Fahren wie 2004

Ich bin mir nicht sicher, vielleicht finden sich unter den hier noch verbliebenen Lesern auch ein paar Hardcore-Oldtimer-Enthusiasten, aber ich vermute, dass es dem überwiegenden Teil wie mir gehen wird, wenn ich sage, dass ich seit 20 Jahren kein Auto mehr ohne Servolenkung gefahren habe.

Heute dann aber doch. Der Grund ist jedoch ein eher unschöner, denn ich habe nicht etwa irgendein Kleinod der Automobilbaukunst aus meinen Kindertagen ausgefahren, sondern uns ist schlicht am Skoda Fabia die Servolenkung abgekackt. Sehen wir es positiv: Nicht während der Fahrt*; ich wusste vorher, worauf ich mich einlasse. Denn ehrlich gesagt, hab ich das Auto auf einen einstündigen Testritt mitgenommen um einen der häufigsten Servo-Fehler beim Skoda auszuschließen: eine leere Batterie. Es wäre zu absurd gewesen um wahr zu sein, aber man findet online die Foreneinträge, in denen Nutzer beschreiben, dass das passieren kann, dass die Batterie just für die Servopumpe zu wenig Saft hat. Selbst im Betriebshandbuch ist das aufgeführt.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass unser Lieblingsschrauber am Dienstag feststellt, dass es Haarrisse in den Blattsicherungen sind und der Aufwand sich im zweistelligen Bereich bewegt. Die meisten anderen Optionen kommen schnell an einen Punkt, wo man über Verhältnismäßigkeiten bei einem 17 Jahre alten Kleinwagen nachdenken muss.

Und versteht mich nicht falsch: Ja, wir haben diese Zwei-Auto-Situation gerade vor allem aus Sicherheitsgründen und ich selbst fahre überwiegend den Opel Zafira, aber jedes Mal, wenn ich mich ans Steuer des Skoda setze, mag ich das Auto nochmal mehr. Der Opel ist in allen Belangen besser, im Vergleich zum Skoda ist er ein Raumschiff aus einer anderen Dimension mit viel mehr Platz und Bling-Bling und es ist nicht so, dass ich das im Alltag nicht zu schätzen wüsste. Aber der Skoda ist das, was mir ein Fahrgast im Taxi mal über den alten B-Zafira gesagt hatte:

„Dit is’n ehrliches Auto.“

Schwierig, das über Autos aus dem VW-Konzern bei der Geschichte der letzten 20 Jahre zu sagen, aber das ist ein kleines Kistchen mit einem schwachen Motor, der trotzdem unsere ganze Familie inklusive meiner ausufernden Zweimetrigkeit ganz gechillt durchs ganze Land bringt. Der hat (bis auf die etwas abenteuerliche Kombination aus Sitzheizung und Kurvenlicht) null Luxus und ist alt, aber who cares? Perfektes Auto finde ich.

Aber um ehrlich zu sein: Mit Servolenkung ist er schon besser gewesen. Und wird es dann hoffentlich nach dem Werkstattbesuch auch wieder sein. Daumendrücken ist erlaubt.

*Vor über 20 Jahren ist mir mal während einer legendären Urlaubsfahrt mit einem Mitbewohner bei einem geliehenen Alfa 33 mitten in einem Kreisverkehr der zweite, für die Servolenkung zuständige, Keilriemen gerissen und ich sage auch heute mit mehr als einer Million Kilometer auf dem Buckel, dass ich das nicht nochmal brauche. Ist nichts passiert, aber Herzinfarkte sollen ja auch ein Ding sein, habe ich mir sagen lassen. Und es kann wirklich ganz schnell ganz schief gehen.

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