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#PIGEDA

Die Sorgen der PEGIDA-Demonstranten ernst nehmen sollte man, meint Innenminister Thomas de Mazière. Aha. Das klingt alles locker und volksnah und nur beinahe fast so bekloppt, als würde da ein erwachsener Mensch vorschlagen, 5-jährige in Finanzfragen stärker zu berücksichtigen.

“Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes” soll man also ernst nehmen? Ehrlich? Und das noch bevor Pastafari Steuergelder bekommen?

Versteht mich nicht falsch: Ich sehe in den PEGIDA-Demos auch eine Gefahr. Die Gefahr, dass unserer Gesellschaft gerade ein Rechtsruck wiederfährt, der Folgen haben könnte. Und das war sicher der Hintergrund de Maizières, jetzt einen auf Gesprächspartner zu machen. Aber verdammt nochmal: Man kann doch nicht jeden Vollhonk hofieren!

Dass es in Sachsen 10.000 Vollidioten gibt, ist sicher interessant für Statistiker – arg viel weniger hatte ich bisher allerdings auch nicht vermutet. Da gehen Leute gegen “Islamisierung” auf die Straße, die sich alle zwei Monate mal erschrecken, weil sie ein Kopftuch auf der Straße sehen und glauben, was in der Bildzeitung steht. Oder bei PI-News, weil “etablierte Medien” ja voll kacke sind und so …

Und um das mal klarzustellen: Ich finde den Islam scheiße. Nein, nicht nur Islamismus, den Islam! Ebenso wie das Christentum ist das eine eklige Religion, die um fortzuexistieren ihren Gläubigen einredet, sie seien besser als die anderen. Was soll man das als halbwegs denkender Mensch befürworten? Aber ja, mit viel Mühe ringe ich mir Toleranz dem gegenüber ab und gestehe religiösen Menschen zumindest mal ihren Selbstbetrug zu.

Die PEGIDA-Anhänger indes machen Panik wegen ein paar hundert Spinnern bundesweit und fühlen sich bedroht von Dingen, von denen sie keine Ahnung haben. 10.000 Idioten gehen wegen 100 Idioten auf die Straße ohne zu merken, dass 100 Idioten nur ungefähr 1% so idiotisch sein können wie sie selbst. Sie akzeptieren (oder tolerieren wenigstens) Neonazis auf ihren Demos – wobei selbige locker zehnmal (ich hab nicht einmal Google befragt, wahrscheinlich steht die Statistik sogar 100:0) so viele Todesopfer in Deutschland in den letzten Jahren zu verantworten haben.

Deswegen gestehe ich jedem PEGIDA-Aktivisten Amnestie für seine Dummheit zu, wenn er umgehend zu meiner neuen Initiative PIGEDA wechselt:

Persönlich Involvierte gegen extrrem dämliche Autofahrer

Statistisch gesehen werden zwar sicher mehr Islamisten von Autofahrern getötet als Deutsche durch Islamisten – aber die Ironie der Statistik will es so, dass in Deutschland auch mehr Deutsche von Autofahrern umgebracht werden als von irgendwelchen Spinnern mit Vollbart. Oder, um es mal ganz deutlich zu sagen: Wer auch nur ein bisschen Hirn übrig hat, sollte zu allererst gegen Autofahrer demonstrieren – und erst nach Erledigung dieses Probelems gegen Islamisten.

OK, kehren wir nochmal ernsthaft zurück zum Thema:

Sicher sind nicht alle PEGIDA-Demonstranten Nazis. Oder Neonazis. Was viele dabei vergessen: Man muss nicht Nazi sein, um völlig bescheuert zu sein! Und das sind diese Leute. Allesamt. Ausnahmslos. Ich würde es gerne freundlicher ausdrücken, aber ich hab ein Gehirn, das hindert mich daran, sorry.

Wenn Thomas de Maizère ein Rudel Vollhonks ernst nehmen will, dann kann ich es ihm nicht verbieten. Ich würde das zwar gerne, aber er hat ebenso wie die PEGIDA-Leute das Recht auf freie Meinungsäußerung.

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So geht das, #MaHe!

Wir hatten Befürchtungen gestern. Als getwittert wurde, die Antifa-Demo träfe sich vor der “Goldschmiede” – ein sehr kleiner Laden am S-Bahnhof Marzahn – hatten wir 40 einsame Hansel vor Augen, umringt von mindestens 200 Polizisten. Stattdessen ist aber etwas sehr schönes passiert: Locker 500 Leute standen da, wir konnten uns farblich mit unseren schwarzen Klamotten der Mehrheit zugehörig fühlen und die Stimmung war gut.

