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Es geht voran …

Das Cover fürs eBook ist fertig!

Wow.

Das ist (leider) nicht alles, was noch ansteht – aber es sind schon einige Kämpfe gefochten, die vor diesem Wochenende noch ferne Zukunft zu sein schienen. Es ist aller Voraussicht nach eine Sache von Tagen, bis das Buch draußen ist. Das Cover kann ich euch – hier ganz privat unter uns – ja schon einmal zeigen. Ich selbst hab bei der Erstellung eigentlich nie direkt am PC gesessen, ich hatte da eher so eine Art beraterische Tätigkeit inne. Ozie hingegen hat jetzt eckige Augen vom Popcorn-Freistellen …

Also seid wenigstens lieb, wenn ihr Kritik anzubringen habt 😉

OK, machen wir’s kurz:

Mein eBook – sieht fast aus wie ein echtes! Quelle: Ozie/Sash

Hach.

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Backflash

Es gibt so Momente in meinem Leben, in denen ich irgendetwas in der Presse lese, im Radio höre, in Filmen sehe, das mir bekannt vorkommt – und das dann ein flaues Gefühl im Magen hinterlässt, weil es mich erinnert an eigene Erlebnisse. Ein gutes Beispiel war der 11. September 2001. Als mein Vater mit den unvergessenen Worten „In Amerika isch Halligalli, ein Anschlag jagt den nächsten!“ in mein Zimmer kam und ich anschließend den Fernseher anschaltete, stockte mir der Atem. Katastrophenmeldungen hatte ich schon zur Genüge gesehen, aber beim Anblick der brennenden Twin-Tower dachte ich zunächst an die Aussage unseres Reiseführers Glenn ein Jahr zuvor, dass in den Gebäuden 50.000 Menschen arbeiten; danach daran, wie ich zwischen Nord- und Südturm stand und dachte, dass ich nicht hier sein möchte, wenn die Dinger mal einstürzen. Freilich ohne den Hauch einer Ahnung, dass das zu meinen Lebzeiten passieren könnte.

Nun, Ereignisse wie den 11. September gibt es glücklicherweise zumindest nicht monatlich. Das war ein eigentlich unglücklicher Vergleich zur Einleitung des Textes, da sich selbstverständlich eine Gleichsetzung verbietet. Aber das selbe Gefühl wie damals streifte mich nun, da ich las, dass die Wohnungen einiger Pressefotografen wegen einer Demonstration durchsucht worden sind, auf der sie – eventuell – auch Bilder gemacht haben könnten, die gewalttätige Leute zu identifizieren helfen könnten. Die Problematik daran ist natürlich politischer Natur. Es geht um Verhältnismäßigkeiten, Pressefreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung. Um Schlagworte, wenn man ehrlich ist. Wenn auch Schlagworte mit Verfassungsrang.

Das zugegebenermaßen sind nicht meine Gedanken, zumindest nicht vorrangig. Ich empfinde eher eine Art diffuses Mitgefühl, schließlich habe ich mehr oder minder haargenau das auch schon hinter mir. Am 20. oder 21. Oktober 2006 war eine große Demo in Stuttgart, ich war dabei und habe fotografiert. Nicht offiziell, allenfalls für die eigene Website. An diesem Tag sind zwei oder drei eher halblebige Brandsätze an der Fassade der Commerzbank gelandet, sicher kein Kavaliersdelikt, am Ende jedoch mit dem Ergebnis eines angekokelten Fensterrahmens. Die Polizei wurde auf meine Kamera aufmerksam gemacht und ich hatte kein gesteigertes Interessa daran, sie ihnen auszuhändigen. Und hab außerdem klargemacht, dass ich zum fraglichen Zeitpunkt allenfalls in der Nähe war und keine relevanten Aufnahmen gemacht hätte. Der gar nicht einmal unfreundliche Cop nahm das zur Kenntnis, forderte aber meine Papiere ein und damit war es für diesen Tag gut. Das hätte eine Randnotiz bleiben können, allerdings kamen sie bei der Aufklärung nicht so recht voran, so dass – als es nun wirklich niemand mehr erwartet hatte – am 27. Oktober die Durchsuchung erfolgte. Die unterbleibende abermalige Nachfrage bei mir nach dem Bildmaterial wurde dem Richter gegenüber als untauglich dargestellt, da mich das ja hätte alarmieren und zur Vernichtung der Bilder inspirieren können. Eine Idee, die mir in den 6 Tagen natürlich nie einfach so hätte kommen können …

