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Wovor haben wir eigentlich Angst?

Die Saison beginnt wieder, jeden Tag aufs Neue machen sich afrikanische Flüchtlinge auf die mörderische Reise nach Europa. Sicher ein Kontinent, von dem ihnen zu viel gutes berichtet wurde, eine Reise, von der sie zu hohe Erwartungen haben. Und am Ende ist – selbst wenn sie die Reise überlebt haben sollten – nicht einmal das auch nicht ganz so goldene Leben in irgendwelchen Flüchtlingslagern ihr Problem, sondern meist die direkte Abschiebung oder die oftmals allumfassende Ablehnung der Einwohner dieser seltsamen Länder.

Und eines dieser seltsamen Länder ist das, das wir alle hier am besten kennen: Deutschland. Hier werden wieder jede Woche Flüchtlingsheime angezündet und es wird davor gewarnt, wie schlimm das doch alles ist mit diesen “Flüchtlingen”. Am Ende gar “Wirtschaftsflüchtlingen”. Was so dermaßen grotesk ist, dass einem dazu kaum was vernünftiges einfällt, weil es immer nur auf dieses billige “Wir gegen Die”-Ding rausläuft. Ist nicht parteiübergreifend inzwischen akzeptiert, dass Deutschland Zuwanderer braucht? Und eine Verjüngung? Selbst die Profikapitalisten der FDP wollen ja unbedingt weniger Einschränkungen, damit man hier besser Geld verdienen kann. Und dann kommen ein paar lächerliche tausend Leute, die nichts lieber tun würden, als endlich unter guten Bedingungen zu arbeiten – und wir schicken sie weg und verbieten ihnen das Arbeiten sogar noch, bevor sie abgeschoben werden. Kommen ganze Familien, wird gejammert, dass “die” ja nur auf Kindergeld und Hartz4 geil wären, kommen junge Männer, wird gebrüllt, dass eigentlich arme Kriegsflüchtlingsfamilien versprochen wurden.

Selber den Arsch nicht hochkriegen, aber von den Ärmsten der Armen und den Verzweifeltsten der Verzweifelten fordern, dass sie gleichermaßen demütig wie tatendurstig, arm wie selbständig sind.

Und all das natürlich, weil “wir” uns das nicht leisten könnten, oder – wenn man bereits ein paar Hemmungen weniger hat – weil die ja doch alle ziemlich dunkle Hautfarbe haben und im Dorf schon sehr auffallen würden. WTF, Deutschland?

Kleiner Einschub: Ja, ich schreibe das jetzt, weil es derzeit medial präsent ist, aber ich bin nicht so blöd, zu glauben, das wäre davor groß anders gewesen.

Ja, ich hab als denkender Mensch immer schon ein Problem mit Rassismus gehabt. Damit war ich lange Zeit keineswegs Verkünder einer Mehrheitsmeinung, und das obwohl ich nicht ’33 geboren wurde, sondern derzeit 33 Jahre alt bin. Den Grundgedanken zu entwickeln, dass es schon eine ganz coole Sache wäre, würden wir einfach alle Menschen als gleichberechtigte Menschen ansehen, war also nicht ganz so aufgezwungen und selbstverständlich, wie irgendwelche weinerlichen Schnullernazis heute behaupten, wenn sie mich als “Gutmenschen” diffamieren.

Aber das Dumme an der Sache ist: Es läuft wirklich alles auf dieses “Wir gegen Die” raus. Wäre es ok, dass nicht-weiße, nicht-deutsche Menschen einfach ein Teil unserer Gesellschaft sein könnten – könnten! – dann würden wir nicht nur Seerettungsboote zu entsenden, sondern auch ernsthaft versuchen, die Integration voranzutreiben. Ernsthaft!

Hier in Berlin vergesse auch ich bisweilen, wie wenig das mit den verschiedenen Kulturen teilweise verbreitet ist. So meinte eine Frau aus Sachsen neulich im Taxi zu mir, sie wäre in der U-Bahn “von so einem Zigeunerweib” angebettelt worden, obwohl sie eigentlich dachte, “dass die im Fernsehen sich sowas nur ausgedacht hätten”. Tja, wie sollte ich mir Hoffnungen machen, dass diese – sonst eigentlich nette – Frau jemals kapiert, wie wichtig multikulturelles Leben außerhalb ihrer kleinen dörflichen Gemeinschaft in den letzten Jahrzehnten geworden ist?

Alle haben sie Angst, etwas “zu verlieren”. Da muss ich doch mal ehrlich fragen: WAS DENN?

Ist das Retten von tausenden von Leben nicht vielleicht wert, in der Bahn auch mal eine andere Sprache zu hören, die man nicht versteht? Ist es nicht ein beschissen vernachlässigbares Problem, beim Kindergeburtstag mal keinen Schweinebraten zu reichen, weil der beste Freund von Kevin-Florian nicht Max sondern Yussuf heißt?

