Die lange Nacht der Degewo

Das wird eine lange Nacht heute. Bzw. ein langer Tag für mich, ich muss bis nach 10 Uhr wachbleiben. Was ok ist, für mich ist Mittwoch schließlich auch ein bisschen wie Samstag – da bleibt man auch mal länger auf. Groß feiernd werde ich die Zeit kaum verbringen, schließlich mache ich das nur, weil um 10 Uhr eine Mitarbeiterin der Degewo, also unserer Vermieterin, hier aufschlagen wird.

Und danach ist endlich mal der ganze Hickhack mit dem Wasserschaden vorbei. Was nicht alles ist, schließlich steht das Renovieren dann noch an – aber das ist dann unser Ding und hat nix mehr mit fremden Menschen in unserer Wohnung zu tun. Zumindest wenn alles gut geht. Bisher ist da nämlich wirklich alles schiefgegangen, was nur schiefgehen konnte. Gleich am ersten Tag kam zwar der Hausmeister einer Gebäudetechnikfirma und hat angemessen entsetzt geguckt – aber dessen Bericht ist bei der Degewo wohl nicht angekommen, was das folgende Telefonat etwas kompliziert gemacht hat und mit einer Vertröstung auf nächste Woche endete.

Grundsätzlich ist die Sache ja denkbar einfach: An der Wohnung ist eine Reihe an Wänden kaputt, das muss behoben werden. Das muss die Degewo machen. Da sind die glücklicherweise auch nicht pingelig, die schicken ggf. einfach Maler los und die rocken das weg, fertig. Ist uns gelinde gesagt ein wenig unrecht, da es ja nunmal 5 Räume betrifft – und obwohl sich darunter auch Flur und Gästetoilette befinden, ist eben mal schnell alles frei-, bzw. leerzuräumen völlig utopisch. Deswegen hoffen wir auf eine Vereinbarung (die die Degewo auch gerne trifft), dass wir das Tapezieren und streichen selbst übernehmen und dafür Geld kriegen. Ist für die Wohnungsbaugesellschaft praktisch, weil sie uns nicht so viel zahlen muss wie professionellen Malern – und für uns in diesem Fall, weil es eine Menge Stress erspart, wenn wir Stück für Stück renovieren können, wenn wir Zeit und/oder Lust haben oder z.B. gleich ganze Räume streichen, obwohl der Wasserschaden nur an einer Wand ist. Nun gibt es bei dem Deal eine entscheidende Größe: den Geldbetrag, den wir kriegen. Natürlich sind wir nicht so bescheuert und streichen alles selber, wenn wir am Ende noch draufzahlen. Das tun wir mit unserer Arbeitszeit sowieso – ohne Wasserschaden wäre das Leben definitiv einfacher gewesen – aber zumindest das Material sollte gedeckt sein, gerne mit ein bisschen Bonus obenauf, und wenn’s für den Stress ist.

Das Dumme bis jetzt war: Wir kennen den Betrag nicht. Und die Degewo versucht durchaus ein wenig fies, einen zum Unterschreiben der Vereinbarung zu überreden, ohne dass man ihn kennt. Das ist dann beim zweiten Telefonat etwa der Stand gewesen. Es lag wohl irgendwas vor, aber unsere Kontonummer fehle.

“Mag sein, aber erstens wurden wir nicht danach gefragt, zum anderen wissen wir ja auch noch nicht, ob wir die Vereinbarung unterschreiben.”

Die eher so mittelfreundliche Mitarbeiterin hat dann gemeint, sie erkundige sich nochmal. Man hört voneinander. Ein paar Tage lang war wieder Funkstille, dann lag ein Zettel unseres Hausmeisters im Briefkasten: Wir sollen uns doch mal melden wegen dem Wasserschaden. Das ist dann ganz absurd geworden. Denn die Degewo hatte ihn beauftragt, “das mal zu klären” und er bat uns, uns wegen der Erstattungsgeschichte doch bitte an die Degewo zu wenden, da er in den Bericht bei einer Besichtigung gleich entscheiden müsse, ob er einen Auftrag an die Maler vergibt oder ob wir der oben genannten Vereinbarung zustimmen würden. Das hab ich ihm glücklicherweise ausreden können.

