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Attvend!

Erster Advent ist nun also. Juhu!? Ich weiss nicht. Das Beste an Adventssonntagen ist für mich die erhöhte Versorgungsbereitschaft unserer ortsansässigen Supermärkte. Nach einem TV-Beitrag auf Phoenix heute habe ich allerdings eher mal wieder Lust auf ordentliches Containern. Bei unseren Märkten um die Ecke ist das allerdings nicht drin, da der Müll dort soweit ich weiss gut weggeschlossen ist.

Jetzt werden die ganzen Leser von Overblog wahrscheinlich wirklich aus den Latschen kippen, und fragen, ob der Sash sich wirklich gerne Essen aus dem Müll holen will. Ja! Und ich hab es auch schon gemacht! Containern ist in der Tat eine hervorragende Art, an Lebensmittel zu kommen. Die Tatsache, dass es umsonst ist, heisst noch lange nicht, dass man zwingend am Hungertuch nagen muss, um es zu tun. In erster Linie sehe auch ich das als politische Aktion, da es natürlich Ausgaben verhindert, und damit die Einnahmen von den Supermärkten, die sich das Wegwerfen von Lebensmitteln erlauben. Wer jetzt glaubt, dass ich davon rede, verschimmeltes Obst aus Müllcontainern zu fischen, der irrt. Supermärkte schmeißen in der heutigen Zeit so sinnlos viel Zeug raus, dass einem eigentlich die Augen tränen müssen, wenn man daran denkt, wie absurd das ist, und wo das Essen, oder vielleicht auch das Geld zum kaufen desselben fehlt. Wie die Märkte das genau im Einzelnen halten, das weiss ich auch nicht zu sagen, aber manchmal scheint als Grund wirklich ausreichend zu sein, dass das Haltbarkeitsdatum in einem oder zwei Monaten (!) abläuft. Bei den im Winter mitunter vorherrschenden Temperaturen kommt es noch dazu zu keiner Unterbrechung der Kühlkette, was bedeutet, dass insbesondere gut verpackte Tiefkühlwaren fabrikfrisch auch aus ansonsten unwirtlichen Containern gezogen werden können. So haben wir in der alten WG an einem Abend mal Shrimps im Einkaufswert von über 40 € essen können, einfach weil sie ein paar Wochen später schlecht hätten werden können.

Ich kann hier schlecht zum Containern aufrufen, da es sich rechtlich – so absurd das sein mag – um Diebstahl handelt. Moralisch verwerflich sollte es aber eigentlich niemand finden, da wir hier definitiv von Müll reden. Das heisst: Mit diesem „Diebstahl“ entlastet man nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern auch noch die Umwelt, weil das Zeug nicht unsinnig verbrannt wird. Wer schon einmal containert hat, der weiss es – aber auch für die Skeptiker: Man kann zwar Pech haben, aber es gibt Container, bei denen man nicht im Verdorbenen fischen muss. Mitunter sind ganze Müllcontainer fast ausnahmslos mit noch zum Verzehr geeigneten Waren gefüllt. Original verpackte, das Haltbarkeitsdatum noch lange nicht überschrittene Lebensmittel. In Mengen, die man als Einzelperson nicht zu tragen vermag!

Wenn jemandem die Gefahr zu hoch ist – ok! Aber bei der Frage, ob man sich dafür nicht zu fein ist, sollte man sich echt nicht aufhalten. Denn oftmals ist der Müll auch noch gut sortiert, und man braucht die Tiefkühlware auch nicht unter den Fischen vom Vortag hervorkramen, sondern kann sich aus einem Arrangement von normalen Verpackungen das raussuchen, was einem gerade beliebt.

Ich hab nur das Gefühl, dass wir hier einen schlechten Ort zum Containern haben. Naja, ich werde es noch rausfinden.