Als ich den sturmklingelnden Beamten an jenem Tag um 6.25 Uhr die Tür öffnete, war die Kamera mitsamt lauter verwackelten Bildern fernab des Tatgeschehens nicht einmal in Stuttgart und kurz davor, eine Freundin auf ihrer Reise nach Mexiko zu begleiten. Das änderte freilich nichts.

Gegen das, was ich allenthalben gehört hatte, war die Durchsuchung Kinderfasching. Ich war (wie die Fotografen jetzt auch) nur als Zeuge Ziel der Aktion. Wahrscheinlich war das für die Polizei ein Grund, sich aufs Wühlen zu beschränken und keine ungeahndete Sachbeschädigung zu begehen, für die sich natürlich im Nachhinein jede Menge Gründe finden lassen. So gesehen war das damals eine skurrile Aktion, bei der der Chef des Stuttgarter Staatsschutzes mich persönlich ungeachtet seiner Befugnisse nett fragte, ob er hier und da in irgendwelche Kartons schauen dürfe, die ich damals auch entsprechend humorvoll und mit dem Verweis auf allerlei Verfehlungen verbloggt habe.

Aber auch wenn es so harmlos war, auch wenn es keine rechtlichen Folgen hatte: was bei all dem Gerede über Hausdurchsuchungen oft auf der Strecke bleibt, ist das Eindringen in die Privatsphäre und das Ohnmachtsgefühl, das zurück bleibt.

Ich hab damals, 5 Minuten bevor mein Wecker geklingelt hätte, nur mit Boxershorts bekleidet die Tür geöffnet. Über die Treppe verteilt standen Polizisten, teils in Zivil, teils uniformiert, teils gepanzert in voller Montur, die Hand griffbereit an den Schlagstöcken. Während mir der Gerichtsbeschluss unter die Nase gehalten wurde und ich mich ein wenig nackt fühlte, wurde mir ein Typ mit Hornbrille vor die Nase gesetzt, den sie gleich mal als „unabhängigen Zeugen“ mitgebracht hatten. Ich bat darum, wenigstens meiner Freundin sagen zu können, sie solle sich was anziehen, da stand trotz Zustimmung gleich ein Beamter mit im Türrahmen und jubilierte:

„Ach, Sie haben ja schon ein T-Shirt an!“

Na dann.

Mein Zimmer war damals wie heute nicht wirklich angefüllt mit hochgeheimen Sachen, aber wie in jeder Wohnung gab es Dinge, die man ja ungern in einem Bericht über sich stehen haben wollte. Zwei gepanzerte Bullen hielten Wache im Flur auf einem Berg Handtücher, die das Wasser aufgesogen hatten, nachdem unsere Waschmaschine am Abend zuvor ausgelaufen war. Der größte Teil vergnügte sich derweil in der Küche und redete abfällig darüber, dass vom Vorabend noch Fischstäbchen übrig waren. Und ich selbst stand in Unterwäsche dazwischen und fragte mich, was diesen Arschlöchern eigentlich einfällt, sich über meinen Lebensstil ein Urteil zu bilden, nur weil sie gerne Fotos hätten, die nicht einmal existierten.

Natürlich wurde es bald mehr oder weniger hektisch in der WG und ich bin meinen Mitbewohnern bis heute dankbar, dass sie die ganze Aktion mit stoischer Gelassenheit hingenommen und hier und da mal einen Cop verscheucht haben, wenn sie zur Kaffeemaschine wollten.

