Echt jetzt, liebe Polizei?

Ich hab es in den Social Networks schon weitgehend geteilt. Aber auch hier nochmal:

Es geht um den Text hinter diesem Link: Durchsuchungsmaßnahmen bei Rechtsextremisten

Um es von vornherein klarzustellen: Ich wünsche mir kaum etwas mehr als das Verschwinden von Nazis und ich bedauere es sehr, dass deren Weltbild gemeinhin keinen Anlass zu einem Massensuizid beinhaltet.
Aber ich finde es eine arg fragwürdige Auslegung des Rechtsstaates, wegen ein paar geklebten Spuckis eine Hausdurchsuchung inkl. Beschlagnahmung von Computern vorzunehmen.
Sicher, ich finde es irgendwie lustig, dass es Nazis passiert. Aber die Vorstellung, dass das gängige Praxis bei der Ermittlung von Leuten wird, die Aufkleber (!) auf der Straße anbringen, lässt mich mehr vor dem Staat erschaudern als vor ein paar rechten Dumpfbacken. :(

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Die Ersten …

In den letzten Tagen ist Mars One ein wenig durch die Medien gegangen. Zu Recht, wie ich finde. Ist es doch zweifelsohne derzeit das einzige Vorhaben, die Menschheit einen Schritt voranzubringen, über den man sich bisher noch nicht einmal im Ansatz Gedanken machen konnte: Das dauerhafte Verlassen des Planeten Erde.

Man darf natürlich skeptisch sein. Nicht nur bezüglich des Projektes selbst, dessen Ziele wahrlich überambitioniert erscheinen. Nein, auch ob der Idee, tatsächlich die Erde zu verlassen. Nicht nur, weil es hier so schnuckelig ist, sondern weil es natürlich eine Menge gesellschaftliche Fragen aufwirft, inwiefern die Menschheit reif dazu ist, alleine mit dem Gedanken umzugehen, dass sie mehr als diesen Planeten zur Verfügung zu haben. So sehr man anerkennen muss, dass wir immerhin ein paar Fortschritte machen, so bleibt doch bezüglich unseres eigentlichen Planeten eine verheerende Bilanz, was unser bisheriges Wirken angeht.

“Vielleicht wäre es besser, wenn die Menschheit sich selbst auslöscht, bevor sie in der Lage ist, den Planeten zu verlassen.”

Diesen Satz hab ich pessimistisch vor etwa 15 Jahren irgendwo notiert und er ist mir nicht mehr aus dem Gedächtnis gegangen. Und darüber nachzudenken lohnt sich sicher immer noch.

Abgesehen vom Nachdenken über unsere (zumeist) negativen Beeinflussung der Umwelt stellt sich bei einem Konolisationsprojekt natürlich auch eine wichtige gesellschaftliche Frage: Was bedeutet es für das Leben auf der Erde, wenn Menschen mit einem gewissen Einkommen notfalls die Möglichkeit haben, diesen Felsbrocken zu verlassen?

Alles spannend, aber das wollte ich gar nicht wirklich vertiefen. Da fehlt mir ganz ehrlich gesagt auch einiges an Grundwissen. Für mich als Laien viel interessanter ist die Frage, wie man sich auf eine Mission bewerben kann, die zwar historisch ohne Vergleich ist, dennoch den Abschied von ALLEM darstellt, was einem bislang noch als Gewissheit dienen konnte.
Die ersten Missionen von Mars One wären nämlich – zumindest voraussehbar – Einwegmissionen. Reisen zum Mars ohne eingeplante Rückkehr. Und damit so ziemlich die völlige Isolation von all dem, was man bislang kannte. Natürlich sind wir in der Lage, mit dem Mars und eventuell dort wohnenden Menschen zu kommunizieren. Aber die Entfernung von ca. 50 bis 350 Millionen Kilometern erschwert die Sache enorm. Vom Gedanken, dorthin zu telefonieren, kann man sich verabschieden, denn jede Antwort auf eine Nachricht würde etliche Minuten Wartezeit benötigen – und wir kommunizieren bereits mit der höchstwahrscheinlich schnellstmöglichen Geschwindigkeit – der Lichtgeschwindigkeit.

