Finanzverwurstung

Ist ja noch nicht lange her, dass ich geschrieben habe, dass die finanzielle Situation der WG gerade ein wenig außer Kontrolle geraten ist. Vattenfall will ja (völlig berechtigt) 1440 € von uns, und zudem sollen wir die nächsten fünf Monate Abschlagszahlungen in Höhe von 278 € für unseren Strom bezahlen. Aus deren Sicht ist das logisch, aus unserer recht katastrophal. Denn wenn sie gleich 2000 € fordern würden und nur 100 € monatlich, dann wäre eine Rückzahlung der großen Rechnung in Raten ja drin. So natürlich nicht, denn bei aller Liebe: Mit 300 € Stromkosten kalkuliert ja kein Mensch, der nicht zufällig eine Server-Farm im Keller hat.

Natürlich ist die Krise zu gutem Teil hausgemacht. Es war vielleicht ein wenig naiv, die Kaution unserer alten Wohnung in den Plan miteinzubeziehen. Die verbleibenden Rücklagen einfach mal spontan für Hausrat auszugeben kann man auch nicht gerade als clever bezeichnen.

Leider ist das ja nicht alles. Nach wie vor gibt es kein Lebenszeichen von unserem Mitbewohner, und was in dem Fall noch schlimmer ist: Keine Anzeichen dafür, dass er irgendwann noch Miete zahlen wird. Es ist nicht viel Geld, das Nico hier in der Regel beisteuert. Wir haben uns auf 150 € geeinigt, und das ist ok. Dafür bewohnt er nur eine 8 m²-Höhle und es steht außer Frage, dass ich mit meinem Einkommen mehr trage als der Rest. Aber diese Regelung funktioniert eben nur, wenn sich alle daran halten.

Ozie hat bisher keinen Job gesucht, bzw. kein ALG beantragt, weil sie mit ihrem Geld so noch ein zwei Monate über die Runden kommt. Ich habe Polizei und Arbeitsamt am Hals, also fällt es auch mir schwer, das gerade auszugleichen. Wenn das von Anfang an geplant gewesen wäre, dann wäre da sicher was machbar gewesen – aber so klappt das nicht. Rein rechnerisch steht die WG gerade finanziell im Plus. Leider handelt es sich bei der Kaution und Nicos Miete derzeit nur um virtuelle Werte – die allerdings summieren sich auf deutlich über 2000 €.

Macht sich nur leider schwer als Pfand, wenn ein Stromanbieter Geld sehen will.

Bei unserem Ex-Vermieter geht dann heute der Vollstreckungsbescheid raus, insofern sollte sich das auch bald geklärt haben. Gerichtsvollzieher lassen sich für gewöhnlich nicht mit „Momendamoal, i schick ihne dess dann in a baar Woche zu“ abspeisen. Und eine Familie mit 2 Häusern und 54 motorisierten Sitzplätzen (für 5 Leute) wird an 1000 € nicht zugrundegehen.

Naja, die Sorgen sind seit heute vorbei. Inzwischen kann ich es kaum noch ausdrücken, wie dankbar ich dafür bin, dass mein Vater mir wieder und wieder mit teils abenteuerlichen Beträgen zur Seite steht, obwohl ich eigentlich alt genug bin und langsam gelernt haben sollte, mit Geld umzugehen. Nach einer elektropostalischen Anfrage hatte ich schon gestern die knapp gehaltene Zusage „Das Geld geht morgen raus…“ in meinem Postfach. Dieses Mal wird er sein Geld zurückbekommen, denn soo schlecht sieht es hier ja eigentlich nicht aus.

Ich fühle mich deutlichst erleichtert jetzt, das könnt ihr mir glauben. Bleibt nur die Frage, was jetzt mit unserem Mitbewohner ist…

11 Comments

Filed under Haushalt, Vermischtes

11 Responses to Finanzverwurstung

  1. @Aro:
    Hmm… wer bietet dafür Geld?

  2. Marcus

    Dann mal viel spass beim zahlen ;). Wobei ich immer noch nicht so ganz verstehe, warum du der einzigste bist…..der für die WG haftet.

  3. Aro

    @Marcus
    Das ist doch ganz klar: Weil er Taxifahrer ist und deshalb also
    1. reich ist und
    2. ein großes Herz hat 😉

  4. @Marcus:
    Ich hafte ja nicht für alles. Ich zahl nur ein bisschen mehr aufs Gemeinschaftskonto, weil ich mehr verdiene. Bietet sich ja einfach an. Gezahlt wird es nachher von diesem Konto, d.h. also ich hab lediglich ein bisschen mehr Anteil daran. Also eigentlich nix besonderes…

  5. @Aro:
    Sind das nicht Naturkonstanten bei uns Taxifahrern? 😉

  6. Aro

    Klar. Und nach der neuerlichen Tariferhöhung überlege ich ernsthaft, mir einen Zweit-Bugatti anzuschaffen.

  7. @Aro:
    Ach, das ist nun wirklich etwas übertrieben. Ich finanzier mir lieber drei oder vier Ferraris vom Trinkgeld. Das kommt in der Summe aufs gleiche raus, und so können meine Leibeigenen immer die gerade gefahrene Kiste waschen und Tanken, wenn ich vom Einkaufen zurückkomme 😉

  8. @ Sash: Jetzt tu nicht so, als würdest du bei dem Reichtum noch selber einkaufen. 😉

    @Marcus: Bei uns „haftet“ immer der, der gerade Geld auftreiben kann… 🙂

  9. schmandling

    euer mitbewohner wurde zuletzt beim arbeiten um 3 uhr morgens im ländle gesichtet!

  10. Aro

    @Sash
    Wie, Du fährst Deine Autos nochmal, obwohl sie schon mal schmutzig waren? Hartz-IV-Opfer, oder was?

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