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Was alles geschah

Also gut, ein paar Fragen sind – nicht wirklich überraschend – dann ja doch gleich zusammengekommen.

Das Offensichtliche gleich vorweg: Ich arbeite nicht bei der BVG, hab ich aber auch nie gemacht. 🙂
Nach dem Taxi hat es mich aufgrund einer sehr launischen Idee von Sophie zur Verkehrsregelungszentrale verschlagen. Launisch, weil im Grunde waren wir nur genervt von der Elterngeldstelle in Berlin, die uns eigentlich bis heute Geld schuldet. Und die Idee war: Wenn sie im öffentlichen Dienst jeden Vollidioten einstellen, dann stellen sie auch uns ein. Und siehe da: Uns beide hat es nur genau eine Bewerbung und ein Vorstellungsgespräch gekostet. Was mindestens genauso lustig wie traurig ist.

Der Job in der VKRZ war geil, trotz oder auch gerade wegen des Schichtdienstes. Während das Taxigewerbe zusammengebrochen ist, hat Corona für mich bedeutet, dass ich 50% Homeoffice hatte bei einem Job, in dem man nicht von zuhause aus arbeiten kann. Bereitschaftsdienst mit fast 0%iger Ausrückquote und voller Bezahlung. Kann man sich nicht ausdenken. Aber auch ansonsten spannend und unterhaltsam. Bald kam dann das Knöpfle und damit Elternzeit. Im Wesentlichen toll im öffentlichen Dienst, aber als ich dann in Teilzeit wieder eingestiegen bin, war irgendwie vieles nur nervig. Nicht die Kollegen im Schichtdienst, sondern die Ebene drüber. Ich hab keinen vernünftigen Dienstplan bekommen und war damit viel unsicherer dran als alle anderen und mein direkter Vorgesetzter war einfach ein Vollpfosten, über dessen Antworten auf Anfragen gesagt wurde: „Sie kommen nur wenn sie unvermeidbar sind und sind dann maximal unhilfreich.“ Das wurde ziemlich schnell nervig, weil Corona mit jetzt zwei Kindern endgültig schwierig wurde.

Wir wollten mittelfristig eh weg aus der Großstadt, also hat Sophie sich beworben, wurde in Wiesbaden angenommen und dann ging im Sommer ’22 alles SEHR schnell. Von Bewerbungsgespräch bis Umzug waren es 12 Wochen oder so.

Mit meiner Arbeit hatte ich wegen des oben genannten Vorgesetzten lange zu tun, weil ich natürlich auch noch Ärger mit dem Arbeitszeugnis hatte. Und versteht das nicht falsch, es hätte nicht weniger an mir liegen können: Der gute Mann hat ganz offen quasi allen Kollegen gleiche Zeugnisse ausgestellt und ging nach der Logik vor, dass man bei beanstandungsfreier Arbeit halt ein „befriedigend“ erhält. Kann ich formallogisch nachvollziehen, aber halt nicht bei Arbeitszeugnissen. Und das Wort stand so im ersten Satz des Bewertungsteils, das konnte ich so nicht stehen lassen.

(Zumal Corona dort meine „Ausbildung“ einfach beendet hat und sämtliche weitergehenden Engagements einfach unmöglich gemacht hat)

Naja, der Anwalt war nicht billig, aber es war schön zu sehen, dass im Laufe der Auseinandersetzung der Name des werten Vorgesetzten aus dem Organigramm der Senatsverwaltung verschwunden ist. Zumindest an dieser Stelle.

Naja, Wohnungssuche ging nur ein paar Wochen, nur drei haben wir besichtigt, in drei Städten und zwei Bundesländern. Riesige Touren von Berlin ins Rheinland mit zwei Kindern! Gelandet sind wir im wirklich schönen und sehr kleinen Bingen am Rhein in einer riesigen Altbauwohnung mit großem Garten vor der Tür und einem ganzen Tunnel als Garage unterm Haus. Dazu ein sehr netter Nachbar über uns. Die Kids müssen wir zwar mit dem Auto zur Kita bringen, aber da steht ja eben gerade jetzt auch ein neues ins Haus.

