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Sicherheitsidiotie

Ich beschwere mich ja manchmal in politischer Weise über den Wegfall von Freiheit zugunsten von Sicherheit – aber nun hab ich mal ein geniales Beispiel aus einem anderen Segment gefunden. Und ein gleichermaßen harmloses wie trauriges noch dazu. Es betrifft unser Haus, bzw. genau genommen unseren Hausaufgang hier.

Das Traurige ist: Irgendwer pinkelt in den letzten Tagen vermehrt in den Hausflur, vermutlich unten im Kellergeschoss. So genau überprüft hab ich’s nicht, aber der Geruch ist ja ziemlich unverwechselbar. Nun ist das zweifelsohne eklig und auch hier im gerne verpönten Marzipanien nicht gerade gängiger Ausdruck seiner Persönlichkeit. Ansonsten ist es mehr oder weniger harmlos, es wird ja alles regelmäßig gereinigt. Es nervt halt.

Fast schon absurder ist jedoch das, was irgendwelche ganz besonders klugen Nachbarn seitdem wieder machen – und sicher bald wieder proklamieren werden – sie schließen abends ab etwa 19 Uhr die Haustüre zu. Das ist auf so vielen Ebenen bescheuert, wie man es von so einer kleinen Geste kaum erwarten würde.

Es ist zum Beispiel schon mal völlig absurd, bei insgesamt 15 Nachbarn als Einzelpartei damit anzufangen. Noch dazu zu einer solchen Uhrzeit. Ich gehe regelmäßig nach dieser Zeit erst los zur Arbeit. Und auch einige andere hier kaufen gerne mal bis nach 19 Uhr ein oder arbeiten oder haben Besuch oder oder oder. Es ist also schlicht vergebliche Liebesmüh.

Dass keiner groß Bock hat, bei dem Spielchen mitzuspielen, ist auch logisch. Denn das Abschließen bedeutet in erster Linie nichts anderes, als dass man bei jedem Klingeln runter zur Tür gehen muss – und wie wohl die meisten in siebenstöckigen Häusern wohnenden Menschen haben wir uns ziemlich an die Gegensprechanlage und den Türöffner gewöhnt.

Der größte Witz aber ist, dass das überhaupt nix bringt, selbst wenn man es durchzieht. Denn was genau ist wohl nie passiert hier? Genau – ein Einbruch! Welche Sau auch immer sein eigenes Klo nicht findet – es ist entweder ein Hausbewohner oder ein Bekannter. Vielleicht auch ein Briefträger oder ein Angestellter der Wohnungsbaugenossenschaft. Auf jeden Fall aber irgendwer, der durch irgendwen Zugang zum Haus hat – und ihn sicher auch weiterhin haben wird. Und ich wage die steile These aufzustellen, dass sich jemand, der in einen Hausflur pinkelt, kaum dran stören wird, hier und da einmal mehr den Schlüssel umzudrehen.

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Extra-Katastrophe

Kaiser’s reißt nächstes Jahr die Hufe hoch. Bzw. wird von Edeka aufgekauft. Ob das jetzt schlimm ist oder nicht, darüber zerreissen sich sicher schon genug Leute das Maul. Ich schätze am Laden hier vor der Türe eigentlich nur die Einkaufszeiten bis 24 Uhr, ansonsten tut sich viel groteskes dort. Es ist der erste Laden, bei dem ich mehr als einmal festgestellt habe, dass neue Produkte, die schnell ausverkauft sind, umgehend wieder aus dem Sortiment genommen werden. Aber gut, das mag vielleicht meinem speziellen Geschmack geschuldet gewesen sein. Alle fünf bis sieben Mal.

