Sixt im Urlaub, erste Zusammenfassung

Wir sind bei Autovermietungen ja insgesamt relativ erfahren. Weit weg von Hardcore-Nutzern vielleicht, aber bevor wir unsere ersten eigenen Autos hatten und bevor wir Geld hatten, haben wir hier und da Anbieter ausprobiert und unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Nachdem das mit dem Geld besser wurde, sind wir irgendwann bei Sixt hängengeblieben, und zwar weil es unkompliziert war. Wir haben eine WG-Geschichte durch, in der wir wie alle aus Berlin regelmäßig Robben geliehen haben, aber irgendwann haben wir festgestellt, dass 50 € mehr wirklich einen Unterschied machen können, wenn man dafür viel flexibler ist, das Auto wo anders abstellen kann, die Zeit anpassen, upgraden, was einem halt so einfällt. Als die mir damals bei der ersten Miete gesagt haben, dass ich das Auto wirklich nicht aussaugen muss, weil das so schon passt, war das irgendwie ein Gefühl, als wären wir endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mit dem Background muss ich sagen: Ich mag Sixt! Ich mag, wie man da unkompliziert online bestellen und die Kiste dann einfach abgeben kann, ohne noch einen Fragebogen auszufüllen, ohne live dabei zu sein, wie jemand kritisch ums Auto geht.

Und jetzt dann dieser Urlaub, bei dem die Optionen im Gegensatz zu damals in Berlin erstmals wieder ECHT begrenzt waren …

Wir waren liegen geblieben, es war Samstag Nachmittag. Um es kurz zu machen: Wir hatten die Möglichkeit, bei Europcar am nächsten Morgen einen Kombi für 600 € für den ganzen Urlaub zu kriegen. Super Sache, wenn einem das Auto abgeraucht ist und man eh schon ein Hotelzimmer gebucht hat. Aber dann bot Sixt online an, in „nur“ 70 km Entfernung am Flughafen Hannover NOCH HEUTE einen Kombi zu kriegen. Quasi selber Preis, ein paar Euro mehr, aber mit der Option, den Urlaub nicht zu verkürzen. Wir könnten noch abends fahren. Muss man halt prepaid reservieren, denn mit einer Flex-Tarif-Buchung wüsste man nicht ganz so sicher, was man kriegt. Also Kreditkarte, prepaid, Golf oder Octavia Kombi FTW und dann mal schnell für 150 € einen Fahrer organisiert, um hinzufahren um das Auto zu holen …

„Ja, schade, dass die Reservierung so kurzfristig war, denn einen Kombi haben wir jetzt nicht da.“
„Das ist doch nicht Ihr Ernst, oder? Ich hab in Seesen einen vollgepackten Zafira stehen, den ich umladen muss.“
„Hmm, ja das ist ungünstig. Ich könnte ihnen einen BMW 2 Active Tourer als kostenloses Upgrade anbieten …“

Für alle Nicht-Auto-Nerds: Wir reden hier von 400 statt 600 Liter Kofferraumvolumen.

Ich musste dann also ca. 250€ extra zahlen, um einen Passat zu mieten, damit ich überhaupt ein für mich nutzbares Fahrzeug hatte. Schlimm genug. Aber ich hab extra nachgefragt, ob ich Zeit und Rückgabestation noch ändern könnte, weil wir ja noch gar nicht wussten, wie sich das alles entwickeln würde, und: Natürlich! Alles easy per App! Na denn!

Wie gesagt: Weil an besagtem Samstag kaum Anbieter verfügbar waren, hatte es sich nur zufällig ergeben, dass wir jetzt am Flughafen Hannover waren. An sich war das super unpraktisch, da ich ja hin und zurück musste. Bei 955 km fährt es sich echt mit sehr seltsamen Gefühlen knapp 100 km in die Gegenrichtung, aber es hieß, dass wir noch am späten Nachmittag weiter könnten. Das mit dem Aufpreis war zum Kotzen, aber ich stand jetzt in Hannover und ich hätte ohne passendes Auto trotzdem zurück nach Seesen müssen, wir hätten ein zweites Hotelzimmer buchen müssen, wenn man das zeitlich und finanziell gegenrechnet, war das immer noch besser als es zu lassen.

