2015

Manchmal zuckt man wirklich nur noch mit den Achseln. Ich war gestern bei meiner Zahnärztin. Zahnreinigung, Prophylaxe, soweit ist es mit mir schon gekommen. War so weit auch ok, ich freue mich ja, endlich mal wieder schmerzfreie Zahnarztbesuche zu haben. :)

Ansonsten hab ich das (eigentlich gute) Gefühl, dass sie dort nicht wirklich Ahnung von meinem Leben haben.

“Sie benutzen ziemlich oft eine Mundspülung, oder?”

Äh, nein? Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nach wie vor keinesfalls zum Vorbild bei der Mundhygiene tauge. Mein kaputtes Gebiss hab ich mir bis 2012 hart erarbeitet und es ist leider nicht so leicht, seine Gewohnheiten wieder loszuwerden. Ich würde es gerne, aber wie in so vielen Punkten kann ich mir Routine nur schwer angewöhnen. Während die Ärztin also befürchtete, ich würde mehrmals täglich Mundwasser nehmen, schämte ich mich ein wenig, dass selbst meine Zahnbürste mich manchmal drei Tage nicht sieht. Aber ich bin ja wenigstens ehrlich …

“Äh, nee … nicht wirklich.”

“Aber die Verfärbungen …”

“Das Rauchen vielleicht … oder Kaffee, Cola?”

“Ach, Sie rauchen!?”

Ich helfe fremden Leuten gerne, unbekannte Phänomene zu erklären. :)

Wirklich herzallerliebst wurde es dann aber an der Rezeption. Neuer Termin und so.

“Ja, da wäre der 12. Januar 2015. Passt Ihnen das?”

BITTE WAS?

Ich hab es gestern schon bei Twitter gepostet: ich hatte bis dahin noch nicht einmal eine Ahnung, was ich zu Mittag essen würde. Wie soll ich da bitte wissen, ob ich am 12. Januar 2015 Zeit habe? Termine so weit in der Zukunft mache ich einfach und habe entsprechend an diesem Tag eben aufgrund dieses Termins keine Zeit für anderes. Ist nicht so, dass ich keine Termine hätte, aber hey: ich bin Taxifahrer und Blogger, in diesen Maßstäben denke ich dabei nicht!

PS: Ich hab am 12.1.2015 einen Zahnarzttermin. Ihr dürft mich gerne 3 Tage vorher daran erinnern. ;)

2 Comments

Filed under Lichtblicke im Alltag

Wochendend-Nachtschicht ist …

… wenn man einen Arzttermin zu einer, nun ja, etwas ungünstigen Stunde kriegt. Sagen wir (in normales Leben übersetzt) Montag abends um 23.30 Uhr. Und man dann verabschiedet wird mit:

“Schönen Tag noch!”

“Schönes Wochenende noch!”

und

“Schönes Wochenende und – falls Urlaub ist – schönen Urlaub!”

Nun ja.

4 Comments

Filed under Mein Haushalt

Gauchogate

Ich wollte mich hierzu eigentlich nicht äußern. Ich hab nämlich – auch wenn der ein oder andere Eintrag anderes vermuten lassen würde – eigentlich keinen Bock auf Trolle. Und die kommen bei solchen Themen so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber vielleicht hilft meine Meinung ja sogar (die Hoffnung stirbt zuletzt), ein wenig Entspannung zu verbreiten.

Für all die, die es noch nicht mitbekommen haben: es wird ein riesen Bohei gemacht um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die gestern bei ihrer Feier am Brandenburger Tor eine Art Performance gebracht haben, bei der sie zunächst geknickt gehend “So geh’n die Gauchos, die Gauchos gehen so …” gesungen haben, dann aufrecht, jubelnd und euphorisch herumhüpfend “So geh’n die Deutschen, die Deutschen die geh’n so!”.

Die von mir nur am Rande verfolgte Diskussion rief zum einen die Leute auf den Plan, die das als unnötige Herabwürdigung der im Finale besiegten Argentinier sahen – zum anderen dann die, die riefen, dass man das nicht überinterpretieren sollte und das zudem ein sehr übliches Lied nach dem Sieg im Fußballkosmos ist.

