Category Archives: Politik

20,4

In Anbetracht der Meldungen der letzten 24 Stunden (Ja, der Bundestrojaner) möchte ich nur mal mit dem Zaunpfahl winken und „die da oben“ an Artikel 20, Absatz 4 des deutschen Grundgesetzes erinnern.

Nur so, falls ihr meine Festplatte nicht lesen könnt, weil ich Linux verwende 😉

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Urheberrechte im Tunnel?

Wenn Fremdschämen ein Profisport wäre, käme man seit vergangener Woche ja kaum mehr am Dopingmittel Kauder vorbei. Mit seiner überaus faszinierenden Aufführung zum Thema Urheberrecht hat Kauder es soweit getrieben, dass kein Satirker es bisher geschafft hat, diese Aktion auch noch angemessen durch den Kakao zu ziehen. Würde ich als Ausländer diese Story in der Zeitung lesen, würde ich wahrscheinlich abwinken und sagen:

„Mal ganz im Ernst: Wenn der Kerl wirklich so blöd wäre, wie hier steht, dann hätten die Deutschen den doch nicht gewählt, sondern schon im Kindesalter erschlagen.“

Zumindest dachte ich, dass ich sowas sagen würde. Dummerweise hat es mir bei einer weiteren Eselei in der Politik Europas in ähnlich krasser Ausprägung einfach die Sprache verschlagen, sodass ich mich korrigieren muss. Ich kann darauf nichts sinnvolles sagen.

(mal ganz davon abgesehen, dass die Idee mit dem Wählen ja so eine Sache ist in einem Land, in dem ein verfassungswidriges Wahlrecht durch ein verfassungswidriges Wahlrecht ersetzt wird)

Der Fauxpas, von dem ich jetzt kurz reden will, ist der der italienischen Bildungs- und Forschungsministerin Mariastella Gelmini. Die hat in einer Pressemeldung den italienischen Beitrag zur Entdeckung der inzwischen schon sprichwörtlichen überlichtschnellen Neutrinos am CERN gelobt. Genauer: Sie hat den Tunnelbau vom CERN nach San Grasso gelobt. Also den Tunnel für die Neutrinos…

Sie konnte sogar den Betrag beziffern: 45 Mio. soll er gekostet haben.

Dumm nur, dass die Neutrinos gar keinen Tunnel brauchen, weil sie kaum mit Materie wechselwirken. Aus diesem (in meinen Augen naheliegenden) Grund hat natürlich auch niemand einen Tunnel für die niedlichen Elementarteilchen gebaut. Weder die Schweizer, noch die Italiener. Aber woher sollte man sowas als zuständige Ministerin auch wissen?

Und da möchte ich kurz zurückkommen auf die Causa Kauder. Weder er, noch seine italienische Kollegin haben irgendwas total wichtiges vergeigt. Im Leben und Sprachgebrauch der meisten Arbeiter und Angestellten wird nicht zwischen Urheberrecht und Verwertungsrechten unterschieden. Ebenso interessiert es außer Physikern kaum jemanden, ob irgendwelche Neutrinos nun Tunnel brauchen oder nicht. Da dürfen Versprecher und Denkfehler vorkommen.

Aber wenn jemand auf höchster politischer Ebene über Gesetze mitbestimmt, dann haben wir alle – egal, was für Schluffis wir gewählt haben – ein Recht darauf, dass jemand auf dem Posten sitzt, der entweder Ahnung von den Entscheidungen hat, die er treffen muss – oder dass er wenigstens einen Beraterstab hat, der ihm oder ihr diese Ahnung vermitteln kann. Irgendwelche Flitzpiepen, die für die richtige Parteizugehörigkeit und ihr Talent zum inhaltsleeren Dummschwätzen Geld bekommen, haben in solchen Positionen aber mal sowas von null und garnix zu suchen!

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Nein. Nicht.

Ach Google, wie kannst du nur so an mir zweifeln?

