Sucht und Sicherheit

Rauchen ist scheiße, machen wir uns nix vor. Aber ja, ich bin als typischer Nikotinjunkie eben süchtig und rede mir das dementsprechend (das ist Teil des Krankheitsbildes) schön. Aber darum soll’s nicht gehen. Ich rauche, ich brauche meine Zigaretten also auch, und das mit der Versorgung ist hier nur so mittel.

Eigentlich ist die Lage sogar gut, aber ausgerechnet unser Alltagssupermarkt hat meine Marke nicht. Heißt: Ich muss mir entweder immer wieder Vorrat beschaffen oder am Wochenende vor 20 Uhr ins Eastgate gehen. Was in meiner Welt sehr früh ist. Also am Wochenende.

OK, dass ich das muss, ist gelogen. Eigentlich haben wir vor Ort eine noch bessere Lage: Drei mir bekannte Automaten in Laufweite. Und da sind wir nun bei der aktuellen Geschichte: Der erste ist unbequem zu erreichen. Zwar nicht weit, aber doofe Richtung – und er braucht ewig, um mal Führerschein oder EC-Karte zu erkennen.

Der zweite ist meiner. Sozusagen. Der Steht beim Stammdöner und ist ein Rauchertraum, was die Bedienung angeht. Tagsüber isses da aber sehr voll und man muss sich unter den Fernseher knieen, auf dem gerade die örtliche Neonaziclique Fußball schaut – und außerdem ist meine Marke gelegentlich ausverkauft. Nicht einmal oft, aber wenn, dann erschreckenderweise gerne auch mal wochenlang. Mit Kippen machen Gastwirte halt kein Geld.

Aber nun steht direkt vor der Tür der dritte Automat. Im Gegensatz zu dem Innenraumgerät muss man sich hier aber auch altersmäßig verifizieren, zum anderen hat er einen Ausgabeschlitz, der für Kinderhände (sic!) designt wurde. Wenn ich noch wehleidiger als ohnehin schon wäre, könnte ich ernsthaft behaupten, es bereitet jedes Mal Schmerzen, wenn ich da eine Schachtel rausfummeln muss. Ozie bestätigt das übrigens auch mit wesentlich zarteren Händchen.
Was aber noch schlimmer ist: Die Sau frisst Geld. Es kommt einfach regelmäßig vor, dass man 6 € für eine Schachtel reinwirft und auf der Anzeige am Ende 4 € stehen. Und auch bei der Rückgabe kommen dann nur 4 € raus. Das hat mich vor etlicher Zeit schon mal beflügelt, mein Geld zurück zu verlangen. Und da sind die auch kulant, das muss man ehrlich zugeben. Obwohl man ja keinen Beweis hat, zahlen die aus, was man ihnen erzählt.

Andererseits bin ich ja auch kein querulatorisches Arschloch. Fehler passieren, und wenn mir dann nach drei Wochen mal wieder ein einzelner Euro flöten geht, rufe ich nicht gleich die Hotline an. Könnte ich, schon klar. Ich finde es auch nicht verwerflich. Aber selbst ich mit nahezu Mindestlohnverdienst verwerfe das meistens wegen zu viel Aufwand.

Und dann kam Ozie heute mit einer statt zwei Packungen zurück und meldete zerknirscht, dass der Automat die kompletten sechs restlichen Euro gefressen hätte. Was am Ende bedeutete, dass ich kurz  vor dem Schreiben dieses Blogeintrags doch noch unerwartet nachts zum Döner musste, um mir Nachschub zu sichern. Und da ich nun schon fünf Bier getrunken habe und entsprechend eher gesprächsbereit als sonst war, hab ich die Hotline von tobaccoland angerufen.