Nun ja.

Klar ist sicher eines: beide Seiten reagieren gerade ein bisschen über. Aber wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, finde ich, dass die erste Ansicht durchaus ihre Richtigkeit hat.

Und nein: es geht nicht darum, der Weltmeistermannschaft gegenüber eine angeblich vorhandene Nazikeule auszupacken oder ein Spielverderber zu sein! Beileibe nicht. Im Grunde nehme ich es der sieges- und sonstwie trunkenen Mannschaft nicht einmal übel, ihren Sieg so zu feiern. Das Problem ist wie so oft ein kommunikatives. Natürlich freut sich die Mannschaft über den Sieg und hat gewissermaßen zu Recht auch auf diese Art nur nochmal klargestellt, dass sie den Argentiniern sportlich überlegen waren. Zudem ist es offenbar ein altbekannter Schmähgesang (im weitesten Sinne) gewesen, den Fußballer und deren Fans halt gerne mal singen. So weit, so gut.

Aber sind das brauchbare Argumente, um hunderttausend Fans damit anzuheizen?

Während ich bei dieser WM, bei der ich wirklich viele Spiele gesehen habe, der deutschen Nationalmannschaft wirklich kein schlechtes Zeugnis ausstellen kann und der Meinung bin, sie haben den Titel absolut verdient, verhält es sich mit vielen Fans halt anders. Der immer wieder thematisierte Party-Patriotismus zur WM ist nur deswegen kein Problem, weil es einen Haufen denkender Menschen da draußen gibt. Studien zufolge ist es aber durchaus so, dass Menschen, die Patriotismus leben, nicht umhin kommen, infolge dessen andere Nationen und deren Einwohner negativer bewerten als die eigenen Landsleute. was bedeutet, dass sie nationalistischen Gedanken näher sind, bzw. sicher auch durch den vermeintlich neutralen Patriotismus diesen Ideen näherkommen.

Und nur weil das im Fußball eine lange Geschichte hat, ist es ja nicht besser. Die Welt ist voller Dinge, die eine lange Geschichte haben und einfach scheiße sind. Da können wir bei Diktaturen anfangen und sollten bei Homophobie nicht aufhören zu zählen. Alles gut, plausibel und gesellschaftsfähig, weil es halt “immer schon” so war.

Natürlich sind bezüglich des “Gaucho-Tanzes” der Nationalelf vorgebrachte Nazi-Vorwürfe übertrieben. Keine Frage. Aber es ist auch nicht das viel vorgebrachte “Aus einer Mücke einen Elefanten machen”, wenn Menschen anmerken, dass es nicht gut ist, wenn ein medial weitverbreitetes Ereignis dazu genutzt wird, eine Überlegenheit eines Landes gegenüber einem anderen so zur Schau zu stellen.

Sicher ist das in den Augen vieler eine unnötige Politisierung eines Sportereignisses. Und das ist schwierig, sicher. Aber so lange so viele Menschen sich derart mit einer Mannschaft identifizieren, zu deren Erfolg sie nix – und zwar gar nix! – beigetragen haben, dass sie sich selbst als Weltmeister fühlen – einfach weil sie zufällig im gleichen Landstrich geboren sind – ist das keine weltfremde Überlegung. So lange sich irgendwelche Deutschen “den Argentiniern” überlegen fühlen, weil die sportliche Leistung der deutschen Mannschaft der der argentinischen überlegen war, muss Platz sein für diese Kritik am außersportlichen Vorgehen der Weltmeisterelf. Vielleicht könnte man sogar sagen, dass diese Kritik so lange angemessen ist, so lange es noch Leute gibt, die das stört.

Ein Pressespezialist, der derartiges im Hinterkopf hat, ist doch sicher nicht unbezahlbar für den DFB, oder?

PS: Ebenso wie “das gab’s schon immer!” ist “andere Länder machen das viel heftiger!” kein Argument. Es sei denn, “so blöd sein wie die anderen” ist plötzlich ein erstrebenswertes Ziel geworden.