Man kann ja viel machen, aber wer ist bitte so bescheuert und fällt so eine Entscheidung?

“Kaufen Sie Waschmaschine A oder B?”
“Was kostet diese denn?”
“Das sehen Sie ja dann an der Kasse …”

-.-

Naja, da der ursprüngliche Bericht irgendwo verschollen war, musste der Hausmeister ja sowieso vorbeikommen. Und das hatte Unterhaltungscharakter. Der wäre fast in Ohnmacht gefallen wegen des Ausmaßes. Der hat sich kaum noch eingekriegt und immer wieder gemurmelt, dass er sowas auch noch nie gesehen hätte.

“Wat soll ick hier machen, außer ‘Jehaaaw!’ schreien?”

(Nach nunmehr drei Wochen sind Ozie und ich inzwischen dann doch ein wenig gewöhnt an die Ausmaße, da ist es schon lustig, dass ausgerechnet die Fachleute da völlig rumflippen, während wir eigentlich bloß bald mal renovieren wollen.)

Witzigerweise hat der Hausmeister ohne es zu wissen den perfekten Tipp abgegeben. Wir haben ihn wie oben beschrieben nicht mit einem Auftrag entlassen, sondern den Bericht bei uns behalten, um damit bei der Degewo anzurufen, damit die uns vielleicht endlich mal einen Betrag nennen und wir daraufhin eine Entscheidung fällen könnten.

“Aber dit is’ vielleicht eh ‘n Fall für die Instandsetzung …”

hat er gesagt. Was wir kurz darauf am Telefon bei der Degewo einfach mit einfließen lassen haben, und prompt in die entsprechende Abteilung mit zumindest in unserem Fall freundlicheren Kundenberaterinnen durchgestellt wurden. Ich sag’s mal mit den Worten des Hausmeisters:

“Jehaaaw!”

Während wir noch befürchteten, dass das nun noch eine Woche und dann vielleicht noch eine weitere dauern könnte … entschuldigte sich die Dame am Telefon mit:

“Morgen hab ich leider keine Zeit mehr. Aber am Mittwoch …”

Gut, dass der Termin morgens um 10 Uhr ist, ist wie fast jeder Termin zumindest für mich blöd. Und da ein Teil des Schadens auch mein Zimmer betrifft, kann ich schlecht einfach liegen bleiben. Aber sie hat angekündigt, dass wir die Vereinbarung noch vor Ort machen, hatte Verständnis für den Ärger über drei Wochen Hickhack und wir haben ein ziemlich gutes Gefühl, dass wir diesen ganzen Mist mal abhaken und uns dann schnell der Wohnung widmen können.

Muss jetzt halt noch bis 10 Uhr durchhalten … :)

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Außerirdische in #MaHe

Die vergangenen Tage war unser Viertel ja mal wieder in tiefstes Blaulicht getaucht, denn seit einigen Wochen geben sich hier ja Nazis die quasi die Klinke in die Hand: Während die letzten von der einen Demo gerade verschwinden, tauchen die ersten zur nächsten Veranstaltung wieder auf. Und dementsprechend viel Polizei ist eben vor Ort. Der verhinderte Marsch nach Hellersdorf am Samstag hat bundesweit für Aufsehen gesorgt, darüber hinaus veranstalten diese Gestalten ohne Rücksicht auf ihre kollektive Peinlichkeit “Montagsdemos”, auf denen sie “Wir sind das Volk!” rufend gegen die Unterbringung von Flüchtlingen im Stadtteil protestieren. Das wird gerade echt zu einer ekligen Spielwiese für rechte Spinner und es ist überhaupt nicht mehr lustig, 900 aggressive Typen vor der eigenen Haustür stehen zu haben, die offenbar so ein beschissenes Leben haben, dass sie auf der Suche nach Menschen, auf die sie herabblicken können, bis zu nach Asyl suchenden Flüchtlingen gekommen sind.