Natürlich kosten Flüchtlinge, kostet Integration. Nicht nur Überwindung, sondern auch Geld. Das sollten auch wir Flüchtlingsunterstützer nicht kleinreden, das ist so. Punkt.

Ebenso einen Punkt können wir aber auch hinter die Aussage packen, dass wir “das” nicht alles fernhalten können. Unser Wohlstand ist eng verknüpft mit vielen Ländern, aus denen heute Flüchtlinge zu uns kommen. Und natürlich können wir zwar einerseits billige Klamotten ankaufen, andererseits aber den Menschen verweigern, jemals unseren Lebensstandard zu erreichen. Aber dann sind wir halt Arschlöcher. Dann sind wir nicht besser als die absolutistischen Herrscher und Diktatoren, die wir hoffentlich auf Dauer in unsere Geschichtsbücher verbannt haben. Denn natürlich müssten wir unseren Wohlstand dann mit Waffengewalt verteidigen und uns in unser “Schloss” Europa zurückziehen, während die Fremden von der Burgmauer aus erschossen werden. Und das ist leider keine weit hergeholte Metapher, die Menschen sterben an der EU-Grenze. Massenhaft. Stichwort: Festung Europa.

Ich schreibe das als Mitteleuropäer, Deutscher, Weißer. Beschäftigt in einem Niedriglohnjob, der dafür bekannt ist, dass Migranten ihn machen. Ich lebe je nach Monat dies- oder jenseits der Armutsgrenze, ich habe keinen Cent zu verschenken, wirklich nicht. Und auch mein Selbsterhaltungstrieb ist weitgehend intakt, ich werde mich auf Teufel komm raus dagegen wehren, unter die Räder zu kommen, ich will leben, und ich habe mich dabei an den Status quo gewöhnt, der mir immerhin mal ein Dach über dem Kopf, genug (überwiegend gutes) Essen, fließend Wasser, Strom, Internet etc. garantiert. Ich habe etwas zu verlieren.

Aber – und das möchte man Dorfsachsen mit begrenztem Blick über den Tellerrand zurufen – ich jammere hier auf hohem Niveau! Ich würde natürlich alles darum geben, mir diese Sicherheiten wenigstens zu erhalten.
Aber ich habe mich entschieden, kein egozentrisches Arschloch zu sein, das, nur weil es 2017 vielleicht 100 € mehr Steuern zahlen muss, einen Hass zu entwickeln auf Menschen, für die fließend sauberes Wasser bedeutet, dass sie nicht mit 40 sterben.

Ich bin in Deutschland geboren, lange nach dem letzten Krieg. Ich bin männlich, weiß, fett, arm und überlebe irgendwie. Ich erlaube es mir sogar, mit Blogs und Büchern irgendwie meinem persönlichen Traum nachzujagen. Und alles, was ich mir wünsche, ist folgendes:

Jede(r) auf der Welt sollte wenigstens dieses minimalste Glück erreichen können. Wenigstens einen Plattenbau in Marzahn, wenigstens alle paar Jahre mal eine schwarze Null auf dem Konto.

Wie kaputt muss man sein, Menschen noch viel weniger zu neiden? Wir reden hier von ein paar potenziellen Steuererhöhungen, nicht mehr.

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Heraus zum ersten Mai – im Taxi!

Manchmal gibt es so Entscheidungen, die man sich schwer macht.

Der erste Mai ist für mich jetzt 6 Jahre lang der einzige Feiertag gewesen, zu dem ich immer frei genommen habe. Alle anderen hab ich immer auf der Vielleicht-Liste gehabt. Ich bin schon an Weihnachten und Ostern gefahren, Silvester sowieso. Die meisten anderen Feiertage bemerke ich ohnehin immer erst zwei Tage vorher am Ladenöffnungszeitenschild am Kaiser’s. Aber am ersten Mai war Demo und abends vielleicht noch ein kleiner Umtrunk mit Freunden.

Ich hatte nicht vor das zu ändern, werde es dieses Jahr aber dennoch tun.

Zum einen ist da natürlich das mit dem Geld. Das ist rar gerade und der erste Mai ist zudem ein umsatzstarker Tag. Beides gute Argumente, aber keine, die mich in den letzten Jahren am Freimachen gehindert haben. Und irgendwie hätten wir uns die paar Bier in der Kneipe, die Falafel und die Taxifahrt nach Hause auch aus den Rippen leiern können, ich will jetzt ja auch nicht übertreiben.

Zum anderen ist da aber auch eine gewisse Unzufriedenheit mit der Linken in Berlin. Jetzt mal abgesehen von den wie bei allen Vereinen, Parteien und Bewegungen existenten Konflikten mit der eigenen politischen Überzeugung. Das letzte Jahr war voll mit linken Themen und bei keinem sieht es irgendwie gut aus. Der ganze Pegida- und Nazirotz, die fortlaufende Überwachungsaffaire und nicht zuletzt die Flüchtlingskatastrophen an der europäischen Grenze. Und ich weiß, dass das alle, die um 18 Uhr in Kreuzberg sein werden, interessiert und ich mit ihnen auf einer Wellenlänge liege, keine Frage.

