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Far Cry 6 und der Scheiß drumrum

Ich hibbele wirklich ein bisschen auf den 7. Oktober hin, weil ich endlich Far Cry 6 spielen möchte. Ich bin so oft in so vielen Dingen immer kritischer Beobachter und versuche, Marktmechanismen zu durchschauen, nicht der blödeste Teil der angesprochenen Leute zu sein, aber ich mag es gerade sehr, mich auch ein bisschen auf die Werbung einzulassen. Ich bin deswegen sicher immer noch nicht der klassische Gamer, aber bei meiner absurden Anspruchshaltung kommt es halt auch nur alle zwei bis drei Jahre mal vor, dass ich mich wirklich auf ein Spiel freue oder vor allem: freuen will.

Und FC6 ist jetzt halt so ein Fall. Ich will mit einem AAA-Spiel für einen Hunni in ein neues Universum eintauchen, ein bisschen Eskapismus betreiben und mich darauf einlassen. Und ein bisschen Hype gehört da halt dazu. So funktioniert Unterhaltung eben. Ich kann das nicht überall. Fernsehsendungen, Zirkus oder dergleichen zerlegt mein Gehirn gerne gleich in realistische Häppchen und ich denke immer darüber nach, wie dieses oder jenes Detail nun genau nur so dahingeworfen wurde, um Reflexe X oder Y bei mir als Rezipient abzuholen.

Das ist bei Games natürlich nicht hinfällig, aber wenn ich in ein Unterhaltungsuniversum 50 bis 1000 Stunden investieren will, dann ist das halt was anderes als bei einer Show, die nach 90 Minuten vorbei ist.

Ich bin ja nach wie vor kein Gaming-Experte und lege nur meine eigene Lust als Kriterium meiner Meinung zugrunde, aber gerade bei Far Cry bin ich überrascht, wie polarisiert die mir ohnehin insgesamt erstaunlich verhasste Gamer-Szene reagiert.

Far Cry ist eine seltsame Serie in einer für Triple-A-Spiele erstaunlich einsamen Lücke. Ein Shooter, der einerseits das AAA-Open-World-Gaming fast revolutioniert hat, dann aber gleichermaßen für seine Kontinuität wie auch seine Änderungen gehasst wird.

Teil 1 war überraschend gigantisch erfolgreich, Teil 2 hat die Szene gespalten. Teil 3 wird von den meisten verehrt, außer denen, die Teil 2 gut fanden. Dann 4: Schlecht, weil er angeblich genau wie Teil 3 war, aber als Teil 5 das modernisiert hat, fanden plötzlich alle nur noch Nummer 3 gut. WTF? Könnten wir von dem Entpörungsgeblubber mal bitte runterkommen?

Ich freue mich gerade auf Far Cry 6. Ich weiß, dass das eher ein Revival von 5 (oder New Dawn) werden wird und spiele aus Langeweile den vierten Teil gerade nochmal. Und ich merke sehr sehr deutlich, dass FC4 ein Spiel aus dem letzten Jahrzehnt ist. Ein geliebtes, aber eben ein altes, eine oder sogar zwei Generationen vor dem, was jetzt kommen wird. Far Cry 4 ist für ein Open-World-Spiel ein simples Game, in gewisser Weise zu vorhersehbar, zu linear. Aber genau darin auch sehr gut. Ein zu Unrecht ausgestorbenes Genre vielleicht.

Parallel hab ich Red Dead Redemption 2 auch offen, ein natürlich „besseres“ Open-World-Game, aber eben auch eines, bei dem es mehr Überwindung kostet, es einfach nochmal neu zu starten. Ich liebe die Deepness bei Rockstar, die mich nach drei Jahren noch antreibt, mir Youtube-Videos über Hidden Secrets anzuschauen, um im dritten Replay nochmal mehr aus der Story rauszuholen, als ich in den ersten 400 Stunden bereits erlebt hatte. Aber bei Far Cry 3 oder 4 einfach nur die Ingame-Map abzuarbeiten ist für mich halt auch eine einfach verlockende Experience, die ich mit meiner wenigen Freizeit besser verbinden kann. Ich wiederhole es hier gerne: Ich hab in meiner Jugend Dart gespielt und meine Ergebnisse auf Milimeterpapier eingetragen, ich bin der Freak, der da drauf abgeht!

Ich hab bereits einige Hater-Videos zu FC6 gesehen. Die schreien im Wesentlichen, dass FarCry seit 2012 immer noch das gleiche ist und dass das scheiße ist, weil es nicht mehr wie 2010 ist.

Und das meinen die ernst.

Ich persönlich bewerte Spiele gerne danach, ob sie mir Spaß machen, nicht ob sie Konventionen erfüllen. FarCry-Spiele sind für mich – bei aller Weiterentwicklung – bisher Spiele gewesen, die mir viel Spaß dadurch bereitet haben, dass sie an sich vorhersehbar und sandboxartig, dafür aber technisch ausgereift und zumindest mal nicht ganz ohne Storytelling daherkamen. Andere Gamer können mich dafür gerne hassen, aber im Grunde ist das doch vergleichbar mit diesen ganzen Superhelden-Movies, die ja auch eine gewisse Beliebtheit – sogar unter Nerds – haben, die sich mir wiederum nicht erschließt, weil ich sie zu aufgeblasen pompös, baukastenartig und wenig originell finde. Aber als Spiel fände ich das jetzt in Ordnung. Also nur her mit Far Cry 6!

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