Category Archives: Politik

Sympathiebonus

Wahlkampf ist eine schwierige Sache. Wähler sind dumm und unwissend – und sicher ist so mancher Politiker auch der Meinung, dass das auch so zu bleiben hat. Aber ich will an diesem Punkt gar keine Grundsatzdebatte über Politikverdrossenheit beginnen.

Die Politik hat einen interessanten Weg gefunden, nämlich dem Wähler ohne inhaltlichen Tiefgang nur das zu vermitteln, was er am Wahlabend braucht: Vertrauen. Vertrauen in die Kandidaten. Dieses Vertrauen lässt sich natürlich nur schwer im persönlichen Gespräch erzeugen, das ist klar. Zum einen sind es zu wenige Kandidaten und zu viele Wähler, zum anderen ist ein guter Teil der Leute, die in der Politik landen weder sympathisch noch vertrauenswürdig.

So wird dieses Vertrauen dadurch erzeugt, dass das ganze Land, bzw. die ganze Stadt zugepflastert wird mit Wahlplakaten, die in der Regel nicht mehr als einen Kandidaten, bzw. sein Gesicht zeigen. Das ist praktisch, denn mit ein bisschen Training und Photoshop kann selbst unsere Kanzlerin natürlich lächeln, und zudem hat es den Effekt, dass man in der Wahlkabine irgendwann denkt: „Sach mal, den Namen kenn ich doch irgendwoher…“

Dieses Konzept ist bei der Mehrheit der Bevölkerung recht erfolgreich. Aber leider, LEIDER liebe CDU…

funktioniert das nur, wenn man dem Kandidaten beibringt, wenigstens friedfertig zu gucken!

Ui, is der lieb... , Quelle: Sash
Ui, is der lieb… , Quelle: Sash

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Russland stoppt Expansion

Die Schweinegrippe, bzw. deren fieser neuer Erreger, ist inzwischen in aller Munde. Experten hoffen derzeit noch, dass dieses Szenario nicht von allzu vielen wortwörtlich genommen wird. Naja, ausgebrochen ist sie scheinbar in Mexiko, und inzwischen gibt es jede Menge Ideen, der Krankheit Herr zu werden. Dazu gehören auch Importverbote. Das schreibt zumindest Spiegel online.

Russland tut sich hierbei offenbar besonders hervor, verbieten die Russen doch nicht nur den Import von Fleisch. Aber seht selbst:

Importverbot für Regionen, Screenshot: spiegel.de

Importverbot für Regionen, Screenshot: spiegel.de

Ist doch mal nett, dass keine Regionen mehr importiert werden…

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[/wahlgeheimnis]

So, um – beinahe mit Verspätung – doch noch meine Meinung zu „Pro Reli“ glaubwürdig kundzutun, habe ich beschlossen, dieses Foto zu veröffentlichen:

Dagegen: Der Sash (Quelle: Offensichtlich)

Dagegen: Der Sash (Quelle: Offensichtlich)

Ich hoffe, es ist jetzt niemand schockiert, dass ich als Freund des Datenschutzes auch noch präsentiere, für was ich gestimmt habe – ist das doch mit Fug und Recht meine Privatentscheidung. Ehrlich gesagt hatte ich lange schon vor, etwas zum Thema zu schreiben.

Es ist nämlich schlicht abartig, wie bekloppt die Pro- und Contra-Parteien bei diesem Volksentscheid agieren. Insbesondere die Werbung, mit der die Stadt zugepflastert ist, entbehrt manchmal jeder Logik, weil sie absurd verkürzt argumentieren. Ist doch schön: Die einen Fordern Freiwilligkeit, die anderen Freiheit! Warum nicht mit ja und nein stimmen?

