm misst.

Mit Vorsicht zu genießen sind hingegen sicher die Angebote, die einem nicht einmal mehr eine Wahl lassen. Als glücklich liierter Mensch denkt man sicher – bei aller gebotener Attraktivität – auch manches mal, dass man die holde Sehnsuchtsschnalle eventuell nicht umgehend begatten will. Aber just dann zwingen sie einem die Antwort auf:

Nö! Quelle: Böse Seite

Nö! Quelle: Böse Seite

Fiese Geschichte! Ich kann nur hoffen, dass meine Leser darauf nicht reinfallen. Denn wer paart sich schon gerne unfreiwillig? Eben!

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Internetziges

Manchmal fühle ich mich genötigt, mich gegenüber dem Internet zu entschuldigen. Ich verlinke viel zu selten andere Seiten. Das ist in keinster Weise böse gemeint, geschweige denn irgendeine Taktik. Das Netz lebt von Verlinkungen, und ohne die vielen Links auf anderen Seiten hätte ich so viel schönes nie gelesen und so viele Seiten nicht gefunden. Ganz zu schweigen davon, dass auch meine Blogs niemand lesen würde…

Naja, ein Problem ist, dass ich – vielleicht überrascht es einige – meist ziemlich mainstreamige Sachen lese. Ich hab irgendwie immer ein bisschen die Befürchtung, es wäre langweilig, auf all die Beiträge bei lawblog, bei bildblog oder bei Stefan Niggemeier zu verlinken. Hat ja eh jeder schon gelesen.

Der Blog vom RA Hoenig ist längst kein Insidertipp mehr, bei Pharmama lesen schon jetzt 150% meiner zukünftigen Leserschaft, und bei den Taxiblogs verliere ja selbst ich den Überblick und überlese manche versehentlich.

Zu meiner neuen Heimat kann ich nur immer wieder Aro als Adresse für Informationen nennen und möchte auch blikeberlin mal sehr lobend erwähnen für all die geilen Fotos, Zitate und und und…

Beim Maskierten lesen inzwischen hoffentlich viele Leute mit, ich finde persönlich, er schreibt ziemlich ähnlich wie ich und es macht mir auch immer wieder Spaß. Paramantus sollte auch auf jeden Fall in keinem Feedreader fehlen. Nicht mal, weil er bei GNIT die Süßigkeiten gewonnen hat, die alle haben wollten, sondern weil er einfach einen herrlich satirischen Blog zum aktuellen Tagesgeschehen hat.

Lediglich einen Tipp kann ich noch geben derzeit, und das wäre der noch recht junge Blog von sachma. Der ist ein alter Bekannter von mir und hat den ein oder anderen diskussionswürdigen Text in den letzten Wochen geschrieben, und mich nervt es gerade, immer als einziger zu kommentieren. Also schenkt ihm ein wenig Beachtung 🙂

Und es tut mir ernstlich leid um die 50 anderen Einträge in meinem Reader, die ich jetzt nicht erwähnt habe!

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Vorblick

2010 ist Vergangenheit. Geschichte, wie man so schön sagt. Und Geschichte, so habe ich insbesondere in den letzten Jahren gelernt, bleibt nicht stehen. Deswegen möchte ich mich auch dieses Jahr – so schön es bisweilen war – nicht mit einem Rückblick aufhalten, sondern einen Vorblick wagen.

Damit bin ich nicht alleine, auch Paramantus und Aro haben ähnliches gewagt.

Nun bin ich kein Hellseher, wenn ich allzu detailliert sehen könnte, was passiert, dann würde ich still und heimlich jede Woche den Lotto-Jackpot knacken und nichts darüber schreiben. Einen Anspruch auf Richtigkeit hat das Ganze natürlich nicht, die Chancen stehen aber nicht schlecht.

