Es ist eine ganze Weile gut gegangen. Im Januar hatte ich über die Probleme mit Ubuntu und dem Spätzle-Rechner geschrieben, und jetzt ist es immerhin Oktober. Ich hatte alle automatischen Updates deaktiviert und so sind wir auch ganz gut gefahren. Die allerneuesten Spiele zockt das Spätzle eh nicht und Online-Spiele sind ohnehin auch erst einmal nicht geplant. Er kann auf einen großen Teil meiner Steam-Bibliothek zugreifen, da hat er erstmal zu tun.
Naja, jetzt gab es aber doch irgendeine Änderung, vielleicht hat auch das Spätzle vorschnell was bestätigt, wer weiß es schon. Das Ergebnis jedenfalls war, dass Steam sich nicht mehr richtig starten ließ und es hat sich abgezeichnet, dass das wieder eine ziemlich umfangreiche Fehlersuche werden würde. Ich möchte da auch gar nicht das Betriebssystem dissen, denn es ist nicht zum Zocken gemacht, was halt schon ein ganz eigenes Nutzungsprofil ist – und das verträgt sich offenbar nicht so gut mit semi-interessierten Nutzern. Was ok ist. Ich hab Ubuntu vor einer Dekade gerne für meinen Office-PC genutzt und die große deutschsprachige Community hab ich damals für Hilfe aller Art als sehr gut empfunden. Dass das jetzt für einen Kinder-Gaming-Rechner 2026 nicht mehr reicht, das ist ok.
Also hab ich kurzerhand Bazzite installiert. Also „kurzerhand“. Wir haben erstmal einen USB-Stick finden müssen, am Ende hab ich mir den einen geliehen, den das Spätzle selbst besitzt – auf dem waren ein paar kleine Programme von einem Programmierkurs.
Ich wollte Bazzite – eine extra fürs Zocken gebaute Linux-Distribution – eigentlich eh gerne mal ausprobieren und das hab ich jetzt als guten Anlass genommen. Im Hinblick auf unser Problem finde ich besonders das Feature, nach misslungenen Updates das Betriebssystem einfach zurückzusetzen, interessant. Also neben der Kompatibilität mit Spielen, dem vorinstallierten Steam etc.
Und ich bin nicht enttäuscht worden. Ich hab heute morgen den USB-Stick befüllt und ohne dass ich da Vollzeit dran arbeiten hätte können hat das Spätzle mittags bereits ausgiebig seine Spiele getestet und bisher gab es keine Probleme. Das ist schon ein bisschen als ob die Zukunft da wäre. Sage ich jetzt als jemand, der immerhin manchmal Linux benutzt hat.
Und mich hat da auch gleich – wie mein Vater sagen würde – der Rappel gepackt und hab genutzt, dass ich mich vor der Speicherkrise mit Hardware eingedeckt habe: Ich hab auf meinem kleinen Gaming-Monster mal eben eine 2TB-NVME freigeräumt und habe jetzt ein Dual-Boot-System mit Windows 11 und Bazzite. Gerade schreibe ich zwar von Windows, aber es ist schon soweit eingerichtet, dass ich das auch von „drüben“ hätte tun können.
Praktischen Nutzen hat das gerade noch nicht wirklich, außer dass mein Rechner jetzt immerhin prinzipiell noch tut, falls Windows mal wieder ein Update verkackt. Was ehrlich gesagt bei mir bisher immer folgenlos war, aber eigentlich ist das schon ziemlich geil – insbesondere weil ich von Linux auch auf die Dateien der anderen Platten zugreifen kann. Der größte Gewinn aber ist dieses unanständige Kribbeln im Bauch, das sich bei mir gerne einstellt, wenn ich irgendwas geiles neues finde. Auch und gerade Betriebssysteme. Man macht das viel zu selten.
Es war aber auch ein kleines Trostpflaster dafür, dass ich heute beschlossen hab, eine Kino-Verabredung abzusagen wegen meines Fußes, was mir echt nicht leichtgefallen ist, aber vermutlich letztlich eine gute Idee war. Linux statt Kino, das klingt ja wie das Motto eines kleinen Raubkopierers vor 20 Jahren und da kann ich mich doch auch irgendwie mit anfreunden.