VdHS – die in sich ruhende Crème de la Crème der Menschheit

Was für ein Spaß!

Es ist inzwischen über vier Jahre her, dass ich mal ganz schnell in einem kurzen Rant ein paar böse Worte über einen Flyer der VdHS (Verbreitung der Heiligen Schrift e.V.) verloren habe. Ich würde heute vielleicht nicht die gleichen bösen Worte verwenden, aber in der Sache verteidige ich den Eintrag von damals auch heute noch, weil in dem Flyer, der diese krude christliche Schuldauffassung alltagstauglich machen wollte, stand, dass der Leser dieses Textes, so er noch nicht zu Jesus Christus gefunden hat, sich nicht einbilden solle, ein besserer Mensch zu sein, als beispielsweise ein Mann, der seine Kinder verprügelt.

Tolerant wie ich bin, lasse ich solche Menschen unter uns weilen, aber Religionsfreiheit bedeutet eben nicht, dass ich so einen Quatsch unkommentiert lassen muss.

Wie?

Ja, ich hätte das ja auch schon längst vergessen! Ich hab bestimmt auch mal irgendwo über eine verspätete Bahn gemeckert, weiß ich jetzt aber nicht mehr. Die eingebaute Ironie im Internet hat nun aber dafür gesorgt, dass dieser kleine Rant bei Google direkt hinter der Homepage des VdHS landet, wenn man vdhs in die Suche eingibt und dort trotz (oder wegen) des leicht polternden Titels „Spinner, staatlich begünstigte“ gerne von Anhängern des Vereins geklickt wird und – was noch lustiger ist – offenbar für irgendwas größeres gehalten und entsprechend engagiert kommentiert wird. Bei der Größe der Anhängerschaft des VdHS scheint das dauerhaft in erträglichem Rahmen zu bleiben, aber neulich musste ich dann schlucken, als „der goldene Aluhut“ folgenden Tweet veröffentlichte:

Aber ja: Inzwischen ist ein Meme aus einem Kommentar in diesem Blog (Nix für schwache Nerven) geworden! Ich hau mich weg!

Da kann man mit inzwischen weniger als 100 Besuchern täglich ja schon ein bisschen stolz sein. 😀

Das beileibe wichtigere Phänomen aber ist wirklich die Größenordnung des Ganzen; Dass sich in meinem Kommentarfeld jetzt schon Apologeten herumtreiben, ist ja das eine. Was sie mir raten, das zweite:

Neben den wirklich sehr wirren Reden von „Penner Wilhelm“ erreichen mich alle paar Wochen immer wieder mahnende Stimmen, dass ich mich doch nicht so aufregen soll und dass mir ein Studium der Bibel gegen meinen atheistischen Zorn sicher gut tun würde. Während ich an letzterem vor allem kausale Zweifel habe, stelle ich doch vor allem mal fest:

Ich hab mich kurz und lautstark geärgert.

Die VdHS-Anhänger ärgern sich seit nunmehr vier Jahren darüber!

Seit vier Jahren! Obwohl außer ihnen und ein paar treuen Stammlesern niemand je was davon erfahren hat (oder sich drum kümmert, was ich hier privat ins Netz schreibe). Und dann erzählen sie mir was von negativer Grundeinstellung, davon dass ich – mein Favorit! – seelenlos wie ein Stein sei und wie destruktiv mein Vorgehen gegen den VdHS ist.

Natürlich beantworte ich gelegentlich einen solchen Kommentar. Man kümmert sich ja auch um unfreiwillige Leser.

Und ja, auch dabei enstehen manchmal zynische Aussagen, bei Hetze auch mal richtig fiese Worte; oder ich lasse mich tatsächlich zu destruktiven Dingen wie einem Kopfschütteln hinreißen. Das hat aber nur wenig darüber auszusagen, wie schlimm mein Leben in den letzten vier Jahren war. Sehr wenig. Was ich jedenfalls in den vier Jahren nicht gemacht hab, war immer wieder den gleichen Blogeintrag anzuklicken, den irgendwer mal geschrieben hat und den ich nicht mag, um dann erneut zu kommentieren, dass mein Leben besser ist. Das nur mal so als subtiler Hinweis.