Ich hab seit August auch eine neue Arbeit, davor hatte ich natürlich mal wieder Spaß mit dem Amt, aber wer bin ich, mich zu beschweren. Meine Sachbearbeiterin sah mich als hoffnungslosen Fall, hat mich überredet, ALG zu beantragen, dann leidlich erfolglos versucht, Druck zu machen. Ich weiß, dass das dumm klingt. Aber ich wollte mich wirklich nur wegen Weiterbildungen informieren und sie hat mich bekniet, ich solle doch das Geld nicht liegen lassen. Eine IT-Weiterbildung wollte sie mir wegen schlechter Jobprognosen nicht zahlen, also hab ich einfach einen Monat vor Ablauf meines ALGs selbständig eine Arbeit in der IT gefunden. Schlechte Aussichten und hoffnungslos … nun ja.

OK, was die Arbeit angeht, kann und will ich nicht viel schreiben. Es ist nicht öffentlicher Dienst, aber sehr nah dran. Ich muss dazu nach Mainz – mit Auto oder Zug, je nach Laune und Streiklust – mache aber auch viel Homeoffice. Alles in Teilzeit, 25 Stunden die Woche. Noch bin ich vor allem am Lernen, aber das Umfeld ist super, die Kollegen sehr nett und dabei will ich es auch erst einmal belassen, denn die Trennung kommt mir sehr gelegen. So klein das hier ist, so auffindbar bin ich dann am Ende ja doch und es ist halt was anderes als Taxifahren.

Es ist aber auch nicht alles Gold und Einhörner. Das Leben mit zwei Jobs und zwei Kindern ist anstrengend. Unser großes Spätzle kommt nächstes Jahr in die Schule, steht aber auch ziemlich sicher vor einer ernstzunehmenden ADHS-Diagnose. Wenn’s denn so einfach ist. Aber ich kann euch geneigte Langeitleser daran erinnern, dass wir als er zwei Jahre alt war ein Klettergerüst ins Wohnzimmer gestellt haben, damit er Fernsehen kann. Das hat sich nicht gebessert und ist (inklusive dem diagnostischen Spießrutenlauf) enorm anstrengend. Und das Knöpfle ist gerade zwei. Für Eltern muss ich nichts weiteres zum Stresslevel schreiben. Zumal ich die letzten zwei Jahre auch alles andere als fit war. Ich war permanent müde. Richtig RICHTIG müde! Was glücklicherweise aber wohl „nur“ Schlafapnoe waren. Ich hatte dank des Timings mit irgendeinem Long-Covid-Scheiß gerechnet. Trotzdem wirklich unfassbar furchtbar. Ich war Anfang ’23 binnen 21 Tagen zweimal im Krankenhaus. Zweimal Kleinscheiß mit OP, alles gut vernarbt inzwischen. Aber ich war dort vor allem froh, schlafen zu können.

Jetzt mit so einem Nachtelefanten-Starterkit hab ich seit zwei Monaten endlich mal wieder etwas Energie übrig. Und die ist auch der Grund, warum das hier gerade alles passiert. Ihr seid Teil meiner guten Vorsätze für 2024. In erster Linie will ich mal wieder abnehmen, aber ein bisschen mehr Soziales und vielleicht sogar Kreatives darf ruhig auch sein. 30 Kilo weniger, 300 Blogeinträge mehr. Oder so. 🙂

Was mich letztes Jahr gerettet hat, war zocken. Klingt blöd, aber es war so. Ich hab endlich mal viel neues ausprobiert und meine kleine übermüdete Freizeit damit nicht komplett verschwendet, sondern halt virtuell ein bisschen was erlebt. Ein bisschen … *hüstel*

Und trotz allem, was ich in Sachen echter Aktivität noch aufzuholen hab: Auch das soll 2024 weiter einen Platz haben: Einen neuen PC habe ich längst eingeplant.

