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Gauchogate

Ich wollte mich hierzu eigentlich nicht äußern. Ich hab nämlich – auch wenn der ein oder andere Eintrag anderes vermuten lassen würde – eigentlich keinen Bock auf Trolle. Und die kommen bei solchen Themen so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber vielleicht hilft meine Meinung ja sogar (die Hoffnung stirbt zuletzt), ein wenig Entspannung zu verbreiten.

Für all die, die es noch nicht mitbekommen haben: es wird ein riesen Bohei gemacht um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die gestern bei ihrer Feier am Brandenburger Tor eine Art Performance gebracht haben, bei der sie zunächst geknickt gehend “So geh’n die Gauchos, die Gauchos gehen so …” gesungen haben, dann aufrecht, jubelnd und euphorisch herumhüpfend “So geh’n die Deutschen, die Deutschen die geh’n so!”.

Die von mir nur am Rande verfolgte Diskussion rief zum einen die Leute auf den Plan, die das als unnötige Herabwürdigung der im Finale besiegten Argentinier sahen – zum anderen dann die, die riefen, dass man das nicht überinterpretieren sollte und das zudem ein sehr übliches Lied nach dem Sieg im Fußballkosmos ist.

Nun ja.

Klar ist sicher eines: beide Seiten reagieren gerade ein bisschen über. Aber wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, finde ich, dass die erste Ansicht durchaus ihre Richtigkeit hat.

Und nein: es geht nicht darum, der Weltmeistermannschaft gegenüber eine angeblich vorhandene Nazikeule auszupacken oder ein Spielverderber zu sein! Beileibe nicht. Im Grunde nehme ich es der sieges- und sonstwie trunkenen Mannschaft nicht einmal übel, ihren Sieg so zu feiern. Das Problem ist wie so oft ein kommunikatives. Natürlich freut sich die Mannschaft über den Sieg und hat gewissermaßen zu Recht auch auf diese Art nur nochmal klargestellt, dass sie den Argentiniern sportlich überlegen waren. Zudem ist es offenbar ein altbekannter Schmähgesang (im weitesten Sinne) gewesen, den Fußballer und deren Fans halt gerne mal singen. So weit, so gut.

Aber sind das brauchbare Argumente, um hunderttausend Fans damit anzuheizen?

Während ich bei dieser WM, bei der ich wirklich viele Spiele gesehen habe, der deutschen Nationalmannschaft wirklich kein schlechtes Zeugnis ausstellen kann und der Meinung bin, sie haben den Titel absolut verdient, verhält es sich mit vielen Fans halt anders. Der immer wieder thematisierte Party-Patriotismus zur WM ist nur deswegen kein Problem, weil es einen Haufen denkender Menschen da draußen gibt. Studien zufolge ist es aber durchaus so, dass Menschen, die Patriotismus leben, nicht umhin kommen, infolge dessen andere Nationen und deren Einwohner negativer bewerten als die eigenen Landsleute. was bedeutet, dass sie nationalistischen Gedanken näher sind, bzw. sicher auch durch den vermeintlich neutralen Patriotismus diesen Ideen näherkommen.

Und nur weil das im Fußball eine lange Geschichte hat, ist es ja nicht besser. Die Welt ist voller Dinge, die eine lange Geschichte haben und einfach scheiße sind. Da können wir bei Diktaturen anfangen und sollten bei Homophobie nicht aufhören zu zählen. Alles gut, plausibel und gesellschaftsfähig, weil es halt “immer schon” so war.

Natürlich sind bezüglich des “Gaucho-Tanzes” der Nationalelf vorgebrachte Nazi-Vorwürfe übertrieben. Keine Frage. Aber es ist auch nicht das viel vorgebrachte “Aus einer Mücke einen Elefanten machen”, wenn Menschen anmerken, dass es nicht gut ist, wenn ein medial weitverbreitetes Ereignis dazu genutzt wird, eine Überlegenheit eines Landes gegenüber einem anderen so zur Schau zu stellen.

