Category Archives: Familie

Wird alles

Eigentlich hätte ich heute Bock gehabt, ein bisschen über die neue Werkstatt zu ranten, weil das auch alles schon wieder Wege geht, die nicht unseren Plänen entsprechen. Aber da ich dann andererseits auch wieder so gar keinen Bock habe, hier immer nur rumzumosern, kürze ich das Ganze ab mit: Wir haben dem Opel neue Reifen verpasst, jetzt müssen wir es halt weiter fahren. Und das hat ja auch schöne Seiten. Ich mag den Opel ja. 🙂

Und mein Fuß wird besser. Ich hab zwar heute meine Hausärztin nicht angetroffen und deswegen für morgen einen Termin, aber ich bin auch nicht wie eigentlich angedacht nochmal ins Krankenhaus gefahren. Wofür es ja reichlich Gründe gibt, ich hatte nur eigentlich gedacht, ich spreche das noch mit einer Medizinerin ab. Egal.

Das Spätzle hat heute nach drei Wochen ohne Schule vom ersten Tag nur eine Stunde durchgehalten. Auch irgendwie beeindruckend. Und wenn wir schon beim Spätzle sind, beende ich die kurze Wasserstandsmeldung hier doch mit einem kleinen Dialog von vorher:

„Dad, wie lange würde es denn wirklich dauern, ein Loch in eine Wand zu starren?“
„…“
„Auch unsere Augen reflektieren Licht und Licht kann Materie zur Seite schieben …“

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Mehr Krankenhaus!

(Naja, ein bisschen)

Wie inzwischen ja jeder hier weiß, hab ich vor anderthalb Monaten einen Zeh abgenommen bekommen. Abgesehen davon, dass das Ding zu dem Zeitpunkt ein bisschen groß und ein bisschen rot war, ging es vor allem darum, dass sich die Entzündung am Knochen nicht ausbreitet.

„Damit Sie nicht in ein paar Wochen wieder hier sind.“

Ein paar Wochen später war ich dann wieder da. Heute.

Ich habe nämlich vorgestern Abend ziemlich unangenehme Schmerzen im Fuß gehabt und am Morgen danach fand ich den Nachbarzeh des inzwischen hoffentlich entsorgten etwas dick und rot vor. Daneben ein kleidsames Hämatom, aber darüber hinaus auch eine Rötung des Vorderfußes selbst, was halt ungefähr so aussah und so schmerzhaft war wie das, was mich letztes Mal ins Krankenhaus gebracht hat. Das ist nicht lustig.

Meine Ärztin hat mich bei einer eiligen Konsultation aber vorsichtig beruhigt und ein Abwarten bis heute Morgen vorgeschlagen. Wo es dann neben dem völligen Zerschießen meines Arbeitstages dafür sorgte, dass sie mir reichlich sorgenvoll eine Verordnung über eine Krankenhausbehandlung rüberwachsen ließ. Na klasse.

Während wir hier noch mit allerlei Mühen den Betreuungstag der Kids eingetütet haben, der mit Ergotherapie, verkürzter Zeit und einem Ausflug auch alles andere als normal verlief, hab ich mich gedanklich darin geübt, dieses Mal ein bisschen renitenter zu sein. Auf Verdacht noch einen Zeh opfern hatte ich gar nicht vor, aber ehrlich gesagt auch keinen stationären Aufenthalt. Nicht weil mir meine Gesundheit egal wäre, natürlich nicht. Wäre das so, wäre ich gar nicht hingegangen. Aber diese Mär vom zwingenden Aufenthalt wegen des Antibiotikums …

Ich hab gar keine Zweifel, dass das gelebte Praxis ist, aber die Leitlinien sagen gar nicht immer, dass eine intravenöse Gabe zu bevorzugen ist und ich bin auch ein bisschen bockig inzwischen, dass es völlig normal ist, da zwingend einen Aufenthalt draus zu machen. Bei meinem letzten Besuch hab ich die Medikamente erstens zu Beginn viel zu spät und im Verlauf ziemlich unregelmäßig bekommen und das kann ich in Anbetracht der knappen Personaldecke in der Klinik zwar in Teilen nachvollziehen, aber wieso ich als Patient einfach mal defaultmäßig meine Kinder eine Woche nicht sehen kann, weil ich ein Medikament kriege, das ist in meinen Augen wenigstens Grund für eine Diskussion über Alternativen. Und ich wäre ja auch täglichen Besuchen oder einer Selbstzahlervariante gegenüber aufgeschlossen gewesen.

