Dunkel die Außenseite ist…

Wie die meisten Leser wissen, bin ich ein Freund der Nacht. Ich schätze die dunkle Tageszeit, auch dieser Blogeintrag wurde nachts um 2 Uhr geschrieben. So ist es eben, die Geschmäcker sind verschieden. Ganz ähnlich verhält es sich bei mir mit etwas anderem: der Mode. Sowohl Ozie als auch ich präferieren schwarze Kleidung. Im Grunde ist es egal, ob es sich dabei um Schuhe oder Hemden, Hosen oder Socken dreht – ein fröhliches, lebensbejahendes Schwarz ist kleidsam von Bestattung bis Bewerbung, von Bierkeller bis Börsenparkett.

Ein fröhliches Schwarz… Quelle: Sash

Natürlich (siehe Bild) finden sich auch zwischen unseren Klamotten mal andersfarbige Stücke. Meist jedoch eher zufällig. Weit mehr als beim Essen eint mich und meine bessere Hälfte der Geschmack bezüglich der Anziehsachen: Möglichst schlicht, möglichst dunkel.

Im Grunde handhaben wir es beide so, dass wir das Haus zumeist nur in Kombinationen irgendwo zwischen Anthrazit und Dunkelschwarz verlassen. Hier und da ein fröhliches Dunkelgrau untergemischt, ansonsten treten wir meist mehr oder minder monochrom auf. Gibt es da draußen eigentlich noch Leute, die einem dadurch zwingend Depressionen oder so unterstellen? Oder einen komisch finden?

Herausfinden werden wir es so schnell nicht, denn wenn wir zusammen unterwegs sind, glotzen die Leute uns zwar wegen meiner Größe an, trauen sich aber eher nicht, uns anzusprechen.

Viel mehr als die Reaktionen der Öffentlichkeit beschäftigen uns dann aber die ganz alltäglichen kleinen Probleme. Man stelle sich nur mal vor, was passiert, wenn Ozie durch die Wohnung ruft:

“Hast du mein schwarzes T-Shirt gesehen?”

Die darauf stets erfolgenden autistisch anmutenden Wühltätigkeiten sind indes nicht halb so introvertiert wie sie aussehen und machen dann irgendwie auf ihre ganz eigene Art dennoch Spaß.

Na gut, vielleicht sind wir ja doch komisch – und fies brutal zerstört. Oder so. :D

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Tipps für einen Abenteuer-Umzug

Umzüge sind jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung. Fast egal, wie sie im Detail ablaufen, es ist immer ein großer Schritt, oft ein Start in einen neuen Lebensabschnitt und meist ein recht komplizierter logistischer Vorgang. Da ich erst kürzlich wieder einem beeindruckenden Umzug beiwohnen durfte, dachte ich, ich stelle mal kurz die wichtigsten Punkte vor, damit so ein Umzug am Ende nicht doch zu langweilig wird. Diese Liste basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen als Umziehender, Umzugshelfer und sogar Aushilfe in einer Umzugsfirma. Dennoch ist sie natürlich unvollständig und darf in den Kommentaren ergänzt werden.

Vorbereitungen

  • Grundsätzlich macht jede Planung den Umzug langweilig. Verzichte weitestgehend darauf, gehe nur auf Punkte ein, die wertvolle Freundschaften direkt zerstören könnten.
  • Mache den Termin spontan aus und lege ihn auf Tage, an denen alle beweisen können, wie wichtig du ihnen bist, wenn sie dir helfen: Den Hochzeitstermin des besten Freundes, Weihnachten, das Weltmeisterschaftsfinale etc.
  • Plane ungefähr 6 Tage dafür ein, ohne genau festzulegen, wann die Hauptaufgaben anstehen. Alleine die unterhaltsamen Mailwechsel sind diese Ungenauigkeiten wert.
  • Schätze die Größe der neuen Wohnung und der darin unterzubringenden Möbel anhand beliebter Techniken wie Raten, Hoffen, Abschätzen oder – gut geeignet für religiöse Menschen – Wissen ein. Denn natürlich passt das! Würde man sonst umziehen?
  • Besorge frühzeitig Behältnisse, um den Hausrat zu verstauen. Wähle im Hinblick auf die Stapelbarkeit insbesondere verschiedene Größen von Kartons, überwiegend aber Tüten, Seesäcke, Blumentöpfe und Tonnen.
  • Beschrifte die Kartons eindeutig mit Kürzeln wie Zi.1,St.3,rlhv03 Stapel 6. Alternativ: Merke dir den Inhalt aller Kartons.
  • Verstaue die Dinge in praktisch zu tragenden Einheiten: Die LP-/CD-/DVD-Sammlung passt am besten in die großen Kartons, Bettwäsche transportiert man schon der Größe wegen lose oder in kleinen Beutelchen (ohne Schlaufe bitte!).

