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Andere Länder …

Ich habe heute die US-Wahl verfolgt. Das muss sich vielleicht bei einigen erst setzen, ich bin selbst noch am Überlegen, weswegen. Nein, Gründe gibt es natürlich. Dagegen, den Ausgang dieser Wahl überhaupt zu beachten, spricht natürlich vor allem einmal das Wahlsystem selbst. Ein System, das kleinere Parteien schlicht unterdrückt, eines bei dem 1.000 Stimmen in Florida mehr zählen können als 1.000.000 in New York, das ist eigentlich zu blöd zum Ernstnehmen. Und da die Wahl grundsätzlich zwischen zwei stinkreichen Patrioten mit guten Beziehungen zur Wirtschaft gefällt wird, die nicht einmal nein zu Schußwaffen sagen dürfen, könnte man sagen, dass auch die personelle Ebene höchstens zum Sackkratzen animieren sollte.

Aber das ist halt nicht alles.

Immer noch ist der US-Präsident einer der mächtigsten Männer auf diesem Planeten. So traurig es sein mag, dass das System an dieser Stelle nie einen vernünftigen Menschen zulassen wird, kann es doch ein paar Millionen Menschenleben kosten, die Stelle mit einem bildungsresistenten Vollhonk wie dem letzten Bush-Sprößling zu besetzen. Gewiss wird Amerika nicht durch die Wiederwahl von Obama zu dem Vorreiter in der Welt, den das Land in sich selbst immer sieht – aber vielleicht wurden dadurch ein paar Kriege vermieden. Und den Gerüchten nach ist Krieg ja auch selten so toll, wie er im Fernsehen immer rüberkommt.

Was aber viel beeindruckender war als der Verlauf an sich (ich habe nicht lange gezweifelt, dass Obama es packt), das war das Fernsehen. Und – jetzt mal frei raus und ohne Recherche, was die vielleicht sonst so verbrechen – fette Props an CNN!

Diese Nacht habe ich die Hoffnung in den Fernsehjournalismus wiederentdeckt – mit dem traurigen Nebeneffekt, dass die in den deutschen jetzt wohl endgültig hinüber ist. Wunderbar, dass im ZDF zu diesem Anlass ein Bildschirm mit Twitter gezeigt wurde, die obskuren Versammlungs- und Talkrunden waren bei gelegentlichem Umschalten so doof wie eh und je. Und CNN?

Fakten, Fakten, Fakten. Stundenlang geballte Infos über die Wahl, permanenter Informationsfluss – überraschend pragmatisch und erfrischend kenntnisreich rübergebracht. Alleine die Arbeit des Moderators an der interaktiven Tafel, auf der er in Sekundenschnelle mehrere Zahlen aus Staaten und Countys gut informiert und mit technischer Brillianz rausgeholt hat. In dieser Nacht war CNN sicher besser als jeder Newsticker im Netz, jede Übersichtsseite. Gleichzeitig aktuell, gut aufbereitet, durchaus unterhaltsam und mit enormem Aufwand haben die da einfach locker mindestens 6 Stunden Live-Fernsehen gemacht, das man sich ansehen konnte. Man ist immer über Hochrechnungen, Ergebnisse und alles was eigentlich ging, auf dem Laufenden gehalten worden, während in Deutschland irgendwelche Ex-Politiker darüber getalkt haben, wie sie damals Obama kennengelernt haben. Wenn man nicht gerade deutsche Fußballspieler in den USA nach der eigenen Karriere befragt hat …

Vor allem ein Gefühl blieb: Während dieser für eine Sendung unglaublich langen Zeit fielen die deutschen Sender immer dadurch auf, dass sie die Zeit rumkriegen wollten – bei CNN wurde extra schnell geredet, um so schnell wie möglich alle Informationen loszuwerden. Und wenn ich zu so einer Veranstaltung eines wissen will, dann sind es Fakten aus den Wahllokalen und nicht, was Frank-Walter Steinmeier irgendwelchen Kandidaten so alles knuffiges wünscht, wenn sie es nicht schaffen sollten.

