35°

Auch wenn wir gerade erst am Anfang stehen: Es sieht bisher ja so aus, als würden wir gerade in eine Hitzewelle reinschlittern, die vermutlich das meiste übertreffen wird, was ich bisher erlebt habe. Es sind noch für die nächsten 10 Tage irgendwas zwischen 33 und 38°C angesagt und wir kommen da an den komischen Punkt, wo sich im Falle akuter Verzweiflung tatsächlich Präsenzarbeit anbieten würde, einfach weil Klimaanlage. Ich hab heute meinen letzten Pflichtpräsenztag dieses Quartal hinter mich gebracht und ja, das hat schon was. Andererseits hab ich die letzten Stunden dann im Homeoffice verbracht, weil ich einen wirklich langen Dienst hatte und es sich von den Planungen mit den ganzen Kita- und Schulfesten angeboten hat … was ich eigentlich sagen will: Duschen und halb nass vor dem Ventilator sitzen ist halt auch extrem geil und das wiederum ist im Büro schwer umzusetzen. Wobei ein Kollege gleich gemeint hat, dass wir im Prinzip ja schon eine Dusche hätten … 🙂

Aber auch wenn ich schon Lebensphasen hatte in denen ich mehr geschwitzt habe: Worin ich eigentlich nicht so gut bin ist bei diesen Temperaturen auch noch einen guten Eindruck zu hinterlassen. Und was hatte ich heute auch? Das Jahresgespräch mit der Bereichsleitung. Aber was soll ich sagen: Ich bin mit ihnen zufrieden, sie mit mir und glücklicherweise sind kurze Hosen bei uns in der Firma auch kein Thema. Angeblich war es eines der schnellsten dieser Gespräche, in dem Fall aus den richtigen Gründen, also ist das abgehakt.

Jetzt kommt morgen aber die absolute Krönung: Klassentreffen, das 25-jährige. Mit meiner ersten Klasse. Streng genommen teile ich also nicht den Abschluss mit dem Rest, aber einen guten und wichtigen Teil der Schulzeit. Und ich freue mich ehrlich gesagt sehr, ein paar der Leute auch wirklich seit damals das erste Mal zu sehen, aber meinetwegen hätte es dafür auch nicht die angekündigten 35°C gebraucht. Aber noch ist die Hitzeverzweiflung nicht groß genug: ich bin zuversichtlich. Aber was soll ich schreiben? Spannend wird ja erst, wie’s gewesen ist.

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Schutzgeld

Im Grunde sind Versicherungen und Schutzgelderpresser ja wesensähnlich. Man mag über die Freiwilligkeit der Zahlungen diskutieren, aber wenn wir dann bei der Kfz-Haftpflicht sind, kommen Freunde der legalen Versicherungen auch in Erklärungsnot.

Ja, ich schreibe das jetzt gerade ein wenig genervt, weil unsere Versicherung uns wegen der aufgerissenen Tür ein Einschreiben geschickt hat, weil unsere Schadensanzeige „nicht eingegangen“ ist. Ausgerechnet. Da schickt man dreimal im Jahr noch was auf Papier und ausgerechnet das kommt nicht an. Aber gut, eben nochmal ausgefüllt, geht dieses Mal per Mail raus, dann können wir es bei Bedarf kopieren, falls die Mail zufällig die gleichen Probleme hat.

Und soll ich was sagen: Das ist alles völlig sinnlos und einfach nur Ausdruck dieses institutionalisierten Misstrauens, das gefühlt alle Geschäftsbeziehungen heute dominiert. Wir hoffen ja selbst, den Schadensfall ohne sie zu regeln. Wie im ursprünglichen Beitrag geschrieben: Gerne ein Treffen um Mitternacht hinterm Aldi, grüner Schein von einer Hand in die andere … immer noch seriöser als über die Versicherung. Aber man hat die Versicherung ja, falls was schiefgeht. Wenn die gute Frau jetzt sagt, die aufgerissene Tür hätte ihr den Rahmen verzogen und zuhause die Katze entzündet und das würde 230.000 € kosten, dann gebe ich das ja auch gerne ab, keine Frage.
Aber da ich der Geschädigten weder Stress machen will noch kann, muss ich abwarten, bis sie mir Infos gibt, wie teuer das sein soll, et, pp. Und das hat sie bisher nicht. Entsprechend kann ich meiner Versicherung kaum mehr mitteilen, als dass da eventuell noch was mit einer Tür kommen könnte, wofür ich jetzt ungefähr 100 Daten in ein Formular eintragen muss, inklusive der Adressen der beim Vorfall getöteten Personen. Im Übrigen nur 4 Adressfelder für Tote und Verletzte, ich fühle mich fast ein bisschen herausgefordert durch sowas.

