Dankbarkeit

Ich wollte das schon lange schreiben und das Thema war mir irgendwie zu sperrig, aber jetzt wo ich mich abermals über Ärzte aufregen musste und das hier in den Blog gekotzt habe, kann ich das nicht mehr aufschieben. Ich weiß ja, dass viele von Euch eigentlich meine lockere Art und auch die lustige Herangehensweise an Probleme oder zumindest unerwartete Situationen mögen. Und ich hab in letzter Zeit wirklich oft das Gefühl, dass hier inzwischen ein ganz anderes Bild von mir entsteht und auch wenn nichts davon gelogen ist, muss ich das wirklich mal geraderücken.

Ja, meine Gesundheit ist gerade ein Trümmerhaufen. Und man hat ja auch im Kopf immer dieses Mantra „Immerhin gesund!“. Oder „Die Gesundheit ist ja das Wichtigste!“.

Das ist nicht falsch. Gesundheit ist halt was, was einen immer betrifft und als jemand, der jetzt seit ein paar Jahren Schmerzen im Fuß hat, deswegen öfter mal die Mittagspause mit Kollegen ausfallen lässt, weil der Weg zu weit ist oder seinen Alltag auch sonst um Fußwege herum plant kann ich wirklich ein Liedchen davon singen, wie viel besser doch alles wäre, wenn nur die fucking Gesundheit mitspielen würde!

Aber das Leben ist mehr als das.

Ich stelle immer noch verdammt oft fest, wie fucking dankbar ich bin. Nicht irgendeinem Gott gegenüber, nichtmal unbedingt bestimmten Personen – auch wenn meiner Familie da natürlich definitiv ein Shoutout gebührt – einfach so. Ich gehe manchmal zum Wäscheraum, der außerhalb der Wohnung liegt. Könnte man wunderbar als Nachteil sehen, aber ich stapfe da manchmal abends raus, um was aus der Gefriere zu holen oder Wäsche anzustellen und fühle mich einfach großartig, weil ich es als unfassbar toll empfinde, hier neben der großen Wohnung noch mehr Optionen zu haben und dabei die Möglichkeit habe, auf dem Weg nochmal den Regen zu spüren oder in den Sternenhimmel zu sehen.
Ich empfinde das manchmal auch, wenn ich meinen Gaming-PC anschalte. Weil ich in dem Moment merke, dass ich da in meinem Besitz ein technisches Wunderwerk habe, das mir Erfahrungen näherbringt, die anderen Leuten nicht zur Verfügung stehen. Ebenso schmeiße ich mich manchmal neben meinen fürchterlich nervigen Achtjährigen auf die Couch, der seinen halben Tag damit verbringt, mich immer nur anzubellen wenn ich das Zimmer betrete, weil das gerade seine Option ist, mit psychischen Herausforderungen umzugehen; und ich bin so froh, dass ich diesen wunderbaren Menschen in meinem Leben habe und dass schon meine bescheidenen Fähigkeiten ihn zu verstehen ihm vermutlich einen zumindest okayen Start ins Leben ermöglichen.

Ich finde es unfassbar ignorant und beschissen, wenn 20-jährige Influencer einem entgegenschreien, wie schön doch das Leben ist. Zumindest wenn man gegen den einen Pickel, der einen vom Leben abhält, Produkt XYZ anwendet. Und ich muss mir den Schuh anziehen, dass ein paar von Euch vielleicht schlimmere Probleme haben als ich und diesen Text genauso bewerten. Um fair zu sein: Selbst ich berufe mich hier ja im Grunde fast nur auf materielle Dinge. Das zu verdammen ist völlig ok, das hier ist kein Blogeintrag fürs allgemeine Seelenheil, ich wollte nur kurz eines sagen:

Eigentlich geht es mir gut!

Natürlich nicht vollumfänglich. So ist das Leben. Und die negativen Sachen hauen auch viel härter rein. Ist so. Auch bei mir.

Aber es geht mir gut. Ich hab so ein verdammtes Glück. Mir geht es so viel besser als so vielen anderen. Ja, das hilft nicht, wenn ich mal Schmerzen hab und deswegen schreibe ich hier auch drüber. Einfach nur zu sagen „Alles gut!“ ist ja auch falsch. Aber das ist nicht alles. Wirklich nicht.

Das Leben ist schön.

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