"Wahl Hamburg" - Meinten sie "Wahl Honululu"? Quelle: google.com

Nee, is klar…

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50%-Wetter

Also wenn ich mir das so ansehe, könnte ich mir auch schöneres vorstellen, als nachher extra zum Wählen da raus zu gehen. Das riecht nach einer geringen Wahlbeteiligung, wenn ihr mich fragt…

 

Nächstes Mal Briefwahl! Quelle: Sash

Naja, hoffen wir das Beste!

Nachtrag: Sehe gerade, dass ich heute wieder nebenan wählen darf und nicht zum Altersheim rüberlatschen muss. Nimm dies, Wetter! 😉

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Freiheitsentzug

Ich habe heute erfahren, dass ein Freund von mir zu einer etwa einjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Auch wenn ich persönlich bisher meist gute Erfahrungen mit der Justiz gemacht habe, bleibt mir kaum mehr, als ein „Fuck you!“ an die Beteiligten auszusprechen!

Ich kenne diesen Menschen als einen wirklich liebenswerten Kerl und es tut mir weh zu sehen, dass er wegen einer Rangelei bei einer Demo (bei der ich auch dabeigewesen wäre, würde ich noch in Stuttgart wohnen) derart harte Konsequenzen zu tragen hat.

Ja, ich bin nicht dagewesen! Ich kann somit nichts darüber sagen, ob die Anklagepunkte irgendwie rechtens sind (böse linksradikale Seite). Aber – und so viel Subjektivität müsst ihr mir zugestehen – ich weiss, dass nun ein wirklich beispiellos guter Mensch seiner Freiheit für ein Jahr seines Lebens beraubt wird, weil er sich aktiv mit etlichen anderen gegen eine beschissene rassistische Wahlkampfveranstaltung engagiert hat.

Ich hatte selbst schon Auseinandersetzungen mit unserer Staatsmacht und bin nur zufällig irgendwie immer auf den Füßen gelandet, ohne belangt zu werden für meine Gegenwehr gegen unsinnige Gewalt. Und genau diese Erfahrungen lassen mich vermuten und es nicht unplausibel finden, dass hier ungerechtfertigterweise ein Exempel an jemandem statuiert wird, der das nicht verdient hat.

Ich fühle mit ihm und verachte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft dafür, dass Chris nicht zu meiner Hochzeit kommen können wird!

🙁

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Internet? Hallo?

(Update am Ende des Artikels)

Man soll ja nicht im Vorfeld schon jammern. Zuversicht ist eine Tugend und außerdem weiss man ja, dass man als Überbringer schlechter Nachrichten als erster geköpft wird. Also nein! Natürlich ist bei der Online-Petition für ein Verbot der Vorratsdatenspeicherung noch nichts verloren. Bis heute Abend um 24 Uhr ist noch Zeit, mitzuzeichnen.

Aber auch wenn gerade mehr neue Zeichner dazukommen als irgendwann sonst in den vergangenen 3 Wochen, ist das doch ein Armutszeugnis. Ich meine: 50.000 Leute? In 3 Wochen? Das ist so Pi mal Daumen das, was ich demnächst an Blogbesuchern in dem Zeitraum habe.

Das mag eine unglaubliche Zahl sein, wenn sie in der Schlange vor einem vor dem Klo stehen, aber für eine Online-Petition zu einem Thema, das zumindest im politischen Spektrum links unserer derzeitigen Regierung kaum strittig ist unter nachdenkenden Menschen?

Ich weiss ja auch, dass diese Petition vielleicht nichts und im besten Falle nicht viel bewirkt.

Aber falls man irgendwann in der Zukunft doch mal genötigt ist, unfähige Politiker aus dem Bundestag rauszuprügeln, dann wird das viel mehr Spaß machen, wenn man ihnen dabei erzählen kann, dass man es ja auch anders versucht hat 😉

Ich hoffe einfach mal, dass alle die das lesen, die Petition schon mitgezeichnet haben. Wenn nicht, dann überlegt mal, warum eigentlich nicht.