Für alle Nicht-Berliner – Worum es geht:

Die Initiative „Pro Reli“ fordert, dass in Berlin Religion als Wahlpflichtfach eingeführt werden soll. Das klingt erstmal komisch, und ist ein wenig unverständlich. Anders als in den meisten anderen Ländern in Deutschland kann hier Religion bisher nur als zusätzliches Fach – ähnlich einer AG – gewählt werden. Seit 2006 gibt es in Berlin einen verbindlichen Ethik-Unterricht, der den Schülern „Werte und Normen“, sowie – soweit ich weiss – auch die Ansichten der großen Religionen lehren soll. Wer auch einen Unterricht von Katholiken für Katholiken beispielsweise haben will, der muss diesen extra besuchen. Zu wohl meist unattraktiven Stunden – was für Zusatzfächer normal ist.

Die Initiative möchte jetzt, dass Religion quasi den selben Status wie Ethik erhält, und sich die Schüler für eines der Fächer entscheiden muss. Noch dazu nicht nur von Klasse 7 bis 10, wie Ethik bisher – sondern ab Klasse 1.

In meinen Augen ist das bescheuert. Nicht mal so sehr, weil ich von Religionen nicht viel halte. Das Problem ist, dass die Initiative „Pro Reli“, die mit Slogans wie „Es geht um die Freiheit“ wirbt, gar keine Freiheit in dem Sinne interessiert. Jeder Schüler hat die Freiheit, Religionsunterricht zu besuchen! Es geht darum, dass der Religionsunterricht in dieser Form bei den Schülerzahlen rückläufige Tendenzen zeigt. Wer kommt schon Nachmittags gerne extra für Religion in die Schule?

Es geht also viel mehr darum, Schüler (oder bis sie 14 sind deren Eltern) leichter in den Religionsunterricht „schleusen“ zu können, weil sie ja eh irgendwas wählen müssen. Und wenn die Eltern sowieso katholisch sind…

Ausgerechnet dem – zumindest vom Grundgedanken her – ausgewogenen und neutralen Fach Ethik wird vorgeworfen, schlecht für die Schüler zu sein. Schlecht ist dieser Unterricht in dem Sinne aber höchstens, weil Schüler feststellen könnten, dass es auch ganz coole andere Religionen gibt.

Es ist für mich schon grundsätzlich schwer nachzuvollziehen, was gegen einen übergreifenden Unterricht einzuwenden ist – insbesondere wo doch gerade alle jammern wegen mangelnder Integration von Muslimen beispielsweise – und stattdessen konfessionell getrennte Stunden zu befürworten. Dass das Ganze aber auch praktische Probleme aufwirft, ist ein kleiner aber nicht unbedeutender Nebeneffekt. Zum Beispiel muss man aus dem Nichts einen Haufen qualifizierte Lehrkräfte für diese Religionsstunden herzaubern. Am Besten für alle Glaubensrichtungen. Da dies aber zunächst eher utopisch ist, werden sich wahrscheinlich auch hier Qualitätsunterschiede geben.

Im schlimmsten – vielleicht nicht wahrscheinlichsten – Fall führt das dann sogar zu einer zunehmenden Trennung der Glaubensgemeinschaften, weil es dann hier eine gute evangelische, da eine gute katholische, und woanders eine gute muslimische Schule gibt…

Bei diesem Volksentscheid gab es für mich keinen einzigen Grund, dem blödsinnigen Freiheitsgeschwätz seitens „Pro Reli“ zu erliegen, und somit habe ich mich dafür entschieden, mit „Nein“ zu stimmen. Wahrscheinlich reicht schon die Wahlbeteiligung nicht aus, damit „Pro Reli“ Erfolge feiert, aber es wäre doch schön, wenn sie auch im Ergebnis der Wahl unterliegen.

PS: Die Gegenseite hat sich wirklich auch nicht clever verhalten. So hat der Senat es z.B. fertig gebracht, seine Nein-Haltung in unrechtmäßig von Steuergeldern bezahlten Zeitungsannoncen zu vertreten. Das ändert aber an der Sache nichts.

