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Blockier‘ se!

Ich möchte hier wegen den immer höher schlagenden Wellen der Kritik gegenüber Wolfgang Thierse als unbedeutender Blogger und ebenfalls Nazi-Aufmarsch-Blockierer sagen, dass ich es sehr sehr lobenswert finde, was Thierse getan hat!

Ich bin nicht in seiner Partei, halte diese sogar für unwählbar, stimme mit ihm grundsätzlich in wahrscheinlich kaum einer Frage überein, aber: Ich bin der Ansicht, dass es völlig in Ordnung war, dass er sich einer Sitzblockade gegen den Neonaziaufmarsch am ersten Mai 2010 in Berlin beteiligt hat.

Sollte ein Gericht feststellen, dass es sich dabei um einen Rechtsbruch gehandelt hat, dann kann ich diese Entscheidung nur verurteilen! Denn ich kann mir kaum schlimmeres vorstellen, als dass die Verbreitung neonazistischer Propaganda mehr dem deutschen Recht entspricht als ein Protest dagegen.

Ja, auch und gerade ich werte die Meinungsfreiheit als eines der höchsten Güter, die uns in dieser Gesellschaft derzeit gegeben sind. Nicht damit vereinbar sehe ich allerdings den Aufruf zur Volksverhetzung, die Verherrlichung des Nationalsozialismus und die Verteidigung der abscheulichen Gedanken, die hinter all dem stehen!

Auch wenn Thierses Aktion vielleicht nur symbolischen Charakter hatte, so bin ich doch froh darum, dass es selbst hier noch hochrangige Politiker gibt, die derart einsatzfreudig zeigen können, was ihre Überzeugung ist!

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Bester Blogeintrag des Tages

Hostblogger zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtes

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Freitag = Polizeitag (3)

Nazidemonstration. In Weinheim. Weinheim?

Muss man nicht kennen, und dank Abwesenheit der Nazis war das eine kurze Gegendemo, die sich bald auflöste und die 200 km Anfahrt nicht wirklich gelohnt hat. Aber gut, ab nach Hause, gemütlicher Abend in der WG. Wir waren zu fünft, und der Rest würde sicher nachkommen.

Wir waren inzwischen fernab jeder größeren Gruppe auf dem Weg zum Auto, als wir merkten, dass uns eine Wanne im Schrittempo folgte. Klar führte das zum ein oder anderen lustigen Kommentar unter uns, aber was wollen sie uns bitte?

Irgendwann haben sie dann aufgeschlossen und fuhren neben uns. Ein neugieriger Beamter fragte aus dem Fenster, wo es denn hingehe.

Ich hab ohne den Blickkontakt zu erwidern den Autoschlüssel aus der Tasche gezogen, hochgehalten und gesagt:

„Zum Auto. Heimfahren.“

Das hat ihnen offenbar als Antwort genügt und sie haben sich zurückfallen lassen. Von uns weichen wollten sie nicht, und wir nahmen es mit einer eigentlich unverständlichen Gelassenheit hin, dass sie offenbar sehen wollten, in welches Auto wir steigen und dabei wahrscheinlich noch kurz das Kennzeichen überprüfen.

Wir hatten keinen Bock auf Stress und sind zügig eingestiegen und haben uns lediglich darüber amüsiert, dass die Überprüfung eigentlich nur ergeben könnte, dass das Auto einem bald 60jährigen gehört, der nur insofern jemals mit der Polizei zu tun hat, als seine Tochter in dem Verein arbeitet…

Also sind wir losgefahren. Aber wohin?

Es war die graue Vorzeit in der Menschheitsgeschichte, in der Navis noch blöd waren wie Nacktmulle im Weltall und zudem unbezahlbar für Proletariervolk wie uns. Also hatten wir einen perfiden Plan: Wir sind immer weiter gefahren, bis eine größere Straße kreuzt. In diese sind wir nach dem Zufallsprinzip eingebogen und haben uns so zu immer größeren Straßen vorgetastet. Irgendwann würde sicher ein Schild Richtung Autobahn kommen…

Das Prinzip ist – wenn man es nicht gerade als Taxifahrer anwendet – sicher nicht blöd und würde auch in Berlin funktionieren. Aber wir hatten ja Geleitschutz. Ganz offensichtlich waren wir ihnen derart suspekt und sie waren unterbeschäftigt genug, uns mit der Wanne zu folgen. Wir sind sicher einen mehr als bekloppten Weg gefahren, aber mit unserem Stuttgarter Kennzeichen hätte unseren Verfolgern auch die Idee kommen können, dass wir nicht zum ausgewählten Personenkreis gehören, die sich in Weinheim – ich wiederhole: IN WEINHEIM! – auskennen.

Wir waren sicher schon fünfmal durchs gesamte Kaff gegurkt, als wir einen relativ komfortablen Vorsprung vor unseren Verfolgern hatten. Ohne die Geschwindigkeitsbegrenzung zu übertreten mehr als 200 Meter. Es folgte eine lang gedehnte Rechtskurve, bei der sie uns aus den Augen verloren.