Ab da lief es erstmal. Vielleicht schreibe ich über das Auto nochmal irgendwann, aber es war ein tadelloser fast neuer Mietwagen, der uns dann bis tief in die Nacht schnell und sehr bequem in den Urlaub gebracht hat und uns dort gute Dienste geleistet hat. Schade, dass ein 70.000€-Auto immer noch einen engeren Kofferraum hat, aber wir haben es geschafft.

Dann hab ich nach drei Tagen mal angefangen über die Rückfahrt nachzudenken und hab im Anschluss versucht, die Abgabe auf Goslar zu verlegen. Das liegt fast bei Seesen, da fährt alle Stunde ein Zug in 18 Minuten rüber, alles deutlich besser als Hannover.

Verlegung der Station kostet 31 €, Verlängerung um eine Stunde – zur Sicherheit für uns – auch nochmal 8. Naja. Aber als ob es darauf noch ankommen würde. Und wir hatten sowieso bereits überlegt, wegen der Nichtverfügbarkeit eines Kombis das Upgrade bei Sixt in Frage zu stellen. Aber erst mal alles egal, denn die App brachte mir eine Fehlermeldung, es konnte keine Zahlung veranlasst werden, weil das bei Prepaid-Buchungen nicht geht. Sehr blöd, aber dafür gibt es ja den Support. Der hat mir dann telefonisch mitgeteilt, dass es eigentlich gehen müsste und die Karte wohl nicht gedeckt sei. War sie. Wir wussten das, weil wir das in den Tagen ja auch schon extra regeln mussten, weil wir die Kosten so nicht erwartet hatten. Nach zwei Telefonaten hab ich das Ganze dann mal schriftlich gemacht.

Ich hab ihnen alles beschrieben, welcher Fehler kommt (der kam bei den Mitarbeitern übrigens auch, wenn sie es selbst versucht haben), versichert, dass die Karte gedeckt ist und den Vorschlag gemacht, dass sie das mal ohne Gebühren versuchen mit dezentem Hinweis darauf, dass wir ja ohnehin schon 250 Euro mehr gezahlt haben, weil Sixt das versprochene Auto nicht hatte.

Antwort: Ihre Karte ist nicht gedeckt, melden Sie sich nochmal, wenn sie gedeckt ist.

Ich: Ist gedeckt. Was ist mit meinem Vorschlag?

Antwort: Das geht systemseitig nicht.

Ich: Ja, das ist ja keine Lösung. Was machen wir denn jetzt?

Antwort: Ihre Karte ist nicht gedeckt, melden Sie sich nochmal, wenn sie gedeckt ist.

Ich hab schon Scherze drüber gemacht, dass die ganz schön locker dafür sind, dass ich ihr Auto hab und die nicht an mein Geld kommen. Aber dann kam nochmal eine Mail vom Support.

Antwort: Ihre Karte ist nicht gedeckt, melden Sie sich nochmal, wenn sie gedeckt ist.

Ich weiß nicht, ob ich mit einem Menschen oder eine KI geschrieben habe, aber dass da nichts sinnvolles mehr kommt war eindeutig. Ist auch bis heute nicht. Am Abreisetag um 4 Uhr kam die automatische Mail, dass ich nochmal checken soll, ob meine Daten zur Fahrzeugrückgabe so stimmen würden … das kam von einem anderen Server, schon klar. Aber für den Support war die Sache damit geklärt.

Wir hatten ja noch eine eigene Idee. Wir hatten ja bei der Rückreise auch vor Hannover ein paar hundert Kilometer zu fahren und da waren ein paar Filialen grob in Schussrichtung. Wir haben gleich die erste in Schleswig während einer ersten Frühstückspause pünktlich zum Öffnen aufgesucht und ich weiß jetzt wirklich gar nicht mehr, was ich sagen soll.

