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Eine kurze Rückkehr

So, nach der langen Zeit erst einmal ein kleiner Reisebericht meinerseits. Ich bin für drei schnelllebige Tage in meine alte Heimat – das Schwabenland – eingefallen, und es war schön. Auf drei Tage war das Ganze begrenzt, weil mir sowohl die Zeit zum Lernen als auch das Geld für den Urlaub so oder so nicht reichen – da muss man das ja nicht auch noch in die Länge ziehen…
Anlass für meinen Besuch war ein Freizeit-Vortreffen. Darunter verstehen die meisten wahrscheinlich eher das Bier in der letzten Pause vor dem Feierabend, ich meine damit aber… naja, bevor Feierabend war, haben wir auch schon Bier getrunken, ich geb’s ja zu!
Aber eigentlich geht es dabei um Planung. Planung, wie man knappe zwei Wochen mit einem Haufen Kinder klarkommt, verhindert, dass es Tote gibt, und das Ganze dann auch noch allen Beteiligten Spaß macht.
Im Gegensatz zu dem, was ich von der einen Freizeit (die ich immerhin viermal begleitet habe) kenne, war dieses Vortreffen – ja, wird wohl sogar die Freizeit selbst! – Kinderfasching! Also viel geplant werden muss wohl gar nicht, ich sehe allerdings seltsamerweise, dass ich der einzige bin, der gerade keine Aufgabe zu erledigen hat. Ähm… das war sooo auch nicht gedacht.
Aber ok, bleiben wir mal bei meiner Reise. Der Zug, der mich nach Stuttgart brachte, schaffte es auf eine knappe Stunde Verspätung, was insbesondere den Gewittern am Vorabend geschuldet war. So wurde die komplette Ladung verlorener Reisender eines anderen Zuges nach Frankfurt in just diesem Zug untergebracht, und im Unklaren darüber gelassen, ob sie ihre Flüge noch kriegen würden. Dennoch eine fast gespenstisch ruhige Atmosphäre.
In Stuttgart hatte ich dann zwar eigentlich nur wenig Zeit – ich musste ja weiter nach Backnang – aber eine Zigarette konnte ich mir nach inzwischen sechseinhalb Stunden ungeschütztem Kontakt mit Nichtrauchern auch nicht verkneifen.
Dazu habe ich den mir so vertrauten Bonatz-Bau verlassen, bin auf die Straße gewatschelt und hab mich umgesehen: „Hmm, alles wie immer, mehr Cops als in Berlin… Etwas arg viel mehr Cops!“ So grob kenne ich ja meine Pappenheimer, also bin ich mal um die Ecke geschlurft und hab tatsächlich eine kleine Demo vorgefunden. Ein paar Türken haben für das Aufenthaltsrecht eines Menschen demonstriert. Ich hab mich also mal unauffällig umgesehen, ob ich nicht vielleicht doch irgendwo ein bekanntes Gesicht finde.
Das Ergebnis war erschreckend. Nicht nur, dass ich keine Bekannte oder Freunde gefunden habe. Das Schlimmste daran war, dass damit das erste mir bekannte Gesicht, das ich sehe, als ich nach über einem halben Jahr endlich mal wieder in meiner Heimatstadt war, die eines sadistischen Bullen der Stuttgarter Reiterstaffel war, bei dem ich noch heute vor lauter Hass versucht bin, dagegen anzukämpfen ihn vom Pferd zu ziehen und zu verkloppen.
Nehmt mir den Hass bitte nicht übel, was der Typ vor meinen Augen schon alles angestellt hat, ist unbeschreiblich!
Naja, wegen diesem ganzen Schmonz (nein, ich habe es nicht durchgezogen!) ist mir dann meine S-Bahn quasi vor der Nase raus, was eine halbe Stunde Zeit, und damit genug für die ein oder andere Kippe, bedeutete.
Ich informierte meine Mitteamer, dass ich also trotz großzügiger Planung letzten Endes doch zu spät kommen werde, aber ich wurde nicht einmal letzter. Ich hab mich wahnsinnig gefreut, Ellen, Chris und Matze wiederzusehen, und nach recht kurzer – nennen wir es „Einarbeitungsphase“ – auf der sonnigen Dachterrasse von Chris WG war mir klar, dass das ein super Team werden wird.
Durch die schnelle Planung beendeten wir das Vortreffen noch am selben Abend, statt wie geplant am nächsten Mittag, und ich nutzte die Gelegenheit, mich sofort nach Stuttgart aufzumachen. Mein Bruder musste noch bis nach 23 Uhr arbeiten, also habe ich beschlossen, wir treffen uns bei Tula. Wie sollte ich auch einen Besuch in Stuttgart ohne meine Stammkneipe überstehen?
Dort hab ich mich dann ein bisschen mit Mulu unterhalten, um mal die Neuigkeiten bei meinem alten Arbeitgeber in Erfahrung zu bringen, was ich mir alles besser hätte ersparen sollen, dann würde meine positive Erinnerung nicht so bröckeln…
Mein Bruder kam, sah und so tranken wir zwei oder drei Bier. Dann kam der spontane Auftritt unseres Stiefbruders, dessen Freundin ein wenig unglücklich darüber zu sein schien, dass sie nach einem Umzug noch in eine Spelunke geschleppt wurde, in der zwei seltsame, leicht angetrunkene Menschen ihren Freund mit alten Familiengeschichten auf Trab hielten…
Es wurde reichlich spät, und so waren wir gezwungen, ein Taxi zu nehmen, was zwar kohlemäßig nie so der Hammer ist, was mich aber gerade immer wieder ein bisschen interessiert. Unser Fahrer war ein wirklich netter, man kann sagen, dass er geradezu vorbildlich war. So wie ich auch vorhabe, (als Fahrer) zu werden.
Ich und der andere jung gebliebene Teil der Familie sind sofort in einen komatösen Schlaf gefalllen. OK, zugegeben: Ich! Mein Bruder hat das Schnarchen nicht so leicht verdauen können. Dann kam der Sonntag.
Sonntage sind ja diese Tage, an denen man so wenig machen kann, weil ein Großteil der Bevölkerung unseres Landes versucht, den gleichen Rhytmuas zu haben, und die Pause immer Sonntags ist. Ich hab mich auch erst gewundert, aber die Menschen sind echt so komisch.
Naja, so uninteressant begann dann der Sonntag auch. Wir haben uns an ein zwei Computerspielen versucht und zwischendurch über Achmed gelacht.

