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Scheiß Piraten!?

Ich habe sehr großen Respekt vor der Piratenpartei. Das muss ich einfach mal wieder – und zwar jetzt mehr denn je – erwähnen.

Gerade dass sie so vielen Angriffen von allen Seiten ausgesetzt sind, amüsiert mich eher. Ich würde nie behaupten, dass ich restlos alles toll finden würde, was in den Reihen der Piraten so passiert – viel bedenklicher finde ich jedoch, dass man viel von der hochgewirbelten Scheiße in anderen Parteien gar nicht erst mitkriegt. Da poltert in irgendeiner Piraten-Ortsgruppe ein neu beigetretener Neonazi bei einem Treffen rum und schon vergessen die Medien, dass in anderen Parteien teilweise Altnazis auf mehrere Jahrzehnte Karriere zurückgucken konnten, bis sie – wenn überhaupt – mal ausgeschlossen wurden. Mit anderen Worten: Man zeige mir mal eine Partei, mit der man sich zu hundert Prozent identifizieren kann! Das ist ja noch nicht einmal Zweck einer Partei!

Ein besonders schönes Beispiel für so aufgebauschte Kleinigkeiten ist z.B. das gerade in Berlin stattfindende Refugee-Camp am Brandenburger Tor. Einige Flüchtlinge weisen mit einem Hungerstreik an zentraler Stelle darauf hin, dass der Umgang mit Asylsuchenden in Deutschland menschenunwürdig ist. Vor einiger Zeit hab ich vor dem Hintergrund eines Gerichtsurteils bereits etwas über die grundsätzlichen Probleme geschrieben. Traurig und beschämend, dass es in diesem Land heutzutage noch notwendig ist, zu solchen Mitteln zu greifen. 🙁

Nun aber – glaubt man den vielen Stimmen in Netz und Presse – ist etwas ganz schlimmes passiert: ausgerechnet die Piraten nehmen sich als Unterstützer der Flüchtlinge an. Mehrere teils prominente Parteimitglieder sind unter vielen anderen vor Ort, versorgen die Leute mit Getränken und helfen ihnen beim Umgang mit der Polizei, die die genehmigte Demonstration zwar prinzipiell gewähren lässt, dennoch aber die Situation ständig verschärft, indem sie beispielsweise trotz klirrender Kälte den Leuten Klamotten, Planen und Pappe wegnimmt, damit sie nicht trocken sitzen können. Alles rechtlich irgendwie machbar, da ja nur eine Demonstration, nicht aber ein Campieren erlaubt ist. Trotzdem unverantwortlich und scheiße!

Aber gut. Gegen die Solidarisierung mit den Flüchtlingen will keiner ernsthaft was gesagt haben, aber das mit den Piraten sei schon eher nicht so gut. Warum? Na, weil sie die armen Leute ausnutzen, um sich zu profilieren. Damit aber nicht genug. Es geht auch genau andersrum: Während sich die Linke und die Grünen gerade mal zu kurzen Anstandsbesuchen am Camp für freudiges Posieren vor der Kamera herablassen konnten, finden es so manche Journalisten plötzlich schlimm, dass der politische Geschäftsführer der Piraten, Johannes Ponander, nicht selbst vor Ort sei. Und nicht zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass der medienkritische Schachzug „tits4humanrights“ (über die hervorragende Aktion mehr hier.) jetzt auch in der Kritik steht, weil Medienkritik nunmal nichts mit der Sache zu tun hätte und den armen Menschen, die da frieren, nur schaden würde.

Mal ganz ehrlich: Geht’s noch?

Ich mache hiermit im Grunde gerade auch den Fehler, eher über die Aktion der Piraten und die Kritik daran als über die Flüchtlinge selbst zu schreiben. Vielleicht sollte ich das nicht tun. Im Grunde ist es lächerlich, über die Berichterstattung pro/contra einer Partei zu schreiben, wo doch dahinter viel größeres Unrecht zu finden ist.