Es hat nach wie vor etwas unwirkliches, den eigenen Kiez als Veranstaltungsort zu erleben, aber ich möchte ein fettes Danke an die vielen zugereisten Antifas richten, die – je nachdem, welchen Zahlen man glauben möchte – gestern dafür gesorgt haben, dass unsere Demo größer war als die der Nazis. Das war gut, wichtig, richtig – und vielleicht verhindern wir den braunen Spuk nächste Woche ja sogar mal wieder. Mir wäre viel daran gelegen.

Ganz ohne Kritik kann ich das Ganze aber nicht stehen lassen, sorry. Ich hab mich mal wieder in keinem Redebeitrag wiederfinden können. Da steckte am Ende dann doch immer dieses “Ihr arme Marzahner!” dahinter, das den Bezirk eiskalt in Nazis und Unbeteiligte aufgeteilt hat und stets ein wenig arrogant klang. Ich will nicht das Engagement der Zugereisten in Frage stellen und freue mich über jeden, der da war; aber die Rhetorik hat auch den Faschos in die Hände gespielt, die ja weiterhin behaupten, die “wahre Meinung des Volkes” vor Ort zu repräsentieren. Ein Bewusstsein dafür, dass das ebensowichtig wie andere Kommunikationsnormen ist, scheint noch nicht vorhanden zu sein. Denkt da mal drüber nach.

(Siehe hierzu auch meinen Artikel Außerirdische in #MaHe)

Die Demo war spaßig, überwiegend lautstark, am Ende hat also eigentlich alles gepasst. Ein wenig angefressen hinterlassen mich allerdings die Naziprolls an der Raoul-Wallenberg-Straße. Dass sich ein Haufen Vollpfosten an eine Antifa-Demo ranpirscht und dann rumproletet … das kommt vor. Dass sie allerdings bis auf ziemlich wenige Meter herankommen – ohne dass irgendwo ein Polizist in der Nähe ist, das ist schon erstaunlich.
Es ist jetzt nicht so, dass ich mich um die Gesundheit von Nazis sonderlich schere. Schon gar nicht um die von solchen Spezialfällen, deren Tagesform davon abhängt, ob es das Bier beim Aldi gerade im Sonderangebot gibt. Aber wir hatten da konservativ geschätzte 500 Antifas, 20 Nazis und null Polizei dazwischen. Und das für weit mehr als 30 Sekunden. Dass da kein Rettungswagen kommen musste, ist wirklich ausnahmslos dem ruhigen Gemüt (und sicher auch der Überraschung) auf unserer Seite zu verdanken gewesen. Die polizeiliche Organisation hinterlässt mich hier wirklich einmal mehr mit einem Fragezeichen auf der Stirn.

Zudem: Raoul-Wallenberg-, Ecke Lea-Grundig-Straße? War da nicht was?

Ja. In den letzten Wochen kam es neben den Demos vermehrt zu Angriffen von Nazi-Hools auf vermeintliche Gegner. Und zwar fast immer zwischen der Lea-Grundig-Straße und dem Freizeitforum (100 m entfernt). Ist das vielleicht “nur” eine Clique besoffener Nazis, die da den Kiez terrorisiert?

Aber wie dem auch sei: Es ist erschreckend, dass die sich inzwischen sicher genug fühlen, um auch zahlenmäßig weit überlegene Gruppen zu provozieren, vielleicht sogar anzugreifen. Das ist nicht mehr normal. Auch “hier draußen” in Marzahn nicht!

Für nächste Woche wird schon mobilisiert, und das ist gut so. Das heute war – insbesondere nach letztem Montag – toll. Aber das muss auch so weitergehen! Nazis sind hier kein kleineres Problem als anderswo! Marzahn bleibt bunt!

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Musik, Laune, diese Geschichten

Ich gebe ja zu, dass es mich ein wenig überrascht hat, dass der Song “Edge of a Revolution” von Nickelback ist. Ich bin ein bisschen draußen aus der Musikszene und tue mich schwer mit dem Erkennen von Stimmen. Wie mit Gesichtern ja auch. Fiese Combo übrigens. Aber egal, wir waren bei dem Song und bei Nickelback.

Ich hab mit der Band nicht viel am Hut, eine Hardrockband wie viele andere halt. Hab sie wie die meisten hierzulande durch “How you remind me” kennengelernt und ich war sicher nicht der einzige, der den Song totgehört hatte, bevor das Radio ihn unerträglich gemacht hat. Was schade ist, denn wenn man mal ehrlich ist, dann war es eigentlich eines der schönsten und reflektiertesten Liebeslieder überhaupt und hatte den Erfolg schon irgendwie verdient.

