Monthly Archives: Februar 2014

A62, Dienstag, 14:00 Uhr.

Als ich ins Gebäude trete, die Pförtner ignorierend, tritt mir augenblicklich ein Polizist in Zivil entgegen. Meine Statur scheint ihn zu beeindrucken, er geht instinktiv in eine Verteidigungshaltung und fragt, die Hände ausstreckend mit hellwachem Blick, laut und deutlich:

„Moment, Moment, Moment! Wo wollen Sie denn hin?“

Irgendwie hatte das ja kommen müssen, so klischeereich wie das Ganze bisher schon war: Ich, mitten in einer schlechten Tatort-Szene. Einen guten Fernsehkommissar hätte der Kerl schon abgegeben. Und meine Rolle? Die ist eigentlich nicht der Rede wert.

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Genau genommen war ich noch vor vier Minuten im Gebäude der Polizeidienststelle gewesen und nur vor die Tür gegangen, weil im Warteraum Rauchverbot und auf dem Raucherbalkon Zivilistenverbot herrschte. Ich war aus freien Stücken hier, eigentlich nur als moralische Unterstützung, wie man gerne sagt.
Nennt unsere Reflexe seltsam, aber es gibt keinen Grund, sich alleine und wehrlos irgendwelchen Ämtern auszusetzen, wenn man sich zu zweit besser fühlt. Und deswegen war ich da. Eigentlich war nur Ozie vorgeladen. Oder eingeladen, wenn man mal nicht diese irreführende Terminologie der Polizeischreiben verwendet. Wir waren freiwillig da, wenn auch auf Bitte der Polizei.

Der Grund dafür liegt rund einen Monat zurück. Die Nachbarn. Mal wieder.

Wir haben ja viele Nachbarn. Laute, leise, dicke, dünne, junge, alte, nette und die Idioten, wegen denen Ozie die Polizei geholt hat. Schon das zweite Mal. Aus dem Leben unserer Nachbarn halten wir uns bis auf einige freundliche Gesten wie die Annahme von Paketen oder das Grüßen auf dem Flur raus – die beiden Telefonate mit dem Notruf waren dem Umstand geschuldet, nicht sicher zu sein, eventuell ein Gewaltverbrechen zu ignorieren. Auch bei dauerlauter Nachbarschaft gibt es unterschiedliche Nuancen und letztlich Grenzen.

In dem Fall wohl berechtigt gesetzte, denn an jenem Abend wurde einer unserer Nachbarn letztlich von der Polizei mit Pfefferspray außer Gefecht gesetzt und das behördliche Schreiben, das Ozie bat als Zeugin zu erscheinen, betraf zwei Verfahren wegen Körperverletzung. Nicht gegenüber der Polizei im Übrigen, sondern gegenseitig.

Unser Erscheinen war wie gesagt dennoch wohlüberlegt. Viel zu berichten gab es zwar nicht, aber nach jahrelangem Mithören lag dann der Entschluss nahe, auch mal zu bestätigen, dass die offensichtlich wirklich einen an der Klatsche haben. Natürlich sollten sie ihre Familienangelegenheiten unter sich klären, aber man wird offener gegenüber Anschwärzungen, wenn nachts heulende Kinder durchs Treppenhaus laufen und bei den beteiligten Erwachsenen mehr Rück- als Fortschritte zu erkennen sind.

Und dann saßen wir da. Abschnitt 62, ein aus dem Ruder gelaufenes Klischee einer Polizeidirektion. Direkt hinter dem Eingang ein Wartebereich, locker 300 m² groß, dennoch nur mit vier schmucklosen Tischen auf vielleicht fünf mal fünf Metern in der Raummitte. Diese Halle, von der sich verzweigend einige Treppen und Türen abgingen, dominierte ein einzelnes Relief an der Stirnseite gegenüber der Türe, ungefähr fünfzehn mal drei Meter messend. Sichtbar noch sozialistischer Herkunft dominierten grob geschnitzte Arbeiterfiguren die schwer einzuordnende Szenerie.