Aber anstatt das zu thematisieren, wird auf die Straße gegangen wegen der Gentrifizierung.

Und um das klarzustellen: Die ist zweifelsohne ein riesiges Thema, gerade in Berlin. Das zu thematisieren ist großartig, und hey: selbst hier in Marzahn steigen die Mieten bereits heftig.

Trotzdem habe ich ein Problem mit dem Aufruf der radikalen Linken Berlin. Unter dem an sich wunderbaren Plakat mit der markigen Aufschrift “Wir sind ÜBERALL” wird dann bemängelt, wie sozial schwache Gruppen “aus Kreuzberg, Friedrichshain, Neukölln verdrängt werden”, um daraufhin anzufügen:

“Jenseits der Innenstadtbezirke lebt man in den Plattenbausiedlungen von Hellersdorf, Marzahn, Köpenick, Neukölln-Britz ohne den Charme, den Berlin sich so gerne auf die Fahnen schreibt, in einem noch viel graueren Alltag, der nicht selten von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt ist.”

Und daran ändern wir bitte was genau, wenn wir Kreuzberg, Friedrichshain und Neukölln vor Luxusappartements beschützen?

Natürlich hab ich mir meine Bude in Marzahn auch aus Geldgründen gesucht, aber es würde mir ehrlich gesagt nach den Nazieskapaden der letzten Monate wesentlich besser gefallen, wenn einige Linke nach Marzahn ziehen würden, als dem Wunsch hinterherzuhecheln, für mich in Kreuzberg eine Wohnung zu finden. Wie kann man unter dem Motto “Wir sind überall” auf die Straße gehen, um dort dann zu jammern, dass man seine Altbauwohnung in einem In-Bezirk nicht verlieren will?

Aber klar, dass in Marzahn die Welt nicht heil ist, liegt daran, dass hier die Fassaden ein paar Stockwerke höher sind, nicht etwa daran, dass selbst der radikalen Linken nichts besseres einfällt als das Wohnen in einem Außenbezirk gleich mal zu stigmatisieren und alles außerhalb des Einzugbereichs des eigenen Spätis vorsichtshalber aufzugeben, weil man dorthin ja 8 Stationen mit der S-Bahn fahren müsste. 16 Minuten Fahrtzeit ab Warschauer Straße, also bitte, wo leben DIE denn?
Und ratet mal, wer bei den Naziaufmärschen in Marzahn nicht sicher nach Hause kommt! Richtig, ich in Marzahn – weil die An- und Abreise natürlich aufs Ostkreuz optimiert wird.

Sorry, liebe Berliner Linke, ich bin in meinem Leben schon mehrere hundert Kilometer gefahren, nur um kleine Naziaufmärsche zu verhindern und ich hab auch oft genug gegen Gentrifizierung demonstriert – aber ich werde mich jetzt nicht auf den Weg in eure kleine Welt machen, um mir blödsinnige Vorurteile über mein Leben anzuhören, bloß weil ich nicht in Eure Nachbarschaft gezogen bin. Grüßt Eure Stuckverzierungen von mir, wenn Ihr an Eurem Fenster vorbeilauft!

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Auschwitz und die Schuld

Gerade jetzt wieder – wo auch Pegida und co. grüßen lassen – ist es ein Thema: 70 Jahre Befreiung von Auschwitz! KZ’s, Nazis, deutsche Schuld, etc. pp. Angeblich voll schlimm. Was man da alles lesen muss …

Wir als Nachgeborene haben keine Schuld, man muss die Vergangenheit auch mal hinter sich lassen, etc. pp.

Ja, natürlich!

Als 1981 geborener Deutscher kann ich derartigen Verallgemeinerungen nicht einmal widersprechen. Natürlich habe ich keine Schuld an Auschwitz und natürlich liegt auch mein Fokus auf der Zukunft und nicht der Vergangenheit. So weichgespült könnte ich sogar diese Naziparolen gutheißen.

Aber wie so oft liegt das Problem nicht in irgendwelchen Worten. “Ich bin nicht schuld!” kann ich natürlich voller Überzeugung blöken, es ändert aber nunmal nichts daran, dass ich gerade weil ich Deutscher bin, schon aus der Geschichte meiner Großeltern lernen kann. Neonazis und andere Rechte fühlen sich immer gleich angegriffen, wenn man sie auf die Vergangenheit verweist – was aber eben nur passieren kann, wenn man zwingend der Nation oder der Vergangenheit eine Deutungshoheit über die eigene Befindlichkeit gibt.

Das sehe ich witzigerweise gerade als Linker viel lockerer und positiver. Es war eben hier in Deutschland, wo der Holocaust in Form abscheulicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit stattgefunden hat. Eine weder vorher noch nachher überholte staatliche, organisierte und erschreckend effiziente Form des Völkermords.