Und an Euch Leser: Denkt Ihr, wir schaffen hiermit Platz 3 bei Google? Mit ein bis zwei Backlinks vielleicht? Jetzt auch mal ehrlich als Hilfe für den VdHS. Die haben nix außer ein bisschen Glauben und sie glauben eben gerne dran, dass das hier ein wichtiger atheistischer Blog ist. Ich habe Kraft meiner Admin-Rechte hier im Blog diesen Auftrag verstanden!

😉


PS: Den Titel hab ich natürlich schon mal so gewählt, wie ich ihn gerne bei Google sehen würde: Als Kontrast zum ersten Artikel. Mit anderen Worten: Es hat Spaß gemacht, ich will das Spiel nochmal durchspielen.

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Faktenfreie Politik

Leute, bitte! Schaltet Euer Hirn an!

Ich weiß, mit so einer Aufforderung klingt man heutzutage kam mehr anders als ein Verschwärungstheoretiker, der die Welt glaubt, endlich begriffen zu haben und tatsächlich doch eher im eigenen Klo die Kackreste nach Chemtrail-Spuren durchknetet, ohne daran zu denken, dass die eigenen Körperausscheidungen vielleicht aus anderen Gründen nicht gerade verzehrfertig wirken.

Politik ist eine wilde Geschichte und meinen Ärger darüber, wie viel Prozent die AfD in Berlin – oder noch schlimmer: in meinem Bezirk, in meinem Wahlkreis – bekommen hat, kann man in vielerlei Hinsicht einfach damit abtun, dass Menschen eben verschieden sind, verschieden denken, verschieden fühlen. Politik war nie eine Null-Eins-Entscheidung und ich muss trotz aller Gegenwehr gegenüber faschistischen Tendenzen inzwischen auch zugeben: Ja, ich verstehe das. Irgendwie. Ein Bisschen. Ein besseres Gefühl verordnen geht leider nicht. Ich würde Rassisten gerne das Gefühl nehmen können, sich in Anwesenheit von Menschen mit dunklerer Hautfarbe unwohl zu fühlen, aber das kann ich nicht.

Der Treppenwitz der Geschichte ist: Eigentlich gibt es ein Mittel dagegen: Fakten.

Wir Menschen sind inzwischen im Zeitalter von Elektronik und künstlicher Intelligenz angekommen, wir haben für so ziemlich alles zumindest vorläufige wissenschaftliche Modelle entwickelt. Die sind nicht immer perfekt, aber immerhin das Beste, was wir bisher haben. Und ihnen allen ist gemein, dass sie am Ende zu dem Ergebnis kommen, dass das, was die AfD fordert, Bullshit ist.

Es mag den ein oder anderen versöhnlich stimmen, dass der Klimawandel angeblich unabhängig von menschlichem Einfluss ist, manch Bibelhöriger mag Homosexualität weiter als Ergebnis einer linkgsgrünversifften Umerziehung sehen und wieder andere mögen Flugzeuge als Unheilsbringer sehen, die uns absichtlich Giftstoffen aussetzen.

Als Theorie ist das alles von der Meinungsfreiheit gedeckt und daran will nicht einmal ich rütteln. Überprüft die Daten, die Regierung, die Konzerne, bitte gerne! Das darf nicht nur so sein, das soll und muss Teil der Gesellschaft werden oder bleiben!

Aber wir haben nun inzwischen das Jahr 2016, wir müssen auch ein wenig realistisch sein. Mehr als ein halbes Jahrhundert Raumfahrt mit allen angefallenen Daten lässt einem Hobbyingenieur, der in seiner Garage Einsteins Relativitätstheorie widerlegt haben will, eben nicht mehr allzu viel Spielraum. Es gibt einfach Grenzen, die eben nicht politisch gezogen, sondern einfach real sind. Egal, ob man sie mag oder nicht.

Krasser Break: Flüchtlingspolitik.