Es gibt vielleicht wenige Punkte, auf die mein Ergebnis heute Nacht zutrifft, auf den Fernsehjournalismus zur Wahl jedoch sicher:

USA – Deutschland

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Sch(m)utz

Der hatte einen Schatten, dass die Nacht flattert – und dennoch war es nicht Darkwing Duck, sondern ein Fahrgast eines Kollegen. Und von Schatten, die die Nacht durchflattern, handelt dieser Eintrag auch sonst ein bisschen – von den Daten nämlich, die wir alle so um uns streuen. Und wir können heute sogar das Internet weitgehend in Frieden lassen, denn ich will mich gar nicht groß mit Facebook und Konsorten aufhalten, sondern gleich dahin gehen, wo es selbst guten Offline-Deutschen weh tut: zur Schufa.

Mein persönlicher Stress mit dem Verein hält sich in Grenzen. Ich bemühe mich schließlich, meine Schulden zu bezahlen und vermehrt sogar, überhaupt keine zu machen. Und eben weil ich das nicht will, scheiße ich persönlich auf das Scoring, das schon meiner Adresse wegen wahrscheinlich auf die nächsten 20 Jahre hin mies bleiben wird.

Ich hab da ohnehin kein Problem damit. Meine Grenzen der Privatsphäre liegen vergleichsweise eng um mich und umfassen in der Regel zumindest keine finanziellen Informationen. Mir persönlich ist Geld sowas von wurscht: ich schreibe darüber, wenn ich es hab – und ebenso, wenn mir gerade welches fehlt. Und da ich niemanden belüge oder bescheiße, komme ich damit gut klar.

Aber: das ist MEIN Leben. Und ich habe großes Verständnis dafür, wenn andere da andere Grenzen ziehen.

Und überhaupt: es ging eigentlich um den Fahrgast eines Kollegen. Der Kollege – hier nicht mit Namen genannt – gehört zur gleichen Firma und der Fahrgast stellte sich recht bald und freiwillig als einer von der Schufa vor. Und nach ein paar Allgemeinplätzen lief er sich richtig warm und fragte nach der Firma.

„Na hier, da is doch dit Schild!“

meinte der Kollege und glaubte einer Minute später seinen Ohren kaum zu trauen. Der wohl nur mäßig nette Kerl im Fond prahlte nun damit, was er alles über unsere Chefs wisse. Zeigte sein Tablet vor und las Kontostände, Kredite, persönliche Adressen, Familienverhältnisse, Telefonnummern und sogar bislang unbekannte Zweitnamen vor. Einfach so.

Ich meine: ein Hoch auf die guten Verhältnisse in unserem kleinen Taxi-Unternehmen, aber was zur Hölle geht einen angestellten Fahrer bitte an, ob, wo und bei wem seine Chefs welche Verträge oder Verbindlichkeiten haben? Noch dazu einer, der das nicht einmal im Entferntesten wissen will!

Da freut es einen doch, dass man um die Schufa nicht herum kommt. Dass jede Handyvertragsdaten, jeder Mietvertrag, jeder Kredit und auch sonst jeder Scheiß an den Verein gesandt wird, wenn die dort Leute anstellen, die einfach aus einer Laune heraus auf der Straße wildfremden Menschen sowas erzählen.

Meine Chefs scheinen traurigerweise nicht sonderlich interessiert daran zu sein, mein Kollege hält das indessen ebenso wie ich für einen Skandal. Und wenn wir schon beim Datenschutz sind: Wir Taxifahrer wissen nach solch einer Fahrt auch einiges. Zum Beispiel den Namen, die Herkunft, die Adresse …

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Scheiß Piraten!?

Ich habe sehr großen Respekt vor der Piratenpartei. Das muss ich einfach mal wieder – und zwar jetzt mehr denn je – erwähnen.

Gerade dass sie so vielen Angriffen von allen Seiten ausgesetzt sind, amüsiert mich eher. Ich würde nie behaupten, dass ich restlos alles toll finden würde, was in den Reihen der Piraten so passiert – viel bedenklicher finde ich jedoch, dass man viel von der hochgewirbelten Scheiße in anderen Parteien gar nicht erst mitkriegt. Da poltert in irgendeiner Piraten-Ortsgruppe ein neu beigetretener Neonazi bei einem Treffen rum und schon vergessen die Medien, dass in anderen Parteien teilweise Altnazis auf mehrere Jahrzehnte Karriere zurückgucken konnten, bis sie – wenn überhaupt – mal ausgeschlossen wurden. Mit anderen Worten: Man zeige mir mal eine Partei, mit der man sich zu hundert Prozent identifizieren kann! Das ist ja noch nicht einmal Zweck einer Partei!