Ich fühle mich dadurch kein Bisschen angegriffen. Mir ist schon bewusst, dass diese Verbrechen auf die Konten meiner Großeltern gehen. Und wiewohl das in einigen Fällen, wo es vielleicht “nette” Menschen betrifft, verstörend sein mag: Ja, das kann man in meinen Augen abtun unter “andere Menschen haben böse Dinge getan”.

Ich sehe darin, dass ich in Deutschland geboren bin, kein Manko. Im Gegenteil: Ich lebe in einem der reichsten und nebenbei besten Staaten, die es derzeit gibt. Ich bin nicht mit allem zufrieden und würde vieles gerne ändern, aber das wollen wohl viele hier und anderswo.

Was Auschwitz als Vokabel in Form eines Sinnbilds für Menschenverachtung für mich so greifbar macht, ist genau jener geschichtliche Zusammenhang, der von Nazis gerne instrumentalisiert wird: Ja, es waren Deutsche, mitunter Verwandte, die das möglich gemacht haben. Und ja, es ist hier passiert und nicht irgendwo weit weg, wo man das ignorieren könnte!

Natürlich:  Wenn man nichts weiter hat als die Nation, mit der man sich identifizieren kann, dann tut das weh. Dafür bemitleide ich Nazis auch ganz dolle, aber ich sehe es nicht ein, aus ihrer krankhaft beschränkten Weltsicht eine Politik ableiten zu müssen.

Auschwitz, der Holocaust, der Massenmord – natürlich kann ich nichts dafür! Und ja, selbst Neonazis nicht. Aber auch wenn wir unseren Blick (sinnvollerweise!) in die Zukunft richten, so haben eben gerade wir Deutschen aufgrund der Geschehnisse in der Vergangenheit einen Vorteil. Ja, einen Vorteil!
“Wir” Deutschen wissen, wie unglaublich schief eine krude Mischung aus Nationalismus und Faschismus laufen kann. “Wir” Deutschen sind die einzigen, in deren Geschichte verankert ist, wie schlimm sich schon “harmloser Antisemitismus” auswirken kann. Und vielleicht leben wir dadurch im einzigen Land, das deswegen in der Lage ist, das Problem an der Wurzel zu bekämpfen.

Für Menschen, die sich nicht dieselbe Fremdenfeindlichkeit wie Nazis auf die Fahnen geschrieben haben, ist Auschwitz eben keine “Keule”, kein Eingriff in ihr Leben – sondern irrwitzigerweise ein Baustein, der dafür sorgt, dass Deutschland anderen Ländern einen Schritt voraus ist.

Und deswegen ist es richtig, dass in der Schule das “3. Reich” thematisiert wird, dass es Gedenkveranstaltungen gibt und an vielen Stellen immer wieder auf die “Schuld” verwiesen wird, die nur denen ein Dorn im Auge sein kann, deren Diskussionsteilnahmemöglichkeit ohnehin ein schwerer Fehler war.

Obwohl völlig schuldfrei, spreche auch ich mich hiermit gegen jedes Vergessen und gegen jede Form (neu)rechten Gedankengutes aus!

 

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Die Karikatur einer Karikatur

12 Tote. Weil einige davon sich über imaginäre Freunde lustig gemacht haben.

Kann man sich nicht ausdenken.

Man könnte es jetzt natürlich noch absurder machen, indem man den imaginären Freund dafür verantwortlich macht.

Oh. Wait …

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Mein Ableismusproblem

Ich denke, die meisten meiner Leser haben inzwischen mitbekommen, dass ich Diskriminierungen jeder Art falsch finde. Der Grund ist relativ simpel: Diskriminierungen haben immer Opfer und ich finde es eine grundsätzlich positive Einstellung, möglichst wenigen Menschen zu schaden, denen man – und sei es durch veröffentlichte Texte – über den Weg läuft. Das hat wirklich weniger mit irgendwelchen Dogmatismen zu tun, als es viele erklärte Gegner dieser Einstellung wahrhaben wollen. Und selbst wenn das bei manchen grob in meiner Richtung orientierten Menschen anders sein mag, ich wusel mich da mit meinem eigenen Weg durch, der je nach Blickrichtung auch alles andere als perfekt ist. Vieles mache ich mit Abstrichen. So verwende ich keine geschlechtergerechte Sprache, obwohl mir Sexismus in jeder Form ein Dorn im Auge ist – einfach aus eigener Bequemlichkeit. Genauso wie ich im ökologischen Bereich z.B. meinen Fleischkonsum nur zu senken versuche und keinen kompletten Verzicht übe. Ich hab meine Schwächen, und ich gestehe sie mir zu. Manchmal mehr, manchmal weniger. Mein eigenes Wohl liegt mir am Ende eben auch am Herzen und ich bin mir ziemlich sicher, als Perfektionist in allen sozialen Belangen kein glücklicher Mensch sein zu können. Die Ursachen dafür sind sicher vielschichtig, aber ich hab weder Zeit noch Lust, auf allen Ebenen 100% zu geben, wenn es sowieso von 99,9% der Menschen nur als Spinnerei gesehen wird und 0,099999% dann der Meinung sind, ich gehe nicht weit genug. Am Ende bleibt man halt als Individuum in irgendeiner Form unperfekt – und damit kann ich wahrlich leben. Und ich müsste es ja auch, wenn ich es noch mehr versuchen würde.