Und wieder aufgelegt, als die mich ernstlich aufgefordert haben, einer digitalen Aufzeichnung eine mir nicht auswendig vorliegende IBAN vorzubrabbeln. Also das Online-Formular. Neben erstaunlich vielen „Optional“-Angaben (nicht mal die IBAN, Kto-Nr. reicht!) muss man natürlich Marke und Summe angeben. Ich hab das letztlich erst im Freitext umgesetzt und bin nun mal gespannt auf die Rückmeldung. Und hey, ich hab denen alle Optionen explizit offen gelassen! Wenn ich morgen hier tobaccoland-Werbung schalte, wisst Ihr, warum:

Marke war immer Gauloises (blau). Zur Geldsumme: Keine Ahnung!
Heute waren es ausnahmsweise mal ganze 6 von 12 €, die spurlos in diesem Automaten verschwunden sind. Seit meiner letzten Meldung von vor Ewigkeiten sind es sicher 20 bis 30 € gewesen.
Ich bin, so aufgebracht ich im Moment erscheinen mag, wirklich niemand, der wegen hier mal einem oder zwei Euro sofort Alarm schlägt. Aber der Automat ist eine Katastrophe und ich meide ihn ja schon bewusst, bin aber manchmal auf ihn angewiesen, wenn der nächstbeste leer ist.
Mir geht’s nicht um eine centgenaue Rückerstattung, ich würde mich eher über eine Antwort freuen, wieso ein Gerät mit so einer Fehlerquote weiterhin zugänglich ist. Andererseits bin ich wie alle Süchtigen bestechlich, der Fantasie sind nach oben keine Grenzen gesetzt. 😉
Im Ernst: Bei allem Verständnis für restriktive Sicherheitsmaßnahmen bei einem Kasten mit viel Bargeld drin: So ein kleiner Rest von Usability ist schon das mindeste.

Beste Grüße,
Sascha Bors

PS: Telefonnummer als Pflichtfeld, ok. Aber ich arbeite in der Nachtschicht. Wagen Sie es ja nicht, mich „zur näheren Klärung“ mal spontan vor 17 Uhr anzurufen. Sonst haben wir wirklich ein Problem!

Ich hab das Popcorn griffbereit. 🙂

Nachtrag:

Die sind selbst bei Ärger zu langweilig. In der Antwort schreiben Sie, sie hätten meine Mail „mit Dank erhalten“ und würden mir „den Betrag“ (Himmel, welchen denn?) überweisen. Danke, bitte bleiben Sie uns treu, Ciao. So in der Art. So macht Spielen keinen Spaß.

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10 Comments

Filed under Feinde, Lichtblicke im Alltag, Vermischtes

10 Responses to Sucht und Sicherheit

  1. Ulf

    Nur um einfach mal so ins Blaue hinein klugzuscheißen: unterwegs, Tanke, Späti, Marke wechseln …

  2. zacki

    Den Supermarkt ansprechen ist meistens eine gute Idee, wenn es nicht gerade ein Discounter ist.

    Zur Not müssen sie die Marke ja nicht mal ins Sortiment nehmen, es reicht schon wenn sie dir bei Bedarf einfach ne Stange mitbestellen.

  3. @Ulf:
    Ach ja, ich vergaß die hier nichtexistenten Spätis und die Tatsache, dass ich zu Hause bin, wenn ich zu Hause bin. Mal ehrlich: Hab ich irgendwo geschrieben, dass das Universum nie und nirgends irgendwelche Möglichkeiten bereithalten würde? Also ja: Gäbe es natürlich, das halte ich für eine völlig logische Ableitung der Tatsache, dass ich nicht schreibe, dass ich mit dem Tode bedroht werde, sollte ich eine Option nicht wählen. Und das dann unbedingt nochmal extra in einen Kommentar zu packen, wirkt wirklich albern und besserwisserisch.
    @zacki:
    Bis auf den Discounter machen die alle auch so „früh“ zu. Leider.