Darüber hinaus viel wichtiger: Kann sich überhaupt irgendwer vorstellen, den Rest seines Lebens außerhalb unserer Zivilisation zu verbringen? Da mag die künftige Station auf dem roten Planeten noch so gut ausgebaut sein und die Besatzung mit 40 Leuten vergleichsweise hoch: Nie mehr fremde Menschen treffen? Wirklich nie mehr?

Ich bin ja wirklich ein lichtscheuer Geselle und würde mich als Einsiedler bezeichnen. Aber zum einen hab ich immer noch das Internet, zum anderen habe ich die Gewissheit, mein Leben jederzeit ändern zu können. Wie muss es sein, nach drei Jahren festzustellen, dass alle 39 restlichen Mitbewohner auf meinem Planeten Idioten sind und man trotzdem nie wieder jemand anders zu Gesicht bekommt? Egal, was man macht …
Ich muss ehrlich sein: Ich glaube nicht daran, dass es Menschen gibt, die WIRKLICH bereit sind, diesen Schritt zu wagen.

Auf der anderen Seite kann ich nicht verleugnen, ein Interesse an der Sache zu haben. Und erst recht habe ich Bewunderung übrig für die Leute, die diese Aufgabe auf sich zu nehmen bereit sind. Und ich kann nur hoffen, dass niemand je dieses Risiko einzugehen gedenkt aufgrund eines Star-Ruhmes, von dem einem am Ende – auf dem Mars! – überhaupt nichts bleibt.

Man sieht also: Zu den entscheidenden Fragen, die diese geplante Mission mit sich bringt, will ich mir keine Meinung erlauben. Zu schwierig ist das Thema.
Sollte das Ganze allerdings tatsächlich irgendwann einmal Gestalt annehmen und durchgeführt werden, dann muss ich zugeben, dass die mitwirkenden Menschen, insbesondere natürlich die Astronauten, meinen Respekt haben. Denn gegen das bei Mars One geplante ist objektiv gesehen selbst die Mondlandung unwichtig und allenfalls ein halbgarer Versuch ohne nennenswerte Auswirkungen gewesen – so leid es mir für die Pioniere damals tut.

Vielleicht leben wir tatsächlich in einer Zeit, in der eine der größten wissenschaftlichen Leistungen vollbracht werden wird. Ich bin gespannt.

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Es grünt so … lila!?

Ja, der Frühling ist da. Die Temperaturen fahren zwar hier und da noch Achterbahn, glücklicherweise interessiert unsere Indoor-Chilis nur das Sonnenlicht. Und davon bekommen sie so langsam reichlich. Und das nutzen sie zum Wachsen und Gedeihen.

Hier einmal unsere wunderschönen Purples, die ihrem Namen alle Ehre machen:

Purple Pain, Purple Pain … Quelle: Sash

Außerdem – mit besonders großer Freude und Vorsicht erwartet – fängt nun auch die erste Bhut Jolokia an, Früchtchen zu entwickeln. Noch sind sie zwar winzig, aber wir haben ja Zeit. :)

Und bitteschön:

Noch kann man das Feuer nicht erahnen … Quelle: Sash

Das ist natürlich nicht alles, was hier an Chilis wächst. Insgesamt sind es derzeit 40 Pflanzen unterschiedlichster Sorten. Ob alle durchkommen und groß werden, ist zwar nicht gewiss – aber ein paar Früchte sollten wir schon ernten können in den nächsten Monaten.

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Nu isses raus!

Raus? Was? Na zumindest mal mein halbes Gebiss. Und dank des unterwürfigen Gewinsels bei den Betäubungsspritzen auch meine Selbstachtung – aber sei’s drum!

In einem Anflug von organisatorischer Super-GAUness hatte ich den Zettel verlegt, auf dem stand, wann mein zweiter Zahnarzttermin zur Entfernung der kaputten 6 Zähne auf der rechten Seite ist. So Pi mal Daumen wusste ich, es war irgendwann am Wochenanfang Mitte Mai. Langzeitstudenten lachen über derart akkurate Planung, ich war das ganze Wochenende ein wenig hibbelig:

“Hab ich den Termin jetzt diese Woche, und vielleicht echt schon am Montag?”

