Shopping-Modi

Shopping ist ja eine Buchstabenkette, die es in meinen aktiven Wortschatz allenfalls dann schafft, wenn ich mich über andere Menschen lustig mache. Und ich bin überzeugt davon, dass die meisten Leute, die im Gegensatz zu mir gerne einkaufen gehen, es für eine Comedy-Platte halten würde, wenn man ihre Gespräche übers Shoppen aufzeichnen und ihnen vorspielen würde.

Aber schon dass ich das Wort Platte verwende, zeigt ja irgendwie, dass ich nicht mehr ganz up to date bin.

Das ist natürlich wahr. Wenn ich aber eines im Laufe meiner inzwischen mehrjährigen Beziehung zu schätzen gelernt habe, dann dass sowohl ich als auch Ozie ungern shoppen. Dachte ich.

Meine Freundin belehrte mich aber eines besseren und verkündete angriffslustig, dass sie ja sehr wohl gerne shoppen würde. In dem Moment hab ich mich mal spontan nicht nur liiert, sondern verheiratet gefühlt. Wie bitte? Shoppen? Duuuuu? Ach so. Online-Shopping. Ich verstehe.

Für mich sind das ja unterschiedliche Welten. Das eine ist gechilltes Rumklicken auf Dingen die ich mag, das andere sind furchtbare Plätze außerhalb meiner Wohnung mit Beschallung außerhalb meines musikalischen Toleranzbereiches und anderen Menschen innerhalb meiner Intimsphäre.

Es folgte das übliche Hin und Her, und schließlich zeigte mir Ozie auf, ich könne ja gar nicht Shoppen. Also im Reallife. Dort verfüge ich nämlich über exakt zwei verschiedene Modi.

Der eine Modus ist der Ich-Modus. Alles, was mir vorgeschlagen wird, lehne ich ab. Im klassischen Modebereich ist mein Lieblingssatz:

„Passt nicht.“

Bei kulinarischen Fragen werde ich redselig:

„Schmeckt mir nicht.“

Alles andere lässt sich subsummieren unter:

„Brauch ich nicht.“

Ist vielleicht nicht gerade nett, hat mir aber schon enorm dabei geholfen, meine Verschuldung innerhalb eines Jahresgehalts zu halten.

Der andere Modus ist sicher für die unglücklich Liierten einen Blick wert. Es ist der Modus für alles, was meine Freundin kauft.

„Sieht gut aus.“

Zugegeben, es ist kackbraun, hat einen Faltenwurf wie die Chorgruppe im Altersheim und riecht streng. Aber es betont die Brüste und ich möchte aus diesem Laden raus. Vor allem aber ist es mir egal! Beim Essen handhabe ich es ähnlich einfach:

„Na, wenn es dir schmeckt…“

Oder alles andere:

„Ist dein Geld. Wenn es dir gefällt, dann kauf es. Diese Lasche sieht ja ganz gut aus und… ja und selbst wenn es nur die Verpackung ist! Ist doch super!“

Ich muss Ozie Recht geben. Sonderlich geeignet scheine ich zum Shoppen nicht zu sein. Soll ja angeblich eine Geschlechterfrage sein. Ist mir ziemlich egal, ich hab ja jetzt eine hervorragende Ausrede, um künftig nicht mitzumüssen, falls es sie doch mal in irgendwelche Konsumtempel zieht 🙂

9 Comments

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9 Responses to Shopping-Modi

  1. Reptil

    …da denke ich spontan an eine Frage, die mir mal gestellt wurde, als ich erwähnte, dass ich noch zum Einkaufen in die Stadt müsste…
    „Shoppen oder nur Einkaufen?“

    Hm, jetzt falle ich aus dem Kreis der „stillen Mitleser“ raus, oder? Mist 😉

  2. Das kommt mir sehr bekannt vor. Und Onlineshopping ist definitiv kein klassisches Shopping. Wobei wieder der Weg zur Packstation genau die negativen Seiten aufwirft, die normales Shopping auch mit sich bringt: Raus aus der Wohnhöhle.

    Beim Essen gehen möchte ich jedoch widersprechen. Als authentischer* Gourmet kenne ich jeglichen Tempel der Nahrungsmittelhuldigung im Umkreis von 50 km und habe immer einen passenden für meinen Geschmack parat. Oder eben den, der gerade mit dabei ist und spezielle Gelüste verspürt.

    *Authentik geht über Optik. 😉

  3. Donngal

    Ha, gestern musste ich noch einkaufen. Eigentlich wollte ich eine Jeans. Da ich aber geizig bin UND auf Qualität achte, musste es eine sein, die einerseits von meinen bevorzugten Marken Levis oder Wrangler ist, und andererseits im Preis gesenkt. Wenn ich da nix passendes finde, kaufe ich halt nix. Und dann kommt meine Freundin ins Spiel: Kauf doch lieber ne billige Jeans, die geht zwar schneller kaputt, aber dann kannst du auch schneller ne neue kaufen und hast nicht immer das gleiche an. Ich will aber immer das gleiche anhaben. Ich mag meinen Stil und ich habe keine Lust mich nach der Mode zu richten. Ein ewiges Streitthema ist bei Jeans die Frage „Klassisch“ einfarbig normal (Sie sagt langweilig) oder komisch verwaschen und schon beim kaufen kaputt (Sie sagt modern)…

    Darum geh ich nicht gerne einkaufen. Aber ich hab nur noch 2 Jeans die nicht kaputt sind (also fast nicht kaputt ;)) und brauche deshalb neue.
    Bei Schuhen das gleiche. Meine zeitlosen Dr. Martens die ich vor gut 10 Jahren gekauft hab sind kaputt. Ich brauche neue. Die gleichen. Das versteht die Frau nicht. Da ich aber die Schuhe gut 2 Jahre länger hatte als ich die Frau bisher habe, zieht sie den kürzeren 😀

  4. @Reptil:
    Ja, still ist was anderes 🙂
    Aber ich muss sagen, den Unterschied zwischen Shoppen oder Einkaufen hätte ich auch machen können – wobei: so sonderlich steh ich auf beides nicht…

    @Der Maskierte:
    Ich gebe ja zu, dass ich auch die einen oder anderen Dinge mehr mag als andere. Klamotten kaufen sich ja doch anders als Leckereien. Aber wie du schreibst: Das Verlassen der Wohnhöhle…

    @Donngal:
    Das klingt schon nach einem tiefergehenden Shopping-Konflikt 🙂

  5. idriel

    Deine Shopping-Beschreibung kommt mir ziemlich bekannt vor. Aus genau dem Grund zwinge ich den BFÜ auch nicht, mit mir shoppen zu gehen. Lieber nehme ich eine Freundin mit, dass ist entspannter für alle Beteiligten… ^_^

  6. Ich möchte nur festhalten, dass ich das Wort Platte ganz bewusst auch benutze und das keineswegs auf nicht-up-to-date-heit schließen lässt…oder so 😉

  7. @Alex:
    Aber sehr bald wahrscheinlich schon 🙁

  8. Daran liegt es an Menschen wie uns, das Wort weiterzuverwenden.
    V.a. weil der Namensgeber aus Vinyl immer noch mit Abstand das beste Medium für Klänge ist…

  9. @Alex:
    Jetzt müsste nur die Tonabnahme noch verlustfrei klappen…

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