Worauf ich eigentlich rauswollte, war die dieses Jahr eingeführte „Extra-Karte“, ein Rabattsystem wie viele – aber mit einem ganz großen Unterschied: Es ist völlig anonym. Kein Anmelden, einfach nur die Karte mitnehmen und sich, wenn man in den Laden geht, personalisierte Rabattangebote ausdrucken lassen. 5 bis 10 Sachen, die man mit 20 bis 50% weniger sehr günstig bekommt und ein Produkt gratis. An der Kasse dann die Karte scannen, fertig. Natürlich werden da Daten erhoben und ausgewertet, aber so lange das nicht mit einem Namen verbunden ist, finde ich das tragbar. Zum einen bleibt  die leise Hoffnung, dass das tatsächlich genutzt wird, um Verbesserungspotenziale auszunutzen – zum anderen ist es mir immer noch lieber, als bei Telefonumfragen nach meinem Einkaufsverhalten befragt zu werden.

Viel interessanter jedoch für Ozie und mich: Wir wollten das Ganze testen. Wir sind ja Spielkinder und wir hatten selbst jede Menge Ideen, wie der Algorithmus funktionieren könne. Und wir waren gespannt, ob dieser irgendwie clever programmiert ist oder nicht. Wir haben zwar sicher nicht das durchschnittlichste Einkaufsverhalten, aber dafür auch ein paar einfach zu erkennende Muster. Hier mal so, dort mal so. Im einen Segment hätte man uns zum Beispiel Marken- statt Billigprodukte andrehen können, woanders uns zur Konkurrenz abwerben. Und was wohl passiert, wenn das System rausfindet, dass wir kein Fleisch kaufen? Das müsste es doch erkennen.

Müsste.

Tatsächlich scheint der Algorithmus herzerwärmend dumm zu sein. Enttäuschenderweise, sonst würde das wirklich Spaß machen. Alleine, dass nicht einmal bemerkt wird, dass wir gewisse Dinge nicht kaufen – ja nicht einmal mitnehmen, wenn sie uns zehnmal umsonst angeboten werden … hinterlässt einen etwas fassungslos, wenn man überlegt, dass die Programmierer und Designer bestimmt Geld für ihre Arbeit bekommen haben. Und wir kaufen da täglich ein, die Datenlage dürfte für so einfache Dinge wirklich ausreichend sein. Aber nein.
Im Wesentlichen ist es jetzt in den letzten Wochen darauf rausgelaufen, dass wir uns über die Dummheit des halben Zettels geärgert haben und dann am Ende ein paar Dinge, die wir sowieso immer kaufen, gelegentlich ein wenig billiger bekommen haben. Is‘ zweifelsohne toll für uns, allerdings so ziemlich das dümmste, was für den Laden bei so einem Versuch rauskommen kann.

Und da wir bei Geschenken nicht auf unsere Regeln schauen, haben wir heute auch noch zwei Pizzen umsonst eingepackt. Aber darauf kommt’s jetzt ja auch nicht mehr an, wo der Laden eh den Bach runtergeht.

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R.I.P. Badregal.

Ich dachte, es gäbe Unmengen Fotos, aber zumindest die entscheidenden habe ich nicht gefunden. Irgendwo gibt es sie, aber wer weiß schon, wo …

Aber egal. Nun in den nächsten Tagen wird unser Werkzeugregal das Zeitliche segnen. Ich will nicht behaupten, dass große Emotionen dranhängen oder dass es ein hübsches Möbelstück war. Aber ich bin damit aufgewachsen. Weitgehend zumindest. Das Foto, das ich gesucht und nicht gefunden habe, zeigt meinen Vater beim Aufbau des guten Stücks 1986. Ganze 20 Jahre später stand es übergangsweise in meiner alten WG, bei mir im Zimmer, und wurde entsprechend noch weniger geschont als damals in einem Haushalt mit zwei Kindern und einer Katze:

Liebevolle Ordnung in meinem Zimmer 2005, Quelle: Sash

Liebevolle Ordnung in meinem Zimmer 2005, Quelle: Sash

Aber ja, selbst das hat das Teil überlebt. Fortan beherbergte es allerdings nicht mehr zahllose Fotoordner (in denen sich ironischerweise das von mir gesuchte Bild des Regals befinden müsste …), sondern unsere mit dem Umzug nach Berlin geradezu explodierte Werkzeugschublade der ursprünglichen Stuttgarter WG:

Was man halt so braucht. Und Peter Müller. Quelle: Sash

Was man halt so braucht. Und Peter Müller. Quelle: Sash

Es hat uns wirklich wertvolle Dienste geleistet. Ob wir nun Schrauben, Glühbirnen, Medikamente oder ein Feuerzeug suchten: All das fand sich – grob als „Werkzeug“ verschlagwortet in jenem Regal.

Die 30 Jahre hat es nun nicht geschafft. Was ok ist, denn eigentlich war es selbst für die ersten 20 zu hässlich. Aber man ist ja pragmatisch und wirft nix weg.

Zu Ende ging es nun eines Wasserschadens wegen. Im Gegensatz zum letzten Mal floss die Suppe gestern bis zum Boden und weichte das Regal – und einige andere Dinge – von unten auf. Na herrlich!

Aber ich will ehrlich sein: Hier und da war eine Renovierung schon geplant. Und selbst das altehrwürdige Regal sollte dann mal weichen. Da der aktuelle Wasserschaden aber schon der zweite ist und nicht weniger als 5 Räume betrifft, bleibt doch eine gewisse Skepsis bezüglich unseres Plans, das Bad-/Werkzeugregal nun durch irgendwas höherpreisiges zu ersetzen …

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Why privacy matters

In einem der scheinbar fast ausnahmslos sehenswerten TED-Talks hat Glenn Greenwald (Der Journalist, der viele der Snowden-Daten veröffentlicht hat) wunderbar erklärt, was an Massenüberwachung und der damit einhergehenden Abschaffung der Privatsphäre so schlimm ist. Wie die Überschrift schon vermuten lässt, ist das Video auf englisch, aber das ist wieder mal ein Beispiel für ein Video, für das es sich lohnt, seine Englisch-Kenntnisse zu strapazieren.

Um das nicht zu einem weiteren eher unbedeutenden Link werden zu lassen, möchte ich auch kurz ein paar Worte über Privatsphäre verlieren:

Ich bin seit geraumer Zeit sehr privat und öffentlich im Netz unterwegs. Nicht nur, dass ich trotz aller politischer Statements auch meine Privatadresse (schon aus rechtlichen Gründen) veröffentliche: Nein, ich schreibe auch hoch intime Details meines Lebens hier nieder. Fotos aus meiner Wohnung, Blogtexte über meine Beziehung, wie verträgt sich sowas bitte mit einem Recht auf Privatsphäre?

Nun, um es mal ganz anschaulich zu sagen: Ihr wisst von mir nur, was ich Euch zu sehen erlaube. Vielleicht erscheint es dem ein oder anderen dumm, dass ich über meine kaputten Zähne oder die Umstände meines ersten Treffens mit Ozie etwas schreibe – aber das liegt dann lediglich an einer anderen Gewichtung, welche Details des Lebens man selbst für schützenswert hält. Ich habe einfach nicht den Anspruch, von meinen Lesern als perfekt funktionierende Maschine wahrgenommen zu werden. Ich habe Fehler, ich mache welche und ich finde es als Person „in der Öffentlichkeit“ einfacher, über diese zu reden, als ein Abbild meinerselbst zu schaffen, bei dem ich immer aufpassen muss, ob sich mein reales Ich noch mit den Online-Texten verträgt. Das hat zum Teil seinen Ursprung tatsächlich alleine darin, dass ich gewisse Sachen öffentlich mache. Wie sollte ich zum Beispiel glaubhaft über die schlechte Bezahlung von Taxifahrern schreiben, ohne Zahlen zu veröffentlichen? Ja sicher, einige Kollegen machen das – was auch ok ist  – aber sie tun das auf Kosten der Transparenz und im schlimmsten Fall ihrer Glaubwürdigkeit. Ich habe da eine andere Entscheidung gefällt, aber das heißt nicht, dass mir das grundsätzliche Problem privater Daten in der Öffentlichkeit nicht bewusst wäre. Ich habe z.B. auch keine Abneigung gegenüber Menschen, die sich online besoffen in entwürdigenden Situationen präsentieren, mir wäre das hingegen zu peinlich. Obwohl ich betrunken echt niedlich bin, da könnt Ihr alle fragen!

