Monthly Archives: Dezember 2015

Der faulste Tag des Jahres

Es gibt wahrscheinlich einige da draußen, die mich für sehr faul halten. Mit gewissem Recht, denn ich charakterisiere mich ja selbst gerne so. Aber ganz so einfach ist es nicht. Das Problem dabei ist „diese Schreiberei“: Für die nehme ich mir vergleichsweise viel Freizeit – und oft schreibe ich dann währenddessen nicht einmal was und lass auch alles andere schleifen. Wenn das mal nicht totaler Müßiggang ist!

Ich würde mich freuen, wenn’s so wäre. Denn dann wäre ich wesentlich weniger gestresst, als ich es trotz des geringen Arbeitspensums bin.

Das Problem ist, dass sich vor dem eigentlichen Schreiben so viel im Kopf abspielt, noch dazu oft unabsichtlich und mit unklarem Ausgang. Abgesehen von ein paar Blogposts hab ich die letzten Monate nix auf die Kette gebracht und oft stundenlang lethargisch auf meine Bildschirme gestarrt. Klingt wie das Paradies für Nerds, ist aber mehr meine übliche Übersprungshandlung. Ehrlich gesagt hab ich es nunmehr binnen eines Monats nicht hinbekommen, mir einen neuen PC zu bestellen und hab stattdessen GTA IV auf meinem zu langsamen Rechner durchgespielt. Ich hatte ständig Ideen im Kopf, hab sie wieder verworfen, neue Geistesblitze aufgenommen und sie stets wieder in den mentalen Ausguss gekippt. Mit einem produktiven Output von Null und einer handfesten depressiven Verstimmung, weil einfach nix geht. Und als Freiberufler hat man (anders als der Name es vermuten lassen würde) eben nie frei: Es könnte/sollte/müsste immer noch etwas mehr gehen als jetzt gerade …

Darüber hinaus habe ich im Taxi etwas vorgearbeitet und Ozie hatte geschäftlich auch mehr um die Ohren als es ein einzelner Mensch eigentlich schaffen müsste. Das lustige Rumgammeln hat sich also eher angefühlt wie die stressigste Zeit seit langem. Aber alles hat ein Ende, so hab ich die Tage dann doch noch die offensichtlich dringlichst notwendige mentale Auszeit bekommen: Ich bin einmal einfach nicht aufgestanden. Also bis 20 Uhr zumindest. Obwohl ich früh im Bett war. Gut, der eine oder die andere mag da vielleicht „Oha!“ rufen und Depressionen diagnostizieren, aber das wäre ein Fehler und ich möchte erklären, warum.

Gut, eigentlich bin ich kein Mensch, der im Bett rumgammeln toll findet. Schlafen ist zwar was feines, aber wenn ich wach und nicht gerade in ein spannendes Buch vertieft bin, dann zieht es mich doch aus dem Bett. Ja, vielleicht nur an den Schreibtisch vor den PC, aber aus dem Bett! Und mehr als 9 Stunden Schlaf kriege ich selbst mit der Unterstützung von Onkel Alkohol eher nicht hin.

Dieses Mal aber ging’s um Träume. Teils richtige, teils auch diese luziden Träume, deren Fortgang man zumindest teilweise bestimmen kann. Ich wachte hier und da auf und beschloss bewusst, mich wieder umzudrehen. Hatte ich eben im Traum etwas gewonnen, kostete ich diesen Gewinn nun aus. Wachte ich auf, weil ich verfolgt wurde, schmiss ich mich wieder in Morpheus‘ Arme und holte zum Gegenangriff aus. Hatte ich gerade noch Sex im Traum, versuchte ich, das wenigstens noch auszukosten.

Bei meinem mehrmaligen Erwachen habe ich desöfteren den Entschluss gefasst, Ozie wenigstens zu sagen, dass ich „im Prinzip“ schon wach bin, aber ganz Inception-like war das vielleicht auch nur eine Ebene höher im Traumland und ich bin unverrichteter Dinge wieder zurückgefallen.

