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Respekt muss verdient sein!

Und unseren obligatorischen religionskritischen Eintrag zum anstehenden christlichen Feiertagswochenende gib uns heute!

Einmal mehr weiß Cornelius Courts die richtigen und richtig schmerzhaften Worte zu finden, die dieser Humbug namens Religion verdient hat:

BlooDNAcid – Respekt muss verdient sein!

Ich mag Toleranz, ich mag Respekt. Sollten wir alle mehr dran arbeiten. Aber Religion ist so gotterbärmlich (sic!) albern und dieses Gedankens unwert. Sie mag Jahrtausende alt sein, aber das scheint bei näherer Betrachtung auch schon das einzige Argument zu sein. Neanderthaler sind noch älter – also was soll mir das sagen?

Und für alle, die sich des Trollens bemüßigt fühlen mögen: Hier der aktuelle Comic von xkcd. Was das abstrahiert bedeuten soll, werdet Ihr hoffentlich verstehen. ;)

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Von Meteoriten und Fallschirmen

oder weswegen ich weiterhin gerne das Gute im Internet sehe.

Hat irgendwer es noch nicht mitbekommen? Ein norwegischer Fallschirmspringer wurde fast von einem Meteoriten getroffen!!einself!

Und das Rudel Ausrufezeichen ist bei dieser Meldung durchaus angebracht, denn wie sensationell diese Nachricht gwesen wäre, ist für uns Laien kaum zu begreifen. Das wäre genau genommen die erste Aufnahme eines Meteoriten gewesen, wie er in der so genannten “Dark Flight”-Phase zu Boden geht. Denn nach dem, was gemeinhin als Sternschnuppe, Meteor, Bolide oder Feuerkugel bezeichnet wird und damit den spektakulärsten Teil eines Meteoritenniederganges darstellt, ist das Anschließende wenig aufsehenerregend. Selbst den gigantischen Tscheljabinsk-Meteoriten letztes Jahr hat keiner wirklich runterkommen sehen. Sobald die Teile nämlich in der Atmosphäre abgebremst wurden, teilweise verglüht (und ggf. explodiert) sind, fallen die Dinger nämlich in aller Regel recht unspektakulär zu Boden – wie stinknormale Steine eben.

Nun hab ich über das aktuelle Ereignis (das eigentlich schon 2012 stattfand, aber unter Verschluss gehalten wurde, um zu forschen) nur im Konjunktiv geschrieben. Anders als das im verlinkten Focus-Video der Fall ist. Warum?

Nun, da kommen wir zur Rolle des Internets bei der ganzen Sache. Kaum dass die Katze aus dem Sack war, verbreitete sich das Video des angeblichen Meteoriten nicht nur viral und über die klassischen Medien, sondern rief natürlich auch jede Menge am Geschehen interessierte Forscher auf den Plan, die sich mit dem Thema gut auskennen. Und binnen weniger Tage waren sich die meisten aufgrund der genannten Fakten und dem Auswerten des Videos einig:

“Nein, so wirklich nach Meteorit sieht das Ganze nicht aus!”

Den in meinen Augen beeindruckendsten Beitrag hat Jan Hattenbach auf seinem englischen Blog SkyLights geschrieben. Hattenbach gesteht selbst ein, nicht die fundierteste wissenschaftliche Begründung zu haben, sondern erklärt auch für Halb-Laien wie mich nachvollziehbar mit simpler Logik, warum es höchstwahrscheinlich einfach nur ein in einem der Fallschirme eingewickelter Stein gewesen war, der den Springer da überholt hat.

Um ein bisschen zu spoilern: Solche Ereignisse sind im Gegensatz zu o.g. Meteoritenfall wahrscheinlicher, der Stein sah nicht aus wie ein Meteorit und außerdem hätte man bei dieser Größe vorher deutlich was sehen und hören müssen …

Der Blogeintrag von Hattenbach ist dennoch ein Lesetipp, denn er verlinkt auch auf allerlei Quellen und hat ein paar Updates mit kritischen Stimmen nachgeliefert.

Und nun? Unentschieden?

Nein. Gerade hab ich vom deutschen Ableger von Hattenbachs Blog erfahren, dass die norwegischen Forscher die Meteoriten-Theorie ebenfalls zurückziehen und verweist dabei auf deren eigenen Blog (wieder englisch), in dem sie – und das ist in meinen Augen wirklich beachtlich heutzutage – zugeben, dass die Theorie, der sie nun jahrelang nachgegangen sind, offensichtlich nicht haltbar ist. Anstatt angepisst über die Kritik zu sein, schreiben sie:

“Are we disappointed? The ultimate prize would be a meteorite, but frankly, we had been faced with a mystery for nearly two years, we went public, and thanks to an incredible crowdsourcing effort the mystery was solved beyond reasonable doubt in just a few days. That’s amazing.
We are tremendously thankful for all those who engaded in this. The creativity has been outstanding and much appreciated.”

