Spinnen

Von | 29. September 2026

Arachnophobiker sollten diesen Beitrag besser überspringen. Ich hoffe, das war noch rechtzeitig.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hab ich in einem Text unsere erste Begegnung mit der inzwischen ziemlich berüchtigten Nosferatu-Spinne geschildert. Wobei ich das gar nicht so wirklich gemacht habe, sondern ich hab mal wieder ziemlich albern drumrumgeschwurbelt. Es war nämlich tatsächlich so, dass sie einfach mal auf Sophie raufgefallen ist, mitten in der Wohnung. Dem Verlauf der ganzen Sache nach war die Spinne davon mindestens genauso überrascht wie Sophie und dass es eine Nosferatu-Spinne war, haben wir erst im Nachgang herausgefunden. Ich bin bei Artbestimmungen von Tieren eh eine Katastrophe, mir reicht im Alltag eine Einteilung in gefährlich und ungefährlich. Oder in glitscht und kuschelt.

Tatsächlich hab ich aber von Spinnen seit ich denken kann eine sehr hohe Meinung. Insbesondere weil ich euch schon vor 30 Jahren hätte vorbeten können, dass wir in Deutschland nur zwei gefährliche Spinnenarten haben: Die Wasserspinne und den Ammen-Dornfinger. Und dass diese beiden so verdammt selten sind, dass man vor Bissen nur ungefähr so viel Angst wie vor einem irrtümlichen Millionenerbe haben muss. Während mich das Thema natürlich als Kind wegen den großen Vogelspinnen und den tödlichen Giften gereizt hat, wusste ich aber genau dadurch, wie gut wir es hier mit unseren Zitter- und Winkelspinnen haben, auch wenn die manchmal bedrohlich groß aussehen können.

Wusstet Ihr, dass große Exemplare der Kreuzspinne Kieferklauen haben, die euch theoretisch einen Biss zufügen könnten?

New fear unlocked?

Stimmt zwar, ist aber ähnlich irrelevant wie die Sache mit den zwei wirklich giftigen Spinnen oben. Man kann in Mitteleuropa schon guten Gewissens sagen, dass uns Spinnen mehr nutzen als schaden und zumindest ich hab das auch in der Kindheit immer und immer wieder gehört. Hat offenbar was gebracht.

Wobei …

auch wenn Ihr es vielleicht nach der Einleitung kaum glaubt: Ich kann die Angst vor den Viechern gut nachvollziehen, denn ich merke, wie sie mich auch immer wieder einholt, wenn ich mal ewig keinen nennenswerten Kontakt mit ihnen hatte. So hab ich in meinen jüngeren Jahren tatsächlich ein paar Mal bewusst gegen meinen Ekel angekämpft und mir extra eine große Winkelspinne auf die Hand gesetzt, um gegen dieses Gefühl anzukämpfen. Und auch das hat wirklich geklappt. Ich weiß, für echte Phobiker ist das keine Option, ich will damit niemanden ärgern.

Ich hab das schon lange nicht mehr gemacht und ich habe das sehr deutlich gemerkt, als wir nach Bingen gezogen sind. Denn rückblickend kann ich euch sagen, dass sich eine Wohnung im vierten Stock eines Plattenbaus bezüglich der Häufigkeit von Spinnenkontakten sehr von einer Wohnung in einem verwinkelten Altbau mit Garten vor der Tür unterscheidet und ich hab auch eine Weile gebraucht, um mich diesbezüglich umzugewöhnen, es zu akzeptieren, dass hier mehr heimliche Mitbewohner am Start sind als in Berlin. Im Übrigen auch Insekten natürlich. Ich bin noch nicht da, wo ich in der Sache gerne wäre, aber es wird besser.

Und das ist auch der Grund, warum ich euch jetzt ein Bild von unserer zweiten Nosferatu-Spinne zeigen kann, die ich vor kurzem selbst im Bad gefunden, dort fotografiert und anschließend dann trotzdem vor die Tür gesetzt habe:

Als jemand, der versucht rational an die Sache ranzugehen und der noch ungefähr 12.000 Spinnenbisse bräuchte, damit die mit Insektenstichen gleichziehen könnten, erlaube ich es mir, an der Stelle zu fragen: Ist das nicht ein ausgesprochen schönes Exemplar?
Wie gesagt: Rausgesetzt hab ich sie, in meinem Bademantel will ich sie auch nicht haben, ich bin kein Masochist. Aber auch wenn die Einwanderung dieser Art uns zweifelsohne eine relevante Giftspinne mehr beschert hat, so ist doch die Panik auch in diesem Fall definitiv übertrieben. Ich mag besonders den Abschnitt in der Wikipedia, in dem geschrieben steht, dass zwar denkbar sei, dass Allergiker mit dem Biss Probleme haben könnten, so hätte doch eine entsprechende Studie keine medizinischen Fälle finden können.

Ich möchte das Thema versöhnlich beenden. Ich hab mich die Tage nämlich sehr gefreut, als ich mit dem Knöpfle morgens in die Garage gegangen bin und er dort gleich eine große Winkelspinne ausgemacht hat. Er hat sich von mir zeigen lassen, dass die noch lebt und war etwas besorgt als sie von der Wand auf den Boden gefallen ist.

Als er dann Nachmittags von der Kita kam, saß die Spinne wieder nur einen Meter weg von ihrem ursprünglichen Platz und alles was dem Knöpfle dazu eingefallen ist, war, dass das jetzt ja die falsche Wand sei und sie von dort vielleicht gar nicht mehr so gut in die Garage sehen könne.

Und ja, das kann man sich ja auch mal fragen. 🙂

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