Berlin ist im letzten Jahr bekannt geworden dafür, dass am LAGESO unendlich lange Schlangen existierten. Geflüchtete, die einfach nur registriert werden wollten, um irgendwie überhaupt mal „ins System“ zu kommen – also Lebensmittelgutscheine und ein paar Euro Direkthilfe zu bekommen – standen teilweise tagelang an und mussten von freiwilligen Helfern mit Wasser versorgt werden, damit sie nicht umfallen. Das wurde (glücklicherweise) als Skandal betrachtet und etliche Medien berichteten darüber. Immerhin.

Ich hab vor ein paar Wochen mit ein paar Rassisten gesprochen. Nur so mittel freiwillig, aber man nimmt ja mit, was man kriegt. Die beiden (ein Ehepaar) haben in Berlin drei Unternehmen. Zwei Restaurants und eine Firma, die im Baugewerbe angesiedelt ist. Sie mögen ihre Schwierigkeiten haben, das will ich den beiden nicht absprechen. Wir haben es alle nicht leicht. Aber während sie nebenbei die Kneipe, in der wir saßen, als „Goldgrube, wenn das so weitergeht“ bezeichneten, bemängelten sie, dass „den Flüchtlingen“ im Gegenzug ja „alles geschenkt“ würde. Und ich  hab nachgefragt, sie meinten das ernsthaft. Obwohl ich einwarf, dass die ja erst recht ihre Probleme mit der Bürokratie und den entsprechenden Ämtern hätten, stand für das nette deutsche Unternehmerpaar fest, dass Flüchtlinge in Deutschland ja nur reingewunken werden, umgehend HartzIV plus irgendeinen Bonus, eine Gewerbeanmeldung, freie Verköstigung, problemlosen Familiennachzug, Steuererleichterungen und vermutlich darüber hinaus noch zwei Millionen Euro in bar bekommen. Und um ehrlich zu sein: Ich übertreibe nur beim letzten Punkt.

Dass das Bullshit ist und Flüchtlinge weit tiefer in der ungeliebten Bürokratie feststecken als wir Deutsche uns das je vorstellen könnten: Egal, weil „Ich weiß, dass es so ist!“.

Es ist nicht einmal wichtig, von welchen Youtube-Apologeten diese Leute ihr „Wissen“ beziehen. Idioten und Verschwörungstheoretiker gibt es ja nun zuhauf, da will/soll/muss man niemanden besonders hervorheben. Die in meinen Augen besonders dramatische Entwicklung ist dementsprechend auch nicht, dass es hier und da Idioten gibt. Das ist ok, ganz ehrlich. Inklusive Reichsbürgern und Homöopathen.

Schwierig wird es aber da, wo wider besseres Wissen Politik gemacht wird. Da, wo einwandfrei nachgewiesene Unwahrheiten als Wahrheit verkauft werden, da wo es nicht einmal mehr um abstrakte Graubereiche geht, sondern wo Lügen passen, wenn sie nur den aktuellen Kurs unterstützen.

Natürlich: Ich hab auch meine Meinung und die ist für viele oft zu weit links der Mehrheit.Das könnt Ihr mir gerne negativ auslegen und so unfassbar weh es mir  hier und da auch tut: Weisst mich auf Widersprüche hin, kritisiert mich, sagt mir Eure Meinung! Denn es gibt eines, was ich mir auf die Fahne schreiben kann: Ich bin nicht perfekt, ich habe nicht heute schon und ohne Zweifel die Lösung für alle Probleme dieser Welt.

Und genau deswegen würde ich nie einen Drecksverein wie die AfD wählen, die so einen Bullshit behauptet.

Und da geht es eben nicht darum, ob ich links bin, ob ich die (aktuelle) Regierung mag (Nein, mag ich nicht!), sondern einfach nur darum, ob ich meine Überzeugung daran ausrichte, was ist; oder daran, was vielleicht sein könnte, würde alles ganz anders sein als alles, was mir auch nur von Bekannten in einer mir nach undurchsichtigen Algorithmen durcheinandergewürfelten Reihenfolge in die Timeline gespült wird.

Wegtreten!