Nochmal knackig zusammengefasst: Ich bin ein ausgesprochener Freund des Containerns, wenngleich ich lange nicht dazu gekommen bin. Ich betrachte das nicht als abzuwertendes Verhalten, sondern als eine gezielte, Ressourcen schonende politische Aktion, die netterweise dem Geldbeutel einiges ersparen kann.

Ich wäre natürlich interessiert an Meinungen, auch wenn ich vermute, hier mal wieder ein Tabu gebrochen zu haben!

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Rien, rien…

Ich möchte trotz sicher gewaltiger grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten die Autoren des dieswöchigen Spiegel-Titel-Artikels (Nr. 47/2008) loben. Über die Finanzkrise ist viel geschrieben worden, und zu meiner Überraschung hat es die Kapitalismuskritik zu diesem Anlass immerhin mal aus den dunklen Kammern der radikalen Linken ans Licht der Weltöffentlichkeit geschafft. Ändern wird sich wahrscheinlich wenig, aber das will ich nicht in diesem Eintrag breit treten. Ich möchte den Artikel wirklich ernstlich loben, weil er selbst für einen Spiegel-Titel lang ist (Seite 44 bis Seite 80), und anhand vieler kleiner Beispiele und einer langen Zeitspanne anschaulich bis bedrückend erklärt, was genau sich eigentlich zugetragen hat. Zwar findet sich nicht viel der meiner Meinung nach angebrachten grundsätzlichen Kritik im Verlauf des Artikels, aber die Schlußsätze haben das Zeug dazu, Geschichte zu schreiben, wenn die Voraussagen eintreffen… Also wenn mir bei einem Artikel über die Wirtschaft ein Schauer über den Rücken läuft. 🙂
Der allerletzte Absatz, den ich meine (Vorkenntnis wäre hilfreich):

„Und wie so oft in einer Krise wehren sich Notenbanken und Regierungen mit immer neuer Geldzufuhr, immer neuen Staatsgarantien, immer neuen Milliarden, mit Billionen gegen das Platzen der finanziellen Superblase. Als wäre es eine letzte Wette auf den Erhalt und gegen den Untergang der bestehenden Weltordnung.
Alles auf schwarz.
Rien ne va plus.“

(Quelle: Spiegel, Nr 47/2008, S.80)

Alles auf schwarz.
Rien ne va plus.

