Monthly Archives: November 2008

Die Welt, einfach wie bei Wagner…

Franz Josef Wagner, mein persönlicher Liebling bei der Bild, richtet seinen aktuellen Brief an – eher weniger aktuell – Mahatma Gandhi. Seine Verarbeitung der Geschehnisse in Bombay besteht aus einem Text, der Gandhi mitteilt, dass er mit seiner Einstellung als erster draufgegangen wäre in der bösen heutigen Welt. Dass es etwas schwer wird, ausgerasteten Psychopathen mit einem weisen Lächeln zu begegnen, das glaube ich auch. Interessant ist seine Argumentation dann aber doch:

“Die Terroristen von heute verstehen die Sprache der Liebe nicht, die Sprache von Jesus, die Sprache Gandhis.”

Das ist witzigerweise doch genau die Argumentation, die Terroristen verwenden, um ihre Taten zu rechtfertigen:

“Anders verstehen die das ja nicht…”

Ich gebe zu, dass ich für mich persönlich ein bisschen ein Problem mit der Gewaltfrage habe, aber man sollte vielleicht zu bedenken geben, dass Wagner inzwischen offenbar Gewalt als Allheilmittel sieht. Zumindest, wenn es um die Dinge geht, die ihn nerven.

Manchmal frage ich mich, was es eigentlich für ein Gefühl ist, der Evolution ständig nur von außen zuzusehen…

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Attvend!

Erster Advent ist nun also. Juhu!? Ich weiss nicht. Das Beste an Adventssonntagen ist für mich die erhöhte Versorgungsbereitschaft unserer ortsansässigen Supermärkte. Nach einem TV-Beitrag auf Phoenix heute habe ich allerdings eher mal wieder Lust auf ordentliches Containern. Bei unseren Märkten um die Ecke ist das allerdings nicht drin, da der Müll dort soweit ich weiss gut weggeschlossen ist.

Jetzt werden die ganzen Leser von Overblog wahrscheinlich wirklich aus den Latschen kippen, und fragen, ob der Sash sich wirklich gerne Essen aus dem Müll holen will. Ja! Und ich hab es auch schon gemacht! Containern ist in der Tat eine hervorragende Art, an Lebensmittel zu kommen. Die Tatsache, dass es umsonst ist, heisst noch lange nicht, dass man zwingend am Hungertuch nagen muss, um es zu tun. In erster Linie sehe auch ich das als politische Aktion, da es natürlich Ausgaben verhindert, und damit die Einnahmen von den Supermärkten, die sich das Wegwerfen von Lebensmitteln erlauben. Wer jetzt glaubt, dass ich davon rede, verschimmeltes Obst aus Müllcontainern zu fischen, der irrt. Supermärkte schmeißen in der heutigen Zeit so sinnlos viel Zeug raus, dass einem eigentlich die Augen tränen müssen, wenn man daran denkt, wie absurd das ist, und wo das Essen, oder vielleicht auch das Geld zum kaufen desselben fehlt. Wie die Märkte das genau im Einzelnen halten, das weiss ich auch nicht zu sagen, aber manchmal scheint als Grund wirklich ausreichend zu sein, dass das Haltbarkeitsdatum in einem oder zwei Monaten (!) abläuft. Bei den im Winter mitunter vorherrschenden Temperaturen kommt es noch dazu zu keiner Unterbrechung der Kühlkette, was bedeutet, dass insbesondere gut verpackte Tiefkühlwaren fabrikfrisch auch aus ansonsten unwirtlichen Containern gezogen werden können. So haben wir in der alten WG an einem Abend mal Shrimps im Einkaufswert von über 40 € essen können, einfach weil sie ein paar Wochen später schlecht hätten werden können.