Ich habe keine Ahnung mehr, was ich an diesem Tag wirklich geträumt habe. Wie es den meisten nach so einer Nacht geht. Aber ich weiß, dass ich zu unterschiedlichen Tageszeiten wach war oder geschlafen habe. Ich hab zwei, drei, fünf geile Geschichten durchlebt, und das, ohne zu vergessen, dass das ja eigentlich nur Träume sind und ich eigentlich auch hätte aufstehen können. Ich hatte unanständige Gedanken, Ideen für Bücher, wilde Phantasien, schwere Umnachtungen. Und dennoch war all das einfach nur … entspannend.

Im Gegensatz zu den Tagen auf Twitter und Youtube war ich dieses Mal wirklich faul. Ich hab bewusst wirklich gar nix gemacht und mich einfach fluten lassen von all den noch so absurden Gedankengängen. GTA zocken war dagegen die reinste Gehirnakkrobatik. Ob es im herkömmlichen Sinne „was gebracht“ hat, ist weiterhin offen. Ich persönlich glaube allerdings, dass dem so ist. Schon alleine, dass ich hier mal wieder völlig mit mir im Einklang 700 Wörter runtertippe, ist ein gutes Zeichen. Aber am Ende werde ich es genauso abwarten müssen wie Ihr.

Ich verbleibe mit dem optimistischen Fazit, dass vielleicht sogar den Faulsten noch mehr Faulheit gut tun könnte. 😉

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Fahad und Mossam

Wie sie nach Marzahn kommen würden, haben sie etwas ungelenk gefragt. Hätte ich mein Taxi nicht vor ein paar Minuten abgestellt, wäre das eine simple Sache gewesen – andererseits hab ich auch an der Bahnhaltestelle dasselbe gesagt:

„Come with me.“

Die Verständigung war mehr als mäßig, mit etwas Glück kamen wir auf 20 Worte, die wir alle gleichzeitig verstanden – auf Englisch und Deutsch zusammen. Für etwas Aufklärung hat dann der kleine Zettel gesorgt, den mir einer der beiden hingehalten hat: Die Notunterkunft in der Bitterfelder Straße. Damit waren zwei Dinge halbwegs klar:

  1. Es waren wohl Geflüchtete.
  2. Ich hatte keine Ahnung, wie sie bis zur Bitterfelder kommen sollten.

Irgendwer cleveres hatte ihnen geraten, die S7 zu nehmen – was ich auch getan hätte, hätte die S-Bahn nicht seit einer Stunde Betriebsschluss gehabt. Und straßenbahnmäßig ist da oben mal eine verdammt tote Ecke. Während des Umsteigens in die M6 haben wir ein wenig versucht uns zu unterhalten, was nach wie vor nicht sonderlich einfach war. Das mit den Namen haben wir geklärt gekriegt: Sascha, Fahad und Mossam. Darüber hinaus, dass es scheiße kalt ist – und nicht zuletzt, wie man die Minutenanzeige an der Haltestelle auf Deutsch liest.

Ich hatte zu der Zeit eigentlich schon beschlossen, dass ich sie am Bahnhof Marzahn in ein Taxi verfrachten würde – ggf. wäre ich selber mitgefahren und anschließend noch nach Hause. Wäre nicht die Welt gewesen. Aber da ich den beiden irgendwie via Google Maps ein Bild von derLage machen konnte und sowieso kein Taxi am Bahnhof stand oder gerade vorbeikam, hab ich die beiden dann doch laufen lassen, so ermutigt wie sie inzwischen waren.

„You’re sure you find it?“

„Find it!“

Fahad grinste und machte mit den Fingern das Zeichen, das ich ein paar Minuten vorher verwendet hatte, um den Begriff „laufen“ zu verdeutlichen. Zwei grinsende Syrer in Jogginganzügen in einer Dezembernacht in Marzahn. Hätte man sich vor zwei Jahren vermutlich nicht einmal ausdenken können, dieses Szenario.