PPS: Wer auch immer glaubt, diese Kritik würde die deutsche Fußballnationalmannschaft oder gar Deutschland an sich irgendwie herabwürdigen, ist Teil des Problems – nicht der Lösung.

40 Comments

Filed under Medien, Politik, Vermischtes

Die Liebe der anderen

Vermutlich tue ich meinen Nachbarn mit den beeindruckenden Stimmbändern und dem Hang zum gegenseitigen Anzeigen unrecht – aber irgendwie musste ich bei diesem Stilleben auf unserem Vordach an sie denken:

Bei uns in Marzahn regnet's rote Rosen! Quelle: Sash

Bei uns in Marzahn regnet’s rote Rosen! Quelle: Sash

PS: Noch ist unklar, inwiefern das mit dem Vordachfund von 2011 zusammenhängt.

4 Comments

Filed under Fotos, Mein Haushalt

Aus dem Bett gedonnert

Und das wörtlich.

Hier in Marzahn ist man an gelegentliche Explosionen gewöhnt. Im Ernst. Pyrotechnik ist eine Art Massensport – selbst wenn mal kein WM-Spiel mit einem 7:1-Sieg gegen Brasilien (btw. WTF? o.0) einen Auslöser bietet. Vermutlich ist es die Grenznähe, die hier für ein vermehrtes Aufkommen der “guten” Kracher sorgt, mit denen man auch größere Objekte spaßverliebt pulverisieren kann.

Gestern aber war es der gute alte natürliche Donner, der mich im Rahmen des Unwetters hat senkrecht im Bett stehen lassen. Gut, ich war davor schon halb wach, denn lautstarker Regen und der ein oder andere Blitz hatten eine Stunde zuvor schon ein wenig an meinem Schlaf gezerrt. DAS jedoch hab ich in all meinen 32 Jahren auf diesem Planeten noch nicht mitbekommen. Und ausgerechnet bei Gewittern bin ich tatsächlich einiges gewöhnt. Viele Jahre meiner Kindheit habe ich in einem Zimmer geschlafen, das keine 100 Meter von der Turmspitze der höchsten Stuttgarter Kirche entfernt lag. Dementsprechend hatte ich ein paar Mal das Vergnügen, mit recht nahen Blitzeinschläge zu tun zu haben.

Irgendwie aber muss die Akustik der Plattenbausiedlung hier eine besondere sein, denn sowohl der Einschlag der Lautstärke nach sehr nah war, kam statt dem scharfen Knall nur ein mehrfach reflektierter Donner an, der aber ohne Übertreibung den kompletten Betonbunker mit seinen 150 Metern Länge hat erzittern lassen. Würde ich heute in den Pressemeldungen der Polizei lesen, dass es kein Blitzeinschlag sondern die Sprengung eines Hauses war, ich wäre nicht verwundert.

Und ich wäre nicht ich, hätte ich in Anbetracht dieses eindrucksvollen Schauspiels nicht nochmal darüber nachgedacht, wie viel Glück ich eigentlich habe, mich so wenig mit der unglaublichen Kraft der Naturgewalten beschäftigen zu müssen. Wo ich wohne, wird der heute auf die Straße gewehte leere Altpapiercontainer für lange Zeit die aufsehenerregendste Begegnung mit irgendwas gewesen sein, gegen das das Ordnungsamt nichts tun kann. Und das hat mich ein bisschen daran erinnert, wie ich letztes Jahr “Eroberung des Nutzlosen” von Werner Herzog gelesen habe. Ein Buch, das ich jedem nur empfehlen kann. Mir wurde es netterweise zugeschickt und ich hab mich damals gefragt:

“Hä? Was soll mich das interessieren? Ich kenne ja nicht mal den Film, dessen Dreharbeiten darin beschrieben werden!”

Aber wisst Ihr was? Das macht nix!