Die wichtigsten Geschehnisse 2011 in Stichworten:

Arbeitslose
Ein unbedeutender saisonal bedingter Anstieg der Arbeitslosenzahlen um etwa 0,87% bereitet den Boden für eine umfassende Hartz4-Reform, die unter anderem beinhaltet, dass künftig jeder Arbeitslose ab 5 Uhr morgens von einem Arbeitgeber angerufen werden kann, wenn in deren Belegschaft jemand krankheitsbedingt ausfällt. Der finanzielle Ausgleich für diese Bereitschaftszeit, die Voraussetzung zum Leistungsbezug ist, beträgt 0,97 € pro Tag, was gleichfalls der von den Gewerkschaften lang ersehnte und stolz bejubelte flächendeckende Mindestlohn ist.
Nach Abzug der Hartz4-Kürzung, die als jährlich vorzunehmen im Grundgesetz verankert wird, beträgt der Netto-Erlös dieser Maßnahme pro Arbeitslosem etwa 3,90 €. Bundeskanzlerin Merkel weist darauf hin, dass es weniger als im Vorjahr sei und beendet mit dieser Aufklärung die sommerliche Brandanschlagserie auf ostdeutsche Plattenbausiedlungen erfolgreich.

Bahn
Die Deutsche Bahn sorgt für Übersichtlichkeit bezüglich Zugausfällen. Bahnchef Grube verkündet, dass unter 5°C und über 25°C grundsätzlich nur die Hälfte aller Züge verkehrt, und zwar die zu ungeraden Zeiten. Ausgenommen sind Metropolen über 250.000 Einwohner und Sprockhövel. Die Zahl der Wagons wird ganzjährlich um 15% reduziert, außer überregionale Messen befinden sich in 185 km Umkreis. Bei drittgradiger Anbindung an Flughäfen falle nur jeder dritte Zug bei Extremtemperaturen aus, bei Strecken über 325 km ist dann jedoch ein einstündiger Aufenthalt an einem Bahnhof mindestens der Kategorie 2 zum Zugwechsel nötig. Ausgenommen von diesen Regelungen sind die Weihnachtsfeiertage, Silvester, Aschermittwoch, sowie je der dritte Dienstag und der erste Freitag jedes Monats – außer im September und im Oktober. Für diese Tage gilt ggf. weiterhin ein Notfahrplan.

Berlin
In Berlin finden die Wahlen zum Abgeordnetenhaus statt, was eine heute noch unvorstellbar knappe Entscheidung wird. Renate Künast gewinnt die Wahl zur Oberbürgermeisterin der Hauptstadt zwar knapp, wobei sich später herausstellt, dass dies nur der Fall war, weil Wowereit seinen Untergebenen als letzte Amtshandlung freigestellt hat, was sie wählen, da er sich keinerlei Chancen ausgerechnet hat. Die Affaire um die Rathausbediensteten, die ihre Stimmen als Hommage an die amerikanische Botschaft der FDP gaben, sorgt aber nicht nur für die Abwahl Wowereits, sondern legt auch den Grundstein für seine Entscheidung, zusammen mit Guido Westerwelle eine neue Spaßpartei zu gründen. Das Programm der gelb-roten Partei mit dem wenig überraschenden Namen LUPUS (liberal und proletarisch und sexy) ist erst im Folgejahr auszuarbeiten, ersten Gerüchten nach ist das Kernthema die Einführung von Steuern auf HartzIV, damit man diese später senken kann. Als Ziel für die nächste Bundestagswahl werden 81% angepeilt, was ein sichtlich stolzer Wowereit Herrn Westerwelle zuschreibt, der nun „alles genau andersrum als bei der FDP“ machen will.
Nachdem Renate Künast die Stadtführung übernommen hat, wird Prenzlauer Berg ausgemeindet und die sichtlich befreit wirkenden Bürger dieser neuen Baden-Württembergischen Exklave planen umgehend den Bau eines neuen Hauptbahnhofes unter der Schönhauser Allee. Beim auflodernden Konflikt zwischen Rest-Berlin und Brennslberg sorgen nicht zuletzt die Stimmen der (zahlenmäßig stark zurückgegangenen) Linken für den Beschluss zum Bau eines Zaunes zur Befriedung der Stadt. (Der neue Minister für Medienschutz, Lutz Heilmann zum Thema: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“)

Bildung
Die weltweite Bildung steigt kurz vor dem Jahreswechsel sprunghaft an, als sich aus Furcht vor dem Weltuntergang 2012 von New York bis Sprockhövel Abermillionen Dummbeutel selbst umbringen.

Bremen
In Bremen wird Mitte August ein LKW-Reifen am Straßenrand gefunden.