– Steinar Midtskogen

Wie Jan Hattenbach habe allerdings auch ich meine Zweifel, ob Medien wie der oben verlinkte Focus auch die Größe besitzen, diese Fehleinschätzung zu korrigieren.

Man könnte den Fall jetzt natürlich zum Rumranten verwenden – auf all die, die das unbestätigte Video mal eben schnell verbreitet haben. Das will ich gar nicht. Ich hab es selbst nur aus Faulheit nicht getan. Mit Falschmeldungen müssen wir heute mehr denn je umzugehen lernen. Interessant hierbei ist doch, dass ein wissenschaftliches Rätsel (Hey, die haben zwei Jahre nach einem Meteoriten am Boden gesucht, das hat die echt beschäftigt!) dank fundierter und konstruktiver Kritik von vielen Seiten binnen kürzester Zeit gelöst worden ist.

Wir alle kennen Trolle, Hater und ggf. manch dunkle Ecken im Netz. Ich dachte, es wäre mal wieder Zeit für ein allumfassendes Positivbeispiel. :)

Und den ersten Dark-Flight-Meteoriten kriegen wir auch irgendwann, da kann man sich sicher sein.

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Zwei-Null-Vier-Acht

Ich muss gestehen, dass auch ich ein wenig spielsüchtig sein kann. Inzwischen tritt das immerhin allenfalls phasenweise auf und betrifft nur “Casual Games”. Übertriebene Sorge ist also nicht angebracht.

2048 ist nun ja mal wirklich wieder so ein Spiel, das beweist, dass bei Spielen manches Mal die Einfachheit dem Spaß keinen Abbruch tut. Denn 2048 ist nun wirklich weit entfernt von dem, was man heute von Spielen erwarten würde. Aber ja, ein bisschen Felder mit Zahlen umherschubsen kann spannend sein – ebenso wie es auch jede Menge tolle Kartenspiele gibt, die mit einem altbekannten Blatt gespielt werden können.

Die interessanten Hintergründe zu 2048 haben mich ehrlich gesagt auch erst gestern erreicht, das Spiel selbst vorgestern. Meine Filterbubble im Netz ist eher politischer und wissenschaftlicher Natur (Hey, für heute wurde eine interessante astronomische Erkenntnis vorhergesagt! Leider ist der Blogeintrag, auf den ich hier verlinken wollte, offenbar nicht mehr da …), da gehen auch große Internetphänomene mal eine Zeit lang an mir vorbei, obwohl ich ein Online-Mensch bin.

Ich bin bei 2048 nicht gut, ganz ehrlich. Ich hab’s nicht so mit Mathe und auch mein Abstraktionsvermögen ist eher in anderen Bereichen gut. 16.548 ist mein bisheriger Highscore und das ist zumindest mal nix gegen Ozie mit ihren 38.020. Auch wenn sie ein paar Tage Vorsprung hat. Und ich hab mich bisher noch nicht getraut, nachzuschlagen, was wirkliche Cracks da so erreichen.

Allen, die bei 2048 – wie ich – versehentlich der Spielsucht verfallen sind, kann ich allerdings eines mitgeben, was ich von Ozie gelernt habe. Denn Ozie ist, wie ich nicht oft genug anmerke, mit Intelligenz und Pragmatik gesegnet, wie ich es nur allzu gerne wäre. Und deswegen vermute ich, das dieses Wissen noch nicht die Runde gemacht hat. Es geht um folgendes:

Das Spiel ist mühsam und mitunter zeitraubend. Man kann das abkürzen. Die ersten 1.000 bis 5.000 Punkte (bis zum ersten 256er oder 512er) dauern mitunter ewig.

Als ich, spielend, Ozie fragte, ob sie es auch schon mal probiert hätte, meinte sie:

“Ja, aber ich spiele es anders als Du.”

Zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch nicht einmal die Chance, auf meinen Bildschirm zu sehen, weil sie dahinter stand. Entsprechend seltsam kam mir das vor. Aber sie hatte Recht.

Ich hatte mich bis dato erst mühsam auf einen Score von 5.000 hochgearbeitet, ich kannte das Spiel erst seit rund einer Stunde. Dann lud Ozie mich ein, ihr an ihrem Rechner zuzusehen. Und was tat sie? Sie tippte blind binnen vielleicht einer Minute auf der Tastatur herum und hatte meinen Highscore beinahe erreicht.