Den meisten Medien ist inzwischen aufgefallen, dass das ganze keineswegs “bloß” eine Sammlung “besorgter Bürger” (so gerne die Eigendarstellung) ist, sondern dass altbekannte Kader verschiedenster Nazigruppierungen die sind, die die Mobilisierung und Organisation übernehmen. Und wer eine Demo nicht verlässt, die 2014 nach “Wir sind das Volk!” skandiert: “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!”, der kann sein “Wir sind keine Nazis!”-Schild zu Hause lassen – so viel kleinliche Ausdifferenzierung zwischen menschenfeindlichen Geisteshaltungen braucht’s nun auch wieder nicht.

Um die welt- oder zumindest zeitfremden Gesellen ging’s mir aber nur teilweise, als ich das Wort “Außerirdische” in die Überschrift gepackt hab, sondern damit wollte ich auch auf das fast schon gravierendere Problem hinweisen: Der geringe Widerstand. Dass bei diesen “Montagsdemos” die Gegendemonstranten zahlenmäßig unterlegen sind, ist bitter. Wenigstens das schien sich in den letzten Jahren ja rumgesprochen zu haben: Dass Rassismus und Ausländerfeindlichkeit gesellschaftlich nicht toleriert werden und dass die Vollpfosten immer die Minderheit bleiben, egal wo sie auftauchen.

(Mein persönliches Lieblingsverhältnis war irgendwann mal ungefähr 1000 : 7 in Stuttgart.)

Und das Problem ist real. Als am Samstag die Route blockiert und der Widerstand zahlenmäßig überlegen war, hat sich die Zahl der Nazi-Teilnehmer schon während der Demo halbiert, es macht also was aus, wenn Gegenwehr da ist.

Das miese Verhältnis jetzt hat verschiedene Gründe, natürlich. Die Polizei ist z.B. gibt sich wirklich viel Mühe, es eher den Gegendemonstranten schwer zu machen (Ich weiß, das behaupten immer alle Seiten von sich, aber so ein krasses Missverhältnis hab ich selten gesehen – und ein bisschen Demo-Erfahrung kann ich mir schon bescheinigen). Es gibt wenig aktive Antifa-Arbeit im Stadtteil, das Thema mobilisiert bei den Rechten auch Leute, die sonst vielleicht eher seltener demonstrieren; und das Wetter ist ja auch doof, wenn man als Linker so ewig “da raus” fahren muss. “Zu den Plattenbauten”, zu “denen”. Ich möchte nicht kleinreden, dass es in Marzahn überproportional viele Rechte gibt. Und der latente Rassismus in viel zu breiten Bevölkerungsschichten ist natürlich hier wie überall vorhanden.

Was aber irgendwie nicht Naziaufmärsche von knapp 1000 Leuten irgendwie normal oder unwichtig macht. Wieso muss zu einem Treffpunkt, der vom Alex aus so schnell und einfach zu erreichen ist wie halb Kreuzberg, damit mobilisiert werden, dass man ja auch Leute kennt, die da wohnen und das nicht verdient haben? Ich versteh’s ja, dass Marzahn für viele Berliner im Alltag keine Rolle spielt, geht mir mit vielen Stadtteilen ja nicht anders. Aber glaubt ihr, ich fahr am ersten Mai nach Kreuzberg, weil mir jemand erzählt hat, dass es dort so viele hübsche Altbauten gibt, weil ich ja mal rausmöchte aus meinem Ghetto?

Ich komm’ auch nicht immer zu jeder Demo, darum geht’s wirklich nicht. Und ja, auch oft weil der Weg zu weit ist, Asche auf mein Haupt. Ich finde es bloß erstaunlich, dass mich und Ozie als in Marzahn lebende Antifaschisten die Aufrufe eher genervt haben. Und unser Lokalpatriotismus ist uns schon lange bei unseren Umzügen irgendwo verloren gegangen – wenn es ihn je gab. Aber zwischen den Zeilen hat das alles immer so ein bisschen nach Zoobesuch geklungen.

“Heute fahren wir mal in den wilden Osten, wo die Plattenbaubewohner nicht merken, dass ein paar Nazis unter ihnen sind, ho ho ho!”