„Silence!!!“ – Der Soundtrack dieses Wochenendes!

Dann hab ich meinen Vater mal wieder mit einem Besuch beehrt. Dieses Mal, ohne Geld von ihm zu wollen – wenngleich ich es bitter nötig hätte…
Wir hatten ein nettes, stundenlanges Gespräch, haben hierüber und darüber geredet und zu guter Letzt wäre ich fast zu spät zu meinem Bruder zurückgekehrt, um mit ihm wieder gen Gablenberg zu verschwinden.
Im Bus bereits haben wir den Obergnarfzocker getroffen, und ab da wurde der Abend sowas von nett, gechillt, alkoholreich und witzig. Nach einem halben Jahr Abstinenz war der Ausbruch an bescheuerten Sprüchen kaum zu kontrollieren. Nebenbei haben wir ein bisschen Dart gespielt, und wenn ich mich richtig erinnere, hab ich jedes einzelne Spiel gewonnen. Beim letzten bin ich mir nicht mehr ganz sicher 😉
Natürlich ist es das ein oder andere Mal sentimental geworden im Laufe dieser langen Sitzung, aber ich behalte sie in sehr guter Erinnerung. Ich bin ewig spät, nach meinem Bruder erst „heim“gekommen, insofern sah es mit seinem Schlaf dieses Mal ein wenig besser aus.
Nach dem Aufstehen am nächsten Tag bin ich recht bald los, hatte eine gechillte Reise, die dieses Mal sogar pünktlich um 19 Uhr hier in Marzahn ihr Ende fand.

Generell bleibt zum Wochenende zu sagen: Es war heiß, schwül, zu kurz… und dennoch einfach geil!