Ein besonders schönes Beispiel für so aufgebauschte Kleinigkeiten ist z.B. das gerade in Berlin stattfindende Refugee-Camp am Brandenburger Tor. Einige Flüchtlinge weisen mit einem Hungerstreik an zentraler Stelle darauf hin, dass der Umgang mit Asylsuchenden in Deutschland menschenunwürdig ist. Vor einiger Zeit hab ich vor dem Hintergrund eines Gerichtsurteils bereits etwas über die grundsätzlichen Probleme geschrieben. Traurig und beschämend, dass es in diesem Land heutzutage noch notwendig ist, zu solchen Mitteln zu greifen. 🙁

Nun aber – glaubt man den vielen Stimmen in Netz und Presse – ist etwas ganz schlimmes passiert: ausgerechnet die Piraten nehmen sich als Unterstützer der Flüchtlinge an. Mehrere teils prominente Parteimitglieder sind unter vielen anderen vor Ort, versorgen die Leute mit Getränken und helfen ihnen beim Umgang mit der Polizei, die die genehmigte Demonstration zwar prinzipiell gewähren lässt, dennoch aber die Situation ständig verschärft, indem sie beispielsweise trotz klirrender Kälte den Leuten Klamotten, Planen und Pappe wegnimmt, damit sie nicht trocken sitzen können. Alles rechtlich irgendwie machbar, da ja nur eine Demonstration, nicht aber ein Campieren erlaubt ist. Trotzdem unverantwortlich und scheiße!

Aber gut. Gegen die Solidarisierung mit den Flüchtlingen will keiner ernsthaft was gesagt haben, aber das mit den Piraten sei schon eher nicht so gut. Warum? Na, weil sie die armen Leute ausnutzen, um sich zu profilieren. Damit aber nicht genug. Es geht auch genau andersrum: Während sich die Linke und die Grünen gerade mal zu kurzen Anstandsbesuchen am Camp für freudiges Posieren vor der Kamera herablassen konnten, finden es so manche Journalisten plötzlich schlimm, dass der politische Geschäftsführer der Piraten, Johannes Ponander, nicht selbst vor Ort sei. Und nicht zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass der medienkritische Schachzug „tits4humanrights“ (über die hervorragende Aktion mehr hier.) jetzt auch in der Kritik steht, weil Medienkritik nunmal nichts mit der Sache zu tun hätte und den armen Menschen, die da frieren, nur schaden würde.

Mal ganz ehrlich: Geht’s noch?

Ich mache hiermit im Grunde gerade auch den Fehler, eher über die Aktion der Piraten und die Kritik daran als über die Flüchtlinge selbst zu schreiben. Vielleicht sollte ich das nicht tun. Im Grunde ist es lächerlich, über die Berichterstattung pro/contra einer Partei zu schreiben, wo doch dahinter viel größeres Unrecht zu finden ist.

Aber das ist nicht richtig. Zum einen lenkt das Interesse an den Piraten ja tatsächlich die Augen der Öffentlichkeit auch auf das Problem der Demonstranten – und ich finde es eigentlich umso bewundernswerter, dass sich Parteipolitiker ungeachtet eventuell negativer Kritik an so einer Aktion beteiligen.
Zum anderen gibt es immer wichtigere Dinge. Immer. Und ebenso wie der Lokalteil einer Zeitung eine Daseinsberechtigung hat, kann man auch mal über die Berichterstattung zu den Piraten was schreiben, obwohl einen im Grunde das dahinterliegende Problem der Flüchtlinge noch mehr aufregt.

Während ich das veröffentliche, „genießen“ die hungerstreikenden Flüchtlinge eine von der Polizei genehmigte Ruhepause von nicht ganz vier Stunden. Weiterhin ohne Decken, Schlafsäcke, Regenschutz oder dergleichen. Anbei ein paar Unterstützer, die aufpassen, sich um alles mögliche kümmern und für Öffentlichkeit sorgen. Was schlecht gefunden wird, weil ein paar davon Piraten sind. So ist das hier im weltoffenen Deutschland.

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„Er hat Jehova gesagt!“

Mich juckt es seit Tagen in den Fingern, etwas über die ganze Mohammed-Film-Karikaturen-Geschichte zu schreiben. Erschreckenderweise ist das schwierig, obwohl ich meine Meinung zum Thema recht knapp umreißen könnte. Filme werden gedreht, Botschaften brennen, Menschen sind beleidigt, Menschen sterben und jetzt verschiebt die Bundesregierung sogar eine Plakatkampagne, um bei der angespannten Lage nicht noch Öl ins Feuer zu gießen.