Inzwischen ist die Band ja vor allem im Internet zum Synonym für die schlechteste Band aller Zeiten geworden – was wohl zurückzuführen ist auf einen Presseartikel, der der Band diesen Status verliehen hat, weil die Single “Someday” wie ein billiger Abklatsch von “How you remind me” klang und das tatsächlich ein sehr durchschaubarer Versuch war, an alte Erfolge anzuknüpfen. Aber um ehrlich zu sein: Obwohl ich gerne meine Aversion gegen Mainstreammusik hege und pflege: Wenn auch nur 10% der Bands an die musikalische Qualität von Nickelback rankommen würden, wäre die Welt vermutlich eine bessere. (Ja, ich mag einfache Riffs. :) ) Wie alles andere kann man’s mögen oder nicht, mir liegt nichts daran, diese – wie gesagt: für mich eher unwichtige – Band in den Himmel zu loben. Aber ich gestehe auch, dass ich mir damals das Album “Silver Side up” gekauft habe und noch vor der Single-Auskopplung von “Never again” gut gefunden hab, dass mal wer auf anschauliche Weise musikalisch häusliche Gewalt thematisiert, ohne dabei nur einer feinen aber kleinen Subkultur anzugehören.

Und nun “Edge of a Revolution”. Ich geb’s ja zu, ich hab den Song im Radio gehört. Star FM spielt ihn in den letzten Wochen rauf und runter. Hey, ein zumindest in Ansätzen kapitalismuskritisches Lied, das den NSA-Skandal am Rande anspricht und auf äußerst massentaugliche Weise die Wichtigkeit einer Änderung in die Welt schreit … so gut muss sich Punkrock in den 70ern angefühlt haben. Auch wenn ich mich inzwischen schwer damit tue, den Optimismus des Titels zu teilen.

Ich gebe zu: Musik wirkt zumindest bei mir wirklich. Vielleicht nicht so stark wie Literatur, aber natürlich hab ich meine Playlists, die mich in die ein oder andere Stimmung versetzen können. Und, obwohl Mainstream, “Edge of a Revolution” schafft es schon, einen mal wieder mitzureissen, das Maul aufzumachen und sich nicht alles gefallen zu lassen. Etwas, das in Anbetracht der globalen Massenüberwachung wirklich mal raus muss. Und heute muss ich mir sowieso ein bisschen der sonst spärlichen Wut aufbewahren, denn wie letzte Woche wollen auch heute wieder Nazis durch meinen Kiez ziehen, was ich aus ungefähr 33 – 45 Gründen (wenn nicht mehr) für absolut verhindernswert halte.

In diesem Sinne: What Do we want?


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Außerirdische in #MaHe

Die vergangenen Tage war unser Viertel ja mal wieder in tiefstes Blaulicht getaucht, denn seit einigen Wochen geben sich hier ja Nazis die quasi die Klinke in die Hand: Während die letzten von der einen Demo gerade verschwinden, tauchen die ersten zur nächsten Veranstaltung wieder auf. Und dementsprechend viel Polizei ist eben vor Ort. Der verhinderte Marsch nach Hellersdorf am Samstag hat bundesweit für Aufsehen gesorgt, darüber hinaus veranstalten diese Gestalten ohne Rücksicht auf ihre kollektive Peinlichkeit “Montagsdemos”, auf denen sie “Wir sind das Volk!” rufend gegen die Unterbringung von Flüchtlingen im Stadtteil protestieren. Das wird gerade echt zu einer ekligen Spielwiese für rechte Spinner und es ist überhaupt nicht mehr lustig, 900 aggressive Typen vor der eigenen Haustür stehen zu haben, die offenbar so ein beschissenes Leben haben, dass sie auf der Suche nach Menschen, auf die sie herabblicken können, bis zu nach Asyl suchenden Flüchtlingen gekommen sind.

Den meisten Medien ist inzwischen aufgefallen, dass das ganze keineswegs “bloß” eine Sammlung “besorgter Bürger” (so gerne die Eigendarstellung) ist, sondern dass altbekannte Kader verschiedenster Nazigruppierungen die sind, die die Mobilisierung und Organisation übernehmen. Und wer eine Demo nicht verlässt, die 2014 nach “Wir sind das Volk!” skandiert: “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!”, der kann sein “Wir sind keine Nazis!”-Schild zu Hause lassen – so viel kleinliche Ausdifferenzierung zwischen menschenfeindlichen Geisteshaltungen braucht’s nun auch wieder nicht.