„Knock knock!“
„Who’s there?“
„Me. I kill you!“

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Nicht mehr lange…

In etwas mehr als 30 Stunden werde ich mich auf den Weg nach Stuttgart machen. Seit langer Zeit das erste Mal. Ich freu mich wahnsinnig drauf, weiss aber irgendwie nicht so recht, ob ich mir das zeitlich erlauben kann. Naja, manchmal sind Termine eben blöd.
Ich bin wahnsinnig müde, vielleicht finde ich morgen ja ein bisschen Zeit, über all das zu schreiben, was hier sonst so passiert.
Kurz ansprechen muss ich noch Franz Josef Wagner wegen seiner neuen Kolumne: Ich hab diese schlimme Geschichte bereits am Sonntag im Spiegel gelesen. Sie doch sicher auch. Wie aktuell ist bild.de eigentlich?

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Ticket nach Hause

Heute bin ich mit Ozie zusammen zu einem von Onkel Mehdorns lustigen Automaten gegurkt und habe dort eine Fahrkarte gekauft. Das hat länger gedauert als gedacht, weil unsere S-Bahn den Bahnhof scheinbar nicht mehr verlassen sollte. Aber das war es insgesamt wert, denn mit dieser Fahrkarte werde ich am kommenden Wochenende das erste Mal seit meinem Umzug wieder Stuttgart besuchen. Mein letzter Aufenthalt dort ist länger als ein halbes Jahr her.
Ich werde allerdings leider die wenigste Zeit in Stuggitown selbst verbringen, sondern in Backnang. Dort werde ich mich der Vorbereitung einer Jugendfreizeit im Sommer widmen. Da ist das letzte Mal allerdings schon etwas länger her. Das war 2005.
Ich freu mich tierisch drauf, wenngleich der Termin zum Vortreffen so kurz vor meiner Prüfung natürlich nicht ganz glücklich ist. Deswegen halte ich meinen Aufenthalt auch so kurz wie möglich. Das fällt natürlich erst recht nicht leicht. Wenigstens wird die Zeit für kurze Verwandtschaftsbesuche reichen, und das ist doch immerhin etwas.
Naja, für den Blog bedeutet das wahrscheinlich auch Stille übers Wochenende. Für mehr als ein kurzes „Huhu, ich bin im Süden!“ wird es kaum reichen. Ich denke, im Rahmen einer solchen Geschichte werden es mir die Leser verzeihen können…

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Mist, verpasst!

Ich habe doch tatsächlich den Towel Day verpasst. Ich hatte mir eigentlich ganz fest vorgenommen, daran zu denken, aber irgendwie habe ich meinen Kopf wohl gerade andersweitig voll. Realistisch betrachtet, habe ich das Haus an diesem schönen Tag eigentlich auch nur zum Rauchen verlassen und ansonsten brav gelernt. Aber man weiss ja eben nie, ob man sein Handtuch nicht doch hätte brauchen können 😉

Aber irgendwie kann man nicht an alles denken, habe ich so das Gefühl.