Und alle berufen sie sich darauf, dass sie entweder besonders zivilisiert oder aber die Krone der Schöpfung sind. Man kommt eigentlich nicht umhin, der eigenen Spezies einen ironischen Applaus zu spendieren und Zugaben zu verlangen …

Aber problematisch am Schreiben darüber ist viel weniger die Hitzigkeit, mit der die Debatte geführt wird oder gar die Angst, irgendwem auf die Füße zu treten. Es ist eher so, als würde man nachts mit zugebundenen Augen besoffen auf einem Pogostick durchs Minenfeld hüpfen und darauf hoffen, genau dem schmalen Pfad zu folgen, der zur sicheren Passage bereits geräumt wurde: man weiß, dass es schief geht und versucht doch verzweifelt, den richtigen Anfang zu finden.

Dass ich kein Freund von Religionen bin, ist hinlänglich bekannt. Und ihr könnt mir glauben, dass mit jeder Nachricht von religiösem Fanatismus in mir ein bisschen Humanität der Zynik weicht und ich darüber nachzudenken beginne, dass es doch eigentlich für alle Beteiligten ganz nett wäre, wenn die wirklich frommen Schäfchen möglichst schnell zu ihrem vermeintlichen Schöpfer zurückkehren. Aber natürlich ist das polemisch und billig.

Ich bin ein großer Freund der Religionsfreiheit. Zum einen, weil ich nicht an Verbote und ihren Nutzen glaube. Zum anderen, weil jeglicher Glaube an sich natürlich eine im Grunde rein mentale Sache ist und es sich aus wiederum vielerlei Gründen verbietet, Menschen dafür zu verurteilen, wie sie ihre Fantasie verwenden. So gesehen bin ich im Allgemeinen Religionen gegenüber tolerant. Toleranz ist im Übrigen nicht das, was die Leute darunter verstehen, die immerzu sagen „Ich bin da tolerant, aber …“. Toleranz bedeutet, etwas zu dulden und etwas Menschen zugestehen, mit dem man selbst NICHT einverstanden ist.

Toleranz ist wichtig, denn abgesehen von einigen Dingen, die man ohne inneren Widerspruch akzeptieren kann, gibt es immer auch Differenzen, die durch Toleranz beigelegt werden können. Aber sie muss in gewissen Punkten auf Gegenseitigkeit beruhen. Purer Intoleranz tolerant zu begegnen ist zum einen schwierig, zum anderen ein schlicht unfairer Kampf, bei dem man letztlich verliert. Ich kann zwar damit leben, dass Menschen dieser verbohrten Splittergruppierung FDP der Meinung sind, Steuersenkungen seien voll total dufte – brauche aber nicht ernsthaft mit Menschen diskutieren, die sich tatsächlich für besser halten, weil sie deutsch, heterosexuell, Männer oder eben Moslems oder Christen sind.

Und das liegt das Problem. Obwohl die Religion wie jetzt gerade wieder ziemlich weltliche Probleme hervorruft, entzieht sie sich ihrer Kritik schon vom Grundverständnis her, indem sie ins Metaphysische ausweicht und von diesem Standpunkt aus unantastbar bleibt. Als irrationales Überzeugungssystem muss sich die Religion allein aus historischen Gründen nicht an der Realität messen lassen. Während wir Homöopathiespinner als solche benennen können, Holocaustleugner gar bestrafen für ihre nachweislich falschen Behauptungen, bleibt den Religionen stets der Rückzugsraum der Religionsfreiheit – obwohl sie nicht minder unplausiblen Quatsch verbreiten und – im Schlimmsten Falle wie beispielsweise jetzt eben in katastrophal bildungsarmen Gegenden mit den entsprechenden Strukturen – Gewalt schüren. Gegen Andersgläubige, bzw. – und das ist ja das perfide – in ihrem Sinne Ungläubige.

Ausgerechnet die großen monotheistischen Religionen mit ihren Absolutheitsansprüchen und ihren Überzeugungen, dass „die Anderen“ entweder im Diesseits ausgerottet oder aber mit gewissem „Recht“ im Jenseits entsetzlich gequält werden dürfen, genießen vielerorts einen besonderen Schutz von staatlicher und moralischer Seite.