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Muss… kommentieren. Kann… nicht anders…

Habe gerade bei der taz ein Interview mit Heribert Rech zum bevorstehenden Nato-Gipfel gelesen, und ich muss einfach meinen Senf dazu geben. Es geht wirklich nicht anders. Die Originalaussagen lasse ich hier so stehen, zur Überprüfung: Hier sind sie bei taz.de nachzulesen.

Baden-Württembergs Innenminister Rech ist für die Sicherheit beim Nato-Gipfel verantwortlich. Welche Lehren zieht er aus dem Polizeieinsatz beim G-8-Gipfel in Heiligendamm?

taz: Herr Rech, wie hoch ist der Druck auf Sie, dass während des Nato-Gipfels alles perfekt laufen muss?

Heribert Rech: Der Nato-Gipfel muss gut und friedlich verlaufen. Natürlich fragt man sich, ob alles getan ist. Aber es gibt niemanden, der mir sagen könnte, wie man die Vorbereitungen noch optimaler hätte gestalten können. Der Gipfel setzt Maßstäbe, was Polizeitaktik und Einsatzbereitschaft angeht, gerade in technischer und logistischer Hinsicht.

Ich will ja nicht gleich zu Beginn rumunken, aber Frage und Antwort waren hier relativ unnötig. Aber gut, man kann ja noch einmal erklären, worum es eigentlich geht…

Was tun Sie als Innenminister, um auf die Gipfelgegner zuzugehen und im Vorfeld zu deeskalieren?

Der Innenminister kann nicht mit 3.000 gewaltbereiten Demonstranten reden, das ist immer noch Aufgabe der Polizei. In Baden-Württemberg ist das Thema Gefährderansprache, auch im Bereich von Hooligans, sehr weit forciert. Wir haben 100 Kolleginnen und Kollegen, die als Anti-Konflikt-Teams während der Proteste und auch schon im Vorfeld mit Leuten, die aus dem Ruder laufen könnten, reden. Sie treten nicht martialisch auf, sondern ohne Körperschutz, als Bürger in Uniform, teilweise auch in Zivil.

OK, so sieht es also aus: Der Innenminister kann nicht mit allen gewaltbereiten Demonstranten reden. Verstehe ich irgendwie. Aber die Polizei? Gut, 25.000 deutsche und französische Beamte sind im Einsatz beim Nato-Gipfel. Davon sind 100 vom Anti-Konflikt-Team. Also mit viel Wohlwollen 0,5%… ich frage mich sowieso, weswegen es eigens ein Anti-Konflikt-Team braucht, wenn doch die Polizeitaktik immer nur auf Wohlwollen und Konfliktlösung basiert. Aber immerhin treten diese ja „nicht martialisch“ auf, „ohne Körperschutz“ sogar. Was für ein Zugeständnis in einer in meinen Augen sehr fragwürdigen Situation auf einer Demonstration – wo einem als Bürger verboten ist,  Schutzkleidung gegen die (sowieso völlig inexistenten) Gewaltausbrüche seitens der Polizei zu tragen.

Der letzte vergleichbare Großeinsatz einer deutschen Polizei war der G-8-Gipfel in Heiligendamm im Jahr 2007. Damals häuften sich Falschmeldungen aus der Einsatzzentrale der Polizei. Kann man sich auf die Meldungen der Polizei in Baden-Württemberg verlassen?

Ich möchte Heiligendamm nicht bewerten. Da bin ich nicht der Experte, andere haben Schlussfolgerungen aus dem Einsatz gezogen.

Na, wenn das andere getan haben, dann ist ja super! Warum sollte Herr Rech das selbst tun? Weil er Schirmherr einer vergleichbaren Situation ist? Pah!

Auch Schlussfolgerungen zur Einsatzplanung in Baden-Württemberg?