Sicher ist das in den Augen vieler eine unnötige Politisierung eines Sportereignisses. Und das ist schwierig, sicher. Aber so lange so viele Menschen sich derart mit einer Mannschaft identifizieren, zu deren Erfolg sie nix – und zwar gar nix! – beigetragen haben, dass sie sich selbst als Weltmeister fühlen – einfach weil sie zufällig im gleichen Landstrich geboren sind – ist das keine weltfremde Überlegung. So lange sich irgendwelche Deutschen “den Argentiniern” überlegen fühlen, weil die sportliche Leistung der deutschen Mannschaft der der argentinischen überlegen war, muss Platz sein für diese Kritik am außersportlichen Vorgehen der Weltmeisterelf. Vielleicht könnte man sogar sagen, dass diese Kritik so lange angemessen ist, so lange es noch Leute gibt, die das stört.

Ein Pressespezialist, der derartiges im Hinterkopf hat, ist doch sicher nicht unbezahlbar für den DFB, oder?

PS: Ebenso wie “das gab’s schon immer!” ist “andere Länder machen das viel heftiger!” kein Argument. Es sei denn, “so blöd sein wie die anderen” ist plötzlich ein erstrebenswertes Ziel geworden.

PPS: Wer auch immer glaubt, diese Kritik würde die deutsche Fußballnationalmannschaft oder gar Deutschland an sich irgendwie herabwürdigen, ist Teil des Problems – nicht der Lösung.

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Europa, was geht?

Nun haben wir die Europawahl also auch weg. Schön und gut. Statistisch gesehen sind wohl 52% von Euch nicht hingegangen. Das finde ich nicht prickelnd, immerhin hatte man dank fehlender 5-, bzw 3%-Hürde ja selbst mit Randgruppenmeinungen eine Chance auf – wenn auch vielleicht begrenzten – Erfolg. Immerhin hat wohl, sehr zu meiner Freude übrigens, sogar die PARTEI es geschafft, einen Abgeordneten im Europäischen Parlament zu platzieren. Aber, obwohl sie hätten einiges reißen können, will ich gar nicht auf den Nichtwählern rumhacken. Einen gewissen Frust bezüglich der Parteienlandschaft kann ich wirklich mehr als gut verstehen.

Nun haben wir halt den Salat, dass ausgerechnet Vorzeige-Schwachmaten wie die Gurkentruppe der AfD (oder noch schlimmer in anderen Ländern, z.B. der Front National in Frankreich) ihre Wähler verhältnismäßig gut zum Wählen animieren konnten.

Auf Twitter wurde ich gleich rüde angegangen, wie erbärmlich es sei, eine so große Wählerschaft wie die der AfD fertigzumachen. Aber man muss schon hart mit sich kämpfen, es nicht zu tun. Der (witzigerweise schon mal in meinem Taxi gesessene) Theo Koll hat im ZDF ein paar für mich nicht sehr überraschende, dennoch erhellende Statistiken präsentieren dürfen, nach denen viele AfD-Wähler lediglich aus Protest die Urne gesucht (und überwiegend leider gefunden) haben. So sollen 97% der Wähler der Aussage zugestimmt haben, dass diese Partei zwar auch keine Probleme löst, aber immerhin mal Bescheid sagt. Und 45% (im Gegensatz zu wohl 20% im Durchschnitt) sollen gesagt haben, dass die Europawahl ja so oder so so unwichtig sei, dass man auch mal – meine Interpretation – blöde Vollpfosten wählen kann. Sprich: 45% derer, die die EU skeptisch sehen, den Euro nicht wollen und zu viel europäische Bevormundung beklagen, finden die Wahl – und damit das Europäische Parlament – unwichtig.

Ich weiß bestens, dass Politik emotional aufgeladen ist, aber bei so viel Inkonsistenz muss einem doch der Schädel platzen.

