Der Lümmel Schande

Es wird oft gesagt, dass sich Partner am Besten irgendwie ergänzen sollten. Für die ganz Einfältigen ist dieser Zustand mit dem Zusammenpassen der Geschlechtsorgane bereits erledigt, andere vereinigen sich eher auf Sachebene und der eine Partner gibt das Geld des anderen aus.

Ich glaube mich zu erinnern, gelegentlich erwähnt zu haben, dass hier im Haushalt auch noch anderer Austausch vonstatten geht, der eher intellektueller Natur ist. So fand ich mich derletzt – unklar, wie es dazu kommen konnte – im Bette von Ozie wieder, das letzte Gedicht von Günter Grass interpretierend.
Darüber groß Worte zu verlieren, will mir gar nicht in den Sinn kommen. Ich hake das ab unter

„Alter Mann freut sich, dass er seine politische Meinung noch bekloppter als ein Politiker formulieren darf und alle seine Freunde klatschen.“

Und ohne Scheiß: Ich mag Lyrik, ich respektiere Grass. Aber wenn sowas einen Aufschrei wert ist, dann müsste die Süddeutsche einen 200 Seiten starken Politik-Gedichte-Teil haben.

Naja. Ozie und ich sind irgendwann im Gespräch bei Grass‘ Literaturnobelpreis gelandet und haben uns gefragt, welche Deutschen sonst noch einen haben. Man hat ja auch seine Wissenslücken. Also schnell mal nachgeschlagen, rumgerätselt und im Nachhinein etwas schlauer gewesen. Warum Grass uns so vereinzelt vorkam, war uns immerhin gleich klar: Er müsste ungefähr der einzige sein, der sich seit unserer Geburt mal zu Wort melden konnte. Zu den anderen Namen haben wir unser Gedächtnis bemüht – und hier wird es bei uns schwierig, hier ist der Punkt, an dem wir uns ergänzen.

Ich selbst hab bei der Gehirnvergabe statt eines Gedächtnisses eine Art grobmaschiges Netz erhalten. Ich lese täglich vielleicht 100 bis 300 Seiten Text und weiß am Ende des Tages bloß noch, dass ich scheinbar zu Hause war. Ozie hingegen überrascht mich manches Mal mit Dingen, die ich nicht nur vergessen habe, sondern dafür sogar gute Gründe hatte.

Da steht man dann da, gibt vorsichtig zu bedenken, dass man jetzt nicht sonderlich auf die Farbe grün steht und muss nach eingehender Betrachtung der Gespräche beim Ikea vor 4 Jahren gestehen, dass man irgendwann auch mal was grünes gemocht haben könnte. Kennen wir alle.

Jetzt bei den Literaturnobelpreisträgern herrschte endlich mal Gleichstand. Wir hatten beide keine Ahnung. Allerdings gewinnt Ozie so gerne und hat dann tatsächlich mal eben so aus dem Stegreif verkündet, dass nach Theodor Mommsen doch die Schule in diesen, wie war das noch, den Filmen, die Lümmel da, benannt war.

Das ist doch nicht mehr normal. Die Filme haben weder für sie noch für mich irgendeine Bedeutung. Klar, man hat sie in frühester Kindheit mal mit den Eltern gesehen, vielleicht sogar zweimal. Aber sonst? Und ich Idiot zeige meiner besseren Hälfte auch noch meine Lieblingsfilme. Die wird mich in 10 Jahren unter den Tisch diskutieren können mit Zitaten daraus. Am Ende weiß sie noch, was in unserer Eheurkunde steht, das fehlt mir gerade noch!

8 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes

8 Responses to Der Lümmel Schande

  1. bard jun.

    hi sash,
    die hiess doch nur deshalb ‚Mommsen-Schule‘ damit der running gag mit der ‚Nonsense-Schule‘ funktionierte.
    gruß bard jun.

  2. Genau genommen hieß es Mommsen-Gymnasium, nicht Mommsen-Schule. Von Professor Knörz immer „Mommsen-Gimnasium“ ausgesprochen, von Diektor Taft (Theo Lingen) korrekt.

    Klugschiss Ende.

  3. Ihr habt die Filme jetzt extra nochmal angesehen, oder? 😀

  4. bard jun.

    nee danke;
    aber das Langzeitgedächnis funktioniert noch (das Kurzzeitgedächnis alzheimert schon etwas)

  5. @Sash: Isch ‚abe gar keine Fernseher 🙂

  6. idriel

    Ach jaa, das Mommsen Gynmasium!
    LG,
    idriel (ausgestattet mit Gedächtnis für nutzloses Wissen)

  7. Die Filme sind einfach der Hammer, habe alle auf DVDs *freu*.

    In diesem Sinne: „Man fasst es nicht.“ und: „Frisch, fromm, fröhlich, frei .“

    VhG

    Andrea

  8. @Andrea:
    Ich muss zugeben, dass es für mich einfach immer schon „irgendwelche alten Filme“ waren. Sicher nicht schlecht, aber richtig begeistert haben sie mich nie, das war halt nie meine Welt.

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