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Durch einen angrenzenden Flur stromerte ein Mann im Bademantel, der sonstige Durchgangsverkehr war überwiegend uniformiert.

Ozie wurde recht bald von einem der Beamten gebeten, mitzukommen. Meine Anwesenheit war sichtlich unerwartet, ich wartete auch gerne weiter im Wartebereich, aber es war mit Ozie ausgemacht, dass ich – für alle Fälle – erreichbar bin. Denn bei allen kontroversen Ansichten zur Polizei bleibt eines immer noch Tatsache: Selbst in solchen Situationen, in denen man sich eigentlich auf ihrer Seite bei der Aufklärung eines Sachverhaltes befindet, erwecken sie nie den Anschein, man wäre nicht dazu gezwungen. Und auf derartige Spielchen möchte man reagieren können.

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Natürlich war es am Ende nicht schlimm. Ozie wurde in ein Büro gebeten, das bei gerade einmal 9 m² Fläche zwei ausgewachsene Polizisten samt Arbeitsschreibtischen, zwei Kühlschränke und Aktenregale beherbergte. Eine Mikrowelle der ersten Generation und eine langsam sterbende Yucca-Palme ebenso. Die Wände zierten lustige Comics, Fotos von Polizisten, Sportvereinswimpel und die ein oder andere romantische Fotografie ferner Länder. Die Blaupause für das, was die Inneneinrichtungsverbrecher der Tatort-Crew dem deutschen Fernsehzuschauer jeden Sonntag vorsetzen.

Während ich in der Halle unten den Gesprächsfetzen der anwesenden Beamten lauschte und mich (auch via Twitter) über die karge Deko in Form einer Kehrmaschine im Eck amüsierte, beantwortete Ozie im zweiten Stock geduldig ein paar Fragen. Unter der Treppe zum zweiten Stock schlummert eine monströse, offensichtlich in privater Heimarbeit angefertigte und schon alte Rollstuhlrampe aus Massivholz. Sicher für den Haupteingang 30 Meter entfernt. Ich male mir in Gedanken aus, wie vier Beamte mit vereinten Kräften das Ding zur Türe wuchten, während ein normaler Rollstuhl nur den Handgriff eines Helfers erfordern würde. In die Ruhe höre ich hinter dem deplazierten Raumteiler, der uns Besucher von den meisten Polizisten abschirmt:

„Also die Moral bei Rotlicht, dit is‘ erschreckend!“

Inzwischen haben auch die zwei UPS-Fahrer am Nachbartisch Gesellschaft einer Beamtin erhalten. Ungeachtet meiner Wenigkeit und der Anwesenheit einer anderen Dame wird mal kurz ein Unfall im Wartebereich aufgenommen. Ich wundere mich, bin jedoch auch amüsiert, wie die Anwesenden die Prenzlauer und die Hellersdorfer Promenade durcheinanderbringen. Humor für Ortskundige.

Die Befragung von Ozie hat längst ein Ende genommen, einer der zwei Bediensteten in dem großzügig geschnittenen Büro hat sogar bereits Feierabend gemacht. Den Rest der Zeit soll das Ausdrucken des Protokolls in Anspruch nehmen, da beide verfügbaren Drucker nicht ganz frei von Makeln sind. Die folgenden 15 Minuten, die das Spektakel am Ende dauerte und durch Ozies Unterschrift in zweifacher Ausfertigung besiegelt wurde, nutzte ich unten in der Halle, um mir eine Cola am Automaten zu ziehen und die eingangs erwähnte Raucherpause anzutreten. „Nicht lange“ sollte es dauern, der Minutenzeiger hatte am Ende eine Dreiviertelrunde hinter sich.

Als Ozie und ich, beide noch etwas amüsiert ob unserer Einblicke in diese Welt, wieder zusammentrafen, beschlossen wir, dem Tag (auch wegen weiterer anstehender Aufgaben) und dem unweigerlich folgenden Gespräch eine nette Atmosphäre zu geben. Ich erinnerte mich an den netten Italiener ums Eck der Polizeidirektion, zu dem mich damals Jochen Knobloch vom Tagesspiegel eingeladen hatte. Und dort ließen wir den Nachmittag dann angemessen ausklingen. Denn wie twitterte ich bereits aus dem Wartebereich des Abschnitts 62?