Aber das ist nicht richtig. Zum einen lenkt das Interesse an den Piraten ja tatsächlich die Augen der Öffentlichkeit auch auf das Problem der Demonstranten – und ich finde es eigentlich umso bewundernswerter, dass sich Parteipolitiker ungeachtet eventuell negativer Kritik an so einer Aktion beteiligen.
Zum anderen gibt es immer wichtigere Dinge. Immer. Und ebenso wie der Lokalteil einer Zeitung eine Daseinsberechtigung hat, kann man auch mal über die Berichterstattung zu den Piraten was schreiben, obwohl einen im Grunde das dahinterliegende Problem der Flüchtlinge noch mehr aufregt.

Während ich das veröffentliche, „genießen“ die hungerstreikenden Flüchtlinge eine von der Polizei genehmigte Ruhepause von nicht ganz vier Stunden. Weiterhin ohne Decken, Schlafsäcke, Regenschutz oder dergleichen. Anbei ein paar Unterstützer, die aufpassen, sich um alles mögliche kümmern und für Öffentlichkeit sorgen. Was schlecht gefunden wird, weil ein paar davon Piraten sind. So ist das hier im weltoffenen Deutschland.

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„Er hat Jehova gesagt!“

Mich juckt es seit Tagen in den Fingern, etwas über die ganze Mohammed-Film-Karikaturen-Geschichte zu schreiben. Erschreckenderweise ist das schwierig, obwohl ich meine Meinung zum Thema recht knapp umreißen könnte. Filme werden gedreht, Botschaften brennen, Menschen sind beleidigt, Menschen sterben und jetzt verschiebt die Bundesregierung sogar eine Plakatkampagne, um bei der angespannten Lage nicht noch Öl ins Feuer zu gießen.

Und alle berufen sie sich darauf, dass sie entweder besonders zivilisiert oder aber die Krone der Schöpfung sind. Man kommt eigentlich nicht umhin, der eigenen Spezies einen ironischen Applaus zu spendieren und Zugaben zu verlangen …

Aber problematisch am Schreiben darüber ist viel weniger die Hitzigkeit, mit der die Debatte geführt wird oder gar die Angst, irgendwem auf die Füße zu treten. Es ist eher so, als würde man nachts mit zugebundenen Augen besoffen auf einem Pogostick durchs Minenfeld hüpfen und darauf hoffen, genau dem schmalen Pfad zu folgen, der zur sicheren Passage bereits geräumt wurde: man weiß, dass es schief geht und versucht doch verzweifelt, den richtigen Anfang zu finden.

Dass ich kein Freund von Religionen bin, ist hinlänglich bekannt. Und ihr könnt mir glauben, dass mit jeder Nachricht von religiösem Fanatismus in mir ein bisschen Humanität der Zynik weicht und ich darüber nachzudenken beginne, dass es doch eigentlich für alle Beteiligten ganz nett wäre, wenn die wirklich frommen Schäfchen möglichst schnell zu ihrem vermeintlichen Schöpfer zurückkehren. Aber natürlich ist das polemisch und billig.

Ich bin ein großer Freund der Religionsfreiheit. Zum einen, weil ich nicht an Verbote und ihren Nutzen glaube. Zum anderen, weil jeglicher Glaube an sich natürlich eine im Grunde rein mentale Sache ist und es sich aus wiederum vielerlei Gründen verbietet, Menschen dafür zu verurteilen, wie sie ihre Fantasie verwenden. So gesehen bin ich im Allgemeinen Religionen gegenüber tolerant. Toleranz ist im Übrigen nicht das, was die Leute darunter verstehen, die immerzu sagen „Ich bin da tolerant, aber …“. Toleranz bedeutet, etwas zu dulden und etwas Menschen zugestehen, mit dem man selbst NICHT einverstanden ist.