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Filed under Politik

Sash, 34, Dunkelträumer

Da komme ich eben heimgefahren und stelle fest, dass alles anders aussieht. Und, o ja, da sind wohl ein paar Straßenlaternen ausgefallen. Passiert, kann man ignorieren oder sich sogar ärgern. So ganz ohne Grund stehen sie da ja nicht. Ich aber mag das. Jetzt nicht einmal, weil ich mich sowieso eher auf der dunklen Seite des Planeten wohlfühle. Ich mag es einfach, nachts meine übliche Umgebung mal anders zu haben.

Das ist kein großes Ding, aber seit ich festgestellt habe, dass viele Menschen erst einen Urlaub in anderen Ländern brauchen, um sich einfach mal über Veränderungen zu freuen, bzw. sie überhaupt erst zu bemerken, schätze ich diese kleine Macke von mir sehr. Damit will ich mich keinesfalls gegen Urlaub oder das Kennenlernen anderer Länder und Gegenden aussprechen, natürlich nicht! Das ist prima und immer eine gute Idee!

Aber ich mag es insgeheim sehr, dass mir für manches kleine und wohlige Schaudern sowas Belangloses wie der Ausfall von ein paar Straßenlaternen in Berlin-Marzahn ausreicht. Und wenn’s nur ist, um sich sicher zu sein, dass „langweilig nach außen“ nicht zwingend „tot innendrin“ bedeutet. 🙂

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Filed under Lichtblicke im Alltag

„Well, it isn’t exactly pizza …“

Aufgrund des Besuchs eines ehemaligen Mitbewohners hatte das letzte Wochenende erstaunlich viel mit Freizeit, Netzabstinenz und Bier zu tun. Was so gesehen ja ohnehin erst einmal wie eine tolle Idee erscheinen muss. Besonders zu schätzen wusste ich allerdings, dass wir zwei uns nach der vagen Vereinbarung, dass es zum Abendessen Pizza geben sollte, im Supermarkt unserer Wahl umgesehen haben und am Ende nicht nur Salami und Peperoni im Einkaufswagen hatten.

Ich mag Experimente in der Küche ja eigentlich immer, aber natürlich schluckt der Alltag die meiste Kreativität dann doch und man macht einmal mehr eine der bewährten und somit zu Recht für gut empfundenen Mahlzeiten. Und da bin ich auch ein Freund von, ich will das nicht schlechtreden.

Aber nun hatten wir binnen kürzester Zeit Pfifferlinge und Ziegenkäse im Korb und planten das ernsthaft für eine Pizza. Dazu kamen zuhause noch Zwiebeln, Speck und nicht zuletzt ein paar gehaltvolle Habanero-Chilis.

Ich verstehe jeden sparsamen Blick auf diese Geschichte, ich schwöre!

Aber wir haben es durchgezogen: Pizzateig, Tomatenpampe, Ziegenkäse, Chili und Zwiebeln in den Ofen, dann die Pfifferlinge in die Pfanne, um sie zuletzt einfach obenauf zu legen.

Wie der Titel bereits sagt: Es ist am Ende nicht unbedingt das geworden, was man erwarten würde, wenn man sich eine Pizza vorstellt. Aber es war ein sehr interessantes und – was nach dem Wort „interessant“ meist zurecht fehlt – leckeres Essen. Man könnte diesen Beitrag mit der üblichen Quintessenz „Wieder was gelernt“ beenden, aber ich füge der Lustigkeit halber lieber noch einen Dialog während der Mahlzeit an:

„Hmm, ich hätte die Pilze doch besser vorher waschen sollen.“
„Ach, egal. Wir haben ja Pfeffer und Salz.“

Wohl bekomm’s!

😀

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Filed under Mein Haushalt

Psychosomatik, fick Dich!

Ich versuche ja, vorbildlich zu sein. Ich trage jetzt schon viel meine neue Brille im Taxi. Noch nach Lust und Laune, aber ja, ich müsste das ja auch noch nicht tun. Was ich jetzt binnen der ersten zwei Tage erlebe, ist aber alles andere als schön, das muss ich schon ehrlich sagen.