Aber diesbezüglich haben die fast 7% gestern den Richtigen gewählt, immerhin stellte Bernd Lucke, Chefchef des Vereins und gerne gegen etablierte Parteien schnaubend, nach seinem gestrigen ersten Wahlsieg zufrieden fest, jetzt auch einer etablierten Partei anzugehören. Einer Volkspartei gar. Herzlichen Glückwunsch.

Wisst Ihr, was ich an dieser Europawahl am Ende dann doch ein bisschen arg lustig finde?

Die AfD ist DER große Wahlsieger, die “Euro-Skeptiker” sehen sich im Aufwind und selbst der unverbesserliche braune Haufen der NPD hat nun einen Sitz im Europaparlament gewonnen. Und was ist deren größtes Problem ab jetzt? Dass in anderen Ländern noch mehr solche nationalistische Drecksparteien gewählt haben! Was bedeutet, dass sie sich zwar hier und da mit denen mal für mehr nationalstaatliche Autonomie ausweinen dürfen, aber bei allen für Deutschland wichtigen Entscheidungen im Grunde aus der “eigenen” Gruppe den härtesten Gegenwind bekommen werden. :)

Hey, im Ernst: die EU ist ein verdammt komplexes Konstrukt und da ist so viel Kackscheiße am Dampfen, dass vermutlich selbst hier im Internet der Platz dafür fehlt, das zu umreissen. Was mir fehlt, ist das Verständnis dafür, dass es besser werden soll, wenn nur “wir” Deutschen uns endlich mal wieder ein bisschen mehr gegen “die” Anderen durchsetzen können. Ich weiß, dass das gemütliche, freundschaftliche und länderübergreifende Miteinander utopisch ist und viele Wenns und Abers hervorruft. Realpolitik ist hart und oft ein Ringen um kleinsten Mist. Aber den Vorwurf von ganz rechts kann ich umgehend zurückgeben: was soll an der Sache einfacher werden, nur weil man es sich auch noch mit den anderen Mitspielern versaut? Ebenso wie ich als Linker mein Utopia nicht per Dekret verordnen kann, wird ein Lucke oder eine LePen ihre Nation nicht durch irgendeinen Zaubertrick perfekt machen.

Selbst diese Europawahl mit ihrem unverkennbaren Rechtsruck wird nicht der Untergang sein. Das hoffe ich zumindest stark. Ich hoffe aber auch, dass die nächsten Jahre die Protestwähler der Rechtsparteien auf den Boden zurückholen. Wo ich mir zumindest bei der AfD zum Beispiel keine Sorgen mache. Die gehen jedem funktionierenden Gehirn nach zwei Minuten Redezeit auf die Nerven. Und wenn ihr die “etablierten Parteien” – wonach immer sich diese Zuordnung bemisst – wirklich trollen wollt, dann wählt doch richtige Satire wie die PARTEI und Konsorten. Die sind rein vom Wahlprogramm nur minimal absurder als die AfD und ersparen einem wenigstens dieses selbstgefällige Grinsen von Herrn Lucke.

Ich glaube, diesbezüglich habe ich für heute fertig.

Disclaimer:
Auch wenn ich sie zweimal namentlich erwähnt habe, bin ich weder Mitglied der PARTEI (Update: dreimal erwähnt), noch habe ich sie gewählt. Falls nach dem Artikel jedoch Parteimitglieder an mich herantreten, um mich für die Werbung mit obszönen Beträgen zu entlohnen, bin ich selbstverständlich aufgeschlossen. ;)

PS: Im Ernst. Ich habe die Piraten gewählt. Und das guten Gewissens.

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Urheberrechtsgedanken

Nach wie vor eine der größten Baustellen dieser Welt: Dank dem Internet können wir alle fast jede Art von Medium produzieren und ebenso auch reproduzieren. Wie überall klappt das leider nicht ohne Regeln, die aber sind leider für die aktuellen Gegebenheiten unzureichend und eigentlich kann man nur Gemecker von allen Seiten hören. Die einen meckern, dass ja plötzlich alles hemmungslos und ohne Rücksicht auf Verluste kopiert und damit geklaut würde, die anderen bemängeln die Rechtsunsicherheit, wenn sie kreativ mit sowieso brachliegendem Material arbeiten wollen.