Abgesehen von der politischen Brisanz staatlicher Überwachung (die Greenwald in seinem Beitrag ausreichend darlegt) ist auch die private Dimension nicht zu unterschätzen. Der Journalist hat in obigem Video gesagt, jenen, die meinten, nichts zu verbergen zu haben, vorgeschlagen zu haben, ihm doch einfach mal alle Passwörter für all ihre Mailkonten zu schicken. Damit er sich dort mal umsehen und – falls es ihm legitim erscheine – Teile der Mails veröffentlichen könne. Und ist es nicht glaubhaft, dass niemand das gemacht hat?

Ich selbst denke mir oft, dass meine Mails „eigentlich ja belanglos“ sind. Ach ja, irgendwann vor 9 Jahren hab ich Ozie erstmalig geschrieben, dass ich sie liebe – wayne?
Andererseits: WTF? Da hab ich auch Freunden Hilfe in schwierigen Situationen angeboten, mit Hinz und Kunz geflirtet, Dinge erzählt, die eben doch nur für diesen einen Empfänger bestimmt waren.

Und wenn wir von den Mails weggehen: Haben wir nicht alle mal aus Sensationsgier auf bild.de-Links geklickt, oder uns vielleicht gar mal irgendwo auf einer Pornoseite mehr als ein Bild angesehen und damit für findige Ermittler ein viel zu genaues Bild von unseren Präferenzen hinterlassen? Will ich wirklich, dass bei Bedarf ein Polizist rausfinden kann, dass ich mal Musikvideos von Schlagersängern angesehen habe, gegen die ich doch sonst immer wettere?
Und was uns allen eigentlich eher als Verschwörungstheorie erscheint, habe ich auf Umwegen schon erlebt:

„Sie hen‘ da ja naggiche Bilder druff!“

schrie der liebenswerte Polizist bei der Durchsuchung meines PC’s damals laut durch die WG; wohlwissend, dass meine Freundin und heutige Frau anwesend war. Na, bei wie vielen Lesern hätte sowas zu einer Beziehungskrise geführt? Und wenn NSA und co. einfach alles speichern, ist es ja erst einmal auch egal, ob es da um Downloads des letzten Jahres oder der letzten Woche geht.

Am Ende geht es ja auch nicht darum, ob man bei Facebook postet, dass man gerade diese oder jene Folge von „The walking dead“ ansieht. Sowas schreiben wir gerne mal und das ist ok für die meisten. Aber will man wirklich, dass ein ominöser Geheimdienstapparat im Hintergrund mitloggt, dass wir an unsere Freunde zeitgleich eine Nachricht senden, welchen Schauspieler wir scharf finden? Und dass das in Beziehung gesetzt wird zu einem vielleicht längst beigelegten Ehestreit von vor drei Tagen via Whatsapp?

Wie kann es bitte in Ordnung sein, dass all das abgespeichert wird? Ich veröffentliche mein Leben freiwillig und meine terroristischen Aktivitäten halten sich zumindest vorübergehend in engen Grenzen. Ich schreibe nur gerne und biete meinen Lesern bewusst einen (begrenzten) Einblick in mein Leben. Aber selbst ich würde mir wünschen, dass ich nach Abschluss dieses Textes einfach mal sorgenfrei bei Wikipedia Infos über Depressionen einholen, bei Amazon Gummibärchen kaufen und bei Youporn nach Videos von Frauen in Latex suchen könnte, ohne damit ein schwer verdächtiges Profil bei der NSA zu bekommen.