Dass ich überrascht bin, wie viel mehr Sehschärfe ich mit der Brille habe, das wird sicher die wenigsten verwundern, die sich irgendwann auch mal eine Sehhilfe haben anfertigen lassen (müssen). Und auch mir ist klar, dass ich sie trotz eigentlich ganz guter Werte nicht umsonst trage. Ebenso ist mir klar, dass es natürlich nach einer Stunde mit Brille komisch vorkommt, sie abzunehmen. Dieses Gefühl, plötzlich „viel“ schlechter zu sehen, ist natürlich einschneidend. Für langjährige Brillenträger sicher weniger, für mich aber um so mehr.

Aber egal, Umgewöhnungen und so. Man weiß ja eigentlich, wie geil das Gehirn sich alles zurecht biegt.

Was mich die letzten zwei Tage aber auch beschäftigt, ist, dass ich auch Stunden nach dem Absetzen der Brille das Gefühl habe, viel viel schlechter zu sehen, als ich das bisher je getan habe. Im Hintergrund ist da immer dieses Gefühl, das mir sagt:

„Fuck, mit Brille könnteste das jetzt sicher besser erkennen!“

oder:

„Scheiße, alles unscharf, ich kann nicht richtig sehen!“

Obwohl der Unterschied wie gesagt sehr gering ist.

Manchmal denke ich mir, dass es einfacher wäre, einfach nur den Gedanken zu hassen, jetzt eine Brille tragen zu müssen.

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Filed under Mein Haushalt

Sucht und Sicherheit

Rauchen ist scheiße, machen wir uns nix vor. Aber ja, ich bin als typischer Nikotinjunkie eben süchtig und rede mir das dementsprechend (das ist Teil des Krankheitsbildes) schön. Aber darum soll’s nicht gehen. Ich rauche, ich brauche meine Zigaretten also auch, und das mit der Versorgung ist hier nur so mittel.

Eigentlich ist die Lage sogar gut, aber ausgerechnet unser Alltagssupermarkt hat meine Marke nicht. Heißt: Ich muss mir entweder immer wieder Vorrat beschaffen oder am Wochenende vor 20 Uhr ins Eastgate gehen. Was in meiner Welt sehr früh ist. Also am Wochenende.

OK, dass ich das muss, ist gelogen. Eigentlich haben wir vor Ort eine noch bessere Lage: Drei mir bekannte Automaten in Laufweite. Und da sind wir nun bei der aktuellen Geschichte: Der erste ist unbequem zu erreichen. Zwar nicht weit, aber doofe Richtung – und er braucht ewig, um mal Führerschein oder EC-Karte zu erkennen.

Der zweite ist meiner. Sozusagen. Der Steht beim Stammdöner und ist ein Rauchertraum, was die Bedienung angeht. Tagsüber isses da aber sehr voll und man muss sich unter den Fernseher knieen, auf dem gerade die örtliche Neonaziclique Fußball schaut – und außerdem ist meine Marke gelegentlich ausverkauft. Nicht einmal oft, aber wenn, dann erschreckenderweise gerne auch mal wochenlang. Mit Kippen machen Gastwirte halt kein Geld.

Aber nun steht direkt vor der Tür der dritte Automat. Im Gegensatz zu dem Innenraumgerät muss man sich hier aber auch altersmäßig verifizieren, zum anderen hat er einen Ausgabeschlitz, der für Kinderhände (sic!) designt wurde. Wenn ich noch wehleidiger als ohnehin schon wäre, könnte ich ernsthaft behaupten, es bereitet jedes Mal Schmerzen, wenn ich da eine Schachtel rausfummeln muss. Ozie bestätigt das übrigens auch mit wesentlich zarteren Händchen.
Was aber noch schlimmer ist: Die Sau frisst Geld. Es kommt einfach regelmäßig vor, dass man 6 € für eine Schachtel reinwirft und auf der Anzeige am Ende 4 € stehen. Und auch bei der Rückgabe kommen dann nur 4 € raus. Das hat mich vor etlicher Zeit schon mal beflügelt, mein Geld zurück zu verlangen. Und da sind die auch kulant, das muss man ehrlich zugeben. Obwohl man ja keinen Beweis hat, zahlen die aus, was man ihnen erzählt.