Es war eine Kurzschlussaktion, dass wir beschlossen haben, wir schütteln sie ab. Wir hatten nun wirklich nichts getan, und es ist einfach wirklich stressig, die ganze Zeit Cops im Nacken zu haben, die einen beobachten…

Also habe ich das Licht ausgemacht und bin in eine recht üppige Parklücke vorwärts eingebogen.

Es hat natürlich nicht geklappt…

Es ist ein ziemlich ungutes Gefühl, wenn man in einem Auto sitzt und neben einem fährt eine Wanne vorbei mit einem kompletten Sixpack schwerbewaffneter Cops darin, von denen jeder die Möglichkeit nutzt, einen hasserfüllt anzusehen. Es kam, wie es kommen musste: Wenige Meter vor uns fuhren sie ebenfalls rechts ran und sprangen aus dem Wagen.

Ich hab die Situation zu entschärfen versucht, bin ausgestiegen, hab die Hände beschwichtigend gehoben und gesagt:

„Ey, keine Panik! War nur ein Scherz…“

Die Antwort folgte prompt. Der Chef erklärte mit einer Hand am Schlagstock übel gelaunt:

„Sie sehen ja: Wir lachen alle!“

Die folgende Dreiviertelstunde standen wir also in Weinheim am Straßenrand und haben uns und unser Auto von den Cops filzen lassen. Dazu kam eine intensive Ausweiskontrolle, und beendet wurde das alles mit einer rechtlich sehr fragwürdigen „Bitte“, die „Stadt“ schnellstmöglich zu verlassen. Das war ja nun wirklich kein Problem.

Etwas Ärger staute sich allerdings in mir auf, als ich linker Hand eine Tanke sah, an der wir dringend unseren Spritbedarf hätten decken sollen. Aber ich bin mir sicher, dass ich heute noch Abdrücke von Schlagstöcken irgendwo im Gesicht hätte, wenn wir an dieser Stelle gewendet hätten. So haben wir uns also bis zur Autobahn eskortieren lassen und das friedliche Weinheim damit verschont, unser gutes schwäbisches Geld dort liegen zu lassen. Der eine Euro mehr beim Tanken auf der Autobahn war dann auch nicht der Rede wert.

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THF/3.400.000

Und einmal mehr bin ich via Aros Blog auf was interessantes gestoßen:

Die von der taz flankierte Forderung, das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof unter allen Berlinern aufzuteilen.

Das Plädoyer in der taz

Erste Reaktionen (auch taz)

Seit einem Jahr ist der ehemalige Flughafen nun Geschichte. Der Volksentscheid brachte den Befürwortern nicht genug Stimmen, sodass seit November letzten Jahres über den Dächern der Anwohner tatsächlich Ruhe eingekehrt ist. Die nun funktionslose Fläche hat ziemlich genau die Ausmaße des Central Park in New York City und stellt die Stadt genau wegen ihrer Einzigartigkeit wieder vor ein Problem:

Was zur Hölle macht man als finanziell klamme Millionenstadt mit plötzlich auftauchenden 340 Hektar Freifläche? Zumal natürlich jeder dahergelaufene Vollspaten irgendwelche Pläne hat.

Die Meinungen über die sinnvollste Nutzung gehen weit auseinander. Vom Senat über Wirtschaftsgrößen bis zu Bürgerinitiativen und Autonomen scheint jeder eine eigene Idealvorstellung vom zukünftigen Treiben dort zu haben. So reichen die Vorschläge auch von Technologieparks über Nobel-Wohn-Viertel bis zu Volksparks und gar der Errichtung eines Berges.

Nun allerdings kam ein nicht uninteressanter Vorschlag zum Thema:

Man teilt das Flughafengelände unter den Berliner Bürgern auf. Durch die zufällige Übereinstimmung zwischen Flugfeldgröße und Einwohnerzahl bliebe für jeden Berliner ein symbolträchtiger Quadratmeter zur persönlichen Gestaltung.

Der Vorschlag versteht sich als radikal- und basisdemokratisches Experiment.

In genau diesem Punkt finde ich die Sache auch interessant. Denn natürlich wäre es beinahe die bekloppteste Idee seit Existenz des Flughafens, das Feld in einen Wald von Schildern zu verwandeln, auf denen jeder – einer pro Quadratmeter – seine Ansprüche kundtut. Aber genau das wäre auch kaum zu erwarten. Der eine Quadratmeter hat für sich genommen keinen sonderlich hohen Nutzwert – da der Raum nicht einmal ausreichend wäre, ein Bett dort unterzubringen. So ist es das wahrscheinlichste, dass sich neben ein paar exzentrischen Eigenbrödlern durchaus Initiativen finden würden, die für größere Projekte Verbündete suchen.

So wäre es durchaus denkbar, dass am Ende von den vielen schon existenten, teilweise halbgaren Vorschlägen einige tatsächlich durchgesetzt werden könnten. Was sind schon 7.500 Leute in Berlin? So viel wären nötig, um beispielsweise einem Fußballplatz seinen Platz zu sichern. Genügend Anhänger für großflächige Grünanlagen, Spielplätze, Wiesen und dergleichen finden sich wahrscheinlich schon unter den Anwohnern.

