Na sieh mal einer an, wer seinen zweiten Hochzeitstag nicht vergessen hat!
(OK, der war gelogen. Ich hab den Text vor einer Woche geschrieben.)
Na sieh mal einer an, wer seinen zweiten Hochzeitstag nicht vergessen hat!
(OK, der war gelogen. Ich hab den Text vor einer Woche geschrieben.)
Filed under Haushalt
Ich war gestern seit langer langer Zeit mal wieder im Kino und hab mir „Gravity“ angesehen. Der Film war mitnichten ein Zufall. Zum einen geisterte er mit einer Penetranz durch meine Filterbubble, dass ich unbedingt wissen musste, worüber sich alle das Maul zerreissen, zum anderen gab es auch keinen Aspekt an ihm, der mich nicht interessierte:
Und nun? Wie war’s?
Schön! Das muss gleich vorweg gesagt werden. Ich tanze da nicht so auf dem Vulkan wie Eugen Reichl, der minutiös die wissenschaftlichen Fehler des Films ausbreitet, bevor er sagt, dass er trotzdem toll ist. Obwohl ich diese Rezension absolut genial finde!
Nein, der Film war schön und obwohl ich kein überzeugter Kinogänger bin, muss ich auch sagen, dass dieser Film definitiv einer ist, der mit jedem Quadratmeter Leinwand gewinnt, weil er wahnsinnig viel auf Bilder setzt. Dass allerdings macht ihn sicher für ein breites Publikum schwierig. Denn das eingangs erwähnte innovative Konzept besteht bei Gravity vor allem daraus, einen durchaus im Action-Genre wildernden Film zu kombinieren mit endlosen emotional aufgeladenen, langatmig daherkommenden Bildern und sich zudem ganz auf 2 Schauspieler und eine streng lineare Handlung ohne großes Bohei zu beschränken. Es ist wirklich wahr: George Clooney und Sandra Bullock sind die einzigen Menschen, die in dem Film jemals ihr Gesicht bewegen müssen, nur zu Beginn sieht man ein Crewmitglied von hinten, bei allen weiteren Einstellungen gibt es allenfalls noch Leichen von anderen Menschen zu sehen.
Die Story ist schnell erzählt (Spoileralarm): Altgedienter Astronauten-Hase und unerfahrene Wissenschaftlerin reparieren gemeinsam das Hubble-Teleskop. Eine Trümmerwolke aus versehentlich zerstörten Satelliten trifft die Crew völlig unvorbereitet und lässt o.g. Hauptfiguren alleine mit einem defekten Shuttle im All zurück, die Kommunikation ist ebenso ausgefallen. Mittels JetPak schaffen sie es zur ISS, die jedoch ebenfalls zerstört ist. Die eigentlich von den beiden zur Rückkehr vorgesehenen Sojus-Kapsel ist bereits beschädigt und würde eine Landung nicht überstehen. Zu allem Unglück muss sich an dieser Stelle George Clooney auch noch melancholisch dreinblickend opfern, damit seine Kollegin es schafft. Mit einigem Hin und Her schafft sie es, mit der Sojus von der ISS zu einer chinesischen Raumstation zu gelangen, die allerdings ebenfalls kaputt und im Absturz begriffen ist. In deren Rettungskapsel gelingt dann die Landung auf der Erde.
Und ob man es glaubt oder nicht: Ja, das lässt sich spannend filmisch umsetzen.
Neben all der Action, die die in je 90 Minuten wiederkehrende Trümmerwolke bei der Flucht zurück auf die Erde verursacht, ist der Film vor allem ein Kammerspiel mit Sandra Bullock, deren Rolle in lebensfeindlicher Umgebung ihren Lebenswillen wieder entdecken muss. An der Stelle muss ich allerdings ein kleines Minus vergeben. Denn obwohl am Schauspiel eigentlich nichts auszusetzen ist: Für eine derart filmbestimmende Hauptrolle war die Figur doch recht oberflächlich und platt angelegt. Es hätte dem Film gut gestanden, dort noch ein wenig mehr in die Tiefe zu gehen. Raum dafür war in mehrfacher Hinsicht.