Das war sicher nicht immer so gemeint und ich will die Intention einzelner Leute auch ganz bewusst nicht in Frage stellen. Es sollte nämlich um was anderes gehen. Darum, dass sich in einem Berliner Stadtteil Nazis breitmachen und aufplustern. Dass sie ohne nennenswerte Gegenwehr in grotesker Zahl eine weitgehend friedliche Gegend heimsuchen, um auf dem Rücken der Allerschwächsten Stimmung für menschenverachtende Politik zu machen. Wir hier in Marzahn sind genauso schockiert davon und nicht irgendwelche Außerirdischen, die von sowas keine Ahnung haben.

Ich wohne hier seit sieben Jahren. Manchmal sogar gut als Linker erkennbar. Mir entgehen die Nazis nicht, die es hier gibt, ich bin vertraut mit deren Symbolik. Aber die meisten kuschen. Die wissen, dass sie hier wie überall kein Lob erwarten können, wenn sie sich außerhalb ihrer Cliquen befinden. Ausnahmen gibt’s sicher, aber im Vergleich zu Stuttgart ist das hier Pillepalle – und ich schätze mal stark, meine ehemalige Heimatstadt wird selten als Nazihochburg angesehen. Gestern aber hatte ich das erste Mal Angst und hab mich in meinem Supermarkt vorsichtig bewegt, weil ein paar Vorzeige-Faschohools der Demo mal eben reingekommen sind, um sich Biernachschub für den Rest des Weges zu besorgen. Ich hab drauf geachtet, wann und wo ich eine Hand frei hatte, um mich gegebenenfalls wehren zu können und ich hab draußen einen Umweg gemacht, um nicht außer Sichtweite der rumstehenden Cops zu gelangen. Die Situation hier wird scheiße ernst hier und das liegt verdammt nochmal nicht an irgendwelchen Plattenbauten, sondern an Nazis. An den selben, die in Schöneweide, Köpenick oder Buch rumlungern.

Ich hab auch nicht mehr die Freizeit oder das Geld, zu jeder Nazidemo im Umkreis von 200 km zu fahren. Und Berlin ist sowieso Demo-Hochburg, da alles mitzunehmen, wäre ein Vollzeitjob. Aber hier geht es um Aufmärsche, die bald die Grenze zur Vierstelligkeit knacken könnten. Die trotz aller Besorgte-Bürger-Romantik verdammt aggressiv sind und wirklich unglaubliche Freiheiten von der Polizei eingeräumt bekommen. Lasst uns bitte nicht alleine, #MaHe ist überall!

#angepissteAnwohner

PS: Nazispam wird kommentarlos gelöscht.

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42 – 9

Geburtstag! \o/

Nun ist es wieder soweit: Der Planet meiner Wahl hat mit mir auf seiner Oberfläche eine weitere Umkreisung seines ziemlich heißen Zentralgestirns komplettiert. 33-mal seit meiner Geburt, und das mit unverminderter Reisegeschwindigkeit. Geburtstage sind auch in dem Alter noch toll, zumindest wenn man Geschenke und nette Glückwünsche kriegt und nicht den ganzen Tag mit der Endlichkeit allen Seins im Gedankengepäck herumrennen muss.

Deswegen auch Danke an alle, die mir was geschenkt haben! :)

Ich feiere nicht groß, wobei “nicht groß” immer noch bedeutet, mit einem Bier in der Hand bei Kerzenlicht hier zu sitzen und den Verzehr der vermutlich kalorienreichsten Torte aller Zeiten entgegenzufiebern. Wir haben uns für dieses Modell entschieden – es allerdings geringfügig modifiziert und insbesondere an der Dekoration etwas gespart:

"Was ist das?" – "Nein! WER isst das?" Quelle: Sash

“Was ist das?” – “Nein! WER isst das?” Quelle: Sash

Wir haben zudem nur die halbe Menge gemacht, denn so lange man keinen Besuch einlädt und sich sicher ist, dass man derzeitig eine monogame Beziehung führt, lässt sich die Zahl der am Verzehr beteiligten Personen relativ sicher unter acht verorten – was ungefähr die Menge an Personen sein dürfte, die die ganze Torte ohne sofortige Herzverfettung gerade noch so überleben könnten. Man sollte einen gewissen Respekt vor Kuchenrezepten haben, die dreimal mehr Nougat als Mehl enthalten …

