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„Das machen wir hier immer so“

(kleiner anekdotischer Gesundheitssystem-Rant)

In einem Monat habe ich einen Arzttermin fürs Knöpfle. Dort wird mir mitgeteilt werden, dass die Befunde unauffällig waren, aber nicht so wirklich eindeutig. Und je nachdem wie die Laune der Neurologin ist, werde ich nochmal darum bitten müssen, eine Diagnose-Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Die, die wir fünf Termine zuvor angefragt hatten. Aber vermutlich müssen wir davor noch ein CRT machen.

Von vorne:

Das Knöpfle hat einen großen Kopf. Das überrascht niemanden, der mich mal gesehen hat und das ist seit vor seiner Geburt bekannt. Jetzt hat uns die Tatsache, dass er sprachlich nicht ganz so schnell ist (und da vermutlich auch extra Unterstützung braucht) in Kombination mit dieser altbekannten Tatsache vor einem halben Jahr ungefähr von der Kinderärztin eine hektische Überweisung in die Neurologie im örtlichen sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) eingebracht.

Zugegeben: Ungewöhnlicher Schädel + Kognitives Gedöns = potenzielles Problem

Wir verstehen das. Ehrlich gesagt haben wir eine Idee, natürlich ohne Profis zu sein, dazu müsste man aber einen Gentest machen. Und das ist natürlich nicht vorgesehen. Was an sich ok ist. Wir reden hier von einem super zufriedenen und allem Anschein nach gesunden Kind, das muss man nicht gleich anzapfen, bloß weil die Eltern …

Ja nee, WIR wollten ja gar nix. Die Kinderärztin hat gesagt, wir müssten mal. Und die im SPZ, die haben auch nicht wirklich Angst, zu invasiv oder zu aufwändig zu werden, die gehen nur schön der Reihe nach vor, weil die das „immer so machen“. Das heißt zum Beispiel, dass man eben nicht einen Termin kriegt, sondern fünf. Und die nacheinander. Und zwar im Abstand von hier mal zwei Wochen, da mal zwei Monaten. Immer so, dass einer Urlaub nehmen muss.

Das letzte bisher war jetzt am Anfang der Woche das Schlaf-EEG. Wisst Ihr, wie stressig ein Schlaf-EEG für alle Beteiligten ist?

Also ich bin dankbar für die medizinischen Möglichkeiten heutzutage, ich kann das nicht oft genug betonen, aber ein Schlaf-EEG bei einem Vierjährigen zu machen, einfach weil man das immer in der Reihenfolge macht, das ist völig bizarr. Das Kind bis nachts wachhalten, morgens zu früh wecken, dann bis zum Termin wachhalten … für Nichteltern ist das vielleicht nicht so ganz nachvollziehbar, aber wie soll man denn einen übermüdeten Vierjährigen auf einer halbstündigen Autofahrt wachhalten? Am besten alleine als Fahrer, wenn man gerade vielleicht nicht die Kapazitäten hat, um zu zweit Urlaub für so einen Spaß zu nehmen.

Es hat gut geklappt, das möchte ich schon ehrlich sagen: Lange wachbleiben ist fürs Knöpfle eh ein gängiger Wunsch und morgens kriegt man ihn mit mehreren Runden Frühstück zu fast allem. Und als er dann um 11:30 Uhr völlig fertig und mit gelverschmierten Haaren aus dem Untersuchungszimmer gewankt ist, seinen Kuschelaffen im Arm, da waren wir dann schon auch ein wenig stolz auf ihn. War ich auch vor drei Wochen während seiner einstündigen ergotherapeutischen Begutachtung ein Stockwerk höher. Und Sophie vor zwei Monaten, als …

Und das ist alles nur die Diagnose. Stellt Euch mal vor, da kommt noch eine Behandlung dazu.

Wir haben den ganzen Scheiß ja mit dem Spätzle wegen seines ADHS damals schon in ähnlicher Weise durchgemacht. Deswegen bin ich – wie vermutlich die meisten Betroffenen – immer sehr kurz vor einem Kinnhaken quer durchs Stammhirn des Gegenübers, wenn irgendwer von „Modediagnosen“ spricht, als ob man da mal nachmittags nach der Arbeit gegenüber zum Arzt geht und sagt, dass das Kind nicht auf einen hört und man jetzt Medikamente dagegen will.