Aber ich bin nicht mehr 16, mir wird vom Film nicht nur die Hauptdarstellerin im Gedächtnis bleiben. 😉
Auch wenn just die Hauptgeschichte (das dichte Trümmerfeld, die seltsam nahe beieinander liegenden Weltraumeinrichtungen) es ad absurdum führt, vermittelt der Film doch sehr überzeugend, was für ein unglaubliches Abenteuer der Weltraum noch heute ist, und welche Weite schon nicht einmal 1000 Kilometer über der Erdoberfläche herrscht. Neben der wahnsinnig subtilen Komik in einigen Situationen, die sich überraschend gut einpasst in das völlig unkomische Gesamtkonzept, hat mich vor allem auch die Umsetzung der Action fasziniert. Als die ISS durch die Trümmerwolke in ihre Bestandteile zerlegt wird, stand mir vermutlich das erste mal seit der legendären Eingangshallen-Schießerei in „Matrix“ der Mund offen. Das war so ein „BÄM! DAS ist Kunst! Nimm dies, van Gogh!“-Moment.
Darüber hinaus sei noch erwähnt, dass der Film abgesehen von den paar dramaturgisch notwendigen Kniffen tatsächlich verdammt nah an einer potenziell möglichen Realität arbeitet. Wer sich nicht zu gut mit ein paar grundliegenden Details auskennt, sollte den Film vielleicht sehen, bevor er die oben verlinkte Rezension liest. Allen anderen, die sich für den Film überhaupt inhaltlich und konzeptmäßig interessieren, wird es nicht einmal extrem wehtun, wenn sie den Ausgang des Ganzen kennen. Den kannte man bei „Apollo 13“ schließlich auch …
Im Ernst: Für mich war es ein toller Film und ich würde ihn weiterempfehlen. Aber ganz ehrlich – wirklich nur fürs Kino!
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So, nun ist es soweit. Vom zufälligen Ankerpunkt meiner Geburt aus ist der Planet nun ein weiteres Mal um sein Zentralgestirn gekreist und wieder einmal haben wir bezüglich dieses an sich unerhörten Verhaltens zu selten „Huuiiiiii!“ gesagt. Aber sei es drum. Es ist zumindest in unserem Kulturkreis Brauch, dass ich mir heute einen Gechillten machen kann und mich beschenken lassen, was ich an und für sich immer für eine gute Idee halte.
Zunächst sei natürlich nochmal allen gedankt, die mir irgendwas geschenkt haben. Meine kindische Freude darüber ist beispiellos und ihr dürft Euch dazu in eurem Kopfkino wunderlichste Szenen reinziehen. Es ist toll, Euch zu haben!
Hier zu Hause geht es an meinem Geburtstag eigentlich fast gesittet zu. Jetzt, wo ich das schreibe, hab ich mir zwar das ungefähr zweite Bier zu viel aufgemacht, an die Ausmaße einer Firmenfeier oder eines Twittertreffens wird’s aber nicht ranreichen heute. Später stehen die Zeichen auf Kino, die erste Amtshandlung war allerdings die selbe wie vor nunmehr 3 Jahren:
In der Küche einen Käsekuchen entgegennehmen:
Ich möchte an dieser Stelle besonders auf das Flens im Hintergrund hinweisen. Das ist mitnichten eine Flasche Bier, sondern Schokolade! Einer unserer Süßigkeitenläden im Eastgate hat die Teile und als ich das gesehen hab, hab ich gleich meinen Geburtstagswunsch geäußert. Ich meine: Wie geil ist das denn? 😀
Gut, meine Bewertung des Ganzen liegt vielleicht auch an ein paar äußerst ausgewählten Erlebnissen, die ich im Zusammenhang mit Flens hatte.
Was ich aber eigentlich und völlig ernst sagen wollte: Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag! Ich werde einen haben, ich werde ihn mir notfalls schön machen. Und zumindest die Möglichkeit dazu wünsche ich Euch allen auch.
Mal eine Uralt-Anekdote, die in Worte zu fassen mir schon lange am Herzen liegt.
Wer mein wunderbares eBook (Ich bin nicht parteiisch, ich nehme die Amazon-Rezensionen als Grundlage für diese Behauptung!) gelesen hat, der weiß ja zumindest einmal über meine Abiprüfung in Mathe Bescheid. Das ist für mich alles andere als glorreich verlaufen und abgesehen von meiner ins Arrogante rüberdriftenden Coolness bin ich auch nicht stolz darauf gewesen. Aber ja, ich war damals mit Mathematik mehr am Ende als mit dem Latein, das ich nie als Schulfach hatte.