Am großen Tag

1. wenn man ein Unternehmen beauftragt

  • Begrüße die Arbeiter mit einem freundlichen “Was machen sie denn, das geht da ja nie rein!?”
  • Erwarte einen realistischen Arbeitseinsatz der Transporteure: Sie sollten so schnell als möglich ohne lästigen Smalltalk selbstverantwortlich mit der notwendigen Vorsicht den Umzug machen, dabei allerdings ruhig bleiben, sich öfter mal eine Pause gönnen, einen nett behandeln, auf die vorgebrachten Wünsche Rücksicht nehmen und um Gottes Willen keine Hektik machen. Bei Abweichungen davon kürze den Preis.
  • Dinge, an denen dein Herzblut hängt (Pflanzen, Haustiere, Computer, Konzertflügel und Kachelöfen) werden selbstverständlich auch bei Hinzuziehung von Profis nur echten Freunden anvertraut.
  • Bemitleide die Angestellten ob ihrer schlechten Bezahlung und des schweren Plunders, den du sie herumtragen lässt. Lautstark.
  • Lege keine Reihe der anzufahrenden Punkte fest, ärgere dich aber über jede Nichteinhaltung.
  • Mache keine Zeit für den Feierabend aus, ärgere dich aber, wenn es länger dauert, als du es dir vor ein paar Monaten auf dem Klo ausgedacht hast.
  • Fange zwischen den umhereilenden Trägern mit Putzen an – ohne Rücksicht auf Verluste!
  • Bestehe darauf, dass die Porzellanvase als erstes eingeladen wird, weil man sie als erstes in der neuen Wohnung wieder benötigt.

2. wenn man den Umzug mit Freunden macht

  • Begrüße deine noch besten Freunde mit “Habt ihr Tüten dabei, meine reichen nicht!”
  • Kalkuliere überschlagsmäßig damit, dass ein Mensch etwa 50 Kisten pro Stunde ins Auto schaffen kann. Tipp: Wer kleiner ist, kann eine Kiste mehr unter der Tür durchtragen, hier liegt der Wert bei 100.
  • “Haben wir früher immer so gemacht!” ist ein legitimes Argument bei allen Zweifeln.
  • Dirigiere den Transport von Flügeln, Klavieren und Schrankwänden durch enge Altbautreppenhäuser vom ersten in den siebten Stock mit hilfreichen Zwischenrufen wie “Einfach übers Geländer!”
  • Gestalte die Beladung als Erlebnisworkshop in angewandter Physik: Komprimiere die Volumen unkomprimierbarer Stoffe, arbeite aktiv an der Schwerpunktverlagerung des Umzugswagens zum Fahrzeughimmel hin und lerne anhand weit über das Auto hinaushängender Ladung lustige neue Effekte beim Kurvenfahren und Einparken kennen.
  • Arbeite getreu dem Grundsatz von Karl dem Kopflosen: “Ladungssicherung ist, wenn es im Stillstand ohne es anzutippen nicht tödlich ist.”
  • Wenn die Zeit knapp wird, gilt: “Erstmal einen bauen, dann schau’n wir mal…”

Wer alle diese Punkte beachtet, sollte weit mehr Spaß an Umzügen haben, als es ohnehin der Fall ist. ;)

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Leistungsschutzrecht, na klar…

Das Netz schläft nicht, und so gelangt so manche Information nach langen anstrengenden Wochenenden wie jetzt auch mal Nachts bei mir. So das von der Koalition angekündigte Leistungsschutzrecht. Ich empfehle als zwar kritische, dennoch sachlich fundiertere Quellen zu diesem Thema die aktuellen Artikel bei netzpolitik.org und bei Stefan Niggemeier. Gerade in letzterem ist eigentlich alles gesagt worden, was es (derzeit, so lange noch keine Details klar sind) zu sagen gibt.