Chemie
Die überraschende Entdeckung, dass Baden in Erdöl einen Großteil der bekannten Genitalfurunkel heilen kann, bewahrt BP vor der Pleite und katapultiert den Aktienkurs in ungeahnte Höhen. Nicht nur, dass der Konzern Schadensersatzforderungen vom Deepwater-Horizon-Debakel im letzten Jahr abschmettern kann: Die Hausjuristen des Konzerns deklarieren BP zum gemeinnützigen Verein und erstreiten vor Gericht Eintrittsgelder für die amerikanischen Badestrände am Golf von Mexiko, was dem Konzern Nachzahlungen in Milliardenhöhe sichert. Erstmals wird in Amerika nicht nur offen diskutiert, ob die Politik seitens der Ölindustrie käuflich ist, bis Jahresende einigt man sich sogar über den Preis.

Chile
Nach dem Überraschungserfolg im letzten Jahr beschließt die chilenische Regierung, abermals ein paar Bergleute zu vergraben, um sie medienwirksam wieder freizubaggern. Dieses Mal wollen sie jedoch für eine Internetleitung direkt ins Loch Sorge tragen, um das Event noch besser vermarkten zu können.

FDP
2011 wird ungeahnt zu einem Schicksalsjahr der FDP. Die Umfragewerte der Partei stürzen bis zum Herbst derart ins Bodenlose, dass klar wird, dass nicht einmal mehr die verbliebenen 508 Restmitglieder ausnahmslos für ihre Partei stimmen werden, sollte jemand auf die Idee kommen, bei einer Wahl zu kandidieren.
Erst der Weggang Westerwelles zu LUPUS sorgen für die Trendwende. Die von Experten als „schon ein bisschen unrealistisch“ eingestufte Forderung nach „Steuerfreiheit für alle Jahreseinkommen über 24.000 €“ wird dank medialer Hofierung seitens Bild-Zeitung und RTL2 zum Erfolg. Insbesondere die 80% der Arbeitslosen, denen laut neusten Bildungsumfragen die Rechnung zu kompliziert ist, stehen felsenfest hinter der neuen Volkspartei, die zum Jahresende hin nahezu 29 Millionen Mitglieder hat.

Google
Firmengründer Page erwägt, Deutschland künftig auch bei den Diensten „maps“, sowie „earth“ zu verpixeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt den Schritt in ihrem Podcast, zeigt sich zugleich aber sehr besorgt, dass dabei die Bildqualität leiden könnte und fordert Nachbesserungen.

Horst Köhler
Köhler spricht in einem Interview mit der Bild-Zeitung davon, dass er als Rentner vermisse, dass ihm Respekt gezollt werde, und dass er deswegen nicht mehr Rentner sein wolle. Die Frage, ob dies ein angekündigter Suizid oder ein angekündigter Wiedereintritt in die Politik ist, begleitet die Nation bis ins Jahr 2012.

Island
Das Parlament spricht sich einstimmig dafür aus, Vulkane künftig so zu benennen, dass auch ausländische Journalisten sie aussprechen können. Eine Petition der Bild-Zeitung, sie nur zu nummerieren, interessiert im hohen Norden natürlich niemanden, 3,5 Millionen Befürworter in Deutschland drohen Island mit Krieg.

Kirche
Nach abermaligen Mißbrauchsskandalen erklärt Papst Bendikt „die Knabenliebe zur Tugend“ und löst damit weltweit Tumulte aus. Der erwartete Prestigegewinn stellt sich erst mit der Seligsprechung Michael Jacksons an dessen Todestag ein.

RTL
Der Unterschichtsender macht von sich Reden, als er Jörg Kachelmann eine eigene Gerichtssendung anvertraut. Die ersten 4 bereits im Mai abgedrehten Staffeln behandeln allesamt Streitigkeiten unter Kachelmanns Ex-Geliebten.

Schmalkalden
Die kleine thüringische Stadt erfreut sich großer Beliebtheit bei Kommunalpolitikern, die auf von Steuergeldern bezahlten Bildungsreisen einmal hautnah miterleben dürfen, wie man Löcher wieder schließt.