Eine Folgerung war, dass wir keine Massencamps mit 10.000 bis 15.000 Teilnehmern zulassen. Das können rechtsfreie Räume werden. Was mögliche Fehlinformationen anbelangt – ich habe gestaunt, als ich gesehen habe, dass die Polizei in der Einsatzzentrale auf Knopfdruck sehen kann, wo welcher Polizist oder welcher Krankenwagen im Einsatz ist. Das Risiko von Fehlinformationen ist minimal.

Zu den ersten beiden Sätzen: Bewertet wird Heiligendamm nicht, aber aus dieser Nicht-Bewertung leitet man mal ab, dass man Camps verbietet? Weil sie „rechtsfreie Räume“ werden können. Ich würde eher „überwachungsfrei“ bevorzugen, aber dass das dasselbe ist, muss man ja – ob mit oder ohne Brechreiz – inzwischen immer wieder feststellen. Zum zweiten Teil der Antwort: Wie niedlich, die haben sie mit den Knöpfen spielen lassen?

Haben Sie Verständnis für die Camp-Organisatoren, die argumentieren, friedlich Demonstrierende empfinden massive Polizeipräsenz als Stress und brauchen deshalb Raum, wo sie sich erholen können?

Friedliche Demonstranten haben beim Anblick der Polizei keinen Stress. Mit Leuten, die behaupten, von der Polizei gehe Gewalt aus oder allein das Vorhandensein von Polizei sei Gewalt, würde ich gerne mal über ihr Verständnis von Rechtsstaat diskutieren. Die Polizei gewährleistet überhaupt erst, dass demonstriert werden kann.

Hier schlägt’s wirklich Dreizehn! Ich bin als friedlicher Demonstrant durchaus schon enorm gestresst gewesen durch unsere Staatsmacht. Da brauche ich nichtmal soweit ausholen, dass ich detailverliebt schildere, welch sadistisches Grinsen manch „Ordnungshüter“ im Gesicht hat, wenn er mir mal aus der zweiten Reihe schön in den Magen schlagen konnte, sondern es reicht eigentlich, sich mal anzusehen, welche Kampfkraft von einer Einsatzhundertschaft ausgeht, die nie auch nur einen Zweifel daran aufkommen lässt, wer hier Herr im Haus ist. Was insbesondere bei friedlichen Demos echt daneben ist. Über das Verständnis „von Rechtsstaat“ will ich mich mit Herrn Rech allerdings sicher nicht unterhalten, denn jemand, der der Meinung ist, Demonstrationen könnten nur dank der Polizei stattfinden, der verliert meiner Erfahrung nach ein bisschen die Bodenhaftung. Ich darf hier demonstrieren, wo und wie ich will. Und die Polizei brauche ich dazu gar nicht! Dafür haben sie vor ein paar Jahrzehnten so ein lustiges Grundgesetz gedruckt, und wenn das von den betroffenen Stellen ernst genommen werden würde, dann bräuchte man sich gar nicht mal unterhalten.

Wäre es für Sie eine schlechte Bilanz, wenn rund um den Gipfel viele Menschen grundlos in Gewahrsam genommen werden? In Heilgendamm gab es über 1.000 Fälle. Über 90 Prozent der Verfahren sind später eingestellt worden.

Wenn Verfahren eingestellt werden, heißt das nicht, dass die Ingewahrsamnahme nicht gerechtfertigt war. Ich kann zudem keine Bilanz auf hypothetischen Annahmen ziehen. Es ist davon auszugehen, dass Ingewahrsamnahmen stattfinden und dass sie juristisch hieb- und stichfest sind. Für uns sind sie ohnehin die Ultima Ratio.

Manche Menschen müssen leider mit diesen „hypothetischen“ Bilanzen rechnen, weil sie beteiligt waren. Aber gut, nicht der Herr Rech, das ist klar! Und an den Journalisten: Hätte man nicht noch ein bisschen nach dem „Verständnis von Rechtsstaat“ reden können?

Werden in den Gefangenensammelstellen bessere Bedingungen herrschen als in denen in Heiligendamm? Dort beschwerten sich Insassen über überfüllte Zellen, in denen 24 Stunden am Tag das Licht brannte.