Andererseits gibt es dann Dinge, die ich so nicht stehenlassen will oder sogar kann.

Und so etwas ist mir neulich in für mich ungewohnter Form passiert. Im Rahmen der ganzen Pegida-Diskussionen wurde irgendwo (ich weiß wirklich nicht mehr, wo genau) aufgeworfen, dass das Für-dumm-Erklären der Anhänger Ableismus wäre, also eine Unterform der Behindertenfeindlichkeit, die dumme Menschen diskriminiert, weil man selbige damit abwertet.

Ich weiß, es gibt eine Menge Leute, die sowas einen Scheiß interessiert – mich aber eben schon. Ich hab jahrelang im Behindertenfahrdienst gearbeitet und während dieser Zeit nicht nur meine Vorurteile, Berührungsängste und was man halt sonst so alles mit sich schleppt, abgebaut – sondern überhaupt erst einmal mitbekommen, dass ich solche hatte. Eine nicht in allen Belangen einfache, aber tatsächlich furchtbar positive Erfahrung. Und nun aber das: Mein gerne gewettertes “Was für Idioten!” soll ableistische Züge tragen!

Meine erste Reaktion war die, die ich von allen Rassisten und Sexisten kenne:

“Ach nee, will man mir das auch noch nehmen!?”

Die zweite war nicht minder ähnlich:

“Das ist doch eine Diskriminierung ohne Opfer: Wer so blöd ist, merkt ja nicht einmal, dass ich ihn beleidige!”

Aber ja, ist das nicht dasselbe wie “meine schwarzen Freunde”, die auch “über Negerwitze lachen”? Obwohl mir bei letzterem klar ist, dass das kein valides Argument ist, finde ich ersteres irgendwie gangbar. Hab ich da also wirklich ein Problem? Vielleicht. Ausschließen kann man das wohl nie sicher bei solchen Fragen, die man erstmalig an sich heranlässt.

Zumindest teilweise erkenne ich da aber, dass die Thematik nicht ganz so einseitig ist. Zunächst der eher unbedeutende Teil: Wenn ich von Idioten schreibe oder erzähle, so meine ich damit gewiss keine Leute, deren Fähigkeiten ernsthaft eingeschränkt sind. (Was im Nachhinein aber auch bedeutet: Wann immer ich derartige Vergleiche gezogen habe, waren sie falsch und ich würde sie heute so nicht mehr machen.) Der wichtigere Part ist: Gerade die Begriffe Dummheit oder Idiotie sind zwar zweifelsohne herabwürdigend, lassen sich aber meines Wissens nicht auf unverschuldete Fähigkeitsbeschränkungen reduzieren. Ja, Idiotie war auch mal zwischenzeitlich als medizinische Bezeichnung geistiger Behinderungen geläufig, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die heutige Benutzung davon stark abweicht und ebenso wie Dummheit weniger mangelnde Fähigkeiten unterstellt als mehr einen Unwillen, sich seiner geistigen Fähigkeiten zu bemächtigen.

Wenn das widerlegbar ist, dann nehme ich die Hinweise dankend entgegen.

Um ein Anschauungsbeispiel zu bringen: Dumm wird sicher nur selten wer genannt, der ständig rechts und links verwechselt – sowas kommt nunmal vor. Dumm wird der genannt, der in einer Diskussion um die Frage, wo links ist, in die rechte Richtung zeigt und darauf beharrt, unnütze Begründungen dafür vorbringt und sich anderen Meinungen verweigert.

Und selbstverständlich zielen alle meine Angriffe auf Nazis oder Pegida genau in diese Richtung. Da engagieren sich Menschen mit ihrem Herzblut, um Dinge zu bekämpfen, die sich nach kurzer Recherche als unhaltbar erweisen. Wie wollen wir dieses Bestreben, mehr Arbeit aufs Bestätigen der eigenen Überzeugung zu investieren als auf die Auswertung von Fakten, benennen?
Ist es nicht genau das, was “dumm” ist und “Idioten” auszeichnet?

Noch einmal: Ich (und ich denke, die Mehrheit geht da mit) würde nie einen geistig behinderten Menschen dumm nennen. Wohl aber Menschen, die wider besseres Wissen oder trotz des Zugangs zu korrektem Wissen überprüfbare Informationen ignorieren und (Treppenwitz der Geschichte) alle anderen als Dumme oder Lügner bezeichnen.

