Rudeltiere

Am meisten (naja, fast) hab ich mich auf das Erscheinen des Stern-Interviews gefreut, weil eine Erwähnung in den „klassischen“ Medien normalerweise neue Journalisten anzieht. Denn die sind Rudeltiere. Und hey, viele Leute würden für die mehrfachen 15 Minuten Ruhm, die mir angeboten werden, alles tun. Da kann ich ja wenigstens mal zuhören bei den Vorschlägen.

Dabei tue ich ganz gewiss nicht alles. Nach wie vor schließe ich eine Zusammenarbeit mit Springer kategorisch aus, überdies hab ich einfach keinen Bock auf Fernsehen. Inzwischen kann ich damit umgehen, dass ich bei jedem Interview fotografiert werde, aber selbst das mag ich nicht besonders. Wobei ich allen Fotograf/innen bisher Respekt zollen muss: es hat am Ende immer Spaß gemacht und mit den Ergebnissen war ich auch (mal mehr, mal weniger – aber immerhin) zufrieden. Dennoch: Zumindest vorerst kein Fernsehen!

Das Ganze hab ich bei GNIT auch geschrieben, leider wohl zu gut versteckt. In meinem Text für Journalisten steht all das haargenau so drin.

Und? Was kamen jetzt für Anfragen? Genau: Zweimal Fernsehen. Das zweite Mal sogar unter Einbezug eines weiteren Ausschluss-Kriteriums: Sie wollten mich im Taxi eine Nacht lang begleiten. Ihr könnt mich ruhig für übertrieben anspruchsvoll halten, aber ich sehe den Sinn des Ganzen nicht. Mich stresst es ungemein und kein Kunde wird jemals vor laufender Kamera auch nur halb so interessant sein wie ohne. So sehr mich solche Reportagen als Zuschauer reizen würden, als Protagonist stelle ich mir das öde bis ätzend vor.

Anfrage 1 war immerhin reichweitenmäßig rekordverdächtig: Das Sat1-Frühstücksfernsehen. Hui! Trotzdem bäh!

Und zweiteres wäre wohl für ZDF Neo gewesen. Weiß ich auch erst seit eben. Anschreiben tun einen ja immer nur die Produktionsfirmen und deren Namen kann ja keiner zuordnen.
Lustig daran war vor allem: Auf die erste Mail hab ich eine Absage geschrieben. Sorry, kein Interesse plus Füllfloskeln. Was dann geschah, ist erstaunlich. Nicht nur wurde mir nun ungefragt der Sender genannt, für den produziert wird, nein! Plötzlich wurde auch ein Honorar in Aussicht gestellt (was bei der ersten Mail sicher nur bedauerlicherweise vergessen wurde).

Sieh an.

In erster Linie ärgert mich das. Denn wie viele Leute bringen hier sich und ihren „Content“ ein, ohne zu ahnen, dass sie das bezahlt bekämen? Und ja: als Blogger und Autor weiß ich mehr als andere, dass „Aufmerksamkeit“ auch geldwert ist. Ist nur leider etwas unberechenbarer als ein Honorar.
In zweiter Linie freut es mich persönlich. Bin ich doch offenbar weiter als 2012, als man mir noch Joko Winterscheidt ins Taxi setzen wollte, ohne mir auch nur die Tour zu bezahlen. 🙂

Deshalb auch heute, 2014 noch einmal: Es ist toll, bei den „klassischen“ Medien zu landen. Da gibt es interessante Menschen zu treffen und interessante Erfahrungen zu machen. Aber eben nicht überall …

12 Comments

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12 Responses to Rudeltiere

  1. Jaja, das tolle Fernsehen. Dort herrscht in vielen Produktionsfirmen (aka Praktikanten-Schrupper) noch vielfach die Meinung, man würde Otto-Super-Verbraucher (normal sind ja, die die NUR vor der Kiste, nicht da drin sitzen), einen Gefallen damit tun, sie ins Programm zu hieven.

    Wichtige Regeln:
    Wenn man sicher gehen will, nie mehr von den Leuten zu hören, ein absolut unverschämtes Stundenhonorar (inklusive An- und Abreisezeit, falls erforderlich) von min. 500€/h ankündigen.
    Vertragsstrafe von 10.000.000€ für den Fall vereinbaren, dass man den Beitrag, der gesendet werden soll, nicht schriftlich abgesegnet hat.

    Das sollten recht wirksame Maßnahmen sein, wenn man nicht ins TV will, ohne dass man sich lange über Sinn und Zweck der Sendungen unterhalten muss.

  2. donner-littchen

    Hallo Sash,
    das Interview im Stern finde ich (einschließlich Foto) sehr gelungen.

    Schade, das es dich nicht im Fernsehen geben wird. Wäre für mich mal ein Grund gewesen das Dschungelcamp zu guggen :-))

    Druß aus DD

  3. donner-littchen

    Grüsse sollten es sein 🙂

  4. Wahlberliner

    Hmm, was spricht denn dagegen, die Fernsehcrew zum normalen Taxitarif eine Nacht lang herumzukutschieren, und dann eben die Fahrgäste mal eine Nacht lang umsonst zu befördern? OK, „Großraum“ ist die Taxe dann nicht mehr, aber das sollte ja mitunter mal zu verschmerzen sein für eine Nacht…
    😉

  5. Wahlberliner

    (Oder lassen sich Uhr und Fackel nicht getrennt voneinander schalten?)

  6. Arno.nyhm

    Das mit dem angemessenen stundensatz ist ne gute idee.

    Wobei mir der stundensatz für nen promi wie sash noch etwas zu gering erscheint. Da solltest du den noch einiges nach oben amgepassen…

  7. Wahlberliner

    @Arno.nyhm: Ich meinte nicht den Taxi-Stundensatz, sondern den normalen Taxitarif, also auch die Kilometer.

  8. Martin

    Ich habe das geahnt. Jetzt bist du schon bei „Zumindest vorerst kein Fernsehen“. Bin gespannt, wie lange du durchhalten kannst. Tja, wenn das verdammte Geld nicht so wichtig wäre…

  9. zdf neo ist aber wirklich toll! da ist schließlich jan böhmermann 😉

  10. Flossensauger

    ZDF Neo würd‘ ich voll machen. Sasch, du weisst gar nicht so genau, was da überhaupt läuft? Fernsehen 2014? Mach das! Und lass‘ die da ordentlich Kohle jucken.

  11. @Martin:
    Man soll ja bekanntlich niemals nie sagen. 😉

    @Mausflaus:
    Da sage ich ja nix dagegen. 🙂

    @Flossensauger:
    Ja, äh. Mercedes baut z.B. tolle Autos. Ich will da trotzdem nicht für einen Tag hin, um mal mitzubasteln. Fernsehen ist bislang einfach nichts für mich. Vielleicht entscheide ich mal anders, sei es wegen einer Gage oder wegen einer Sendung, die mir echt am Herzen liegt. Aber vorerst ist das für mich einfach nur uninteressant.

  12. Ben

    @Martin: Wenn dir das Geld nicht so wichtig ist, dann gib mir doch bitte dein Geld.

    Sash, ich finde das alles cool. Mach weiter 🙂

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