Um die welt- oder zumindest zeitfremden Gesellen ging’s mir aber nur teilweise, als ich das Wort “Außerirdische” in die Überschrift gepackt hab, sondern damit wollte ich auch auf das fast schon gravierendere Problem hinweisen: Der geringe Widerstand. Dass bei diesen “Montagsdemos” die Gegendemonstranten zahlenmäßig unterlegen sind, ist bitter. Wenigstens das schien sich in den letzten Jahren ja rumgesprochen zu haben: Dass Rassismus und Ausländerfeindlichkeit gesellschaftlich nicht toleriert werden und dass die Vollpfosten immer die Minderheit bleiben, egal wo sie auftauchen.

(Mein persönliches Lieblingsverhältnis war irgendwann mal ungefähr 1000 : 7 in Stuttgart.)

Und das Problem ist real. Als am Samstag die Route blockiert und der Widerstand zahlenmäßig überlegen war, hat sich die Zahl der Nazi-Teilnehmer schon während der Demo halbiert, es macht also was aus, wenn Gegenwehr da ist.

Das miese Verhältnis jetzt hat verschiedene Gründe, natürlich. Die Polizei ist z.B. gibt sich wirklich viel Mühe, es eher den Gegendemonstranten schwer zu machen (Ich weiß, das behaupten immer alle Seiten von sich, aber so ein krasses Missverhältnis hab ich selten gesehen – und ein bisschen Demo-Erfahrung kann ich mir schon bescheinigen). Es gibt wenig aktive Antifa-Arbeit im Stadtteil, das Thema mobilisiert bei den Rechten auch Leute, die sonst vielleicht eher seltener demonstrieren; und das Wetter ist ja auch doof, wenn man als Linker so ewig “da raus” fahren muss. “Zu den Plattenbauten”, zu “denen”. Ich möchte nicht kleinreden, dass es in Marzahn überproportional viele Rechte gibt. Und der latente Rassismus in viel zu breiten Bevölkerungsschichten ist natürlich hier wie überall vorhanden.

Was aber irgendwie nicht Naziaufmärsche von knapp 1000 Leuten irgendwie normal oder unwichtig macht. Wieso muss zu einem Treffpunkt, der vom Alex aus so schnell und einfach zu erreichen ist wie halb Kreuzberg, damit mobilisiert werden, dass man ja auch Leute kennt, die da wohnen und das nicht verdient haben? Ich versteh’s ja, dass Marzahn für viele Berliner im Alltag keine Rolle spielt, geht mir mit vielen Stadtteilen ja nicht anders. Aber glaubt ihr, ich fahr am ersten Mai nach Kreuzberg, weil mir jemand erzählt hat, dass es dort so viele hübsche Altbauten gibt, weil ich ja mal rausmöchte aus meinem Ghetto?

Ich komm’ auch nicht immer zu jeder Demo, darum geht’s wirklich nicht. Und ja, auch oft weil der Weg zu weit ist, Asche auf mein Haupt. Ich finde es bloß erstaunlich, dass mich und Ozie als in Marzahn lebende Antifaschisten die Aufrufe eher genervt haben. Und unser Lokalpatriotismus ist uns schon lange bei unseren Umzügen irgendwo verloren gegangen – wenn es ihn je gab. Aber zwischen den Zeilen hat das alles immer so ein bisschen nach Zoobesuch geklungen.

“Heute fahren wir mal in den wilden Osten, wo die Plattenbaubewohner nicht merken, dass ein paar Nazis unter ihnen sind, ho ho ho!”

Das war sicher nicht immer so gemeint und ich will die Intention einzelner Leute auch ganz bewusst nicht in Frage stellen. Es sollte nämlich um was anderes gehen. Darum, dass sich in einem Berliner Stadtteil Nazis breitmachen und aufplustern. Dass sie ohne nennenswerte Gegenwehr in grotesker Zahl eine weitgehend friedliche Gegend heimsuchen, um auf dem Rücken der Allerschwächsten Stimmung für menschenverachtende Politik zu machen. Wir hier in Marzahn sind genauso schockiert davon und nicht irgendwelche Außerirdischen, die von sowas keine Ahnung haben.