Ich hätte am gestrigen freien Abend nach einem anstrengenden, aber sehr schönen, Wochenende gerne einfach ein paar Bier in den Morgenstunden getrunken und feierlich ausgeschlafen. Stattdessen war da dann ein eher verkrampftes Warten auf 8 Uhr – viel zu spät, ich war müde! – um umgehend beim Zahnarzt anzurufen. Und immerhin: Es war gut so.

“Ich muss gestehen, ich weiß nicht mehr genau, wann mein Termin bei ihnen war …”

“Um 9 Uhr.”

Gut, dass wir das Internet haben und ich nicht auf Verdacht erst um 9 Uhr zum Telefonhörer griff. 60 Minuten nach meiner Frage etwa setzte der Chirurg mit den Worten “da ist es besonders unangenehm” die fünfte von sieben (oder waren es neun?) Betäubungsspritzen – ein Vorgang, der in mir die niedersten Instinkte zu wecken vermöchte. Vor einem Jahr noch zahnarztscheu lasse ich mich ja inzwischen beim normalen Bohren grundsätzlich ohne Betäubung behandeln. Das tut zwar auch mal ein bis zwei Minuten lang höllisch weh, aber meine Schmerztoleranz ist eben auf unterschiedlichen Gebieten unterschiedlich ausgeprägt. Und ich ziehe Bohren am offenen Nerv dem Stechen ins Zahnfleisch vor. Klingt irrational, ist für mich aber angenehmer.

(Im Übrigen ist das nicht eine pauschale Angst vor Spritzen. Ich mag sie nicht, ja. Aber nach meinem Beinbruch vor ein paar Jahren hab ich mir selbst welche in den Bauch setzen können und ich kipp auch beim Blutabnehmen nicht um. Im Mund geht halt gar nicht!)

Nachdem das erledigt war, bin ich eigentlich recht entspannt auf den Behandlungsstuhl gekraxelt. Dass der Rest easy werden würde, war mir klar. Im Grunde war ich eher versucht, einzuschlafen als nervös zu werden. Zu meinem Erstaunen fragte mich der Arzt, ob ich weniger rauchen würde, was ich verneinte. Im Gegenteil: Nach der letzten Zigarette vor der Praxis hatte ich mich noch geärgert, dass ich keine Bonbons mehr zum Überdecken hatte. Ich vermute, das hat dann die Tomatensuppe vom letzten Abend erledigt, bzw. die etwa 6 Zehen Knoblauch darin.
Ganz schmerzfrei ging der eigentliche Teil des Spektakels dieses Mal nicht vonstatten – obwohl selbst meine Nase zur Hälfte taub war – am Ende stand ich aber trotzdem nach kaum 45 Minuten im Gang und hab auf die Frage, ob es mir gut ginge, eloquent geantwortet, dass das zwar der Fall sei, mir aber just das Sprechen über diesen Umstand in Anbetracht von Schwellungen, Betäubung und Tupfern im Mund ein bisschen schwerfallen würde. Ich glaube, meine Wortgewandtheit wird von Ärzten wesentlich weniger geschätzt als von der Durchschnittsbevölkerung.

Die letzten 10 Stunden waren hart. Mal abgesehen von den psychischen Problemen, die das Essensverbot nach Zahnarztbesuchen jedes Mal bei mir auslöst, hatte ich mit der Zeit wirklich wirklich schlimme Schmerzen. Warum sie dort in der Praxis nicht einmal Rezepte für Ibuprofen 800 ausstellen, hab ich noch nicht rausgefunden. Die 400er, die sie stattdessen verschreiben (obgleich rezeptfrei billiger zu bekommen), nehme ich bei leichten Kopfschmerzen. Nach zweien davon konnte ich wenigstens schlafen.

Gut, jetzt bin ich wieder mehr oder weniger wach – vor allem aber (nach noch einer Tablette) schmerzfrei. Damit sollte ich das Wildeste hinter mir haben, ab jetzt geht es bergauf. Ein oder zwei kleinere Bohrereien an einem anderen Zahn werden nächsten Monat noch folgen, dann ist der unangenehme Marathon mit den Beisserchen wohl erst einmal vorbei für mich. Dann geht es noch an den Ersatz für das, was heute unter großem Knirschen aus meinem Kiefer entfernt wurde. Ich vermute, das wird halb so wild.

