Aufzüge haben ein paar lustige Eigenschaften. Angefangen von der Personenzählweise der Sicherheitstäfelchen bis hin zu klemmenden Türen und der Anziehungskraft auf Kinderspucke. Das Modell bei uns im Haus ist überwiegend nett zu uns und wartet erstaunlich oft schon im Erdgeschoss auf uns. Jetzt aber mal nicht. Als Ozie und ich das Haus betraten, stand schon ein junger Mann vor dem Fahrstuhl und blickte uns verlegen an. Auch über 10 Jahre nach Mittermeiers Axiom vom Schweigen in Aufzügen hat es noch keiner widerlegt und so schwiegen wir unwillkürlich alle.
Plötzlich hörten wir im zweiten Stock die Türe, es würde also weitere nervige Sekunden kosten, die wir versuchen müssten, rumzubringen wie Sozialphobiker und Taubstumme in Personalunion. Ozie beschloss wortlos, die Treppe zu nehmen.
Natürlich kam die Kabine danach quasi umgehend. Der junge Mann drückte den Knopf für die dritte Etage, ich – leicht genervt davon, noch einen Zwischenstopp mit den schweren Einkaufstüten einlegen zu müssen – wählte die vierte.
Im dritten Stock öffnete sich die Tür und ich quetschte mich an die von oben erwähnter Kinderkotze beschmierte Scheibe und bedeutete dem Jüngling, auszusteigen. Und er so:
“Nee, ich muss auch in’n Vierten.”
Einmal mit Profis arbeiten, ehrlich!