Toleranz ist wichtig, denn abgesehen von einigen Dingen, die man ohne inneren Widerspruch akzeptieren kann, gibt es immer auch Differenzen, die durch Toleranz beigelegt werden können. Aber sie muss in gewissen Punkten auf Gegenseitigkeit beruhen. Purer Intoleranz tolerant zu begegnen ist zum einen schwierig, zum anderen ein schlicht unfairer Kampf, bei dem man letztlich verliert. Ich kann zwar damit leben, dass Menschen dieser verbohrten Splittergruppierung FDP der Meinung sind, Steuersenkungen seien voll total dufte – brauche aber nicht ernsthaft mit Menschen diskutieren, die sich tatsächlich für besser halten, weil sie deutsch, heterosexuell, Männer oder eben Moslems oder Christen sind.

Und das liegt das Problem. Obwohl die Religion wie jetzt gerade wieder ziemlich weltliche Probleme hervorruft, entzieht sie sich ihrer Kritik schon vom Grundverständnis her, indem sie ins Metaphysische ausweicht und von diesem Standpunkt aus unantastbar bleibt. Als irrationales Überzeugungssystem muss sich die Religion allein aus historischen Gründen nicht an der Realität messen lassen. Während wir Homöopathiespinner als solche benennen können, Holocaustleugner gar bestrafen für ihre nachweislich falschen Behauptungen, bleibt den Religionen stets der Rückzugsraum der Religionsfreiheit – obwohl sie nicht minder unplausiblen Quatsch verbreiten und – im Schlimmsten Falle wie beispielsweise jetzt eben in katastrophal bildungsarmen Gegenden mit den entsprechenden Strukturen – Gewalt schüren. Gegen Andersgläubige, bzw. – und das ist ja das perfide – in ihrem Sinne Ungläubige.

Ausgerechnet die großen monotheistischen Religionen mit ihren Absolutheitsansprüchen und ihren Überzeugungen, dass „die Anderen“ entweder im Diesseits ausgerottet oder aber mit gewissem „Recht“ im Jenseits entsetzlich gequält werden dürfen, genießen vielerorts einen besonderen Schutz von staatlicher und moralischer Seite.

Ich habe nichts gegen imaginäre Freunde. Und wenn jemand lieber zu Gott oder Allah betet, anstatt zu feiern, zu diskutieren, zu lachen, zu arbeiten, zu prokrastinieren, zu leben … ist mir völlig wurscht. Ja, ich verstehe es nicht. Das muss ich zugeben. Aber ich lasse es den Menschen, da bin ich tolerant. Wie eingangs erwähnt.

Wenn aber irgendwer meint, dass sein Zwiegespräch mit Gott es rechtfertigt, im Leben unschuldiger Menschen herumzupfuschen, oder gar es anzugreifen – dann hört auch bei mir die Toleranz auf! Dann muss auch erlaubt sein, euren Gott für blöde und inkompetent, kindisch, albern, bösartig, widerwärtig und/oder schlecht zu halten – und dies zu kommunizieren! Und das ist eben kein spezielles Problem des Islam. Dessen Anhänger treten zweifelsohne gerade radikaler auf als andere Gruppen, letztlich liegt das Potenzial aber in jeder Religion mit Allgemeingültigkeitsanspruch.

Ich finde es somit selbstverständlich furchtbar, was gerade in einigen islamisch geprägten Ländern passiert. Mal abgesehen davon, dass niemand wegen eines Filmes oder einer Karikatur wegen getötet werden sollte – erst recht zutreffend ist das auf Menschen, die nur zufällig das selbe Land vertreten. Diese Grenzziehung ist ja nicht weniger bekloppt. Und das ist auch etwas, das an alle „Patrioten“ und „stolze Deutsche“ mal rausgehen sollte:

Ja, natürlich ist der Islam bekloppt! Ebenso wie die anderen Religionen. Jetzt wird gerade Jagd auf Amerikaner – aber auch auf Deutsche – gemacht – einfach, weil diese Leute (und wer weiß schon, wie die ticken? Am Ende sind es buddhistische grüne Lokalpatrioten) zufällig im selben Land geboren sind, dem selben Kulturkreis angehören oder sonstwie zufällig mit den in den Augen der Fundamentalisten Schuldigen zusammenhängen. Unschuldig, aber dennoch bestraft. DAS ist genau das, was IHR so toll findet! Denkt mal drüber nach!