Wie man sieht: Das ist alles theoretisch und man sieht’s ja: Ich bin wieder zuhause. Und zwar aus dem bestmöglichen aller Gründe: Die Laborbefunde haben eine Entzündung verneint, es ist wohl doch nicht einfach der selbe Scheiß nochmal und das ist einfach nur sehr sehr gut. Dass ich dafür in der Notaufnahme war, ist völlig bescheuert, aber DIE Regeln mache ich wirklich nicht.

Kommen wir nun noch zu einem anderen Punkt: Mein Fuß ist kaputt.

Ach so, ist kein anderer Punkt? Ja, hmm, ist jetzt ungünstig, weil ich bin ja entlassen. Nochmal Kontrolle am Montag, aber eigentlich ist das Problem quasi gelöst oder so.

Ich hoffe das wirklich, aber um ehrlich zu sein: Was mir der schweigsame Arzt jetzt als Diagnose aufgeschrieben hat, hat halt den kleinen Fehler, dass es abgesehen vom Vorkommen der Farbe Rot eigentlich keines der Symptome aufgreift, die ich habe. Das ist für mich als Laie eine eher seltsame Diagnose, die wenig Hoffnung weckt. Und auch da male ich gleich wieder das Teufelchen des Systemversagens an die Wand, denn so langsam hab ich meine Füße betreffend einfach nur noch Lust, meine Ärzte anzulügen.

„Sie haben Diabetes, oder?“

Ich glaube, ich werde da künftig nein sagen, denn ich habe nicht das Gefühl, dass Jasagen hilft. Ich meine, auf meinen Entlassungspapieren vom letzten Mal prangt schon wieder groß das Wort „Wundheilstörung“, aber alle Pfleger und Ärzte, die mich nach der Amputation angeschaut oder versorgt haben, waren beeindruckt davon, wie gut die Wunde heilt. Aber man hat das als Diabetiker doch! Und vor ein paar Jahren habe ich mich verletzt, dann hat das Antibiotikum gegen die Erreger nicht geholfen, aber alle Ärzte sind davon ausgegangen, dass ich die Wunde verschleppt habe, weil ich sie wegen der Neuropathie in den Füßen nicht gemerkt habe. Hab ich. Und ich war am Tag danach beim Arzt, aber das hat mir keiner geglaubt. Tut mir ja auch leid, dass mein Diabetes früh erkannt und gut eingestellt wurde und ich nicht genauso reagiere wie Opa Erwin, der sich seit 20 Jahren heimlich Zucker in den Kaffee macht und nicht an Spritzen glaubt.

Am Ende sind das alles sehr direkte Auswirkungen davon, dass das Gesundheitssystem völlig ruiniert wurde und man da als Patient notgedrungen durchgeschleift wird, ohne das Zeit für irgendwelche Gespräche wäre. Und das ist so bitter. Weil die Leute an sich ja gut sind. Und sicher auch einen guten Job machen wollen.

Und ach ja, ich hätte auch gerne keine Schmerzen mehr in den Füßen. Vielleicht brauche ich ja mehr Diabetes.

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Alles hat ein Ende …

… und auch mein Zeh ha … lassen wir das.

Obwohl mir meine Ärztin eine außergewöhnlich großzügige AU gegeben hat, sind die Tage des Schlendrians jetzt wohl vorbei. Leider, tatsächlich. Nicht weil ich nicht arbeiten will, ich freue mich sehr darauf, ganz ehrlich. Aber das mit der zweiten Erkrankung war kein Witz und während ich gerade zugeben muss, dass Homeoffice schon machbar sein wird, liegt jetzt das Spätzle mit Halsschmerzen und großer Erkältung absolut darnieder. Er ist vorher vor 19 Uhr ins Bett gegangen, das passiert ausschließlich an so richtig schlimmen Tagen und ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich da so einen Wert von einem bis zwei Tagen im Jahr nenne. Zwei kommt mir sogar ein bisschen viel vor.

Naja, jedenfalls hab ich meine letzten „freien“ Tage jetzt mit dem Hüten des kranken Spätzles verbracht und er wird weiter zuhause sein … das ist kein guter Start in die Arbeit, leider. Aber es wird schon. Ich freue mich auf die Kollegen, jetzt erstmal digital, aber hoffentlich bald dann wieder in persona.

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Zurück aus dem Krankenhaus

So, da bin ich wieder!

Bislang scheint sich zu bestätigen, was ich im letzten Eintrag schon irgendwie vermutet hatte: So eine Zehenamputation ist machbar.