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Deutschester Samstagsausflug

Man kann samstags ja sicher viel klischeebeladenes tun, aber irgendwo hinter Ikea-Einkauf und Autowäsche steht vermutlich ein gemütlicher Bummel durch Autohäuser. Schätze ich zumindest, ich bin noch nicht so übertrieben gut im Spießigsein. Wobei, doch, eigentlich schon.

Allerdings muss ich anmerken, dass ich es vor allem immer noch nicht gemütlich finde. Ich hab den Anfang vom ersten Schritt in Richtung neues Auto gemacht und hab in einer uhrzeigersinnähnlichen Route einige zusammengewürfelte Autoverkäufer der zwei nächstgelegenen Landeshauptstädte abgegrast um denen sinngemäß zu sagen:

„Ich hab noch keine Ahnung was ich suche, ich bin nur hier, um an allen Autos, an die sie mich ranlassen, die Sitze zu verstellen.“

Und nein, ich hab das viel netter und sogar mit halbwegs aufrechtem Bedauern gesagt.

Es ist nunmal so, dass ich wie beim Schuhkauf erst einmal nach der passenden Größe frage und mir dann überlege, was ich mit den Infos anzufangen gedenke. Umgekehrt kann das nämlich eine Lebensaufgabe werden und meinetwegen könnte der ganze Scheiß jetzt schon vorbei sein.

Das Ergebnis dieser Rundreise kann sich im Übrigen sehen lassen, denn auch wenn ich wenig überzeugt bin, dass die Autoindustrie besser geworden ist und eher vermute, dass ich schon wieder zwei Zentimeter Längenmaß durch Wirbelsäulenverfall eingebüßt habe: Ich habe echt in einige Autos reingepasst – und zwar so, dass ich Chancen für den Nachwuchs auf der Rückbank sehe. Ich möchte an dieser Stelle immer noch sagen, dass ich es furchtbar finde, dass man nach sowas immer noch nicht sinnvoll wählen kann oder dass es immer noch keine Hersteller gibt, die sich auf das Thema „Hinter dem großen Fahrer muss noch jemand auf dem offiziell für Erwachsene zugelassenen Sitz sitzen können, obwohl dieses Auto neu unter 70.000 € kostet“ spezialisiert haben, aber vermutlich ist es auch einfach wichtiger für die Wirtschaft, dass jetzt die Hälfte aller Privat-PKW die Reifen von Schwertransportern aus den 70ern wieder auftragen könnte.

Aber ja: Nach erster Inaugenscheinnahme brauchbar sind Hyundai i10 – i30, Seat Leon, Fiat Tipo, Skoda Oktavia, Nissan Micra, Peugeot 308. Wie gesagt: Nach erster Inaugenscheinnahme, das ist jetzt noch keine Empfehlung. Den Nachfolger vom Fabia hab ich noch nicht auftreiben können und eine Runde durchs Angebot von Mazda und Toyota steht auch noch aus. Trotzdem: Mehr als ich erwartet hatte. Ist doch auch mal nett.

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Servodingse 2

Ja well, fuck.

Vielleicht hätte ich es gleich als schlechtes Omen sehen sollen, dass die Werkstatt sich gestern nicht schon gemeldet hat. Unsere Hoffnungen haben sich nicht erfüllt, das Problem mit der Servolenkung des Skoda ist wohl kein einfaches. Das ganze Ausmaß ist noch nicht einmal klar, da unser Schrauber ehrlich wie immer sagt, dass er derzeit nicht mit Sicherheit sagen kann, ob zusätzlich auch das Steuergerät defekt ist, aber für uns als Laien lässt sich das Problem wie folgt runterbrechen:

Um nächsten Monat den TÜV zu bestehen, müssen wir im guten Fall rund 2.000, im schlechteren rund 3.000 € investieren.

Und da stehen wir jetzt vor dieser Entscheidung. Noch sind wir zumindest so sehr auf das Auto angewiesen, dass eine komplette Abschaffung eine Option wäre. Ja, natürlich ist das eine Abwägungssache und im Grunde wird sie uns dadurch leicht gemacht, dass uns das nicht vor finanzielle Probleme stellt. Wir haben jetzt die Wahl, den Skoda zu reparieren oder zu ersetzen. Luxus pur, ich will hier kein bisschen rumheulen. Denn so gesehen gibt es am Ende keine richtige oder falsche Entscheidung, aber es geht um so viel Kohle, da ist ein bisschen Überdenken ja vielleicht keine dumme Idee.

Aber wir wissen es gerade wirklich nicht.