Ein besonders weises Exemplar Polizist, von den Kollegen H.-P. genannt, setzte sich an meinen heiligen Computer und fing an, ihn nach Bildern zu durchsuchen. Ausgerechnet meine Homepage vermieste ihm das, weil diese einen virtuellen WG-Rundgang mit zerschnippelten Bildern enthielt und mal schnell dafür sorgte, dass sich über 50.000 Bilder auf meinem Rechner befanden. Nichtsdestotrotz lässt sich die Erniedrigung kaum in Worte fassen, die es bedeutet, wenn ein fünfzigjähriger dickbäuchiger Möchtegern-Profiler auf den eigenen Pornoordner stößt und dabei ganz süffisant möglichst laut durch die Wohnung flötet:

„Ha mei, Sie hen‘ da ja naggiche Bilder druff!“

Und ich war schon froh, eine Beziehung zu führen, in der das nicht das nicht das Aus bedeutete. Die gespielte Entrüstung, die nicht so recht fruchten wollte, wurde umgehend durch grenzdebile Häme ersetzt, bei der sich das vorhandene Personal darüber ausließ, dass man das ja „bei jedem“ finden würde, „au bei de radikale Islamischde“.

„Woisch no, der neulich? Zigdausende, ond elle ’sen ’se blond g’wä!“

Bei mir dauerte das Irrlichtern durch Fotos von privaten Parties, Freunden und Unterwäsche nur eine halbe Stunde. Ich kam fast noch pünktlich zur Arbeit und erhielt am Ende außerdem ein gekünsteltes Grinsen mit der Aussage, sie hätten „ja immerhin nix kaputt gemacht.“

Ach?

Nein, so einfach ist das nicht! Das macht was kaputt! Und zwar ziemlich dauerhaft. Das Vertrauen in den Rechtsstaat, den Wert der Unschuldsvermutung, das Sicherheitsempfinden in der eigenen Wohnung, die Meinung von der Polizei.

Ich bin mir sicher: in den meisten Fällen bleibt es nicht bei einem verächtlichen Spruch wegen eines „naggichen“ Bildchens oder einem Lachen über Fischstäbchen. Aber schon das reicht aus. Hausdurchsuchungen sind nicht ohne Grund eigentlich ein Mittel, das nur in besonderen Fällen eingesetzt werden sollte, das Recht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung ist nicht ohne Grund verfassungsrechtlich garantiert. Eine Hausdurchsuchung ist – zumal wenn so harmlos wie bei mir – natürlich nichts, über das man nicht hinwegkommen kann. Dennoch: hat man es einmal hinter sich, überliest man so manche Pressemeldung nicht mehr so einfach.

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Herausraabend

OK, jetzt wird’s peinlich und persönlich: ich hab gestern „Schlag den Raab“ gesehen. Pah, gestern! Ich war noch heute früh dabei, als dann letztlich die Entscheidung für Stefan fiel.

Da ich ja wirklich nur sehr sehr wenig überhaupt fernsehe und mich stattdessen lieber im Internet herumtreibe, ist mir natürlich nicht entgangen, dass die Sendung und insbesondere Stefan Raab auch immer wieder mal angegangen werden. Das ist klar, und spätestens bei der Frage, ob Raab sympathisch ist, muss man ohnehin polarisieren. Kann ja auch nicht jedem jede Fresse gefallen, das ist klar und auch gut so.

Aber wenn man mich fragt, dann ist „Schlag den Raab“ gerade unangefochten die Nummer eins unter den Abendunterhaltungsshows. Natürlich ist das alles durch Werbung erkauft, profitorientiert und im Grunde natürlich einzuteilen in die Kategorie „Brot und Spiele fürs Volk“. Nur, und das ist mein persönlicher Ansatz: das ist Fernsehen doch ohnehin! Ein One-Way-Kommunikationskanal, an dem sich immer noch Gott und die Welt dumm und dämlich verdienen. Eine erschreckend einfallslose Welt mit erschreckend einfallslosen Formaten, die erschreckend einfallslose Leute tagelang beschäftigt. Im Grunde stimme ich also allen Kritikern zu, nur würde ich weniger Raab und seine Sendungen, als viel mehr das Medium und seine Strukturen an sich dafür verantwortlich machen.

Gegen „das Internet“ stinkt Raab zweifelsohne ab. Google trackt mich gut genug, um mir auch auf Youtube sechs Stunden Unterhaltung anzubieten, die wesentlich weniger Werbung, Leerlaufzeiten und blödsinnige Kommentare zu bieten hat. Fürs Fernsehen aber – und das ist, auch wenn wir es gerne im Netz vergessen, immer noch ein wichtiges Medium in Deutschland – ist Raab derzeit wohl das Maß der Dinge.

