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Medizinisches Achselzucken

Heute war dann abermals einer jener Urlaubstage, der der Diagnostik des Knöpfles gewidmet war und das Ergebnis ist – in Sophies Worten – in der Überschrift bereits gut beschrieben. Im Grunde war das so eine Art Abschlussgespräch, die ich heute wahrgenommen habe und das „Ergebnis“ all der Diagnostik, die wir nicht angestoßen haben und in Hinblick auf unser Wissen (das ich jetzt nicht detailliert ausbreite) nicht wirklich nötig war, war sinngemäß:

„Joah, passt doch eigentlich alles so halbwegs.
Versuchen Sie mal, einen Platz in der Logopädie zu bekommen und gucken Sie vielleicht in einem Jahr nochmal vorbei.“

Sprich: Sie haben keinen Grund für sein verzögertes Sprechen oder seinen großen Kopf gefunden und die einzige Idee, die wir hatten und die mit einem kurzen Gentest abzusichern wäre … nein, also da sollen wir uns mal keine Sorgen machen.

Ein Pluspunkt, immerhin: ein MRT bleibt dem Kleinen auch erspart, das hätte ja durchaus auch noch kommen können.

Bei allen Versuchen, Verständnis für deren Sicht zu haben, bleibt für uns jetzt halt trotzdem: Die Ärzte haben Alarm geschlagen, uns ein halbes Jahr lang einen Haufen Termine und Untersuchungen aufgebürdet, von denen wir gesagt haben, dass wir nicht glauben, dass sie was bringen und jetzt haben sie nichts gebracht und wir sollen uns freuen. All das für die Erkenntnis, dass er wirklich noch kein K sprechen kann, aber zufrieden wirkt. Na vielen Dank auch!

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Geht wieder los

So. Sonntag Abend, die Osterferien sind vorbei. Wie in all den letzten Jahren ist es nicht so, dass wir dasitzen und uns freuen, dass wir erholt neu starten, sondern ein bisschen herrscht immer noch das Gefühl vor, diesen Teil endlich geschafft zu haben.

Nicht so heftig wie in der Vergangenheit, aber bis zum ersten echten Erholungsurlaub wird es wohl noch etwas dauern. Bei mir kommt noch dazu, dass ich langsam wieder anfangen sollte, Präsenztage fürs jetztige Quartal zu sammeln, also geht es morgen gleich erst einmal nach Mainz, bevor ich gleich wieder zwei Tage frei habe. Dienstags wie immer und am Mittwoch einmal mehr wegen eines Arzttermins im Rahmen des Diagnosemarathons beim Knöpfle. Soll ja nicht langweilig werden.

Aber – so ehrlich will ich auch sein – das Wir-haben-es-geschafft-Gefühl ist ja auch nicht wertlos. Das ist ja auch gut so.

Was auch schön ist: Fünf Tage Pause beim Zocken sorgen dafür, dass man danach erst einmal wieder so richtig Bock hat. 🙂

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>100k

OK, das war eine Clickbait-Überschrift. Ganz über 100 sind wir nicht, und es geht auch nicht wie man vielleicht meinen könnte um Geld. Es ist nicht so, dass sich das legendäre VG-Wort-Jahr 2019 wiederholt. Schade, aber um ehrlich zu sein melde ich der VG Wort all das hier auch gar nicht mehr, die Zugriffszahlen geben das nicht her und die goldene Zeit wird nicht wiederkommen.

Aber genug von dem, was die Überschrift NICHT sagt. Was sind denn 100k? 100 Klogänge. Auf jeden Fall gefühlt.

