Jahr der Veröffentlichung: 2008
Genre: Open-World-TPS
Stunden bisher gespielt: ca. 400
Setting: Liberty City. Du bist Nico Bellic, ein kleiner Tagelöhner aus Serbien, der um Querelen aus der Kriegszeit auf dem Balkan zu entkommen (und um mit der Vergangenheit aufzuräumen) auf einem Schiff anheuert, um seinen erfolgreichen Cousin Roman in LC zu besuchen und vielleicht ein neues Leben anzufangen. Bereits in den ersten Minuten nach der Ankunft stellt sich raus, dass Roman vor allem ein Dummschwätzer ist, der eine Menge Probleme hat, aber keine, die auf irgendeinen Erfolg in irgendeinem Lebensbereich zurückzuführen sind. Er leitet eine miese Taxiklitsche und hat wegen Wettschulden einen Haufen Gangster an der Backe. Und jetzt, da wir bei ihm unterkommen, sind seine Probleme schnell auch unsere.
GTA IV war seinerzeit das Größte, das erste GTA in HD, eine unfassbare Marketingkampagne im Rücken, ein Welterfolg – und mir vollkommen scheißegal. Ich hatte zuhause die alte Trilogie: GTA III ein paar Mal gespielt, Vice City angezockt und San Andreas erfolglos mehrere hundert Stunden durchgesuchtet. Natürlich wusste ich von GTA IV, aber ich hab mich eigentlich nicht als Gamer gesehen, der immer die neuesten Spiele spielt, ich habe hauptsächlich Ubuntu als Betriebssystem gehabt und war mit den alten Sachen zufrieden. GTA IV sollte kleiner und düsterer sein, wer würde das wollen? Zumal irgendwann dann GTA V rausgekommen ist, das aber hardwaretechnisch vor dem Rechner von 2016 noch weit, weit außerhalb meiner Reichweite lag.
GTA IV wurde mein erstes Steam-Game, allerdings noch offline gekauft, im Oktober 2015. Und ich habe mich wunderbar darüber echauffiert, wie scheiße die neue Welt des Gamings ist. Es war aber auch eine Scheiß-Tortour, für ein jahrealtes Offline-Game gleich drei neue Accounts anlegen zu müssen und dann etliche Gigabyte durch eine lahme alte Leitung zu prügeln. Mal ganz abgesehen davon, dass das Spiel wohl zu den schlechtesten PC-Portierungen aller Zeiten gehört und man ohne Mods nicht mal heute sicher sein kann, ob es auf einem aktuellen High-End-PC flüssig läuft (und dann funktioniert, denn zu schnell darf es auch nicht laufen).
Fast Forward in den März 2016: Neuer PC, erster Online-Kauf bei Steam: GTA IV: Episodes from Liberty City; die beiden DLCs „The Lost and Damned“ und „The Ballad of Gay Tony“. Und ich saß beim Abspann von TLaD da und hab geheult. Nicht wegen des an sich tragischen Endes, sondern weil ich das Spiel dafür geliebt habe, wie es verwoben mit dem Hauptspiel ist. Ich sehe das bis heute als ganz große Kunst im Viedospielbereich, so Mainstream es auch sein mag.
Und da kommen wir zum wirklich alles entscheidenden Punkt: Der Story, bzw. dem Universum von GTA IV. Natürlich hat das Spiel auch im Bereich des Gameplays eigentlich alles besser gemacht als die Vorgänger, natürlich war die Grafik um drei Stufen angehoben, alles schön und gut. Aber GTA IV war das erste Spiel, das ich gespielt habe, in dem ich einfach das komplette Fernsehprogramm durchgeschaut und das komplette „Internet“ durchgelesen habe. Es war dieses Spiel, das mir wirklich spürbar vermittelt hat, das selbst in so einem Mainstream-Ballerspiel, in dem man mit Raketenwerfern auf Autos schießt um ein blödes Achievement zu bekommen, wirklich was drinstecken kann, was halt – leider bis heute – nicht Teil des Marketings ist und tatsächlich an einem großen Teil des Kernpublikums vorbeigeht: ernstzunehmende Satire, ein künstlerischer Anspruch und ein fantastischer Sack voll Lore, der dieses Spiel zu einem absoluten Meisterwerk macht. Nicht, dass mir jetzt mit über 40 nicht auch vieles ein bisschen zu platt ist, ja ja, natürlich. GTA geht immer voll auf die Zwölf, das stimmt schon, und natürlich gibt es da einiges, was man aus guten Gründen hinterfragen kann und sollte, aber für mich bleibt das Spiel – insbesondere mit den DLCs – ganz ganz weit oben auf meiner Herzensliste.
Heute spielt es sich insgesamt ziemlich hakelig. Ich meine nicht mal das legendäre Fahrverhalten der Autos, über das sich bis heute ein Krieg mit verhärteten Fronten im Internet nachvollziehen lässt; nein, aus heutiger Sicht sind die Schießereien steif und einfach nicht flüssig genug für ein an sich action-getriebenes Spiel. Wenn es läuft, funktioniert es und man gewöhnt sich auch an die Eigenheiten, aber der pure Spielspaß aus Mechanik-Gründen ist es nicht mehr. Dafür kann die Welt wie schon erwähnt immer noch gut mithalten und in Anbetracht des eher düsteren Settings finde ich persönlich all die Anfeindungen wegen der matten Farbpalette auch nur so mittel angebracht. Ich mag die Farbgebung schon deswegen, weil sich Hauptspiel und auch die DLCs untereinander so nochmal deutlicher voneinander unterscheiden, was deswegen vielleicht nicht jede Wahl heute noch modern aussehen lässt, ich für mich aber als Artstyle akzeptieren kann.
Ich kann es nur jedem ans Herz legen, der eine wirklich gut durchdachte Open World mag und gutes Storytelling zu schätzen weiß.