Eine einzige denkwürdige Woche ungefähr gab es aber in der Oberstufe, in der ich der King of Mathe war – und das kam so:
Im zweiten Mathe-Halbjahr der zwölften Klasse gab es eigentlich nichts mehr zu gewinnen für mich. Ich lag alleine beim Wissen gute zwei bis drei Jahre zurück, die mangelnde Motivation tat ihr übriges. Ich hatte es weitgehend aufgegeben. Meine schulische Leistung bestand damals im Wesentlichen daraus, dieses eine Fach immer irgendwie mit anderen auszugleichen. Es war diese leicht unterkühlte Form von Pragmatismus, die ich heute noch ganz gut kann. Zu meinem Unwissen im fachlichen Bereich gesellte sich aber mit dem Erwachsenwerden ein einsetzendes Verständnis für psychologische und systemische Rahmenbedingungen.
Und in erster Linie betraf das meinen Lehrer. Da ich nicht der einzige war, der ihn für unfähig hielt, war er es wohl. Da er, sollte er unfähig sein, kein Interesse daran haben konnte, dass das jemand merkt, würde er es vertuschen. Da ich niemals im Zeugnis 0 Punkte von ihm bekommen hatte, obwohl ich mich geradezu bemühte, war an der Theorie wohl was dran. Wahrscheinlich stimmte das wirklich. Die zwei Klausuren pro Halbjahr gab ich stets mit 0 Punkten ab, die schriftliche Note zählte 80%. Rechnerisch konnte ich damit nur auf 3 Punkte* kommen, selbst wenn ich mündlich 15 Punkte, eine 1+, gehabt hätte. Dass ich stets einen Punkt bekam, war dennoch eher ein Ding der Unmöglichkeit, da sich meine mündliche Leistung lediglich darauf erstreckte, die Hälfte der Stunden zu fehlen und während des Restes der Zeit Briefe zu schreiben.
Dann war es wieder so weit: Klausur! Ui!
An Klausuren nahm ich regelmäßig teil. Mehr noch: Ich bemühte mich diese zwei Stunden redlich und eigentlich hab ich fast all mein Mathewissen aus dieser Zeit, in der ich einfach freihand Lösungen für die Aufgaben suchte. Und dieses Mal gelang mir das überraschend gut. Klar, einen Großteil der Arbeit habe ich nicht einmal verstanden. Aber bei einer Aufgabe hab ich kurz hin und her überlegt, recht wahllos ein paar Zahlen in die Gleichung eingesetzt und ich schien ein brauchbares Ergebnis zu haben: -1 / 0,5 / 1 – das waren die Lösungen! Scheiß auf den Rechenweg, Hälfte der Punktzahl FTW!
Natürlich ging das nicht. Kaum draußen auf dem Flur ergab mein Smalltalk mit den Klassenkameraden, dass 2 / 14 / 7 und 0,75 richtig waren – oder dass sie trotz dreiseitiger Rechnung auf gar kein Ergebnis gekommen waren. So denn: Alles wie immer.
Eine Woche später stand dann unser Aushilfs-Einstein sichtlich gerührt vor der Klasse und fing plötzlich pathetisch an zu faseln, wie sehr es ihn freuen würde, dass dieses Mal – was ein Wahnsinn! – eine völlige Ausnahmesituation eingetreten wäre und er eine sehr gute Klausur vergeben könne an jemanden, der sonst nicht so sonderlich durch Durchblick auffallen würde. Ich kürze an dieser Stelle den vorhersehbaren Spannungsbogen ab: Er meinte wirklich mich. Er hob meine Leistungen bei oben erwähnter Aufgabe 3 in höchsten Tönen hervor, was offenbar tatsächlich begründet war. Ich hatte ganz ohne Witz mit meiner dilettantischen Herangehensweise die richtigen Lösungen gefunden. Noch dazu als einer von nur einer Handvoll Leuten. Einen Beweis in Form eines Lösungswegs war ich aber wie erwähnt schuldig geblieben. Deswegen gab es dafür nur die halbe Punktzahl. Wogegen ich rein aus Prinzip gleich mal protestiert habe.
Als er mir die Klausur aber überreichte, wäre mir wirklich fast schwindelig geworden: 12 Punkte! Zweistellig! Eins komma! Hätte ich die sechs Verrechnungspunkte bei Aufgabe 3 bekommen, wäre da nun ein Blatt mit einer glatten 1 vor mir gelegen. Das hatte ich seit der Grundschule nicht mehr. WTF?