Was das Trockenwerden von Kindern angeht, klafft ja auch eine riesige Lücke zwischen den alten Generationen und der heutigen Zeit. Wenn ich jetzt schreibe, dass das Knöpfle noch nicht trocken ist, dann hab ich die Hater-Kommentare darüber, wie sie selbst als Kinder mit anderthalb in der Kinderkrippe trocken geworden sind, ja schon vor Augen. Ändert nichts daran, dass man das heute nicht mehr für einen sinnvollen Weg hält. Klar sind viele Kinder früh trocken und natürlich ist das für Eltern toll, wer will da nach ein paar Jahren Windelwechseln nicht auch hin, aber es herrscht ein relativ breiter Konsens, dass man das nicht mehr so erzwingt, sondern den Kindern neben allerlei Nudging im Wesentlichen ihr eigenes Tempo lässt – was im Gegenzug halt für wesentlich weniger Stress bei den Kindern inklusive einer unnötig langen Phase mit regelmäßigem Einnässen führt.

Und ja, was die Kinderlotterie angeht, haben wir halt nicht die Turbostöpsel gezogen, sondern eher zwei Exemplare, die das Konzept ziemlich lange nicht wirklich auf sich selbst bezogen haben. Das Spätzle mit seinen ganz eigenen Problemen hatte den Zahlenraum bis 100 definitiv schneller im Überblick als den Inhalt seiner Unterhose und bei so einem Vorbild fällt der Apfel halt nicht weit vom Pferd und das Knöpfle wackelt gerade mit dicker Windel am Hintern seinem fünften Geburtstag entgegen. Aber wie gesagt: Auch wenn einige das mit Blick auf früher ungläubig lesen: Das ist nicht mehr völlig out of range, die Kita sagt da z.B. auch gar nichts. Man bietet an, stupst mal ein bisschen, aber im Wesentlichen wartet man halt.

Jetzt haben wir mal wieder einen Tag ohne Windel probiert und meine Güte, das ist der vollste Vollzeitjob gewesen, den man sich vorstellen kann. Das Knöpfle hatte noch vor 9 Uhr acht Unterhosen verschlissen. Mit Bodenwischen und allem. Völlig ohne jedes Gefühl dafür, dass sich irgendwas ändern müsste, ist das Kind einfach permanent ausgelaufen. Unsere pure Verzweiflung am späten Vormittag hat dann dazu geführt, dass er erst einmal gar keine Hose mehr bekommen hat und seit da ist er dann mal mehr und mal weniger freiwillig aufs Klo, was natürlich ein riesiger Erfolg ist. Wirklich! Ich will das nicht kleinreden.

Aber wenn ich schreibe, dass er durchschnittlich alle 10 Minuten aufs Klo ist, dann ist das eine sehr konservative Schätzung. Im Ernst. Keine Übertreibung. Den ganzen Tag lang.

Und natürlich muss man jedes Mal zumindest grob gucken, ob der Boden sauber ist, ob die Hände nach dem Waschen noch seifig sind … wie gesagt: Vollzeitjob.

Ich hätte davor ja schon geschworen, Klos nicht mehr öfter sehen zu müssen als bisher, aber seit heute … vielleicht gehe ich einfach selber nicht mehr.

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„Das machen wir hier immer so“

(kleiner anekdotischer Gesundheitssystem-Rant)

In einem Monat habe ich einen Arzttermin fürs Knöpfle. Dort wird mir mitgeteilt werden, dass die Befunde unauffällig waren, aber nicht so wirklich eindeutig. Und je nachdem wie die Laune der Neurologin ist, werde ich nochmal darum bitten müssen, eine Diagnose-Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Die, die wir fünf Termine zuvor angefragt hatten. Aber vermutlich müssen wir davor noch ein CRT machen.

Von vorne:

Das Knöpfle hat einen großen Kopf. Das überrascht niemanden, der mich mal gesehen hat und das ist seit vor seiner Geburt bekannt. Jetzt hat uns die Tatsache, dass er sprachlich nicht ganz so schnell ist (und da vermutlich auch extra Unterstützung braucht) in Kombination mit dieser altbekannten Tatsache vor einem halben Jahr ungefähr von der Kinderärztin eine hektische Überweisung in die Neurologie im örtlichen sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) eingebracht.