Ich kann hier schlecht zum Containern aufrufen, da es sich rechtlich – so absurd das sein mag – um Diebstahl handelt. Moralisch verwerflich sollte es aber eigentlich niemand finden, da wir hier definitiv von Müll reden. Das heisst: Mit diesem “Diebstahl” entlastet man nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern auch noch die Umwelt, weil das Zeug nicht unsinnig verbrannt wird. Wer schon einmal containert hat, der weiss es – aber auch für die Skeptiker: Man kann zwar Pech haben, aber es gibt Container, bei denen man nicht im Verdorbenen fischen muss. Mitunter sind ganze Müllcontainer fast ausnahmslos mit noch zum Verzehr geeigneten Waren gefüllt. Original verpackte, das Haltbarkeitsdatum noch lange nicht überschrittene Lebensmittel. In Mengen, die man als Einzelperson nicht zu tragen vermag!

Wenn jemandem die Gefahr zu hoch ist – ok! Aber bei der Frage, ob man sich dafür nicht zu fein ist, sollte man sich echt nicht aufhalten. Denn oftmals ist der Müll auch noch gut sortiert, und man braucht die Tiefkühlware auch nicht unter den Fischen vom Vortag hervorkramen, sondern kann sich aus einem Arrangement von normalen Verpackungen das raussuchen, was einem gerade beliebt.

Ich hab nur das Gefühl, dass wir hier einen schlechten Ort zum Containern haben. Naja, ich werde es noch rausfinden.

Nochmal knackig zusammengefasst: Ich bin ein ausgesprochener Freund des Containerns, wenngleich ich lange nicht dazu gekommen bin. Ich betrachte das nicht als abzuwertendes Verhalten, sondern als eine gezielte, Ressourcen schonende politische Aktion, die netterweise dem Geldbeutel einiges ersparen kann.

Ich wäre natürlich interessiert an Meinungen, auch wenn ich vermute, hier mal wieder ein Tabu gebrochen zu haben!

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Kurz

Ebenso wie die Überschrift kurz ist, sind es nun auch meine Haare wieder. Gesunder Status für mein derzeitiges Empfinden: Bart am Kinn länger als Haare auf dem Kopf. Ozie war so gnädig, und hat mir diese heute geschoren, damit ich auf meine Kunden wenigstens nicht den allerschlimmsten Eindruck mache. Ich glaube, ich muss mir noch ein vertrauenserweckendes Lächeln zulegen, da ich irgendwie die Befürchtung habe, der erste Eindruck von meiner Person täuscht und wird nicht zwingend sehr sympathisch bewertet.

Im Grunde glaube ich schon, dass mein Aussehen stark dazu beigetragen hat, dass ich das letzte Jahrzehnt nur einen einzigen böse gemeinten Schlag habe einstecken müssen. Und das war einer Seitens der Polizei, die brauchen da auch nicht so viel Angst zu haben.

Ich hab schonmal erwähnt, dass ich mit 2,03 Metern Größe eine recht imposante Erscheinung bin. Die 50 kg Übergewicht verteilen sich zwar unter der Kleidung “relativ gut”, aber sie tragen natürlich auch dazu bei, dass ich nicht wirklich als harmloser Hänfling wirke. Das Übrige tut dann der Bart. Meinen Musikgeschmack erkennt man sofort, auch wenn meine Haare nicht mehr wie vor anderthalb Jahren irgendwas um die 50 cm + x lang sind.

Wenn man von einem bedauernswerten Zwischenfall während meiner Studienfahrt nach Prag absieht, dann kann ich auch behaupten, dass noch keiner schreiend weggerannt ist, als er mich gesehen hat. Aber vom freundlichen Philosophie-Studenten oder dem behäbigen türkischen Opa bin ich einfach weit entfernt. Nur so, um jetzt mal ein paar Klischees über Taxler zu bedienen.

Naja, es wissen ja nicht alle Kunden, dass sie das Taxi am Stand frei wählen dürfen ;) Ich bin jedenfalls wieder zufrieden mit mir. Recht so!

Nachtrag: Ich habe eben festgestellt, dass das klingt, als würde ich Glatze tragen. Dem ist nicht so. Meine Haarlänge beträgt etwa 5, vielleicht auch 6 cm.

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Wochenende!!!