„Pizzadienststelle würde mir mehr liegen.“

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Kurs Südsüdost

Für alle, die fragen, wie es eigentlich mit dem Abnehmen gerade läuft:

Trigger-Warnung: Bild enthält Pizzen, Bier und Cola. Quelle: Sash

Trigger-Warnung: Bild enthält Pizzen, Bier und Cola. Quelle: Sash

Legende:

Blau: aktuelles (Tagestiefst-)Gewicht
Gelb: 7-Tage-Durchschnitt
Grün: 14-Tage-Durchschnitt
Rot: Ideallinie

Ja, ich weiß: Das wird auch mal wieder nicht so gut laufen und aller Anfang ist bekanntlich leicht. Zumindest im Vergleich zum Dabeibleiben und so. Aber alles Angeben dient meiner Motivation, da müsst Ihr jetzt mit leben. 🙂

Ach, apropos Angeben: Die horizontalen Linien sind in 1kg-Schritten angebracht …

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400 Minuten

Einmal will ich nicht hinterher sein!

„Orphan Black“ ist eine Serie, die ich durch Ozie kennengelernt habe. Großartiges Mystery-Science-Fiction-Drama. Oder so in der Art. Großartig stimmt jedenfalls. Gibt es leider noch nicht auf deutsch, dementsprechend muss ich wohl meine illegalen Bezugsquellen eingestehen. Und ich schäme mich dafür nicht, so lange ich keine Chance habe, das jetzt legal zu sehen.

Aber im Ernst: Sollte das demnächst  ins Fernsehen kommen (oder solltet Ihr ähnlich kriminell sein wie ich), dann zieht Euch das rein! Ich hab die komplette erste Staffel ungelogen in den letzten 12 Stunden angesehen – ja, erraten: es waren rund 400 Minuten! Geht kaum anders, ehrlich. Und das, obwohl ich noch immer denke, zu schlecht englisch zu können, um Serien im Original zu sehen …

And don’t say the C-word. 😉

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Stell Dir vor, es ist Krieg

… und keiner überträgt in ihm Fernsehen.

Es ist schon eine sonderbare Welt, in der wir leben. Viele werden es vielleicht (wie ich auch) ein bisschen verdrängt haben, aber in der Ukraine tobt ein ernstzunehmender Aufstand, seit gestern ist die Lage dort eskaliert. Die Innenstadt von Kiew ist in Flammenrot getaucht, die Kämpfe zwischen Polizei und Demonstranten kosteten mittlerweile mehrere Leben. Dass uns das nur leidlich interessiert, ist irgendwie ja nachvollziehbar. Schließlich haben wir eigene Probleme und weltweit gibt es so viel Krieg und Ärger, da ist das nur eine Meldung von vielen.

Aber so weit weg ist das nicht. Nicht geografisch, nicht politisch. Kiew liegt näher an Berlin als Rom, nur Polen trennt Deutschland von der ehemaligen Sowjetrepublik. Und nicht nur, dass die Ukraine ein Beitrittskandidat für die EU ist – ausgerechnet daran entzündeten sich im November jene Proteste, die nun wohl einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Und auch wenn es oberflächlich eindeutig darum geht, einen ungeliebten Präsidenten loszuwerden, ist die politische Lage dort alles andere als überschaubar. Dass an den Protesten neben liberalen Bewegungen auch ultrarechte Nationalisten teilnehmen, ist wohl ein Zeichen dafür, dass das alles nicht mal so eben in einem dreiminütigen Nachrichteneinspieler erklärt werden kann. Und so bleibt vorerst ein etwas verstörender Eindruck von einer Straßenschlacht, bei der Sondereinsatzkommandos mit scharfen Waffen auf die eigene Bevölkerung zielen, Panzer, Barrikaden, und ja: eine Hauptstadt brennen und neben irgendwelchen Nazis ein u.a. in Deutschland zu Ehren gekommener Profi-Boxer zum Widerstand aufruft. Und das alles 1200 km Luftlinie von hier entfernt.