Ich wohne hier seit sieben Jahren. Manchmal sogar gut als Linker erkennbar. Mir entgehen die Nazis nicht, die es hier gibt, ich bin vertraut mit deren Symbolik. Aber die meisten kuschen. Die wissen, dass sie hier wie überall kein Lob erwarten können, wenn sie sich außerhalb ihrer Cliquen befinden. Ausnahmen gibt’s sicher, aber im Vergleich zu Stuttgart ist das hier Pillepalle – und ich schätze mal stark, meine ehemalige Heimatstadt wird selten als Nazihochburg angesehen. Gestern aber hatte ich das erste Mal Angst und hab mich in meinem Supermarkt vorsichtig bewegt, weil ein paar Vorzeige-Faschohools der Demo mal eben reingekommen sind, um sich Biernachschub für den Rest des Weges zu besorgen. Ich hab drauf geachtet, wann und wo ich eine Hand frei hatte, um mich gegebenenfalls wehren zu können und ich hab draußen einen Umweg gemacht, um nicht außer Sichtweite der rumstehenden Cops zu gelangen. Die Situation hier wird scheiße ernst hier und das liegt verdammt nochmal nicht an irgendwelchen Plattenbauten, sondern an Nazis. An den selben, die in Schöneweide, Köpenick oder Buch rumlungern.

Ich hab auch nicht mehr die Freizeit oder das Geld, zu jeder Nazidemo im Umkreis von 200 km zu fahren. Und Berlin ist sowieso Demo-Hochburg, da alles mitzunehmen, wäre ein Vollzeitjob. Aber hier geht es um Aufmärsche, die bald die Grenze zur Vierstelligkeit knacken könnten. Die trotz aller Besorgte-Bürger-Romantik verdammt aggressiv sind und wirklich unglaubliche Freiheiten von der Polizei eingeräumt bekommen. Lasst uns bitte nicht alleine, #MaHe ist überall!

#angepissteAnwohner

PS: Nazispam wird kommentarlos gelöscht.

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Wenn zwei sich streiten

… sitzt der gesunde Menschenverstand weinend in der Ecke.

In Köln ist gestern eine Demo von Hooligans gegen Salafisten eskaliert und hat damit für Schlagzeilen gesorgt. Ich, wie immer zu spät aufgestanden, hab mich gefragt:

“Hä? What the Fuck?”

Aber ja: Vereinsübergreifend hatten sich Hools verschiedener Fußballvereine zu einer Anti-Salafisten-Demo getroffen und das Ganze ist letztlich zumindest in Teilen eine Nazidemo gegen Ausländer geworden. Inklusive Krawallen und vieler vieler unschöner Szenen. Das ist natürlich scheiße, aber das ganze Sujet ist wieder einmal schwieriger als gedacht. Auch jetzt, nach vielen Stunden, komme ich über das WTF nicht hinaus.

Zum einen haben wir da den Salafismus, bzw. dessen neofundamentalistische Auslegung der heutigen Islamisten. Ein vermutlich in weiten Teilen wahnhafter Haufen Gotteskrieger, der teilweise allen Spielarten des Terrors aufgeschlossen ist, um den Planeten in die vorgestrige Zeit zurückzubomben.

Zum anderen sind da die Hooligans, doch auch hier vor allem jene, die sich innerhalb rechtsextremer Kreise bewegen oder gar auf organisierten Neonazistrukturen aufbauen.

Nun ist es schwierig, im Angesichte so großer Idiotie den größten Feind zu finden.

Hooligans an sich sind nicht zwingend rechts. Aber sie haben das Problem, dass selbst ihr ursprüngliches Weltbild (grob vereinfacht: Wir sind alle harte Kerle, kloppen uns gegenseitig und wer gewinnt, ist der King!) viele Parallelen zu rechtem Gedankengut in sich trägt und demnach von Neonazis prima instrumentalisiert werden kann und hier wohl auch wurde. Trotz allen Ehrenkodizes, die es vielleicht zur Gründungszeit der Gruppen mal gegeben haben mag.

Und dass die heutigen Salafisten den Islam so auslegen, dass die Ungläubigen getötet werden müssen, ist leider auch nur schwer zu verhindern, denn wie (zumindest fast) jede Religion tendiert auch der Islam zu einer deutlichen Abgrenzung zwischen Gläubigen und Ungläubigen, was den Fundamentalisten immer irgendwie als Rechtfertigung für dieses oder jenes herhalten kann.

Und so gesehen ist es in meinen Augen absolut verständlich, gegen den Islam – und noch spezieller gegen die Salafisten – zu demonstrieren. Darüber hinaus ist es aber auch ebenso grundsätzlich falsch, dass sich irgendein Nazi oder auch nur Hool zum vermeintlichen Rächer aufschwingt.