Dank Unterbrechungen und Geschwurbel zieht sich zwar auch „Schlag den Raab“ in die Länge, langweiliger als „Wetten, dass …?“ und Konsorten ist die Sendung aber nie gewesen. Selbst wenn man Raab nicht als Superstar oder Sympathieträger sieht, hat man für die Show doch einen offenbar würdigen Gegner für die Kandidaten gefunden und die Spiele, die dort alle paar Monate ausgetragen werden, lassen weder an Einfallsreichtum, noch an der Umsetzung arg viel zu wünschen übrig.

Ich muss gestehen, dass ich Stefan Raab irgendwie mag. Vielleicht nicht menschlich – ich kenne ihn schließlich nicht persönlich – aber ich habe wirklich Respekt vor ihm. Ich mag seine musikalischen Ergüsse nicht unbedingt, dennoch ist er da offenbar genauso in der Lage, die Menschen zu begeistern, wie mit seinen Sendeformaten. Auch wenn man vielleicht die Masse der Menschen für blöd halten mag, man könnte Raab immerhin zu Gute halten, dass er das einzubeziehen weiß. Und nach wie vor würde ich sagen, dass „Schlag den Raab“ immer noch mehr Wissen vermittelt als „Wetten, dass …?“

Was natürlich nichts aussagt.

Es ist Unterhaltung, Fernsehunterhaltung. Der kann man kritisch gegenüberstehen und das zu Recht!

Aber wenn man davon ausgeht, dass Fernsehunterhaltung eine Daseinsberechtigung hat, dann sollte man es doch wenigstens machen wie der Raab.

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Pädagogisch wertvoll

Zweifelsohne hatte ich in den letzten Tagen und Wochen viel Spaß. Zunächst mit Weihnachten, dann mit der besoffenen Kundschaft an Silvester und jetzt dabei, herauszufinden, was die Psyche so macht, wenn man nur 4,50 € pro Stunde verdient. Alles toll und unterschätzt, keine Frage!

Aber das ist NICHTS gegen den Spaß bei „Nicht nachmachen!“, einer Sendung bei ZDFneo, die so grenzdebil ist, dass sie sogar die neue GEZ-Regelung übertrifft.

Worum geht es?

Es ist eine Pseudo-Dokumentation, in der gezeigt wird, wie Bernhard Hoëcker und Wigald Boning mit allerlei in der Tat nicht nachzumachenden „Experimenten“ ein Haus völlig auseinandergestalten. Ob sie Rotwein in der Mikrowelle „temperieren“, einen Grill mit Haarspray betreiben, Böller in der Wohnung zünden oder Kartoffelkanonen ausprobieren: die Sendung ist schon wegen der Begeisterungsfähigkeit der beiden Moderatoren fantastisch!

Sicher, in der Sendung wird hauptsächlich zerstört, verschwendet oder … nein, eigentlich war es das. Das kann man ankreiden, keine Frage. Aber ich glaube tatsächlich, dass diese letztlich doch professionelle Show mit guten Kameraleuten und extremen Slow-Motion-Aufnahmen vielleicht das ein oder andere Youtube-Video-Experiment von minderbegabten Vollhonks verhindert, weil diese es niemals so schön auf Video bannen könnten.

Deswegen:

Nicht nachmachen! Aber anschauen!

Folge 1
(alles weitere findet sich so …)

Das Ganze hab ich übrigens auch nur via Herms Farm mitgekriegt …

PS: Ich weiß, dass ich in diesem Fall sowohl kindisch als auch spät dran bin. Aber so ist das halt manchmal 😉

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Hinter den Kulissen …

Es ist ja immer so: man sieht auf der Bühne irgendwas, das scheinbar reibungs- und mühelos funktioniert, eine perfekte Inszenierung eben. Glaubt mir, ein Buch ist da nix anderes!