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Immer wieder dieser Gott…

Ich sehe mich ja gerne hier und in anderen Blogs um, und dabei fällt mir auf, dass es eine riesige Anzahl religiöser Blogs gibt. Die meisten Besucher werden schon festgestellt haben – oder zumindest vermuten – dass ich kein religiöser Mensch bin. Warum?
Ich denke, hier ist ein geeigneter Platz, das einmal mehr auszuführen. Teile dieses Textes stammen aus einem alten Text von mir, ein zwei Freunden wird er also bekannt und langweilig vorkommen 😉
Die ganze Welt in der wir leben, ist seit Jahrtausenden mehr oder weniger bestimmt von Religionen unterschiedlichster Art und Ausprägung. Inzwischen, im 21. Jahrhundert, lässt zwar in vielen Gegenden der Glauben nach, aber die größten Kriege werden noch immer unter Berufung auf Gott oder Allah geführt.
Das alleine kann kein Grund sein, sich von der Religion abzuwenden, schliesslich sind es zumeist nicht die Religionsbegründer, die sich dem Kampfe verschrieben haben. Ich kann mit Religiosität im Allgemeinen dennoch nicht viel anfangen, dazu bin ich ein zu rationaler Mensch.
Ich bin kein Psychologe, aber ich habe mir dennoch meine Gedanken über den Sinn und Unsinn und das Entstehen von Welt und Glauben gemacht, und ich sehe die Hauptursache in der Komplexität der Welt, die einen Menschen ab einem gewissen Punkt (der sicher bei jedem ein anderer ist) Rätsel aufgibt.
Der Horizont der Menschen, ja der Menschheit, ist begrenzt. Der Mensch auf seiner Suche nach dem umfassenden Wissen braucht Dinge, die er bennenen kann, die er kategorisieren kann. Und wenn eben was nicht in seinen Erfahrungshorizont passt, dann ist es nun einmal der bequemste Weg, das jemandem in die Schuhe zu schieben, der über alles einen Überblick hat. Schliesslich hat der Mensch Angst. Angst, sein Leben wäre sinnlos, Angst, es könnte etwas schlimmes passieren. Angst vor dem Tod. Glaube gibt Sinn, euphemisiert schlechte Erfahrungen als notwendig und nimmt mit verschiedenen post-mortalen Szenarien die Angst vor dem Tod. Damit sind die Urängste der Menschen gebannt. Es ist für mich also durchaus nicht verwunderlich, dass Menschen Religionen erschaffen haben Ich halte die Zeit allerdings für reif, dieses Hilfsmittel als aufgeklärter Mensch wieder abzulegen.
Bevor Vorwürfe der Intoleranz laut werden: Jeder darf glauben, an was er will! Ich habe nichts dagegen. Aber es soll bitte niemand irgend jemandem mit Realitäten drohen. Was die Realität ist, das vermag niemand zu sagen – auch die Naturwissenschaft wahrscheinlich nicht. Diese Welt ist zu komplex für einzelne Menschen, und sobald man sich auf Aussagen anderer verlässt, kann schon ein unüberschaubares Konstrukt von Irrtümern dahinterstecken, das man selber nicht entknoten kann, weil einem das Fachwissen fehlt.
Ein grundsätzliches Problem ALLER Religionen ist der Absolutheitsanspruch. Viele stellen es einem zwar frei, ob man daran glaubt, aber so SEIN tut es schon…
Zugegeben: Viele halten es mit den Naturwissenschaften ebenso – was ich ebenfalls als problematisch sehe. Vielleicht wird der Mensch nie in seiner Geschichte das ganze Universum und ein eventuelles Drumherum erfassen können. Naturwissenschaften haben einen Vorteil im Wettkampf mit den Religionen um die beste Welterklärung: Sie sind wandelbar. Neue Erkenntnisse können eingebaut werden, alte Interpretationen können über den Haufen geworfen werden, weil sie nicht einer moralischen Seite verpflichtet sind. Und: Sie folgen der menschlichen Logik, dem einzigen Werkzeug, das zu verwenden wir in der Lage sind bei dieser Problematik. Sie mag unvollkommen sein, ist aber ein Ansatz. Und nur Naturwissenschaften können mit ihren experimentellen Untersuchungen bieten, was keine Religion je können wird: Wiederholbarkeit, vielleicht die einzig mögliche Form dessen, was gemeinhin ein Beweis genannt wird.
Glauben kann ich natürlich immer an etwas, auch wenn es nicht beweisbar ist. Seltsam ist meiner Meinung nach, dass sich die meisten Gläubigen an größeren Glaubensrichtungen anhängen. Wieso glaube ich ausgerechnet etwas, das hundert-, tausendfach vor mir schon geglaubt wurde? Was veranlasst mich dazu, ein eigenes Weltbild aufzugeben zugunsten eines vorgefertigten? Ich hatte zunächst die Vermutung, es könne sein, dass man den vielen alten Aufzeichnungen Vertrauen schenkt, woraufhin sich mir aber die Frage stellte: „Warum sind diese Schriften aber plausibler als moderne wissenschaftliche Arbeiten?“ Und somit ist Religion meist ein großer Feind der Individualität. Denn letztlich gibt es in jeder Religion Riten, Regeln und Normen an die sich ein Gläubiger zu halten hat – einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich nicht damit anfreunden kann. Wir haben von allen Seiten her Regeln auferlegt bekommen. Die besten von der eigenen Vernunft, dazu gesellschaftsvertragliche, staatliche, und die, denen das noch nicht genug Bevormundung ist, klammern sich meiner Meinung nach dann noch an religiöse Regeln.
Eine ganz einfache Frage an die Religiösen dieser Welt lautet von meiner Seite aus:
„Warum hat sich noch kein Gott wirklich zu erkennen gegeben?“
ALLEN Menschen gegenüber. Warum müssen diese Wesen stets den Anspruch haben, man müsse auch ohne Beweis an sie glauben? Da bekommt der Mensch ein Gehirn, das logisch denken kann, das in der Lage ist, abstraktesten Theorien zu folgen, und all das, um eben damit Gott nicht erfassen zu können? Die Götter haben ja offenbar eine Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren (woher sonst alle schriftlich niedergelegten Werke?) – manche sind gar allmächtig. Was hindert sie daran, das zu nutzen? Warum gelangen in diesen Genuss nur Leute, die „besondere Fähigkeiten haben“? Bei den kleineren Religionen meist auch noch welche, bei dem jeder höheren Macht klar sein sollte, dass sie nicht ernst genommen werden…
Der eine oder die andere mag vielleicht verweisen auf die großen Naturphänomene. Gewiss: Es gibt Dinge, die wir uns nicht erklären können. Noch! Vielleicht auch für immer. Warum ist das ein Problem? Wir verstehen vieles auf der Welt nicht. Die meisten wissen nicht einmal, wie der Motor in ihrem Auto funktioniert. Das interessiert ein Leben lang nicht, dann sehen sie ein helles Leuchten am Himmel, die Meteorologen sagen: „Nää, Polarlichter waren’s nich!“, dann muss es plötzlich Gott gewesen sein – weil man nicht damit leben kann, dass da etwas war, für das wir keine Erklärung haben. Je nachdem, wie die Phänomene ausfallen, war es dann Werk eines guten Gottes oder eines Teufels.
Meiner Meinung nach ist ein Glaube an eine höhere Macht stets verbunden mit einer gewissen Bequemlichkeit. Im Notfall ist immer ein höheres Wesen daran schuld – egal ob für Gutes oder Schlechtes. Der Extremfall ist dann das Abgeben von Verantwortung an diese Mächte.
Wie kann ich als Gläubiger eigentlich irgendwo widersprechen?
Denn: Wenn nunmal etwas gottgewollt ist: Warum es ändern? Wenn ich mein Leben in kleinen Details selbst im Griff habe (gehe ich nach rechts oder nach links, warte ich auf den Bus oder laufe ich?), warum nicht auch den Rest meines Lebens? Was ist so beunruhigend an der Tatsache, dass ich mein Leben komplett frei gestalten kann? Meine eigene Unzulänglichkeit? Ach bitte, jeder macht Fehler – und aus denen kann man lernen!