Wie ich einleitend schrieb: Ich bin mir meiner Fehler bewusst. Ebenso bin ich mir meiner Fehlbarkeit bewusst. Mir ist ebenso klar, dass die Reduzierung von Menschen auf ihre geistigen Fähigkeiten und die damit erfolgende Zur-Norm-Machung “hoher” Intelligenz ausgrenzend ist. Ich bin mir der Gefahren des Ableismus also bewusst. Aber gerade um gegen falsche und vereinfachende Weltbilder vertretende Menschen auch und gerade schreibend angreifen zu können, bedarf es doch irgendwelcher Worte, die klarstellen, dass genau dieses Weltbild falsch ist – und zwar aufgrund von Denkfaulheit, Fehlinterpretationen und einseitiger Denkweise. Für das stand “Dummheit” in meinen Augen bisher. Sollte das Wort – ebenso Idiotie – in dieser Interpretation missverständlich sein, dann freue ich mich über Alternativvorschläge. Sollte es keine geben, bleibe ich bei meiner Meinung, dass es da draußen zu viele dumme Idioten gibt.


PS: Ich hatte die Kommentare unter diesem Artikel eine Weile geschlossen, worauf ich mehrfach angesprochen worden bin. Mir ist klar, dass das keine populäre Maßnahme ist und ich hab’s auch nicht vor, dauernd einzusetzen. Ich hab aber tatsächlich nicht immer Zeit und/oder Lust, mit Leuten zu diskutieren, die – Ironie der Thematik – meine Ansichten für dumm halten. Und der Artikel hat eben das Potenzial, Leute anzuziehen, die sich angegriffen fühlen. Leute, die dann äußerst praktisch zu beantwortende Fragen wie “Was ist denn falsch an meiner Meinung?” stellen. Nicht, dass das ungerechtfertigte Fragen wären, aber weder ein Blogeintrag – und schon gar nicht ein Kommentarfeld – ist der geeignete Platz, um alle Aspekte von Islamismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus etc. am Stück zu besprechen. Außerdem ist das hier trotz allem mein Blog und kein offizielles Auskunftsportal. Ich erkläre Nazis die Welt, wenn ich Lust dazu habe, nicht wenn sie es wollen. Jeder, dem ich damit auf den Fuß trete, darf sich gerne abwenden und mich für ein Arschloch, blöd oder einen Beweis der Weltverschwörung halten. Ich kann die gelöschten Kommentare bisher immer noch an meinen beiden Händen abzählen, was mir vermutlich kein anderer Blogger glauben wird. Und das kann gerne so bleiben. Aber für allen Schwachsinn und jede Theorie hab ich halt auch keine Zeit.

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#MaHe mal wieder

Immer noch Nazis. Immer noch vor meiner Tür. Dieses Mal musste ich schlafen, aber genau dabei haben sie mich gestört. Von ihnen geweckt zu werden ist definitiv nicht besser als sie sehen zu müssen. Viele waren es nicht, aber sie hatten eben einen Lautsprecherwagen. Was jetzt nicht unbedingt ihr Vorteil war.

Ihnen wurde wohl nur eine Kundgebung gestattet, weswegen sie sich beschwert haben, dass hier “ja nur die Antifa Meinungsfreiheit” hat. Wohl aus Langeweile haben sich deswegen vermutlich alle der angeblich rund 100 Anwesenden mit Bier beschäftigt. Das habe ich nicht nur gelesen, sondern ich schließe das auch aus den Lauti-Durchsagen. Die waren übrigens uninspiriert, offensichtlich unvorbereitet und sehr kurz (wie die Veranstaltung insgesamt). Neben oben bereits erwähntem füge ich nun – im Zeichen der Meinungsfreiheit für Nazis – alle Durchsagen und Sprechchöre an, die ich (gut in Hörweite) mitbekommen habe. Und zuvor bitte ich, nicht zu vergessen, dass es um eine Kundgebung “gegen Asylbetrug und linke Gewalt” ging.

Bitte:

“AHU, AHU, AHUAHUAHU!”

“Wo bleibt die Antifa?”

“Antifa – Hurensöhne!”

“Wir sind das Volk!”

OK.

Versuchen wir, sachlich zu bleiben …

Es ist jetzt nicht so, dass ich irgendwas davon gerne von besoffenen Vollpfosten vor meiner Tür rumgebrüllt hören möchte.

ABER:

Ich komme nicht umhin, dem pöbelnden Haufen zuzugestehen, dass er bessere Anti-Nazi-Kampagnen fährt, als ich es je könnte.

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Jetzt mal ernsthaft zu #pegida und co.

Da das ja nun mit den Pegida-Demos eine Sache zu sein scheint, die noch ein Weilchen für Furore sorgen könnte und es heute Abend wieder so weit ist, wollte ich das Thema mal möglichst wenig polemisch angehen. Leider ist das ein verdammt schmaler Grat, auf dem man da wandeln muss. (Und “ernst nehmen” im Sinne de Maizières wollte ich auch niemanden)

Zumindest ein paar tausend Menschen da draußen haben also Angst. Angst vor einer Islamisierung, wie sie es so schön nennen. Davor, dass “unsere Kultur” – eine “jüdisch-christliche” des “Abendlandes” nicht von “Islamisten” erdrückt wird. Sie fühlen sich von Regierung und Presse verraten und fordern Änderungen beispielsweise im Asylrecht. Eine betont fremde Religionsgruppierung wird also zum Problem erklärt und die Lösung soll im Wesentlichen Abschiebung heißen.