Ich kritisiere die Gefangenensammelstellen in Heiligendamm nicht. Jeden, der unsere kritisiert, den lade ich im Vorfeld ein, sie sich anzuschauen.

Schön, dass sie die Sammelstellen nicht kritisieren, Herr Rech! Wen interessiert’s denn? Aber das ist es ja: Warum überhaupt so viel Stress, es geht ja eh nur um ein paar Spinner. Leider hab ich gerade keine Zeit, mir Gefangenensammelstellen anzusehen – aber ich hätte einen netten Gegenvorschlag: Wenn da alles so supi ist, dann lassen sie doch – im Gegensatz zu Rostock 2007 – einfach dieses Mal die Anwälte rein zu ihren Mandanten. Steht übrigens auch so oder so ähnlich in einem netten Buch. Die sind zwar alle so trocken zu lesen, aber ich bin sicher, da können sie noch viel draus lernen!

Schade, dass ich nicht da unten bin… viel Glück an die, die da sein werden!

(Für die Nostalgiker: Mein Blogeintrag nach dem G8-Gipfel 2007)

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Ein wenig amüsiert…

…hinterlässt mich übrigens gerade diese DNA-Geschichte mit dem „Phantom“, das nun seit Jahren durch die Polizeiszene geistert. Offenbar waren mit DNA verunreinigte Wattestäbchen daran Schuld, dass bei verschiedensten Verbrechen (wie z.B. dem Heilbronner Polizistinnenmord) immer der gleiche genetische Fingerabdruck gefunden wurde. Ich kann es ja verstehen, dass man sich auf DNA-Spuren verlässt. Soll ja eine ziemlich eindeutige Sache sein. Aber 16.000 Überstunden im Süden unseres Landes, um eine durchs Land marodierende mordende und klauende drogenabhängige Transe zu finden… fantastisch!

Ich bin kein Polizist, erst Recht kein Profiler. Aber das Täterprofil ist wirklich so dermaßen absurd, dass man jetzt im Nachhinein natürlich lachen muss, und sich denken: „Das konnte doch nicht ernstlich einer glauben!?“

Links zum Thema:

  • Spiegel (sind noch weitere Artikel online)
  • taz
  • Bild (toppen mit der Überschrift natürlich alles!)

Getoppt wird das aber alles von der Idee des Bundes deutscher Kriminalbeamter, deren Sprecher als Lösung vorgeschlagen hat, dass die Hersteller doch gleich genetische Daten ihrer Mitarbeiter den Stäbchen beilegen sollten, um derartige Pannen auszuschließen. Vielleicht auch noch das von deren Haustieren und Verwandten? Nachbarn? Der ganzen Stadt? Warum denn nicht…

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Unsortierte Gedanken zum Stand im Heimatland

Eine Woche ist ja scheinbar schon ein enormer Zeitraum, wenn es darum geht, sich zurückzuhalten bezüglich des Geschehens in Winnedde (ich bin Schwabe, ich darf die Stadt so aussprechen).

Es ist wirklich erbärmlich, was in dieser Woche alles passiert ist. Die Tat selbst natürlich eingeschlossen. Aber jetzt – als hätte es die Debatten nicht schon tausendmal gegeben – kommen sie wieder alle aus ihren Löchern gekrochen: All die Menschen, die weiterhin daran glauben, es gebe eine hundertprozentige Sicherheit. Lösungsvorschläge werden gemacht, von denen einer absurder ist als der andere.

Da gibt es wieder die Fraktion, die in „Killerspielen“ die Ursache allen Übels sieht, obwohl das mehr denn je bezweifelt werden darf. Es gibt Spaßvögel, die meinen, wenn es keine Waffen in Privathaushalten geben würde, wäre so etwas wie ein Amoklauf kaum mehr möglich. „Gewaltvideos“ und so sind natürlich auch wieder Thema. Selbst das Internet als Medium wird bisweilen angegangen, wenngleich unklar ist, was für eine Rolle es im aktuellen Fall gespielt haben soll. Natürlich sind auch die Eltern schuld – schließlich muss man sowas ja merken. Und waren nicht die Opfer auch irgendwie selbst schuld – sowas wie Mobbing scheint es ja auch gegeben zu haben…

Leute, seid doch mal ehrlich!