Ich hab ja schon lange vorgehabt, ein Buch zu schreiben. Ja, ganz ehrlich: selbst getan habe ich es schon! Ein Buch übers Taxifahren liegt fast fertig bei mir rum, es ist mir aber in Anbetracht von GNIT nicht wichtig genug, um es rauszuhauen. Da die Verlage ohnehin langsam anfangen, sich zu melden, warte ich einfach auf den richtigen, und der kriegt es dann.

Inzwischen hab ich – in meiner Rolle als Autor – mein erstes richtiges Herzenswerk ebenso vollendet. Es ist nicht lang, es wird ein eBook im Format eines halben Taschenbuchs. 100 Seiten etwa, die dafür sind sozusagen handverlesen. Dass ich beim Bloggen gar nicht so professionell bin, wie der ein oder andere glaubt, wissen die ganz treuen Leser natürlich durchaus. Ich hab hier im Blog keine Rechtschreibkontrolle – meist lese ich die Texte nicht einmal wirklich durch, bevor ich sie verögfnertlihce.

(Kleiner Scherz. Sowas würde mir natürlich auffallen 😉 )

Das – mal ganz ehrlich – kann ich nicht bringen, wenn ich meine Texte tatsächlich mal verkaufe. Sicher, fehlerfreie Bücher wird es auch nie geben, aber man macht sich halt doch andere Gedanken, wenn man weiß, dass das Werk über einen (wenn auch vielleicht nur virtuellen) Ladentisch geht.

Abgesehen davon: es ist ja gar nicht das Anpassen des Textes! Womit ich gerade am meisten zu kämpfen habe sind die profanen Dinge, die durch das ganze Drumherum entstehen. Man muss die Texte in neue Formate bringen, plötzlich Kuriositäten wie Titeleien zusammenschustern, Probekapitel zum Download irgendwo und irgendwie ablegen, einen Titel finden, ein Cover gestalten, Klappentexte, Infos, Autorenbeschreibungen, bla Keks Rhabarber …

Ja, es ist verdammt leicht, heute im Internet ein eBook zu veröffentlichen!

Das steht außer Frage und dafür liebe ich das Netz. Das allerdings auch angemessen gut zu machen … dafür ist dann doch noch Arbeit notwendig, die man kaum erahnt.

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Ist Instagram besser als Twitter?

oder: eine kleine Offline-Analogie

Ich bin ja – wie man an der Tatsache, dass ich mich auf mehreren Seiten um Kopf und Kragen blogge, bemerken könnte – ein Freund des Internets. Mit all seinen Macken und Unzulänglichkeiten ist es dennoch ein großer Segen für zahllose Leute gewesen, ist es immer noch und wird es immer mehr sein. Wie wahrscheinlich auch alle von euch nutze ich das Netz längst intuitiv. Das bedeutet natürlich niemals, alles zu kennen, alles zu wissen – aber eben zu wissen, wie man sich verhält, man hat Denk- und Handlungsansätze für so ziemlich alles, was einem im Netz begegnet und passiert.

Nun gehören aber auch zu meinem erweiterten Umfeld Menschen, die nicht online sind. Oder nur rudimentär, um hier und da mal den Email-Account aufzurufen, der seit 2001 von den Kindern eingerichtet brav bei web.de liegt. Und wenn man viel im Netz ist, auf der anderen Seite aber ein paar Offliner kennt, dann kommt sie gelegentlich, die Frage:

„Kannst Du mir das mit dem Internet erklären, also was man da so macht?“

Was dann mit einem durchgeht, das ist in einem wunderbaren Text auf Blogroyal nachzulesen. Darauf aufmerksam geworden bin ich über Maximilian Buddenbohms Link in diesem Artikel.