So, damit hätte ich mal wieder eine völlig sinnentleerte Überschrift gewählt, was irgendwie ja auch ein gewisser Standard geworden ist. Ich bin nicht gut im Erfinden von Überschriften! Ich weiss, dass sie kurz und knackig sein sollten. Sie sollten klarmachen, um was es geht, oder wenigstens fälschlicherweise sexuelle Befriedigung versprechen. All das kann “Wochenende!!!” nicht. Wochenende ist es nämlich noch nicht ganz. Ja… ihr lest das alle am Freitag Mittag oder später, aber ich schreib den Quatsch ja jetzt frühen Morgen, genauer: 0.30 Uhr!

Dazu tangiert mich das Wochenende als solches mal wieder nur äußerst peripher, da ich – das ist das letzte Wochenende dieser Art für hoffentlich lange Zeit – jetzt seit einem jahr arbeitslos bin, und der größte Clou des Wochenendes für meine Person darin besteht, daran zu denken, dass ich am Sonntag nicht einkaufen kann. Wobei das diesen Sonntag auch nur eingeschränkt gilt, da der Plus gegenüber von 13 – 18 Uhr offen hat. Was anderes ist mir aber nicht eingefallen, da ich einmal mehr reichlich uninspiriert über der Tastatur hänge. Mir geht es echt gut soweit, meine Aussichten sind grandios, ich bin auch gesundheitlich bis auf Husten topfit.

Die folgende Woche wird aller Voraussicht nach die ereignisreichste des Jahres, was daran liegt, dass sowohl Ralf auszieht, als auch Nico aus Frankfurt wiederkehrt, als auch ich zu arbeiten beginne. Ein paar Gedanken zu den Themen:

1. Ralf zieht aus

Wie inzwischen oft so oder so ähnlich verkündet: Endlich! Aber ich will euch auch hier auf dem laufenden halten, was witzige Entwicklungen angeht. Scheinbar ist Ralf aufgefallen, dass er denkbar viel Geschirr in seinem Zimmer hat. Wahrscheinlich beim Aufräumen für den anstehenden Umzug. Nun habe ich ja bereits erzählt, dass Ralf eine tierische Panik hat. Im Grunde eine Panik davor, was falsch zu machen, inzwischen wahrscheinlich grundsätzlich vor uns. Nur die Faulheit siegt manchmal. Was soll er also machen, wenn er feststellt: Scheiße, ich hab seit Ewigkeiten zwei Drittel des WG-Geschirrs bei mir, und das soll niemand mitkriegen? Richtig! Vor inzwischen bald zwei Monaten oder so hat er mal zwei Schüsseln in die Spüle gestellt. Nachdem einen Monat lang nichts passiert ist, haben wir sie abgewaschen – ich muss schon zugeben, dass es den Luxus in einer Dreier-WG auch enorm erhöht, wenn man von 8 Müslischüsseln wieder 2 verwenden kann. Vor zwei oder drei Tagen folgte dann noch eine Schüssel. Die haben wir recht schnell passenderweise in die Spülmaschine gepackt. Dann standen heute morgen 2 Teller in der Spüle und zwei Löffel lagen etwas abseits davon herum. Nur keinen großen Haufen machen! Ja nicht auffallen…

Ich bin außerstande zu begreifen, dass Ralf scheinbar glaubt, wir wüssten nicht, wie viel Geschirr bei ihm ist und würden es nicht merken, wenn er es jetzt nur häppchenweise rausbringt. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass in meinem Oberstübchen soweit alles intakt ist. Ozie und ich hatten jetzt weder vor, ihn zur Rede zu stellen (meinetwegen brauche ich ihn bis er abhaut nicht mehr sehen!), noch es zu ignorieren, bzw. ihn in dem Glauben lassen. Ist eh schon schade genug, dass er den Blog nicht zu lesen scheint. Wir haben uns dazu entschieden, einen Zettel über die Spüle zu hängen. Die Auswahl an provokanten, und dennoch nicht zu leicht zu durchschauenden, sowie witzigen Sprüchen war nicht leicht. Aber wir haben uns für folgendes Kleinod entschieden:

“Treffen sich zwei Teller in der Spüle. Meint der eine: Mann, wo warst du denn die letzten vier Monate…?” An alle, die sich jetzt Sorgen machen, dass Ralf deswegen das Rausstellen einstellt: Ganz doof sind wir nicht. Wir haben ja ein Gemeinschaftskonto, auf dem nur noch Ralfs Geld ist (unsere Schulden bei ihm quasi, die er seit ein paar Monaten nicht zurückgezahlt bekommen will). Da hab ich einfach mal 100 € Pfand abgebucht fürs Geschirr :) Das natürlich nicht wegen des Zettels, sondern eher wegen gewissen Tendenzen in seinem Packverhalten…

2. Nico kommt wieder

Ich freu mich drauf! Uneingeschränkt! Da ich ab jetzt nachts arbeite, kann er sogar noch lauter Musik hören ;) Das ist irgendwie sogar genial. Na gut, dafür werden wir Worms jetzt eher nachmittags spielen müssen…

3. Ich fange an zu arbeiten

Meine Hibbeligkeit diesbezüglich hat sich zwischenzeitlich gelegt, und das wird wahrscheinlich erst am Dienstag wieder schlimm werden. Ich habe nicht ernsthaft Panik, aber dass bei den ersten Fahrten auch was schiefgeht, ist wahrscheinlich Gesetz. So gerne ich das ein oder andere in meinen Augen unnötige Gesetz auch schon übertreten habe, so weiss ich nicht, ob ich gegen den guten alten Murphy ankommen werde ;)

Ich bin ernstlich gespannt, denn trotz aller schöner Erzählungen kann ich mir natürlich nur bedingt vorstellen, was da auf mich zukommt. Ich bin einfach mal frohen Mutes und hoffe, ein paar schöne Erfahrungen selbst aus den ersten Wochen mitnehmen zu können. Und da bin ich mir eigentlich sogar sicher. “Wie’s in den Wald hineinschallt…” ist für mich eine segenhafte, keine verfluchte Weisheit. Wer weiss, vielleicht sehen wir uns ja mal auf Berlins Straßen :)

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Finanz-Check mal scharf

Ich habe gerade mal wieder ein paar Minuten im Netz verbracht, und – zack! – sehe ich schon, dass sich einiges mitunter witziges getan hat in der Welt. Der DFB-Präsident Theo Zwanziger scheint sich bei seinem Streit mit dem Sportjournalisten Jens Weinreich nun endgültig zum Löffel zu machen, und in Indien ist wohl die Hölle los. Dabei wollte ich eigentlich nur schreiben, das ich heute ein neues Konto eröffnet habe…

Ich hoffe mal, dass mir das nicht als Pietätlosigkeit ausgelegt wird. Ich habe heute Morgen die Sparkasse um die Ecke aufgesucht, um ein Konto zu eröffnen. Sollte keine große Sache werden, da ich wusste, was ich will und auch keine negativen Schufa-Einträge oder dergleichen habe.

Dann erfuhr ich aber alsbald, dass davor natürlich ein Finanz-Check nötig sei – nicht wegen mir, sondern natürlich nur, um den Service mir gegenüber zu verbessern. Mir soll es egal sein, aber man fragt sich wirklich, welchen Service die mit dem Wissen über irgendwelche geplanten Anschaffungen bieten wollen, nachdem ich gesagt habe, dass ich genug andere Konten und Banken habe, und sie sich mal keine Sorgen machen müssen. Ich habe sogar offen gesagt, was ich dachte: “Ich hab nur Interesse an einem Konto bei ihnen, weil ich demnächst als Taxifahrer arbeiten werde, und während der Nachtschicht die Automaten zur Einzahlung nutzen möchte – die sonst keine Bank anbietet. Ansonsten: Günstig, Online-Banking, fertig!”