“Die ersten paar tausend Punkte mache ich immer so …”

Gute Spieler wissen, dass es sinnvoll ist, eine der Pfeiltasten möglichst zu vermeiden. Man sammelt hohe Zahlen am besten konzentriert in einer Ecke. Das Tolle ist: Anfangs ist die Wahrscheinlichkeit, die richtigen Moves zu machen, derart hoch, dass der Zufall völlig ausreichend ist, um bei blindem Turbo-Tippen (Wichtig: Nur auf 3 der 4 Tasten!) nicht das Spiel zu verlieren und dennoch irgendwas zwischen 1.000 und 5.000 Punkten zu machen. Und das sind nur meine Erfahrungswerte als Neuling.

Und diese Technik, das muss man mal ganz ehrlich sagen, nimmt dem Spiel seine Gefährlichkeit als Zeitfresser enorm. Und dann isses ja doch auch irgendwie wieder ok. :)

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Spät und damit nie

Manchmal denke ich lange darüber nach, ob ich zu einem Thema etwas schreiben soll. Und nicht selten passiert es, dass der zu schreibende Text dann nie erscheint, weil gefühlt schon jeder etwas zum Thema geschrieben hat und ich sehe, dass dem nichts mehr hinzuzufügen ist. Das ist eigentlich auch hier der Fall, aber hier habe ich wenigstens schöne Texte zu verlinken.

Es geht um die wohl bald sprichwörtlich miese Rede der Autorin Sibylle Lewitscharoff, in der sie die Welt wissen ließ, dass sie sich vor Kindern ekelt, wenn diese nicht auf die von ihr präferierte Art (ja, der von ihr und allen Christen so geliebte Geschlechtsverkehr) gezeugt wurden.
Und nebenbei geht es natürlich auch um einen Herr Mattussek, der ganz dolle stolz ist, dass er noch so aufrecht homophob ist in dieser schlechten Welt.

Dazu jedenfalls von meiner Seite aus drei Lesetipps (in denen ihr dann auch interessante weiterführende Links, u.a. zu den originalen Artikeln, findet.

1. Anatol Stefanowitsch – Unbehagen und Menschenfeindlichkeit

Stefanowitsch identifiziert nicht nur ein Roll-Back des deutschen Feuilletons, sondern diagnostiziert diesem auch eine Gefährlichkeit, weil durch die Konzentration auf die Gefühle der Autoren eine argumentative Lücke geschaffen wird, die Gegenargumente ins Leere laufen lässt. Quasi: Ich weiß ja, dass ich falsch liege, aber an meinem Ekel ändert das halt nix und das muss ich sagen dürfen.

2. Harald Stücker – Echte Menschen?

Stücker greift Lewitscharoffs Unterscheidung in echte und nicht so wirklich echte Menschen auf und fragt, ob eine derartige Entscheidung überhaupt sinnvoll ist oder in Zukunft noch sein sollte.

3. Cornelius Courts – Natürlich böse

Courts schreibt wie immer den Artikel zur Rolle der Religion in den Weltbildern der o.g. Leute, den ich gerne geschrieben hätte und bringt – ebenso wie Stücker teilweise – deutlich zur Sprache, dass sich Religion und Menschenrechte allenfalls zufällig überschneiden und bleibt bei seiner Feststellung, tatsächlich wohne der Religion eher eine “Kraft zum Bösen” inne.

Ich habe mich über alle drei Artikel sehr gefreut, sie enthalten wie eingangs erwähnt einige erhellende Links und werfen hier und da noch ein anderes Licht auf dieses oder jenes, auch wenn man die vielen “Großen” dazu schon gelesen hat.

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400 Minuten

Einmal will ich nicht hinterher sein!

“Orphan Black” ist eine Serie, die ich durch Ozie kennengelernt habe. Großartiges Mystery-Science-Fiction-Drama. Oder so in der Art. Großartig stimmt jedenfalls. Gibt es leider noch nicht auf deutsch, dementsprechend muss ich wohl meine illegalen Bezugsquellen eingestehen. Und ich schäme mich dafür nicht, so lange ich keine Chance habe, das jetzt legal zu sehen.

Aber im Ernst: Sollte das demnächst  ins Fernsehen kommen (oder solltet Ihr ähnlich kriminell sein wie ich), dann zieht Euch das rein! Ich hab die komplette erste Staffel ungelogen in den letzten 12 Stunden angesehen – ja, erraten: es waren rund 400 Minuten! Geht kaum anders, ehrlich. Und das, obwohl ich noch immer denke, zu schlecht englisch zu können, um Serien im Original zu sehen …

And don’t say the C-word. ;)

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Stell Dir vor, es ist Krieg

… und keiner überträgt in ihm Fernsehen.