Diese Beschreibung, wie Deutsche im südamerikanischen Regenwald einen perfekten Film drehen wollen/müssen, könnte für mich auch komplett fiktiv sein. Es ist ein großartiges und spannendes Buch. Für die, die sich mit Kinski, Herzog und deren Filmen näher auskennen, ist es sicher nochmal wertvoller – aber ich als nicht zu dieser Gruppe gehöriger Mensch habe den Link nicht des Amazon-Partnerprogramms wegen gesetzt, sondern weil mich die Erzählung gefesselt und gerade im Bezug auf die Widrigkeiten zwischen Mensch und Natur wieder etwas geerdet hat.

Dass meine Sicht auf Naturgewalten etwas schwärmerisches hat, kann ich nicht verleugnen. Ich bin mir aber bewusst, dass ich in diesem wie in vielen anderen Punkten irgendwo unter den obersten 10% der Menschen zu finden bin, die sich keine Sorgen machen müssen. Selbst in Deutschland haben wir ja erst im vergangenen Monat wieder mal gemerkt, wie hart man bisweilen von sowas “simplem” wie einem Sturm getroffen werden kann. Ich persönlich freue mich aus meiner Perspektive dann halt trotzdem immer, wenn ich sowas mal in Ansätzen miterleben kann. In diesem Punkt kann ich “Leider geil” von Deichkind mal sowas von nachvollziehen. :)

5 Comments

Filed under Mein Haushalt, Vermischtes

Lebenszeichen

Gut, allzu viele Sorgen wird es um mein Ableben nicht gegeben haben. Schließlich erscheinen bei GNIT weiterhin fast jeden Tag neue Artikel.

Und da zeigt sich auch schon, was Sache ist: ich arbeite gerade für meine Verhältnisse relativ viel. Letzte Woche bin ich sogar Montag und Mittwoch für ein paar Stunden rausgefahren. Daneben schreibe ich noch immer am Taxibuch (inklusive dazugehöriger Korrespondenz) und bin gerade mal wieder dabei, mich mit den Meldungen bei der VG-Wort zu beschäftigen, was einem regelmäßig Gehirnknoten wegen stupidem Copy&Paste beschert.

Außerdem läuft gerade im Fernsehen ein relativ großes Sportevent, in das ich gelegentlich reinschaue, um eine Ausrede dafür zu haben, Pizza zu essen.

Wenn dann (neben Haushalt und Beziehung) noch Zeit übrig ist, lese ich zudem ein bisschen und das wiederum inspiriert mich zum Schreiben, was mich weniger arbeiten lässt als ich will und …

Es ist ein Teufelskreis.

Außerdem keiner, der sich sonderlich unterhaltsam in schöne Worte packen lässt. Klar, ich könnte Buchrezensionen schreiben. Aber darin bin ich schlecht und außerdem weiß ich nicht, ob mein Geschmack sich auch nur mit dem von irgendwem von Euch deckt. elder taxidriver mal ausgenommen. ;)

Gerade hab ich “Stress – mein Leben” von Hans Selye beendet und lese mich jetzt durch “Remix” von Stuckrad-Barre. Zu letzterem möchte ich tatsächlich noch ein paar Worte loswerden:

Da sind schon ein paar tolle Texte drin. Aber mindestens genau so viele seeeehr mittelmäßige. Ich finde den Schreibstil viel zu aufgesetzt – gerade bei der Interpunktion wirkt das Ganze wie ein sinnloses aber absichtliches Tabubrechen. Wobei das vielleicht auf das Alter der Texte (und des Autors, als er jene schrieb) zurückzuführen ist. Nach anfänglicher Begeisterung habe ich jetzt in der Mitte ein Gefühl, das “Bernie” offenbar hatte, als er mein eBook gelesen hat. Er rezensierte vor einiger Zeit bei amazon wie folgt:

“[…] flockig, locker runtergeschrieben. Nicht lustig, nicht tragisch, nicht weltbewegend, nicht traurig, keine Höhepunkte, keine Tiefpunkte… tröpfelt halt so dahin. Warum muss man darüber ein Buch schreiben?”