Da es nach mehreren Jahrzehnten schlechten Fernsehprogramms ja offenbar immer eine schwarz-weiß-Entscheidung geben muss, möchte ich einen Lösungsvorschlag in den Raum werfen:

Sowohl Nazi-Hooligans als auch Salafisten sind uneingeschränkt scheiße. Und als Gegenentwurf möchte ich ein atheistisch-humanistisches Weltbild anbieten. Ob man Leuten den Tod an den Hals wünscht, weil sie an was anderes glauben oder eine andere Hautfarbe haben, ist egal – man ist in beiden Fällen ein Idiot.

Und als humanistischer Atheist kann man zumindest versuchen, weder ein Idiot noch ein Arschloch zu sein. Ich kann mit Hooligans prima leben, so lange sie sich untereinander kloppen. Ich finde das nicht toll oder erstrebenswert, aber im Grunde mit der persönlichen Freiheit vereinbar. Ich kann auch mit Moslems oder sogar Christen leben, so lange sie sich nur selbst ihrem eigenen Wahn unterwerfen. Ich finde das auch völlig bescheuert, aber so lange sie ihrer tatsächlich existenten Umwelt nicht zu sehr auf den Zeiger gehen, gönne ich ihnen diese Marotte. Ich kann grundsätzlich der Freund jedes Menschen auf diesem Planeten sein und bin das eigentlich auch, so lange er sich nicht dadurch disqualifiziert, dass er Fremden seine persönlichen Macken zur Vorschrift machen will. Ob das nun ein Ungläubiger ist oder die eigene Ehefrau.

Religion und Rassismus sind zwei fast annähernd gleich dumme und inzwischen überholte Gedankenkonstrukte, die der Welt schaden. Und sie schenken sich nichts. Wo die Religiösen an der Macht sind, morden und foltern sie und schließen Menschen aus ihrem Rechtssystem aus (nur als Beispiel: Homosexuelle). Und wo die Rassisten an der Macht sind, werden “Fremde” getötet. Manchmal auch nur passiv, man sehe sich nur die Flüchtlingskatastrophen an den Grenzen der EU an.

Nun, gestern in Köln gab es keine direkte Auseinandersetzung zwischen Nazis und Salafisten, sondern nur Nazis. Dementsprechend verurteile ich, was dort passiert ist. Bei einem Aufeinandertreffen hätte ich vermutlich beiden nur viel Spaß gewünscht …

(Ja, man wird vielleicht etwas zynisch bei so vielen Idioten um einen herum …)

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Wenn nicht schön schön ist.

Eingang zum KZ Sachsenhausen, Quelle: Sash

Eingang zum KZ Sachsenhausen, Quelle: Sash

Es ist lange her, dass ich das letzte Mal eine KZ-Gedenkstätte besichtigt habe; gerade stelle ich sogar fest, dass es inzwischen 17 Jahre sein müssten. Damals war das Dachau, gestern dann war es Sachsenhausen.

Eine ziemlich spontane Entscheidung, den intrafamiliären Ausflug mitzumachen. Eigentlich hatte ich viel zu wenig Schlaf, aber ich habe es nicht bereut. Obwohl ich mich selbst zwar durchaus für ganz gut informiert übers Dritte Reich halte, war der Besuch alles andere als nur informativ. Obwohl ich mich durchaus mit Schaudern an die durch die weißen Kiesel so unfassbar unpassend und dadurch verstörend blendende Atmosphäre in Dachau erinnern kann, habe ich gestern neben den überwältigend vielen Detailinformationen zum Lager selbst auch wieder mal ein wenig über mich gelernt. Denn ja, man wird älter und im besten Falle auch das, was gemeinhin “weiser” genannt wird.

Natürlich ist mir die Unmenschlichkeit der Nazizeit immer schon ein Begriff gewesen und ein guter Teil meiner Überzeugungen auch als Nachgeborener speist sich aus dem Wissen, dass kaum etwas schlimmer wäre als eine Wiederholung dieser Barbarei. Tatsächlich aber ist mir dieser Besuch mehr als alle vorhergehenden vergleichbaren unter die Haut gegangen. Nun bin ich kein Psychologe, aber ich glaube, dass das insbesondere daran liegt, dass ich im Vergleich zu früher wesentlich mehr mit dem Wesen des Todes anfangen kann, da ich inzwischen ja selbst einige Familienmitglieder verloren habe. Das alles hab ich gut weggesteckt, aber ich glaube, irgendwie verändert sowas dann doch. Mir jedenfalls ist beim Anblick eines Portraits eines Verstorbenen inzwischen anders zumute als das noch vor 10 Jahren der Fall war. Und an Portraits Verstorbener mangelt es ja keiner Gedenkstätte für Naziverbrechen.