Online-Petition

zeichnemit.de

Update: Irgendwie sind einige Zahlen bei der Petition durcheinandergerutscht, oder es liegt an der groben Regelung mit den „50.000 Mitzeichnern binnen 3 Wochen“. Ich weiss es nicht. Tatsache ist, man kann immer noch mitzeichnen (Kann man sowieso noch bis nächsten Monat, nur wird es dann wahrscheinlich noch weniger bringen als nichts) und ich kann es nur jedem anraten. Heute klappt das nämlich 🙂
Wer noch eine Entscheidungshilfe braucht, kann es ja auch mal mit Sascha Lobo probieren.

Update 2: Strike! Die 50.000 wären erledigt. Nu mal sehen…

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An die Angsthasen

Dass ihr das nicht lesen werdet, ist leider zu befürchten. Das hier ist nicht der Leitartikel der FAZ und nicht einmal eine Verbalentgleisung eines grenzdebilen Dampfplauderers auf Seite 2 von Deutschlands meistgehasstem Klopapier. Es ist nur ein Blogeintrag. Damit ist ja auch schon alles gesagt.

Euren Einsprüchen gegen fast mein gesamtes Leben und den weltweit größten Kulturbetrieb aller Zeiten ist in der Regel gemein, dass sie über „das Internet“ berichten und beginnen, zwar eine Grenzlinie zwischen euch und denen zu ziehen, die eine Maus bedienen können, dabei aber wahllos alle halbwegs plausiblen Unterschiede zwischen Schülern, Künstlern, Kleinkriminellen und Terroristen plattbügeln, um die vermeintliche Gefahr des weltweiten Netzes begründen zu können.

Da die menschliche Bandbreite an verachtenswerten Taten vom an sich harmlosen Beleidigen bis zum gezielten Einsatz von Massenvernichtungswaffen reicht, ist das was ihr Internet nennt, sicher nicht fehler-, kriminalitäts- oder gewaltfrei. Anstatt zu akzeptieren, dass es sich bei der Vernetzung der Menschen – hinweg über Nationen, Kontinente, Geschlechter, Stände und Systeme – letztlich nur um ein Spiegelbild und zugleich eine Fortführung der Gesellschaft(en) handelt, die ihr nun besser findet als „das Netz“, propagiert ihr wie letztlich alle vor euch, die noch gegen eure liebgewonnenen Spielzeuge (Handy, Fernsehen, Postkarte etc…) gekämpft haben, dass ausgerechnet dieses seltsame Internet jetzt der Untergang unserer Werte und Kultur oder wenigstens eurer Nachtruhe ist.

Diese Untergänge haben wir seit der Erfindung des Buchdrucks also regelmäßig und euer viel geliebtes und hoch gelobtes Leben im Deutschland eurer Träume wäre nie möglich gewesen ohne den anhaltenden Fortschritt.

Schon jetzt ist zu erkennen, dass das, wogegen ihr euch strebt, den nachfolgenden Generationen ein vielfach besseres Leben ermöglichen wird. Und wenn ihr mal ehrlich seid: So lange auch die DAX-Konzerne dabei mitverdienen, ist euch das doch im Prinzip auch Recht.

Wie viele Untersuchungen gab es eigentlich zur Frage, ob die französische Revolution durch ein fortschrittliches Postsystem begünstigt wurde oder worden wäre? Und trotz der erschreckenden Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus konnte sich das Radio letztlich durchsetzen, obwohl es garantiert in wesentlich gröberem Umfang zum Niedergang eines ganzen Kontinents beigetragen hat, als jedes andere Medium bisher.

Ist euch denn völlig entgangen, inwiefern das Internet zur Vereinfachung des Lebens beigetragen hat? Wie sehr es den Wissenschafts- und Kulturbetrieb bereichert und beschleunigt hat? Wie sehr es die Wirtschaft in jeder Sekunde fördert, wie sehr es Menschen hilft, in Kontakt zu bleiben, Kontakt zu finden?