Es ist sicher nicht sehr befriedigend, aber die Antwort auf die Frage, was das Internet ist/ausmacht, kann allenfalls „probier’s aus!“ lauten. Wir, die wir hier lesen und schreiben (und was weiß ich noch machen!) haben doch längst keine gültige Antwort mehr. Auf der Suche nach Analogien für brauchbare Erklärungsansätze bin ich mit Ozie aufs Essen gekommen. Und das hat es in sich. Es folgt der Teil zum Ausdrucken für die Offliner; ein kleiner Ansatz von mir, bekennendem Onliner; ein Eingeständnis, auf die Frage nach dem Internet nicht antworten zu können, obwohl ich es gerne würde:

Stell Dir vor: Ein Bauer,

ein einsamer Landwirt von einer kleinen Alm, die man nur im Sommer erreicht, steigt von seinem Berg, auf dem er Tiere und Pflanzen züchtet, ohne Radio, Fernsehen und Zeitung als kompletter Selbstversorger lebt und fragt:

„Sag mal, wie ist das eigentlich bei euch mit dem Essen?“

Er fährt fort und meint, er hätte gehört, er müsse gar nicht alles selbst anbauen – und jetzt, wo er eine kleine Erbschaft hätte, könnte er sich auch Essen kaufen. Er hätte es ja gerne etwas einfacher, der Rücken macht nicht mehr so mit und er hätte gehört, es gäbe so genannte Supermärkte, in denen man alles kaufen könnte. Sogar Essen, das schon gekocht ist und gar nicht mehr auf den Herd muss.

Was würde man diesem netten Bauern antworten? Man würde ihm vielleicht den Weg zum nächsten Supermarkt zeigen, dann aber denken:

„Mist, der macht ja heute früher zu.“

„Wieso macht der zu? Gibt es dann hier kein Essen mehr?“

„Nein nein, man hat ja meistens was im Kühlschrank! Und im Notfall kann man sich ja ums Eck eine Pizza holen.“

Kühlschrank klingt interessant. Aber er meint, er brauche vorerst keine neuen Möbel. Das mit der Pizza hätte er aber schon gehört. Was war das nochmal?

„Pizza? Ach, das ist flacher Teig mit Belag drauf.“

„Was für Belag?“

„Unterschiedlich. Je nachdem, was für eine Pizza.“

„Na, eine normale Pizza eben!“

Außerdem wollte er bei Pizza besonders vorsichtig sein – ein Freund von ihm hätte mal Durchfall gehabt, nachdem er eine Pizza gegessen hätte. Dann will er wissen, welche Pizzen schlecht sind.

„Na keine Ahnung! Was für eine Pizza war das denn?“

„Nur so eine normale.“

„Aus einem Restaurant? Von einem Dönerladen? Eine Fertigpizza aus dem Supermarkt? Ein Marken- oder NoName-Produkt? Vielleicht nur so ein Fertigteig oder eine komplett selbstgemachte?“

„Keine Ahnung. Er hat nur Pizza gesagt.“

Und war das nicht auch Pizza mit diesem Dioxin-Zeugs?

„Nein, das waren Eier. Aber das sind sowieso Ausnahmen, man muss halt auch aufpassen!“

„Wie sehen Dioxine auf Eiern denn aus?“

„Nein, soo einfach ist das nicht. Die stehen ja auch nirgends auf der Zutatenliste …“

„Wer schreibt denn Zutatenlisten?“

„Puh, ja, ähm. Also das ist so …“

Und während man dann gerade über Vor- und Nachteile von Bio-Lebensmitteln diskutiert, fällt unvermittelt die Frage, ob also nicht doch diese Tütensuppen besser wären als Bioessen.

„Es gibt aber auch Bio-Tütensuppen. Oder Konserven.“

In dieser völlig ausweglosen Lage kommt es aber noch schlimmer und irgendwer meckert aus dem Hintergrund, dass Konserven verdammt viel Müll machen und selbst die Gläser nicht einmal Mehrweg wären.

„Mehrweg?“

„Ja, das Pfandsystem erkläre ich ein anderes Mal! Wir waren bei Pizza. Willst Du dir vielleicht eine bestellen für den Anfang? Die sind in der Regel auch besser als die fertigen.“

„Also ist Bestellen besser als Fertigessen?“

„Naja, kommt drauf an. Ist halt auch teuer.“

„Und bei Fertigessen hab ich ja auch keinen Aufwand. Da kann ich meinen Ofen ja verkaufen!“

„Na, nicht unbedingt. Gibt ja auch Fertigessen, dass noch gekocht werden muss …“

„Ehrlich? Sowas ist legal? Das ist doch nicht fertig, wenn man es noch kochen muss!“

Irgendwann steht man dann da und findet keinen Lösungsansatz mehr. Empfiehlt man nun schnelles, günstiges, hochwertiges, ethisch vertretbares oder lange haltbares Essen? Oder welche Kombinationen davon? Soll man die Stiftung Warentest und Analogkäse erwähnen oder verschweigen?