Rien …

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Der Heil-Wikipedia-Mann

So, nachdem die Sache im Laufe des heutigen Tages wohl ausgestanden sein dürfte, meldet auch der Sash sich zur Heil-wikipedia-Mann-Geschichte (oder so ähnlich) zu Wort.
Für alle, die dieses Abenteuer verpasst haben: Am 13. November hat Lutz Heilmann, Abgeordneter der Linken, mit einer einstweiligen Verfügung dafür gesorgt, dass die Seite www.wikipedia.de nicht mehr auf die Inhalte von de.wikipedia.org verlinken darf. Die Begründung ist, dass in seinem Lebenslauf einige Details nicht stimmen, oder er sie nicht gerne dort lesen will. Was genau der Fall ist, weiss ich nicht, die Medien meiner Wahl schweigen aus rechtlichen Gründen beharrlich über die genauen Textpassagen. Ob es jetzt um die Stasi-Vergangenheit Heilmanns oder einem (angeblichen?) Mitwirken an einem Sexshop geht, weiss ich also nicht sicher zu sagen, im Grunde ist mir das auch egal. Die Sexshop-Geschichte finde ich persönlich weniger spannend als die Stasi-Stationen Heilmanns, aber aus der linken Ecke dürfte dem Mann selbst diesbezüglich manchmal ein eisiger Wind umwehen.
Viel interessanter an dieser Geschichte ist, dass Heilmann sich in einen Kampf geschmissen hat, der gleichermaßen wenig nachvollziehbar, als auch hochgradig bekloppt war.
Wenig nachvollziehbar ist er in meinen Augen, weil wikipedia ein grundsätzlich demokratisches Medium ist, bei dem man es sicher bisweilen als einzelner schwer hat, falsche Aussagen zu ändern, ich aber vermute, dass Heilmann als Betroffener selbst mit entsprechenden Gegenbeweisen ein leichtes Spiel gehabt hätte, unwahre Sachverhalte endgültig zu klären.
Hochgradig bekloppt war es zudem, weil eine Sperre der wikipedia.de-Adresse etwa so viele praktische Auswirkungen hat, wie wenn man in Künzelsau ein Tempo-100-Schild aufstellt, um das Rasen auf deutschen Autobahnen zu verhindern. Wie erwähnt: Die Inhalte, an denen sich Heilmann (ich hab mich gerade vertippt, und Heulmann geschrieben) stört, liegen unter de.wikipedia.org. Nicht nur, dass das die meisten Nutzer von wikipedia wissen – nein, es stand auch auf der zum Zeitpunkt der Sperre vorgeschalteten Seite bei wikipedia.de. Natürlich ohne Link 😉
Über Suchmaschinen wie google konnte der entsprechende Eintrag also jederzeit aufgerufen werden, ebenso wie durch die Eingabe de.wikipedia.org statt der .de-Adresse.
Inzwischen sind wohl Passagen aus dem Artikel gelöscht worden, Heilmann bedauert inzwischen seine Verfügung, weil sich die Dinge (Oh Wunder!) zu seinen Ungunsten entwickelten. Die Internet-Welt schrie auf: „Zensur!“ Mit diesem Vorwurf kann man sich als Ex-Stasi-Angehöriger sicher auch im politisch eher lethargischen Deutschland schnell selbst von der Tagesordnung streichen. Dazu überrollte den wikimedia e.V., der die technisch gesehen völlig unbedeutende gesperrte Seite betreibt, eine massive Spendenflut (laut spiegel.de stieg das Aufkommen von ca. 3500€/d auf 16000€/d), teilweise mit der Begründung seitens der Spender , Heilmanns Attacke für ungerecht zu halten.
Da die geschäftliche Weisheit „Any promotion is good promotion“ nur eingeschränkt auf das politische Tagesgeschehen zu übertragen ist, wird Heilmann es inzwischen wohl bedauern, plötzlich einer der bekanntesten Politiker Deutschlands zu sein.
Der Fairness wegen muss man sich natürlich ungeachtet der vielleicht nicht sympathischen Gestalt Heilmanns fragen, inwiefern sein Anliegen („Wahre Tatsachendarstellung“) gerechtfertigt war. Selbstverständlich ist es nicht in Ordnung, wenn Lügen über Menschen verbreitet werden – insbesondere bei einem Portal wie wikipedia, das eine hohe Popularität und auch Glaubwürdigkeit genießt. Genau genommen ist dies für beide Seiten eher schädlich. Die Keule mit der Staatsanwaltschaft muss meines Erachtens nach dennoch nicht gleich als Begrüßungswerkzeug ausgepackt werden. Zumal im Falle der Richtigkeit der Daten der Versuch einer forcierten Manipulation durchaus als Zensur gewertet werden kann.
Ich gewichte den Schutz der Privatsphäre hoch – auch wenn das nicht immer erkennbar ist. Dass aber bei Politikern – ob zu Recht oder zu Unrecht, das sei mal dahingestellt – auch der persönliche Werdegang in eine Wahlentscheidung einfließt, das ist so neu nun auch nicht. Insofern kann man schlecht argumentieren, dass diese Infos irrelevant sind.
Der Ausgang der Geschichte scheint klar zu sein. Im Laufe dieses Tages werden die Anwälte Heilmanns wohl ihre Maßnahmen zurückziehen, alles wird wieder wie früher. Ich könnte mir zudem vorstellen, dass ich dieses Wochenende gleichermaßen das erste, wie auch das letzte Mal von einem gewissen Lutz Heilmann gehört haben werde, einem Politiker der Linken, der einst bei der Stasi war und vielleicht sogar mit Sexspielzeug Geschäfte gemacht hat. Würde mir nichts ausmachen!

