Jahr der Veröffentlichung: 2013
Genre: Survival-RPG
Stunden bisher gespielt: ca. 30
Setting: Es gab eine Zombie-Apokalypse, es gibt keine Chance auf Rettung. Überlebe so lange Du kannst.
Ein Ausnahmespiel in so viele verschiedene Richtungen. Aber vielleicht nicht, wie man im ersten Moment denkt. Es ist zum Beispiel ein isometrisches 3D-Spiel und hat eine fürs Genre vielleicht hübsche, aber für die Zeit seines Erscheinens sehr simple Grafik. Und auch die Zeit des Erscheinens ist so ein Ding, denn eigentlich ist es bis jetzt (Ende 2026) noch nicht erschienen. Es befindet sich seit 2013 im Early Access und ich bin sicher nicht der Einzige, der inzwischen Zweifel hegt, ob es jemals zu einem offiziellen Release kommen wird.

Aber da kommen wir zu den angenehmen Extremen: Das alles macht nichts, denn das Spiel ist in sich fantastisch, wird stets weiterentwickelt und hat eine unfassbar große Community, die das Spiel moddet und spielt und bewertet und alles in allem ist das so viel mehr Aufmerksamkeit als die meisten Spiele ein Jahr nach Veröffentlichung haben, geschweige denn nach über einem Jahrzehnt.
Was das Spiel ausmacht ist zunächst mal eine riesige Freiheit. Da wäre zum einen die Map, die selbst moderne Triple-A-Titel wie GTA V lächerlich aussehen lässt. Sie ist gigantisch und jedes einzelne Gebäude ist begehbar, es gibt überall Loot und Baumaterialien und man kann mit allem was im Spiel auftaucht, was anfangen. Und die Mechaniken sind so absurd detailverliebt. So wiegen aufgesammelte Gegenstände beispielsweise weniger, wenn man sie in einen Rucksack packt. Oder man kann auf seiner Karte nur Anmerkungen machen, wenn man einen Stift im Inventar hat. Ohne Licht kann man die Karte nicht mal lesen.
Ja, dadurch ist das Spiel langsam und auch mit viel Inventarpflege verbunden, aber unglaublich realistisch. Die Autos haben einen leergehenden Benzin-Tank, Du kannst Zombies nur sehen, wenn Du auch in die richtige Richtung siehst, deine Waffen verschleißen und Du solltest manche Lebensmittel kochen oder auftauen. Fähigkeiten kannst Du dir aneignen, indem Du Fachbücher dazu liest, aber das dauert mal richtig lange und Du bist währenddessen wehrlos … es ist unfassbar hart, aber eben auch ein Träumchen für Realismus-Freunde. Dem entgegen steht leider eine ziemlich ziemlich sperrige Steuerung, was eben bedingt ist durch die vielen Untermenüs für Inventare, Fähigkeiten, zum Bauen und Heilen, es ist in weiten Teilen kein Action-Spiel und am schwierigsten wird es, wenn man zwischen dem Einen und dem Anderen umschalten muss.
Tatsächlich bin ich aber selbst auch stets beim Kampf verzweifelt, der zwar in sich nicht arg kompliziert ist, aber durch die Maussteuerung in der isometrischen Sicht zumindest in meinen Augen nicht sonderlich intuitiv ist, gerade in stressigen Situationen mit vielen Gegnern. Oft bin ich auch wirklich am zweiten Zombie schon gescheitert, weil ich daneben gehauen habe und er mich gebissen hat.
Da kommen wir aber zu einem weiteren Punkt, der das Spiel in meinen Augen einzigartig macht: Schon das Intro verkündet, dass es keine Hoffnung auf Rettung gibt und dies die Geschichte deines Todes ist. Der kommt, früher oder später. Vielleicht durch einen Zombiebiss, aber vielleicht auch, weil Du beim Einschlagen einer Scheibe vergessen hast, die Scherben aus dem Fensterrahmen zu wischen und sich deine Wunde infiziert und Du keine Antibiotika und saubere Verbände hast. Oft stirbt man auch nicht gleich – gerade die Zombieinfektion kann schon mal ein paar Tage dauern – und Du hast noch ganz schön Zeit, entweder viele Zombies zu killen oder dich vorzubereiten. Denn: Im normalen Modus muss man nach seinem Tod nicht unbedingt das Spiel neu starten, man kann sich auch einen neuen Charakter erstellen (auch so ein Menü mit unfassbar vielen tollen Optionen) und in derselben Welt weiterspielen. Da hilft es einem enorm, wenn man in seinem früheren Leben eine gut ausgestattete Basis hinterlassen hat. Auch seinen vorherigen Charakter kann man – nun als Zombie – irgendwo wiederfinden und so vielleicht doch nochmal an die gute Kleidung kommen, die man sich zuvor so mühsam zusammengesucht hatte. Toller Kniff in einem insgesamt großartigen Spiel und ob man es glaubt oder nicht: Das tröstet darüber hinweg, dass es sonst keine Geschichte gibt. Weder als Erzählung noch durch Environmental Storytelling. Es ist halt Zombieapokalypse und Du willst nicht sterben, was willst Du denn jetzt mit einer Story?
Ich hab in meinen ersten 30 Stunden ehrlich gesagt meist nur kleinteilig rumgelootet, weil ich gar nicht weit gekommen bin – die Sache mit dem Kampf, siehe oben – aber jetzt gibt es eine Mod, in der man das Spiel in First Person spielen kann und für mich ändert sich damit alles, weil es nun realistisch erscheint, dass ich mal nicht nach drei Ingame-Tagen tot bin.
Man merkt vielleicht, ich muss wirklich eine knallharte Empfehlung aussprechen – und ich bin da auch nur einer von über 350.000 Rezensenten auf Steam, die das genauso sehen. Es würde mich sehr wundern, wenn das Spiel nicht in ein paar Jahren unter meinen 10 meistgespielten Games ist. Und bis ich dahin komme, liegen noch locker 200 Stunden vor mir.