Ein klipp und klar rechtes Ansinnen. Mehr Volk, mehr Polizei, weniger Fremde und weniger Fremdes.

Nun aber wollen Pediga-Anhänger gar keine Rechten sein. Es geht ja auch um zum Beispiel Geflüchtete, denen es in Heimeinrichtungen auch nicht gut gehe. Heute wollen sie sogar Weihnachtslieder singen. Aha.

Nun ist es aber wirklich problematisch, menschenfreundlich zu wirken, dabei neurechte Thesen zu vertreten und jedem Medienvertreter zu unterstellen, er wäre Teil einer linken Lügenpresse. Und dabei mit Nazis gemeinsame Sache zu machen, sie also zumindest auf den Demos zu akzeptieren.

Ich habe in den späten 90ern, als ich mich selbst als Punk verstand, durch ziemlich abenteuerliche Familien- und Freundschaftszusammenhänge das “Vergnügen” gehabt, eine Stunde mit einem selbsterklärten Neonazi sprechen zu können. Wir kannten uns von früher und wollten uns deswegen nicht auf die Fresse hauen, sondern lieber drüber quatschen. Damals waren “die Türken” das große Problem. Alles Schmarotzer, nutzen die Deutschen aus, kriegen hier Kinder und damit Kindergeld und sind kriminell, etc. pp. Das Wort “Armutszuwanderung” gab es damals noch nicht, es wurde noch offen von “Sozialschmarotzern” geredet. Alle minderwertig, meinte der selbstbewusste Neonazi, Deutschland brauche “sowas” nicht. Mein Einwand, dass dieses “alle” ganz offensichtlich nicht haltbar sei, beantwortete mein ehemaliger Kumpel nicht etwa mit einem weiteren Negerwitz, sondern damit, dass er ja auch türkische Freunde hätte. Nur wären die halt ordentliche Menschen, hart arbeitend und so. Das, was man heute z.B. von Pegida-Anführer Bachmann auch hört: “Ich kenne ja auch Türken, aber die sind ok.”

Dieser Satz scheidet als Nicht-Nazi-Unterscheidungsmerkmal offensichtlich aus. Und das ist nicht nur wegen der an sich unzureichenden Anekdote der Fall. Das Alleinstellungsmerkmal von Rechtsextremisten war nie ihre Ausländerfeindlichkeit. Da ist die neue Rechte sogar sehr schlecht drin, denn die suchen den Schulterschluss mit anderen Nationen ganz gerne, wenn es gerade passt. Da solidarisieren sich Hardcore-Antisemiten gerne mal mit den Palästinensern und die Islamophoben betonen das Existenzrecht Israels. Wichtig ist halt nur, dass im eigenen Land alles sauber bleibt. Auch wenn das teils enorm inkonsequent ist. Was Neonazis und Ultrarechte in aller Regel eint, ist ein widerliches Menschenbild, das Leute nach Wertigkeit sortiert. Ob über ihren volkswirtschaftlichen Nutzen, ihre Nationalität, die Religion oder anhand rassistischer Maßstäbe. Deswegen ist es trotz persönlicher Befindlichkeiten immer eine Sache von Widerlichkeit, mit Nazis zusammen zu demonstrieren – egal, ob sie einem hier und da mal gut reinpassen. Die verkürzte Antifa-Parole “Wer mit der NPD marschiert ist ein Nazi!” ist vielleicht sachlich nicht zu 100% korrekt – aber die korrekte Version “… ist mindestens ein ignoranter und Menschenrechte ignorierender Vollhonk und damit nicht besser als ein Nazi!” ist halt ein wenig zu sperrig für Leute, die mit “Lügenpresse, Lügenpresse!” schon zufrieden sind.

Überhaupt: Die Lügenpresse!