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This is not a Change!

Barack Obama ist also der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn man die Auswahl McCain contra Obama als gegeben sieht, dann bin ich natürlich froh, dass es so gekommen ist. Und natürlich ist es bisher einmalig, dass ein Schwarzer Präsident in den USA geworden ist. Juhu!
Ich gönne Obama den Wahlsieg, und wenn man ihn so sieht, dann scheint er ja auch ein sympathisches Kerlchen zu sein. Aber ich muss doch – hierauf haben wieder alle meine Leser gewartet – ein bisschen gegen diese „Obamania“ anzukämpfen versuchen. Dieser Mensch hat es nun geschafft, Präsident zu werden. Dafür hat er x Millionen US-Dollar aufbringen müssen, und sich geistig herablassen müssen auf die Ebene, die das amerikanische Wahlvolk haben möchte. Von nun an ist er „der mächtigste Mann der Welt“, gewissermaßen das Leitbild (ich wollte nicht Führer schreiben) der westlichen Welt.
Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht der Meinung bin, dass irgendeine einzelne Person überhaupt einen derart wichtigen Posten besetzen sollte, möchte ich doch auch einmal daran erinnern, dass der amerikanische Präsident zwar viel zu viele Freiheiten besitzt, dass dieses Amt aber auch aus Obama – selbst wenn er ein netter Kerl sein sollte – einen von Lobbyisten getriebenen Irgendwer machen wird.
Obama mag die bessere Wahl gewesen sein in einem System, das nur zwei Alternativen vorsieht. Das will ich nicht bestreiten. Aber ob es wirklich etwas aussagt, dass Barack Obama nun gewählt wurde, dass wage ich zu bezweifeln.
Natürlich liegt das einfach nur in meinem sehr linken Naturell, dass ich auch im Erlöser selbst  wieder das Böse sehe, aber man darf ja gespannt sein, wie sich das alles entwickeln wird.
Ganz im Ernst: Die Welt wird keine andere werden, nur weil Obama nicht so blöd ist, jedes mit den Geheimdiensten zu findende Fettnäpfchen mit einem Tritt hinein zu beehren. Dass mit Bush ein wirklich exorbitant blöder Präsident nun 8 Jahre das Land regiert hat, spielt sicher eine Rolle im Bezug auf die Frage, wie positiv Obama bewertet wird.
Aber: Reicht das aus für dieses Amt in diesen Zeiten?
Ich bin gespannt darauf, in vier Jahren einmal zu sehen, wie es mit dem Klimaschutz, der Armutsbekämpfung und dem Rassismus in den USA aussieht. Weltweit natürlich auch.
Aber ich glaube, dass all das „Yes, we can!“, all der „Change“ nicht so kommen wird, wie viele glauben. Obama ist ein neuer Präsident. Er wird hoffentlich vieles besser machen als sein recht stupider Vorgänger, aber ich glaube nicht daran, dass er ernstlich was ändert. Ehrlich gesagt wäre ich hier froh über einen Gegenbeweis…

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Winner of the Day

Der Gewinner des Tages ist ganz eindeutig die VW-Aktie. Jedes Medium hat das wahrscheinlich inzwischen durchgekaut, die Story ist langsam öde, aber mich amüsieren die Krise und die umherwabernden Skurilitäten aus der Finanzwelt nach wie vor. Wenngleich ich durchaus verstehe, was das Problem mit VW gerade ist, so komme ich dennoch nicht umhin, mich schier einzunässen bei der Vorstellung, dass die deutsche Finanzwelt gerade Krisenstimmung verbreitet, weil eine wichtige Aktie im DAX steigt.