Obwohl wir gestern ohne Führung und ohne Infomaterial einfach reingelaufen sind, kann ich Sachsenhausen eigentlich nur Bestnoten verteilen. Eine gleichermaßen würdige Gedenk- wie auch informative Lehrstätte! Natürlich wären zur vollständigen Erfassung mehrere Tage notwendig gewesen, aber ich schätze, die Informationsflut ist Teil des Konzepts – zumindest fände ich es legitim zu sagen, dass niemand nach ein paar Stunden aus einem ehemaligen KZ kommen sollte und der Meinung sein, jetzt ja alles verstanden zu haben und alles zu wissen. Alles wissen über jahrelanges Leid von 200.000 Menschen, wie anmaßend das auch wäre!

Abgesehen von der tollen Umsetzung des Ganzen bleibt vor allem die Erkenntnis, dass der Ausflug nach Sachsenhausen genau deswegen schön war, weil er weit davon entfernt war, schön zu sein. Es war bedrückend in jeder Hinsicht, aber ich glaube, dass das vielleicht auch so sein sollte.
Auf dem Gelände waren natürlich unzählige Touristen. Die meisten aus dem Ausland. Und für meine bedrückte Stimmung schienen sie alle ein wenig zu disneylandmäßig unterwegs zu sein, zu fröhlich, zu lustig. Um so schöner war diese eine Wand in einer der Baracken anzusehen. Im Gegensatz zu all den anderen Wänden zeigte sie nicht die Bilder der Getöteten, erzählte nicht die Geschichte zerstörter Leben, sondern bot Besuchern die Möglichkeit, ihre Meinung zu hinterlassen. Und die – alle in englisch verfassten – Zettel waren es, die mir dann doch noch die Tränen in die Augen trieben, die ich zuvor so erfolgreich verdrücken konnte.

“a truely disturbing experience”

war auf einem Zettel zu lesen, die meisten anderen schlossen sich dem an. Und der Rest bekundete den Willen zum Widerstand und dass sich das nie wieder wiederholen dürfe.

Dass ich als ausgemachter Antifaschist den Glauben an die Menschheit in einem ehemaligen KZ wiedergewonnen habe, ist zwar zutiefst ironisch, aber hoffentlich auch ein Schlag in die Fresse für alle Neonazis.

Nie wieder!

PS: Und besucht die Gedenkstätte Sachsenhausen. Und da der Eintritt schon umsonst ist: Lasst eine Spende da!

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Why privacy matters

In einem der scheinbar fast ausnahmslos sehenswerten TED-Talks hat Glenn Greenwald (Der Journalist, der viele der Snowden-Daten veröffentlicht hat) wunderbar erklärt, was an Massenüberwachung und der damit einhergehenden Abschaffung der Privatsphäre so schlimm ist. Wie die Überschrift schon vermuten lässt, ist das Video auf englisch, aber das ist wieder mal ein Beispiel für ein Video, für das es sich lohnt, seine Englisch-Kenntnisse zu strapazieren.

Um das nicht zu einem weiteren eher unbedeutenden Link werden zu lassen, möchte ich auch kurz ein paar Worte über Privatsphäre verlieren:

Ich bin seit geraumer Zeit sehr privat und öffentlich im Netz unterwegs. Nicht nur, dass ich trotz aller politischer Statements auch meine Privatadresse (schon aus rechtlichen Gründen) veröffentliche: Nein, ich schreibe auch hoch intime Details meines Lebens hier nieder. Fotos aus meiner Wohnung, Blogtexte über meine Beziehung, wie verträgt sich sowas bitte mit einem Recht auf Privatsphäre?