Tja nun, das war es dann so in aller Kürze. Die kleinen und feinen Sachen werden jetzt hoffentlich bald zeitnah und detailliert hier landen. Vielleicht ändert sich hier noch ein bisschen was, aber gerade hab ich eigentlich null Bock auf die Technik und all das. Ihr könnt froh sein, dass das kein Google-Doc ist. 😀

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Scheiße Weihnachten!

War gestern echt ein guter Tag zum Wiedereinstieg. Während ich dachte, ich könne vielleicht ein wenig davon zehren, dass wir ein neues Auto gefunden haben (ein Zafira!) oder beim Arzt alles paletti war, gab es wohl so eine kleine Truppe tapferer Noroviren, die zum Angriff auf einen Zweijährigen bliesen. Unseren Zweijährigen, das Knöpfle.

So wie es aussieht, haben wir jetzt drei Tage früher Weihnachtsferien mit zwei völlig aufgedrehten, aber ansteckenden Kids zu bewältigen. Ich kann heute im Homeoffice immerhin mal gelegentlich ein bisschen mit eingreifen, hab die Hälfte der Mittagspause damit verbracht, mit dem Spätzle ein wenig Lego zu bauen – aber meine Güte, sind das keine guten Aussichten.

Glücklicherweise ist der einzige Verwandtschaftsbesuch am 26. Dezember geplant und bei Noroviren könnten wir das Glück haben, dass wir bis dahin entweder alle durch oder schon wieder nur so mittel gefährlich für den Rest sind. Das wird sicher spannend.

Was mir gerade auffällt: Ich hab mich ja zumindest hier lange nicht gemeldet und hätte zur Übung auch nichts dagegen, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern, da ja offenbar noch ein paar Leute mitlesen. Also: Habt ihr Fragen?

(Ich beantworte also nicht alles in den Kommentaren, sondern schreibe extra Artikel – ich muss echt mal wieder ins Tippen reinkommen, es schneckt sehr hier an der Tastatur …)

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Kämpfen

Im Grunde bin ich, sind wir, keine Kämpfer. Kein Krieg, keine Armut und eine doch recht priviligierte Stellung in der Gesellschaft; es hätte uns um vieles schlimmer treffen können. Das wissen wir, das weiß ich und das muss ich voranstellen, wenn ich übers „Kämpfen“ reden will.

Aber der Umzug gerade nervt so unendlich und es fühlt sich an wie ein Kampf.

Natürlich: Das kam alles recht plötzlich und ein Umzug in eine andere, 600 km entfernte Stadt hat natürlich nochmal einen eigenen Schwierigkeitsgrad. Das wussten und wissen wir und sind auch entsprechend darauf eingestellt und motiviert. Man muss arbeiten ohne Ende und tausend Dinge im Kopf behalten, bla bla, wir sind ja nicht die ersten, die das machen. Noch dazu innerhalb Deutschlands, innerhalb der Komfortzone, möchte man meinen.

Was aber nervt: Gefühlt NIEMAND will einem helfen. Und mit helfen ist nicht gemeint, dass irgendwer uns das zahlt und gleichzeitig die Koffer trägt. Sondern dass alle, mit denen man zwangsläufig zu tun hat, gefühlt gegen einen arbeiten. Ohne Not.

Das fängt damit an, dass mein Arbeitgeber mich ungerne gehen lassen will und mir gleichzeitig ein Zeugnis ausstellt, das von einem Clown geschrieben sein muss, weil mein Anwalt deswegen lachen musste. Und mir zudem bis zuletzt verweigert wurde, ein Datum zu nennen, zu dem ich wirklich aufhören kann zu arbeiten.

Natürlich hat die derzeitige Kita vom Spätzle genau jetzt Sommerferien.

Dann meckert die Arbeitsagentur, dass ich mich ZU FRÜH melde.

Dass sich am künftigen Wohnort keine Kita finden lässt, wird zwar nett kommentiert, führt aber zu Behörden-Ping-Pong.