Der Pluspunkt einer Reparatur liegt auf der Hand: Es ist günstiger und weniger anstrengend. Nachteilig wäre, dass es ein Fix auf Zeit wäre, denn es ist halt immer noch ein 17 Jahre alter Skoda und nächstes Jahr wäre es dann ein 18 Jahre alter Skoda mit gefixter Servolenkung. Allerdings, das muss man auch sagen: Unser Schrauber attestiert neben ein paar jetzt auch zu erledigenden Kleinigkeiten, die in der Rechnung schon mit drin sind, dass die Kiste noch gut aussieht.

Der Pluspunkt eines neuen Autos wäre natürlich, dass die nächsten Jahre wesentlich weniger Werkstattbesuche anstehen würden. Auf Kosten einer immensen Rechnung und einiger Recherche, denn wie immer gälte es ein Auto zu finden, in das ich gut reinpasse; und zwar mit größer werdenden Kindern hinter mir. Ich weiß, für die meisten Menschen zwischen 1,50 m und 1,90 m ist das nicht nachvollziehbar, aber so isses halt. Die meisten Autos werden nicht dafür gebaut.

Umschauen werden wir uns auf jeden Fall und am Ende muss ich überall mal drin gesessen haben, aber ich freue mich auch über Vorschläge. 🙂

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Servodingse

So. Es wird ernst. Der Skoda ist bei unserem Lieblingsschrauber und der soll rausfinden, was er alles braucht, um nicht nur die Servolenkung gefixt zu bekommen, sondern auch um durch den TÜV zu kommen. Das Problem mit der Lenkung ist, dass es vielleicht nur eine Sicherung sein könnte, die im Rahmen der allgemeinen TÜV-Schnurpseleien kaum eine halbe Arbeitsstunde extra und nur 4,00 € Materialkosten ausmacht; vielleicht muss man aber auch den ganzen Scheiß austauschen und dann reden wird von grob geschätzt 2.000 €.

Well, man braucht nicht viel Fantasie, um zu erraten, was mir lieber wäre.

Um ehrlich zu sein: Wir würden beides finanziell hinkriegen. Im Gegensatz zu vielen früheren Jahren bedeuten 2.000 € für uns gerade nichts, was uns das Leben schwer machen würde. Was unfuckingfassbar großartig ist und es ist eine dieser Sachen, die ich mir geschworen habe nie zu vergessen: Wie lebensverändernd es sein kann, mit so massiven Kosten konfrontiert zu sein. Sobald man „Geld“ in dieser unbestimmten Größenordnung hat, ist es vergleichsweise bedeutungslos. Nicht komplett egal und natürlich im wahrsten Sinne des Wortes „wert“ darauf zu achten, aber einfach nichts mehr, was einem den Schlaf raubt. Wenn man den Zahlen glaubt, die es dazu gibt, geht es glücklicherweise einem Großteil der Menschen hierzulande noch so, aber ich komme von der anderen Seite, ich weiß, wie es ist, wenn einem sowas Angst macht, einem den Schlaf raubt, die Lebensqualität einschränkt. Das ist scheiße.

Und es ist unsere verdammte gesellschaftliche Pflicht, darauf hinzuarbeiten, dass Menschen geholfen wird, solche Probleme zu umschiffen!

Unser Problem jetzt ist mathematisch. Natürlich wäre eine Rechnung von 2.000 € für einen kleinen Skoda das, was man einen wirtschaftlichen Totalschaden nennen würde. Mehr ist der 17 Jahre alte Kleinwagen einfach nicht wert. Trotzdem würden wir für 2.000 € kein vergleichbar gutes Auto anschaffen können. Wäre der Markt perfekt, wäre das so, aber statt Christian Lindner als Gott zu haben, haben wir eine Realität, in der ich 2 Meter groß bin und das die Autoindustrie nicht schert. Von den ganzen Fragen, die sich aus der Neuanschaffung eines E-Mobils ergeben würden, ganz zu schweigen.

Deswegen hoffe ich jetzt darauf, dass das Problem vergleichsweise billig ist. Daumendrücken ist erlaubt.

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Fahren wie 2004

Ich bin mir nicht sicher, vielleicht finden sich unter den hier noch verbliebenen Lesern auch ein paar Hardcore-Oldtimer-Enthusiasten, aber ich vermute, dass es dem überwiegenden Teil wie mir gehen wird, wenn ich sage, dass ich seit 20 Jahren kein Auto mehr ohne Servolenkung gefahren habe.