Es ist schon eine sonderbare Welt, in der wir leben. Viele werden es vielleicht (wie ich auch) ein bisschen verdrängt haben, aber in der Ukraine tobt ein ernstzunehmender Aufstand, seit gestern ist die Lage dort eskaliert. Die Innenstadt von Kiew ist in Flammenrot getaucht, die Kämpfe zwischen Polizei und Demonstranten kosteten mittlerweile mehrere Leben. Dass uns das nur leidlich interessiert, ist irgendwie ja nachvollziehbar. Schließlich haben wir eigene Probleme und weltweit gibt es so viel Krieg und Ärger, da ist das nur eine Meldung von vielen.

Aber so weit weg ist das nicht. Nicht geografisch, nicht politisch. Kiew liegt näher an Berlin als Rom, nur Polen trennt Deutschland von der ehemaligen Sowjetrepublik. Und nicht nur, dass die Ukraine ein Beitrittskandidat für die EU ist – ausgerechnet daran entzündeten sich im November jene Proteste, die nun wohl einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Und auch wenn es oberflächlich eindeutig darum geht, einen ungeliebten Präsidenten loszuwerden, ist die politische Lage dort alles andere als überschaubar. Dass an den Protesten neben liberalen Bewegungen auch ultrarechte Nationalisten teilnehmen, ist wohl ein Zeichen dafür, dass das alles nicht mal so eben in einem dreiminütigen Nachrichteneinspieler erklärt werden kann. Und so bleibt vorerst ein etwas verstörender Eindruck von einer Straßenschlacht, bei der Sondereinsatzkommandos mit scharfen Waffen auf die eigene Bevölkerung zielen, Panzer, Barrikaden, und ja: eine Hauptstadt brennen und neben irgendwelchen Nazis ein u.a. in Deutschland zu Ehren gekommener Profi-Boxer zum Widerstand aufruft. Und das alles 1200 km Luftlinie von hier entfernt.

Und im deutschen Fernsehen läuft eine Karnevalssendung.

Ich verstehe, dass eine Prioritätensetzung auch im Journalismus schwierig ist. Aber während gelegentlich Brennpunkte zum Wintereinbruch (Schnee, schon im Dezember!) gesendet werden, ist das gestern ausgeblieben. Um 17 Uhr MEZ wurde die gewaltsame Räumung des  Majdan Nesaleschnosti zu 18 Uhr angekündigt, sollten die zigtausend Demonstranten nicht ihre Zelte abreißen und heimgehen. Eine angekündigte Eskalation. Bei Twitter war das nach Minuten Thema, eine Liveberichts-Timeline war schnell zusammengeklickt. Nicht mal an Bildmaterial fehlte es, mehrere Livestreams laufen teils bis jetzt (Ich hab meist den hier laufen, dazu muss man allerdings Youtube ein wenig austricksen).
Als die Räumung etwa 5 Minuten im Gange war, schaltete ich zufällig beim ZDF vorbei, wo das Thema immerhin kurz angerissen wurde. Während auf meinem Computermonitor zu sehen war, wie Barrikaden angezündet wurden, um Räumpanzer zu behindern, schaltete man auf dem Fernseher zu einer Korrespondentin in Moskau (WTF?), die sich in Allgemeinplätzen erging, wie beispielsweise, dass das Ankündigen der Räumung ja durchaus auch eine leere Drohung gewesen sein könnte und man ja nicht wissen könnte, ob da jetzt wirklich was passiert.

Das ist alles noch neu, ich weiß. Ich erinnere mich an eine Situation in der Grundschule – also irgendwann so um 1988 herum – als meine Klassenlehrerin sichtlich beeindruckt berichtete, wie ein Nachrichtensprecher irgendwelche Neuigkeiten vom anderen Ende der Welt berichtet hätte, die gerade mal ein paar Minuten alt sind. Damals ist man mit uns noch ins Kommunikationsmuseum gegangen und hat Rohrpostsysteme und Bildtelefone als Technik der Zukunft gezeigt.

Und nun saß ich gestern da und konnte nicht fassen, dass ich die Nachrichtensprecher anbrüllen wollte, dass sie doch längst räumen.

“Seht Ihr das denn nicht!? Wo seid Ihr, um vielleicht wenigstens die Kampfrede von Klitschko zu übersetzen?”