PS: Latex ist nicht wirklich der Fetisch meiner Wahl, aber wie gesagt: auch meine Transparenz hat Grenzen. 😉

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Ideale

„Ihr könnt mich biegen, Ihr könnt versuchen mich zu brechen. Ihr könnt mir alles nehmen, doch eines kann ich Euch versprechen: Niemals, niemals, passe ich in Eure Form, Eure Norm, und bleibe der Dorn in Eurem Auge!“

– Such a Surge, Ideale (Agoraphobic Notes, 1996)

Was die von mir geschätzte Band Such a Surge in obigem Zitat kämpferisch als Beispiel für Widerstand besingt, ist eigentlich eine ganz alltägliche Selbstverständlichkeit. Idealen zu entsprechen, kann nicht funktionieren. Verweigern lässt sich allenfalls der Versuch, es zu tun. Ideale sind eben, nun ja, Ideale eben, unerreichbare Ziele.

Ich hatte in letzter Zeit wieder mal vermehrt Besuch. Nicht nur den derletzt angekündigten, ausnahmsweise war mein Social-Life-Level mal wieder weitgehend voll. Und dank einmal mehr unterschiedlichster Leute in meiner Bude oder meiner Gesellschaft habe ich mich mal wieder mit den Anforderungen des modernen Lebens beschäftigt. Und – ich mag da eine eingeschränkte Sichtweise haben, ich trage vergessenes gerne nach – es scheint so zu sein, dass sich unsere hierzulande geäußerten Ansprüche (natürlich ungeachtet einiger Ausnahmen) ans eigene Leben auf ein paar grundlegende Punkte verkürzen lassen:

  • Beruflicher Erfolg
    Wir wollen Arbeit. Und zwar nicht nur irgendeine, sondern eine, die uns Spaß macht und viel Geld bringt.
  • Eine Beziehung
    Wir wollen (mindestens) einen Partner, mit dem wir seelisch und sexuell auf einer Ebene sind und zufrieden unseren Alltag bestreiten können.
  • Ein funktionierendes Sozialleben
    Wir wollen viele und dennoch möglichst gute und aufrichtige Freunde, mit denen wir regelmäßig etwas unternehmen und die allerorten für quasi jeden Spaß zu haben sind. Dasselbe gilt natürlich für die Familie.
  • Freiheit
    Wir wollen im Grunde tun können, was wir wollen – und das möglichst oft.

Das ist natürlich nicht alles. Aber wir leben nun mal in einer Gesellschaft, in der zumindest weitgehend dafür gesorgt ist, dass wir nicht Hunger leiden müssen oder ärztliche Versorgung versagt bekommen. Weitgehend stehen uns zumindest irgendeine Behausung und fließend Wasser zur Verfügung. Wie gesagt: Ich weiß, dass es bei alldem auch Ausnahmen gibt, aber in großer Mehrheit sind die Wünsche jene, die oben aufgezählt werden.

Und ich würde sagen: das ist unrealistisch und wir sollten uns damit abfinden!

Ideale sind nicht unnütz, sie beflügeln die Menschheit seit jeher – in mal mehr, mal weniger schöner Ausprägung – Dinge zu erreichen, die zuvor unmöglich erschienen. Dennoch sind wohl schon die oben genannten Punkte für die meisten Menschen nicht erreichbar. Also nicht in Kombination. Ich hoffe wie viele andere darauf, dass das irgendwann mal klappt – aber ich rate davon ab, sich in diesen Wunschtraum reinzusteigern.