Natürlich wäre eine derartige Aktion mit der Gefahr verbunden, dass auch selten dämliche Projekte ihren Platz finden würden. Aber wenigstens wäre diese Dämlichkeit ein Abbild der Berliner Bürger, jedes dort entstehende Chaos würde höchstens die Stadt treffend beschreiben und wenn man sich jetzt überlegt, was für ein gewaltiges Potenzial diese Lösung bereithalten könnte, wenn es nicht zum „Worst Case“ kommt… dann kann man fast überwältigt sein.

Ich meine, wir reden hier von Platz für soziale Projekte, von Stadtverschönerung, von Platz für Kunst im öffentlichen Raum. Und vielleicht auch von Schwachsinn, den ich heute nicht einmal abschätzen kann.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Vorschlag gehört wird, ja gar umgesetzt wird, ist natürlich denkbar gering.

Die Stadt hat mit einer verödenden Wiese ja wahrlich viel zu verlieren bei dieser Aktion. Am Geld – so mutmaße ich mal – wird es indes wohl eher nicht scheitern, da ich denke, dass sich die Menschen ihre persönlichen Lieblingsprojekte durchaus was kosten lassen würden.

Wie ihr merkt: Mir gefällt der Gedanke. Wie so oft bei Einzelaktionen wäre das sicher kein Meilenstein in der Weltgeschichte, aber die Vorstellung, etwas völlig unabsehbares anzugehen und etwas derart innovatives zu fördern, finde ich extrem anregend.

Natürlich gäbe es eine Menge Detailfragen zu klären, eine Menge Strukturen zu erschaffen, um das Ganze durchführen zu können und es wäre mit Sicherheit nicht einfach mal kurz in ein paar Wochen erledigt. Aber diese Probleme ergeben sich bei den meisten „konventionellen“ Ideen auch.

Ehrlich gesagt: Ich wüsste gerade auch noch nicht, wofür ich meinen Quadratmeter nutzen oder zur Verfügung stellen würde. Sicher jedoch nicht für neue Bürogebäude oder einen neuen Flughafen…

Und das ausschließen zu können, wäre doch auch schon schön 🙂

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Es ist schwarz und mehr weiss ich nicht…

Keine Sorge, das soll kein Witz über Zeugenaussagen zu einem Verkehrsunfall werden 😉

Ich hab gerade mal wieder meinen Feedreader durchgenuckelt – was ich etwa 6 mal am Tag mache, wenn ich zu Hause bin – und bin dabei – schon wieder via lawblog.de – auf einen Artikel bei welt.de zu den gerade schwer in der Diskussion stehenden „Schwarzlichtblitzern“ gelangt. Soweit nichts aufsehenerregendes.

Ich bin dann aber natürlich ein wenig in die Kommentare abgetaucht und da fand sich natürlich einiges nettes, einiges fragwürdiges und einiges völlig behämmertes. Gut, im schlimmsten Fall kann das bei einem Artikel über Socken auch passieren.

Was mich allerdings wirklich schockiert bei Geschwindigkeitskontrollen an und für sich:

Ich weiss nicht, wie meine Meinung dazu aussieht!

Nix! Ich weiss es nicht!

Ich meine, ich bin hauptberuflicher Fahrer, ich muss doch irgendeine Meinung dazu haben!

Also eine Meinung habe ich irgendwie schon – aber leider führen die Teilaspekte des Themas bei mir zu einem unauflösbaren Widerspruch.

OK, fangen wir mal von vorne an. Wir haben in Deutschland einen verhältnismäßig dichten Verkehr, und der ist geregelt. Es gibt allerlei Vorschriften, wie man sich zu verhalten hat. Verstößt man gegen eine dieser Vorschriften, wird man entweder erwischt oder nicht und davon hängt es bis auf wenige Spezialfälle ab, ob man bestraft wird. Ist ja nicht so sonderlich unlogisch – wenngleich es natürlich immer unfair ist, wenn man selbst erwischt wird. Logisch! 😉

Gut, Geschwindigkeitsmessungen:

Da ist zum einen die erlaubte Geschwindigkeit. Ich weiss eigentlich bis heute nicht, wer sich um diese Geschwindigkeiten kümmert. Im Großen und Ganzen geben die Begrenzungen Sinn, aber die Einzelfälle sind bisweilen derart grotesk, dass wohl jeder Autofahrer schon einmal über eine Regelung verärgert war.

Als Lieblingsbeispiel in die eine Richtung nehme ich z.B. eine der zahllosen Baustellen in Berlin, bei der die Landsberger Allee, auf der normalerweise 50 km/h erlaubt sind (bei 4 Fahrspuren pro Richtung und so gut wie null Fußgängern im Umfeld) einer Baustelle wegen auf 30 km/h zulässige Höchstgeschwindigkeit begrenzt wurde, weil eine Spur wegfiel. Tagsüber ist der Verkehr zu dicht, als dass man ernstlich schneller fahren könnte und nachts ist man alleine auf der Straße, und – ohne Raser zu sein – bediene ich mich immer meines Tachos, um mich überhaupt an die 50 halten zu können. Da ist diese Straße so gefährlich wie eine gesperrte Autobahn bei Sonnenschein. Wozu also 30? Eine Aufhebung dieser Geschwindigkeitsbegrenzung existierte zudem nicht wirklich, bzw. erst nach der nächsten Ampel nach 500 Metern – was (man möge mir meine galoppierende Ungeduld verzeihen, aber meine Kunden laufen Amok, wenn ich die 30 bis dahin durchziehe) bei einer Baustelle von 25 Metern Gesamtlänge reichlich unproportional wirkte…