Nein, versteht mich nicht falsch: Das war ja kein Wunsch von mir, sondern eine pragmatische weil sinnvolle Entscheidung. Zumindest laut den Ärzten. Und ich weiß, dass das gerade psychisch einige andere Menschen nicht so leicht wegstecken würden, da hab ich sicher auch einen kleinen Bonus. Tatsächlich hat mir ausgerechnet die Anästhesistin auf dem Weg in den OP-Saal gesagt, dass sie persönlich es damals schon als traumatisch empfunden hätte, als ihr der Blinddarm entfernt worden war, weil das für sie irgendwie die Komplettheit oder Unversehrtheit ihres Körpers auf einen Schlag beendet, bzw. in Frage gestellt hätte. Ich kann das an sich ganz gut nachvollziehen, aber das ist sowas, das auf dem Weg mit chronischen Krankheiten irgendwie verloren geht. Oder zumindest bei mir verloren gegangen ist.

Ja, gerade sieht das total furchtbar aus mit der fetten Naht auf der Oberseite meines Fußes und dann die unnatürliche Lücke, die da auch bleiben wird … aber tatsächlich hat der Zeh zuvor schon immer an den Schuh gedrückt und war gebogen und mit viel Hornhaut versehen, ich war ohnehin in podologischer Behandlung. Ich hab da jetzt keinen normschönen Fuß eingebüßt und jeder, der sich im Schwimmbad vor meinem Körper ekeln will, kann das seit 4 Jahrzehnten an überdurchschnittlich viel Fett oder irgendwelchen Pickeln tun. Ich glaube, ich werde da einfach nicht viel fühlen, wenn es mal soweit ist, dass ich den Nicht-Zeh unfreiwillig anderen Menschen zeigen muss. Und es wird auch nie mehr so schlimm aussehen wie jetzt, wo die Fäden noch drin sind.

Spannend ist, dass es trotzdem erstmal eine Heilung wie aus dem Bilderbuch ist: Am Mittwoch Mittag die OP, am Donnerstag Nachmittag (nachdem das fast 26 Stunden wirkende Betäubungsmittel abgeklungen war) bin ich bereits alleine aufs Klo, am Folgetag für eine kalte Cola runter zum Kiosk gelaufen. Ohne Hilfsmittel. Da war es dann eigentlich gar nicht so überraschend, dass ich doch noch jetzt am Ende der Woche, am Sonntag Mittag rausgekommen bin aus dem Krankenhaus. Was sehr schön ist, denn wenn man mal die ganzen kleinen Verpeilungen dort hochaddiert, war es eigentlich ein veritables Desaster. Hat sich nicht so angefühlt, aber ich hab die ersten 20 Stunden aus Verpeilung keine Medis gekriegt, ich bin in nur 5 Tagen mindestens sechsmal mit falschem Essen beliefert oder vergessen worden. Da hat die linke Hand nicht gewusst, was die rechte tut und wie gesagt: hat sich insgesamt eher wie mein bester KH-Aufenthalt angefühlt, aber war grotesk.

Ganz gut geht’s mir aber noch nicht, muss ich ehrlich sagen. Ich weiß nicht, ob es die Infektion ist, die mir nachhängt, das einwöchige Rumliegen oder die Kombination aus beidem – ich bin jedenfalls brotfertig, ohne irgendwie viel gemacht zu haben. Selbst die Hand auf der Tastatur fühlt sich enorm schwer an. Morgen muss ich dann eine AU holen, sehen ob ich schon wieder Autofahren kann, und dann darf der Tag meinetwegen schon wieder enden. Allerdings freuen sich die Kids sehr, dass ich wieder da bin und das ist ganz ehrlich einfach total toll, so sehr es mich gerade noch anstrengt.

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Sommerferien

… also ich meine nicht Sommerferien, sondern Ferien vom Sommer. Muss jetzt mal, wird jetzt mal.