Aber im Wissen, dass dieser Blog nicht der Links alleine wegen gelesen wird, sondern auch meiner gelegentlich spitzen Feder wegen:

Wer hat den Internetausdruckern eigentlich damals erlaubt, von den Schreibmaschinen runterzukommen?

Ich würde gerne mit eigenen Ideen glänzen, aber ich möchte das selbe Zitat aus dem Beschluss des Ausschusses verwenden wie Herr Niggemeier:

Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren, sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet ein Entgelt an die Verlage zahlen.

Und ja, man sollte sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Ein Mensch, der nur den Hauch einer Ahnung hat, wie das Internet funktioniert, muss diesen Vorschlag grotesk finden. Auch wenn ich mir bei meinem bescheidenen Verdienst die schlechten Bedingungen im (Online)Journalismus bildhaft vorstellen kann, fehlt mir mindestens eine wöchentliche Lobotomie, um mit derartigen Vorschlägen geistig Schritt zu halten.

Die gewaltige Datenflut im Netz ist ja von normalen Menschen nicht zu bewältigen. Kein Wunder also, dass wir unnormalen immer ganz vorne mit dabei sind ;)
Tatsache ist: Will ich im Netz Informationen bekommen, muss ich mich entweder im Auswendiglernen der 500 Millionen besten Websites üben oder wie der Rest der digitalen Horden (Ansgar Heveling, CDU) Suchmaschinen, News-Aggregatoren, Feedreader etc. verwenden.

Es ist wahr, dass rein technisch über diese Seiten auch die quasi fremden Inhalte von Zeitungen und anderen Presseerzeugnissen weiterverbreitet werden. Fakt ist aber auch, dass schon vor der Existenz von Google jeder einzelne Admin von Internetseiten versucht hat, möglichst von vielen Leuten über Suchmaschinen gefunden zu werden. Gerade für Seiten, die irgendwie refinanziert werden müssen, ist das Publikum, das über Suchmaschinen kommt, unabdingbar – und nicht einmal himmelschreiende Blödheit (siehe bild.de) ist ein so guter Garant für Minusgeschäfte wie ein Nicht-Auftauchen in irgendwelchen Suchergebnissen.

Gewiss: Viele Leser nehmen die Seite so nur über einen Reader wahr, bringen vielleicht keine Klicks auf Werbebannern. Die Alternative im Netz ist schlicht – und das scheint tatsächlich niemand außer den armen Kerlen in den entsprechenden Technikabteilungen geblickt zu haben – all diese Besucher gar nicht zu haben. Also erreicht man so direkt viel weniger Leute, man wird weniger verlinkt und sorgt zu guter Letzt bei all den Feedreader-Lesern dafür, dass sie das eigene Angebot nie kennenlernen und folglich auch nie auf die Werbung klicken.

Wenn es den Verlagen darum gehen würde, dass Google ihnen die Inhalte klaut, dann würden sie sich eine robots.txt auf die Seite packen, die zwei einzelne Textzeilen enthält:

User agent: *
Disallow: /

Bei Bedarf erstelle ich diese Datei für die gesamte deutsche Presselandschaft für niedrige 4-stellige Beträge pro Seite mit dem Versprechen, dass sie ihren Ärger mit den Suchmaschinen – zumindest den großen, die so verdammt viel “klauen” – damit endgültig los sind.

Leider vermute ich, dass die meisten das durchaus könnten (z.B. indem sie googeln und copy & paste verwenden). In Wahrheit geht es aber natürlich nicht um Urheberrechte oder die Gemeinheit von Suchmaschinen. Quatsch! Sie brauchen die Suchmaschinen, um überhaupt Geld zu verdienen. Die Verlage ärgert lediglich, dass die Suchmaschinen an der Geschichte noch mehr verdienen. Und das ist nichts weiter als Neid und der Versuch, sich einzureden, sie wären unersetzbar. Ein trauriger Trugschluss.