Stuttgart 21
In Stuttgart lässt das Wahlergebnis nur eine schwarz-grüne Koalition zu, sodass der Streit um das Prestigeprojekt zur sicheren Endlagerung von Steuergeldern auf eine neue Ebene gehoben wird. Es wird ein abermaliger Schlichtungsprozess anberaumt, diesmal unter der Führung von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. Während die S21-Befürworter auf Kohls Parteizugehörigkeit setzen, hat er sich unter den Gegnern vor allem dadurch beliebt gemacht, dass er so niedlich aussieht und nicht gerne mit der Bahn fährt. Die abermalige Offenlegung aller Fakten scheitert daran, dass Kohl sie nicht herausgeben will, weil er Mappus sein Ehrenwort gegeben hat.

Thilo Sarrazin
Der streitbare Ex-Senator veröffentlicht ein neues Buch mit dem Titel „Etwas schafft sich ab“. Der hochintelligente Autor schafft es, seine Thesen über Dummheit und Vererbung abermals zu verallgemeinern und zu abstrahieren, sodass die Quintessenz des Werkes, „Irgendwas ist dumm und irgendwer muss dagegen sein“, bei der Wahl zum Wort des Jahres nur knapp dem Outing von Renate Künast unterliegt. Eine Sommerloch-Debatte entspinnt sich um eine Spiegel-Online-Umfrage zum Buch, bei dem 63% der Leser für „ich bin dumm“ statt für „ich bin dagegen“ gestimmt haben.

Twitter
Der Kurznachrichtendienst bricht Mitte August zusammen, als am Jahrestag des Blumenkübel-Mems in Bremen ein LKW-Reifen am Straßenrand gefunden wird und der unlustigste Mem des ganzen Internets für unzählige Tweets sorgt.

Wikileaks
Wikileaks erntet erstmals hundertprozentigen Zuspruch der Bevölkerung Europas, als die Plattform die Einkaufslisten zahlreicher Landespolitiker veröffentlicht. Während Guido Westerwelle seine Quietscheentchen-Sammlung noch in den Wahlkampf für seine neue Partei LUPUS integrieren kann (als Kandidaten fürs Justizministerium beispielsweise), beendet die Dummerchen-Affäre die politische Karriere Horst Seehofers, weil er auch nach wochenlangem Schweigen keine vernünftige Ausrede dafür finden kann, warum er das Buch „Deutschland für Dummies“ auf seiner Besorgungsliste kurz vor einem Kanzlerinnenbesuch mit dem Vermerk „dringend“ versehen hat.

Winter
Bereits kurz nach Weihnachten schneit es in ganz Deutschland. Durchschnittlich 2,8 cm Neuschnee in einer einzigen Nacht bringen die im Januar vorsorglich gegründete Behörde „Amt für wetterbedingte Ausfallerscheinungen, kristalline Niederschläge und Krisenmanagement im Streusalzgewerbe“ in Bedrängnis. Die 2.200 Mann starke Taskforce Neuschnee zeigt sich am 28. Dezember schockiert über den frühen Wintereinbruch und sperrt vorsorglich sämtliche Autobahnen für Gigaliner und Fahrräder. Interrims-Behördensprecher zu Guttenberg verweist auf die Möglichkeit, auf Flugzeuge auszuweichen.

Wort des Jahres
„Jetzt tut nicht so, als ob ihr das nicht hättet kommen sehen, Freunde!“ (Renate Künast)

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lol, tourists!

Muss… aufhören… zu… lachen…

Mara hat mir via Kontaktformular drüben bei GNIT einen Link geschickt: touristlol.wordpress.com

Es ist ein englischsprachiger Blog, der Anekdoten eines Touristenführers in Berlin wiedergibt. Und das ist zum Brüllen komisch, nicht ohne ein paar Vorurteile zu festigen. So finden sich dort sowohl Amerikaner, die erwarten, dass man in Berlin mit Dollar zahlen kann, weil Berlin ja in Amerika liegt, als auch verwirrte Touristen, die auf dem Berliner Stadtplan zu erkunden versuchen, wie man jetzt am besten zu diesem „Dritten Reich“ kommt.

Wer in Grundzügen Englisch beherrscht und es bei der Allgemeinbildung bis zur Hauptschulreife gebracht hat, wird irgendwann lachen müssen!