Und meine Uhr sagt mir gerade, dass es jetzt Kartoffelpüree gibt. Und das wird auch Zeit. Eigentlich wollte ich ja heute morgen vor dem Schlafengehen, vor 12 Stunden, noch kochen.

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Fünf Minuten

Fünf Minuten ist immerhin die Hälfte der Zeit, die Edmund Stoiber ungefähr braucht, um in einen Hauptbahnhof einzusteigen. Man kann die Zeit auch brauchen, um zum Beispiel, sagen wir … eine Bifi einzukaufen.

Begonnen hat alles mit einem schönen Herrentagseinkauf eines mir nicht näher bekannten jungen Mannes. Er stapelte ziemlich genau 10 Liter Bier, etwas Schnaps und Grillkohle aufs Band hier im Kaiser’s. Ein Einkauf, wie man ihn nur tätigen kann, wenn man seine Finanzen strikt im Griff hat. Seine Freundin legte deswegen ihren Einkauf – besagte Bifi – pflichtschuldigst gesondert aufs Band.

Der Kassierer nannte den Preis, es waren 1,39 €. War ja keine normale Bifi, sondern irgendeine von diesen Super-XXL-Rolls. Kann man sich ja mal rauslassen, der Freund würde bestimmt nicht mehr zur Nahrungsbeschaffung taugen in den nächsten 24 Stunden.

Statt nun kurz die offene Rechnung zu begleichen, rief die junge Dame “Oh!”, um daraufhin – tolle Wurst! – mit dem erbeuteten Snack wieder in den Tiefen des Ladens zu verschwinden. Sie ignorierte das Rufen ihres Begleiters (“Hey, ich kann Dir auch …”) und war schneller außer Sichtweite als wir alle gucken konnten.

Der Kassierer blickte ratlos seinen letzten Kunden (den Freund) und seinen nächsten Kunden (mich) an und murmelte:

“Wenn ich jetzt wüsste, was genau sie vorhat, könnte ich ja schon einen Storno ausrufen, aber – was macht sie jetzt?”

Der Freund zuckte mit den Schultern:

“Keine Ahnung!”

Ich tat es ihm nach. Hätte sonst vermutlich auch unangenehme Fragen aufgeworfen.

Der Angestellte nahm das mit einem Stirnrunzeln locker und hat den Leuten hinter mir gleich verkündet, dass nebenan auch noch eine Kasse offen sei, ihm sei gerade die Kundin weggerannt. Verwunderung, Tütenrascheln, alles friedlich. Nach anderthalb Minuten unruhiger Stille tauchte Madame auch wieder auf und stellte sich nun mit einer neuen Bifi – dieses Mal das preisreduzierte Normalmodell – hinten an die trotzdem langsam anwachsende Schlange an. Ihr wurde bedeutet, gleich vorzugehen, der Kassierer rief daraufhin einem Kollegen zu, er möge mal bitte einen Storno ausrufen und so verging weitere Zeit mit dem Warten auf den Stornierungsbeauftragten.

5 Minuten, alleine um eine Bifi zu bezahlen. Slow Food fängt im Laden an.

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Urlaub im Alltag

Es ist jetzt 4:00 Uhr morgens und ich hatte gerade Lust darauf, mir beim Döner ein paar Bier zu holen. Hab ich dann auch gemacht. Schön, dass der Laden immer offen hat und dass die Mitarbeiter dort zu Stammgästen außerordentlich freundlich sind.

(Wobei ich eigentlich nur noch sehr selten dort vorbeischaue, um mehr als eine Schachtel Zigaretten zu kaufen.)

Die Temperaturen gehen langsam ins Frühlingshafte, mehr als ein dünnes kurzärmeliges Hemd musste ich nicht anziehen. Also gut, Hose und Schuhe natürlich auch – aber Ihr wisst, was ich meine.
Als ich so auf die Baumgruppe zulaufe, die uns hier von Kaiser’s und Konsorten trennt, streift mich ein wohliger Schauer. Für manch einen mögen die Bäume hier in der Dunkelheit bedrohlich emporragen, ich mag sie. Aber nicht einmal, weil es Bäume sind. Der Parkplatz, der Weg zwischen den Bäumen durch – auch die geschlossenen Türen der Supermärkte, die ich tagtäglich besuche: All das hat sich auch nach fünf Jahren in dieser Gegend für mich noch nicht gänzlich als Heimat etabliert. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass meine Heimat wohl auf ewig Stuttgart sein wird, wer weiß.