Ich tendiere zu zweiterem, denn das Urheberrecht – mit all seinen Verästelungen ins Zitatrecht oder gar dem geistesgestörten Unfug namens Leistungsschutzrecht – macht wirklich vieles kaputt und ernährt eine ganze Brut von Anwälten, die sich wegen marginaler Kleinstverstöße an tausenden kleinen Bloggern dumm und dämlich verdienen, ohne dass das am Ende anderen Künstlern zu Gute kommt.

Nun sitze ich – eigentlich recht gemütlich – zwischen den Stühlen. Ich schreibe hier und anderswo das Netz voll (produziere also “Content”), verdiene damit auch ein bisschen Kohle und erfreue mich der Kreativität des Netzes. Da ich sie in der Regel maximal als Inspiration oder für Zitate heranziehe und zu 99% eigenes Zeug veröffentliche, bin ich auch verhältnismäßig sicher unterwegs. Und über “geklautes” Zeug kann ich mich auch kaum beschweren. Außerhalb meiner Blogs geben meine Texte kaum Sinn und meine Bilder gebe ich gerne her, weil ich in sie meist kaum Arbeit investiere und es mich einfach nur freut, wenn sie jemand anders auch gefallen.
Selbst mein eBook, als bisher einzige Ausnahme, verschenke ich gerne auch mal, weil ich weiß, dass mir ein neuer Leser für die Zukunft mehr bringt als die 2,01 €, die ich für ein verkauftes Exemplar bekomme.

Doch auch mich regen dann manche Dinge noch auf. Derzeit wird bei Twitter eine Sau durchs Dorf getrieben, die ich aus Gründen nicht verlinke. Da jedenfalls klaut ein Vollhonk die erfolgreichsten Tweets, bereinigt sie um die Namen der Urheber und vermarktet sie dann als Lustige-Sprüche-App auf Facebook. Der Kritik daran entgegnet er rechtlich völlig auf dem Holzweg mit Falschauslegungen der AGB, indem er behauptet, Twitter erlaube ihm das. Bei Tweets ist es zwar der Schöpfungshöhe wegen fraglich, ob ein gerichtliches Vorgehen dagegen wirklich Erfolg hätte, aber so rein von der moralischen Seite verstehe ich nicht, wie dieser Niesel Dinge nimmt, deren Qualität er offenbar ja erkennt – um den kreativen Leuten dahinter dann zu sagen: “Naja, das ist ja so irrelevant, dass ich das einfach abschreiben kann!”.
Es sei hinzugefügt, dass es dabei auch nicht um große Geldsummen oder sowas geht, die meisten Twitterer hätten einfach nur gerne ihren Namen oder einen Link unter dem Spruch.
Derartige Missachtung kotzt mich durchaus an, das muss ich zugeben.

Aber – wie eingangs erwähnt – ich sitze zwischen den Stühlen. Ich habe zum Beispiel gerade ein grandioses Buch gelesen, das mir einmal mehr mein treuer Leser, Kommentator und Bibliotheksguru elder taxidriver geschickt hat. Ein Taxibuch von 1929. Das Buch kennt heute bestimmt kein Schwein mehr, den Autor habe ich bisher nicht ausfindig machen können, der Verlag existiert auch nicht mehr. Aber anstatt jetzt dieses wunderbare geschichtliche Kleinod in meinem Taxi-Blog GNIT wieder aufleben lassen zu können, muss ich erst einmal tiefer (also außerhalb des Netzes!) recherchieren. Denn wenn der werte Kerl erst nach 1944 gestorben ist und irgendein Nachfahre es mir übel nimmt, dann kann ich in Teufels Küche kommen und einen unbezahlbaren Rechtsstreit vom Zaun brechen, obwohl ich das Werk mit 99%iger Wahrscheinlichkeit nur vor dem endgültigen Tod bewahren würde. Inwiefern das im Sinne des Künstlers sein kann, weiß mir das Urheberrecht leider auch nicht zu beantworten.