Zugegeben: Ungewöhnlicher Schädel + Kognitives Gedöns = potenzielles Problem

Wir verstehen das. Ehrlich gesagt haben wir eine Idee, natürlich ohne Profis zu sein, dazu müsste man aber einen Gentest machen. Und das ist natürlich nicht vorgesehen. Was an sich ok ist. Wir reden hier von einem super zufriedenen und allem Anschein nach gesunden Kind, das muss man nicht gleich anzapfen, bloß weil die Eltern …

Ja nee, WIR wollten ja gar nix. Die Kinderärztin hat gesagt, wir müssten mal. Und die im SPZ, die haben auch nicht wirklich Angst, zu invasiv oder zu aufwändig zu werden, die gehen nur schön der Reihe nach vor, weil die das „immer so machen“. Das heißt zum Beispiel, dass man eben nicht einen Termin kriegt, sondern fünf. Und die nacheinander. Und zwar im Abstand von hier mal zwei Wochen, da mal zwei Monaten. Immer so, dass einer Urlaub nehmen muss.

Das letzte bisher war jetzt am Anfang der Woche das Schlaf-EEG. Wisst Ihr, wie stressig ein Schlaf-EEG für alle Beteiligten ist?

Also ich bin dankbar für die medizinischen Möglichkeiten heutzutage, ich kann das nicht oft genug betonen, aber ein Schlaf-EEG bei einem Vierjährigen zu machen, einfach weil man das immer in der Reihenfolge macht, das ist völig bizarr. Das Kind bis nachts wachhalten, morgens zu früh wecken, dann bis zum Termin wachhalten … für Nichteltern ist das vielleicht nicht so ganz nachvollziehbar, aber wie soll man denn einen übermüdeten Vierjährigen auf einer halbstündigen Autofahrt wachhalten? Am besten alleine als Fahrer, wenn man gerade vielleicht nicht die Kapazitäten hat, um zu zweit Urlaub für so einen Spaß zu nehmen.

Es hat gut geklappt, das möchte ich schon ehrlich sagen: Lange wachbleiben ist fürs Knöpfle eh ein gängiger Wunsch und morgens kriegt man ihn mit mehreren Runden Frühstück zu fast allem. Und als er dann um 11:30 Uhr völlig fertig und mit gelverschmierten Haaren aus dem Untersuchungszimmer gewankt ist, seinen Kuschelaffen im Arm, da waren wir dann schon auch ein wenig stolz auf ihn. War ich auch vor drei Wochen während seiner einstündigen ergotherapeutischen Begutachtung ein Stockwerk höher. Und Sophie vor zwei Monaten, als …

Und das ist alles nur die Diagnose. Stellt Euch mal vor, da kommt noch eine Behandlung dazu.

Wir haben den ganzen Scheiß ja mit dem Spätzle wegen seines ADHS damals schon in ähnlicher Weise durchgemacht. Deswegen bin ich – wie vermutlich die meisten Betroffenen – immer sehr kurz vor einem Kinnhaken quer durchs Stammhirn des Gegenübers, wenn irgendwer von „Modediagnosen“ spricht, als ob man da mal nachmittags nach der Arbeit gegenüber zum Arzt geht und sagt, dass das Kind nicht auf einen hört und man jetzt Medikamente dagegen will.

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Wahrheit und Selbstbewusstsein

Abgesehen von der allgemeinen Knuffigkeit, die Kinder so mit sich bringen, ist einer der schönen Aspekte des Elterndaseins ja auch, dabei zuzusehen wie sich all das entwickelt, was für uns Erwachsene so völlig selbstverständlich ist. Und um ehrlich zu sein: Die Sache mit den ersten eigenen Schritten ist da ein vergleichsweise langweiliger Part. Viel spannender ist, wie sich Kinder psychisch und sprachlich im Raum und der Gesellschaft orientieren und was sie mit der Situation anfangen, in die sie dann damit geraten.