Gelegentlich spüre ich jedenfalls dieses leichte Kribbeln im Nacken, dieses Gefühl, mit jedem Schritt Neuland zu betreten, das zu entdecken sich lohnt. Vor meinem inneren Auge Bilder der doch recht zahlreichen Ferienwohnungen und -Häuser, die ich im Laufe meiner Kindheit gesehen habe, Erinnerungen an fremde Straßen, zu erkundende Dachböden und ungewohnte Häusersilhouetten am Horizont. Ironischerweise gepaart mit dem dumpfen Sicherheitsgefühl im Hintergrund, in vertrauter Umgebung zu sein.

Der Gegend hier in Marzahn wird viel nachgesagt, niemals jedoch, dass sie schön sei. Mit gewisser Berechtigung. Das Haus, in dem ich wohne, ist gut und gern 200 Meter lang und zwischen 20 und 40 Meter hoch. Ein zierliches Gebäude hier in der Umgebung. Frisch hier eingezogen fremdelte ich wie jeder Neue mit diesen Gegebenheiten, Plattenbausiedlungen kannte ich eben überwiegend als Ghetto, als Symbol für Tristesse.

Tatsächlich jedoch gibt es Orte, die ich wesentlich furchtbarer finde. Meine – obwohl damals heißgeliebte – Grundschule präsentiert sich in grauerem Grau als die Gegend hier, bedrückenderweise garniert mit der in meinen Augen unsagbar hässlichen abstrakten Kunst der 1970er-Jahre. Eine Bekannte wohnte vor Jahren in einer ehemaligen Kaserne, hübsch hergerichtet nach dem Abzug der Amerikaner. Eigentlich. Kam mir aber immer viel fremder vor als die hier stehenden Wohnsilos der überpragmatischen DDR-Architekten. Zu guter Letzt sei auch noch die ehemalige Bude eines ehemaligen Mitbewohners genannt. Hier in Berlin, in Kreuzberg. Bergmannkiez, angesagte Gegend. “Schöne” Altbauten, Haus an Haus, hohe Decken und Stuck, verzierte Fassaden, Kopfsteinpflaster auf der Straße. Gemeinhin als nett, gemütlich und pittoresk empfunden, ekeln mich diese durchgehenden Häuserfronten ohne Grün und dieser pseudoaltbackene Flair regelrecht an. Wie die meisten wohl über Marzahn urteilen würden: Dort bekomme ich Depressionen binnen kürzester Verweildauer.

Ich kann froh sein über meinen Geschmack. Dadurch, dass er nicht dem der Mehrheit entspricht, sind die Mieten hier noch bezahlbar, bleibt der große Trubel aus und ich treffe keinen einzigen Menschen, wenn ich mal nachts um 4:00 Uhr auf die Idee komme, mir ein paar Bier zu holen.

Es ist nicht immer leicht, einen anderen Geschmack zu haben als die Mehrheit, insbesondere in Bereichen, in denen man keinen Bock hat, ständig kämpferisch für seinen Standpunkt zu werben. Bei der Auswahl der Wohngegend entpuppt sich das bei mir als großer Vorteil. Deswegen möchte ich Marzahn eigentlich auch niemandem empfehlen. Auch wenn es sich hier manchmal anfühlt wie Urlaub.

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Komma inne Puschen!

Ein paar von Euch erinnern sich vielleicht noch: Ich hab im Februar ein eBook veröffentlicht. OK, schon gut: Ihr seid nicht ganz so vergesslich wie ich. :)

Nun ist eine feine Sache an Büchern ja, dass man damit Geld verdienen kann. Das tue ich auch und ich bin für den ersten Versuch ja bislang auch zufrieden. Man darf gerne drüber streiten, ob das schon viel ist, aber die mit weitem Abstand meiste Kohle waren die knapp 400 €, die alleine in den ersten 10 Tagen im Februar durch den Verkauf von rund 200 Büchern reingekommen sind.