Zunächst muss ich festhalten, dass die Mitarbeiterin dort fantastisch war. Sie war – obwohl sie sichtlich im Stress war – nett, professionell, sie hat zugehört, sie hat soweit ich das als Außenstehender beurteilen kann alle Hebel in Bewegung gesetzt, die sie jetzt da setzen konnte, aber alles was sie gemacht hat, war halt wieder systemseitig nicht vorgesehen. Oder lag an meiner Karte, klar. Also sie hat unseren Abgabeort nicht verlegen können, es war technisch nicht möglich. Für uns war das – ich will jetzt nicht alle Pläne A-F auflisten, aber wir haben es durchdacht – nicht nur ein kleines Ärgernis, sondern wieder was, was enormen Zeit- oder Geldaufwand verursacht hätte. Fast 1.000 km mit zwei kleinen Kindern ist echt schon ein Akt, wenn man zwischendrin nicht Autos wechseln und Hin- und Herfahren muss. Deswegen haben wir die einzige verbleibende Lösung angenommen, die natürlich vollkommen bescheuert ist und klingt als hätten wir unser Gehirn durch ungezuckerte Haferflocken ersetzen lassen: Wir haben das Auto nochmal für einen Tag neu gemietet. Natürlich für horrendes Geld. Wobei ich mir mit der Mitarbeiterin einig war, dass wir nicht die Absicht haben, da irgendwas zu zahlen.

Um das nicht unerwähnt zu lassen: Die Mitarbeiterin selbst hat gesagt, wir könnten auch versuchen, das Auto einfach in Goslar statt Hannover abzustellen und dann halt mal gucken, was passiert. Wäre wahrscheinlich billiger gewesen und hätte vielleicht auch geklappt, aber es war uns ehrlich gesagt zu unsicher, weil das keine reguläre Filiale war und wir nicht wussten, was der Tankwart von Aral macht, wenn man ein unangekündigtes Auto bei ihm loswerden will. Er sollte es annehmen müssen, sagte die Mitarbeiterin, aber so wie das bisher alles gelaufen war, wollte ich nicht bei der Abgabe noch anfangen zu diskutieren. So eine Fahrt bietet einem viel Unsicherheit, wir wollten diese eine gerne ausräumen.

So schlecht die Lösung war, so gut hat sie dann natürlich geklappt. Ich hab das Auto extra und mit Ansage mit der vermeintlich nicht gedeckten Karte bezahlt und wir haben unsere Fahrt so wie geplant durchgezogen. Wir waren immer noch von 5.30 Uhr bis 20:30 Uhr unterwegs, aber so war es auch geplant. Bei der Abgabe hab ich dann zwar gar nichts mehr gekriegt und bin mir auch nicht sicher, ob ich dem Tankstellenmitarbeiter nicht auch meinen Briefkastenschlüssel hätte geben können, aber ich kann mich ja nicht alleine um dieses Unternehmen kümmern.

Um ehrlich zu sein, weiß ich noch gar nicht, auf welchem Wege wir da jetzt bei Sixt einreiten. Aber dass aus einer 680€-Miete, mit der alles klappen sollte, am Ende ca. 1.200 € und eine ganze Woche Stress geworden sind, das wird so nicht stehen bleiben. Wenn es was gibt, melde ich mich, versprochen.

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Zurück

So, das war er dann. Der erholsame Sommerurlaub. 🙂

Ich möchte nicht meckern. Wir hatten ein sehr schönes Ferienhaus nur 200 Meter vom Wasser entfernt, von Bäumen umgeben und mit Outdoor-Spielzeug für die Kids. Unser Mietwagen hat uns zuverlässig von allen A zu allen B gebracht und für einen ganz kurzen Teil der Woche kam sogar sowas wie echte Entspannung auf. Wir Erwachsenen hätten davon sicher noch mehr vertragen, aber unsere Kinder sind zumindest jetzt noch nicht in einem Alter und einer Verfassung, in der das Sinn macht. Bei denen kippt das auch wieder nach recht kurzer Zeit, das wissen und erwarten wir auch – und so ist arg viel mehr als eine Woche momentan halt einfach noch nicht drin und entsprechend ist es halt wie es ist.