Nun, und damit nehme ich Stuckrad-Barre in Schutz: Weil’s einfach geil ist, ein Buch rauszubringen!

Alternativ bliebe die Erklärung, dass man endlich eine Möglichkeit gefunden hat, auch noch den letzten Mist, den man rumliegen hatte, zu Geld zu machen. Das kann ich bei meinem eBook wirklich nicht sagen, dafür war es zu viel Aufwand. Bei “Remix” bin ich mir noch unsicher.* ;)

So, nun war das also doch eine Art Rezension.

Eigentlich wollte ich wirklich nur sagen, dass mir gerade der Input fehlt. Mein Highlight der Woche ist bisher, dass ich in der Packstation ein Paket für jemand anders gefunden habe – aber die Blogbarkeit dieses Ereignisses hängt stark vom weiteren Verlauf der Geschichte ab, und der ist noch ziemlich unklar.

Aber keine Sorge, ich bleibe dem Schreiben hier nicht auf Dauer fern. :)

PS: Die Geschichte mit der Silvesterfeier in der Badewannenfabrik in “Remix” ist zum Beispiel großartig. Ein begnadeter Schreiber ist Stuckrad-Barre, das will ich nicht einseitig herabwürdigen. Aber manch anderes Anekdötchen ist wirklich enttäuschend. Für einen anspruchslosen Allerwelts-Blogeintrag durchaus ok (siehe dieses Gemurkse hier), aber für ein gegen Geld zu erwerbendes Buch reichlich fad im Abgang …

2 Comments

Filed under Mein Haushalt, Vermischtes

Aus dem Algorithmus gekommen

Banken. Da kriegste die Krise.

Nun, ich hab vor gar nicht allzu langer Zeit geschrieben, dass es mir finanziell nicht so gut geht gerade. Das hat sich inzwischen deutlich entspannt und ich danke an dieser Stelle auch nochmal ein paar großzügigen Spendern aus der Leserschaft. Ihr seid wirklich die besten! :)

Nun ist meine Lösung, wenn es mal eng wird – kommt ja nicht das erste Mal in meinem Leben vor – natürlich nie gewesen, erst mal einen Blogeintrag zu schreiben und zu hoffen, dass mir wer aus Mitleid ein paar Euro überweist. Wie wohl alle hier nutze ich andere Wege wie z.B. Banken. Meine Schulden bei der Bank waren schon mal recht hoch, das ist inzwischen auch Vergangenheit, aber einen kleinen Dispo hab ich immer noch. Das kostet mich zwar ein paar Euro extra, aber immer alles im Griff hab ich halt einfach auch nicht. Im Grunde ist das auch ok. Und meine Bank kann sowieso glücklich sein, denn im Vergleich zu den gelegentlichen Zahlungseingängen verdient sie am Dispo wenigstens regelmäßig gutes Geld. Und auch wenn mein Einkommen von meinen Bankangestellten quasi als inexistent bezeichnet wird (vom Lohn nehme ich meist etwas Vorschuss, da kommt nur ein Teil an – und Einkommen aus selbständiger Tätigkeit, wo kämen wir hin, wenn sowas angerechnet werden würde?), ein bisschen was ist ja dann doch da. Und alle Schulden bisher hab ich immer beglichen. Was also lag näher, als vor einiger Zeit – als es anfing, eng zu werden – mal meinen “Bankberater” zu fragen, ob ich den Dispo um 500 € erhöhen könnte. Nicht eben wenig Geld für mich, in Anbetracht der Umstände aber ja vielleicht machbar.

Nun, das Gespräch war so wenig erfreulich, wie es die Anführungszeichen um den “Berater” vermuten lassen. Eine Teilschuld trage ich sicher auch, denn nachdem er mich abblitzen lassen hat, habe ich durch die Blume zu verstehen gegeben, dass der finanzielle Spielraum in so einem Fall mir wesentlich wichtiger bei einer Bank ist als vieles andere und ich ja durchaus auch bei anderen Instituten Kunde sei. Darauf hat er mir, wesentlich weniger durch die Blume, gesagt, dass ich eigentlich schon froh sein könne, dass sie meinen Dispo bisher nicht gekürzt hätten, so wenig wie ich verdiene.