Nun, um es mal ganz anschaulich zu sagen: Ihr wisst von mir nur, was ich Euch zu sehen erlaube. Vielleicht erscheint es dem ein oder anderen dumm, dass ich über meine kaputten Zähne oder die Umstände meines ersten Treffens mit Ozie etwas schreibe – aber das liegt dann lediglich an einer anderen Gewichtung, welche Details des Lebens man selbst für schützenswert hält. Ich habe einfach nicht den Anspruch, von meinen Lesern als perfekt funktionierende Maschine wahrgenommen zu werden. Ich habe Fehler, ich mache welche und ich finde es als Person “in der Öffentlichkeit” einfacher, über diese zu reden, als ein Abbild meinerselbst zu schaffen, bei dem ich immer aufpassen muss, ob sich mein reales Ich noch mit den Online-Texten verträgt. Das hat zum Teil seinen Ursprung tatsächlich alleine darin, dass ich gewisse Sachen öffentlich mache. Wie sollte ich zum Beispiel glaubhaft über die schlechte Bezahlung von Taxifahrern schreiben, ohne Zahlen zu veröffentlichen? Ja sicher, einige Kollegen machen das – was auch ok ist  – aber sie tun das auf Kosten der Transparenz und im schlimmsten Fall ihrer Glaubwürdigkeit. Ich habe da eine andere Entscheidung gefällt, aber das heißt nicht, dass mir das grundsätzliche Problem privater Daten in der Öffentlichkeit nicht bewusst wäre. Ich habe z.B. auch keine Abneigung gegenüber Menschen, die sich online besoffen in entwürdigenden Situationen präsentieren, mir wäre das hingegen zu peinlich. Obwohl ich betrunken echt niedlich bin, da könnt Ihr alle fragen!

Abgesehen von der politischen Brisanz staatlicher Überwachung (die Greenwald in seinem Beitrag ausreichend darlegt) ist auch die private Dimension nicht zu unterschätzen. Der Journalist hat in obigem Video gesagt, jenen, die meinten, nichts zu verbergen zu haben, vorgeschlagen zu haben, ihm doch einfach mal alle Passwörter für all ihre Mailkonten zu schicken. Damit er sich dort mal umsehen und – falls es ihm legitim erscheine – Teile der Mails veröffentlichen könne. Und ist es nicht glaubhaft, dass niemand das gemacht hat?

Ich selbst denke mir oft, dass meine Mails “eigentlich ja belanglos” sind. Ach ja, irgendwann vor 9 Jahren hab ich Ozie erstmalig geschrieben, dass ich sie liebe – wayne?
Andererseits: WTF? Da hab ich auch Freunden Hilfe in schwierigen Situationen angeboten, mit Hinz und Kunz geflirtet, Dinge erzählt, die eben doch nur für diesen einen Empfänger bestimmt waren.

Und wenn wir von den Mails weggehen: Haben wir nicht alle mal aus Sensationsgier auf bild.de-Links geklickt, oder uns vielleicht gar mal irgendwo auf einer Pornoseite mehr als ein Bild angesehen und damit für findige Ermittler ein viel zu genaues Bild von unseren Präferenzen hinterlassen? Will ich wirklich, dass bei Bedarf ein Polizist rausfinden kann, dass ich mal Musikvideos von Schlagersängern angesehen habe, gegen die ich doch sonst immer wettere?
Und was uns allen eigentlich eher als Verschwörungstheorie erscheint, habe ich auf Umwegen schon erlebt:

“Sie hen’ da ja naggiche Bilder druff!”

schrie der liebenswerte Polizist bei der Durchsuchung meines PC’s damals laut durch die WG; wohlwissend, dass meine Freundin und heutige Frau anwesend war. Na, bei wie vielen Lesern hätte sowas zu einer Beziehungskrise geführt? Und wenn NSA und co. einfach alles speichern, ist es ja erst einmal auch egal, ob es da um Downloads des letzten Jahres oder der letzten Woche geht.

Am Ende geht es ja auch nicht darum, ob man bei Facebook postet, dass man gerade diese oder jene Folge von “The walking dead” ansieht. Sowas schreiben wir gerne mal und das ist ok für die meisten. Aber will man wirklich, dass ein ominöser Geheimdienstapparat im Hintergrund mitloggt, dass wir an unsere Freunde zeitgleich eine Nachricht senden, welchen Schauspieler wir scharf finden? Und dass das in Beziehung gesetzt wird zu einem vielleicht längst beigelegten Ehestreit von vor drei Tagen via Whatsapp?

Wie kann es bitte in Ordnung sein, dass all das abgespeichert wird? Ich veröffentliche mein Leben freiwillig und meine terroristischen Aktivitäten halten sich zumindest vorübergehend in engen Grenzen. Ich schreibe nur gerne und biete meinen Lesern bewusst einen (begrenzten) Einblick in mein Leben. Aber selbst ich würde mir wünschen, dass ich nach Abschluss dieses Textes einfach mal sorgenfrei bei Wikipedia Infos über Depressionen einholen, bei Amazon Gummibärchen kaufen und bei Youporn nach Videos von Frauen in Latex suchen könnte, ohne damit ein schwer verdächtiges Profil bei der NSA zu bekommen.

PS: Latex ist nicht wirklich der Fetisch meiner Wahl, aber wie gesagt: auch meine Transparenz hat Grenzen. ;)

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