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Wäschezimmer: Done!

Wäschezimmer! Wer hat schon ein Wäschezimmer? Vielleicht ja einen Wäscheraum im Keller, aber ein Zimmer? Naja, wir. So ein bisschen. Es ist halt doch ein Zimmer, immerhin fungiert es auch als zweite Übernachtungsmöglichkeit in unserer Wohnung. Ansonsten lagert da übergangsweise das Pfand. Nicht mit dem Fant verwechseln, der schläft in meinem Zimmer!

Nun haben wir es nach langer mühseliger Kleinarbeit geschafft, die Wäsche ein wenig zu ordnen, was insbesondere unserer neuen Kommode zu verdanken ist, die wir gegen geringes Entgelt über Umwege und in Einzelteilen von einer niederländischen gemeinnützigen Organisation bekommen haben:

Ganz ordentlich, Quelle: Sash

Nachdem wir vor einem Monat die Vorgängerregale dieser Einrichtung dem Sperrmüll übergeben haben, war eine Lösung auch zwingend notwendig geworden. Wer sich traut, kann diese Aussage mit einem Blick gerne überprüfen:

Choastheorie-Forschungslabor Marzahn, Quelle: Forscher

PS: Bin übrigens bis zum Wochenende recht beschäftigt und komme nur selten ins Internet. Also nicht wundern, wenn meine Antworten etwas länger dauern und ich bis dahin kaum was schreibe!

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Die Geschichte von Jan (8)

Ein bisschen verstohlen schlich Jan sich aus dem Haus. Alexa fluchte und grummelte unter der Dusche, als er die Tür schloss und sich auf den Weg zur Bank machte. Alexa hatte ihm ihre Karte und die PIN nach einer groben Vorreinigung ihrer Hände auf den Tisch geknallt. 5566! Irgendwie traute sie ihm wohl gar nix zu. 5566! Was ist das eigentlich für eine PIN? Ist ja klar: Da hat die Dame ohnehin das bessere Gedächtnis und bekommt so eine Zahl. Jan war ein bisschen aufgewühlt, einerseits tat ihm Alexa leid – er dachte an seine Versuche nach dem Umzug, ein bisschen Lack von den Fingern zu bekommen – andererseits: Hallo? Was hatte er bitte schlimmes gemacht?

Und dann die 5566! Er selbst hatte eine blöde PIN: 3068. Oder 3806? 3086? Ja eben, da sieht man’s ja!

Während ihn zum Ende der Straße hin das urbane Leben mehr und mehr einholte, die Hochbahn kreischend ihren Weg nach Friedrichshain ins Metall schnitt, bewegte er sich wie in Trance über den Bürgersteig. Den Kopf gen Boden gesenkt, Gehwegplatten Bordsteine betrachtend zog er an einigen Menschen vorbei, die ihn für einen eigenbrödtlerischen Nerd hielten. Was er zu gewissen Teilen ja auch irgendwie war. Den Weg zum Bankautomaten kannte er auswendig und als er dort eintraf, stellte er fest, dass er nicht einmal wusste, wie er hierher gekommen war.

Um Jan herum war es laut, neben der Bahn kreischten auch noch ein paar Kinder, die Hektik eines normalen Arbeitstages flutete die U-Bahn-Station und ein paar Obdachlose bettelten mehr oder minder lautstark. Mit den Gedanken abschweifend stellte er sich grinsend vor, wie albern es wäre, würden ein paar fleißige Leute nicht nur den Autofahrern eine Scheibenwäsche für kleines Geld anbieten, sondern auch ihm die Brille reinigen. Mit diesem großen Wisch-Dings. Hihi.

Nötig gewesen wäre es allemal.