Der Umgang mit Wahrheit ist zum Beispiel etwas, das ungemein faszinierend ist. Jetzt ist das Knöpfle mit 4 noch nicht ganz in dem Alter, in dem er uns hemmungslos belügt, um beispielsweise eigene Interessen durchzusetzen, aber man merkt, wie er daran arbeitet. Wenn gerade irgendwas runterfällt, dann ruft er durchaus schnell, er sei es nicht gewesen, fügt aber umgehend an:

„Oteee! War ich doch!“

Heute hab ich dann die nächste Eskalationsstufe beobachten können, als er mit mir beim McDonald’s war. Da kam er beim Spielen ins Gespräch mit zwei anderen Kindern und deren Vater und auf die Frage, ob er denn auch einen Cheeseburger habe, antwortete er eloquent:

„Nein. Meine Eltern erlauben mir teine Cheeseburder!“

Keine Ahnung, wie und warum er auf die Idee kam. Bisher hat er einfach immer abgelehnt, wenn wir ihm auch nur sowas ähnliches wie einen Burger angeboten haben. Aber dieses Mal war er auch sehr zufrieden mit seiner eigenen Interpretation der Welt und hat das unkorrigiert stehen lassen.

Und da kommen wir zu was anderem unglaublich tollen und erheiternden: seinem Selbstbewusstsein. Anschließend im Supermarkt hat er – wie immer – beschlossen, dass an meiner Seite zu laufen nicht so sein Ding ist. Es ist immer noch nervig, aber mehr und mehr lasse ich ihn das auch einfach machen, da er zwar mitunter flott durch die Gänge flitzt, aber sonst einfach super lieb ist. Er holt nichts aus den Regalen, er wirft nichts um und er läuft auch nicht weg, er schaut und läuft, das war es auch schon.

„Is verteile mich!“

ruft er und rennt los. Sei es drum. Ich hab ihn ermahnt, wieder zu mir zu kommen und das hat er dann auch immer wieder gemacht. Also er war nie mehr als 10 Sekunden aus meinem Blickfeld. Und dann höre ich plötzlich aus dem Nebengang:

„Hallo. Hast Du mein Papa desehn? Der hat baune Haare!“

Hat er einfach jemanden angequatscht und um Hilfe gebeten. Im Übrigen immer noch keine 10 Sekunden oder Meter entfernt und gar nicht in Sorge. Er dachte halt nur, der andere Erwachsene könne ihm gerade nützlich sein. Und jetzt mal das große und komplexe Thema „Fremde Leute anquatschen“ außen vor lassend: Das ist schon cool zu sehen, wie selbstbewusst er da Hilfe holt.

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Kostüme

Wir leben ja inzwischen mehr oder weniger in einer Karnevalshochburg. Nennt hier niemand so, aber für mich als Außenseiter ist es ziemlich egal, ob man es Karneval, Fasching, Fasnacht, Fasenacht oder Zirkus nennt. Es geht hier jedenfalls so weit, dass öffentliche Einrichtungen ihre Öffnungszeiten anpassen und auch mein Arbeitgeber zum Beispiel am Rosenmontag und Fasnachtsdienstag die Geschäftsstelle schließt und darum bittet, dass großzügig Urlaub genommen wird.

Was wie eigentlich überall in Deutschland ist: Die Kinder haben in Schule und Kita entsprechende Feiern und verkleiden sich.

Als was, das ist momentan noch keine riesige Sache, aber natürlich entwickeln die Kinder so langsam auch eigene Wünsche. Die letzten Jahre sind wir mit Feuerwehrmann und Spiderman gut gefahren und fürs Knöpfle wird es dabei auch dieses Jahr bleiben. Was von beidem es wird, warten wir ab, wir sind auf beides vorbereitet. Beim Spätzle in der Grundschule sind neben klassischen Kostümen wie Polizist natürlich auch vermehrt Superhelden oder Charaktere aus Videospielen im Kommen. Letztes Jahr war der Große schon Mario, da stand jetzt schon die Frage im Raum: Wie toppt man das dieses Jahr? Minecraft wäre eine gute Inspirationsquelle gewesen, aber Vollmasken sind nicht erlaubt und ganz so einen Quadratschädel hat er dann halt auch nicht …

„Spätzle, als was willst Du denn zu Fasching gehen?“

„Als Banane.“

Machen wir es kurz: Er hat es ernst gemeint, er hat jetzt ein Bananenkostüm und ich finde alles daran geil!