Meine Meinung zu Aussagen von Gläubigen (bisweilen etwas ironisch, nehmt es mir nicht übel):

„Religion ist wichtig, um den Menschen Moral zu lehren.“
Dazu gibt es zu sagen: Selbst wenn sich aus der Religion heraus die Moral entwickelt haben sollte, dann heisst das noch lange nicht, dass man deswegen die Religion heute noch braucht. Ich als Atheist bin durchaus in der Lage, mir moralische Leitsätze zurechtzulegen, die dafür sorgen, dass ich auf der Welt mit allen anderen gut auskomme. Dazu brauche ich niemanden, der mir droht, was nach meinem Tode sonst mit mir passiert. Mir reicht die Erklärung, dass ich in diesem Leben ein Problem mit meinen Mitmenschen bekomme.
Wir sind heute mit soviel mehr Erfahrungen beladen als die Leute vor ein paar hundert Jahren, vielleicht können wir das inzwischen auch mal ohne einen Befehl von Oben.
Zudem sehe ich es als problematisch an, da die Religionen uns eben nicht nur Weisungen erteilen, wie wir mit anderen Menschen gut auskommen, sondern durchaus auch Regeln, die in einer heute existierenden Welt ihren Zweck verloren haben. Das wiederum zeigt, dass selbst die Grundsätze der Religionen menschengemacht sind – und die meisten bemühen ein Weltbild, das stark an seiner Aktualität eingebüßt hat.