Wenn ich an einen Rekordsommer denke, dann war der Platz nunmehr wirklich seit zwei Jahrzehnten reserviert für 2003. Das war das erste Mal in meinem Leben, in dem ich den 40°C irgendwie nahe gekommen bin, es ist damals aber in meinen Medien bei weitem nicht so viel mit Zahlen um sich geworfen worden wie das heute der Fall ist. Ob ich die 40 damals erlebt habe, weiß ich folglich nicht so genau, aber ich war in einer sehr warmen Gegend in Deutschland unterwegs und die Marke ist vereinzelt geknackt worden. Darüber hinaus hab ich damals den heißesten Tag mit ungefähr 80 Anderen so verbracht, wie man das heute mit ein bisschen Verantwortungsgefühl auf gar keinen Fall mehr machen würde: Wir haben während einer Kinderfreizeit eine Wanderung gemacht.
Ich möchte uns trotz unseres jugendlichen Leichtsinns und der Tatsache, dass ein normaler Tag damals ungefähr zwei Flaschen Wein und zwei Kannen Kaffee bei vier Stunden Schlaf bedeutet hat, attestieren, dass wir uns Sorgen gemacht und behutsam abgewogen haben, ob wir uns und den Kids das zumuten können. Ich erinnere mich an die Planung mit den vielen Zwischenstationen, wo es frisches Wasser gibt, wie wir die Route möglichst schattig planen etc. pp. Ganz irre waren wir auch nicht. In einem Brief an eine Freundin fasse ich das dann allerdings sehr kurz zusammen:

„Samstag, 9. August 2003, Mittag ca. 13 Uhr.
Mindestens 35°C und ein paar Kilometer Wanderung liegen hinter mir. War aber locker. Das Wasser hier im See hat offenbar 26°C (!) Damit Du dir vorstellen kannst, wie warm es ist. Trotzdem gibt es kaum Gemecker, wir sind super-schnell gelaufen. Keine drei Stunden – mit Kids. Ist echt ok.“

Der Rest des Textes handelt dann im Wesentlichen noch von Wespen und Liebeskummer. Das Fass brauchen wir jetzt nicht auch noch aufmachen.

Naja, wenn man es aber genau betrachtet, dann war das gegen dieses Jahr ein lächerlicher Sommer, denn die Temperaturen um 35°C und höher haben soweit ich mich erinnere nur diese eine Woche so extrem gehalten. Dieses Jahr hab ich mich öfter mal erwischt, es herunterzuspielen, wenn ich vom Hochtragen des Einkaufs fertig war, wo es „heute doch nur 33 Grad“ hatte.

Wenn meine Wetterapp mich nicht komplett verarscht, dann wird es in den nächsten zwei Wochen aller Voraussicht nach nicht mehr über 30°C haben. Öfter sogar in der Spitze deutlich weniger. Und da merkt man dann doch: Moment mal! 25 Grad war doch eigentlich immer ein völlig guter Sommer und jetzt freue ich mich darauf, dass das die kalten Temperaturen sind? Ob der Rhein hier vor der Tür die nächsten Tage schiffbar bleibt, ist noch ungewiss und die Zahl der Hitzetoten wird sicher noch ein bisschen nach oben korrigiert werden wegen der letzten paar Tage. Ich bin keiner davon, das ist schon mal gut, aber krass war das schon. Ich kann 2003 gedanklich mal langsam abhaken.

Außer wegen der Sache mit den Wespen. Das war aber auch wirklich krass.

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Zurück

So, das war er dann. Der erholsame Sommerurlaub. 🙂

Ich möchte nicht meckern. Wir hatten ein sehr schönes Ferienhaus nur 200 Meter vom Wasser entfernt, von Bäumen umgeben und mit Outdoor-Spielzeug für die Kids. Unser Mietwagen hat uns zuverlässig von allen A zu allen B gebracht und für einen ganz kurzen Teil der Woche kam sogar sowas wie echte Entspannung auf. Wir Erwachsenen hätten davon sicher noch mehr vertragen, aber unsere Kinder sind zumindest jetzt noch nicht in einem Alter und einer Verfassung, in der das Sinn macht. Bei denen kippt das auch wieder nach recht kurzer Zeit, das wissen und erwarten wir auch – und so ist arg viel mehr als eine Woche momentan halt einfach noch nicht drin und entsprechend ist es halt wie es ist.

Wir haben heute die Rückfahrt gemeistert, die nicht nur rund 980 km Autofahrt beinhaltet haben, sondern zwischenrein einen Klärungstermin mit Sixt, das Abholen unseres eigenen Wagens, das Umladen, das Wegbringen des Mietwagens in eine andere Stadt … am Ende waren wir von 5:35 Uhr bis 20:35 Uhr unterwegs und entsprechend fertig sind wir alle. Ich als Fahrer vielleicht nicht einmal am meisten. Es war ein Erlebnis, ein Erfolgserlebnis eigentlich sogar, aber ich muss jetzt schon androhen, dass noch mehr Artikel kommen. Sixt hat uns zum Beispiel dermaßen enttäuscht, da konnte das eigentliche Feature, nämlich der wirklich schöne neue Passat, nicht gegen ankommen. Aber das kommt irgendwann, wenn ich wieder Zeit und Bock habe.