Naja, ich kann damit leben, wie es gelaufen ist. Immerhin habe ich es einmal geschafft, ihn zum Lachen zu bringen, was bei Bankern nicht immer leicht ist. Als er mich nämlich fragte, ob ich über die 800€ Zinsen auf einem Sparkonto komme, habe ich geantwortet: “Nicht mal an Einlagen!”

Naja, lange Rede, wenig Sinn: Ich hab ein neues Konto, einen Handyvertrag, und wenn Onkel Achmed demnächst den gefälschten Ausweis schickt, geht’s ab in die USA… ok, letzteres war ein Scherz :)

Ach ja, wieso eigentlich scharf? Gegen Ende des Gesprächs: “Brauchen sie eigentlich noch einen Gewürzstreuer in ihrer Wohnung?” Da musste ich dann allerdings lachen. Auf meine Frage, was dieses Werbegeschenk noch mit einer Bank zu tun habe, konnte er immerhin professionell auf die Vielseitigkeit des Streuers (immerhin 6 Gewürze) verweisen. Na gut, er hat gewonnen!

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Es tut sich was…

Entgegen seiner gestrigen Aussage hat Ralf heute auch frei gehabt. Mir kann das egal sein, da er artig, sobald ich den Flur betreten habe, seine Zimmertüre geschlossen hat. Warum auch immer! Wie schon einmal erwähnt: Ich mobbe ihn nicht, ich lebe lediglich mein Leben!

Nachdem er in den vergangenen Wochen ja bereits vier Kartons gepackt hat, hat er heute richtig losgelegt. Ich weiss nicht, wie es derzeit in seinem Zimmer aussieht, aber er hat mindestens drei neue Kartons gepackt und mehrfach Müll rausgebracht. Nichts überragendes eigentlich, wenn man sich vor Augen hält, dass es wahrscheinlich der letzte Tag vor dem Umzug ist, an dem er aufgrund seiner außergewöhnlichen Arbeitsbelastung überhaupt etwas tun kann.

Durch dieses – wie immer sehr aktionistische – Verhalten bin ich überzeugt davon, dass er es dieses Mal auch von sich aus ernst meint. Skuril wird es aber immer noch am einen oder anderen Ende. Zum Beispiel steht wieder eine Schüssel in der Spüle. Eine einzige. Kein Löffel dazu, nichts. Eine Schüssel. Sollte er also beim Geschirr dieses Tempo beibehalten, wird er wohl erst Weihnachten nächstes Jahr ausziehen. Aber ich will ja hier auch keine Hammer-Geschichte abliefern, wenngleich Paul Watzlawick sie aufgrund seines Todes letztes Jahr nicht mehr aufgreifen könnte.

Der Großteil von euch wird den letzten Hinweis vielleicht nicht verstehen, aber ich wollte nur Leini mit diesem Zaunpfahl zuwinken und rufen, dass ich die wenige gemeinsam gelesene Literatur nicht vergessen habe ;)

Das Wichtige ist: Ralf zieht offenbar wirklich nächste Woche aus, und ich freue mich darauf wie ein kleines Kind auf Weihnachten. “Was bekomme ich, Mami?” “Ein glücklicheres Leben, mein Schatz!” “Ich will aber Lego!!!” Boing!

PS: Dieser Artikel wurde mit guter Laune geschrieben. Nicht wundern!

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Filed under Mein Haushalt

Hilfe, ein Türke!

Bild hat ein Problem: Cem Özdemir ist jetzt “Grünen-Chef”. Und Türke. Schlimmer ja eigentlich noch: Muslim. Irgendwas müssen sie in der Redaktion machen, um das anzuprangern. bildblog hat gestern schon berichtet, wie falsch der Bild-Titel mit dem geforderten Türkisch-Unterricht war, und wie falsch auch die erste Meldung an diverse Agenturen war.