Eine Kampfansage, wow! Das überraschte mich ja schon fast. Schließlich weiß ich auch, dass der Typ mir zu Beginn, als das alles noch nett und friedlich war, die 500 € sicher freigegeben hätte. Ich hab nun 5 Jahre im Taxi hinter mir, ohne mit Kunden aneinanderzugeraten, da werde ich ja wohl so eine Gurke unter den Tisch labern können. Ich glaube ihm, wenn er sagt, er kann oder darf das nicht. Denn mit meinem Einkommen – und vor allem meinem diffizilen Geldeingang über mehr als nur einen Chef – falle ich aus dem Raster. Ich wette, auf seinem Bildschirm standen mehrere Ausrufezeichen und Warnungen. Ein in Marzahn wohnender Typ; der seit Monaten nur 300 bis 500 € aus “sicherer Quelle”, den Rest von Konten bei anderen Banken unter eigenem Namen überwiesen bekommt – und am Ende rechnerisch immer noch zu wenig zum Leben hat; ist für die Algorithmen dann halt doch eher die Marke “Drogendealer” oder was weiß ich. Und wenn der Computer nein sagt, dann kann der Mensch halt nix machen.

Man könnte das jetzt als vage Vermutung abtun. Isses gewissermaßen auch. So gut kenne ich mich im Bankenwesen nicht aus. Nun kommt aber die Zeit dazu. Das Ganze hat erst vor vielleicht ein oder zwei Monaten stattgefunden. Ein Gespräch, bei dem der “Berater” mir lieber mit einer Kündigung gedroht hat, als mir 500 € zu leihen.

Jetzt, vor nicht einmal einer Woche, saßen Ozie und ich dann an der Krisenplanung und haben unser letztes Geld zusammengekratzt und rangieren seitdem ein bisschen rum, indem wir auch dies oder das mal später zahlen als eigentlich notwendig. Während wir das taten, ist offenbar das Computersystem meiner Bank aktualisert worden und auf eine großartige Idee gekommen, Geld zu verdienen: nämlich – ich vermute es – “Problemkandidaten” den Dispo zu erhöhren.

Ja, genau.

Wenige Wochen, nachdem mein “Bankberater” mir im Grunde drohte, ich solle besser nicht rumzicken, nur weil sie mir keine 500 € auf den Dispo packen wollen, bekomme ich einen Schrieb, in dem mir angekündigt wird, meinen Dispo um – und jetzt Vorsicht! – 2.800 € zu erhöhen. 2.800 €! Und für die Bank hat sich nix geändert. Da sind immer noch nur ein paar kleinere “irrelevante” Zahlungen eingegangen, meist um umgehend abgehoben oder weiterüberwiesen zu werden. Computerberechnungen mögen in der Branche ja durchaus ihren Sinn haben, aber mal im Ernst, liebe Sparkasse: Wozu soll ich denn überhaupt mit irgendwelchen “Beratern” sprechen, wenn sowieso ganz andere Stellen die Entscheidungen treffen?

Und nun? Ich will ehrlich sein: ich könnte einen Teil des Geldes immer noch gebrauchen und ich wäre bereit, dafür Zinsen zu zahlen. Und in nunmehr genau zwei Wochen könnte ich das Geld nutzen, aber ich werde es nicht tun. Ich werde die Erhöhung rückgängig machen oder zumindest eisern das Geld nicht anfassen. Die Zinsen zahle ich dann lieber bei anderen, und – mag das Geld auch noch so knapp sein – es ist mir sogar scheißegal, ob sie dort etwas höher sind. Das mag meine Situation nicht unbedingt verbessern (das tut sowieso nur mehr arbeiten, mehr sparen und dergleichen), aber da kommen wir zu einem Sprichwort, das mir selten passender erschien:

Verarschen kann ich mich alleine!

18 Comments

Filed under Vermischtes