Den Verkauf hab ich ja Amazon überlassen. Bei allem Für und Wider halte ich das nach wie vor für nicht die schlechteste Lösung. Es sind nunmal viele meiner Leser auch Amazon-Kunden und auf Anfrage hin gebe ich ja nebenbei auch einzelne Exemplare an die Leute raus, die so nicht rankommen. Auch der Einbehalt von 30% des Einkaufspreises seitens Amazon ist im Vergleich zu den Mitbewerbern auf dem Markt und erst recht zu den Verlagen bei Druckbüchern fantastisch. Klar, dafür machen sie auch wirklich nur die Zahlungs- und Versandabwicklung, aber das war auch genau das, was ich wollte. Auch wenn es bei großen Unternehmen wie Amazon immer gerechtfertigte Kritik geben wird – ich konnte das auch echt nicht alles alleine machen, ehrlich.

Um’s kurz zu machen: Für mich, der ich ein eigenes eBook veröffentlichen wollte, war das eine faire Sache – und ich hab weder davor beim Suchen, noch hinterher beim sporadischen Nachsehen eine bessere Alternative gefunden. So aberwitzig ich den Satz aus meinem Mund über einen internationalen Konzern auch finde: Nirgendwo sonst hab ich ein ausgewogeneres Kosten-Nutzen-Verhältnis für mich und die Leser gleichermaßen gefunden. Selbst attraktive Nischenangebote haben am Ende absurde Vertragsklauseln gehabt und bei den meisten Diensten hätten sich halt 90% ein neues Konto einrichten müssen, anstelle der vielleicht 5 Leute, die das jetzt bei Amazon gemacht haben.

Aber gut: Komma inne Puschen!

Es geht nämlich um einen kleinen Nebenkriegsschauplatz: Die von Amazon lassen sich echt Zeit …

Die Vertragsbedingungen für Autoren dort sind schon so gewagt: Nach Ende eines Abrechnungsmonats gibt sich der Händler satte 6 Wochen Zeit bis zur Auszahlung. Das ist nicht schlimm* und das weiß man als aufmerksamer Unterschreiber eines Vertrages ja auch vorher. Allerdings ist sogar Amazon selbst z.B. bei der Werbekostenerstattungs  ganze 2 Wochen schneller.

Von so engagierten Leuten wie meinen Chefs, bei denen es von meiner Abrechnung im Büro bis zur Lohnauszahlung selten länger als 5 bis 7 Tage dauert, wollen wir da mal gar nicht reden.

Aber, jetzt können wir den alten Adam Riese mal exhumieren: Abrechnungsmonat war der Februar. Der letzte Tag plus 6 Wochen ist gleich? Genau: 12. April. Und, ihr werdet es sicher schon erraten haben: Das Geld ist noch nicht da. Genau genommen kam 8 Tage nach diesem Tag eine Mail, in der mir die baldige Zahlung bestätigt wurde – mit dem Vermerk, dass es durchaus bis zu 5 Werktage dauern könne, bis das Geld dann auf dem Konto sei. Bei sehr großzügiger Auslegung zu Gunsten von Amazon sind wir heute bei Werktag 7.

Ich will da sicher kein Fass aufmachen. Ein paar Tage hin oder her … im Vergleich zur Kirchengemeinde, die meinen Zivi-Sold zahlen musste, ist das noch human. Die hab ich in den ersten drei Monaten ständig nerven müssen, bis sie mir mal halbwegs zeitnah (und vor allem auch den mir zustehenden Betrag) gezahlt haben.

Aber in Anbetracht der Tatsache, dass Amazon eben wirklich NUR die Bezahlung zu organisieren hat, sich dann ewig Zeit lässt und zusätzlich auch da noch überzieht … nee, also wirklich überzeugend ist das nicht. :(

Entscheidender inhaltlicher Nachtrag: Heute, am 2. Mai, ist die Kohle angekommen. Ohne, dass ich bislang interveniert hätte. Jetzt bin ich mal gespannt auf nächsten Monat. :)

*Wird wohl auf ewig getoppt bleiben von der VG Wort, die für eine nicht einmal transparente Abrechnung etwa 10 Monate braucht.

PS: 581 Wörter für einen Eintrag, der sagen soll: “Ich bin pleite, aber nicht alleine schuld dran.” Ich hab’s eindeutig noch raus mit dem Rumschwurbeln! ;)

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