Gut, ich hab halt die Arschkarte und muss mich damit rumschlagen. Bringt mir ja im besten Fall auch Geld. Und im schlimmsten Fall kostet es mich wegen einer Unachtsamkeit mal welches. Wird hoffentlich in den meisten Fällen nicht existenzbedrohend sein.

Aber so unter uns halbwegs miteinander bekannten Leuten hoffe ich doch, mit gesundem Menschenverstand durch dieses finstere Tal zu kommen, das der ganze Schlamassel gerade noch ist, bevor da mal hoffentlich die gesetzlichen Grundlagen eine Realität nach 1990 abbilden.
Ich kann dazu vielleicht nur wenig beitragen. Ich bin schließlich nur ein kleiner Blogger und kein Massenmedium. Und meine Inhalte sind nun auch nur für die wenigsten Leute von großem Interesse. Aber wenn welches besteht: Meine Kontaktdaten stehen überall und ich schicke auch definitiv erst einen Haufen Mails, bevor ich mühsam Kleingeld sammele und es zum Anwalt trage. Und ich freue mich über jeden einzelnen von Euch, bei dem das auf Gegenseitigkeit beruht.

Und wo kein Richter, da kein Henker. Das gilt sogar für Urheberrechtsgedöns.

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Die Jugend von heu …

…ach was: DIE KINDER!

Musste gerade sehr schmunzeln über einen Eintrag des taz-Tickers zu Walpurgisnacht und erstem Mai:

19.05 Uhr: „Gegen Nazis mache ich mit“

Hamburg, Bahnhof Altona. Am Bahnhof in Altona haben sich rund 100 Demonstranten zur antikapitalistischen Vorabenddemo versammelt. Erwartet werden mehr als Tausend. Die Polizei hält sich noch im Hintergrund, hat aber viele Kräfte in den Seitenstraßen postiert, Wasserwerfer inklusive. Ein etwa zehnjähriger Junge fragt, ob für oder gegen Nazis demonstriert wird. „Gegen Nazis mache ich mit. Zündet ihr auch Sachen an?“ Zusammen mit einem Freund will er jetzt Benzin holen. Sonst machen die Anwesenden einen friedlichen Eindruck.

0.o

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Spät und damit nie

Manchmal denke ich lange darüber nach, ob ich zu einem Thema etwas schreiben soll. Und nicht selten passiert es, dass der zu schreibende Text dann nie erscheint, weil gefühlt schon jeder etwas zum Thema geschrieben hat und ich sehe, dass dem nichts mehr hinzuzufügen ist. Das ist eigentlich auch hier der Fall, aber hier habe ich wenigstens schöne Texte zu verlinken.

Es geht um die wohl bald sprichwörtlich miese Rede der Autorin Sibylle Lewitscharoff, in der sie die Welt wissen ließ, dass sie sich vor Kindern ekelt, wenn diese nicht auf die von ihr präferierte Art (ja, der von ihr und allen Christen so geliebte Geschlechtsverkehr) gezeugt wurden.
Und nebenbei geht es natürlich auch um einen Herr Mattussek, der ganz dolle stolz ist, dass er noch so aufrecht homophob ist in dieser schlechten Welt.

Dazu jedenfalls von meiner Seite aus drei Lesetipps (in denen ihr dann auch interessante weiterführende Links, u.a. zu den originalen Artikeln, findet.

1. Anatol Stefanowitsch – Unbehagen und Menschenfeindlichkeit

Stefanowitsch identifiziert nicht nur ein Roll-Back des deutschen Feuilletons, sondern diagnostiziert diesem auch eine Gefährlichkeit, weil durch die Konzentration auf die Gefühle der Autoren eine argumentative Lücke geschaffen wird, die Gegenargumente ins Leere laufen lässt. Quasi: Ich weiß ja, dass ich falsch liege, aber an meinem Ekel ändert das halt nix und das muss ich sagen dürfen.