Ich geh derweil kotzen.

PS: Sehr interessant und von einer anderen Mine aus springend betrachtet es Michael Hohner vom RatioBlog – dem ich übrigens mehr Leser wünschen würde, auch wenn der Autor bezüglich des unterhaltsamen Buches von Richard Feynman anderer Meinung ist … 😉

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Ein Herz für Bildunterschriften

Ich bin ja manchmal auch ein wenig albern bei Bildunterschriften, ich mag das. In bebilderten Texten ist das mitunter ein Platz, wo kleine Scherze gut aufgehoben sind und sie nicht jeder gleich sieht – manche auch gar nicht.

Ein Meisterwerk dieser kleinen Kunst für nebenher hat die taz in ihrem Artikel zum eigenen juristischen Sieg über Thilo Sarrazin untergebracht:

Häme in Reinkultur ;)

Resignierter Troll mit Brille wird verhöhnt. Quelle: taz.de, Bild: dpa

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Dummheit

Peinlich und gefährlich

Vor zwei Tagen hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Leistungen, die Asylbewerber in Deutschland erhalten, nicht menschenwürdig sind und deswegen angepasst werden müssen. Das war keine große Überraschung und jeder, der sich die besagten Regelungen mal angeschaut hat, wusste das auch ohne die richterliche Bestätigung.

Wer in Deutschland Asyl beantragt, bekommt nur knapp über 200 €, vieles davon nicht einmal bar, sondern in Form von Sachleistungen und Gutscheinen. Sprich: Selbst das wenige Geld, das sie erhalten, können sie nicht so ausgeben, wie sie es vielleicht tun würden. Überwiegend wurde das einfach zur Kenntnis genommen – was vielleicht schon traurig genug ist – andernorts wird diese Entscheidung sogar angegriffen. Wenig überraschend z.B., dass Stefan Niggemeier bei bild.de ein erschreckendes Sammelsurium dummdreister rassistischer Kommentare aufgestöbert hat, aus welchem er ein „Worst of“ in seinem Blog postet.

Selbst als Mensch, der einiges gewöhnt ist, habe ich mehrere Anläufe gebraucht, um diese Scheiße auch nur durchzulesen. Die Abscheu und Wut, die zeitgleich mit Trauer, Bestürzung und Fremdscham aufkam, als ich mir das antat, lässt sich kaum in Worten ausdrücken.

Ich hab mich als Linker irgendwann leider mit der Tatsache arrangiert, dass die Menschen weiterhin einen diffusen Alltagsrassismus hegen und mir fehlt manchmal einfach der Nerv, mich jedes Mal einzumischen, wenn jemand mal wieder „die Türken“ oder „die Araber“ für irgendein Übel in diesem Land pauschal schilt.

Aber mir stehen die Tränen in den Augen, wenn ich sehe, wie Menschen einfach nur weil sie so dumm und ungebildet sind, auf die vielleicht harm- und wehrloseste Menschengruppe eindrischt, die es in diesem Land überhaupt gibt.

Asylbewerber – das sind die Menschen, die aus für uns wahrscheinlich nie begreiflichen Gründen Opfer gebracht, Qualen erlitten und ihr letztes Geld ausgegeben haben, um irgendwie hierher zu gelangen. Die keine bessere Möglichkeit gesehen haben, als ihre bisherige Existenz aufzugeben, um hier die Chance auf einen Neuanfang zu haben, bzw. überhaupt unbehelligt zu leben. Manche von ihnen wurden gefoltert, manchen wurde die Familie genommen, viele erwarten bei einer Rückkehr in die Heimat – die sie sicher nicht weniger wertschätzen als wir – Mord, Folter, Bürgerkrieg und andere Dinge, die wir aus unserem Leben so leicht verbannen können, nur weil wir zufällig in einem anderen Land geboren wurden.