Als Beispiel für die andere Richtung nehme ich immer gerne eine Landstraße grob in Richtung Mettelberg (keine Sorge, kein Mensch muss wissen, wo Mettelberg liegt!). Es handelt sich um eine langweilige Landstraße mit der üblichen 100 km/h-Begrenzung außerorts. Wegen einer Einmündung ist das Tempo dann für eine Strecke von vielleicht 500 Metern (ja, auch das vielleicht übertrieben) auf 70 km/h begrenzt. Diese Begrenzung wird kurz vor einer Kurve am Waldeingang aufgehoben, die kein Mensch mit einem normalen Auto schneller als 50 km/h unter Benutzung nur einer Spur fahren kann. Hier sind also 100 km/h erlaubt, wo ich gerne für Tempo 50 plädieren würde…

Aber zusammenfassend lässt sich sagen: Geschwindigkeitsbegrenzungen geben natürlich Sinn: Insbesondere ortsunkundige Fahrer erhalten so eine Einschätzungshilfe, überwiegend sogar eine gute, und – das darf man natürlich auch nicht vergessen – im Falle eines Unfalles lässt sich mithilfe fester Grenzwerte bestimmen, wer angemessen gefahren ist und wer nicht. Das Manko ist im wesentlichen, dass man sich als regelmäßiger Fahrer oftmals unsinnig gemaßregelt fühlt. Wobei ich da wirklich kritisch bin, denn natürlich halten wir uns alle für wesentlich krisenfester im Auto als wir es dann in einer Gefahrensituation wirklich sind.

Dann die Kontrollen der Geschwindigkeitsbegrenzungen:

Je nach Vergleichsland haben wir in Deutschland eine mehr oder weniger dichte Verkehrsüberwachung in Form solcher Kontrollen. Ich denke, eher weniger dicht. Es existiert seit Jahrzehnten ein Glaubenskrieg, ob die überwiegende Zahl der Kontrollen nun an den tatsächlichen Unfallschwerpunkten stattfinden oder eher an den Stellen, an denen man schneller fahren könnte als erlaubt, viele es somit machen, und die die Überwachungsgeräte aufstellenden Gemeinden damit eher eine einfache Methode der Geldeintreibung etabliert haben. Meine Meinung liegt irgendwo dazwischen, denn einen Überblick habe ich nicht, und es fällt einem nicht immer leicht, Unfallschwerpunkte als solche zu erkennen. Obwohl ich mir als sehr regelmäßigem Fahrer auf solchen Strecken durchaus auch ein gewisses Einschätzungsvermögen attestieren würde.

Bei den jetzt so neuen Kameras geht es noch zusätzlich um die Frage, ob es legitim ist, eine Messung (ggf. mit Ahndung) vorzunehmen, von der man als Autofahrer erst einmal nichts mitbekommt. Das wesentliche Argument dafür ist das, dass die Fahrer nicht durch den Blitz erschrocken abbremsen und somit den Verkehr erst recht gefährden. Das Gegenargument ist im Wesentlichen, dass es sich um eine verdeckte Überwachung handelt, die es dem ehrlichen Autofahrer, der sich nur mal eben verschätzt hat, erstmal keine Chance auf Einsicht gibt, ja eventuell dazu führt, dass er mehrmals in Folge den selben Fehler begeht.

Natürlich lässt sich das alles kurz zusammenfassen mit dem Satz „Wer sich an die Regeln hält, dem passiert auch nix!“ Dummerweise ist das ein Satz, auf den ich einen Dreck gebe! Denn ich sehe zwar ein, dass ich im Falle eines Unfalls nach der Rechtslage verurteilt werde, wenn ich zu schnell unterwegs bin – auf der anderen Seite weiss ich sehr gut um die unterschiedlichen Fähigkeiten von Fahrern, Autos und sogar die mit dem Wetter wechselnden Komponenten beim Verkehr Bescheid. Ich weiss, dass man sich dabei vielfach verschätzt, aber ich traue mir – und das nicht weil ich so ein lustiges gelbes Papier im Geldbeutel habe – zu, dem Verkehr angepasst zu fahren und keine Gefährdung zu sein, die irgendwie eine Grenze überschreitet. Verdammt, ich bin einer der wenigen Autofahrer, die sich Gedanken über ihre Müdigkeit machen und denen klar ist, dass auch Schrittempo tödlich sein kann, wenn nur die Umstände passen! Insofern lasse ich mir auch ungern was vorschreiben.