Ich hab sehr mit mir gerungen, ob ich das bei GNIT posten soll, schließlich sind Touris ja auch meine Fahrgäste, aus irgendeinem Grund mache ich es jetzt doch hier. Entweder ihr zerbrecht euch den Kopf darüber, warum – oder ihr schaut euch touristlol an und lacht ein wenig 🙂

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Spam-Kommentar des Jahres

Man sollte niemals vorzeitig Gewinner und Verlierer einer bestimmten Zeitspanne küren, wenn diese noch nicht vorüber ist. Aber manchmal ist es einfach unwahrscheinlich, dass jemand noch geschlagen wird. Der folgende Spam-Kommentar wurde heute im Laufe des Vormittags (Mist, das Plugin hat ihn nach der Umkategorisierung gekickt!) bei GNIT zum letzten Artikel über kotzende Fahrgäste abgegeben. Unter arabisch klingendem Namen angeblich von der Adresse gangstar@emailanbieter.com. Ich kommentiere den Kommentar ein bisschen, weil er echt schön ist, gewissermaßen fast schon Kunst. Wir erinnern uns an meinen Artikel… 2 Jungs im Auto, einer muss Kotzen, schafft es raus, blabla, Sash fährt heim. Kein Drama, auch keine besonders tolle Fahrt, Nachtschicht und ihre Tücken eben. Dann das:

ich finde es sehr schade, ich fühle mich gerade sehr traurig .

Oh! Das war nicht Ziel der Aktion.

ich habe noch nie sowas gelesen und das ist nicht gut für die umwelt.

Was? Das der Typ auf die Straße gereihert hat? Naja, da ist was Wahres dran. Aber hey, wenigstens ist es biologisch abbaubar! 🙂

außerdem habe ich gerade tanz unttericht im keller meiner oma , mit unserem nachbarn als tanzlehrer als ich das laß bin ich unmähchtig geworden…

Du liest, während du Tanzunterricht hast? Das verstehe ich nun nicht wirklich…

ich musste ins krankenhaus und wurde untersucht.

OK, also du bist bei deiner Oma umgekippt? Peinlich für einen Gangsta, ich verstehe.

Schließlich fanden sie heraus das ich krebs hatte und musste dierekt operiert werden..

Was man bei solchen Untersuchungen eben so rausfindet…

Als ich aufwachte habe ich mich an nix erinnert und musste mich übergeben als ich diesen text nochmal laß.

Wie jetzt? Du bist aufgewacht, im Krankenhaus? Dann liest du als erstes noch einmal einen Text über 2 kotzende Typen und musst dich daraufhin selbst übergeben. Ich darf mir den Gag für ein Drehbuch klauen, oder?

ich brauche ein bisschen geld um meine 2 operation zu finanzieren..

Und deswegen gibts du eine Website für Gartenzubehör als Homepage an, oder was? Außerdem brauchst du noch mehr Geld, ich lasse gerade überprüfen, inwiefern mein Blog verantwortlich dafür war, dass du jetzt keinen Krebs mehr hast. Das wird auch noch eine Gebühr kosten!

Zurzeit habe ich sehr viele probleme und muss mariuhana rauchen..

Die Probleme hätte ich auch gerne. Ich darf kein Marihuana rauchen, verdammt!

Die Welt kann so viel unterhaltsamer sein, wenn man Spammer als ernstzunehmende Gegenüber sieht. 😀

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JMStV-E

In einem Monat muss „jede“ Internetseite mit Altersfreigaben versehen werden, wie aus Kino und Fernsehen bekannt. Oder so ähnlich. Eigentlich sollte inzwischen jeder davon gehört haben. Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag wird derzeit erneuert und es macht sich Panik breit im Internet. Lauter schlimme Änderungen, das Netz wird unfrei, chinesische Zustände, alles schon gelesen in den letzten 24 Stunden. Und dass die Grünen unter Zwängen leiden. Aber das nur nebenbei.

Es ist – wie immer bei rechtlichen Themen – gar nicht so einfach, sich eine umfassende Meinung zu bilden. Ich hab es mit Sicherheit auch noch nicht getan, derzeit schreiben hunderte, tausende Leute mit mehr oder weniger Ahnung von der Materie über das Thema. Da will ich nicht sicher sein, bereits jetzt den Stein der Weisen gefunden zu haben, bzw. im Recht zu sein.

