Produktivität

An sich bin ich ja zufrieden. Ich mag mein Leben, die Nächte in denen es stattfindet und komme sogar damit klar, dass ich – mit den höchsten Verdiensterwartungen zu einer Zeit, wo man sich am ehesten mit Freunden treffen könnte – gelegentlich die Arbeit dem sozialen Leben vorziehen muss, bzw. sollte.

Und doch streift mich manchmal das Gefühl, trotz des ein oder anderen Luxus‘ einfach nicht produktiv genug zu sein. Ja, ich schreibe gerade ein Buch. Aber obwohl ich gut in der Zeit liege, wollte ich ursprünglich heute schon lange fertig sein damit. Ja, ich hab heute 5 ganze Seiten geschrieben (neben einer Menge anderem Zeug wie Kommentaren und Mails), aber ich weiß doch, dass ich auch locker 10 hätte schaffen können. Und das, obwohl nicht wenige da draußen es schon beeindruckend finden, dass ich im Durchschnitt täglich mehr als einen Blogeintrag schreibe.

Mehrheitlich bin ich damit sehr zufrieden, aber es gibt sie, die Stunden, in denen ich nur daran denken kann, was ich heute wieder alles nicht geschafft habe. Und das ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Problem, mit dem ich nicht alleine bin. Auch wenn meine Umstände vielleicht nicht dem allgemeinen Standard entsprechen.

Im Grunde bin ich selbständig. Arbeitsmäßig. Beim Taxifahren genieße ich einige Vorteile, die nur Angestellten zuteil werden, im Großen und Ganzen aber obliegt es mir, wann ich wo wie viel Geld verdiene. Beim Schreiben sowieso. Ich will nicht meckern, ich hab es mir schließlich so ausgesucht. Und ich weiß die Vorteile zu schätzen. Diese unschönen Gedanken über die eigene Produktivität sind jedoch ebenso Teil des Ganzen. Selbständig und damit eigenverantwortlich unterwegs zu sein bedeutet eben auch, dass man immer noch hätte mehr tun können. Egal, ob das noch menschenmöglich ist oder nicht. Fünf geschriebene – und dabei dreimal redigierte und zehnfach gelesene – Seiten eines Buches sind ja nicht schlecht. Ein Blogeintrag, 15 Kommentare und einige Mails noch gar nicht mitgerechnet.

Dafür werden einige Leute in entsprechenden Unternehmen vergleichsweise fürstlich entlohnt.

Während ich mir denke, dass ich doch besser zwei Blogeinträge geschrieben hätte und wenigstens sieben Seiten fürs Buch. Aber ja: bloggen mit offenen Kommentaren und ohne ein Team dahinter bedeutet auch, nie Wochenende zu haben. Und das geht in heißen Phasen (gerade: die Uber-Debatte bei GNIT) spürbar auf Kosten der inneren Ausgeglichenheit.

Wie gesagt: ich will nicht jammern. Im Gegensatz zu den meisten Menschen habe ich zum Beispiel ein recht gutes Verhältnis zu meinem Wecker. Ausschlafen kann ich fast immer. Aber momentan ist das anstrengend und auslaugend, denn eine Stunde Schlaf kostet eine Stunde Arbeitszeit. Auch wenn ich viel davon damit verbringe, genau hier, vor meinem Rechner, zu sitzen und mich durch die bunte Welt des Internets zu klicken.

Stress ist eine miese Droge. Egal, ob man sie verabreicht bekommt oder selbst nimmt: man sollte vorsichtig damit sein!

Ich werde mich jetzt erst einmal zurücklehnen. Noch ein Bier trinken und mir vielleicht ein paar lustige Videos bei Youtube ansehen. So tun, als hätte ich Wochenende. Vielleicht – aber nur vielleicht – auch mal die Kommentare Kommentare sein lassen, bevor ich sie heute Abend beantworte.

Am Ende ist es dann nämlich doch genau das, was mich morgen wieder produktiver sein lässt als heute.

Wobei? Nein, vielleicht blogge ich besser noch was bei GNIT …

5 Comments

Filed under Haushalt, Medien, Vermischtes

5 Responses to Produktivität

  1. Naja,
    wenn du sowieso erst heute abend antwortest, kann ich ja noch ne Menge schreiben 😉

    Selbstständigkeit hat mindestens 2 Seiten. Sie hat aber den Vorteil, dass man sie (meist) wählt. Weil es das für einen geeignetere Modell ist. Oder wie bei dir (und bei mir angestrebt) eine Mischung aus beidem. So dass man noch mehr Vorteile genießen kann.

    Dass natürlich auch die Nachteile zunehmen, bleibt nicht aus. Dabei ist dann jedoch die Frage, ist das alles so ausgeglichen, dass ich die Nachteile problemlos akzeptieren und händeln kann. Oder ärgere ich mich jedesmal (nur) über die Nachteile. Dann sollte ich etwas am Modell korrigieren – und ggf. ganz auf die Selbstständigkeit verzichten.

    Ich liebe sie – ungeahnte Freiheiten tun sich auf. Und ja, natürlich auch ne Menge Verantwortung. Für die eigenen Versicherungen, Steuern/Buchhaltung etc. Das kann auch alles nerven. Aber der Umfang ist eher gering, die Freiheiten wiegen das allemal aus. Und ich bin der Meinung, man denkt anders. Freier.

  2. @ednong:
    Da hast Du absolut recht. Und deswegen hab ich auch nicht zu laut jammern wollen. Aber es halt mal anmerken. Weil’s eben auch ein Teil des Ganzen ist, den man gerne auch mal vor sich selbst verleugnet.
    Ich bin sicher noch nicht an einem Punkt, wo ich das Modell selbst in Frage stellen muss oder auch nur will. Aber ein paar Tage in letzter Zeit waren doch sehr anstrengend und ohne allzu viel Ausgleich.

  3. elder taxidriver

    Fünf Seiten pro Tag sind fast überproduktiv. Die Schriftsteller die mir gerade so einfallen, schreiben übers Jahr und übers Gesamtwerk gerechnet eine Seite pro Tag. Außer Simenon. Der hat sich hingesetzt, nicht gegessen und nach drei Tagen oder so, war seine Wäsche durchgeschwitzt und 1 Roman war auch fertig.

  4. @elder taxidriver:
    Das mit der einen Seite pro Tag ist ja auch schon zum geflügelten Wort geworden. Aber in die Statistik fallen am Ende halt auch viele Tage mit 0 Seiten.

  5. Di darfst dich da nicht allzusehr unter Druck setzen. Ich schaffe auch nie das was Ich mir vornehme, hab mich aber damit abgefunden. Es kommen auch wieder bessere Zeiten.

    Immer schön Eines nach dem Anderen. Nur keine Hektik!

    Grüße aus Dresden

    Philipp

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.