Diese Menschen kommen nach Deutschland und selbst die wenigen, die tatsächlich hier nur eine bessere Zukunft suchen und Geld verdienen wollen, sind offenbar verzweifelt genug, dass sie es akzeptieren, dass man sie teils für mehrere Jahre in „Unterkünfte“ steckt, man will zynisch eher den Begriff „Lager“ verwenden. Dass man ihnen Geld gibt, sehen die ganzen Freizeitnazis da draussen vielleicht als Geschenk, tatsächlich wird ihnen aber auf der anderen Seite verboten, hier zu arbeiten. Wo sie sich aufhalten, was sie einkaufen, fast alles, was irgendwie noch möglich ist zu überwachen und zu regulieren, wird bei Asylbewerbern auch angewandt.

Und das Geld, das sie bekommen: Der Betrag wurde 1993 festgesetzt und ist seitdem nicht angepasst worden. Selbst wenn man davon mal leben konnte, wie konnte irgendwer erwarten, dass das im Jahre 2012 nicht mehr so wirklich funktioniert?

Wir streiten in Deutschland (zu Recht!) darüber, ob Hartz IV menschenwürdig ist – und auf der anderen Seite lassen wir andere Menschen mit der Hälfte des Geldes vor sich hinvegetieren. Einfach, weil sie ja nicht von hier kommen? Wieviel ungeschönten Rassismus braucht es, um das nicht nur gutzuheißen, sondern auch noch die Änderungen zu verteufeln?

Ja, diese Erhöhung kostet Geld. Nach aktuellen und pessimistischen Schätzungen bis zu 1,50 € für jeden Bundesbürger, also vielleicht 3,50 € pro Erwerbstätigen. Pro Jahr. Und das ist zu viel, um Menschen zu bezahlen, die unfassbares durchgemacht haben und denen wir sogar verbieten, selbst für ihren Unterhalt zu sorgen? Ehrlich?

Wer diese Meinung vertritt, der schließt bitte jetzt diesen Tab in seinem Browser, löscht ggf. das Lesezeichen für diese Seite und sorgt dafür, dass er mir nie wieder in die Quere kommt. Nicht körperlich, und schon gar nicht gedanklich. Eine Forderung, die ich als hart arbeitender reinrassiger Deutscher ja wohl aufstellen kann!

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Weg mit!

Ich würde sagen, dass es immer schön ist, wenn sich Menschen für Politik interessieren und ihre Meinung kundtun. Auch wenn es mal unter seltsamen Umständen ist. Aber mal ehrlich: Grafisch waren wir schon mal weiter!

OK, Comic Sans wäre auch nicht besser! Quelle: Sash

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Sehenswertes

Das Ende des vorher beschriebenen Tages wurde letztlich sehr kurz. Gefühlt. Ähnlich wie viele von euch sich im Internet zu mir verirren, lande ich auch manchmal bei euch. Wir haben alle interessantes zu erzählen. Ein wenig peinlich ist mir nun, dass ich gar keine großen Worte über ednongs Blog verlieren kann, ich schaue zu selten rein. Da bin ich ehrlich. Ich lese so viel, dass auch einiges mal hinten überfällt. Das ist nicht immer fair. Aber ednong, den ich als treuen Leser und Kommentator immer geschätzt habe, hat mir nun eine sehr amüsante Zeit beschert. Denn er hat in seinem Blog ein Video von Volker Pispers verlinkt. Ich kenne Volker Pispers zwar schon, mag ihn und habe einiges von ihm gehört – aber das neue „bis neulich“-Programm (in dem tatsächlich quasi keine Elemente des ursprünglich unter diesem Namen veröffentlichten Programms zu finden sind) war mir bis dato unbekannt.

Und das teilte ednong hier mit der Welt.