Wie man also sieht, lasse ich es mir gut gehen. Hab artig die Vandals gehört und trinke genüsslich das ungefähr erste Bier zu viel, während ich das hier schreibe. Sehen wir es als hoffnungsvollen Optimismus meinerseits, dass ich auch die 34 Jahre noch zu erreichen gedenke.

Ich hoffe, Euer Tag wird so gut wie meiner. Und wenn nicht, dann müsst Ihr halt auf euren eigenen Geburtstag warten. Ätsch! ;)

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Sicherheitsidiotie

Ich beschwere mich ja manchmal in politischer Weise über den Wegfall von Freiheit zugunsten von Sicherheit – aber nun hab ich mal ein geniales Beispiel aus einem anderen Segment gefunden. Und ein gleichermaßen harmloses wie trauriges noch dazu. Es betrifft unser Haus, bzw. genau genommen unseren Hausaufgang hier.

Das Traurige ist: Irgendwer pinkelt in den letzten Tagen vermehrt in den Hausflur, vermutlich unten im Kellergeschoss. So genau überprüft hab ich’s nicht, aber der Geruch ist ja ziemlich unverwechselbar. Nun ist das zweifelsohne eklig und auch hier im gerne verpönten Marzipanien nicht gerade gängiger Ausdruck seiner Persönlichkeit. Ansonsten ist es mehr oder weniger harmlos, es wird ja alles regelmäßig gereinigt. Es nervt halt.

Fast schon absurder ist jedoch das, was irgendwelche ganz besonders klugen Nachbarn seitdem wieder machen – und sicher bald wieder proklamieren werden – sie schließen abends ab etwa 19 Uhr die Haustüre zu. Das ist auf so vielen Ebenen bescheuert, wie man es von so einer kleinen Geste kaum erwarten würde.

Es ist zum Beispiel schon mal völlig absurd, bei insgesamt 15 Nachbarn als Einzelpartei damit anzufangen. Noch dazu zu einer solchen Uhrzeit. Ich gehe regelmäßig nach dieser Zeit erst los zur Arbeit. Und auch einige andere hier kaufen gerne mal bis nach 19 Uhr ein oder arbeiten oder haben Besuch oder oder oder. Es ist also schlicht vergebliche Liebesmüh.

Dass keiner groß Bock hat, bei dem Spielchen mitzuspielen, ist auch logisch. Denn das Abschließen bedeutet in erster Linie nichts anderes, als dass man bei jedem Klingeln runter zur Tür gehen muss – und wie wohl die meisten in siebenstöckigen Häusern wohnenden Menschen haben wir uns ziemlich an die Gegensprechanlage und den Türöffner gewöhnt.

Der größte Witz aber ist, dass das überhaupt nix bringt, selbst wenn man es durchzieht. Denn was genau ist wohl nie passiert hier? Genau – ein Einbruch! Welche Sau auch immer sein eigenes Klo nicht findet – es ist entweder ein Hausbewohner oder ein Bekannter. Vielleicht auch ein Briefträger oder ein Angestellter der Wohnungsbaugenossenschaft. Auf jeden Fall aber irgendwer, der durch irgendwen Zugang zum Haus hat – und ihn sicher auch weiterhin haben wird. Und ich wage die steile These aufzustellen, dass sich jemand, der in einen Hausflur pinkelt, kaum dran stören wird, hier und da einmal mehr den Schlüssel umzudrehen.