Ich muss an der Stelle mal sagen, dass ich in Teilen meinen persönlichen Frieden mit der Bürokratie gemacht habe. Nicht allumfassend, aber ich sehe das heute differenzierter und sehe auch, dass es Situationen gibt, in denen das beide Seiten vor Missbrauch schützen kann. Und natürlich haben Versicherungen oft mit Betrug zu tun. Aber warum muss ich jetzt dringend ein umfangreiches Formular ausfüllen – das ich nicht ausfüllen KANN, weil ich selbst die Infos nicht habe?

Ich möchte deswegen fürs Protokoll festhalten:

Dass wir jetzt eine eilige Mail mit Tonnen an privaten Daten an die Versicherung schickent, einfach damit die früher dieses mangelhafte Formular hat, dessen Existenzberechtigung vielleicht binnen Tagen verfällt … kann es sein, dass ein Missbrauch dieser Daten wahrscheinlicher ist als dass dadurch ein Betrungsfall verhindert wird? Selbst wenn man mich mal statistisch als ein bisschen überdurchschnittlich kriminell einstufen würde?

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Fehlschlag

Einer der wirklich großartigen Punkte bezüglich der Begabungen des Spätzles ist, dass man mit ihm sehr weirde Dinge machen kann. Einer der schlechten Punkte ist, dass man das auch ziemlich oft muss, weil er permanent unterfordert ist. Zumindest in mancherlei Hinsicht.

Jetzt am Samstag stand mal wieder ein Ausflug nach Frankfurt an. Ein VHS-Kurs zum Thema „Licht kunstvoll spiegeln“. So was, bei dem man sich als Erwachsener ohne Kinder vermutlich fragt:

„Was, sowas gibt es?“

Ja. Oder: eigentlich. Denn das Problem jetzt war, dass es leider ausgefallen ist. Offensichtlich irgendwas dramatisches, denn der Dozent war einfach nicht da und auch nicht erreichbar, ich habe den Verdacht, dass der einen beschisseneren Tag hatte als wir alle zusammen. Wir allerdings waren nach einer Stunde Anreise auch nur so mittel amused. Also ja, was sollen sie machen, ich bin jetzt nicht böse oder so. Aber auch wenn die von mir geplanten vier Stunden Aufenthalt in einem Frankfurter Einkaufszentrum jetzt nicht der Höhepunkt meines Jahres geworden wären, ein bisschen darauf eingestellt hatten wir uns dann ja doch. Am Ende bin ich aber auch einfach froh, dass das mit dem Spätzle inzwischen gut machbar ist. Gute Beifahrer sind die Kids ja beide seit Ewigkeiten, aber ich würde verstehen, wenn es bei einer sinnlosen Stunde hin und dann wieder einer zurück auch mal Grenzen hätte, aber hatte es nicht. Auf eine weirde Art hat es dieses lange Wochenende dann doch noch aufgelockert.