Einen guten Beruf nach oben genannter Definition zu ergattern ist sicher für viele möglich. Nebenbei eine Beziehung … naja, immerhin für die meisten der vielen vielleicht. Zusätzlich zum guten Job und einer funktionierenden Beziehung ein aktives Sozialleben zu betreiben, wird für die meisten schon schwierig, ohne nicht wenigstens bei einem der beiden anderen Punkte ein paar Abstriche machen zu müssen. Dann aber noch die Freiheit zu haben, zu tun was man will … mal ganz ehrlich: kann mir irgendwer auch nur einen Menschen nennen, auf den das zutrifft?

Ist es wirklich Zufall, dass die nach eigenen Aussagen glücklichen Künstler alle kein Geld haben, und Hollywoodstars auf der anderen Seite schneller geschieden werden als besagte Künstler ihre Klamotten wechseln?

Ich vermute: nein.

Ideale sind Ideale, weil sie unerreichbar sind. Um die oben genannten Punkte halbwegs miteinander in Einklang zu bringen, bräuchte man einen zeitunabhängigen Job mit weniger als z.B. drei Arbeitsstunden (wochen-)täglich, der 100 € pro Stunde bringt. Darüber hinaus tolerante Partner und einen Freundeskreis, bei dem einen nicht ein einziger neidet, dass man so viel verdient. Und verprellen können müsste man sowohl den Chef, als auch Partner und Freunde – um wenigstens halbwegs frei zu sein. Dafür müsste Kollege Zufall schon einen ganzen Kübel Glück über einem ausschütten. Und zwar dauerhaft und auf Kosten anderer.

Sich auf dem ein oder anderen Gebiet mal freizuschaufeln ist gut. Tut gut. Stärkt das Selbstbewusstsein und gibt neue Kraft. Aber die oben genannten Ziele sollten nicht verwechselt werden mit dem, was jeder braucht, um glücklich oder zumindest zufrieden zu sein. Diese Ansprüche sollte man getrost ignorieren.

Und da ich ja immer schreibe, wie absolut gut es mir geht, will ich hier auch den Anfang machen:

  • Beruflicher Erfolg
    Ja, ich bin Taxifahrer und inzwischen Autor. Das ist volle Kanne geil und macht beides einen Höllenspaß! Aber mein Arbeitsaufwand steht in keinem Verhältnis zum Verdienst. Den ein oder anderen Luxus habe ich, sicher, aber wenn ich beide Jobs zusammenrechne, dann würde ich mich wundern, wenn ich auf über 3 € Verdienst pro Stunde komme.
  • Beziehung
    Da liegt zweifelsohne mein Glück. Ich fürchte zwar immer, dass ich mich mehr darauf konzentrieren müsste, aber ich würde meiner Beziehung 10 Punkte von 10 erreichbaren geben. Und wenn Ozie nur 8 von 10 geben sollte, lägen wir vermutlich immer noch weit über dem Durchschnitt.
  • Sozialleben
    Meine Schwäche. Ich komme nicht dazu, mich bei Freunden zu melden und hab viel zu selten Besuch. Obwohl ich ein geselliger Mensch bin. Mal kommt mir die Arbeit  – und damit das Geld – in die Quere, mal verpeile ich es einfach. Ich hab einige gute Freunde, aber die haben es entsprechend nicht leicht mit mir.
  • Freiheit
    Mit der sieht es ganz gut aus, ich hab da mehr Möglichkeiten als der Durchschnitt. Trotzdem muss ich viele Einladungen absagen, weil das Geld nie reichen würde oder eben mal abwinken, weil mir meine Beziehung wichtiger ist.

Und ich hab’s dabei echt noch leicht. Würde meine Arbeit plötzlich doppelt oder dreifach so viel Geld abwerfen wie bisher, dann könnte ich das alles unter einen Hut bringen, nahe den oben genannten Idealen leben. Aber mal ehrlich: „nur“ das Gehalt verdreifachen … arg viel besser kann man als halbwegs bodenständiger Mensch doch nicht mehr definieren, was Utopie ist.