Ich mache auch Fehler, genauso wie jeder Autofahrer! Aber ich bin mir der Gefahren und ihrer Folgen stetig bewusst und ich tue mein Bestes, um aus dem Verkehr, zu dem ich meinen Teil beitrage, keinen Kampf ums Überleben, sondern eine friedliche Koexistenz zu machen. Inklusive Rückziehern, Ausweichen, Auf-die-Hupe-verzichten und Gelassenheit. Da tut es einfach weh, auf der Landsberger 30 zu fahren, sich dafür anmaulen zu lassen und dann beim leicht verfrühten Rausbeschleunigen Ärger zu kriegen, der den Lebensunterhalt kosten kann. (Extrem formuliert, ich geb’s zu!)

Und da ist der Widerspruch: Ich sehe tagein, tagaus eine schier unüberschaubare Menge Idioten auf der Straße, für deren Verhalten – und ich meine keine Leichtsinnsfehler – ein Führerscheinentzug nur der Gipfel des Eisbergs sein sollte. Und gewissermaßen liegt mir viel daran, dass das auch mal passiert.

Auf der anderen Seite halte ich gar nichts von präventiver Überwachung, von Generalverdacht und maße mir in manchen Fällen sogar an, die Entscheidungen der Obrigkeit zu kritisieren, weil ich sie für wirklichkeitsfremden Quatsch halte. Und ich somit für einen Verstoß dagegen manches Mal lieber Medaillen verleihen als Fahrverbote verhängen würde, wenn es meine Aufgabe wäre.

Ganz wichtiger Fakt am „Rande“: Auch im Verkehr kann es keine absolute Sicherheit geben! Ich will in keinster Weise das Rasen oder gar irgendwelches total bekloppte Verhalten gutheissen, aber: Es werden immer Menschen im Verkehr sterben! Genauso wie immer Menschen von Leitern fallen werden. Wir snd als Spezies bekloppt genug, der Tatsache zu trotzen, dass wir keine Fressfeinde mehr haben.

Selbst wenn es Zeichen einer gesunden Gesellschaft sein sollte, dass man über diese Thematik ständig streitet: Muss es deswegen normal sein, dass ich mir selbst nicht im Klaren bin, was ich davon zu halten hab?

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Zeit für Drogen!

Wow! Ich bin wirklich von ganzem Herzen sarkastischer Pessimist, was die Gesellschaft und die Menschen auf dieser Welt angeht. Da fühle ich mich ja fast schon persönlich getroffen, wenn jetzt bei der „Zeit“ ein Text zur Legalisierung von Drogen erscheint. Es ist unschwer zu erahnen, dass der Autor meinen Nerv trifft – wenngleich ich seiner Argumentation teilweise nicht viel abgewinnen kann. Denn das Hochrechnen von Leid gegen Leid ist eine zumindest fragwürdige Geschichte.

Aber es ist ein Thema, über das ich hier im Blog – soweit ich mich erinnern kann – noch nicht wirklich viel geschrieben habe, also greife ich es doch gerne mal auf, wenn lawblog.de es mir im Feedreader doch so schön auf dem Silbertablett serviert.

John Gray betrachtet in seinem Artikel den „Krieg gegen die Drogen“ als gescheitert an und verweist auf zigtausend Tote in den Kämpfen rund um die ein oder anderen Suchtmittel. Er verweist insbesondere auf die durch die Illegalität entstehenden hohen Preise für Drogen, den Zwang zur Beschaffungskriminalität und auch darauf, dass die Drogenszene einen vermeintlich einfachen Weg des sozialen Aufstiegs in manchen Kreisen verheisst, der allerdings mit einer Sozialisierung in eine gewalttätige Bandenkultur einhergeht. Desweiteren schneidet er an, dass derzeit die Gewinne der Drogenkartelle oftmals eine Unterstützung des Terrorismus sind.

Die Gegenargumente auf moralischer Seite – das Leid der Betroffenen – wischt er mit der Behauptung beiseite, den Menschen selbst gehe es bei staatlich kontrollierter Drogenabgabe immer noch besser. Zudem fügt er an, dass die Prohibition bei Drogen ein eigentlich junges Phänomen ist, was sicher auch als Seitenhieb gegenüber den Konservativen Vertretern einer harten Drogenbekämpfung verstanden werden kann, da es die Normalität von Drogen in der Gesellschaft unterstreicht.

Ich gebe dem Autor mit ein paar Abstrichen Recht.

Nun wisst ihr: Ich arbeite in einem Job, der sich nur mit zwei legalen Drogen (Nikotin und Koffein) verträgt, und es sollte klar sein, dass ich nicht meinetwegen für eine Freigabe der anderen Drogen plädiere. Zugegeben, ich würde durchaus gerne mal wieder während des Urlaubs einen Joint rauchen können – ein Vergnügen, auf das ich seit nunmehr mehreren Jahren verzichte, da die Abbauprodukte von THC zu lange nachweisbar sind, als dass ich da meines Jobs noch sicher sein könnte. Aber sonst?

Es fängt ja eigentlich schon mit der schwierigen Frage an, was Drogen sind, wer sie wie verwendet und ob sie dementsprechend überhaupt nötig sind. In letzter Konsequenz wage ich zu behaupten, dass Drogen an und für sich als Produkte nötig sind (Schmerzmittel), als Genussmittel eigentlich verzichtbar, aufgrund unserer Menschlichkeit allerdings nicht zu beseitigen sind.