Unser kleiner Weirdo, man muss ihn einfach lieben! <3

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Lifestyle

Irgendjemand hat auf Mastodon in den letzten Tagen ungefähr folgendes gepostet:

„Es ist eigentlich ziemlich beeindruckend, wie konsequent Friedrich Merz bei jeder sich bietenden Gelegenheit genau die falsche Entscheidung trifft.“

Und ich habe irgendwas in der Art auch schon irgendwann geschrieben. Wie auch nicht?

Jetzt steht also für die Regierung das Recht auf Teilzeit zur Debatte. Von einer Kommission wurde gefordert, „Lifestyle-Teilzeit“ bräuchte man nicht, das Land muss ja schließlich härter anpacken.

(Edit: Ich hatte als ich das geschrieben habe tatsächlich übersehen, dass sich durchaus Teile der Regierung skeptisch geäußert haben – was mein Urteil in der eigentlichen Sache definitiv zu hart macht. In gewisser Weise möchte ich mich dafür entschuldigen. Allerdings – und das war natürlich der Grund, warum ich mich ohne Recherche von meinem Confirmation Bias habe treiben lassen – passt es unfassbar gut ins Bild von Ideen, Vorschlägen und Handlungen der aktuellen Regierung, die überwiegend dieses plumpe rechtspopulistische Weltbild befördern und erschreckend schamlos scheinbar nichts besseres bewirken als eine Umverteilung von unten nach oben)

Das ist ein wunderbares Beispiel dafür, warum ich wirklich nicht nachvollziehen kann, weswegen man uns Linken gerne vorwirft, „ideologisch statt rational“ zu entscheiden, während die Guten in der Mitte sowas ja nicht machen würden. Es ist so ein schönes Beispiel, weil es keine Forderung aus Wolkenkuckucksheim betrifft, sondern eine Regelung, deren Auswirkungen zumindest halbwegs gesichert vor uns liegen. Seit der Einführung sind mehr Menschen in Arbeit und es ist offensichtlich, dass ausgerechnet in einigen der am dringendsten benötigten Jobs (Pflege, Rettungsdienst etc.) eine Menge Leute Teilzeit arbeiten, die das in Vollzeit gar nicht könnten, rein stressbedingt. Und man muss wirklich kein Hellseher – noch nicht mal Akademiker – sein, um zu begreifen, was es bedeuten würde, wenn man denen die Möglichkeit nehmen würde:

Einige würden ganz aussteigen, vielleicht einen anderen Beruf wählen; andere würden es versuchen und am Ende vermutlich länger krank sein. Sicher, irgendwen wird es immer geben, der das dann schafft, aber wenn man ein Land regiert, sollte man sich vielleicht nicht auf Cherrypicking bei den Ergebnissen verlegen, sondern die Statistik im Kopf behalten. Und die Auswirkungen im großen Ganzen wären verheerend. Aber ich schätze, wir reden hier auch mal wieder über eine Weltanschauung, in der arbeitende Frauen quasi nicht vorkommen oder bestenfalls egal sind.