Und das ist auch der – mit diesem Eintrag wohl sachlich erklärte – Grund, weswegen ich kaum Neid verspüre, wenn ich höre, dass andere Menschen z.B. besser verdienen. Denn das alleine sagt gar nichts aus. Die entsprechenden Leute haben spätestens beim Punkt „Freiheit“ Einschnitte hinzunehmen, die ich nicht akzeptieren könnte.

Unzufrieden sind wir alle, zumindest irgendwie ein bisschen. Ob wir zu wenig Geld haben oder unsere Freunde nur unser Geld wollen. Ob wir Single sind oder dank unseres Partners eingeschränkt werden, unsere Freiheit auszuleben. Ob wir dank Arbeitslosigkeit viele Leute treffen können oder die Leute nicht mehr zu uns kommen, weil wir wegen der Arbeit keine Zeit mehr haben … irgendwas ist immer.

Ich will mit diesem Eintrag gewiss nicht zur Lethargie aufrufen. Die meisten Verbesserungen müssen nach wie vor erkämpft werden. Aber ich rate dazu, gelassen zu bleiben, wenn wir mal wieder nur unseren eigenen (meist: den kapitalistisch vordefinierten) Ansprüchen nicht genügen. Dieses „irgendwas“, das immer ist, sind nämlich eigentlich wir selbst. Wir als Menschen und die Menschen um uns herum. Und wir sollten uns davor hüten, uns selbst als Fehler in einer sonst theoretisch perfekten Welt zu sehen.

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Rückspiel

Anfang dieses Jahres begab es sich, dass ich mich mittels Internet ins Reallife gemogelt habe. Mit @nachholer, einem treuen Twitter-Follower und Taxi-Stammgast, bin ich gen Essen zu @Moewenkind gereist, nur um dann der Geburtstagsparty von @Lifthrael beizuwohnen.

Kann man mal machen. Bei meiner letzten Party, zu der jemand quer durch die Republik angereist ist, war ich einer der Gastgeber und mit dieser jemand bin ich heute verheiratet. Kann sich also durchaus lohnen, so ein Partytourismus. 😉

Nun ist es bei besagter Reise in den Pott nicht zu einer Hochzeit gekommen (was in meinem Fall rechtlich auch sehr schwierig geworden wäre …), aber eben zu einer netten Feier mit bedenklichem Feierendzustand meinerseits. Aber dank einem Kollegen aus Essen und all den beteiligten Menschen lief das alles tadellos.

Nun ist Svea, die mich selbst mit Promillewerten > 1 problemlos in ihr Inventar integrieren konnte, selbst für ein paar Tage in Berlin. Entsprechend freue ich mich, dass sie einige davon auch bei mir verbringen wird. Ozie und ich haben das schon fleißig genutzt, um die Wohnung mal wieder begehbar zu machen (wir räumen hier ja in Besuchs-Intervallen auf) und das Ergebnis ist ungefähr 50% von perfekt entfernt, aber erstaunlich hübsch anzusehen, wenn man weiß, wie die Bude vorher aussah. 😉

Nun gilt es heute aber erst einmal den Grund der Anreise zu feiern: Matzes vierzigsten Geburtstag, den der Spaßvogel unter dem Label #AlterSackWirdPfirsich in einer Neuköllner Kneipe auszurichten gedenkt. Wenn ich mal für eine Samstagsschicht Urlaub einreiche … dann lohnt sich das auch.

Ein bisschen blöd, dass ich mir irgendwie heute Nacht den Fuß verstaucht habe. Aber wenn man von der Kneipe weg torkeln kann, sollte auch humpeln auf dem Hinweg ok sein. 🙂

Und ein ehemaliger Mitbewohner und guter Freund ist nächste Woche auch noch in der Stadt. Schätze, das wird eher eine Reallife-Zeit. Und das, wo die Manuskriptabgabe fürs Taxibuch kurz bevorsteht. Egal. I like!