Heute dann aber doch. Der Grund ist jedoch ein eher unschöner, denn ich habe nicht etwa irgendein Kleinod der Automobilbaukunst aus meinen Kindertagen ausgefahren, sondern uns ist schlicht am Skoda Fabia die Servolenkung abgekackt. Sehen wir es positiv: Nicht während der Fahrt*; ich wusste vorher, worauf ich mich einlasse. Denn ehrlich gesagt, hab ich das Auto auf einen einstündigen Testritt mitgenommen um einen der häufigsten Servo-Fehler beim Skoda auszuschließen: eine leere Batterie. Es wäre zu absurd gewesen um wahr zu sein, aber man findet online die Foreneinträge, in denen Nutzer beschreiben, dass das passieren kann, dass die Batterie just für die Servopumpe zu wenig Saft hat. Selbst im Betriebshandbuch ist das aufgeführt.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass unser Lieblingsschrauber am Dienstag feststellt, dass es Haarrisse in den Blattsicherungen sind und der Aufwand sich im zweistelligen Bereich bewegt. Die meisten anderen Optionen kommen schnell an einen Punkt, wo man über Verhältnismäßigkeiten bei einem 17 Jahre alten Kleinwagen nachdenken muss.

Und versteht mich nicht falsch: Ja, wir haben diese Zwei-Auto-Situation gerade vor allem aus Sicherheitsgründen und ich selbst fahre überwiegend den Opel Zafira, aber jedes Mal, wenn ich mich ans Steuer des Skoda setze, mag ich das Auto nochmal mehr. Der Opel ist in allen Belangen besser, im Vergleich zum Skoda ist er ein Raumschiff aus einer anderen Dimension mit viel mehr Platz und Bling-Bling und es ist nicht so, dass ich das im Alltag nicht zu schätzen wüsste. Aber der Skoda ist das, was mir ein Fahrgast im Taxi mal über den alten B-Zafira gesagt hatte:

„Dit is’n ehrliches Auto.“

Schwierig, das über Autos aus dem VW-Konzern bei der Geschichte der letzten 20 Jahre zu sagen, aber das ist ein kleines Kistchen mit einem schwachen Motor, der trotzdem unsere ganze Familie inklusive meiner ausufernden Zweimetrigkeit ganz gechillt durchs ganze Land bringt. Der hat (bis auf die etwas abenteuerliche Kombination aus Sitzheizung und Kurvenlicht) null Luxus und ist alt, aber who cares? Perfektes Auto finde ich.

Aber um ehrlich zu sein: Mit Servolenkung ist er schon besser gewesen. Und wird es dann hoffentlich nach dem Werkstattbesuch auch wieder sein. Daumendrücken ist erlaubt.

*Vor über 20 Jahren ist mir mal während einer legendären Urlaubsfahrt mit einem Mitbewohner bei einem geliehenen Alfa 33 mitten in einem Kreisverkehr der zweite, für die Servolenkung zuständige, Keilriemen gerissen und ich sage auch heute mit mehr als einer Million Kilometer auf dem Buckel, dass ich das nicht nochmal brauche. Ist nichts passiert, aber Herzinfarkte sollen ja auch ein Ding sein, habe ich mir sagen lassen. Und es kann wirklich ganz schnell ganz schief gehen.

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Lautspieler

Ich erfreue mich an seltsamen Dingen.

Die Sache mit dem Spätzle und meinem alten PC beispielsweise. Es hat Spaß gemacht, die Kiste wieder herzurichten und so langsam spielt das Spätzle ja auch Spiele, die einen nicht schon vom Namen her einschlafen lassen. Wobei ich ihm da im Rahmen der Vernunft freie Hand lasse. Eines seiner Lieblingsspiele seit geraumer Zeit ist Fallout Shelter, was jetzt zwar eigentlich nur vom knuffigen Look und nicht von der Thematik her kindgerecht ist, aber er ist halt auch kein normaler Siebenjähriger. Er findet das Fallout-Universum jetzt schon durchaus spannend und ich denke nicht, dass er Fallout 4 das erste Mal mit 16 – oder was immer die Empfehlung ist – spielen wird. Aber das nur nebenbei.

Die meisten seiner Spiele sind technisch wenig anspruchsvoll, was schon deswegen gut ist, weil es vermutlich die Probleme mit Ubuntu unwahrscheinlicher macht.

Gestern Abend hat er dann aber erstmals Town to City gespielt.