Euer Problem ist nicht das Internet. Ihr habt Angst vor den Menschen. Als Notbehelf, um diese Argumentation zu entkräften, erfindet ihr die Web-2.0-Generation, die wenn nicht pädophil und terroristisch, dann doch wenigstens dumm, fett und gewaltbereit diesen ominösen virtuellen Raum bevölkert. Dieser Raum lässt sich in eurer Vorstellung dann einfach abschließen, der Schlüssel wird weggeworfen und das Problem ist erledigt. Das kann nicht funktionieren, weil die Menschen aus genau derselben Welt stammen wie ihr. „Das Internet“ ist keine große Sammlung von Freaks und Psychopathen, sondern in weit größerem Maße die Welt der Chefs und Politiker von morgen.

Stoppschilder gegen Sexualstraftäter, Twitter-Shutdown gegen Krawalle, Vorratsspeicherung gegen Terroristen und Facebook-Verbote gegen Datenmissbrauch! Wenn die Welt so einfach wäre, wie ihr sie in eurem Unwissen verkaufen wollt, dann würden wir doch längst den Frieden auf Erden haben. Wir könnten Zäune in Fußgängerzonen stellen, die Telefone verbieten, überall Kameras in die Wohnungen der Menschen hängen und die deutsche Post zerschlagen. Ist das die Welt, wie ihr sie euch vorstellt? Ich glaube nicht, aber das ist das, was ihr meiner Ansicht nach und der Ansicht vieler Millionen Menschen nach vorschlagt.

Ist es nicht eigentlich die pure Unwissenheit, die euch treibt?

Wer von euch hat schon einmal mit einem Blogeintrag mehr bewegt als mit einem Leserbrief an den Spiegel? Wer von euch hat mal einen alten Schulfreund via Facebook wiedergefunden, wie viele geschäftliche Kontakte habt ihr bei Google+ schon geknüpft? Wer hat seine Urlaubsbilder bei Picasa mal auch den Leuten zeigen können, die für einen Dia-Abend zu beschäftigt waren? Wer von euch hat seine Freunde mal via Twitter schnell und problemlos zu einem Feierabend-Umtrunk eingeladen? Wer von euch hat schonmal mit seiner eigenen Homepage ein Bewerbungsgespräch vermittelt bekommen? Wer von euch hat schon einmal eine wissenschaftliche Arbeit mit frei verfügbaren Quellen aus dem Internet verfeinert oder Aufnahmen der alten Schulband irgendwo bei myspace wiedergefunden, die als verschollen galten?

Jede Wette, dass ich alleine auf meine persönliche Positivliste mehr Punkte setzen kann, als euch überhaupt Terroranschläge einfallen, die seit der Erfindung des Computers verübt wurden!

Ich finde es unangemessen, auf Probleme mit schönen Utopien voller Blümchen und niedlicher Tierchen zu antworten. Der Grund, warum ich es in gewisser Weise hiermit tue, ist der: Das Internt IST eben das eine wie das andere! Es ist ein so heterogener Raum, eine so große Vielfalt, dass es ohnehin Schwachsinn ist, es immer mit einem Wort zusammenzufassen.

Wenn ihr wirklich der Meinung seid, das Telefon gehöre abgeschafft wegen der vielen obszönen Anrufe, die man damit tätigen kann: OK, dann seid ihr einfach Idioten! Wenn ihr aber tatsächlich Angst habt, dann kann ich nur raten, es mal auszuprobieren. Irgendwann stellt man nämlich fest, dass es neben bild.de und isharegossip.com noch ein kleines bisschen weitergeht im Internet. Oder würdet ihr wirklich auch Deutschland abreissen, nur weil hier in Berlin-Marzahn ein paar hässliche Plattenbauten stehen?

(Liebe Stammleser: Ich weiss, euch langweile ich vielleicht damit. Aber falls ihr mir wenigstens zustimmt, dann verbreitet den Text irgendwo, man muss es einfach immer mal wieder sagen!)

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