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Produktivität

An sich bin ich ja zufrieden. Ich mag mein Leben, die Nächte in denen es stattfindet und komme sogar damit klar, dass ich – mit den höchsten Verdiensterwartungen zu einer Zeit, wo man sich am ehesten mit Freunden treffen könnte – gelegentlich die Arbeit dem sozialen Leben vorziehen muss, bzw. sollte.

Und doch streift mich manchmal das Gefühl, trotz des ein oder anderen Luxus‘ einfach nicht produktiv genug zu sein. Ja, ich schreibe gerade ein Buch. Aber obwohl ich gut in der Zeit liege, wollte ich ursprünglich heute schon lange fertig sein damit. Ja, ich hab heute 5 ganze Seiten geschrieben (neben einer Menge anderem Zeug wie Kommentaren und Mails), aber ich weiß doch, dass ich auch locker 10 hätte schaffen können. Und das, obwohl nicht wenige da draußen es schon beeindruckend finden, dass ich im Durchschnitt täglich mehr als einen Blogeintrag schreibe.

Mehrheitlich bin ich damit sehr zufrieden, aber es gibt sie, die Stunden, in denen ich nur daran denken kann, was ich heute wieder alles nicht geschafft habe. Und das ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Problem, mit dem ich nicht alleine bin. Auch wenn meine Umstände vielleicht nicht dem allgemeinen Standard entsprechen.

Im Grunde bin ich selbständig. Arbeitsmäßig. Beim Taxifahren genieße ich einige Vorteile, die nur Angestellten zuteil werden, im Großen und Ganzen aber obliegt es mir, wann ich wo wie viel Geld verdiene. Beim Schreiben sowieso. Ich will nicht meckern, ich hab es mir schließlich so ausgesucht. Und ich weiß die Vorteile zu schätzen. Diese unschönen Gedanken über die eigene Produktivität sind jedoch ebenso Teil des Ganzen. Selbständig und damit eigenverantwortlich unterwegs zu sein bedeutet eben auch, dass man immer noch hätte mehr tun können. Egal, ob das noch menschenmöglich ist oder nicht. Fünf geschriebene – und dabei dreimal redigierte und zehnfach gelesene – Seiten eines Buches sind ja nicht schlecht. Ein Blogeintrag, 15 Kommentare und einige Mails noch gar nicht mitgerechnet.

Dafür werden einige Leute in entsprechenden Unternehmen vergleichsweise fürstlich entlohnt.

Während ich mir denke, dass ich doch besser zwei Blogeinträge geschrieben hätte und wenigstens sieben Seiten fürs Buch. Aber ja: bloggen mit offenen Kommentaren und ohne ein Team dahinter bedeutet auch, nie Wochenende zu haben. Und das geht in heißen Phasen (gerade: die Uber-Debatte bei GNIT) spürbar auf Kosten der inneren Ausgeglichenheit.

Wie gesagt: ich will nicht jammern. Im Gegensatz zu den meisten Menschen habe ich zum Beispiel ein recht gutes Verhältnis zu meinem Wecker. Ausschlafen kann ich fast immer. Aber momentan ist das anstrengend und auslaugend, denn eine Stunde Schlaf kostet eine Stunde Arbeitszeit. Auch wenn ich viel davon damit verbringe, genau hier, vor meinem Rechner, zu sitzen und mich durch die bunte Welt des Internets zu klicken.

Stress ist eine miese Droge. Egal, ob man sie verabreicht bekommt oder selbst nimmt: man sollte vorsichtig damit sein!

Ich werde mich jetzt erst einmal zurücklehnen. Noch ein Bier trinken und mir vielleicht ein paar lustige Videos bei Youtube ansehen. So tun, als hätte ich Wochenende. Vielleicht – aber nur vielleicht – auch mal die Kommentare Kommentare sein lassen, bevor ich sie heute Abend beantworte.

Am Ende ist es dann nämlich doch genau das, was mich morgen wieder produktiver sein lässt als heute.

Wobei? Nein, vielleicht blogge ich besser noch was bei GNIT …

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