Spätestens das müsste den letzten Deppen, die in diesen Geschäften mit drin hängen, zeigen, dass die Finanzmärkte sich endgültig von der Realität abgekoppelt haben, und ihr nettes Spielzeug zur automatischen Geldvermehrung sich ein wenig verselbstständigt hat. Natürlich würde ich mir gerade aus finanziellen Gründen wünschen, zwei drei VW-Aktien zu besitzen, die ich über Nacht verscherbeln könnte, aber ich mache mir nichts vor:

Was derzeit passiert, ist der reinste Irrsinn, und das ist es nicht erst seit der Finanzkrise. Das war es schon davor, und ich wage es zu bezweifeln, dass die großen Kapitalmärkte der Menschheit überwiegend Gutes gebracht haben.

Na, wollen wir wetten, wie hoch die Aktie morgen bei Börsenschluss steht?

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\Computerwissen

(ein unsortierter Text über sortierte Daten)

Ozie ist vorher in einem Gespräch über Datenschutz, Payback-Karten und dergleichen auf eine interessante Geschichte gestoßen. Was den Einzelhandel angeht, sind wir heute wieder genau da, wo wir vor 30 Jahren auch waren. Diesen Gedanken fand ich interessant, denn natürlich hat sich die Welt um einiges gewandelt. Aber was die Kundenwerbung und -bindung angeht, trifft das witzigerweise zu. Zumindest für den Kunden. Also oberflächlich.
Genau genommen ist nichts wie früher, aber wir sollen es glauben. Habe ich zumindest den Eindruck. Es geht um eines meiner Lieblingsthemen: Computer und Datenschutz. Nervt die meisten hier wahrscheinlich schon ein bisschen, aber ich will es dennoch erklären.
Vor 30 Jahren waren Supermärkte noch nicht DER Ort zum Einkaufen. Es gab diese ganzen kleinen Läden – wahrscheinlich kommt das Wort Einzelhandel irgendwo aus dieser Umgebung – aber ich kann es nicht sicher sagen.
In diesen kleinen Läden – die zumeist um die Ecke lagen – hatte man seinen Kaufmann, der einen mit der Zeit kannte, der wusste, was man gerne isst, und der einem auch gerne mal den Wein B empfohlen hat, weil Wein A – den wir am liebsten trinken – so ähnlich schmeckt.
Heute haben wir Supermärkte teilweise internationaler Ketten. Das ist immer ein bisschen unpersönlicher als beim Kaufmann um die Ecke, wobei man als Stammkunde durchaus auch in solchen Läden merken kann, dass das Ende der Fahnenstange nicht ein „Ihr schon wieder“ der miserabel bezahlten Aushilfskraft ist.
Und die – natürlich völlig uneigennützige 😉 – Beratung übernehmen heute die Payback- und HappyDigits-Anbieter dieser Welt. Ozie ist heute im Intranet ihrer Firma auf eine Studie gestoßen, die genau das sagt: Die Auswertung der gesammelten Daten steckt beileibe nicht mehr in den Kinderschuhen. Wenn ich häufig Maggi-Fertigmischungen kaufe, aber bei der Würz-Soße regelmäßig auf ein anderes Produkt ausweiche, dann ist es nicht allzu unwahrscheinlich, dass mir mit der Zeit Werbung ins Haus flattert, die die Vorzüge der Maggi-Würze näher erläutert.
Das kann ich nicht mit persönlichen Daten untermauern, weil ich Werbung in diesen Eimer werfe, der in unserem Hausflur praktischerweise gegenüber der Briefkästen (dem Erfinder dieser Einrichtung ein dickes Lob!) hängt.
Ich finde den Gedanken auch nicht sonderlich schlimm, denn das einzige, was mich an Werbung wirklich ärgert, ist die Menge und die Stupidität derselben.
Das Schlimme ist eigentlich auch nicht, dass diese Daten erhoben werden, sondern dass die meisten Menschen sich nicht bewusst sind, welche Auswirkungen das haben kann. Vielleicht nicht jetzt, vielleicht nicht in 5 Jahren, vielleicht auch nicht in zehn. Vielleicht aber eben auch doch.
Klar, man ist nicht mehr so blöd und gibt seine Kontodaten jeder x-beliebigen Website. Man hat eine Firewall auf dem PC, die richtet den Rest. Damit kann ja eigentlich nichts schlimmes mehr passieren…
Mal abgesehen davon, dass eine Firewall nicht zwingend Sicherheit bedeutet, ist es das nicht. Immer wenn es um Datensammlungen geht, wird gegen Kritik daran argumentiert, dass es ja nicht schlimm sei, wichtiges ist ja nicht dabei. Analog zur „Ich hab ja nichts zu verbergen“-Argumentation bei staatlichen Eingriffen in die Privatsphäre. Dabei ist das gerade einfach nur Glück.
Die Firmen gehen eben nicht gerne damit hausieren, was sie an Daten alles sammeln, deswegen sind folgende – von mir heiß erwarteten Werbesendungen bisher noch nicht aufgetaucht – aber sie könnten… irgendwann mal:

„Frau Fuchtel, im letzten Halbjahr haben sie dreizehn Euro für 60 Tampons einer No-Name-Firma ausgegeben. Haben sie schon darüber nachgedacht, dass sie für 9,99 Euro bereits eine 40er-Packung unserer neuesten „Super-Saugi-Plus-Stopfen“ erwerben können, die sie laut dieser Studie (Link) doppelt so lange nutzen können, weil sie während ihrer Entwicklung in der Testphase auch andalusische Seekühe luftdicht verschlossen haben? Dazu gibt es einen Gutschein fürs „Fetti-Frust-Fitness-Center“ gratis. So können sie der Pornosammlung ihres Mannes endlich das Wasser reichen.“

„Herr Fuchtel, wir erlauben uns, sie darauf hinzuweisen, dass ihre Frau ausser menstruieren scheinbar nichts anderes im Sinn hat. Damit sie auch diese schweren Stunden (oder Wochen – haha) entspannt hinter sich bringen, können wir ihnen unser Men-Super-Plus-Paket empfehlen, mit dem sie ihr Lieblingsbier noch einmal um 12 Cent billiger bekommen – oder ihnen zum bisherigen Preis nicht die übliche No-Name-Plörre beschert, sondern bestes „Dübel-Pils“. Dazu gibt es völlig gratis die Pornosammlung „Feuchte Träume im Wasserbett“, die schon 58% ihrer männlichen Familienmitglieder als „sehr befriedigend“ bewertet haben, und die laut unserer Statistik ihre Filmesammlung „Top of the 90s“ anspruchsvoll ergänzt. Das alles gibt es bereits ab 65 €/Monat…“

Zu weit hergeholt? Abwarten…

Aber keine Sorge: Ich will niemanden bekehren. Es liegt bis auf die eventuelle Schnüffelei des Dr. Wolfgang S. völlig in unserer Hand, was wir preisgeben von uns. Wir sollten uns dessen aber bewusst sein.

Und da sind wir beim leidlichen Thema Computer. Wie ihr seht und lest, bin ich ein Mensch, der sein Privatleben recht öffentlich lebt. Ich blogge hier und da über die WG und mein Privatleben, tue meine politische Meinung der Öffentlichkeit kund… aber ich weiss darum Bescheid! Ich bin mir bewusst, dass ein Mensch, der es gelernt hat, mit dem Internet umzugehen, binnen 3 Minuten meinen Namen herausfinden kann. Wenn überhaupt. Ich bin mir bewusst, dass ein zukünftiger Chef lesen könnte, dass ich in manchen Dingen ein anspruchsvolles Kerlchen bin, in anderen wieder nicht. Und das, glaube ich, ist einfach noch nicht verbreitet genug.
Ich wäre nicht so bekloppt, es hier zu erzählen, wenn mich Neidgefühle plagen, weil die Natur mich mit einem zu kurzen Geschlechtsorgan ausgestattet hat, oder mich gar strafrechtlich relevant zu äußern.
Aber solange Leute nicht unterscheiden können zwischen Festplatte und Internet, Datei und Programm, Firewall und USB… so lange wird es immer wieder Menschen geben, die unachtsam genug sind, Dinge der Welt mitzuteilen, die sie eigentlich nicht einmal ihrer Freundin mitteilen würden. Und diese Menschen sind es dann im Besonderen, die versuchen, Überzeugungsarbeit zu leisten, dass Datenschutz eigentlich kein Schwein interessiert – weil sie nicht einmal wissen, was es zu schützen gilt.