Ich weiß nicht, was ich zu Pispers noch sagen sollte. Er hat eigentlich wie immer auf ganzer Linie Recht. Wer sich seinen Auftritt komplett angehört hat und einen entscheidenden sachlichen Fehler findet, der soll es mir gerne mitteilen. Und das meine ich ernst. Auch wenn der Mensch uns allen zwei Stunden lang das eigene Leben schlechtredet, hat er dennoch Recht. leider natürlich.

Was mich aber – um auf die Veröffentlichung des tollen Youtube-Videos-Audios zurückzukommen – noch mehr freuen würde: Kommentiert das doch besser in euren Blogs, auf euren Seiten! Und dann verlinkt das hier. Ich verspreche nichts, aber ich freue mich darauf, ein paar neue Blogs kennenzulernen und vielleicht ist mir das ja auch mal eine Empfehlung wert!

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Gratis Scheiße! Freut euch!

Bösartig, Irrational, Lügend, Demokratiefeindlich: Noch eines der freundlicheren Backronyme, die mir für die BILD einfallen.

Ich weiß, dies ist nur einer von zigtausend Texten, die heute landauf und landab über die kostenlose BILD veröffentlicht werden, die in knapp 41 Millionen Haushalte flattern wird. Und natürlich bin ich auch nicht der einzige, der sich kritisch äußert. Da könnte ich es also eigentlich auch lassen? Nein.

Denn ich bin überzeugt davon, dass die BILD nach wie vor eine der größten Gefahren für diese Gesellschaft darstellt und ich halte das nicht für einen Zufall. Man sollte zwar nie Bösartigkeit vermuten, wo auch Blödheit als Erklärung reicht, die Grenze überschreiten das Blatt und der zugehörige Konzern jedoch zu regelmäßig. Und so sehr diese angebliche Zeitung auch immer öfter belächelt und marginalisiert wird – genau darin liegt auch ihre Gefährlichkeit.
Mir geht es nicht um irgendeine Rache, weil die BILD mit mir politisch nicht auf einer Wellenlänge liegt. Das bin ich bereit zu ignorieren. Nein, wirklich schlimm an dem Blatt ist die Selbstverständlichkeit, mit der es alleine aufgrund der Auflage und eben jener belustigenden Akzeptanz ganz tief in die Gesellschaft eingreift.

Na klar, wer hat noch nicht gelacht über Artikel wie „Frau verwechselt Globus mit Kopf des Nachbarn“?

„Lustig, Schenkelklopfer! Siehste: Nehm ich doch nicht ernst!“

Aber bei wievielen Menschen bleibt z.B. nach der beispiellosen und mitunter nicht weniger faktenfreien „Berichterstattung“ der letzten zwei Jahre eine schlechte Meinung über Griechen? Einfach so, bei Leuten, die von Finanzpolitik nicht den Hauch einer Ahnung haben, dank Bild aber immer treffsicher über irgendwelche irrelevanten Luxus-Rentner und korrupte Beamte in Athen informiert wurden?
Und die ganz hartgesottenen Fans berufen sich dann darauf, dass sie die Zeitung ja nur des guten Sportteils wegen lesen. Ein Sportteil, in dem bildblog vor Jahren beispielsweise eine Bundesliga-Tabelle mit mehr als 150 Fehlern (!) gefunden hat.

Und die BILD arbeitet systematisch mit Vereinfachungen, Überspitzungen und wenn es mal nach hinten losgeht, dann war ja alles nur Spaß und der Boulevard funktioniert eben so. Da mag ich als unbedingter Vertreter der Pressefreiheit auch ein ganzes Stück weit mitgehen, aber die Grenzen, an denen sich BILD stößt, sind keineswegs nur die des guten Geschmacks, sondern regelmäßig die des Rechtsstaates an sich.