Das ist an und für sich ein niedliches kleines … hm, „cozy Aufbauspiel“? Also eine Städtebausimulation ohne den Simulationsanteil. Man muss bauen, hat aber nur ein paar Grundbedürfnisse zu erfüllen und kann im Grunde nichts falsch machen. Im schlimmsten Fall braucht man 5 Minuten länger, eigentlich super für Kinder. Optisch ist es auf den ersten Blick nicht aufregend, es hat einen entfernt an Minecraft erinnernden Block-Style, wirkt also immer ein bisschen niedrig aufgelöst.

Aber das täuscht. Das Spiel sieht am Ende ziemlich toll aus und das hat seinen Preis in einer aufwändigen Beleuchtung, die dafür sorgt, dass die empfohlenen Systemvoraussetzungen den alten Rechner sogar etwas übersteigen. Entsprechend meldet sich die alte GTX 1660 Ti jetzt zu Wort und hola habe ich jetzt erst wieder gemerkt, was für ein Upgrade mein neuer PC war. Ich werde nie wieder über sowas wie Spulenfiepen klagen, ich schwöre! 😀

Das Schöne ist: Das Spätzle stört es nicht. Mehr Reize helfen ihm eher. Ich meine, er hat sich bei Fallout Shelter den Gamma-Wert auf 100% gestellt, weil es ihm so besser gefällt. Da muss man erst einmal drauf kommen.

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Lifestyle

Irgendjemand hat auf Mastodon in den letzten Tagen ungefähr folgendes gepostet:

„Es ist eigentlich ziemlich beeindruckend, wie konsequent Friedrich Merz bei jeder sich bietenden Gelegenheit genau die falsche Entscheidung trifft.“

Und ich habe irgendwas in der Art auch schon irgendwann geschrieben. Wie auch nicht?

Jetzt steht also für die Regierung das Recht auf Teilzeit zur Debatte. Von einer Kommission wurde gefordert, „Lifestyle-Teilzeit“ bräuchte man nicht, das Land muss ja schließlich härter anpacken.

(Edit: Ich hatte als ich das geschrieben habe tatsächlich übersehen, dass sich durchaus Teile der Regierung skeptisch geäußert haben – was mein Urteil in der eigentlichen Sache definitiv zu hart macht. In gewisser Weise möchte ich mich dafür entschuldigen. Allerdings – und das war natürlich der Grund, warum ich mich ohne Recherche von meinem Confirmation Bias habe treiben lassen – passt es unfassbar gut ins Bild von Ideen, Vorschlägen und Handlungen der aktuellen Regierung, die überwiegend dieses plumpe rechtspopulistische Weltbild befördern und erschreckend schamlos scheinbar nichts besseres bewirken als eine Umverteilung von unten nach oben)

Das ist ein wunderbares Beispiel dafür, warum ich wirklich nicht nachvollziehen kann, weswegen man uns Linken gerne vorwirft, „ideologisch statt rational“ zu entscheiden, während die Guten in der Mitte sowas ja nicht machen würden. Es ist so ein schönes Beispiel, weil es keine Forderung aus Wolkenkuckucksheim betrifft, sondern eine Regelung, deren Auswirkungen zumindest halbwegs gesichert vor uns liegen. Seit der Einführung sind mehr Menschen in Arbeit und es ist offensichtlich, dass ausgerechnet in einigen der am dringendsten benötigten Jobs (Pflege, Rettungsdienst etc.) eine Menge Leute Teilzeit arbeiten, die das in Vollzeit gar nicht könnten, rein stressbedingt. Und man muss wirklich kein Hellseher – noch nicht mal Akademiker – sein, um zu begreifen, was es bedeuten würde, wenn man denen die Möglichkeit nehmen würde:

Einige würden ganz aussteigen, vielleicht einen anderen Beruf wählen; andere würden es versuchen und am Ende vermutlich länger krank sein. Sicher, irgendwen wird es immer geben, der das dann schafft, aber wenn man ein Land regiert, sollte man sich vielleicht nicht auf Cherrypicking bei den Ergebnissen verlegen, sondern die Statistik im Kopf behalten. Und die Auswirkungen im großen Ganzen wären verheerend. Aber ich schätze, wir reden hier auch mal wieder über eine Weltanschauung, in der arbeitende Frauen quasi nicht vorkommen oder bestenfalls egal sind.