Und im deutschen Fernsehen läuft eine Karnevalssendung.

Ich verstehe, dass eine Prioritätensetzung auch im Journalismus schwierig ist. Aber während gelegentlich Brennpunkte zum Wintereinbruch (Schnee, schon im Dezember!) gesendet werden, ist das gestern ausgeblieben. Um 17 Uhr MEZ wurde die gewaltsame Räumung des  Majdan Nesaleschnosti zu 18 Uhr angekündigt, sollten die zigtausend Demonstranten nicht ihre Zelte abreißen und heimgehen. Eine angekündigte Eskalation. Bei Twitter war das nach Minuten Thema, eine Liveberichts-Timeline war schnell zusammengeklickt. Nicht mal an Bildmaterial fehlte es, mehrere Livestreams laufen teils bis jetzt (Ich hab meist den hier laufen, dazu muss man allerdings Youtube ein wenig austricksen).
Als die Räumung etwa 5 Minuten im Gange war, schaltete ich zufällig beim ZDF vorbei, wo das Thema immerhin kurz angerissen wurde. Während auf meinem Computermonitor zu sehen war, wie Barrikaden angezündet wurden, um Räumpanzer zu behindern, schaltete man auf dem Fernseher zu einer Korrespondentin in Moskau (WTF?), die sich in Allgemeinplätzen erging, wie beispielsweise, dass das Ankündigen der Räumung ja durchaus auch eine leere Drohung gewesen sein könnte und man ja nicht wissen könnte, ob da jetzt wirklich was passiert.

Das ist alles noch neu, ich weiß. Ich erinnere mich an eine Situation in der Grundschule – also irgendwann so um 1988 herum – als meine Klassenlehrerin sichtlich beeindruckt berichtete, wie ein Nachrichtensprecher irgendwelche Neuigkeiten vom anderen Ende der Welt berichtet hätte, die gerade mal ein paar Minuten alt sind. Damals ist man mit uns noch ins Kommunikationsmuseum gegangen und hat Rohrpostsysteme und Bildtelefone als Technik der Zukunft gezeigt.

Und nun saß ich gestern da und konnte nicht fassen, dass ich die Nachrichtensprecher anbrüllen wollte, dass sie doch längst räumen.

„Seht Ihr das denn nicht!? Wo seid Ihr, um vielleicht wenigstens die Kampfrede von Klitschko zu übersetzen?“

Ich weiß, es ist eine schwere Zeit für Journalisten. Alles ist hektischer und zudem verlieren sie oft genug sogar die jahrzehnte-, ja jahrhundertelang gewohnte Deutungshoheit über Ereignisse. Ich zolle wirklich jedem Respekt, der sich an dieser schweren Aufgabe versucht und ich verzeihe Fehler dabei großzügig, wenn erkennbar ist, dass sie den Umständen geschuldet sind. Aber dass ich Gebühren zahle, damit über einen eventuell ausbrechenden Bürgerkrieg zur aktuellen Stunde unweit von hier eine einsame Tickermeldung unter einer Tiersendung über Flusspferde eingeblendet wird, während ich im Netz von Freiwilligen unendlich mehr Informationen bekomme, lässt mich an meinem Verstand zweifeln.

PS: Online gab es natürlich irgendwann auch Live-Ticker. Aber dass die Tagesschau, als mutmaßlich führendes Nachrichtenmedium, selbst online nur einen unkommentierten Stream von Reuters einzubinden wusste, hat nun auch nicht viel verbessert.

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Skeptisch und emotional

Ich muss zugeben: Ich bin eine Heulsuse.

Und ich hasse dieses Wort. Wieviel Verachtung darin – nicht einmal notdürftig versteckt – liegt! Weinen ist ja etwas, das zumindest Männer (in diesem Zusammenhang eher Machos) nicht dürfen. Dabei ist es eigentlich eine unglaublich angenehme Art, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Sicher: auch ich trete ungern mit verheultem Gesicht anderen Leuten gegenüber. Weinen ist etwas höchst privates, aber deswegen alleine sollte man es nicht tabuisieren.