Ist es zu erwarten, dass unser Bauer bereits vor dem ersten Einkauf weiß, ob er eine Payback-Karte haben will, eine bestimmte Ernährungsphilosophie verfolgen und seinen Lieblingsladen gefunden haben wird? Natürlich nicht.

Es ist wahr: wir finden nicht mehr viele dieser Bauern in unseren Breitengraden und doch gibt es sie auf anderem Gebiet. Manche von denen werden in höchste Staatsämter gewählt und rühmen sich damit, dass sie jemanden haben, der für sie einkauft und kocht.

Wozu uns die Lebensmittelindustrie beim Essen gemächliche 150 Jahre über mehrere Generationen Zeit gelassen hat, hat das Internet in der Medien- und Kommunikationswelt binnen weniger als 20 Jahren geschafft: dass Außenstehende nicht mal eben an einem Nachmittag gezeigt bekommen können, was „das alles“ ist und nach welchen Mustern und Logiken es funktioniert. Auch wir Nicht-Bauern, die wir hier selbst bloggen und twittern, einkaufen und über Katzenbilder mit falsch geschriebenen englischen Sätzen lachen, haben eine jahrelange Sozialisation mit langem Eingewöhnungsprozess hinter uns. Arbeit, wenn man so will.

Wenn ich den o.g. Bauern treffen würde, würde ich ihm wohl empfehlen, einfach mal was ausprobieren, was lecker aussieht. Mal einen Freund fragen, was er da gerade genau kocht und ob er ihm ein gutes Restaurant nach seinem Geschmack empfehlen könnte. Ein bisschen Mut und Do-it-yourself-Mentalität wird er aber wohl brauchen. Wenn man Essen kaufen will, muss man mal in den Supermarkt, in ein Delikatessengeschäft und eine Dönerbude gehen. Mal was probieren. Es wird einem nicht alles schmecken, was die Freunde, Kinder und Eltern mögen und man wird mal Dinge wegschmeißen und den Laden wechseln, weil einem was anderes besser gefällt. Es gibt Leute, die mit Tiefkühlpizza glücklich sind, andere gehen zum Italiener. Die Menschen mögen Kekse, leben vegan, kaufen nur im Reformhaus ein, nehmen immer das billigste, pflanzen Kräuter selbst an, essen auf dem Weg zur Arbeit, lieben Kreuzkümmel, essen Diätlebensmittel, backen am liebsten Plätzchen, hassen Broccoli und basteln sich Puppen aus Mett.

Und genau so ist das Internet. Nur mit Pixeln statt Kalorien.

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2013

So, das Jahr ist da!

Kann man so sagen, zwei Tage ist es schon alt, die Babyphase wird es wohl nach dem ersten Monat verlassen und überhaupt: es zählt! Es ist 2013, da lässt sich nicht dran rütteln. In Berlin mögen die Bäcker morgens noch etwas betrunken sein, in Schönefeld darf kein Berliner Taxi mehr Fahrgäste aufnehmen, aber das Jahr ist da!

Und ich so?

Nach der wie üblich grandiosen Silvesterschicht sehe ich nunmehr dem harten Januaralltag entgegen, die übliche finanzielle Schieflage will gemeistert werden und vor allem gibt es endlos viel zu schreiben. Drüben bei GNIT werden alleine die Fahrten um Neujahr die ganze Woche füllen, für diesen Blog hier hab ich seit ungefähr 5 Tagen einen Artikel geplant, zu dem ich bislang nicht gekommen bin, der Blog im Taxihaus schreit nach Inhalten und ich hab ausgerechnet jetzt nichts besseres zu tun, als mit dem ersten eBook mal langsam ernst zu machen. Das ist zwar bereits geschrieben, jetzt kommt allerdings der ganze andere Firlefanz, der ja leider nicht wirklich unwichtiger ist.

Und was lernen wir daraus?

2013 rockt!

Das wollte ich nur mal kurz gesagt haben.

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