  4. Massimo

    Muss Ulf aber in einem Punkt recht geben bzw. bei dir nachhaken: Du bist doch Taxler und kommst da doch vermutlich an Dutzenden Tankstellen jeden Tag vorbei. Tanken bzw. zumindest an einer Tanke anhalten ist doch wahrscheinlich auch im Schnitt 1x pro Schicht drin 😉 Wo ist also das Problem, sich dann dort jeweils entsprechend einzudecken und meinetwegen auch gleich eine ganze Stange mitzunehmen? Galouises Blau sollte es da ja überall geben. Ich erkenne also auch nicht so ganz das Versorgungsproblem (auch wenn das mit dem geldfressenden Automat natürlich ärgerlich ist). Danke für eine Aufklärung 😉

  5. @Massimo:
    Es fängt damit an, dass ich nur 4 Tage die Woche arbeite, sowieso viel Zeug mit mir rumschleppe und keine Lust habe, eine ganze Stange im Taxi rumzufahren. Darüber hinaus muss man dann auch immer doppelt abrechnen, weil tanken und co. ja der Chef bezahlt, die Kippen aber nicht. Ich hol mir trotzdem oft unterwegs an der Tanke Kippen, natürlich. Aber mir geht’s manchmal ein bisschen auf den Zeiger, dass immer wenn ich irgendeine Situation beschreibe, irgendwer kommen muss, der unbedingt eine völlig andere Lösung vortragen muss, die schon deswegen unsinnig ist, weil ich mich in einem kurzen Blogtext nicht mit allen Ereignissen des Planeten auseinandersetze. Ich mein, ehrlich: Ich könnte ja auch die Marke wechseln? Ich könnte auch meinen Job wechseln oder Philipp Morris erpressen! Und was bringt das jemandem, dem an besagtem Automaten gestern die letzten 3 Euro verloren gingen?

  6. Massimo

    Danke für die Erläuterung. Ich weiß ehrlich gesagt nicht ganz, wo jetzt die latente Aggression herkommt, ist doch aus meiner Sicht nur natürlich, dass man da nachfragt. „Alle Ereignisse des Planeten“ finde ich auch etwas weiter weg als die klassische Tanke, an der du wie schon gesagt ja aus Laiensicht unzählige Male pro Woche vorbeikommst 😉

  7. @Massimo:
    Die latente Agression kriege ich halt oft in solchen Kommentaren mit. Das ist jetzt nicht mal explizit gegen Dich oder Ulf gerichtet, ich weiß den Austausch gerade echt zu schätzen und glaube, Humor zu erkennen, wenn ich ihn sehe.
    Das ist glaube ich wirklich eine Nebenwirkung vom vielen öffentlichen Schreiben, dass man irgendwann einfach ein paar bestimmte Äußerungen als blöde abstempelt und entsprechend beantwortet. Und zumindest bei mir sind das oben genannte (die ich natürlich überzeichnet hab, ganz klar), die das halbwegs liebevoll zusammengeschriebene Problem einfach beiseitewischen und sagen: „Hätteste einfach alles anders gemacht als Du schreibts, hätteste das Problem nicht. Selber schuld.“ So ein bisschen wie die Leute, die bei Detailfragen in Foren zu Safari rummosern, dass Apple sowieso viel zu teuer ist.
    Ja, da bin ich je nach Tageslaune, auch mal ein bisschen vorschnell und unfair. Dafür ein Sorry.

  8. Jens

    Die örtliche Neonaziclique, die beim Stammdönershop Fußball guckt – dit is Berlin…

  9. bard jun.

    Hi Sash,
    heutzutage kann man ‚blonde Gallierinnen‘ auch online bestellen (z.B. TabakBörse). Bei zwei Stangen auf Vorrat auch versandkostenfrei!
    Aber bei deiner Lungenvorgeschichte solltest Du wirklich besser nicht ‚Gullies‘ rauchen; ich habe mir meine Lunge schon kurz nach der Uni mit denen (damals noch nicht ‚blondes‘ sondern schwarz wie Teer) malade geraucht und bin notgedrungen zum Nichtraucher mutiert. 😉

  10. Wichi

    Hallo Sash,
    schon einmal als Alternative über das Dampfen nachgedacht?
    Als langjährige Raucherin kann ich die Vorteile nur bestätigen.
    1. es ist 95% gesünder ( auch für Lungengeschädigte)
    2. Man stinkt nicht
    3. Wenn man selber mischt, ist es viel billiger.
    4. Nachschub ist bei richtiger Planung kein Problem.

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