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Extra-Katastrophe

Kaiser’s reißt nächstes Jahr die Hufe hoch. Bzw. wird von Edeka aufgekauft. Ob das jetzt schlimm ist oder nicht, darüber zerreissen sich sicher schon genug Leute das Maul. Ich schätze am Laden hier vor der Türe eigentlich nur die Einkaufszeiten bis 24 Uhr, ansonsten tut sich viel groteskes dort. Es ist der erste Laden, bei dem ich mehr als einmal festgestellt habe, dass neue Produkte, die schnell ausverkauft sind, umgehend wieder aus dem Sortiment genommen werden. Aber gut, das mag vielleicht meinem speziellen Geschmack geschuldet gewesen sein. Alle fünf bis sieben Mal.

Worauf ich eigentlich rauswollte, war die dieses Jahr eingeführte “Extra-Karte”, ein Rabattsystem wie viele – aber mit einem ganz großen Unterschied: Es ist völlig anonym. Kein Anmelden, einfach nur die Karte mitnehmen und sich, wenn man in den Laden geht, personalisierte Rabattangebote ausdrucken lassen. 5 bis 10 Sachen, die man mit 20 bis 50% weniger sehr günstig bekommt und ein Produkt gratis. An der Kasse dann die Karte scannen, fertig. Natürlich werden da Daten erhoben und ausgewertet, aber so lange das nicht mit einem Namen verbunden ist, finde ich das tragbar. Zum einen bleibt  die leise Hoffnung, dass das tatsächlich genutzt wird, um Verbesserungspotenziale auszunutzen – zum anderen ist es mir immer noch lieber, als bei Telefonumfragen nach meinem Einkaufsverhalten befragt zu werden.

Viel interessanter jedoch für Ozie und mich: Wir wollten das Ganze testen. Wir sind ja Spielkinder und wir hatten selbst jede Menge Ideen, wie der Algorithmus funktionieren könne. Und wir waren gespannt, ob dieser irgendwie clever programmiert ist oder nicht. Wir haben zwar sicher nicht das durchschnittlichste Einkaufsverhalten, aber dafür auch ein paar einfach zu erkennende Muster. Hier mal so, dort mal so. Im einen Segment hätte man uns zum Beispiel Marken- statt Billigprodukte andrehen können, woanders uns zur Konkurrenz abwerben. Und was wohl passiert, wenn das System rausfindet, dass wir kein Fleisch kaufen? Das müsste es doch erkennen.

Müsste.

Tatsächlich scheint der Algorithmus herzerwärmend dumm zu sein. Enttäuschenderweise, sonst würde das wirklich Spaß machen. Alleine, dass nicht einmal bemerkt wird, dass wir gewisse Dinge nicht kaufen – ja nicht einmal mitnehmen, wenn sie uns zehnmal umsonst angeboten werden … hinterlässt einen etwas fassungslos, wenn man überlegt, dass die Programmierer und Designer bestimmt Geld für ihre Arbeit bekommen haben. Und wir kaufen da täglich ein, die Datenlage dürfte für so einfache Dinge wirklich ausreichend sein. Aber nein.
Im Wesentlichen ist es jetzt in den letzten Wochen darauf rausgelaufen, dass wir uns über die Dummheit des halben Zettels geärgert haben und dann am Ende ein paar Dinge, die wir sowieso immer kaufen, gelegentlich ein wenig billiger bekommen haben. Is’ zweifelsohne toll für uns, allerdings so ziemlich das dümmste, was für den Laden bei so einem Versuch rauskommen kann.

Und da wir bei Geschenken nicht auf unsere Regeln schauen, haben wir heute auch noch zwei Pizzen umsonst eingepackt. Aber darauf kommt’s jetzt ja auch nicht mehr an, wo der Laden eh den Bach runtergeht.

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R.I.P. Badregal.