„Ich bin mir sicher, dass Gott mir aus meiner Not geholfen hat!“
Manchmal treffen Ereignisse zusammen, Zufälle eben (siehe unten). Nur, weil man in den letzten Monaten zu Gott gebetet hat, hat man eine neue Arbeit gefunden? Wäre es wirklich anders gewesen, hätte man alle Anstrengungen getätigt, nur das tägliche Gebet durch etwas anderes ersetzt? Kann man es wissen? Wenn ich jetzt feststelle, dass ich im letzten Monat mehr Sex hatte, und mein Kühlschrank jetzt nicht mehr so laut brummt… besteht da ein Zusammenhang? Offenbar sind zukünftige Chefs beeindruckter von Selbstgesprächen als Kühlschränke vom Geschlechtsverkehr! Sachen gibt’s!
Ich denke, der Glauben an eine Hilfe von Oben kann durchaus etwas bewirken, allerdings mehr als Form der Hilfe zur Selbsthilfe. Im oben genannten Fall kann es ja so sein, dass man entspannter zum Vorstellungsgespräch gegangen ist, weil man sich sicher war, dass Gott mit im Boot sitzt. Dann aber wäre Gott dennoch nicht real vorhanden, sondern lediglich eine Projektion der Menschen.

„Es gibt keine Zufälle.“
Da muss ich klar sagen: Halte ich grundsätzlich für falsch. Es ist bekanntlich eine ganz entscheidende Frage, wonach man sucht. Zum Beispiel die berühmte Suche nach der Zahl 23: Wenn man die Mathematik nur weit genug ausreizt, dann kann man jede Zahl aus der 23 und ihren Faktoren, Ziffern und der Quersumme berechnen und so in seinem kompletten Leben von den Illuminaten verfolgt werden, ganz gleich ob es sie gibt oder nicht. Wenn man jetzt der Behauptung nachgeht, dass das vielleicht gewollt sei, dass man das merkt: Was ist mit all den zufälligen Übereinstimmungen, die nie jemand erfährt? Gibt es vielleicht in Indien einen Menschen, der gleich alt ist wie ich und das selbe tut wie ich und so heisst wie ich? Wohnen in meiner Nachbarschaft vielleicht 100 Leute mit den selben Initialen? Wenn ich es nie rausfinde, war das dann auch göttlicher Wille? Wenn ja, was unterscheidet den göttlichen Willen vom Zufall? Wenn ein Gott Ereignisse schafft, die man nur mitbekommt, wenn man danach sucht, dann liegt die Definition doch wieder in unserer Hand.
Beispiel: Es ziehen etliche Hurrikans über die USA hinweg. Kathrina traf New Orleans – was im Laufe der Zeit einfach wahrscheinlich war – und homophobe Sektenanhänger sahen darin eine Strafe für ein bevorstehendes Schwulenfestival. Ein Monat später wäre es vielleicht die nachträgliche Rache gewesen, zwei Monate später wäre eine Synagoge oder so eingeweiht worden… der Mensch neigt dazu, Kausalketten zu erschaffen, wenn ihm etwas nicht geheuer ist. Es gibt da ebenso noch die Behauptung, Shakespeare hätte als höchste Kunstvollendung enorm viele Alliterationen in seine Werke eingebaut. Auch hier deckt sich die Menge mit der Zahl, die zufällig auftreten würde, und zwar sehr sehr genau. Ein Super-GAU in einem AKW passiert statistisch alle 10000 Jahre, trotzdem hat es bis zum ersten keine 40 gedauert. Zudem gewinnen wöchentlich hunderte Menschen im Lotto, obwohl die Chancen für jeden einzelnen gegen Null gehen – und unter den Gewinnern sind sogar Atheisten.

„Gott hat zu mir gesprochen.“
Die Menschheit macht seit Jahrtausenden etwas sehr bedeutendes – abgesehen von essen, trinken, jagen und sich selbst das Leben schwer – sie nimmt Drogen.
Drogen sind wahrscheinlich der beste selbst nachvollziehbare Beweis, dass sich das menschliche Gehirn durch Einflüsse von außen täuschen lässt. Dinge zu sehen, zu hören und zu fühlen, die nicht allgemein wahrgenommen werden, sondern persönliche Auslegung des Gehirns sind, ist ein Phänomen, das ziemlich häufig vorkommt.
Im Bereich der Naturreligionen mag der ein oder die andere darauf verweisen, dass die „heiligen Pflanzen“ von Gott, den Geistern etc. dazu geschaffen wurden, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, aber was ist mit der Moderne? Synthetisch hergestellte Drogen mit wesentlich mehr Wirkung – geschaffen von Menschenhand? Was macht den Glauben attraktiver, dass ein unheimliches Wesen mit mir spricht anstatt der Tatsache, dass sich mein Gehirn von irgendetwas hat beeindrucken und überrumpeln lassen? Ist es vielleicht doch nur die Angst vor der Tatsache, dass man nicht perfekt ist? Dass das eigene Gehirn fehlerhaft ist?