Ich als Linker hab wahrlich viel am Journalismus hierzulande auszusetzen. Und nicht nur als Linker. Auch als Taxifahrer, als Berliner, als Berufstätiger und als Autor, als Deutscher und auch als Leser. Irgendwas in mir zuckt immer mal wieder zusammen, weil ich vollkommen falsch eingeordnet oder verstanden werde. Und dass es sowohl unfähige als auch lügende Journalisten gibt – ja meine Fresse, was für eine Neuerung! Natürlich sollte man Medien verantwortungsbewusst konsumieren und sich seine Meinung nicht nach der ersten Schlagzeile bilden. Ich bin der letzte, der dem widerspricht. Aber stattdessen “das Internet” zu empfehlen, ist an Blödheit nicht zu überbieten. Denn wo organisiert sich “hier” bitte die “Wahrheit”? Wenn es nicht bei den etablierten Medien von Spiegel bis taz ist, wo dann? Bei Typen, die glauben, ihr haltet eure Fahnen verkehrt rum und die Bundesrepublik Deutschland gebe es gar nicht? Bei denen, die Reptilienwesen an der Macht sehen? “Im Internet” finde ich auch jüdische Weltverschwörungen, salafistische Videos oder meinen kleinen Blog hier. Geht es nicht eigentlich darum, sich ein eingeschränktes Weltbild aus hoch subjektiven Quellen zusammenzuzimmern?
Und ich will ehrlich sein: In Teilen machen wir das vermutlich alle. Ich bewerte einen Bild-Artikel auch anders als den von einem bekannten Blogger, der mir nahesteht. Aber von der naiven Vorstellung, es gäbe eine (in meinen Augen übrigens extrem rechte) System- oder Lügenpresse, hab ich mich ungefähr mit 17 Jahren verabschiedet, zu zahlreich waren die Gegenbeweise.

Und da kommen wir zu einem wichtigen Punkt: Ja, es gibt Meinungen, die nicht geschätzt sind und vorrangig nicht verbreitet werden. Und es tut bisweilen weh, wenn es eine liebgewonnene eigene Meinung betrifft. Manchmal bedeutet das, dass man zu Unrecht wenig Gehör findet. Fragt mal die Grünen, wie es ihnen in den 80er-Jahren mit dem von ihnen geforderten Naturschutz aussah! Manchmal aber bedeutet es auch, dass man einfach falsch liegt oder einem, diplomatisch ausgedrückt, defizitär untermauerten Glauben nachrennt.

Aber zurück zum Kernthema: Der Islamismus!

Eine schlimme Bande, diese Gotteskrieger, keine Frage! Die sind mir persönlich mit ihrem Welt- und Menschenbild nicht weniger suspekt als Nazis und von ihrer Einstellung her fürchte ich sie. Ehrlich! Ich halte nichts von denen. Aber dementsprechend würde ich auch nicht mit ihnen zusammen unter dem Motto “Religiös Erleuchtete Gegen die Faschisierung des Abendlandes” (Regifa) gegen Nazis auf die Straße gehen.

Zudem: Die radikalen Islamisten … die muss man bekämpfen, keine Frage. Aber die sind die kleine Horde Spinner, die man sich immer irgendwie mit antun muss, wenn man mit verschiedenen Leuten zusammenlebt. Und soweit ich mitbekommen habe, sind bisher alle Anschläge dieser Idioten verhindert worden. Wo also ist die Regierung hier so unglaublich untätig, wie immer wieder gesagt wird? Wie weit “nicht-rechts” kann man noch sein, um nicht zu sehen, dass zeitgleich der NSU auch dank völligem Staatsversagen zig Tote zu verantworten hatte? Und wo hilft die geforderte Abschiebung bekloppter Islamisten gegen die anscheinend locker 30% Konvertiten aus “braven Deutschen”?

Jeder hat mal diffuse und schwer nachvollziehbare Ängste. Die gestehe ich auch den Pegida-Demonstranten zu. Aber die Zeit läuft, es ist nicht mehr so, dass letzte Woche dort DIE EINE neue Erkenntnis verbreitet wurde. Zu allen wichtigen Themen liegen Daten vor. Zahlen zur Ausländerkriminalität, Studien über den Erfolg des Zuwanderungsmodells, Hintergrundinfos über den Islam und Islamisten, Wahlergebnisse in Deutschland oder sprachwissenschaftliche Erkenntnisse über das Vokabular der Pegida. Man sollte das ruhig abwägen, verschiedene Quellen befragen und kritisch sein. Wer aber auch jetzt – nach etlichen Wochen – immer noch nur zum verschwörungstheoretischen Schluss kommen sollte, dass quasi alle anderen böse sind und man selbst einer der einzigen Aufrechten ist, die – trotz Nazibegleitung – an einer Pegida-Demonstration teilnehmen müssen – der outet sich wirklich als rechter Vollpfosten und hat die Angriffe verdient, die hierzulande (!) über ihn hereinbrechen.

Und bevor irgendwer aus der Pegida-Ecke irgendwas von “Meinungsdiktatur” oder “Zensur” brüllt: Mir ist klar, dass sowas bescheuert wäre und zudem nicht funktionieren würde. Ihr dürft demonstrieren, das ist euer gutes Recht. Man wird Euch deswegen eben für Idioten halten, aber das ist weder mein, noch ein Demokratieproblem, sondern das, was ihr fordert: Meinungsfreiheit! Ich halte es da gerne mit einer meiner Lieblingsbands, und insbesondere mit diesem Refrain:

“Dummheit kann man nicht verbieten
und doch kann man etwas dagegen tun:
Was gegen Dummheit hilft, ist Bildung,
gegen Verbote sind die Dummen oft immun.”

– Dritte Wahl.

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