Und irgendwo ist das auch so völlig egal. Obwohl ich selbstverständlich nach den 20 Minuten keine Ahnung hab, was Mossam und Fahad so für Menschen sind – das hinzunehmen ist mir bei den beiden nicht schwerer gefallen als bei dem seltsamen Letten vor einer Weile oder den vielen kuriosen Typen, die mich tagein tagaus als Taxifahrer nach dem Weg fragen.

Ich denke manchmal, dass das der aktuellen Debatte über Geflüchtete immer noch zu sehr fehlt. Es geht nicht um Zahlen oder massenmedientaugliche Geschichten über die Heldentaten irgendwelcher Einzelner. Es sollte nicht darum gehen, wie viele supergute oder extrem böse Menschen irgendwo Teil dieses Komplexes „Flüchtlingsdrama“ sind. Es würde eigentlich schon reichen, mal zu erkennen, dass es trotz der Masse und trotz allen dabei anfallenden Extremen einfach Menschen sind. Auch Menschen, die einfach mal nachts durch die Stadt latschen, weil sie die letzte Bahn verpasst haben. Menschen, die abgesehen von vermutlich bittersten Erfahrungen „irgendwo da draußen in der Welt“ einfach genau die gleichen Probleme – aber auch Freuden – haben wie wir auch. Mossam und Fahad heute haben sich verlaufen gehabt und waren froh, jemanden zu finden, der ihnen so grob den Weg zeigt. Keine Heldengeschichte und auch kein Horrorfilm, ganz normales Zusammenleben unter Menschen, auch wenn zwei davon noch ziemlich neu hier sind.

Mir tun die Menschen leid, die vor den beiden tatsächlich mehr Angst haben, nur weil sie aus Syrien und nicht aus Friedrichsfelde kommen.

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Falls mich wer vermisst hat …

Die letzten zwei Tage hab ich mich nicht nur hier im ohnehin selten befüllten Blog, sondern auch auf allen Social-Media-Kanälen nicht gemeldet. Ich wollte nur kurz Bescheid geben, dass mich nicht etwa ein schwarzes Loch erwischt hat und ich nun unter Spaghettisierung (Ja, das ist ein Fachbegriff!) leide, sondern mich einfach nur eine kleine Erkältung erwischt hatte, bzw. noch hat. Das Problem dabei ist natürlich mitnichten der etwas kratzende Hals, sondern eher die Tatsache, dass ich bis zu elf Stunden am Tag geschlafen hab und mich außerhalb des Autos nur in Zeitlupe bewegen konnte.

So langsam habe ich das Gefühl, die Besserung naht – aber wir will das schon mit Gewissheit sagen. Nun ist jedoch wenigstens Wochenende und für ein bisschen Schreiben sollte es also reichen.

So gesehen: Welcome back! 😀

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Feuer. Schon wieder.

Man verlässt die Wohnung, wundert sich über den Geruch und stellt fest, dass mal wieder jemand versucht hat, das Haus anzuzünden. Ihr kennt das.

Oder vermutlich eher nicht.

Aber in unserem Haus scheint Brandstiftung so eine Art Brauch zu sein, der zwar jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt, aber auf jeden Fall stattfindet. Heute ist es scheinbar jemandem gelungen, ausgerechnet den Brandmelder neben der Eingangstür abzufackeln. Wobei ich mir gerade nicht mehr sicher bin, ob da derzeit ein Brandmelder installiert war. War nämlich noch nicht einmal das erste Mal, dass ausgerechnet dieses Teil Feuer gefangen hat. Ist jedenfalls eine eindrucksvolle drei Meter hohe Rußsäule, die wir jetzt neben dem Briefkasten haben.

Obwohl’s natürlich extrem perfide ist, just am einzigen Ausgang eines Mehrparteienhauses Feuer zu legen, hält sich meine Angst inzwischen in sehr engen Grenzen, da es sich offensichtlich eher um Zündeleien von Kindern handelt und unser Haus sich herrlich unbeeindruckt gibt von den wiederholten Versuchen, es in seine Bestandteile zu zerlegen.

Andererseits wird das in der nächsten Betriebskostenjahresabrechnung sicher auch wieder ein paar Euro extra ausmachen …

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