Dann diese Lieblingsfrage von Schöpfungsjüngern:
„Wie sollte der Urknall aus dem Nichts heraus entstehen?“
Eine gute Frage, aber eine Antwort darauf hat niemand.
Aber wie wäre es mit der Gegenfrage: Wie ist Gott entstanden?
Wenn ich davon ausgehen kann, dass ein Gott in Ewigkeit oder im ewigen Nichts existiert und dann daraus eine Welt erschafft, dann kann ich auch davon ausgehen, dass die Welt so aus dem Nichts heraus entstand. Wissenschaftliche Erklärungen reichen (noch?) nicht soweit, um sicher zu beschreiben, was in einem Umfeld war, in dem keine der heute bekannten physikalischen Regeln galt. Theoretisch ist dort also alles möglich, vielleicht auch Materie aus Nichts. Bescheuerter als der Glaube an ein Wesen, das in dieser feindlichen Umwelt den ganzen Kram auch noch selbst erledigt, ist es nun wirklich nicht.

Bisher habe ich noch keinen einzigen Grund gehabt, an einen Gott zu glauben. Und bevor jemand auf die Idee kommt: Nein, auch mir sind schon wunderbare Dinge wiederfahren!
Ich halte mich für einen sozialen, gewissermaßen „guten“ Menschen, und wenn ich ehrlich bin, dann erschreckt mich die Tatsache ein wenig, dass einige meiner Artgenossen wahrscheinlich nur nett sind, weil sie sich dafür ein Ticket ins Paradies erhoffen. Ich halte Religionen schlicht für ein Überbleibsel aus der nicht gerade zivilisierten Vergangenheit meiner Spezies.

Ich hoffe, ich habe meine Meinung klar zum Ausdruck gebracht ohne Menschen persönlich angegriffen zu haben. Mir geht es nicht darum zu behaupten, dass religiöse Menschen schlecht oder dumm sind – unter den Idioten mischen auch genug Atheisten mit, und es gibt genügend clevere aber gläubige Menschen.
Ich hoffe, ich habe klar erläutert, was mich stört an Religionen, und dass die Kritik nicht grundsätlich auf einem „Find ich aber doof!“ beruht, sondern einen Hintergrund hat.
Ich weiss natürlich sicher: Wer strikt gläubig ist, wird mit mir schwer einer Meinung sein, ich hoffe aber, dass das nicht daran hindert, vernünftig zu miteinander umzugehen.

Natürlich freue ich mich über Kommentare.

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Zweifel bleiben…

Juhu! Endlich eine Antwort vom Verfassungsschutz! Sie behaupten sogar, keine Daten über mich zu haben. Wobei? Ganz sicher bin ich mir eigentlich immer noch nicht.

Der Wortlaut:

Hiermit bestätige Iich den Eingang ihres Schreibens beim Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg.
Ich darf Ihnen mitteilen, dass beim Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg soweit feststellbar keine Daten in Akten oder Dateien zu Ihrer Person gespeichert sind.
Mit freundlichen Grüßen
-Name eines Mitarbeiters-

(Hervorhebungen in Form von Unterstreichen im Original)

Soweit feststellbar? Von wem? Also hey, ich bin friedlich genug, bzw. hab mich selten genug bei was erwischen lassen, um glauben zu können, dass sie nichts über mich haben. Aber die Formulierung hat schon was für sich, oder?
Naja, dann werde ich das demnächst bei der Stuttgarter Polizei wiederholen. Die haben sicher was.