Unsere bisherige Vermieterin stellt natürlich auch Maximalforderungen und muss an die (seit Jahren) neue Regelung bezüglich unrenoviert übernommenen Wohnungen behutsam herangeführt werden.

Unser Internetanbieter schickt den neuen Router trotz gegenteiliger Absprache zu früh an die noch nicht bezogene Wohnung und der Vermieter dort will Schäden auch erst beheben, wenn wir da sind, weil es sich ja nicht gehört, nach der Übergabe noch einmal reinzuschneien.

Bei Ozie zieht sich das mit dem notwendigen Aufhebungsvertrag, weil alle im Urlaub sind und Ärzte, die das Knöpfle impfen würden, haben natürlich auch keine passenden Termine.

Der Baumarkt hat entgegen der Behauptungen auf der Website kein Same-Day-Delivery und zudem erst eine Woche später überhaupt mal einen anmietbaren Transporter für den neuen Bodenbelag, der potenzielle Verkäufer von Standherden am anvisierten Samstag zu.

Alles davon ist für sich nicht schlimm und/oder erklärbar. Aber es fühlt sich einfach an, als müsse man mit jeder Mail, mit jedem Telefonat gegen irgendwen ankämpfen anstatt einfach Dinge zu besprechen und zu regeln.

Für die meisten oben genannten Leute und Institutionen ist das ein Standardfall oder eine Alltäglichkeit. Menschen ziehen um, zack, Schublade 47/3. Trotzdem treten wir immer als Bittsteller auf, müssen uns rechtfertigen, entschuldigen, erklären.

Ich hab in den letzten Jahren vielfach meinen Frieden gemacht mit der Bürokratie, aber wenn ich jetzt noch einmal hören muss, dies oder das sieht „das System“ nicht vor, dann überdenke ich die radikalen Optionen noch mal, echt jetzt!

Wie gesagt: Uns geht es eigentlich gut und Unterdrückung sieht anders aus. Aber auch das jetzt kann auf Dauer zermürben. Gerade mit Kindern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir da alleine sind. Dass wir alleine gelassen werden, das wissen wir seit Corona ja aber sowieso.

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Gehirnchen

Ich bin ja immer mehr baff, was das kleine Spätzle inzwischen alles kann. Selbst, bzw. gerade beim Sprechen, wo es ja eher nur so mittelfrüh angefangen hat, kann man den Synapsen quasi beim Wachsen zusehen. Ich hätte nie gedacht, was so ein Zweijähriger alles verarbeiten kann. Natürlich mit Lücken bei der Aussprache, aber sonst: Holla die Waldfee!

Mal als Beispiel: Nach einer kurzen Erklärung von uns – die nötig war, weil er die alte kaputte Kaffeemaschine sehr vermisst – erzählt er jetzt gerne auf Nachfrage, dass ich die alte Maschine zum Recyclinghof in einen Container gebracht habe und die dort eine Neue draus machen.

Noch geiler sind aber die Momente, wo man erkennt, WIE seine Welt zusammenhängt und wo die Grenzen liegen.

So kam es vor ein paar Wochen, dass er mir beim Spielen seinen Eimer für die Bauklötze auf den Kopf gesetzt hat und nach einem kurzen Blick wie eine Maschine zu singen begann:

„Bogsag Ebogsag, Papaa! Glück gehabt!“

Sieh an, in der Kita kriegen die Geburtstagskinder also offenbar eine Krone aufgesetzt. Geburtstag, Geburtstag, so viel Text konnte er sich merken. Und dann – und da zerfließe ich innerlich ein wenig – ist ihm das Wort Glückwunsch offenbar noch nicht so geläufgig und er verwendet die einzige ihm bekannte ähnliche Formulierung von uns: „Glück gehabt“.

Es ist so grandios!