Um es kurz zu machen: Das war natürlich alles Bullshit. Also ja, ich hab die 12 Punkte in der Klausur gekriegt, im Halbjahr dementsprechend 6 Punkte. Das ist somit in mein Abi eingeflossen und noch heute überprüfbar. Auch waren die Ergebnisse der dritten Aufgabe dieser Klausur wohl richtig. Da hatte ich wohl einen cleveren Einfall, wie ich das eigentlich komplexe Problem unbedarft übergehen konnte, wahrscheinlich eine Lösung, die zufällig in diesem einen Spezialfall funktioniert hat, während alle anderen sich beim schwierigen Standardprozedere aufgehangen haben.
Das wirklich abenteuerliche an jener Klausur aber war Aufgabe Nummer 5, bestehend aus fünf Teilaufgaben. Ich hatte bei selbiger nicht den Hauch einer Ahnung, nicht den Ansatz einer Problemlösung, nicht das Mindestmaß an Anstand, es wenigstens zu versuchen. Artig hab ich „gegeben“ und „gesucht“ hingeschrieben, darüber hinaus hatte ich nichts. Diese fünf Aufgaben brachten 30 von 60 Verrechnungspunkten, nach meinem mathematischen Verständnis also immerhin fast die Hälfte …
Und ich hatte bei allen die volle Punktzahl. Bei allen!
Ich hatte geschrieben:
geg: y = 4
ges: x
Mein Lehrer notierte daneben:
6 / 6
Das war das Geheimnis meines überbordenden Genies: Völlige geistige Umnachtung des Lehrkörpers. Was mich nur in jenem Einzelfall, weniger in der großen Gesamtheit überrascht hat. Im Gegensatz zu obigem Ablauf der Ereignisse weiß ich nicht mehr genau, wie das danach lief. Ehrlich! Ich glaube, ich habe es ihm sogar gesagt, aber das will ich nicht leichtfertig behaupten. Ein Lob geht raus an all die Klassenkameraden, die das wussten und es nicht genutzt haben, um eine Wiederholung der Klausur zu fordern oder dergleichen mehr. Ich war einer von wahrscheinlich tausenden – oder Millionen gar – die mal ungerecht benotet wurden. Dumm gelaufen, in dem Fall aber wenigstens positiv für mich.
Ebenso bin ich inzwischen nachsichtiger mit meinem Lehrer. Er hat es nur bedingt verdient, denn er war ein beschissener Lehrer. Von Pädagogik hatte er so viel Ahnung wie Hitler – um nur mal das naheliegendste Beispiel zu verwenden. Darüber hinaus war er aber ein zwar verschrobener, aber nicht einmal unsympathischer Mensch. Ich vermute, er hatte ein beschisseneres Leben als viele seiner ach so schlechten Schüler und außerdem hat ihm damals wirklich niemand gesagt, dass er es nicht konnte. Die Schüler nahm er – das war sicher eine Generationenfrage – als Kritiker nicht ernst, aber genauso handhabte es der Rest. Über ihn wurde immer gejammert, es wurde sich beschwert, es gingen Gerüchte um und was weiß ich. Es hat sich nicht einmal jemand anschauen wollen, was für einen Bockmist der Kerl verzapft hat, da ja kaum einer wegen ihm durchfiel (der eine Gnadenpunkt) und es in Mathe natürlich auch immer die Schüler gab, die es trotz ihm geschafft haben, weil sie es verstanden haben.
Der Mann war ein einsamer Kämpfer, dessen ganz offensichtlich einzige Freude die Mathematik war. Nur hat er die halt nie teilen können, weil wir Schüler einfach ein paar Level unter ihm waren und er das nie verstanden hat. Eine gute Rolle für einen französischen Kunstfilm vielleicht.
Ich bin ihm nicht böse, obwohl ich gerne mehr Mathe-Grundwissen hätte. Aber ich war ja wenigstens auch diese eine Woche lang mal der Held in seinem Fach. Insofern passt das schon. 🙂
–––
Abschließend aber noch der Versuch, es wenigstens pädagogisch besser zu machen als er:
Sollte das irgendwer lesen, der gerade Mathe lernen muss: Dann mach das! Mathe ist nicht wirklich scheiße, sondern eine faszinierende Sprache, um viele Grundsätze dieser Welt zu begreifen. Es ist nicht „cool“, in Mathe schlecht zu sein! Ich bin nur ein komischer Ausnahmefall, der trozdem zufrieden ist. Einen Scan meiner Gehaltsabrechnung lege ich als Abschreckung gerne bei. 😉
*Hab hier einen wunderbar passenden Rechenfehler korrigiert. Nur falls sich jemand über die Kommentare wundert.