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Gedanken übers Bloggen

Es ist nun das erste Mal, dass ich es über einen „längeren Zeitraum“ hinbekomme, mehr als nur einmal wöchentlich in einem Blog zu schreiben. Also so halbwegs das erste Mal. Und es ist das erste Mal, dass „eine Menge“ Leute, die mich nicht kennen, auch lesen, was ich schreibe.
Die Freude über beide Fakten ist enorm bei mir. Aber auf der anderen Seite sehe ich das, was ich mache – wie auch sonst fast alles – kritisch. Als Blogger gehört man heute in gewissen Kreisen bereits zu einer Gegenöffentlichkeit, die mitunter besser Bescheid zu wissen scheint als die „etablierten Journalisten“. Ich erlaube mir hier, die Bild-Zeitung mit ihren rund 1000 Mitarbeitern zu kritisieren und lache über politische Erscheinungen, die weltweit enormes bewegen. Natürlich mache ich mir Gedanken, ob ich (selbst in diesem kleinen Rahmen) den Ansprüchen gerecht werden kann, die mancher wahrscheinlich an mich stellt. Nun, das weiss ich nicht, und das muss ich hier in aller Deutlichkeit auch so sagen!
Ich weiss, was ich schreibe, und – so gewissenhaft ich es auch versuche – ich entdecke Tag für Tag Fehler oder ungelenke Formulierungen, die ich dann beseitige oder versuche zu erklären. Vielleicht ein Schritt in die Richtung, besser zu sein als Printmedien oder deren scheinselbstständige Online-Ableger.
Aber gerade jetzt, da ich (auch wenn es nur ein paar Cent sind) dabei bin, nebenher mit meinem Schreiben Geld zu verdienen, muss ich mir die Frage stellen, was ein Blog als Informationsmedium ist. Ein Blog ist sicher schneller, unabhängiger und damit oft interessanter als „etablierte Medien“. Auf der anderen Seite ist ein Blog auch immer wahnsinnig selektiv und subjektiv, weil jede Form der Gegenkontrolle fehlt. So sehr ich mir auch einbilde, immer nur das Richtige zu schreiben, so sehr muss ich doch darauf hinweisen, dass das alles nur eine einzelne persönliche Meinung ist. Das sollte niemand vergessen, der hier liest.
Ich denke, dass das den meisten Usern eines solchen Angebotes klar sein sollte, aber bei aller im Internet gelebten Freiheit sind wir leider noch nicht so weit. Wenn einem gefällt, was man liest, dann glaubt man es gerne und – und auch das ist typisch fürs Netz – verbreitet es schnell weiter. Das ist mitunter nicht nur positiv. Denn schliesslich bin ich, sind alle Blogger, alles andere als unfehlbar.
Dennoch denke ich, dass jeder Beitrag jenseits der zumeist profitorientierten Medien (ich zähle mich jetzt nicht dazu, weil ich wahrscheinlich nie auch nur einen bedeutenden Teil meines Lebens mit Bloggen bestreiten können werde) wichtig ist. Denn wenn ich als Blogger falsch liege, dann lässt sich ein Fehler mittels Kommentarfunktion schnell beweisen und hinterfragen.
Ich hatte eine Zeit lang den Wunsch, hauptberuflich in den Journalismus zu gehen. Ich denke immer noch, dass ich dort nicht allzu schlecht aufgehoben wäre, aber eines hat mich immer gestört: Terminfixiertes Schreiben unter „Zwang“. Ich denke, ich kann recht unterhaltsame Dinge schreiben, aber ich kann es eben (leider?) nur, wenn ich auch Lust darauf habe. Und das wollte ich mir unter keinen Umständen zerstören. Wenn ich hier etwas schreibe, dann schreibe ich es, weil es mir wichtig erscheint oder weil ich es einfach nur gerne tue.
Und welches Medium könnte dazu besser geeignet sein als ein Blog?
Es freut mich ungemein, schreiben zu können, was ich will. Es freut mich ungemein, das mit keinem Redakteur aushandeln zu müssen. Und es freut mich ungemein, direkten Kontakt zu allen halten zu können, die Kontakt zu mir halten wollen.

In meinem eigenen Selbstverständnis war ich wohl schon Blogger, bevor es dieses Wort gab. Und das ist auch gut so, liebe Ge… äh, ich, ihr wisst schon, was ich meine.

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