Andererseits bin ich ja auch kein querulatorisches Arschloch. Fehler passieren, und wenn mir dann nach drei Wochen mal wieder ein einzelner Euro flöten geht, rufe ich nicht gleich die Hotline an. Könnte ich, schon klar. Ich finde es auch nicht verwerflich. Aber selbst ich mit nahezu Mindestlohnverdienst verwerfe das meistens wegen zu viel Aufwand.

Und dann kam Ozie heute mit einer statt zwei Packungen zurück und meldete zerknirscht, dass der Automat die kompletten sechs restlichen Euro gefressen hätte. Was am Ende bedeutete, dass ich kurz  vor dem Schreiben dieses Blogeintrags doch noch unerwartet nachts zum Döner musste, um mir Nachschub zu sichern. Und da ich nun schon fünf Bier getrunken habe und entsprechend eher gesprächsbereit als sonst war, hab ich die Hotline von tobaccoland angerufen.

Und wieder aufgelegt, als die mich ernstlich aufgefordert haben, einer digitalen Aufzeichnung eine mir nicht auswendig vorliegende IBAN vorzubrabbeln. Also das Online-Formular. Neben erstaunlich vielen „Optional“-Angaben (nicht mal die IBAN, Kto-Nr. reicht!) muss man natürlich Marke und Summe angeben. Ich hab das letztlich erst im Freitext umgesetzt und bin nun mal gespannt auf die Rückmeldung. Und hey, ich hab denen alle Optionen explizit offen gelassen! Wenn ich morgen hier tobaccoland-Werbung schalte, wisst Ihr, warum:

Marke war immer Gauloises (blau). Zur Geldsumme: Keine Ahnung!
Heute waren es ausnahmsweise mal ganze 6 von 12 €, die spurlos in diesem Automaten verschwunden sind. Seit meiner letzten Meldung von vor Ewigkeiten sind es sicher 20 bis 30 € gewesen.
Ich bin, so aufgebracht ich im Moment erscheinen mag, wirklich niemand, der wegen hier mal einem oder zwei Euro sofort Alarm schlägt. Aber der Automat ist eine Katastrophe und ich meide ihn ja schon bewusst, bin aber manchmal auf ihn angewiesen, wenn der nächstbeste leer ist.
Mir geht’s nicht um eine centgenaue Rückerstattung, ich würde mich eher über eine Antwort freuen, wieso ein Gerät mit so einer Fehlerquote weiterhin zugänglich ist. Andererseits bin ich wie alle Süchtigen bestechlich, der Fantasie sind nach oben keine Grenzen gesetzt. 😉
Im Ernst: Bei allem Verständnis für restriktive Sicherheitsmaßnahmen bei einem Kasten mit viel Bargeld drin: So ein kleiner Rest von Usability ist schon das mindeste.

Beste Grüße,
Sascha Bors

PS: Telefonnummer als Pflichtfeld, ok. Aber ich arbeite in der Nachtschicht. Wagen Sie es ja nicht, mich „zur näheren Klärung“ mal spontan vor 17 Uhr anzurufen. Sonst haben wir wirklich ein Problem!

Ich hab das Popcorn griffbereit. 🙂

Nachtrag:

Die sind selbst bei Ärger zu langweilig. In der Antwort schreiben Sie, sie hätten meine Mail „mit Dank erhalten“ und würden mir „den Betrag“ (Himmel, welchen denn?) überweisen. Danke, bitte bleiben Sie uns treu, Ciao. So in der Art. So macht Spielen keinen Spaß.

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Chillen in anderen Welten

Ein Bruder im Geiste! Zumindest ein Bisschen.

Ich hab mit Freuden den Artikel „Ich will doch nur chillen!“ von Markus Böhm bei spiegel.de gelesen. Er schildert darin, wie er gerne die Spielwelt aktueller Games erkundet und das eigentlich mehr mag, als immer sofort alle Missionen zu absolvieren und ein Computerspiel schnell zu Ende zu zocken.

Ich bin da nicht ganz auf seinem Level, aber ich verstehe den Ansatz total. Ich hab gerade binnen zweier Monate GTA V zweimal „komplett“ (also im Sinne von „alle Missionen erledigt“) durchgespielt, aber eigentlich ging es mir dabei nur teilweise um die Story. Ich mag diese andere Welt einfach, ich sehe mich dort ebenso wie in der Wirklichkeit gerne um.