Glaubt ihr wirklich an eine Patentlösung für so einen außergewöhnlichen Zwischenfall? Wie soll die aussehen? Ich weiss, dass es mitunter peinlich ist, mit blöden Gegenfragen zu antworten, aber trotzdem möchte ich mal ein Gedankenspiel wagen:

Wie verhindern wir beispielsweise, dass in Künzelsau Frauen von Stechrochen aufgespießt werden, die von tropischen Wirbelstürmen aus dem Meer bis nach Deutschland getragen werden und dort unvermittelt vom Himmel fallen? Wir können Rochen töten, Künzelsau überdachen, Frauen den Ausgang verbieten, oder wenigstens die Wettervorhersage zuverlässiger machen. Aber werden wir dieses extrem seltene (ich glaube, bisher ungeschehene) Ereignis damit verhindern können? Überlebt nicht ein einzelner Rochen? Ist die Überdachung nicht zu brüchig? Wehrt sich nicht eine Frau gegen das Ausgehverbot? Irrt vielleicht sogar der Wetterbericht?

Wie viele Freiheiten wollen wir einschränken, wie viel präventives Leid ertragen (und damit Amokläufe nicht gerade unwahrscheinlicher machen!), um ein solch extremes Ereignis zu verhindern?

Vielleicht ist es bekloppt, den ganzen Tag TO zu spielen – aber viele tun das gerne und sind harmlos dabei. Von der Bedeutung der Spielewirtschaft ganz zu schweigen. Vielleicht ist es bekloppt, Waffen zu Hause zu haben, aber sind sie wirklich hundertprozentig sicher in Museen, Schützenvereinen oder Polizeihänden? Vielleicht ist es bekloppt, Horrorfilme zu sehen, aber mit einem Verbot würde eine ganze Kunstszene vernichtet. Ja, vielleicht ist sogar das Internet überwiegend bekloppt, aber man würde mit der Abschaffung einen Kultur- und Kommunikationskanal schließen, der in der Geschichte der Menschheit einzigartig ist.

Und Menschen sind eben Menschen. Da gehören auch Eltern dazu, die manche Dinge falsch einschätzen, ebenso wie Mitschüler, denen sich verschließt, welche Waffe das gesprochene Wort darstellen kann. Ich bleibe bei meiner Aussage: In einer Welt, in der ein Amoklauf sicher ausgeschlossen werden kann, will ich nicht leben! Und ich bin mir sicher, dass die meisten anderen das auch nicht wollen würden, wenn ihnen bewusst wäre, wie diese Welt aussehen würde.

Es ist sicher menschlich, Ursachen zu suchen. Es ist sogar sinnvoll, sie zu erforschen und ggf. Lösungswege aufzuzeigen, bzw. Ideen zu entwickeln, wie sich eine Gefahr minimieren lässt. Aber das tumbe Wiederholen von überholten Klischees und das Predigen, dass der jetzt angeblich nötige Schritt auch die letzte Sicherheitslücke schließen würde, sind eben… erbärmlich!

Erbärmlich, weil soviel zu kurz gedacht, dass ich es traurig finde, so etwas aus dem Munde meiner Spezies zu hören.

Das ändert nichts daran, dass ich das Geschehene ernstlich erschreckend finde und natürlich hoffe, dass alle Betroffenen einen Weg finden, damit umzugehen. Aber bitte nicht so wie beispielsweise die BILD oder Herr Wolfgang S.

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Sie wollen es nicht wahrhaben…

…dass ich arbeite.