Zu sich kam er erst wieder, als der Automat ihn warnte, er hätte die falsche PIN eingegeben. War ja klar! 5566, nicht 3086! Er erhielt zwei druckfrische Fünfziger, Banknoten, die Jan so schon lange nicht mehr gesehen hatte. Zur Bank ging er meist nur für einen Zwanni zwischendurch, den Rest erledigte er ohnehin online. Selbst Lebensmittel kaufte er im Internet. Es entsprach nunmal nicht seinem Naturell, die Wohnung zu verlassen, redete er sich seine Situation oftmals schön. Reich wie selten tigerte er den halben Weg zurück, um am Plus angekommen festzustellen, dass dieser inzwischen ein Netto war. Irgendwann hatte er sich mit Alex mal darüber unterhalten, da war was…

Ein bisschen uninspiriert schmiss er einige Lebensmittel in den Wagen, die sie in der WG immer dahatten. Also zumindest, bis bei ihm mal wieder Not am Mann war. Dosengemüse, Fertigessen und ein paar Tomaten. Zur Gewissensberuhigung und um an der Kasse nicht auszusehen wie ein ausgangsfauler Nerd, der sich nur von Tiefkühlpizza ernährt. Er umkreiste in Gedanken noch ein paar Hähnchen-Nuggets, verwarf den Plan aber wieder und wandte sich den Tütensuppen zu. Er hatte zwar weder Appetit noch Hunger, irgendwie glich dieser Ausflug dennoch ein bisschen der Prekariats-Vorstellung vom Schlaraffenland. Als er zu Ungunsten von Alexas Geldbeutel mal eben beschloss, sowohl Champignon-, als auch Waldpilz-Creme-Suppe einzupacken, zuckte er zusammen. Jemand rief seinen Namen!

“Jan, alter Stoffel! Was machst du denn hier?”

Er blickte sich um und sah in ein freundliches Gesicht, das er lange nicht gesehen hatte.

Wer spricht Jan plötzlich im Supermarkt an?

  • Uwe, sein Anwalt für diverse Kleinigkeiten (37%, 36 Votes)
  • Franky, eine Art One-Night-Stand vom Dezember (35%, 34 Votes)
  • Markus, ein guter Freund, den Jan seit einer Woche anrufen wollte (16%, 16 Votes)
  • Peter, ein Alter Klassenkamerad (kein Kontakt seit Jahren) (12%, 12 Votes)

Total Voters: 98

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Lesestoff

Ich weiß, ich picke mir von den vielen großen Themen dieser Tage keines heraus, um darüber zu schreiben. Syrien, ACTA und eine Menge Schweinereien bleiben liegen, wenn ich über die netten Kleinigkeiten des Lebens, das Taxifahren und mich selbst schreibe. Das ist nicht immer so, darf aber auch mal eine Weile so sein. Die paar hundert Leute, die hier mitlesen, verwechseln mich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit irgendwem, der ihnen die Nachrichten liefert.

Dennoch habe ich diese Woche mit absoluter Bestürzung – und das meine ich ernst – den Artikel von Stefan Niggemeier über Kai Winckler und die “Neue Welt” gelesen. Im Grunde steht da nicht nur nichts neues drin, sondern er führt auch in erschreckendem Maße zur Erkenntnis, dass im Grunde jede Grütze gelesen wird, ganz egal womit sie sich beschäftigt.

Versteht mich nicht falsch: Im Grunde überrascht es mich ja nicht, dass Zeitungen – bewusst oder unbewusst – Falschmeldungen produzieren. Ebensowenig überrascht es mich, dass Klatsch und Tratsch gerne gelesen werden. Was aus meiner Sicht als Autor und aus meiner Sicht als Leser aber einfach nicht ersichtlich ist:

Warum lesen Menschen sowas wie diese Zeitungen?

Warum verwenden hunderttausende von Menschen, Gehirnträger wie wir, einen Teil ihrer Zeit damit, reihenweise Klatsch-Zeitschriften zu lesen, deren Geschichten weder wichtig, noch wahr, noch gut geschrieben sind? Oder besser: Was ist es denn bitte sonst, was einen zum Lesen bringt?