 

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Feiertag Schmeiertag

Heute sollte eigentlich so ein schöner freier Tag werden. Die Kids ein bisschen über den Spielplatz scheuchen, ein bisschen Frühlingswetter nach der ersten Hitzeperiode … aber wie immer kommt es anders als man denkt. Dass es geregnet hat, das hätten wir vielleicht noch irgendwie ins Programm integrieren können. Seit dem Dänemark-Urlaub letztes Jahr bin ich dem Konzept „Kurze Hose plus Regenjacke“ irgendwie aufgeschlossener als zuvor. Was wir nicht auf dem Schirm hatten war Fieber beim Knöpfle. Und zwar ordentlich. Bis 40,2°C haben wir gemessen.
Tatsächlich ist die Zahl aber auch schon das Spannende, denn sonst ging es dem kleinen Unruhestifter erstaunlich gut und er lag halt einfach den ganzen Tag rum und hat seine Lieblingsserien angeschaut. Er hat geatmet, getrunken und sich gelegentlich beschwert, es schien ihm im Wesentlichen wie immer zu gehen, nur ruhiger. 😀

Ich hab ausgerechnet diesen Tag genutzt, um – während das Spätzle mit mir im Zimmer Lego Worlds gespielt hat – mal mit Dying Light 2 anzufangen und ich bin ein bisschen begeistert. Ist jetzt nicht gerade ein Spiel, das gute Laune in so einen trägen Tag bringt, aber Zombies sind auch deutlich weniger gruselig, wenn dir von hinten stets ein Achtjähriger seine Verwunderung über irgendwelche Lego-Bauten ins Ohr brüllt. Alles also ein bisschen schräg.

Heißt nur leider auch, dass morgen nicht überraschend* Knöpfle-frei ist, weil er natürlich zu Hause bleibt.

*Ja, es wäre überraschend gewesen, denn der Freitag war Anfang des Jahres als Brückentag im Kita-Kalender angegeben. Das Spätzle hat ja z.B. auch schulfrei, wir haben uns nichts dabei gedacht. Bis ich am Mittwoch – also gestern – gefragt wurde, ob das Knöpfle am Freitag denn kommen würde, weil es sicher nicht so viele Kinder wären und sie mal sehen wollten, wie viele überhaupt …
Hätte ich am Montag gar nicht so dringend noch Urlaub nehmen müssen, also jetzt dann doch, wobei das ja kindkrank sein könnte … ach egal. Hoffen wir bloß, dass das Knöpfle schnell wieder auf die Beine kommt. Die Zombies in Dying Light reichen mir nämlich.

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Wann Zaun?

An der alten Kita der Kids werden die wichtigen Fragen direkt auf der Straße verhandelt:

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Spätzle 4-3-2

Wird das alles noch spannend.

Spätzle hat jetzt zwei Tage Reinschnuppern in der nächsthöheren Klasse hinter sich und es ist fast ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie sowas halt läuft. Der erste Tag hat ihn komplett überfordert, schon alleine weil der erste Morgenkreis auf Englisch stattfand – was er bisher noch nicht hatte. Dazu kam dann noch ein anderer Fachlehrer, den er nicht mochte. Er hat sämtliche Taschentücher für Weinen aufgebraucht und hat am Ende des Tages gesagt, dass er da niemals hingehen will. Dennoch war er Abends gut gelaunt, woran man gesehen hat, dass er zumindest das positive Gefühl des Ausgelastetseins für diesen Tag mit all den neuen Eindrücken für sich mitnehmen konnte.

Entsprechend ist er auch gut gelaunt zum zweiten Probetag. Der lief wohl ganz gut soweit. Ja gut, er hat ein kurzes Übungsdiktat nicht sehr überragend mit 31 Fehlern abgeschlossen, aber erstens war das vermutlich das erste Diktat seines Lebens und zweitens war er sich sicher, dass er eigentlich 45 Fehler hat und die Lehrerin nur nicht richtig gezählt hat, was für uns nicht ganz nachvollziehbar für ihn offenbar gut war. Und in dieser – im Gegensatz zu sonst gerade – sehr guten Laune hat er abschließend verkündet, dass er die Klasse nicht überspringen will, weil er einfach zur anderen Klasse gehört und die Kinder dort ihn ja vermissen würden und er sie auch.

Zwei Tage, alle Gefühle auf einmal und am Ende eine für einen Achtjährigen beeindruckend logische Schlussfolgerung.

