Ziemlich genau 6 Tage lang habe ich von Sixt nichts mehr gehört. Das hab ich schon so ein bisschen als Worst Case betrachtet, denn um ehrlich zu sein, hatte ich nie Bock drauf, ernsthaft Stress zu machen. 550 € sind natürlich ein hoher Schaden, der uns entstanden ist, aber ein sehr geringer Streitwert, um sich dazu Leute ins Boot zu holen, die das als Stundenlohn haben. Ich tat dann gestern abend, was jeder vernünftige Mensch tun würde: Ich schrieb eine E-Mail mit wahnsinnig vielen Schimpfworten und hab diese Schimpfworte dann entfernt, bevor ich sie versendet habe.
Also die Mail. Ich hab nicht die Schimpfworte gesondert versandt.
Ich denke, man kann meine Stimmung aber auch hinterher noch ungefähr erahnen:
Guten Tag.
Ich würde es als professionell empfinden, wenn Sie auf meine letzte Mail antworten würden. Sie können mir auch gerne eine andere Kontaktmöglichkeit nennen.
Sollten Sie in der Zwischenzeit überwiesen haben, dürfen Sie diese Mail gerne als gegenstandslos betrachten.
Auch wenn es nicht eben um einen Kleinbetrag geht, wäre es mir lieber und sicher für alle von uns Beteiligten ein kleines bisschen einfacher, wenn nicht wir noch unsere Rechtsschutzversicherung und Sie ihre Anwälte in die Sache einbeziehen müssen, meinen Sie nicht?
Ich freue mich auf ihre Antwort,
Sascha Bors
Hab ich mir Hoffnung gemacht? Nur so mittel.
Was ich definitiv nicht erwartet hatte, war, dass ich daraufhin einen halben Tag später – heute um 16 Uhr rum – binnen einer halben Stunde sechs Mails von Sixt bekommen würde. Ich hab dann anhand der Mails live mitansehen können, wie jemand den Fall abarbeitet. Und zwar offensichtlich nicht fehlerfrei, aber in unserem Interesse:
Mail 1: Stornierung der großen 1.022€-Rechnung
Mail 2: Aktualisierung der Rechnung auf 713€
Mail 3: Stornierung der 713€-Rechung
Mail 4: Aktualisierung der Rechnung auf 682€
Mail 5: Stornierung der zusätzlichen 196€-Rechnung für den letzten Tag
Mail 6: Entschuldigungsschreiben mit der Bestätigung, dass sie meiner Forderung vollumfänglich nachkommen
Wow.
Ich hab das schon auf Mastodon so ähnlich geschrieben: Ich will jetzt nicht gleich ins Loben verfallen, nur weil ich jetzt mein Geld wieder habe, aber gerade nach all dem Terz finde ich es ein angenehmes Geschäftsgebahren, wenn ein Unternehmen schreibt: „Ja, ist scheiße gelaufen, Sie haben recht und der Fehler lag bei uns. Deswegen kommen wir ihrem Wunsch nach Rückerstattung nach.“ Ich bin natürlich der Erste, der sagt, dass es dafür ja auch gute Gründe gab, aber juristisch kannste dich ja um jeden Scheiß endlos kloppen. Ich hab das Auto ja „freiwillig“ nochmal neu angemietet. Und immerhin hab ich jetzt eine Woche lang den großen Passat gehabt, das ist ja schon irgendwie ein Mehrwert, da kann man schon der Meinung sein, dass ich das natürlich bezahlen müsse. Aber nein, Sixt hat sich demütig gezeigt und offensichtlich die Rückzahlung angestoßen. Und das weiß ich dann am Ende schon zu schätzen, ganz ehrlich.