Ich bin kein Wissenschaftler und habe trotz regem Interesse an Psychologie auch bisher keine Fachliteratur zum Thema gelesen. Wie die meisten Menschen weine ich zu gegebenen Anlässen einfach für mich selbst, aber ich bin der festen Überzeugung, dass hinter diesem Vorgang eine furchtbar interessante Systematik der Hirnchemie steht. So furchtbar auch meist die Gründe sind, die einen zum Weinen veranlassen, so unglaublich befreiend kann diese körperliche Reaktion sein. Da mag mit reinspielen, dass die Sauerstoffaufnahme des Gehirns bei nebensächlich auftretender Hyperventilation Rauschzustände auslöst, aber schlechter wird es deswegen ja nicht.

Ich heule wirklich oft. Ich bin ein emotionaler Mensch. Und ich finde das in keinster Weise schlimm, obwohl ich mich zu einer naturwissenschaftlich fundierten, skeptischen Haltung bekenne. Gefühle sind kein bisschen weniger bedeutend für meine Lebenswirklichkeit, nur weil ich vielleicht hier und da eine rationale Erklärung für sie habe. Im Gegenteil: Das Wissen, dass mein Gehirn mittels Hormonausschüttungen so tiefgreifende Erfahrungen möglich macht, hinterlässt mich regelmäßig mit einem wohligen Schaudern. Umso mehr erscheint es mir armselig, wenn Kommentatoren mir Gefühlskälte vorwerfen, nur weil ich nicht ihrer persönlichen Wahnvorstellung eines Gottes hinterher renne.

Ich habe mehrfach bittere Tränen geweint, als ich mich vorübergehend von Ozie verabschieden musste und ebenso, als meine Mutter starb. Darüber hinaus war ich stets nah am Wasser gebaut, als mir bekannte Künstler wie beispielsweise Christoph Schlingensief verstarben. Außerdem weine ich regelmäßig beim Lesen guter Bücher.

Und warum nicht? Verdammt, was hat es wehgetan, in John Greens „Looking for Alaska“ die Grenze zwischen „before“ und „after“ zu überschreiten! Wie weh tat es, als in „Feynmans Regenbogen“ der Tod eines der großartigsten Wissenschaftlers des letzten Jahrhunderts Einzug in die Geschichte hielt! Verdammt, ich fange an zu flennen, wenn ich an die beiden Bücher denke, ganz ehrlich.

Und? Bin ich deswegen ein schlechterer Mensch?

Um ehrlich zu sein: Ich finde es eigentlich schön, dass unser Weinen mehr noch als unser Sexualleben bislang die Öffentlichkeit scheut. Es ist schön, dass das noch so privat ist, wie es vielleicht andere Teile unserer Persönlichkeit auch sein sollten. Aber ich halte es für einen Fehler, diese an sich so wertvolle und wichtige Umgehensweise mit schwierigen Themenfeldern zu tabuisieren oder totzuschweigen.

Just my two cents. And some tears of course.

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Montag früh

Hätte ich nicht die denkbar beklopptesten Arbeitszeiten und zudem mehr Freizeit als einem gut tut, hätte ich das nicht gemacht: Handwerker auf Montag, 7 Uhr morgens, bestellt. Aber ja: Es war eine sinnvolle Wahl. Während ich Montags um 7 Uhr wenigstens wach bin, trifft das auf viele andere Zeiten von normalen Handwerkern nicht zu. Zudem wurde mir versichert:

„Es ist der erste Termin des Tages, da sind die auch pünktlich!“

Sollte man bei Handwerkern ja nicht unterschätzen. 😉

Und nun: Wie immer hat alles mustergültig geklappt. Ziel der ganzen Aktion war, nach Monaten der Prokrastination mal wieder Licht in mein Zimmer zu bringen. Also nicht irgendwelches, sondern richtiges. Ich habe bei uns in der Wohnung ja das einzige Zimmer, in dem zwei Lampen Malerfassungen an der Decke hängen. Und eine davon tat nicht. Und das war einem defekten Relais geschuldet, etwas das wir schon mal im Flur hatten. Kein großes Ding, aber eben nix, was ich mit meinem bescheidenen Halbwissen mir jemals zu reparieren zugetraut hätte.