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Hab gerade zufällig bei Wikipedia gesehen, dass heute eine Sonnenfinsternis stattfindet. Eine hybride, somit aber immerhin an manchen Orten totale. Und da musste ich mich spontan an DIE Finsternis hierzulande erinnern. Die heutige werden wir hier nicht einmal partiell mitbekommen. Der Kernschatten trifft lediglich afrikanische Länder, Europa hat selbst beim Teilschatten fast komplett die Arschkarte gezogen.
Bei mir ist es aber irgendwie jedes Mal noch so, dass ich mir denke: „Fuck, verpasst!“
Als Kind war ich ja nochmal astronomiebegeisterter als heute und hab tatsächlich auf oben erwähnte Finsternis am 11. August 1999 gewartet. So rund ein Jahrzehnt lang. Da war ich dann zwar (fast) erwachsen, aber vielleicht erinnern sich ja ein paar wie ich Ältere daran, was das für ein Hype damals war. Und das ja nicht zu Unrecht, wenn man ehrlich ist.
Sicher, die physikalischen Grundlagen einer Sonnenfinsternis sind jetzt nicht sooo beeindruckend, aber es ist eben recht selten und ganz sicher ein Naturschauspiel, dass man mal erlebt haben sollte.
Ich hatte es bequem damals, denn Stuttgart lag mitten im Kernschatten, eine Reise hatte ich also nicht anzutreten. Wobei ich das getan hätte. Da war ich in meinem Alter vielleicht eine Ausnahme, aber einen an der Klatsche hatte ich ja schon immer. Ich erinnere mich beispielsweise auch sehr genau an die Sonnenfinsternis in Mexico 1991. Gut, das ist nun wirklich eine etwas seltsame Story, denn damals war ich mit meinen Eltern im Urlaub und hatte an diesem Tag einen wirklich mörderischen Sonnenbrand vom Strand – und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, hab ich zudem die Röteln bekommen. Im Urlaub, krank und bewegungsunfähig auf dem Sofa liegend, prägt sich offenbar auch das Fernsehprogramm ein …
Aber eigentlich waren wir beim 11. August 1999. Wer von Euch hat sie gesehen?
Ich bin tatsächlich mit ein paar Freunden ein wenig aus der Stadt rausgefahren. In einen Garten am Arsch der Welt – aber eben im Kernschatten. Das Wetter war durchwachsen und es gab etliche Leute, die ziemliches Pech hatten damals. Wir hatten die vielleicht bekloppteste Mischung aus Glück und Pech. Denn auch bei uns war es bewölkt. Aber nur das absolut genial genau richtige Bisschen. Die langsam vom Mond verdeckte Sonne verschwand tatsächlich hinter Wolken, allerdings hinter so dünnen, dass wir einen guten Teil der Finsternis sehen konnten – teilweise ohne Schutzbrille durch die Wolken hindurch. Die Wahrscheinlichkeit für sowas ist wahrscheinlich noch nicht einmal wissenschaftlich erforscht. 🙂
Ich hoffe, die Leute in Afrika können die Finsternis heute ähnlich gut genießen. Es ist einfach was Schönes und definitiv ein guter Anlass, mal wieder seinen Blick auf die Größenverhältnisse des Universums zu kalibrieren.
Und allen Astronomen wünsche ich ebenfalls gute Beobachtungsbedingungen und vielleicht ja neue Erkenntnisse!
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Sehr häufig:
Menschen sprechen mich auf der Straße an.
Gelegentlich:
Menschen sprechen mich auf der Straße auf meine Schuhgröße an.
Jetzt erstmals aufgetreten:
Menschen sprechen mich auf der Straße auf meine Schuhgröße an und haben selbst größere Füße als ich.
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Vorwort:
Manche werden das hier sicher missverstehen. Als ob ich mir auf meine soziale Ader einen runterholen würde oder dergleichen. So ein Bockmist! Dafür hab ich immer noch Pornos en masse!
Blogeintrag:
Ich bin gerade einkaufen gegangen. Wie ungefähr zweimal täglich. Der Laden liegt direkt vor meiner Haustüre, eine genauere Planung, einen Wocheneinkauf oder etwas derartiges brauche ich nicht. Ich bin sowieso immer da.
Heute war da ein neues Gesicht. Vor dem Laden. Die innen kenne ich alle schon. Die Festangestellten, die Zeitarbeiter, die Securities. Mein Block, mein Block – hier macht mir keiner was vor!