Wir haben heute die Rückfahrt gemeistert, die nicht nur rund 980 km Autofahrt beinhaltet haben, sondern zwischenrein einen Klärungstermin mit Sixt, das Abholen unseres eigenen Wagens, das Umladen, das Wegbringen des Mietwagens in eine andere Stadt … am Ende waren wir von 5:35 Uhr bis 20:35 Uhr unterwegs und entsprechend fertig sind wir alle. Ich als Fahrer vielleicht nicht einmal am meisten. Es war ein Erlebnis, ein Erfolgserlebnis eigentlich sogar, aber ich muss jetzt schon androhen, dass noch mehr Artikel kommen. Sixt hat uns zum Beispiel dermaßen enttäuscht, da konnte das eigentliche Feature, nämlich der wirklich schöne neue Passat, nicht gegen ankommen. Aber das kommt irgendwann, wenn ich wieder Zeit und Bock habe.

Jetzt sind wir jedenfalls wieder da und erst mal ist alles gut. Nicht so wirklich Wir-sind-alle-erholt-gut, aber immerhin. Jetzt stellt sich vor allem noch die Frage, auf wie viel der inzwischen aufgelaufenen 2.300 € Mehrkosten wir am Ende wirklich sitzen bleiben. Alles wird es nicht sein, aber nichts natürlich auch nicht. Es ist nunmal ein Auto kaputt gegangen, was will man machen? Aber das kommt dann alles noch …

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10 Stunden und 2000 Euro später …

Ihr macht Euch kein Bild!

Ich hab hier ja ein bisschen mit der Schwierigkeit der Fahrt kokettiert, aber jetzt war dann dieser eine Fall, bei dem es wirklich schief ging.

Ich vermute, Ihr werdet euch das denken, jetzt da ich hier was schreibe, aber ich möchte trotzdem damit anfangen, dass alles ok ist. Wir sind wohlauf im Urlaub und erst einmal sieht es so aus, als würde das auch so weitergehen. Aber so wie der Weg dahin verlief, bin ich gerade bei allen Voraussagen etwas skeptisch.

Der Samstag mit seinen 955 km zwischen Heimat- und Ferienadresse ließ sich gut an. Ich hab tatsächlich bis zum Wecker um kurz vor 6 Uhr geschlafen und auch wenn wir etwas später als geplant aus dem Haus gekommen sind, haben wir es quasi auf einer Arschbacke bis 9.45 Uhr nach Rhüden geschafft. Da hatten wir ein großes Frühstück bei der goldenen Möwe eingeplant weil es praktisch lag und wir es schon kannten. Letztes Jahr auf der Hinfahrt haben wir direkt im Haus daneben, einem Motel, übernachtet.

Dieses Mal war es früher Vormittag, alle waren fit und … das Auto hat geraucht. Das festzustellen hat uns die Laune dann trotz bestem Wetter verhagelt. Ohne zu viel Ahnung von der Materie zu haben ließ sich das Problem auf „Der Motor verliert massig Öl und verbrennt es dann extern“ eingrenzen, was eine Weiterfahrt nicht wirklich in Betracht kommen lassen wollte.

Da standen wir. Gemütlich beim Mac, aber 300 km von zuhause entfernt, mit zwei Kindern und einem fahrtuntauglichen Auto, das komplett vollgepackt war.

Die erste halbe Stunde haben wir recherchiert und telefoniert. Das Ergebnis war im Wesentlichen: alle Werkstätten hatten zu. Ein örtliches Abschleppunternehmen hat dann aber zurückgerufen und gesagt, sie hätten noch wen gefunden.

Wir haben Nägel mit Köpfen gemacht: Ich hab das Auto zur Werkstatt ein paar Kilometer weiter schleppen lassen und es begleitet, Sophie hat sich mit den Kids kurzerhand ein Hotelzimmer genommen.

Das waren zusammen schon mal 380 € ungeplante Zusatzkosten und wir waren noch keine Stunde da. Im Übrigen ungefähr das, was wir vielleicht von der Versicherung zurückkriegen werden für Reparatur und Abschleppen.