Der JMStV trieft nur so vor absurden Wischi-Waschi-Regelungen mit teils beachtlichen Konsequenzen. Zweifelsohne wird bei einer konsequenten Umsetzung und der üblichen Abweichung mancher Gerichte von der Sichtweise ihrer Kollegen ein ziemliches Wirrwarr entstehen und der ein oder andere Seitenbetreiber wird schwer zu knabbern haben an einer Umsetzung der neuen Richtlinien. Wahrscheinlich stellen tatsächlich einige Betreiber ihre Seiten ein (manche tun es jetzt schon), gut tun wird dieses Machwerk dem Internet sicher nicht, und da ich das Netz ganz gerne habe, bin ich nicht gerade begeistert davon.

Natürlich ist dieser Quatsch fürs Internet untauglich. Ich stehe als Blogger sowieso stets mit einem Bein im Knast, so lange ich unmoderierte Kommentare zulasse, da ist es nicht gerade erbaulich, verlinkte Seiten auch noch daraufhin abklopfen zu dürfen, ob jemand Bilder von der letzten Fortpflanzung veröffentlicht. Aber neu ist das nicht wirklich.

Neu ist der Stress, der auf einen zukommt, wenn man als ernsthaft um den Jugendschutz bemühter, und Abmahnungen verhindern wollender Seitenbetreiber dennoch ein vielschichtiges Angebot für verschiedene Altersgruppen anbieten will. Denn die so großzügig angebotene „freiwillige“ Kennzeichnung der Seiten ist hinten und vorne nicht durchdacht. Das Selbst-Einschätzen soll bisweilen böse nach hinten losgehen, weil kaum jemand die Gabe mit sich bringt, dies zu tun. Durchs Netz geistert diesbezüglich die Geschichte von dem Test des AK Zensur, bei der ein Tierheim entgegen der eigenen (sicher nicht unberechtigten) Einschätzung das Label Ab 18 bekam, weil es Bilder eines gequälten Hundes zeigte. Will man diesbezüglich sicher sein, müsste man das die FSK übernehmen lassen, was mal eben ab 4.000 € jährlich kostet. Ist natürlich auch nicht gerade für jeden aus der Portokasse zahlbar. Ausnahmen von der Pflicht, den Zugang einzuschränken, obwohl alles böse ist, gibt es für Nachrichten und Angebote, die sich mit dem Zeitgeschehen befassen – wobei man selbst da nicht umhin kam, die unfassbar wässrige Einschränkung zu machen, dass dies nicht gilt, wenn „offensichtlich kein berechtigtes Interesse gerade an dieser Form der Darstellung oder Berichterstattung“ besteht. Das ist zwar kein unsinniger Einschub (reisserische Berichterstattung), aber wie der Rest einfach unklar definiert.

Begeistert sein kann man auch wegen der Regelung, dass der Jugendschutzbeauftragte von gewerblichen Seiten jetzt rund um die Uhr erreichbar sein muss. Und gewerblich ist eine Seite mehr oder weniger schon mit dem Einbinden eines Flattr-Buttons.

Alleine die Vorstellung, dass Kindern damit geholfen sein könnte, dass deutsche Pornoseiten nur noch von 23 bis 6 Uhr online sind (Welche Zeitzone eigentlich?) zeugt irgendwie davon, wie erbärmlich dilettantisch auf höchster Verantwortungsebene noch immer mit „dem Internet“ umgegangen wird.

Was also halte ich nun vom neuen Staatsvertrag, was bedeutet das für mich, für sashs-blog.de und GNIT?

Die Antwort ist auf alle Fragen die gleiche:

NIX!

In der allgemeinen Panik werden nämlich meines Erachtens nach auch einige Dinge vergessen und übersehen:

Zum einen sind nicht alle jetzt verkündeten Weisheiten wirklich neu, zum anderen betrifft es keineswegs ALLE Blogger. Ich selbst sehe mich vorerst von der ganzen Geschichte beispielsweise kaum betroffen. Die harten Einschränkungen wie z.B. Zugangssperren, Alterskennzeichnung, zeitlich beschränkte Verfügbarkeit etc., gelten nur für Seiten, die Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung gefährden können.
Was JUGENDgefährdend ist, ist wirklich extrem scharf umrissen und tangiert meinen Blog dann doch eher selten, da ich z.B.  die Tendenz habe, die anschauliche Schilderung meiner Weichteile zu unterlassen. Einschränkungen hierbei sind so neu nicht, Deutschland hat auch bisher ein sehr strenges Jugendschutzgesetz.