Sind wir mal ehrlich: Ein drogenfreies Leben ist eine wunderbare Vorstellung, und es gibt auch einige Menschen da draussen, die das in Bezug auf das, was gemeinhin Droge genannt wird, auch ganz gut schaffen und sehr zufrieden damit sind. Die meisten allerdings nicht. Ich möchte hier gar nicht aus meiner Position als Alkoholtrinker und Nikotinabhängiger gegen ein drogenfreies Leben anschreiben, aber schon unser verhältnismäßig zivilisiertes Land besteht zu einem Gutteil aus Leuten, die ihren normalen Lebensrhytmus nicht einhalten könnten, wenn sie der Kaffee morgens nicht aufputschen würde. Dazu kommen sicher noch ein paar Millionen, die die körperlich positiven Wirkungen eines eiligst verschlungenen Schokoladenstückchens erliegen, wenn ein seelischer Tiefpunkt erreicht ist. Man braucht also eigentlich beim Thema Drogen noch gar nicht bis zu den „harten“ legalen oder gar den illegalen Drogen gehen, wenn man argumentiert.

Aber spätestens beim Feierabendbier und der Zigarette danach wird offensichtlich, dass die meisten Menschen zumindest gelegentlich Mittel zu sich nehmen, die ihre körperliche und / oder psychische Verfassung in irgendeiner Art und Weise angenehmer machen.

Dass die Grenze zwischen Legalität nun ausgerechnet zwischen Alkohol und THC angesiedelt ist, lässt ja bekanntermaßen nicht nur die ganzen Hardcore-Kiffer, sondern auch anerkannte Drogenexperten ratlos zurück.

Nicht, dass ihr mich falsch versteht: Drogenkonsum hat in jeglicher Form Folgen für die Gesundheit und verursacht damit natürlich auch gesellschaftliche Kosten. Da sind wir uns einig. Aber wir sollten uns der Logik wegen durchaus auch die Frage stellen, welche anderen Auswirkungen sie haben. Selbst zu den illegalen Drogen zählen etliche Aufputschmittel, und es gibt noch nicht einmal Zahlen darüber, wieviele Milliarden Euro jedes Jahr zusätzlich erwirtschaftet werden, weil Menschen unter ihrer Zuhilfenahme in der Lage sind, 18 Stunden wertschöpferischer Arbeit nachzugehen. Und ohne meine Koffeintabletten hätte ich auch schon ein paarmal früher Feierabend gemacht…

Zunächst aber ist festzuhalten, dass Drogenkonsum ein gesellschaftlich altes Ritual ist. In jeder Kultur sind zumindest einige (gesellschaftlich nicht unwichtige) Leute immer befugt gewesen, sich das Gehirn zuzunebeln, um dem Pöbel zu erklären, dass es Götter gibt, dass das Leben mehr bietet als das, was man sieht. Und wer Geld hatte, hat sich auch zu fast jeder Zeit mit irgendwelchen berauschenden Mitteln der Kunst oder der Liebe hingegeben. So schlecht das für den einzelnen gewesen sein mag, so wenig ist auch nur abzuschätzen, was unsere Kultur ohne Drogen überhaupt wäre.

Aber bleiben wir in der heutigen Zeit:

Die Drogen, von denen wir eigentlich sprechen wollen, sind heutzutage mit wenigen Ausnahmen Probleme der unteren sozialen Schichten. Zwar denke ich, dass der brave CDU-Wähler erschrecken würde, wenn er wüsste, wie viele Politiker und Manager gelegentlich Koks konsumieren, aber was man in der Gesellschaft neben den legalen Drogen mitbekommt, sind doch eigentlich die Nachrichten über Drogentote auf der Straße, über Kämpfe in irgendwelchen Ländern, die wir nur schwer auf einer Landkarte finden, über planlose Jugendliche, die unser Bildungssystem in Frage stellen und nebenbei noch ein paar Bodybuilder mit verkümmerten Genitalien.

Also hey, alles nix was uns als normale Menschen was angeht, oder?

Aber natürlich tut es das! Denn unsere Gesellschaft ist lange nicht mehr auf dem Stand, dass Einzelereignisse keine Auswirkungen auf den Rest mehr haben. Es war sicher ein grundsätzlich gut gemeinter Ansatz, die Menge an gefährlichen Drogen in der Gesellschaft zu dezimieren und sie für Idioten unzugänglich zu machen. Leider ist das sogar für den Fall, dass Wolfgang Schäuble irgendwann Alleinherrscher wird, nicht machbar. Genausowenig wie es absolute Sicherheit in Punkto Gewalt gibt, gibt es sie im Bezug auf Drogen.

Ganz von der Hand zu weisen ist die Argumentation, dass eine Illegalisierung eine gewisse Abschreckung bewirkt, zwar nicht – im Falle von schwer süchtigmachenden Substanzen liegt hier allerdings auch eine besondere Perfidie gegenüber den Menschen vor, die vielleicht aus Dummheit mal einen Fehler gemacht haben. Denn letztlich treibt man diese Menschen nun dazu, sich auf einem unübersichtlichen Markt zu versorgen, der weder Qualitätskontrollen kennt, noch in irgendeiner Form Sicherheiten kennt. Da sich jeder dort agierende Mensch immer mit einem Fuß im Gefängnis befindet, ist es nur logisch, dass sich so ein Milieu bildet, dass im Großen und Ganzen durch Gewalt und Einschüchterung zusammenhält. Sobald man illegale Drogen erwirbt, verwirkt man jegliche rechtliche Sicherheit. Klar kann ich meinen Dealer nicht verklagen! Also auf’s Maul!