Ich dachte, es gäbe Unmengen Fotos, aber zumindest die entscheidenden habe ich nicht gefunden. Irgendwo gibt es sie, aber wer weiß schon, wo …

Aber egal. Nun in den nächsten Tagen wird unser Werkzeugregal das Zeitliche segnen. Ich will nicht behaupten, dass große Emotionen dranhängen oder dass es ein hübsches Möbelstück war. Aber ich bin damit aufgewachsen. Weitgehend zumindest. Das Foto, das ich gesucht und nicht gefunden habe, zeigt meinen Vater beim Aufbau des guten Stücks 1986. Ganze 20 Jahre später stand es übergangsweise in meiner alten WG, bei mir im Zimmer, und wurde entsprechend noch weniger geschont als damals in einem Haushalt mit zwei Kindern und einer Katze:

Liebevolle Ordnung in meinem Zimmer 2005, Quelle: Sash

Liebevolle Ordnung in meinem Zimmer 2005, Quelle: Sash

Aber ja, selbst das hat das Teil überlebt. Fortan beherbergte es allerdings nicht mehr zahllose Fotoordner (in denen sich ironischerweise das von mir gesuchte Bild des Regals befinden müsste …), sondern unsere mit dem Umzug nach Berlin geradezu explodierte Werkzeugschublade der ursprünglichen Stuttgarter WG:

Was man halt so braucht. Und Peter Müller. Quelle: Sash

Was man halt so braucht. Und Peter Müller. Quelle: Sash

Es hat uns wirklich wertvolle Dienste geleistet. Ob wir nun Schrauben, Glühbirnen, Medikamente oder ein Feuerzeug suchten: All das fand sich – grob als “Werkzeug” verschlagwortet in jenem Regal.

Die 30 Jahre hat es nun nicht geschafft. Was ok ist, denn eigentlich war es selbst für die ersten 20 zu hässlich. Aber man ist ja pragmatisch und wirft nix weg.

Zu Ende ging es nun eines Wasserschadens wegen. Im Gegensatz zum letzten Mal floss die Suppe gestern bis zum Boden und weichte das Regal – und einige andere Dinge – von unten auf. Na herrlich!

Aber ich will ehrlich sein: Hier und da war eine Renovierung schon geplant. Und selbst das altehrwürdige Regal sollte dann mal weichen. Da der aktuelle Wasserschaden aber schon der zweite ist und nicht weniger als 5 Räume betrifft, bleibt doch eine gewisse Skepsis bezüglich unseres Plans, das Bad-/Werkzeugregal nun durch irgendwas höherpreisiges zu ersetzen …

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Banken, ey!

Ganz ehrlich, man braucht ja nicht einmal kapitalismuskritisch sein, um Banken bescheuert zu finden. Und ich will jetzt nicht rumjammern, dass mir meine Bank kein Geld gibt. Da kann ich ja zumindest in Ansätzen noch nachvollziehen, was sie für Gründe haben. Nein, erschreckend finde ich deren “Flexibilität”, die man im eigentlichen Wortsinne von massiven Betonblöcken weit eher demonstriert bekommt.

Ich bin ja eigentlich ein guter Kunde im Bankensinne. Nicht, dass ich fett Kohle gebunkert hätte, quatsch! Im Gegenteil: Ich bin seit nunmehr über 10 Jahren immer im Minus. Aber ich zahle dafür dick Zinsen und wenn es mal spitz auf knapp läuft, hab ich jeden Betrag ranschaffen können. Mein Scoring bei der Schufa muss exorbitant sein für meine Wohngegend, denn obwohl ich nie Geld auf dem Konto hab, zahle ich alle Schulden gnadenlos zurück – und das mögen die fast mehr als Reichtum.

Das Dumme ist, dass man diesem System nicht mit gesundem Menschenverstand kommen sollte.

Ich hab nun nämlich was total vernünftiges gemacht: Einen Termin. Und das eben nicht, weil ich Geld brauchte, sondern weil ich mir dachte:

“Hey, schön, dass das mit dem Dispo soweit klappt, aber ich will ihn ja auch mal loswerden.”

Ich will also der Bank meine Schulden zurückzahlen. Freiwillig. Dass interessiert selbige auch so arg, dass sie meiner Beraterin einen Typen vom Finanzcenter beiordnen. OK, eigentlich verständlich, denn wo sollen denn die schönen Zinsen bleiben? Aber ich will’s ja bewusst mal aus Kundensicht beschreiben.