Die in der Werkstatt haben sich Mühe gegeben. Haben wiederholt den Motor gereinigt, Testfahrten gemacht, mir einiges erklärt … es hat halt gedauert. Nach anderthalb Stunden war klar: Heute wird das nichts mehr, sie müssen Teile bestellen, frühestens Montag.

An der Stelle war es gar nicht so einfach, eine Entscheidung zu treffen. Wir hätten den Urlaub verfallen lassen können und haben das an dem Tag öfter in Erwägung gezogen. Es wsr aber eben auch so, dass das gar nicht mal so unanstrengend gewesen wäre, denn selbst eine spontane Bahnfahrt wäre teuer gewesen und mit (zumindest Teil-)Gepäck, Kindersitzen, unterschiedlichen Startpunkten wäre auch hier eine sehr komplexe Taxifahrt dazugekommen, die finanziell auch schnell im dreistelligen Bereich gewesen wäre. Das alles, um am Ende keinen Urlaub und das Auto trotzdem ein paar hundert Kilometer entfernt defekt in einer Werkstatt stehen zu haben?

Oder vor Ort bleiben? Zwei bis vier Tage von unserer Urlaubswoche? In Seesen an der A7?

Ich war zwar nicht dabei, aber es war wenig überraschend, dass die Kids schon nach drei Stunden Hotelzimmer nicht mehr so wirklich gut gelaunt und kooperationsfähig waren.

Wir haben beschlossen, das durchzuziehen und danach die Scherben aufzukehren: Mietwagen, Urlaub! Währenddessen das Auto fixen lassen, auf dem Rückweg die Kisten wieder tauschen. Teuer aber machbar.

Wenn es nicht Samstag Nachmittag auf dem Dorf gewesen wäre. Denn da gibt es keine Mietwagen. Übrigens auch nicht in Goslar, Salzgitter, Hildesheim oder Göttingen. Ja, haben wir alles versucht. Die nächstgelegene Möglichkeit war Sixt am Flughafen Hannover. Sophie hat umgehend ein Auto reserviert. Golf Kombi, untere Mittelklasse, 680 € inkl. Auslandfahrt und zweitem Fahrer.

Das klang schon mal gut, aber da waren trotzdem noch rund 70 km Luftlinie zwischen uns und dem Wagen. Also mal die Taxiunternehmen der Umgebung angerufen. Fast 100 km Strecke, das ist doch eigentlich ganz nice, dachte ich mir so als Ex-Taxifahrer.

Nope.

Niemand wollte. Einige sind gar nicht rangegangen, manche waren skeptisch und haben mir wegen der Kosten von ca. 250 Euro abraten wollen. Und sind dann doch selbst abgesprungen, weil das jetzt zu lange dauert. Die Odyssee dauerte bis ich die Zentrale in Hildesheim dran hatte, die zwar auch keinen Fahrer gefunden hat, mir aber den Tipp gegeben hat, dass der Flughafentransfer das vielleicht macht und auch viel billiger sei.

Well, wieder was gelernt. Eine knappe Stunde Wartezeit, dafür 100 Euro weniger. Wobei ich ja nun binnen einer Stunde für den höheren Preis eh keinen Taxifahrer hatte auftreiben können.

Die Fahrt war super. Eine Dreiviertelstunde ausruhen im Fond eines gemütlichen VW-Busses mit einem netten Fahrer, der mir dann auch genau zeigen konnte, wo Sixt am Flughafen sitzt.

„Ja, das ist ein bisschen ärgerlich, dass ihre Buchung so kurzfristig kam, weil einen Kombi hatten wir jetzt nicht mehr da …“

Ich hatte mir zu dem Zeitpunkt längst nicht mehr eingebildet, irgendwann nochmal Glück zu haben. Es war 16.30 Uhr, wir waren seit 10 Stunden unterwegs, die Kinder im Hotel am Durchdrehen, ich hatte den halben Tag bei 30°C vor einer Werkstatt telefonierend verbracht und stand jetzt – für 150 € angereist –  verschwitzt bei Sixt, 70 Kilometer von der Familie entfernt und die sagte mir, ich könne als kostenloses „Upgrade“ einen 2er-Tourer von BMW haben, der ja nur 30% weniger Kofferraum hat als der vollgestopfte Zafira in Seesen, den es umzuladen galt.