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Abenteuer im Kopf

Zweieinhalb Monate im neuen Job – und schon habe ich eine Ahnung davon, warum ich als Nachtschicht-Taxifahrer jahrelang einen interessanten Blog betreiben konnte, man solche über Bürojobs aber eher selten findet: Es ist anstrengend und auch deutlich schwieriger. Und wenn es nur deswegen ist, dass sich natürlich in so einem Umfeld kein Kollege irgendwo – und sei es anonymisiert – im Netz wiederfinden will. Von der Leitungsebene ganz zu schweigen.

Nicht, dass es nicht genug interessantes von meiner neuen Arbeit zu berichten gäbe – wie üblich sogar vieles, das einer Verbesserung des Rufes zuträglich wäre – aber vermutlich müsste man schon aus Schweigevereinbarungsgründen etliche Anträge stellen, über die sich bis Mitte der 2030er nicht einmal jemand sicher wäre, wer sie bearbeiten darf. Manchmal ist Verwaltung halt einfach, wie man sich Verwaltung vorstellt.

Andererseits in meinem Fall natürlich auch wieder gar nicht, denn ich habe wirklich großes Glück, in der wohl verwaltungsunähnlichsten Abteilung zu arbeiten, die die Verwaltung so mit sich bringt und unser Tagesgeschäft doch deutlich spannender ist als das, was sich die meisten unter einem Bürojob vorstellen. Und die Krawattendichte ist auch deutlich geringer. Noch was: Ich hab nachgeschaut: Alleine die Grafikkarte meines Arbeitsplatzrechners kostet etwa so viel wie mein Low-Range-Gaming-PC* und doppelt so viel RAM hat er auch. Aber für die Verkehrslernsoftware GTA war dann wieder kein Geld da! 🙁

Trotzdem: 38,4 Stunden + ca. 12 Stunden Arbeitsweg pro Woche hauen auch mengenmäßig so rein, dass am Ende des Tages wenig Elan zum Bloggen bleibt. Nicht, dass die Zeit nicht da wäre, aber ich will ehrlich sein: Wenn ich nach der Nachtschicht und der Heimreise das Spätzle in die Kita gebracht habe und mir noch 7 Stunden zum Schlafen bleiben, ich davon eine als Computerzeit abknapse … dann spiele ich lieber GTA, als ins Internet zu kloppen, wie müde ich bin.

Die Schichtarbeit selbst kommt mir gerade irgendwie noch ganz recht, weil es einfach eine gehörige Portion Abwechslung in den Tagesablauf bringt. Dass ich jetzt gerade** für die Frühschicht um kurz nach 3 Uhr aufgestanden bin, ist sicher alles andere als toll und jeden Tag würde ich das nicht machen wollen – aber für zwei Tage und dazu als Kontrast zur Nachtschicht letzte Woche ist das schon echt ok.

Die Frühschicht bringt mich auch am ehesten völlig aus dem Takt, denn abends um 21 Uhr ins Bett gehen ist so dermaßen gegen meinen natürlichen Rhythmus, dass es eigentlich nur klappt, weil ich es im Grunde zur Abwechslung lustig und absurd finde. Was mein Gehirn auch ganz sportlich zu interpretieren weiß. Die ersten Stunden meines Schlafes vorher zum Beispiel bin ich ungelogen 20 bis 30-mal aufgewacht. Um dann festzustellen, dass ungelogen erst zwei Stunden vergangen waren. Das ist natürlich in erster Linie extrem ungesunder Schlaf und etwas, das wirklich nur vereinzelt und nur zum Nacht-Früh-Wechsel auftauchen sollte, aber es war auch faszinierend, weil ich während der Zeit ernsthaft was geträumt habe. Und da kommen wir dann auch zum Titel, denn irgendwie scheint mein Hirn immer noch so ein kleines Bisschen kreativ sein zu wollen und hat mir eine wunderbare Traumlandschaft aufgetan, in der ich mich auf eine abenteuerliche Fahrradtour mit meinem Bruder begeben habe. Wir sind mit zu knappen Ressourcen und verletzt in absurden Künstlerkolonien gelandet, die obskurste Bedingungen und Angebote für Übernachtungen gestellt haben. An einem Ort gab es beispielsweise einen Band-Kapu*** kostenlos dazu, wenn man eine Nacht übernachtet, dabei aber seine Rucksäcke als Materiallager der Rezeption überlässt.