Meine Seiten könnten damit schlimmstenfalls als ungeeignet für KINDER unter 12 Jahren gelten. Die daraus entstehende Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder dieser Altersgruppe meine Seiten „üblicherweise“ (Zitat §5 Abs. 1 JMStV) nicht wahrnehmen, besteht auch nach dem neuen Vertrag nur darin, Angebote für Kinder von den restlichen Inhalten zu trennen. Das bedeutet:

Ich habe Glück, dass sich meine Seite nicht explizit an Kinder richtet. Würde sie es tun, sollte ich sicher einige Formulierungen hier überdenken, weil ich den Kinderteil vom eigentlichen Blog trennen müsste. Mit anderen Worten: Mich hindert der JMStV-E jetzt daran, künftig hier Artikel für Kinder zu schreiben. Doof, aber verkraftbar.

Die vielgescholtene und meines Erachtens nach auch völlig überzogene Regulierungswut des Paragraphen 5 aus dem JMStV-E betrifft ausschließlich Angebote, auf die es zutrifft, dass sie die Jugend in ihrer Entwicklung gefährden. Zugegeben: Diese Einschätzung ist nicht besonders leicht, Tatsache dürfte aber auch sein, dass man, wenn man jetzt Ärger mit der Kennzeichnung hat, davor rein theoretisch auch welchen hätte bekommen können.

Ebenso braucht niemand einen Jugendschutzbeauftragten, der ihn bisher nicht gebraucht hat. Denn bis auf die Tatsache, dass selbiger jetzt die Möglichkeit hat, unglaublich viel Kohle für Bereitschaftszeit zu verlangen, hat sich an dieser Stelle im Vertrag nicht viel geändert.

Denn, so albern, rückständig, verkorkst, falsch und zutiefst überarbeitungswürdig ich manche Dinge im Jugendschutz finde: Wir haben ihn heute schon. Dass ich hier keine Bildaufnahmen mit meiner persönlichen Bewerbung zur Weitwichs-Olympiade veröffentliche, begründet sich nicht nur in der Nichtexistenz dieser Sportveranstaltung, sondern auch in der Tatsache, dass ich es natürlich ohne Unzugänglichmachung für Kinder gar nicht zeigen dürfte. Und an den Regelungen, was man alles zeigen darf, hat sich im Grunde nichts geändert. Und wahrscheinlich ändert sich auch kaum was dran, dass es keiner kontrolliert.

Eigentlich dürfte der Blogger, der über sich, sein Leben, die Politik und seine eigenen (jugendfreien) Bilder philosophiert, von der Änderung gar nichts merken. Einzig Gedanken machen muss man sich nun mal so langsam. Das heißt aber wirklich nicht, dass ich in irgendeiner Form dafür bin:

Der JMStV-E ist meiner Meinung nach mal wieder ein schöner Beweis dafür, wie man Geld und Zeit opfern kann, um mit dem Ergebnis Millionen Menschen in eine rechtliche Grauzone zu packen, Panik zu schüren, das eigene Unwissen zur Schau zu stellen und darauf auch noch stolz zu sein.

Ich selbst komme wohl um die gröbsten Probleme herum.

Hier noch ein paar informative Links:

Ein Text gegen die Panik (leider gerade nicht erreichbar, hoffentlich später wieder!)

Juristische Einschätzung

Vergleich der alten und neuen Fassung des JMStV (pdf)

Nachtrag:

Auch Udo Vetter kommt im Law Blog weitgehend zur selben Einschätzung wie ich und klärt unter anderem darüber auf, dass ich auch mein eigener Jugendschutzbeauftragter sein kann. Juhu, das ist doch mal was kleidsames fürs Visitenkärtchen!

Noch ein Nachtrag:

Im Pottblog wird diese laxe Herangehensweise bemängelt und anders bewertet (via Twitter)

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