Insofern ist die Aussage von Gray, dass die Betroffenen im Falle einer Freigabe von Drogen gesünder leben würden, kein lahmes Umherlabern, sondern ein handfestes Argument. Denn im Falle einer Legalisierung könnte man natürlich eine Art Qualitätssicherung einführen. Man könnte juristische Rahmen für die Geschäfte entwerfen – und das ist ja nicht alles.

Wenn das Ganze in den anerkannten Wirtschaftskreislauf überführt wird, sinken die Preise für den Endverbraucher, und das obwohl eine ganze Multi-Milliarden-Industrie aus der Illegalität in die Öffentlichkeit wandern könnte. Es bestünde die Möglichkeit, aus den Millionen Händlern und Zulieferern legal arbeitende Menschen mit sozialer Absicherung zu machen. Zum einen würden die weiterhin nach alten Mustern operierenden Kartelle langsam bedeutungsloser werden – was den bisherigen Protagonisten bei der Herstellung und im Verkauf unglaublich helfen würde. Zum anderen gäbe es Chancen auf staatlicher Seite, auch auf die Drogen selbst Steuern zu erheben, was zusammen mit der Entlastung von Judikative und Exekutive die gesellschaftlichen Kosten des Drogenkonsums wahrscheinlich über Nacht in eine dicke Einnahmequelle verwandeln würde.

Bei allem Verständnis für die Angst vor mehr Drogensüchtigen darf man nicht vergessen, dass man zur selben Zeit Millionen Menschen ein vernünftiges Leben erst ermöglicht. Und ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass wir eine Menge Leute entlasten, die wirklich nie irgendwas schlimmes gemacht haben, außer etwas zu konsumieren.

In dem Punkt sehe ich mich wieder selbst als gutes Beispiel. Vor Jahren habe ich hier und da gelegentlich etwas Gras geraucht. Das mache ich seit Ewigkeiten nicht mehr, aber es hätte sein können, dass ich deswegen meinen Job heute nicht machen könnte oder nie die Chance hätte, gewisse andere Berufe zu ergreifen. Weil ich ein paar Mal einen Abend lang Spaß hatte, ohne dass irgendwer dabei zu Schaden gekommen ist…

Sind wir doch mal ehrlich: Was maßt sich unser Staat eigentlich an, derart über unsere Freizeit zu bestimmen?

Natürlich bin ich nicht dafür, dass noch mehr Drogen konsumiert werden. Es sind tausende, die durch Drogenkonsum auch ohne ihre Kriminalisierung gestorben wären. Ebenso ist Verelendung nichts, was den Abhängigen von hochpreisigen Drogen vorbehalten ist. Einen Ausblick auf dieses Leben geben ja die vielen Alkoholabhängigen unter den Geringverdienern und Arbeitslosen. Das wichtigste ist aber Prävention in Form von Aufklärung! Und wenn wir ehrlich sind: Die wird momentan einfach nicht zufriedenstellend geleistet. Wer hat denn in der Schule ernsthaft was über Drogen gelernt? Mit viel Glück hat man ein paar Horrorbilder von fast toten Junkies gesehen, und irgendwann war ein Polizist zu Besuch, der einem erklärt hat, dass man sterben kann und keinen Führerschein bekommt, wenn man Drogen nimmt. Vielleicht bin ich ob dieser Methoden etwas zu pessimistisch, aber wenn man nach solchen Erläuterungen dann irgendwann vielleicht doch mal Drogen nimmt, stellt man plötzlich fest, dass man danach immer noch lebt und es niemand mitbekommen hat, man also auch seinen Führerschein behalten darf. Das animiert nicht gerade dazu, es bei einer einmaligen Erfahrung zu belassen, wenn es ansonsten doch lustig war.

Es müsste Platz gemacht werden für ernstliche wissenschaftliche Aufklärung ohne das Damoklesschwert mit den eingravierten Buchstaben „Und ausserdem isses eh verboten, also Finger weg!“

Dass ich nicht dafür bin, Heroin an Kleinkinder abzugeben, schreibe ich mal vorsichtshalber hier hin. Ich hoffe, auf die Idee ist jetzt niemand gekommen… gegen eine wie auch immer geartete Zugangskontrolle habe ich nichts einzuwenden.