Ich selbst arbeite auch in Teilzeit. Wenn man die Flexibilität meines Jobs und die Umstände betrachtet, könnte ich vielleicht sogar Vollzeit arbeiten. Aber ich tue es nicht und habe es auf absehbare Zeit auch nicht vor. Dass Arbeit anstrengend ist und ich vielleicht auch einfach keinen Bock darauf habe – was, finde ich, eine völlig okaye Einstellung ist – ist dabei wirklich nur ein kleiner Punkt. Ich gehöre dieser offenbar völlig unwichtigen Subkultur der „Eltern“ an und dank jahrzehntelanger Vernichtungspolitik der „Mitte“ sind die Betreuungszeiten von Kindern in aller Regel völlig unkompatibel zu Vollzeitarbeit. Selbst die Ganztagsschule des Spätzles bietet im extremsten Fall 9 Stunden Betreuung am Tag an. Im extremsten Fall sage ich, weil das eine nicht für alle verfügbare Frühbetreuung ab 7 Uhr mit einschließt und zudem natürlich mitnichten alle Tage einschließt. Freitags ist ohnehin früher Schluss, dazu auch zu allen möglichen anderen Anlässen: Bei Projekten, Ausflügen und Stundenausfall zum Beispiel. Bei acht Stunden täglicher Arbeitszeit plus Pause würde ich z.B. jede Woche zwangsweise eine, meist eher mehrere Stunden Minus machen. Mal abgesehen davon, dass die Rechnung von weniger als 15 Minuten Arbeitsweg ausgeht. Und auch davon abgesehen, dass der Jahresurlaub sich ja nicht einmal im Entferntesten an den Ferienzeiten der Kinder orientiert.

Hätte ich nicht meinen Lifestyle-Dienstag frei, kämen dazu noch zusätzliche Arzttermine für mich und die Kids und alles, was halt sonst so anfällt, was wir im Notfall gerade immer dahin schieben können. Ich meine, wenn ich jede Minute der Betreuungszeit arbeiten muss, wann bringe ich dann das fucking Auto zum TÜV?

Dabei ist das wie so oft gar keine Beschwerde über meine Situation, sie bietet sich halt an. Aber wir sind zu zweit, wir haben Jobs mit überwiegend Homeoffice, genug Geld und flexible Arbeitszeiten noch dazu … wir haben es so viel besser als so viele da draußen.

Und ja: Im aktuellen Job habe ich gleich in Teilzeit angefangen, das ginge natürlich auch nach den derzeitigen Plänen weiterhin. Aber davor habe ich in der Verkehrsregelungszentrale  gearbeitet. Ein toller Job, aber eben auch einer, der sehr rigide war bei den Arbeitszeiten. Abweichungen vom Schichtplan waren quasi unmöglich. Ich habe nach der Geburt des Knöpfles mein Recht auf Teilzeit in Anspruch genommen und ihr könnt mir glauben: die hätten einen Scheiß getan, mir das zu ermöglichen, wenn ich das Recht nicht gehabt hätte! Der Gedanke, dass jemand nicht dem strikten Plan folgt, „wie es alle tun“, war ausnahmslos allen dort derart fremd, dass es schon bizarr ist. Und wir hatten schon einen bizarren Dienstplan, das kann ich euch sagen. Und ja, ich hätte keine Wahl gehabt. Ohne Teilzeit hätte ich kündigen müssen. Oder meine Frau in einer anderen Senatsverwaltung. Kann mir jemand mal sagen, wer davon was gehabt hätte. Stellt euch mal vor, wie verzweifelt die damals gesucht haben, dass sie am Ende mich genommen haben!

Im Ernst: Es ist furchtbar wichtig, dass Menschen in ein Teilzeit-Modell wechseln können, wenn sich die Lebensumstände ändern. Denn die Alternativen sind nunmal oft Kündigung oder Krankschreibung und in Anbetracht des anhaltenden Fachkräftemangels kann ich mir nicht mal vorstellen, dass es am Ende der Wirtschaft nützt, kurzfristig noch ein paar unproduktive Zusatzstunden aus der Belegschaft rauszuquetschen, um sie dann ganz zu verlieren. Wie ich sagte: Ohne Ideologie lässt sich das nicht sinnig erklären.

Und by the way: Natürlich lebt Politik auch davon, Entscheidungen nach seinen Idealen und Vorstellungen zu machen. Die der derzeitigen Regierung und mindestens ebenso sehr die ihrer Ideengeber sind halt verachtenswerter Scheiß.

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