Morgen geht er zur anderen Schule wie jeden Mittwoch, dann ist frei bis Montag und dann sind wir mal gespannt, denn während des ganzen Procederes hat sich niemand mit besonders klarer Information hervorgetan, wie es in welchem Fall weitergehen soll. Darf oder muss er nochmal eine Woche probieren, wollen die ihn überreden, wollen wir das? Gut, dass wir das jetzt alles binnen zwei Wochen zwischen Feiertagen und so eintüten müssen.

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Spätzle 2-3-4

Manchmal fühlt man sich schon ein bisschen hin- und hergeworfen im Leben und und ich habe die Befürchtung, dass es neben uns Erwachsenen dem Spätzle jetzt auch so gehen wird.

Es geht gerade um die Frage, ob er die dritte Klasse nächstes Jahr überspringen soll. Das ist natürlich keine Frage, die grundsätzlich aus dem Nichts kommt, denn wenn es um seine intellektuellen Fähigkeiten geht, dann spricht da wenig dagegen. Obwohl er mit dem Lesen nicht früh angefangen hat, hat er die meisten Gleichaltrigen in den knapp zwei Jahren Schule überholt und liest vielleicht nicht immer fehlerfrei, aber extrem verständig. In Mathe ist er rein vom Verständnis irgendwo in der gymnasialen Mittelstufe angekommen.

Auch wenn das Überspringen uns als Option bekannt war, war das aber bisher aus sozialen Gründen nie was, was wir bis zum Ende durchdacht hatten. Mit der Entdeckertagsschule einmal die Woche und zusätzlich dem Kinder-College am Wochenende haben wir ihm Zusatzoptionen angeboten, aber seine Neurodivergenz macht ihm halt in vielen anderen Punkten zu schaffen, er traut sich halt vieles noch nicht, kann sich vielfach nicht Gehör verschaffen und ist halt insgesamt mit dem Leben ganz schön überfordert. An den Schulweg alleine ist nicht zu denken und er hat es zum Beispiel nicht geschafft, bei den Bundesjugendspielen seinen Pullover von morgens auszuziehen. Er ist halt in vielen Punkten eher hinterher als voraus. Aber alle Versuche, in der Grundschule selbst mehr anzustoßen, sind ehrlich gesagt gescheitert. Er hat ein paar Extra-Aufgaben in Mathe bekommen, die haben ihn noch mehr frustriert als das andere zu leichte Zeug ohnehin schon und nicht mal die Option, für einzelne Fächer in höhere Klassen reinzuschnuppern, hat sich ergeben. Das können die anderen Klassen nicht leisten

Nach einem Erstgespräch mit der neuen Sozialarbeiterin kam dann wie immer wenn neue Leute erfahren, wie es um ihn steht, Aktionismus auf. Klassenlehrerin und Schulleiterin wurden befragt, was man mit dem Kind denn machen könne und naja, Überspringen ist „die einzige Option“. Natürlich. Es gibt nie zwei Optionen, immer nur eine. Und da jetzt der Wechsel in Klasse 3 unmittelbar bevorsteht, muss es jetzt halt echt schnell gehen. Letzte Woche das Gespräch, morgen muss er dann mal in der höheren Klasse schnuppern. Für zwei Tage. Und sich dann entscheiden. Man hätte das ganze ein Jahr lang planen und vorbereiten und insbesondere mit dem Spätzle selbst besprechen können, jetzt muss es aber hektisch, sofort und auch ganz genau so sein, denn es ist ja die einzige Option!!!

Ich will niemandem Böses unterstellen, aber so wie sich das die letzten zwei Jahre gestaltete, hab ich das Gefühl, dass die Grundschule eigentlich ganz froh ist, wenn er früher geht. Ich weiß, dass die mangelnde Zeit für seine Probleme natürlich nicht an ihm liegen – und ich finde es auch gut, dass sich viel Engagement auf die Kinder konzentriert, die mit dem Stoff Probleme haben. Das sei denen auch alles gegönnt. Leider geht dabei halt echt unter, dass das Spätzle zwar was die Leistung angeht performt, aber sonst halt auch alles andere als problemfrei ist. Und das ist echt schade.

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