Als jemand, der bei Autos eigentlich ausschließlich nach Platzangebot geht – oder gehen muss – möchte ich ohnehin alle Autovermieter-Marketingverantwortliche ersäufen, die die verschiedenen Klassen offenbar nach Prestige auf dem Grundschulhof zusammenwürfeln.

Aber egal. Ich hab mal eben noch 250 € hinterher geworfen, um einen Passat zu bekommen.

Da sich mit Geld am Ende alles regeln lässt, saß ich 10 Minuten später in einem 70.000€-Neuwagen, bin damit wieder 100 km entgegen der Zielrichtung gefahren, während einer der Taxiunternehmer mich anrief um sich zu entschuldigen, dass er vorher nicht rangehen konnte, weil er in der Notaufnahme war. Na klar, was auch sonst?

Anschließend hab ich mit Müh und Not das Gepäck in den immer noch kleineren Kofferraum dieses Luxusschlittens gestopft, hab die Familie am Motel eingesammelt und hab dann mit nur zwei Kaffeestopps einfach 600 km nach Dänemark runtergerissen.

Wie sehr das ausgelaugt hat, ahnt ihr nicht.

Aber da sind wir jetzt, es hat sich erstmal gelohnt.

Ach ja, heute kam der Kostenvoranschlag der Werkstatt. 700 Euro. Macht so langsam auch keinen Unterschied mehr.

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Noch 30 Stunden

Ja, noch ungefähr 30 Stunden bis wir aufbrechen.

Ich bin ein bisschen hibbelig wegen des bevorstehenden Urlaubs, aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann hauptsächlich wegen der Autofahrt. Und nicht wirklich weil ich mich sorge, bei allem Respekt vor den – laut Google – 955 km, die da vor uns liegen; sondern weil ich mich freue.

Bei aller berechtigten Kritik am Autofahren und obwohl ich auch der Meinung bin, dass wir das alles in naher Zukunft deutlich einschränken müssen, fahre ich selbst einfach sehr gern. Ihr kennt meinen Background als Berufskraftfahrer, das kam ja alles auch nicht von ungefähr. Meine Prioritäten sind sicher ein wenig anders als die der meisten, die gerne fahren: Ich war nie jemand, der unbedingt besonders schnell fahren musste, ich hatte eigentlich immer mehr Bock drauf, große Autos durch kleine Lücken zu kriegen. Aber ja, ich hab auch bei jedem Mietwagen einmal testweise die Tachonadel nach rechts unten gedrückt, aber alle, die mit mir mal gereist sind, werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass ich da nicht den meisten Wert drauf lege …

Sven, Du schweigst! Jede Regel braucht eine Ausnahme und die 5:40 Stunden von Flensburg nach Stuttgart sind diese Ausnahme!

Natürlich kann man mir auch viel vorwerfen, wenn man’s eng sieht. Ich hab in meinem Leben auch schon ein paar hundert Euro in Außenaufnahmen meiner Fahrzeuge investieren müssen, wobei die einzige dreistellige Rechnung inzwischen aber auch fast ein Vierteljahrhundert her ist.

Warum ich da jetzt trotzdem ein paar Minuten drüber schreiben wollte – abgesehen vom Verarbeiten meiner inneren Anspannung der Fahrt wegen – ist, weil so eine Reise wie die am Samstag für mich nach all den Jahren auf Berlins Straßen, nach all dem Stau im Stuttgarter Kessel und nach all den Republikdurchquerungen für Fernbeziehung und Familienbesuche immer noch eines dieser kleinen Alltagswunder ist. Dass ich mich morgens in ein Auto setzen kann und durch ein bisschen Füßchendrücken abends am Meer in einem anderen Land sein kann und während der Fahrt die Kilometer runterrattern sehen kann auf dem Navi … das ist unglaublich schön. Ich finde das wirklich schön, es hat sowas überhaupt nicht spirituelles meditatives.