Die BILD verletzt ungefähr täglich (!) das Persönlichkeitsrecht von Menschen. Viele davon, meist Beschuldigte in einem Strafprozess, werden zwar von manchen Lesern nicht als schützenswerte Individuen eingeschätzt, aber schon an dieser Stelle zeigt sich, wie die perfide ständige Aushöhlung von Normen das Gesellschaftsklima ändern. In Dubio pro Reo? Auf’s Maul! Man wundert sich kaum noch, wenn irgendwo ein „Sex-Verbrecher“ mitsamt Foto von sich und seinem Wohnhaus in der BILD abgedruckt wird. Die meisten empörten Leser kriegen dann gar nicht mehr mit, dass der Mann noch gar nicht verurteilt und am Ende unschuldig war – und jetzt trotzdem in seinem Dorf nicht mehr leben kann.

An dieser Stelle zeigt sich oft auch, dass die BILD gerade bei solchen „großen Meldungen“ nicht den Hauch einer Recherche anstellt. So wurde neulich aufgrund einer einfachen Namensverwechslung eine Bloggerin von der Zeitung für tot erklärt – und weil man davon ausging, dass es sich um die richtige Person handele, hat man bei der Redaktion gleich noch Details aus ihrer Vita dem real existierenden Todesfall zugeschrieben.
Und auf der anderen Seite kämpft der Springer-Verlag, dem die BILD zugehörig ist, mit allen Mitteln für das Leistungsschutzrecht und jammert herum, wie schlimm es sei, wenn die Leute „aus dem Internet“ Fotos und Texte klauen.

Natürlich landet die BILD auch mal einen Treffer. Sicher haben sie auch schon mal einen Skandal aufgedeckt oder einen Politiker zu Recht in Bedrängnis gebracht. In weit mehr Fällen allerdings geschah das entweder mit fragwürdigen Methoden oder die Eigenleistung der BILD war überschaubarer als sie selbst verkündet. Denn auch in keiner anderen Zeitung werden derart viele Exklusiv-Meldungen verkündet, die in Wirklichkeit weder exklusiv, noch aktuell, in den schlimmsten Fällen aber sogar völlig haltlos sind – und somit exklusiv nur in dem Sinne, dass sich niemand anders getraut hätte, diesen Datenmüll auf Papier zu drucken.

Nein, die BILD ist nicht einfach irgendein doofes Käseblatt, das man nicht ernst nehmen muss. Die BILD ist eine angebliche Zeitung, die wiederholt, planmäßig und mit einer perversen Arroganz darauf hinwirkt, die Gesellschaft in ihrem Sinne zu beeinflussen. Und trotz sinkender Auflage schafft sie es immer wieder. Da werden anlässlich von Fußballspielen Nationen gegeneinander aufgehetzt, den Menschen Angst vor Ausländern gemacht, in dem man die Namen von Verbrechern in Achmed und Mohammed ändert und Menschen werden zu Freiwild gemacht, weil der BILD nichts daran liegt, dass sich in Deutschland Gerichte damit befassen, Straftäter zu verurteilen. Persönlichkeitsrechte werden mit Füßen getreten, Existenzen zerstört und nach 10 Jahren mit der BILD unterm Arm rutscht dann doch vielen mal ein „Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass …“ heraus.

Nein, bei mir wird heute keine BILD im Briefkasten liegen. Ich habe meinen Widerspruch rechtzeitig abgesendet. Und vielleicht kann man bei der Reichweite der Zeitung schon froh sein, dass es noch mehr als 200.000 andere auch so gehalten haben. Dennoch wird das Land heute geflutet mit gedruckter Scheiße in Multi-Millionenauflage und neben den an dem Projekt direkt beteiligten Schaumschlägern im Diekmann-Gewand werden sich wahrscheinlich auch ein Haufen Menschen finden, für die „Geil, für umme!“ ein Grund ist, dieses Hetzblatt zu lesen. Ich für meinen Teil habe nicht den Hauch eines Verständnisses dafür und ich betrachte jeden, der die BILD verteidigt, als potenziell gefährlich. Und Blödheit alleine entschuldigt das in diesem Fall kein Bisschen!

Links:

bildblog
Spiegeloffline mit einem Tipp
Lukas Heinser im Freitag über die Abstumpfung durchs ständige BILD-Lesen
Stefan Niggemeier darüber, wie die BILD Ausländerfeindlichkeit fördert

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