Dass man sich die neuesten Nachrichten lieber im Hetzblatt Bild reinzieht, weil sie die eigenen Vorurteile untermauert und wenigstens schnell auf den Punkt kommt: Finde ich persönlich scheiße, aber ich kann es nachvollziehen.  Warum aber sollte man etwas lesen, das schlecht wie die Bild ist, aber die wenigen wahren Geschichten durch unwahre ersetzt und den Politikteil durch Kuchenrezepte?

Was bewegt Menschen dazu, überhaupt zu lesen, wenn sie bei Kaiser’s 5 Zeitschriften für zusammen 4 € kaufen und auf jedem Titelblatt steht etwas, das dem vorherigen widerspricht? Ich mag in dieser Welt vieles nicht, ich akzeptiere vieles nicht. Aber bei diesem Verhalten setzt schlicht und ergreifend mein Verstand aus.

Ich bin ein Vielleser. Und ich lese viele verschiedene Dinge. Wenn ich nach dem Aufstehen den Feedreader aktualisiere, finden sich für gewöhnlich etwa 80 bis 150 Einträge darin. Da finden sich News-Meldungen der Tagesschau neben ibash-Zitaten, neue Forschungsberichte von den Scienceblogs neben privaten Blogeinträgen. Ich folge vielen Jobbloggern und bevor ich zur Arbeit gehe oder selbst etwas schreibe, habe ich mit allen interessanten Links zwischen 150 und 200 mehr oder weniger lange Texte gelesen. Das selbe wiederholt sich nach der Arbeit nochmal. Zwischenrein gibt es noch Twitter, Facebook und den ein oder anderen Kleinkram. Nebenbei lese ich am Taxistand oder im Bett noch ein bisschen an einem Roman weiter. Oder mal 3 Artikel der Wikipedia neben dem Essen her.

Fakten, Meinungen, Neuigkeiten – und durchaus auch Einblicke ins Privatleben anderer Menschen.

In diesem Umfang will und kann das nicht jeder, das kann ich sehr gut verstehen. Umso mehr aber denke ich, dass ich – wenn ich schon nur wenige Informationen lesenderweise aufnehme – gerade die guten Sachen lesen will. Oder die wichtigen, wenigstens aber wahre.

Kann mir irgendwer einen schlüssigen Erklärungsansatz liefern?

Die Theorie mit den hirntoten Zombies hatte ich schon, gibt es noch andere?

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Eine Frage des Titels?

Der Bundespräsident (sowohl der geschiedene als auch der folgende) sind ja gerade in aller Munde. Das Amt gilt als schwer angeschlagen, die Meinungen dazu sind vielfältig, einzig dass man es wirklich braucht, traut sich keiner zu sagen. Das ist der Würde des Amtes natürlich alles andere als angemessen, und einen Schluffi haben wir deswegen ja schon in der Rolle verloren. Ihr merkt, ich will eigentlich gar nix zum Thema schreiben. Ist auch richtig, ich stöbere nur gerade mal wieder (meine Liebe zur Sprache schließt wie jede Liebe auch kleinere Perversionen ein) zwischen lustigen Anagrammen und bin bei Ideen zu Wörtern auch auf den Bundespräsidenten bekommen.

Der einzige Sinn der Sache ist, dass ich jetzt empfehlen kann, wie man das Amt künftig nennen könnte. Was beim Arbeitsamt geklappt hat, sollte doch auch bei diesem Amt funktionieren. Der Vorteil meiner Idee: Sie ist halbwegs kostenneutral, da man mehrheitlich keine neuen Buchstaben an die entsprechenden Häuser kleben müsste. Deswegen habe ich das ä durch ein a ersetzt. So gewinnt man sogar ein paar Punkte, die man gerne nach Flensburg schicken kann, damit denen der Nachschub zum Verteilen nicht ausgeht.

Das hier könnte also künftig am Schloss Bellevue stehen:

Sparbudendienst
Seebad und Sprint
Sir Bundespedant
ISDN per Datenbus
Absurde DNS-Pinte
Bandit und Presse
Band des Puristen
Sausend BRD-Pinte
Stupide BRD-Nasen

Würde man mich fragen, ich würde mich ja für folgendes entscheiden:

Der Bundesspinat

So, das war nun genug Schwachsinn für diesen Monat. :)

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