Ich habe nichts gegen imaginäre Freunde. Und wenn jemand lieber zu Gott oder Allah betet, anstatt zu feiern, zu diskutieren, zu lachen, zu arbeiten, zu prokrastinieren, zu leben … ist mir völlig wurscht. Ja, ich verstehe es nicht. Das muss ich zugeben. Aber ich lasse es den Menschen, da bin ich tolerant. Wie eingangs erwähnt.

Wenn aber irgendwer meint, dass sein Zwiegespräch mit Gott es rechtfertigt, im Leben unschuldiger Menschen herumzupfuschen, oder gar es anzugreifen – dann hört auch bei mir die Toleranz auf! Dann muss auch erlaubt sein, euren Gott für blöde und inkompetent, kindisch, albern, bösartig, widerwärtig und/oder schlecht zu halten – und dies zu kommunizieren! Und das ist eben kein spezielles Problem des Islam. Dessen Anhänger treten zweifelsohne gerade radikaler auf als andere Gruppen, letztlich liegt das Potenzial aber in jeder Religion mit Allgemeingültigkeitsanspruch.

Ich finde es somit selbstverständlich furchtbar, was gerade in einigen islamisch geprägten Ländern passiert. Mal abgesehen davon, dass niemand wegen eines Filmes oder einer Karikatur wegen getötet werden sollte – erst recht zutreffend ist das auf Menschen, die nur zufällig das selbe Land vertreten. Diese Grenzziehung ist ja nicht weniger bekloppt. Und das ist auch etwas, das an alle „Patrioten“ und „stolze Deutsche“ mal rausgehen sollte:

Ja, natürlich ist der Islam bekloppt! Ebenso wie die anderen Religionen. Jetzt wird gerade Jagd auf Amerikaner – aber auch auf Deutsche – gemacht – einfach, weil diese Leute (und wer weiß schon, wie die ticken? Am Ende sind es buddhistische grüne Lokalpatrioten) zufällig im selben Land geboren sind, dem selben Kulturkreis angehören oder sonstwie zufällig mit den in den Augen der Fundamentalisten Schuldigen zusammenhängen. Unschuldig, aber dennoch bestraft. DAS ist genau das, was IHR so toll findet! Denkt mal drüber nach!

Ich geh derweil kotzen.

PS: Sehr interessant und von einer anderen Mine aus springend betrachtet es Michael Hohner vom RatioBlog – dem ich übrigens mehr Leser wünschen würde, auch wenn der Autor bezüglich des unterhaltsamen Buches von Richard Feynman anderer Meinung ist … 😉

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Ein Herz für Bildunterschriften

Ich bin ja manchmal auch ein wenig albern bei Bildunterschriften, ich mag das. In bebilderten Texten ist das mitunter ein Platz, wo kleine Scherze gut aufgehoben sind und sie nicht jeder gleich sieht – manche auch gar nicht.

Ein Meisterwerk dieser kleinen Kunst für nebenher hat die taz in ihrem Artikel zum eigenen juristischen Sieg über Thilo Sarrazin untergebracht:

Häme in Reinkultur ;)

Resignierter Troll mit Brille wird verhöhnt. Quelle: taz.de, Bild: dpa

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Dummheit

Peinlich und gefährlich

Vor zwei Tagen hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Leistungen, die Asylbewerber in Deutschland erhalten, nicht menschenwürdig sind und deswegen angepasst werden müssen. Das war keine große Überraschung und jeder, der sich die besagten Regelungen mal angeschaut hat, wusste das auch ohne die richterliche Bestätigung.

Wer in Deutschland Asyl beantragt, bekommt nur knapp über 200 €, vieles davon nicht einmal bar, sondern in Form von Sachleistungen und Gutscheinen. Sprich: Selbst das wenige Geld, das sie erhalten, können sie nicht so ausgeben, wie sie es vielleicht tun würden. Überwiegend wurde das einfach zur Kenntnis genommen – was vielleicht schon traurig genug ist – andernorts wird diese Entscheidung sogar angegriffen. Wenig überraschend z.B., dass Stefan Niggemeier bei bild.de ein erschreckendes Sammelsurium dummdreister rassistischer Kommentare aufgestöbert hat, aus welchem er ein „Worst of“ in seinem Blog postet.