Da war er dann mal wieder: Der Gedanke: Das musste aufschreiben! Der hat mich wie gesagt in letzter Zeit nur selten gestreift..

Tatsächlich wäre natürlich auch das Spätzle stets berichtenswert. Er lernt gerade mit beeindruckender Geschwindigkeit sprechen, entwickelt dabei ein so faszinierendes Vokabular, dass gerade ich als sprachinteressierter Mensch nur staunen kann. Aber kaum, dass man das getippt hat, wird er wieder mal krank, man muss den Arbeitstag abbrechen, alles umorganisieren und weiß kaum noch, warum man gerade etwas darüber schreiben wollte, wie lustig es ist, dass er neben den üblichen Ein- bis Zwei-Wort-Sätzen in der Kita ein erstaunlich ironisch klingendes „Was ist das?“ aufgeschnappt hat, das er nun empört immer dann fragt, wenn gerade mal keine Straßenbahn auf dem Bild zu sehen ist, das er untersucht.

Es ist furchtbar anstrengend und es ist 3.30 Uhr. Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Deswegen also so wenige Blogartikel.

*bevor da jetzt irgendwer wieder mosert: Ja, bei den Rechnern ist teilweise Luft nach unten, aber die werden für 24/7-Live-Video-Rendering gebraucht, Geldverschwendung prangert man dann doch besser woanders an.

** „jetzt gerade“ ist schon ein paar Tage her, ich schreibe den Artikel tatsächlich in Etappen.

*** Eigentlich war es ein Kapu, der die Warped-Tour ’97 beworben hat, aber wer kann sowas heute noch einordnen?

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Wochenende

In diesen Minuten schleicht das Wochenende aus. Die ersten zwei Arbeitswochen mit rund 40 Stunden pro Person sind ausgestanden, so ganz überzeugt sind wir vom Konzept allerdings noch nicht. Denn das ist irgendwie ganz schön wenig Freizeit, insbesondere wenn man nebenher noch mit dem weltbesten Spätzle kämpfen muss.

Und das müssen wir wirklich. Beim Abendessen heute haben wir wieder einmal festgestellt, wie unfuckingfassbar anstrengend sowas simples wie ein Essen mit einem Einjährigen sein kann. Obwohl er eigentlich total lieb ist und sogar die Hälfte des Tischdeckens übernimmt. Denn das tut er. Teller, Besteck, Brot und diverses Zeug kann man ihm in der Küche in die Hand drücken und er bringt es ins Wohnzimmer und stellt es dort auf den Tisch. Und hat deutlich mehr Spaß dabei als wir es hätten.

Beim Essen dann sieht das teilweise ganz anders aus. Sobald sein Hunger etwas nachlässt, klettert er vom Stuhl auf den Tisch, schiebt Essen und Gegenstände umher, spuckt bisweilen schwierig zu kauende Nahrung einfach wieder aus und zu guter Letzt fängt er irgendwann an, alles vom Tisch zu schmeißen, was er nicht mehr essen will. Da hat auch noch kein Gegenmittel gefruchtet bisher.

Man nimmt das ja im Laufe der Monate recht gelassen hin und plant den Aufwand einfach mit ein. Aber wenn man dann doch mal etwas Ruhe findet, stellt man fest, wie absurd es ist, dass der persönliche Wunschzustand bei einer Familienmahlzeit im wesentlichen der ist, bei dem einfach kein Essen absichtlich auf den Boden geworfen wird. Nicht einmal, dass nichts dreckig wird, nichts runterfällt oder so. Einfach nur, dass nichts absichtlich geworfen wird. Erholung von einem Bürojob sieht anders aus.