Der Handwerker selbst war jenseits seiner Arbeit jedoch ein Original sondersgleichen. Als er mit vernehmbarem „Uff!“ die Wohnung betrat und unsere lustigen Warnhinweise neben der Tür argwöhnisch beäugte, dachte ich schon, mir ein Arschloch oberster Güte ins Haus gelassen zu haben. Aber, ganz ehrlich: Dem war nicht so. Die knappe halbe Stunde, die er brauchte, um das Problem mit aller Vor- und Nacharbeit zu beheben, haben wir uns meist unterhalten.  Angefangen mit der für Arbeiten nicht gerade praktisch angelegten Luke für den Sicherungskasten waren wir bald bei den Arbeitsbedingungen. Wie eigentlich erwartet sind die nicht das Gelbe vom Ei. Die Aufträge werden immer langweiliger, es wird im Gegenzug immer mehr Eile gefordert, alles nicht so dolle.
Und so hat mich gefreut, von ihm zu hören, dass er sich andersweitig umsieht.

Ich weiß, es ist komisch, sich über einen meckernden Elektriker zu freuen. Aber er hat nicht über mich gemeckert oder darüber, dass er jetzt bei mir irgendeinen Scheiß zu erledigen hat, sondern darüber, wie die Bedingungen für ihn sind. Und er sucht nach anderen Jobs, die ihm mehr Spaß machen – obwohl er näher an der Rente ist als ich an meinem Eintritt ins Berufsleben.

Ich mag das, weil ich finde, dass sich viel zu viele Menschen unterkriegen lassen und eine Arbeit machen, die sie nicht wollen, die sie nicht fordert, interessiert oder befriedigt. Es ist in meinen Augen einfach schön, wenn selbst bodenständige Leute wie Elektriker, die überwiegend für eine große Wohnungsbaugenossenschaft arbeiten, versuchen auszubrechen. Was würde ich mir wünschen, mehr Menschen würden das tun oder hätten zumindest die Chance dazu.

Blumentopf rappten dereinst sehr passend in ihrem wunderbaren Song „Neben dem Ton“:

„Zu viele lachen mich an, aber sie weinen im Stillen,
weil sie nur für ’ne Arbeit leben, mit der sie sich eigentlich killen.“

So gesehen hat mich der morgendliche Besuch dann doch irgendwie gefreut. Und um die Lyrik über vergeigte Wochenanfänge nicht ganz aussterben zu lassen, sei hier auch noch unser letzter Wortwechsel wiedergegeben:

„Na dann trotz allem noch einen schönen Arbeitstag!“
„Ach, Montach is‘ immer scheiße, die restlichen Tage jeh’n.“

Na dann.

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Vorbei!

Zahnarzt: Done.

Zugegeben: Es besteht die Option, künftig noch einen Ersatz für fehlende Backenzähne zu basteln, aber vorerst ist das nötigste getan. Seit gestern hab ich meinen Zahnersatz in der einstmals prominenten Lücke sitzen und kann nun nicht nur zubeißen, sondern auch wieder halbwegs lächeln.

Um ehrlich zu sein: Sonderlich schön sind meine Zähne deswegen nicht, das jahrelange Rauchen hinterlässt halt auch so Spuren, aber wie die meisten wissen, hält sich meine Eitelkeit in Grenzen. Insofern bin ich absolut zufrieden mit dem Ergebnis, denn auch wenn ich gerade wieder ein wenig am Abnehmen bin, vermute ich, dass ich in diesem Leben ohnehin keine Ambitionen mehr entwickeln werde, eine Modelkarriere anzustreben.

Auch wenn es hier und da nur Kleinigkeiten wie irgendwelche Zähnchen sind: Ich kann mich über mein Leben gerade kein bisschen beschweren.

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