2. Harald Stücker – Echte Menschen?

Stücker greift Lewitscharoffs Unterscheidung in echte und nicht so wirklich echte Menschen auf und fragt, ob eine derartige Entscheidung überhaupt sinnvoll ist oder in Zukunft noch sein sollte.

3. Cornelius Courts – Natürlich böse

Courts schreibt wie immer den Artikel zur Rolle der Religion in den Weltbildern der o.g. Leute, den ich gerne geschrieben hätte und bringt – ebenso wie Stücker teilweise – deutlich zur Sprache, dass sich Religion und Menschenrechte allenfalls zufällig überschneiden und bleibt bei seiner Feststellung, tatsächlich wohne der Religion eher eine “Kraft zum Bösen” inne.

Ich habe mich über alle drei Artikel sehr gefreut, sie enthalten wie eingangs erwähnt einige erhellende Links und werfen hier und da noch ein anderes Licht auf dieses oder jenes, auch wenn man die vielen “Großen” dazu schon gelesen hat.

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Stell Dir vor, es ist Krieg

… und keiner überträgt in ihm Fernsehen.

Es ist schon eine sonderbare Welt, in der wir leben. Viele werden es vielleicht (wie ich auch) ein bisschen verdrängt haben, aber in der Ukraine tobt ein ernstzunehmender Aufstand, seit gestern ist die Lage dort eskaliert. Die Innenstadt von Kiew ist in Flammenrot getaucht, die Kämpfe zwischen Polizei und Demonstranten kosteten mittlerweile mehrere Leben. Dass uns das nur leidlich interessiert, ist irgendwie ja nachvollziehbar. Schließlich haben wir eigene Probleme und weltweit gibt es so viel Krieg und Ärger, da ist das nur eine Meldung von vielen.

Aber so weit weg ist das nicht. Nicht geografisch, nicht politisch. Kiew liegt näher an Berlin als Rom, nur Polen trennt Deutschland von der ehemaligen Sowjetrepublik. Und nicht nur, dass die Ukraine ein Beitrittskandidat für die EU ist – ausgerechnet daran entzündeten sich im November jene Proteste, die nun wohl einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Und auch wenn es oberflächlich eindeutig darum geht, einen ungeliebten Präsidenten loszuwerden, ist die politische Lage dort alles andere als überschaubar. Dass an den Protesten neben liberalen Bewegungen auch ultrarechte Nationalisten teilnehmen, ist wohl ein Zeichen dafür, dass das alles nicht mal so eben in einem dreiminütigen Nachrichteneinspieler erklärt werden kann. Und so bleibt vorerst ein etwas verstörender Eindruck von einer Straßenschlacht, bei der Sondereinsatzkommandos mit scharfen Waffen auf die eigene Bevölkerung zielen, Panzer, Barrikaden, und ja: eine Hauptstadt brennen und neben irgendwelchen Nazis ein u.a. in Deutschland zu Ehren gekommener Profi-Boxer zum Widerstand aufruft. Und das alles 1200 km Luftlinie von hier entfernt.

Und im deutschen Fernsehen läuft eine Karnevalssendung.

Ich verstehe, dass eine Prioritätensetzung auch im Journalismus schwierig ist. Aber während gelegentlich Brennpunkte zum Wintereinbruch (Schnee, schon im Dezember!) gesendet werden, ist das gestern ausgeblieben. Um 17 Uhr MEZ wurde die gewaltsame Räumung des  Majdan Nesaleschnosti zu 18 Uhr angekündigt, sollten die zigtausend Demonstranten nicht ihre Zelte abreißen und heimgehen. Eine angekündigte Eskalation. Bei Twitter war das nach Minuten Thema, eine Liveberichts-Timeline war schnell zusammengeklickt. Nicht mal an Bildmaterial fehlte es, mehrere Livestreams laufen teils bis jetzt (Ich hab meist den hier laufen, dazu muss man allerdings Youtube ein wenig austricksen).
Als die Räumung etwa 5 Minuten im Gange war, schaltete ich zufällig beim ZDF vorbei, wo das Thema immerhin kurz angerissen wurde. Während auf meinem Computermonitor zu sehen war, wie Barrikaden angezündet wurden, um Räumpanzer zu behindern, schaltete man auf dem Fernseher zu einer Korrespondentin in Moskau (WTF?), die sich in Allgemeinplätzen erging, wie beispielsweise, dass das Ankündigen der Räumung ja durchaus auch eine leere Drohung gewesen sein könnte und man ja nicht wissen könnte, ob da jetzt wirklich was passiert.