Ich bin mir sicher, dass es andere Möglichkeiten als die jetztigen gibt. Aber wie bei so vielen Themen müsste man dazu ohne parteipolitische Scheuklappen sachlich an ein Thema rangehen. Wieso widerlegen Politiker diese Theorien immer mit Drogenstatistiken rund ums Kottbusser Tor? Wieso hackt die Bild-Zeitung auf Jugendlichen aus dem Drogenmilieu rum, die sich eine Handtasche klauen, ohne mal wenigstens bis zur Frage nach dem Preis für Drogen zu recherchieren? Bzw. zu denken…

Und da sind wir wieder an dem Punkt, der mich am politisch konservativen Geschehen so ankotzt: Man versucht ungeachtet der enormen Möglichkeiten am Status Quo festzuhalten. Denn von da aus, wo die Entscheidungen getroffen werden, sieht es ja immer so schön aus, als würde alles funktionieren. Dass Bayern Solarzellen nach Honduras exportiert ist eine schöne Geschichte, dass Horst Seehofer aber über genauso viele oder wenige Umwege mit einem erschossenen 14jährigen in Mexico-City in Verbindung gebracht werden könnte… wie kann ich es nur wagen, sowas auszusprechen?

Aber vielleicht flammt die Debatte ja mal wieder auf…

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Die Bekloppten in der Heimat

Am heutigen Tag fand in Stuttgart ja eine scheinbar wirklich innovative und intelligente Aktion gegen Gewalt statt. Das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ stellte vor der Stuttgarter Oper Container auf, in die man seine „Killerspiele“ werfen konnte.

Ehrlich gesagt bewirkt diese Lernresistenz der natürlich moralisch über alles erhabenen Opfern der Tragödie bei mir ziemlich dringlichst das Bedürfnis, mich an irgendwas abzureagieren. Wie praktisch, dass ich gerade FarCry installiert habe… 😉

So leid es mir für die Betroffenen tut, aber mehr als Fremdscham, Wut und Verzweiflung wird diese Aktion bei mir nicht hervorrufen. Und ehrlich gesagt: Ich halte mich nicht einmal für den unsensibelsten Menschen.

„Spiele, die das Töten von Menschen simulieren“ konnten dort also in einen Container geworfen werden. Das ist so unglaublich neu – das wird die Bedeutung von Containern revolutionieren. Es ist ja nicht so, dass verantwortungsvolle Eltern nicht bisher auch gewisse Möglichkeiten gehabt hätten, in irgendeiner Form mit dem Medienkonsum ihrer grenzdebilen Sprößlinge umzugehen.

Die Tatsache, dass einige der nun vernichteten Spiele sicher irgendwann nachgekauft werden, und somit dieser total verantwortungslosen Industrie, die quasi mit Mord ihre Umsätze macht, einen weiteren Gewinnzuwachs bescheren wird, fasse ich mal als witzigen Nebeneffekt auf.

Ich meine, es gibt viele politische Aktionen, die auf kurze Aufmerksamkeit setzen, und das ist nicht per se schlecht. Ein paar Leute beschäftigen sich ja durchaus erstmals bei solchen Gegebenheiten mit Politik. Das Anliegen in diesem Fall ist aber eine so lächerliche Form von Selbstgerechtigkeit, dass es nicht mehr feierlich ist. Ich bin wirklich so dreist, und sage einfach mal, dass jeder verdammte Idiot auf diesem Planeten, der Computerspiele dafür verantwortlich macht, dass Menschen getötet werden, zu dumm oder zu faul ist, sich mit den wirklichen Problemen vertraut zu machen. Und nicht nur das: Wenn sie selbst Kinder haben, dann ist als besonders eklatanter Vorgang der Verblödung festzustellen, dass sie von ihren Kindern und ihrer Welt keinen Plan haben. Punkt.

Da braucht mir keiner daherkommen mit „Sie können das nicht beurteilen, wenn sie selbst kein Kind verloren haben“. Denn es ist integraler Bestandteil dieser Debatte, dass keiner der Akteure wirklich informiert über irgendwas ist.

Ich hab die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen, und all die psychologischen Gutachten, die regelmäßigen Spielern eine höhere Gewalttoleranz oder eine niedrigere Hemmschwelle attestieren, will ich nicht mal ansatzweise angreifen. Aber ich werde niemals von der Behauptung abrücken, dass man für das letztliche Umsetzen eines Blutbades ganz gehörig einen an der Murmel haben muss – und das ist bei aller Angst vor „neuen“ Technologien noch keinem Medium alleine gelungen.

Ich meine, es ist doch sehr bezeichnend, dass die ganzen Horror-Videos, die in den Achziger Jahren all die Gewalt verursacht haben sollen, weiterhin existieren und heute scheinbar nicht mehr so schlimm sind. Also, dann warten wir doch noch 10 Jahre, dann legt sich die Gefährlichkeit der Killerspiele sicher auch wieder…

Und zum Abschluss ganz ruhig ausformuliert:

Liebe besorgte Eltern im Ländle. Ich weiss ihr Bemühen um eine sicherere Welt zu schätzen. Zur Wirksamkeit ihrer Kampagne möchte ich – ohne dass dies überspitzt gemeint ist! – anmerken, dass ich als Sash wahrscheinlich Amok laufen würde, wenn Menschen wie sie das Geschehen in diesem Land über ein erträgliches Maß hinaus bestimmen. Denken sie darüber nach, ob das ein Fortschritt wäre…

Nachtrag:

Die „sehr erfolgreiche Aktion“ fand im übrigen enorme Resonanz:

(via lawblog.de und jensscholz.com)

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