Selbst als Mensch, der einiges gewöhnt ist, habe ich mehrere Anläufe gebraucht, um diese Scheiße auch nur durchzulesen. Die Abscheu und Wut, die zeitgleich mit Trauer, Bestürzung und Fremdscham aufkam, als ich mir das antat, lässt sich kaum in Worten ausdrücken.

Ich hab mich als Linker irgendwann leider mit der Tatsache arrangiert, dass die Menschen weiterhin einen diffusen Alltagsrassismus hegen und mir fehlt manchmal einfach der Nerv, mich jedes Mal einzumischen, wenn jemand mal wieder „die Türken“ oder „die Araber“ für irgendein Übel in diesem Land pauschal schilt.

Aber mir stehen die Tränen in den Augen, wenn ich sehe, wie Menschen einfach nur weil sie so dumm und ungebildet sind, auf die vielleicht harm- und wehrloseste Menschengruppe eindrischt, die es in diesem Land überhaupt gibt.

Asylbewerber – das sind die Menschen, die aus für uns wahrscheinlich nie begreiflichen Gründen Opfer gebracht, Qualen erlitten und ihr letztes Geld ausgegeben haben, um irgendwie hierher zu gelangen. Die keine bessere Möglichkeit gesehen haben, als ihre bisherige Existenz aufzugeben, um hier die Chance auf einen Neuanfang zu haben, bzw. überhaupt unbehelligt zu leben. Manche von ihnen wurden gefoltert, manchen wurde die Familie genommen, viele erwarten bei einer Rückkehr in die Heimat – die sie sicher nicht weniger wertschätzen als wir – Mord, Folter, Bürgerkrieg und andere Dinge, die wir aus unserem Leben so leicht verbannen können, nur weil wir zufällig in einem anderen Land geboren wurden.

Diese Menschen kommen nach Deutschland und selbst die wenigen, die tatsächlich hier nur eine bessere Zukunft suchen und Geld verdienen wollen, sind offenbar verzweifelt genug, dass sie es akzeptieren, dass man sie teils für mehrere Jahre in „Unterkünfte“ steckt, man will zynisch eher den Begriff „Lager“ verwenden. Dass man ihnen Geld gibt, sehen die ganzen Freizeitnazis da draussen vielleicht als Geschenk, tatsächlich wird ihnen aber auf der anderen Seite verboten, hier zu arbeiten. Wo sie sich aufhalten, was sie einkaufen, fast alles, was irgendwie noch möglich ist zu überwachen und zu regulieren, wird bei Asylbewerbern auch angewandt.

Und das Geld, das sie bekommen: Der Betrag wurde 1993 festgesetzt und ist seitdem nicht angepasst worden. Selbst wenn man davon mal leben konnte, wie konnte irgendwer erwarten, dass das im Jahre 2012 nicht mehr so wirklich funktioniert?

Wir streiten in Deutschland (zu Recht!) darüber, ob Hartz IV menschenwürdig ist – und auf der anderen Seite lassen wir andere Menschen mit der Hälfte des Geldes vor sich hinvegetieren. Einfach, weil sie ja nicht von hier kommen? Wieviel ungeschönten Rassismus braucht es, um das nicht nur gutzuheißen, sondern auch noch die Änderungen zu verteufeln?

Ja, diese Erhöhung kostet Geld. Nach aktuellen und pessimistischen Schätzungen bis zu 1,50 € für jeden Bundesbürger, also vielleicht 3,50 € pro Erwerbstätigen. Pro Jahr. Und das ist zu viel, um Menschen zu bezahlen, die unfassbares durchgemacht haben und denen wir sogar verbieten, selbst für ihren Unterhalt zu sorgen? Ehrlich?

Wer diese Meinung vertritt, der schließt bitte jetzt diesen Tab in seinem Browser, löscht ggf. das Lesezeichen für diese Seite und sorgt dafür, dass er mir nie wieder in die Quere kommt. Nicht körperlich, und schon gar nicht gedanklich. Eine Forderung, die ich als hart arbeitender reinrassiger Deutscher ja wohl aufstellen kann!

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Weg mit!

Ich würde sagen, dass es immer schön ist, wenn sich Menschen für Politik interessieren und ihre Meinung kundtun. Auch wenn es mal unter seltsamen Umständen ist. Aber mal ehrlich: Grafisch waren wir schon mal weiter!

OK, Comic Sans wäre auch nicht besser! Quelle: Sash

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