Das Jobcenter ist eine seltsame Einrichtung. Wenn wir ehrlich sind, dann ist es vor allem dazu da, Geld auszuzahlen. Daneben ist es Beschäftigungstherapie und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die dort Beschäftigten und dient der Regulierung, auf dass auch kein Individuum, das nicht der Lohnarbeit nachgeht, zu viel Geld von der Gesellschaft erhält, der es so gar nichts bringt.

Ich habe mit dem Verein ja nur alibimäßig zu tun gehabt, da ich zum Zeitpunkt meines geplanten Arbeitsantritts berechtig zum Erhalt von ALGII war. Um einen nicht unerheblichen Betrag an Fördergeldern ging es, als ich für ein paar wenige Tage eben jenes ALGII beantragt habe. Um mehr nicht. Zugegeben, die beiden daraufhin erfolgten Auszahlungen habe ich zur Überbrückung bis zum ersten Lohn brauchen können, aber Ziel war das nicht. Naja, [Dankbarkeitsfloskel hier einfügen].

Also hab ich ein paar Hundert Euro von unserem Staat bekommen. Nachdem ich meine Arbeit aufgenommen habe, hab ich artig Bescheid gesagt, dass ich nun kein Geld mehr brauche, weil ich arbeite. Telefonisch. Mir wurde auch bestätigt, dass das so an die Leistungsabteilung rausgeht, und damit ist ja eigentlich alles ok. Ich habe gesagt, ich brauche kein Geld mehr – sie zahlen nichts mehr. Da die nachfolgende Zahlung allerdings schon gebucht war, habe ich für einen Monat ungerechtfertigt Leistungen bezogen. Auch die habe ich gut brauchen können, muss ich aber natürlich zurückzahlen. Kein Thema.

Dachte ich. Recht bald flatterte ein Brief ein, auf den ich antworten sollte: „Ja, ich arbeite, ich verdiene soundsoviel, bitte lassen sie mich in Ruhe!“ Hab ich nicht gemacht, ich böser Bube. Warum auch? Geld bekomme ich seit dem Zeitpunkt eh keines mehr, und damit sollten sie eigentlich zufrieden sein. Ist aber nicht so…

Das heisst: Zufrieden sind sie schon! Sie fordern bislang nicht einmal das zuviel bezahlte Geld zurück. Stattdessen habe ich jetzt eine Erinnerung im Briefkasten, die mir erklärt, ich sei nur bis Ende diesen oder nächsten Monats berechtigt, Leistungen zu beziehen, und ich solle doch meine Nachweise einreichen, dass ich weiter berechtigt bin, Geld zu kriegen. Also die 0 €? Oder wie?

Das ist eine Crux, dass die Leistungsabteilung nicht nur vom Rest der Baggage getrennt lebt, sondern auch noch die schnelleren Entscheidungen trifft. „Sie arbeiten? Das Geld nicht mehr zahlen? Klar, sofort!“ Aber daraus ableiten, dass ich auch sonst nix mit dem Laden zu tun haben will? Niemals! Das muss man schon ordnungsgemäß schriftlich in dreifacher Ausfertigung und mit vom Papst gesegneten Stempel beglaubigen lassen.

Und obwohl ich in mehrfacher Hinsicht Profiteur dieses perfiden Systems bin, finde ich es grausam. Ich meine, es ist an und für sich nicht schlimm, dass sie nur eines Telefonanrufs wegen nicht gleich meine Leistungsberechtigung canceln. Aber zum Einstellen der Zahlungen reicht es also? Mit welcher Logik geht man da ran? Sind die Leistungen also nur zweitrangig für die darauf angewiesenen Menschen? Ich hab so meine Zweifel!

Und wenn wir schon beim Geld sind: Ich bin gerade dabei, angehäufte Schulden abzubezahlen. Würde ich auch mit denen vom Amt machen… aber wie viel denn? Wohin überweisen? Sagt mir ja keiner, denn: Noch darf ich das Geld ja offiziell haben… kaputt, das alles. Echt kaputt.

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