Tipps für einen Abenteuer-Umzug

Umzüge sind jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung. Fast egal, wie sie im Detail ablaufen, es ist immer ein großer Schritt, oft ein Start in einen neuen Lebensabschnitt und meist ein recht komplizierter logistischer Vorgang. Da ich erst kürzlich wieder einem beeindruckenden Umzug beiwohnen durfte, dachte ich, ich stelle mal kurz die wichtigsten Punkte vor, damit so ein Umzug am Ende nicht doch zu langweilig wird. Diese Liste basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen als Umziehender, Umzugshelfer und sogar Aushilfe in einer Umzugsfirma. Dennoch ist sie natürlich unvollständig und darf in den Kommentaren ergänzt werden.

Vorbereitungen

  • Grundsätzlich macht jede Planung den Umzug langweilig. Verzichte weitestgehend darauf, gehe nur auf Punkte ein, die wertvolle Freundschaften direkt zerstören könnten.
  • Mache den Termin spontan aus und lege ihn auf Tage, an denen alle beweisen können, wie wichtig du ihnen bist, wenn sie dir helfen: Den Hochzeitstermin des besten Freundes, Weihnachten, das Weltmeisterschaftsfinale etc.
  • Plane ungefähr 6 Tage dafür ein, ohne genau festzulegen, wann die Hauptaufgaben anstehen. Alleine die unterhaltsamen Mailwechsel sind diese Ungenauigkeiten wert.
  • Schätze die Größe der neuen Wohnung und der darin unterzubringenden Möbel anhand beliebter Techniken wie Raten, Hoffen, Abschätzen oder – gut geeignet für religiöse Menschen – Wissen ein. Denn natürlich passt das! Würde man sonst umziehen?
  • Besorge frühzeitig Behältnisse, um den Hausrat zu verstauen. Wähle im Hinblick auf die Stapelbarkeit insbesondere verschiedene Größen von Kartons, überwiegend aber Tüten, Seesäcke, Blumentöpfe und Tonnen.
  • Beschrifte die Kartons eindeutig mit Kürzeln wie Zi.1,St.3,rlhv03 Stapel 6. Alternativ: Merke dir den Inhalt aller Kartons.
  • Verstaue die Dinge in praktisch zu tragenden Einheiten: Die LP-/CD-/DVD-Sammlung passt am besten in die großen Kartons, Bettwäsche transportiert man schon der Größe wegen lose oder in kleinen Beutelchen (ohne Schlaufe bitte!).

Am großen Tag

1. wenn man ein Unternehmen beauftragt

  • Begrüße die Arbeiter mit einem freundlichen „Was machen sie denn, das geht da ja nie rein!?“
  • Erwarte einen realistischen Arbeitseinsatz der Transporteure: Sie sollten so schnell als möglich ohne lästigen Smalltalk selbstverantwortlich mit der notwendigen Vorsicht den Umzug machen, dabei allerdings ruhig bleiben, sich öfter mal eine Pause gönnen, einen nett behandeln, auf die vorgebrachten Wünsche Rücksicht nehmen und um Gottes Willen keine Hektik machen. Bei Abweichungen davon kürze den Preis.
  • Dinge, an denen dein Herzblut hängt (Pflanzen, Haustiere, Computer, Konzertflügel und Kachelöfen) werden selbstverständlich auch bei Hinzuziehung von Profis nur echten Freunden anvertraut.
  • Bemitleide die Angestellten ob ihrer schlechten Bezahlung und des schweren Plunders, den du sie herumtragen lässt. Lautstark.
  • Lege keine Reihe der anzufahrenden Punkte fest, ärgere dich aber über jede Nichteinhaltung.
  • Mache keine Zeit für den Feierabend aus, ärgere dich aber, wenn es länger dauert, als du es dir vor ein paar Monaten auf dem Klo ausgedacht hast.
  • Fange zwischen den umhereilenden Trägern mit Putzen an – ohne Rücksicht auf Verluste!
  • Bestehe darauf, dass die Porzellanvase als erstes eingeladen wird, weil man sie als erstes in der neuen Wohnung wieder benötigt.

2. wenn man den Umzug mit Freunden macht

  • Begrüße deine noch besten Freunde mit „Habt ihr Tüten dabei, meine reichen nicht!“
  • Kalkuliere überschlagsmäßig damit, dass ein Mensch etwa 50 Kisten pro Stunde ins Auto schaffen kann. Tipp: Wer kleiner ist, kann eine Kiste mehr unter der Tür durchtragen, hier liegt der Wert bei 100.
  • „Haben wir früher immer so gemacht!“ ist ein legitimes Argument bei allen Zweifeln.
  • Dirigiere den Transport von Flügeln, Klavieren und Schrankwänden durch enge Altbautreppenhäuser vom ersten in den siebten Stock mit hilfreichen Zwischenrufen wie „Einfach übers Geländer!“
  • Gestalte die Beladung als Erlebnisworkshop in angewandter Physik: Komprimiere die Volumen unkomprimierbarer Stoffe, arbeite aktiv an der Schwerpunktverlagerung des Umzugswagens zum Fahrzeughimmel hin und lerne anhand weit über das Auto hinaushängender Ladung lustige neue Effekte beim Kurvenfahren und Einparken kennen.
  • Arbeite getreu dem Grundsatz von Karl dem Kopflosen: „Ladungssicherung ist, wenn es im Stillstand ohne es anzutippen nicht tödlich ist.“
  • Wenn die Zeit knapp wird, gilt: „Erstmal einen bauen, dann schau’n wir mal…“

Wer alle diese Punkte beachtet, sollte weit mehr Spaß an Umzügen haben, als es ohnehin der Fall ist. 😉

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