Und ja, schon klar: Ich hab die ganze Familie im Auto und kann nicht mal die Musik auf Anschlag drehen, es gäbe an dem Punkt noch Optimierungsmöglichkeiten für mich persönlich. 😉

Trotzdem ist unsere kleine Fahrgemeinschaft eigentlich eine sehr angenehme. Trotz der obligatorischen „Wann sind wir da?“-Fragen.

Wie gesagt: Ich sehe durchaus ein Ende für solche Fahrten am Horizont und vielleicht mag ich sie aber auch genau deswegen noch ein bisschen mehr. Ich werde mich am Samstag abend natürlich fragen, warum ich mir das eigentlich antue und trotzdem eine Woche später wieder ein bisschen hibbelig sein, wenn es zurück gehen soll. Menschen sind komisch und offenbar bin ich auch einer.

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Spezialfälle

Das Spätzle auf Autofahrten in Aktion, immer wieder schön …

„Mama. Es ist ja so. Wenn Du gehörlos wärst und dich von deinem Partner getrennt hättest. Dann könntest Du deinem Kind problemlos erlauben, Geige zu spielen, auch wenn es ganz furchtbar Geige spielt.“

Ich meine: Wo er Recht hat, hat er Recht.

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Fünf Vorfreude-Spinnen

… oder so.

Die letzte Arbeitswoche vor dem Urlaub hat begonnen und ich kann eine leichte Vorfreude nicht von mir weisen. Wobei es durchaus auch eine leicht besorgte Vorfreude ist, denn das, was wir letztes Jahr mit einigem Glück auf der Hinfahrt mit allerlei Backup geschafft haben – nämlich fast 1.000 km an einem Tag im Auto zurückzulegen – das ist jetzt für die Hinfahrt einfach der Plan. Wir werden schon ankommen, aber man darf sich als Fahrer bei der ganzen Chose ja trotzdem fragen, wann und wie. Nicht falsch verstehen: Ich mache das freiwillig, ich hab mich gegen einen Zwei-Tages-Plan entschieden, aber ob das eine gute Idee war, werden wir natürlich erst hinterher wissen. Naja, am Samstag dann. Wir werden sehen.

Aber wirklich begonnen hat die Woche mit einer Erinnerung, dass wir alle alt werden. Einer von uns aber mehr als die anderen, denn das Knöpfle hatte an seinem ersten offiziellen Kita-Ferientag seinen Geburtstag:

Und obwohl wir ja live mitkriegen, wie er älter, schlauer und manchmal sogar ein bisschen verständiger wird: Dass er jetzt älter ist als das Spätzle war als wir hier hergezogen sind, das ist für mich immer noch ein bisschen absurd.

Aber er hatte wie zu erwarten war viel Spaß am Bespielen der zahlreichen Geschenke. Die eigentliche Feier wird aus Termingründen bis nach dem Urlaub warten müssen, aber mit ein paar Spiderman-Spielzeugen mehr fällt das Warten offenbar gar nicht so ins Gewicht.

Im Grunde sind wir jetzt also schon hart in der Vorbereitungsphase, die Einkäufe enthalten längst auch Urlaubsequipment und der überraschend heute aufgetauchte Schornsteinfeger musste ein bisschen über allerlei Zeug steigen, weil wir gerade auf jenem Höhepunkt angelangt sind, an dem alles im Chaos versinkt, bevor es dann langsam wieder besser wird, bis zum Wochenende dann alle Sachen gepackt und verstaut und der Rest der Bude in einem Zustand ist, in dem man sich eine Rückkehr zumindest theoretisch vorstellen kann.

Und wenn wir schon bei Überraschungen sind. Ozie wurde heute Mittag überraschend von einer Spinne angefallen – was wortwörtlich und nicht als Angriff zu verstehen ist – und beim Rausbringen hab sie mir angesehen und glaube, wir hatten jetzt auch unseren ersten Run-in mit der sagenumwobenen Nosferatu-Spinne. Ich bin mir selbst ehrlich gesagt ziemlich unsicher bei so Klassifizierungen von Tieren, aber irgendjemand im Internet hat schon mal zugestimmt. Ihr dürft auch was dazu sagen.