Vor dem Laden stand nun eine Verkäuferin eines Obdachlosenmagazins. Nicht die erste, das hatten wir schon öfter hier. Ist ja nicht so, dass die Armut in den Randbezirken weniger werden würde. Sicher, die Mieten sind niedrigen – aber sonst?
Ich lese die Zeitungen – ob nun Motz oder Straßenfeger – tatsächlich immer mal wieder. Im Gegensatz zu meiner alltäglichen Quelle – dem Internet – sind sie natürlich mies. Andererseits hab ich auch schon „Qualitätsjournalismus“ mit erheblich niedrigerer Latte wahrgenommen. Aber egal. Heute hatte ich frei, ich wollte nur …
Ja, verdammte Kacke! Ich wollte mir eigentlich nur einen halben Kasten Bier holen. Inzwischen wieder gesund, nach einer Woche voll interessanter Arbeit, mit guter Laune und der Vorfreude auf ein einfach lockeres Wochenende. Und währenddessen bin ich einfach so beschwingt an einer jungen Frau vorbeigegangen, die wahrscheinlich nichts davon in näherer Zukunft haben wird. Während ihre „Arbeit“ darin besteht, mich anzugrinsen – auch wenn ich ihr noch so unsympathisch bin … verlinke ich hier – zack! Schon wieder! – meine Wunschliste auf Amazon und irgendwer von Euch hat Mitleid und bestellt mir irgendein Luxusgut.
Ich finde das ok, ich bin statistisch gesehen immer noch arm und ich versuche Euch dennoch zu unterhalten. Ein schlechtes Gewissen hab ich nicht unbedingt. Auf der anderen Seite bin ich so weit weg von der jungen Frau gewesen, dass ich es nicht mit mir – und o.g. Gewissen – vereinbaren konnte, mit meinem Proll-Einkauf einfach so von dannen zu ziehen.
Scheiße, vielleicht komme ich in „finanzielle Schwierigkeiten“ am Ende des Monats. Ich weiß es noch nicht, aber es sieht dank meiner Krankheit verdammt danach aus. Aber meine „Schwierigkeiten“ sind ein Scheiß! Ich werde nicht aus meiner Wohnung fliegen, nicht meinen Job verlieren, auch nicht meine Frau oder sonst einen relevanten Teil meines Lebens. Auch wenn es auf dem Papier mal wieder aussieht, als sei ich der nächste Amokläufer, der nichts zu verlieren hat.
Mir geht es doch eigentlich gut!
Also hab ich meinen halben Kasten Bier bezahlt. Und eine Tüte Chips noch dazu. Chips! Überlegt Euch mal, wie scheiße priviligiert man sein muss, um sich Chips zu kaufen! Lebensmittel, die einen längerfristig umbringen, aber an dem Abend einfach mal lustig den Magen voll machen …
Als ich rausgegangen bin, stand die Frau noch immer da und hat ihr Magazin feilgeboten. Wohlwissend, dass in Marzahn kaum jemand sich dafür interessiert, dass irgendwer anders noch ärmer ist als man selbst.
Ich bin zu ihr hingegangen, hab ihr konspirativ einen Zehner in die Hand gedrückt und gesagt, dass ich trotz alledem die Zeitung nicht brauchen würde.
Ein Zehner ist scheiße viel Geld in meinem Universum. Ich arbeite dafür locker eine bis drei Stunden. Je nachdem, was ich gerade mache. Oder, um es ehrlich zu sagen: Ja, diese Spende hat mir wehgetan! Das Geld wird mir irgendwo fehlen, ich werde mir vielleicht irgendwann irgendwas nicht kaufen können deswegen. Ich hatte das nicht übrig, ganz ehrlich!
Aber ich habe es einer jungen Frau gegeben, für die diese zehn Euro vermutlich noch viel mehr waren. Ja, sicher: Ich hab sie damit nicht gerettet oder sonst irgendwas essentielles finanziert. Vielleicht habe ich nur ihren Arbeitstag um eine halbe Stunde verkürzt, vielleicht „nur“ ihren Umsatz um 10% erhöht. Vielleicht hab ich sogar einen völlig unbedeutenden Beitrag zu gar nichts geleistet. Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht und ich kann nur hoffen, dass es was gebracht hat.
Aber was wäre ich für ein Arschloch, würde ich Menschen vorschreiben wollen, was sie mit geschenktem Geld tun sollen!
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