Ozie hat erzählt, dass ihre Mutter anno dazumal gegen Windows war, weil damit auch Menschen einen PC bedienen könnten, die nicht wissen, wie er funktioniert. Da stimme ich ihr zu! Nicht, weil ich inzwischen Linux nutze, nicht weil ich „PC-kundig“ bin, sondern weil ich glaube, dass es eine Menge Menschen gibt, die sich, ihre Ideen, ihre Privatsphäre in Gefahr bringen, weil sie keine Ahnung haben, auf was sie sich einlassen.

Ich bin kein PC-Hasser, ich bin es nie gewesen und werde es wahrscheinlich nie sein. Ich liebe diese Teile für so viele Dinge! Aber mir ist bewusst, was für ein Werkzeug ich damit in Händen halte – bzw. unter meinem Tisch stehen habe. Ich will auch niemandem den Umgang mit PC’s verbieten oder schlechtreden – aber ich bin der Meinung, dass die Menschen, die Computer nutzen – bei der Arbeit und auch privat – wissen sollten, was sie machen.
Genau da aber sehe ich einen gefährlichen Trend. „Intuitive Benutzung“ ist so ein Schlagwort, das seit Jahren durch die Branche geistert, und das in Zukunft eine noch wesentlich größere Rolle spielen wird. Man wird in Zukunft immer blöder sein können, und dennoch die Möglichkeit haben, Computer zu benutzen, um seine Meinung kundzutun, seine Bankdaten zu verraten und dabei zu glauben, das würde schon niemand merken.
Erste Auswüchse dieses Trends (in umgekehrter Form) waren sicher die „Script-Kiddies“, die es ohne jede Programmier-Erfahrung geschafft haben, mit „selbst programmierten“ Viren etliche Computer lahmzulegen und enormen Schaden zu verursachen. Dann gibt es natürlich auch noch Leute, die bei ebay etwas ver- oder ersteigert haben, und dachten, es wäre ok, damit nur einen Scherz gemacht zu haben. Bis sie merken, dass auch das eine Auswirkung auf das „reale Leben“ haben kann.
Ich sage es ja selbst immer wieder: Eine absolute Sicherheit – in allen Bereichen – wird es nie geben. Ich finde es nur schade, dass immer wieder auf unterstem Niveau gestritten werden muss, wenn es um Datenschutz geht, nur weil einige der Hauptakteure – die manchmal das Verschicken von Mails mit 60 Jahren mühsam gelernt haben – ebenso wie ein großer Teil der Bevölkerung nicht einmal eine Ahnung haben, worum es bei dem Thema überhaupt geht.

So, das war ein langer Text, und ich hoffe, dass ihr mir dennoch eine gute Nacht wüscht 😉

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Einfach logisch

Wenngleich das taz-Interview mit Wolfgang Schäuble schon fünf Tage alt ist, so möchte ich doch gerne hier noch einmal den letzten Satz rezitieren, da er meiner Meinung nach alles auf den Punkt bringt:

Wolfgang Schäuble:

„Den Rechtsstaat macht aus, dass Unschuldige wieder frei kommen!“

Na da bin ich ja froh!

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