Ich möchte hier aber gerne noch einmal auf den geforderten Türkisch-Unterricht eingehen. Gestern war die Headline der Bild ja wortwörtlich: “Grünen-Chef Özdemir fordert Türkisch-Unterricht an deutschen Schulen!” Dass das für viele, die so oder so “zu viele Kanaken in Deutschland” sehen, ein rotes Tuch ist, das kann man sich vorstellen. Es wirkt sogar für den ein oder anderen liberaleren Menschen skuril. Hier der entsprechende Ausschnitt aus dem Interview:

Was so alles als Forderung durchgeht...
Was so alles als Forderung durchgeht…

Ich hab jetzt kein Studium hinter mir, sondern nur Leistungskurs Deutsch gehabt, aber ich glaube, eine Forderung sieht ein wenig anders aus. Dabei sollte man vor allem anmerken, dass schon die Frage eine deutliche Antwort provoziert hat. Mal ganz gleich, was Özdemir will oder nicht will: Er hat die Klippe eigentlich gut umfahren, denn er ordnet Türkisch nicht nur “neben Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch” als eine von vielen Sprachen ein – noch dazu in fragender Form – nein, er sagt auch ganz klar: “Deutsch muss für Kinder, die hier leben und aufwachsen, immer die wichtigste Sprache sein.” Das ist ja schon fast O-Ton der “Leitkultur”-Pleite der CDU vor Jahren. Nun weiss ich nicht, ob die Bild-Schreiberlinge einfach nach dem “Auf jeden Fall.” einfach nicht weitergelesen haben, was sich irgendein Praktikant da von Özdemir erzählen lassen hat, oder ob sie es nicht wahrhaben wollten, dass der Innbegriff des undeutschen Politikers (Hey, Türke, Schwabe, Muslim, Vegetarier – wenn Özdemir auch noch schwul wäre, wäre der Skandal doch perfekt!) sich als eigentlich ganz netter und gar nicht so schlimm ausländischer Mensch zeigt.

Denn trotz des gestrigen Null-Auswurfs macht bild.de heute munter weiter. “Lob und Tadel für Özdemir-Vorschlag” (schaut euch mal die url an: wofür es Lob und Tadel gibt…) gibt es heute auf meiner Lieblingsseite. Und da liest sich dann z.B. folgendes:

Irgendwoher kenne ich die Forderung... stimmt ja: Von Özdemir!
Irgendwoher kenne ich die Forderung… stimmt ja: Von Özdemir

Quelle aller Screenshots: bild.de

Maria Böhmer fordert “allerdings”, dass Deutschunterricht Vorrang habe, will heißen: Sie widerspricht, bzw. sie erlegt dem von Özdemir Gesagten Forderungen auf. Und welche? Richtig: Die selben, die Özdemir himself angesprochen hat.

Ich will ehrlich sein: Das ist kein “Skandal”, kein Verbrechen. Es zeigt nur einmal mehr, wie Bild versucht, Stimmung zu machen. Hier wird – auch wenn das Interview verlinkt ist – suggeriert, dass Özdemir etwas gesagt hat, bei dem alle widersprechen müssen, obwohl das gar nicht der Fall war. Schon die gestrige Schlagzeile: “An deutschen Schulen!” Ja, wo denn sonst? Der Kerl ist bei den Grünen in Deutschland, und das mit dem Türkisch-Unterricht ist auch nix wirklich neues. Denn natürlich kann man an deutschen Schulen schon jetzt türkisch lernen – aber eben nicht an allen. Und Özdemir fordert nicht Türkisch als erste Fremdsprache, und schon gar nicht als Ersatz für Deutsch.

Alles, was diese Artikel bei Bild und bild.de zeigen sollen, ist, dass Özdemir komische Sachen plant, die bisher keiner geplant hat. Schließlich ist er der erste Türke an einer Parteispitze, der erste Muslim, und wenn Hitler nicht Vegetarier gewesen wäre, dann würde ich keinen Cent daruf verwetten, dass Bild Özdemir da nicht auch zum ersten gemacht hätte. Und irgendwie ist das eklig.

PS: Bei allen zum Teil sehr wohlwollenden Ausführungen hier: Das ist keine Wahlwerbung für den Herrn Özdemir, nur dass wir uns da verstehen.

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