Mit meiner Arbeit selbst sieht es allerdings erst einmal sehr gut aus. Trotz des unschönen Schichtplanumschmisses letzte Woche. Ich hab jedenfalls schon mehr Ampeln geschaltet und Tunnel gesperrt als ich mir für diesen Zeitpunkt erhofft hatte. Das könnte was werden mit mir und dem öffentlichen Dienst. 🙂

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Hallo Mama

Ich weiß, dieser Text kommt ein paar Tage zu spät. Ich bin sicher, dass das bei 10 Jahren nicht so viel ausmacht, da kennen wir alle schlimmeres von der Bahn.

Ja, 10 Jahre. Wahnsinn, oder?

10 Jahre – und ein paar Tage, wie gesagt – ist es jetzt her, dass Tobi mich angerufen hat. Tobi, mit dem ich schon lange keinen Kontakt mehr habe, weil er inzwischen dazu übergegangen ist, Nazis zu wählen und das auch noch im Internet feiert. Du hast auch ein paar ziemlich eklige Wörter gebraucht vor 10 Jahren, aber solche Arschlöcher wie sie dein Schwiegersohn heute wählt, die hättest auch Du vermutlich als Arschlöcher und Nazis erkannt. Aber es hat sich halt viel geändert in diesen 10 Jahren. Das soll Dir dein Mann erklären, der ist ja jetzt bei Dir und es ist schließlich sein Sohn.

Das Wichtigste für uns beide damals war der Grund für Tobis Anruf: Dein Körper hat nicht mehr mitgemacht. Wir wussten das vorher, wir beide, wir alle. 15 Bier am Tag. Kann man eine Weile machen, aber halt keine Ewigkeit.

Sophie und ich wollten euch noch besuchen, ehrlich. Aber so lange hast Du nicht durchgehalten. Das ist ok. Oder zumindest besser als wenn damals dein Suizidversuch geklappt hätte, als ich Dich auf den Rückfall angesprochen hatte.

Es war sehr traurig und auch sehr chaotisch damals in 2009. Wir waren alle da, haben irgendwie zwischen den Tränen alles geregelt und ich weiß, dass es ok war, dass wir zwei Wochen später zu der von Dir gewünschten Seebestattung nicht mehr gekommen sind. Du wusstest ja selbst, wie das Leben mit wenig Geld aussieht.

Da kann ich Gutes berichten. Geld ist gerade genug da. Wir arbeiten jetzt beide im öffentlichen Dienst, mal sehen wie lange das gut geht …

Aber das wollte ich gar nicht erzählen.

Dabei ist genau das das, was mir fehlt: Dir Dinge erzählen zu können. Weder Du noch ich haben Vollzeit aneinander gedacht damals. Das hätte sich in den 10 Jahren auch nicht geändert. Aber ich hätte Dir so gerne von meiner Hochzeit mit Sophie erzählt. 2011 war das und ich hätte mir sehr gewünscht, dir all die Grüße aus deiner ehemaligen Stammkneipe ausrichten zu können, so zynisch das in Anbetracht deiner Krankheit klingen mag.

Ich hätte Dir auch gerne mein Buch geschenkt. Ich hab nämlich ein Buch geschrieben! Ein lustiges. Übers Taxifahren. War kein großer Hit, aber es ist ein Buch mit meinem verdammten Namen auf dem Cover!

Am Allermeisten aber würde ich mir wünschen, ich könnte Dir deinen ersten Enkel vorstellen. Der schläft gerade nebenan. Er ist anderthalb Jahre alt und hat Fieber und ich werde ihn trösten und kann das auch echt gut, aber ich würde ihm eigentlich auch eine Oma wünschen. Wir haben ihn nicht nach irgendwem aus der Familie benannt, aber der kleine Held würde Dir gefallen. Ob er was von Dir hat, kann ich nicht sagen, wir sind schlecht darin, sowas zu erkennen. Er ist halt wie er ist und das ist super so. Mehr als das sogar. Das weiß ich ganz sicher.

Ich weiß auch, dass Du mir zustimmen würdest, wenn ich sage, dass dieser Brief eigentlich keinen Empfänger mehr hat. Das ist ja das Problem. Es sind jetzt 10 Jahre und Du fehlst trotzdem noch.

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