Ich weiß, es ist eine schwere Zeit für Journalisten. Alles ist hektischer und zudem verlieren sie oft genug sogar die jahrzehnte-, ja jahrhundertelang gewohnte Deutungshoheit über Ereignisse. Ich zolle wirklich jedem Respekt, der sich an dieser schweren Aufgabe versucht und ich verzeihe Fehler dabei großzügig, wenn erkennbar ist, dass sie den Umständen geschuldet sind. Aber dass ich Gebühren zahle, damit über einen eventuell ausbrechenden Bürgerkrieg zur aktuellen Stunde unweit von hier eine einsame Tickermeldung unter einer Tiersendung über Flusspferde eingeblendet wird, während ich im Netz von Freiwilligen unendlich mehr Informationen bekomme, lässt mich an meinem Verstand zweifeln.

PS: Online gab es natürlich irgendwann auch Live-Ticker. Aber dass die Tagesschau, als mutmaßlich führendes Nachrichtenmedium, selbst online nur einen unkommentierten Stream von Reuters einzubinden wusste, hat nun auch nicht viel verbessert.

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Rudeltiere

Am meisten (naja, fast) hab ich mich auf das Erscheinen des Stern-Interviews gefreut, weil eine Erwähnung in den “klassischen” Medien normalerweise neue Journalisten anzieht. Denn die sind Rudeltiere. Und hey, viele Leute würden für die mehrfachen 15 Minuten Ruhm, die mir angeboten werden, alles tun. Da kann ich ja wenigstens mal zuhören bei den Vorschlägen.

Dabei tue ich ganz gewiss nicht alles. Nach wie vor schließe ich eine Zusammenarbeit mit Springer kategorisch aus, überdies hab ich einfach keinen Bock auf Fernsehen. Inzwischen kann ich damit umgehen, dass ich bei jedem Interview fotografiert werde, aber selbst das mag ich nicht besonders. Wobei ich allen Fotograf/innen bisher Respekt zollen muss: es hat am Ende immer Spaß gemacht und mit den Ergebnissen war ich auch (mal mehr, mal weniger – aber immerhin) zufrieden. Dennoch: Zumindest vorerst kein Fernsehen!

Das Ganze hab ich bei GNIT auch geschrieben, leider wohl zu gut versteckt. In meinem Text für Journalisten steht all das haargenau so drin.

Und? Was kamen jetzt für Anfragen? Genau: Zweimal Fernsehen. Das zweite Mal sogar unter Einbezug eines weiteren Ausschluss-Kriteriums: Sie wollten mich im Taxi eine Nacht lang begleiten. Ihr könnt mich ruhig für übertrieben anspruchsvoll halten, aber ich sehe den Sinn des Ganzen nicht. Mich stresst es ungemein und kein Kunde wird jemals vor laufender Kamera auch nur halb so interessant sein wie ohne. So sehr mich solche Reportagen als Zuschauer reizen würden, als Protagonist stelle ich mir das öde bis ätzend vor.

Anfrage 1 war immerhin reichweitenmäßig rekordverdächtig: Das Sat1-Frühstücksfernsehen. Hui! Trotzdem bäh!

Und zweiteres wäre wohl für ZDF Neo gewesen. Weiß ich auch erst seit eben. Anschreiben tun einen ja immer nur die Produktionsfirmen und deren Namen kann ja keiner zuordnen.
Lustig daran war vor allem: Auf die erste Mail hab ich eine Absage geschrieben. Sorry, kein Interesse plus Füllfloskeln. Was dann geschah, ist erstaunlich. Nicht nur wurde mir nun ungefragt der Sender genannt, für den produziert wird, nein! Plötzlich wurde auch ein Honorar in Aussicht gestellt (was bei der ersten Mail sicher nur bedauerlicherweise vergessen wurde).

Sieh an.

In erster Linie ärgert mich das. Denn wie viele Leute bringen hier sich und ihren “Content” ein, ohne zu ahnen, dass sie das bezahlt bekämen? Und ja: als Blogger und Autor weiß ich mehr als andere, dass “Aufmerksamkeit” auch geldwert ist. Ist nur leider etwas unberechenbarer als ein Honorar.
In zweiter Linie freut es mich persönlich. Bin ich doch offenbar weiter als 2012, als man mir noch Joko Winterscheidt ins Taxi setzen wollte, ohne mir auch nur die Tour zu bezahlen. :)

Deshalb auch heute, 2014 noch einmal: Es ist toll, bei den “klassischen” Medien zu landen. Da gibt es interessante Menschen zu treffen und interessante Erfahrungen zu machen. Aber eben nicht überall …

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