Ich selbst arbeite auch in Teilzeit. Wenn man die Flexibilität meines Jobs und die Umstände betrachtet, könnte ich vielleicht sogar Vollzeit arbeiten. Aber ich tue es nicht und habe es auf absehbare Zeit auch nicht vor. Dass Arbeit anstrengend ist und ich vielleicht auch einfach keinen Bock darauf habe – was, finde ich, eine völlig okaye Einstellung ist – ist dabei wirklich nur ein kleiner Punkt. Ich gehöre dieser offenbar völlig unwichtigen Subkultur der „Eltern“ an und dank jahrzehntelanger Vernichtungspolitik der „Mitte“ sind die Betreuungszeiten von Kindern in aller Regel völlig unkompatibel zu Vollzeitarbeit. Selbst die Ganztagsschule des Spätzles bietet im extremsten Fall 9 Stunden Betreuung am Tag an. Im extremsten Fall sage ich, weil das eine nicht für alle verfügbare Frühbetreuung ab 7 Uhr mit einschließt und zudem natürlich mitnichten alle Tage einschließt. Freitags ist ohnehin früher Schluss, dazu auch zu allen möglichen anderen Anlässen: Bei Projekten, Ausflügen und Stundenausfall zum Beispiel. Bei acht Stunden täglicher Arbeitszeit plus Pause würde ich z.B. jede Woche zwangsweise eine, meist eher mehrere Stunden Minus machen. Mal abgesehen davon, dass die Rechnung von weniger als 15 Minuten Arbeitsweg ausgeht. Und auch davon abgesehen, dass der Jahresurlaub sich ja nicht einmal im Entferntesten an den Ferienzeiten der Kinder orientiert.

Hätte ich nicht meinen Lifestyle-Dienstag frei, kämen dazu noch zusätzliche Arzttermine für mich und die Kids und alles, was halt sonst so anfällt, was wir im Notfall gerade immer dahin schieben können. Ich meine, wenn ich jede Minute der Betreuungszeit arbeiten muss, wann bringe ich dann das fucking Auto zum TÜV?

Dabei ist das wie so oft gar keine Beschwerde über meine Situation, sie bietet sich halt an. Aber wir sind zu zweit, wir haben Jobs mit überwiegend Homeoffice, genug Geld und flexible Arbeitszeiten noch dazu … wir haben es so viel besser als so viele da draußen.

Und ja: Im aktuellen Job habe ich gleich in Teilzeit angefangen, das ginge natürlich auch nach den derzeitigen Plänen weiterhin. Aber davor habe ich in der Verkehrsregelungszentrale  gearbeitet. Ein toller Job, aber eben auch einer, der sehr rigide war bei den Arbeitszeiten. Abweichungen vom Schichtplan waren quasi unmöglich. Ich habe nach der Geburt des Knöpfles mein Recht auf Teilzeit in Anspruch genommen und ihr könnt mir glauben: die hätten einen Scheiß getan, mir das zu ermöglichen, wenn ich das Recht nicht gehabt hätte! Der Gedanke, dass jemand nicht dem strikten Plan folgt, „wie es alle tun“, war ausnahmslos allen dort derart fremd, dass es schon bizarr ist. Und wir hatten schon einen bizarren Dienstplan, das kann ich euch sagen. Und ja, ich hätte keine Wahl gehabt. Ohne Teilzeit hätte ich kündigen müssen. Oder meine Frau in einer anderen Senatsverwaltung. Kann mir jemand mal sagen, wer davon was gehabt hätte. Stellt euch mal vor, wie verzweifelt die damals gesucht haben, dass sie am Ende mich genommen haben!

Im Ernst: Es ist furchtbar wichtig, dass Menschen in ein Teilzeit-Modell wechseln können, wenn sich die Lebensumstände ändern. Denn die Alternativen sind nunmal oft Kündigung oder Krankschreibung und in Anbetracht des anhaltenden Fachkräftemangels kann ich mir nicht mal vorstellen, dass es am Ende der Wirtschaft nützt, kurzfristig noch ein paar unproduktive Zusatzstunden aus der Belegschaft rauszuquetschen, um sie dann ganz zu verlieren. Wie ich sagte: Ohne Ideologie lässt sich das nicht sinnig erklären.

Und by the way: Natürlich lebt Politik auch davon, Entscheidungen nach seinen Idealen und Vorstellungen zu machen. Die der derzeitigen Regierung und mindestens ebenso sehr die ihrer Ideengeber sind halt verachtenswerter Scheiß.

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