Dabei geht es mir nicht unbedingt wie Böhm um gemütliches Chillen in Los Santos, aber ich habe dabei auch festgestellt, wie sehr ich mich von der Mehrheit der Gamer unterscheide. Natürlich möchte ich das Spiel durchspielen und ich finde auch die Story gut aufgemacht und so weiter. Für mich wesentlich faszinierender ist aber, sich die Welt anzuschauen. Und GTA ist da ein gutes Beispiel. Denn abgesehen von der großen Spielwelt ist GTA selbst in der fünften Auflage nur ein eher mittelmäßiger Shooter mit vergleichsweise durchschnittlicher Grafik. Wenn es nur um gutes Gameplay und Grafik ginge, würde ich schon FarCry 3 höher bewerten – und das ist nur der drittaktuellste Titel der Serie.

Ich merke schon bei einer kurzen Google-Recherche, dass ich nicht der typische Gamer bin. Wenn man versucht, tiefer in GTA V einzusteigen, muss man sich auf der Suche nach interessanten Details durch Massen von Anleitungen und YouTube-Videos durchklicken, die Cheats erläutern, massenhaft InGame-Money versprechen oder die lustigsten Kills abfeiern. Dass das GTA-Universum eine unglaublich große Welt anbietet, die auf so vielen Ebenen eine nahezu allumfassende Gesellschaftskritik in Form von Satire mit unendlich vielen Anspielungen auf die Popkultur anbietet, ist leider leider eine Randnotiz unter vielen geworden. Und ja, daran sind nicht nur die bösen Medien, sondern vielfach auch die Spieler selbst schuld.

GTA Online ist der perfekte Beweis dafür. Obwohl es im selben Universum wie das Singleplayer-Spiel angesiedelt ist, dominiert hier das Mit- und Gegeneinander der Player. Und obwohl das natürlich selbstverständlich ein Multiplyer-Game ausmacht und in vielen Genres das Erlebnis zweifelsohne bereichert, ist es für mich persönlich in diesem Fall vergleichsweise langweilig.

Ich fand die KI bei GTA IV und GTA V auch nur so mittel, bin also eigentlich nicht die schlechteste Zielgruppe für Multiplayer-Modes, aber andererseits merke ich eben auch, wie sehr die Storyschreiber Einfluss aufs Spielerlebnis genommen haben und wie viel es ausmacht, die beabsichtigte Satire in Szene zu setzen, damit sie nicht übersehen wird von all denen, die eigentlich nur auf Explosionen, Headshots und Profilierung aus sind.

Ich will das nicht verdammen, ich hatte auch schon viel Spaß bei UT und TO (Tactical Ops, sowas wie Counter Strike). Aber das ist halt eher was technisches, strategisches. Bei Spielen wie GTA kommt bei mir noch sowas wie Entdeckergeist dazu.

Ja, man kann das Spiel deswegen trotzdem nicht unpassend unter „Männerkitsch“ einsortieren, das unterschreibe ich gern. Es ist eine lustige Alternativwelt, das ist wahr. Ja, Waffen und schnelle Autos sind ein wichtiger Bestandteil davon. Und das wiederum befriedigt zweifelsohne mehr als nur ein paar schlichte Gemüter mehr als die unfassbar großartige Spielwelt. Das kann ich nicht verleugnen und ich finde das persönlich auch schade.

Aber mal ganz für mich alleine gesprochen möchte ich festhalten, dass ich nach Abschluss aller Missionen bei GTA IV und V beim Abspann traurig war, weil mir klar war, dass ich mir niemals die Namen merken können würde, die das Design zu verantworten haben. Obwohl das Leute sind, die mir mehr fröhliche, interessante und nachdenkliche Stunden beschert haben, als es jeder Spielfilmregisseur bisher geschafft hat. Was kein Wunder ist, hab ich mich in ihrer Welt doch eher 50, 100 oder 200 Stunden rumgetrieben.

Und das am Ende eben auch oft wie Markus Böhm, einfach chillend und genießend.

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