Naja, wir sind beide keine Phobiker und wir leben auch ganz gut mit den Spinnenläufern, die hier im Gegensatz zu obiger Spinne wirklich häufig sind.

Ab jetzt dann noch ein bisschen Arbeit, Termine etc. pp. und dann geht es los nach Dänemark.

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Summertime

Sommerferien.

Letztes Jahr, vorletztes Jahr … das Wort Sommerferien war immer eines mit Donnerhall und schlechten Vorzeichen. In erster Linie natürlich wegen der eingeschränkten Betreuung der Kinder, diesbezüglich aber vor allem, weil sich das Zuhausebleiben eines oder beider Kinder schnell, binnen Tagen, zu einem Drama ausgewachsen hat. Das Spätzle kann so wie er ist einfach nicht damit umgehen, dass er den Tag über nicht viel zu tun hat und noch weniger kann er damit anfangen, wenn er was zu tun hat. Das wird sich nicht so schnell ändern, aber die Wellen, die das schlägt, werden niedriger.

Was aber auch nur deswegen klappt, weil er jetzt in Woche drei der Ferien am dritten Ort untergebracht ist. Einmal Sportcamp, einmal Parkourcamp und jetzt Ferienbetreuung in der Schule. Das Sportcamp kannte er, das hat ihn dieses Mal auch schon gelangweilt, das mit dem Parcour hat aus verschiedenen Gründen nicht so recht geklappt und am Ende war er nur zweieinhalb von Fünf Tagen da. Und die Ferienbetreuung an der Schule … es ist für uns der geringste Aufwand, aber schön ist das auch nicht. Die werfen da ein paar Jugendliche mit hoffentlich okayem Führungszeugnis in zwei offene Räume der Schule, mit etwas Glück findet jemand im Schrank ein Brettspiel und das ist dann der Tag. Vier bis acht Stunden, je nachdem was man gebucht hat. Bisschen übertrieben, natürlich, aber es ist wirklich traurig, dass da oft quasi nichts passiert und die Kids gelangweilt rumsitzen und ein bisschen malen. Kostet dafür halt nur 50 Euro die Woche, nicht 250 wie die Konkurrenz, die halt auch nicht immer Erfolg mit dem Spätzle hat. Und, man muss es zu den positiven Seiten packen: Oft treffen sich da dann doch KlassenkameradInnen, Spätzle kennt das Gelände und es ist halt alles etwas mehr Routine.

Was der Wechsel zwischen den Betreuungen natürlich auch noch mit sich bringt, ist völliger Irrsinn bei der Arbeitsplanung. Hier 8:00 bis 13:00 Uhr in Bingen, dort 8:30 Uhr bis 15:00 Uhr in Ingelheim und dann wieder 9:00 bis 16:00 Uhr in Wiesbaden. Hat uns beiden schon ein paar Minusstunden eingebracht, und wir haben die drei Wochen Kitaferien fürs Knöpfle ja noch nicht einmal erreicht. Wobei wir da dann richtig Urlaub haben und auch mal wegfahren, muss ja auch.

Inzwischen haben die Kinder angefangen, die schon lange auf dem Plan stehende Wand im Flur zu streichen, jetzt sieht es hier also endlich auch nach der Baustelle aus, nach der wir uns alle fühlen. 😉

Aber wie ich oben angedeutet habe: Es wird schon besser. Nur graduell und manchmal verlagern sich die Probleme auch nur, aber momentan sind wir nicht einfach schon nach der ersten Woche völlig fert … also natürlich sind wir völlig fertig, aber vermutlich wären wir das bei der Hitze und dem Leben allgemein auch einfach ohne Sommerferien.

Was bleibt noch so insgesamt zum Sommer zu sagen: Ach ja, manchmal fetzt Präsenzarbeit dann doch:

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