Jetzt sind wir jedenfalls wieder da und erst mal ist alles gut. Nicht so wirklich Wir-sind-alle-erholt-gut, aber immerhin. Jetzt stellt sich vor allem noch die Frage, auf wie viel der inzwischen aufgelaufenen 2.300 € Mehrkosten wir am Ende wirklich sitzen bleiben. Alles wird es nicht sein, aber nichts natürlich auch nicht. Es ist nunmal ein Auto kaputt gegangen, was will man machen? Aber das kommt dann alles noch …

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10 Stunden und 2000 Euro später …

Ihr macht Euch kein Bild!

Ich hab hier ja ein bisschen mit der Schwierigkeit der Fahrt kokettiert, aber jetzt war dann dieser eine Fall, bei dem es wirklich schief ging.

Ich vermute, Ihr werdet euch das denken, jetzt da ich hier was schreibe, aber ich möchte trotzdem damit anfangen, dass alles ok ist. Wir sind wohlauf im Urlaub und erst einmal sieht es so aus, als würde das auch so weitergehen. Aber so wie der Weg dahin verlief, bin ich gerade bei allen Voraussagen etwas skeptisch.

Der Samstag mit seinen 955 km zwischen Heimat- und Ferienadresse ließ sich gut an. Ich hab tatsächlich bis zum Wecker um kurz vor 6 Uhr geschlafen und auch wenn wir etwas später als geplant aus dem Haus gekommen sind, haben wir es quasi auf einer Arschbacke bis 9.45 Uhr nach Rhüden geschafft. Da hatten wir ein großes Frühstück bei der goldenen Möwe eingeplant weil es praktisch lag und wir es schon kannten. Letztes Jahr auf der Hinfahrt haben wir direkt im Haus daneben, einem Motel, übernachtet.

Dieses Mal war es früher Vormittag, alle waren fit und … das Auto hat geraucht. Das festzustellen hat uns die Laune dann trotz bestem Wetter verhagelt. Ohne zu viel Ahnung von der Materie zu haben ließ sich das Problem auf „Der Motor verliert massig Öl und verbrennt es dann extern“ eingrenzen, was eine Weiterfahrt nicht wirklich in Betracht kommen lassen wollte.

Da standen wir. Gemütlich beim Mac, aber 300 km von zuhause entfernt, mit zwei Kindern und einem fahrtuntauglichen Auto, das komplett vollgepackt war.

Die erste halbe Stunde haben wir recherchiert und telefoniert. Das Ergebnis war im Wesentlichen: alle Werkstätten hatten zu. Ein örtliches Abschleppunternehmen hat dann aber zurückgerufen und gesagt, sie hätten noch wen gefunden.

Wir haben Nägel mit Köpfen gemacht: Ich hab das Auto zur Werkstatt ein paar Kilometer weiter schleppen lassen und es begleitet, Sophie hat sich mit den Kids kurzerhand ein Hotelzimmer genommen.

Das waren zusammen schon mal 380 € ungeplante Zusatzkosten und wir waren noch keine Stunde da. Im Übrigen ungefähr das, was wir vielleicht von der Versicherung zurückkriegen werden für Reparatur und Abschleppen.

Die in der Werkstatt haben sich Mühe gegeben. Haben wiederholt den Motor gereinigt, Testfahrten gemacht, mir einiges erklärt … es hat halt gedauert. Nach anderthalb Stunden war klar: Heute wird das nichts mehr, sie müssen Teile bestellen, frühestens Montag.

An der Stelle war es gar nicht so einfach, eine Entscheidung zu treffen. Wir hätten den Urlaub verfallen lassen können und haben das an dem Tag öfter in Erwägung gezogen. Es wsr aber eben auch so, dass das gar nicht mal so unanstrengend gewesen wäre, denn selbst eine spontane Bahnfahrt wäre teuer gewesen und mit (zumindest Teil-)Gepäck, Kindersitzen, unterschiedlichen Startpunkten wäre auch hier eine sehr komplexe Taxifahrt dazugekommen, die finanziell auch schnell im dreistelligen Bereich gewesen wäre. Das alles, um am Ende keinen Urlaub und das Auto trotzdem ein paar hundert Kilometer entfernt defekt in einer Werkstatt stehen zu haben?

Oder vor Ort bleiben? Zwei bis vier Tage von unserer Urlaubswoche? In Seesen an der A7?