Also: Ich hab da einen niedrig vierstelligen Dispo, unregelmäßige Einkünfte (wovon die meisten für die Bank nichtig sind, weil kein Gehalt) und ebenso unregelmäßige Ausgaben. Immer wenn ich knapp bei Kasse bin, reize ich meinen Verfügungsrahmen halt aus. Da bin ich sicher ein bisschen blöd im Kopf, aber in Marzahn sicher einer gesunden Mehrheit angehörig. Also möchte ich eine Rückzahlung. Schrittweise, irgendwie – vor allem aber flexibel. Wenn ich mal mehr Kohle hab, zahle ich gerne etwas mehr ab, ansonsten eher sehr wenig. Aber immerhin.

Nun ja. Wie ich erwartet habe, geht das nicht. Und das ist kein Witz. Das Institut, das ich damit beauftragt habe, meine Finanzen zu verwalten, kann das nicht. Denn dafür gibt es kein “Produkt”. Ein Kredit wäre ein solches Produkt, bei dem man geliehenes Geld mit verschiedensten Regelungen zurückzahlen kann. Sowas kriege ich nicht, da nur ein Drittel meines Einkommens von der Bank als “Gehalt” und damit als Einkommen angesehen wird. Mein Dispositionskredit ist auch so ein Produkt, aber dafür zahle ich weit höhere Zinsen, also kann man das nicht flexibel kürzen. Wenn man’s mal so auf den Punkt gebracht hat, fragt man sich, ob man gerade in einem Douglas-Adams-Roman lebt.

Und ich bin ja ein netter Kunde. Ich würde für mehr Flexibilität sogar noch mehr Zinsen zahlen, nur will das die Bank nicht. Und spätestens da muss man sich wirklich fragen, ob sie dort noch alle Tassen im Schrank haben.

Das Einzige, was ich nicht will, ist – und damit hab ich den Finanzberater binnen eines Satzes auf Stumm geschaltet – mir irgendwo mit 2% Zinsen etwas ansparen, um einen Dispo mit 10% Zinsen zu tilgen. Dass das clever ist, hat er auch unmittelbar eingesehen, kurz nachdem er seine Provision für den Altersfürsorgevertrag davonflattern sehen hat. Mit nahezu unglaublicher Kulanz hat die Bank sich nun abgerungen, einen Abbau meiner Schulden

(“Ach, Schulden würde ich das eh nicht nennen …” – O-Ton des Finanzberaters!)

also ein monatliches Kürzen des Dispos anzubieten. Ist nicht flexibel, aber doch immerhin etwas – oder?

Das dachte ich anfangs auch. Nun wurde mir dann allerdings gesagt – und das sollte man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen! – dass es für eine derartige Rückführung normalerweise keine freiwillige Option gibt. “Das System” würde das also von sich aus als Zwangsmaßnahme der Bank auffassen und meine Bonität herabstufen. Nicht, dass die bombig wäre, aber ich vermute stark, dass das auch einen Eintrag bei der Schufa bedeutet. Und da gibt es zumindest angeblich keine Möglichkeit, das zu umgehen. Will heißen: So lange ich Schulden habe, ist alles ok. Wenn ich sie aber freiwillig abbezahlen will, dann wird mir das negativ ausgelegt – einfach, weil für so einen offenbar absurden Fall keiner mal ein Kästchen mit einem Haken ins Formular programmieren wollte.

Also ehrlich: Verarschen kann ich mich auch alleine!

Was ich nun vorhabe, ist schwierig. Aber in meinen Augen die sinnvollste Lösung: Ich kratze von überall so schnell wie möglich alles verfügbare zusammen. Ich beschaffe mir Kohle vom Geschäftskonto bei meiner anderen Bank, arbeite und laufe notfalls am Ende mit einem Sack Kleingeld dort ein. Und dann gleiche ich das Konto aus, verkünde, dass ich jetzt auch das Geld für eine Altersvorsorge hätte und lasse mir einen weiteren Termin geben. Zur Kontokündigung. Wem ich mein Geld anvertrauen soll, so ich mal welches habe, weiß ich nicht. Wem ich es aber einfach niemals gönnen würde … herzlichen Glückwunsch, Berliner Sparkasse! Den Negativpreis unter Aasgeiern muss man sich erst einmal erarbeiten!

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