Das ist alles noch neu, ich weiß. Ich erinnere mich an eine Situation in der Grundschule – also irgendwann so um 1988 herum – als meine Klassenlehrerin sichtlich beeindruckt berichtete, wie ein Nachrichtensprecher irgendwelche Neuigkeiten vom anderen Ende der Welt berichtet hätte, die gerade mal ein paar Minuten alt sind. Damals ist man mit uns noch ins Kommunikationsmuseum gegangen und hat Rohrpostsysteme und Bildtelefone als Technik der Zukunft gezeigt.

Und nun saß ich gestern da und konnte nicht fassen, dass ich die Nachrichtensprecher anbrüllen wollte, dass sie doch längst räumen.

“Seht Ihr das denn nicht!? Wo seid Ihr, um vielleicht wenigstens die Kampfrede von Klitschko zu übersetzen?”

Ich weiß, es ist eine schwere Zeit für Journalisten. Alles ist hektischer und zudem verlieren sie oft genug sogar die jahrzehnte-, ja jahrhundertelang gewohnte Deutungshoheit über Ereignisse. Ich zolle wirklich jedem Respekt, der sich an dieser schweren Aufgabe versucht und ich verzeihe Fehler dabei großzügig, wenn erkennbar ist, dass sie den Umständen geschuldet sind. Aber dass ich Gebühren zahle, damit über einen eventuell ausbrechenden Bürgerkrieg zur aktuellen Stunde unweit von hier eine einsame Tickermeldung unter einer Tiersendung über Flusspferde eingeblendet wird, während ich im Netz von Freiwilligen unendlich mehr Informationen bekomme, lässt mich an meinem Verstand zweifeln.

PS: Online gab es natürlich irgendwann auch Live-Ticker. Aber dass die Tagesschau, als mutmaßlich führendes Nachrichtenmedium, selbst online nur einen unkommentierten Stream von Reuters einzubinden wusste, hat nun auch nicht viel verbessert.

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Ist doch nicht so wild …

RIESEN-SKANDAL!

Das Handy von Angela Merkel wurde eventuell von der NSA oder irgendeinem befreundeten Überwachungsverein abgehört!

Na sowas aber auch. Ich für meinen Teil muss jetzt allerdings sagen: Pech gehabt. Wer sich soweit rauswagt und seine politischen Standpunkte so öffentlichkeitswirksam vertritt wie Frau Merkel, der muss nunmal darauf gefasst sein, dass zur Sicherheit aller ein bisschen überwacht wird. Wenn sie nix zu verbergen hat, dann tut das ja auch nicht weh, das haben ihre Parteifreunde ja auch in den letzten Jahren mehrfach klargestellt.

Überhaupt: Es ist ein Handy! Na aber hallo! Wer so neuartige Technologie verwendet, der muss ja wohl davon ausgehen, dass damit irgendwas nicht ganz koscher ist. Und wegen so einer Randgruppe wie Frau Merkel können wir doch nicht jetzt plötzlich unseren Schutz gegen den Terrorismus vernachlässigen! Wo kämen wir hin!? Das tun unsere amerikanischen Freunde doch alleine unseretwegen! Das muss Frau Merkel nur endlich mal begreifen! Da kann man doch keine Rücksicht nehmen auf die Belange von irgendwelchen Einzelpersonen!

Aber um mal ernst zu bleiben: Is’ schon blöd, wenn es einem mal selbst an die Wäsche geht, nicht wahr Angie?

 

 

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