Ich war zwar nicht dabei, aber es war wenig überraschend, dass die Kids schon nach drei Stunden Hotelzimmer nicht mehr so wirklich gut gelaunt und kooperationsfähig waren.

Wir haben beschlossen, das durchzuziehen und danach die Scherben aufzukehren: Mietwagen, Urlaub! Währenddessen das Auto fixen lassen, auf dem Rückweg die Kisten wieder tauschen. Teuer aber machbar.

Wenn es nicht Samstag Nachmittag auf dem Dorf gewesen wäre. Denn da gibt es keine Mietwagen. Übrigens auch nicht in Goslar, Salzgitter, Hildesheim oder Göttingen. Ja, haben wir alles versucht. Die nächstgelegene Möglichkeit war Sixt am Flughafen Hannover. Sophie hat umgehend ein Auto reserviert. Golf Kombi, untere Mittelklasse, 680 € inkl. Auslandfahrt und zweitem Fahrer.

Das klang schon mal gut, aber da waren trotzdem noch rund 70 km Luftlinie zwischen uns und dem Wagen. Also mal die Taxiunternehmen der Umgebung angerufen. Fast 100 km Strecke, das ist doch eigentlich ganz nice, dachte ich mir so als Ex-Taxifahrer.

Nope.

Niemand wollte. Einige sind gar nicht rangegangen, manche waren skeptisch und haben mir wegen der Kosten von ca. 250 Euro abraten wollen. Und sind dann doch selbst abgesprungen, weil das jetzt zu lange dauert. Die Odyssee dauerte bis ich die Zentrale in Hildesheim dran hatte, die zwar auch keinen Fahrer gefunden hat, mir aber den Tipp gegeben hat, dass der Flughafentransfer das vielleicht macht und auch viel billiger sei.

Well, wieder was gelernt. Eine knappe Stunde Wartezeit, dafür 100 Euro weniger. Wobei ich ja nun binnen einer Stunde für den höheren Preis eh keinen Taxifahrer hatte auftreiben können.

Die Fahrt war super. Eine Dreiviertelstunde ausruhen im Fond eines gemütlichen VW-Busses mit einem netten Fahrer, der mir dann auch genau zeigen konnte, wo Sixt am Flughafen sitzt.

„Ja, das ist ein bisschen ärgerlich, dass ihre Buchung so kurzfristig kam, weil einen Kombi hatten wir jetzt nicht mehr da …“

Ich hatte mir zu dem Zeitpunkt längst nicht mehr eingebildet, irgendwann nochmal Glück zu haben. Es war 16.30 Uhr, wir waren seit 10 Stunden unterwegs, die Kinder im Hotel am Durchdrehen, ich hatte den halben Tag bei 30°C vor einer Werkstatt telefonierend verbracht und stand jetzt – für 150 € angereist –  verschwitzt bei Sixt, 70 Kilometer von der Familie entfernt und die sagte mir, ich könne als kostenloses „Upgrade“ einen 2er-Tourer von BMW haben, der ja nur 30% weniger Kofferraum hat als der vollgestopfte Zafira in Seesen, den es umzuladen galt.

Als jemand, der bei Autos eigentlich ausschließlich nach Platzangebot geht – oder gehen muss – möchte ich ohnehin alle Autovermieter-Marketingverantwortliche ersäufen, die die verschiedenen Klassen offenbar nach Prestige auf dem Grundschulhof zusammenwürfeln.

Aber egal. Ich hab mal eben noch 250 € hinterher geworfen, um einen Passat zu bekommen.

Da sich mit Geld am Ende alles regeln lässt, saß ich 10 Minuten später in einem 70.000€-Neuwagen, bin damit wieder 100 km entgegen der Zielrichtung gefahren, während einer der Taxiunternehmer mich anrief um sich zu entschuldigen, dass er vorher nicht rangehen konnte, weil er in der Notaufnahme war. Na klar, was auch sonst?

Anschließend hab ich mit Müh und Not das Gepäck in den immer noch kleineren Kofferraum dieses Luxusschlittens gestopft, hab die Familie am Motel eingesammelt und hab dann mit nur zwei Kaffeestopps einfach 600 km nach Dänemark runtergerissen.

Wie sehr das ausgelaugt hat, ahnt ihr nicht.

Aber da sind wir jetzt, es hat sich erstmal gelohnt.

Ach ja, heute kam der Kostenvoranschlag der Werkstatt. 700 Euro. Macht so langsam auch keinen Unterschied mehr.

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